Das gestrige Hagelwetter hat außer in M ü n ch e n auch in der Provinz schweren Schaden angertchtel. Aus der Gegend von Mühldorf, Landshnt und 91 c u m a r t werden schwere Schadenfeuer durch Blitzschlag gemeldet. In zahlreichen Gemarkungen sind die Fluren und Felder v o l l st ä n d i g zerschlagen.
T e r 9. D c u t s ch e F r c i c S t u d e u t e n t a g in Weimar faßte gestern in der Frage der Vertretung eine Resolution, in der der Genugtuung darüber Ausdruck gegeben wird, daß eine -Organisation der Freien Studentenschaft in Berlin wieder gefchafjen worden ist, wenngleich inan bedauert, daß infolge gesetzlicher Schwierigkeiten keine Form gewählt werden tonnte, die den Interessen der nicht- korporierten Studentenschaft entspricht.
Das M i l i l ä r l u f t s ch i i f „P a r s e v a l II." manövrierte gestern unter Führung des Hauptmanns George und des Fahr- ingenieurs Eberbach über Berlin. „Groß II." ivar ebenfalls, unter Führung von Major Sperling und Oberingenieur Basenach, ausgestiegen und jum ersten Male mit einem Funkenapparat ausgerüstet. Die Fahrt hat vorzugsweise den Zweck, den eingebauten Funkenapparat mit den anderen Stationen abzustimmen.
Vier französische Touristen, die in Gesell- schaft von zwei italienischen Touristen unter Leitung von zwei Bergführern eine Besteigung des Gran Dente, eines sehr steilen und zerklüfteten Gipfels der Seealpen, unternommen hatten, verunglückten in entsetzlicher Weise beini Abstieg. Tie Seile r i s s e n Plötzlich und die sechs Touristen stürzten in den Abgrund. Die vier Franzosen blieben auf der Stelle als schauerlich verstümmelte Leichen liegen, während die zwei Italiener schwer verwundet wurden.
Gestern früh um 1.15 und 1.31 Uhr erfolgten in Messina zwei heftige Erdstöße, die eine Anzahl noch erhaltener Mauern einstürzen ließen.
Ter Kommandeur des 12. Orenburger Kosaken-Regiments sowie verschiedene Offiziere des Regiments sind beschuldigt,' 500 000 -Mack veruntreut zu haben. Tas Kriegsgericht stellte sie .unter Anklage.
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** T i e 3-/2 M il l i o n e n - An l e i h e der Stadt Gießen 'liegt vom nächsten Samstag ab zum Kurse von 101,25 Prozent zur öffentlichen Zeichnung aus, in Gießen bei der Mitteldeutschen Kreditbank (s. Inserat).
। .— Deutsche und Preußische Anleihen. Tie Un- gewißheit über die weitere Gestaltung hat in den Kreisen der -Kapitalisten und der Bankwelt nicht geringe Beunruhigung und Bestürzung hcrvorgcrufen. So wurde schon vor einigen Tagen der „Franks. Ztg." aus Berlin berichtet nnd nun zeigte sich auch in der Kuröentwickelnng, das; die deutschen Staatspapicre sich 'in recht unerfreulichem Maße wieder auf dem Wege des Rück- lgangS befinden. Tie Seehandlung sowohl tote die Großbanken greifen nur zögernd zu beit ermäßigten Kursen, auch nicht gerade energisch ein. Schon die letzten Liquidationskurse zeigen, daß die 3proz. Anleihen des Reichs, Preußens und der Bundesstaaten nicht untoesentlich zurückgegangen sind. Bei den genannten Anleihen betrug der Rückgang je 1 -> Prozent, mährend die 2lus- landsanleihen, z. B. diejenigen des russischen Staates, Steigerungen bis zu l1 und 2 Proz. anfzutoeiscn haben. Die neuesten Rückgänge der Deutschen Fonds haben jetzt schon zur Folge, daß sich Bestände des Finanzkonsortiums wieder ganz erheblich uer- mehrt haben. Es könnte wirklich nicht Wunder nehmen, heißt es in dein oben zitierten Blatt, wenn das Konsortium unter solchen Umständen einmal aushört, alles an den Markt kommende Material aufzunehmen. Auch das Ausland hat gerade in den letzten Tagen ziemlich erhebliche Beträge von Reichsanleihen an den Markt geworfen, uird zwar mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, daß die finanziellen Zustände, tote sie gegenwärtig in Deutschland
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— Schiffsliste für billige Briefe nach den Vereinigt en Staaten von Amerika (10 Pfg. für je 2 0 Gramm): „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 8. Juni, „Cleveland" ab Hamburg 10. Juni, „Kaiser Wilhelm II." ab Lremen 15. Juni, „Kaiserin Auguste Victoria" ab Hamburg 17. Juni, „Kronprinz Wilhelm" ab Bremen 22. Juni, „Prinz Friedrich Wilhelm" ab Bremen 26. Juni, „Kronprinzessin Cecilie" ab Bremen 29. Juni t"Postschluß nach Ankunft der Frühzüge). Alle diese Schiffe außer „Cleveland" sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor deut Abgang die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvernterk wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Homburg" zu verseheir. Die Portoermäßigung erstreckt sich nur aus Briefe, nicht auch auf Postkarten, Drucksack^en nsw. und gilt nur für Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten Amerikas, z. B. Canada.
Literarisches.
— „Die Hugenotten", Meyerbeers reifste nnd größte Schöpfung, bringt das soeben im Verlag Ullstein n. Co., Berlin SW 68, erschienene neneste Heft der „Mnsik für Alle". In der neuesten Nummer der Zeitschrift ist das Werk in seinen schönsten Teilen »viedergegeoen. Keine der effektvollen, inelodiösen Arien vermissen wir, die entzückenden Balletszenen und die mächtigen Chöre sind vertreten. In chronologischer Folge hat der Herans- geber sozusagen das ganze Werk in knapper, leicht spielbarer Form zum Ausdruck gebracht, und besonders der verbindende Text, sowie der Einfnhrungsartikel vervollständigen das Heft zu einem einheitlichen Ganzen.
— Schweiz. 20. Auflage. Mit 33 Karten, 13 Plänen und 30 Panoramen. (Meyers Reisebücher.) In Leinwand gebunden 6‘/7 Mk. — Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Ein Reisehandbuch, das bereits die 20. Auslage erlebt, bedarf keiner weiteren Empfehlung. Eine solche Tatsache spricht sckoi, allein genügend für Die Güte dieses Buches, das übrigens den Grundstock der seit 1862 auf 32 Bände angeivachscnen Sammlung „Piepers Reisebücher" bildet. Erregte es schon damals Aufsehen durch die Reichhaltigkeit des Textes wie dtirch die noch nicht dagewesene üppige Ausstattung mit Karten, Plänen und künstlerischen Stahlstichen, so darf auch die neue Auflage, wie sie nun nach inanchen durch den Laus der Zeiten bednigten Wand- ltingen vor uns liegt, als innsterglltig angesprochen werden. 'Meyers Führer dtirch die Schweiz, in dein auch die Ober italienischen Seen berücksichtigt sind, ist ans Griind eigener Anschainingeit der Gegenwart anqepaßt, ivobei die im Mittelpunkt des Touristenverkehrs liegenden Gebiete bevorzugt wurden, während entlegene Rollten nebensächlich behandelt sind. Kartographisch ist der Führer diesmal bereichert worden um neue Karten be5 Bodensees, Rheinfalls nebst Plänchen von L'trdari, ferner dtirch Karten der Umgebung von Lugano nnd von Pallairza-Stresa. Neri 'st ein Pano rama vom Nieserl, der nach Eröffnung der Drahtseilbahn für alle Bxsucher des Berner Oberlandes erhöhtes Interesse Hervorrufen ivird. Auf die Eiltrichtung, die es ermöglicht, deu stattlicheit Okrcw- band in vier selbständige Teile zu zerlegen, sei nnd) hier hin- gewiesen.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gieße».
9»
6V
9,4
Wetter
742,1 I 15,9 11,3
741,5 i 12,7
743.8 18,3 11,0
Sonnenschein Bed. Himmel Sonnenschein
(ID I cd
Höchste Temperatur am 3. bis
Niedligste , „ 3. „
SE 8 SE
70
84
87
4. Juni = -4- 19,66 C.
4. „ = + 10,80 C.
Juni
1909
Gießener Wetterdienst.
'Voraussichtliche Witterung für .vefien am Sonntag dein
6. Juni: Veränderliche Bewölklmg. Vielsach Gewiterregell. Südliche Winde.
W a s s e r w ä r >n e der L a h » 15°R.
OrigLnal-Drahtmel-ttNgen.
Berlin, 5. Juni. Die Rational-Ztg. schreibt: Immer wieder tauchen Gerüchte auf, daß Reichsschatzsekrctär Sydow seinen Posten zu verlassen gedenke. Diese Mitteilungen sind völlig grundlos. In Regicrungskreisen ist man der Ansicht daß zu dem Wcktritt des Herrn Sydow nicht der geringste Anlaf vorliege, vor allem weil durch einen Personenwechsel nichts gc Wonnen würde.
Wien, 5. Jutti. Zwischen Rom, Paris, London und Peters bürg sind Vorverhandlungen über die Kreta frage im Gange Man befürchtet eine bedrohliche Zuspitzung derselben, da der griechische Hof angeblich 'für die Dynastie fürchtet, wenn jetzt nichts zu Gunsten der Annexion Kretas geschehe. Der griechische König erklärte jungst, er wolle abdankett, wenn Griechenland verhindert werden sollte, für Kreta etwas zu unternehmen.
Budapest, 5. Juni. In hiesigen politischen Kreisen will man bereits wissen, daß'der Kaiser die Vorschläge Kossuths und des Grafen Andrassy nicht akzeptiert, sondern daß die Ernenmrng des Grafen Khuen-Fejerwary zum Ministerpräsidenten sicher sei.
Budapest, 5. Juni. Der offizielle Saaten stands-- bericht des Ackcroauministeriums konstatiert, daß der Saatenstand in Ungarn infolge der in der zweiten .Hälfte des Mai cin- gctretenen Regensällc sich gebessert hat.
Paris, 5. Juni. Tie in Casablanca fahnenflüchtig gcwordenetz Fremdcnlcgionäre befinden sich noch immer int Gefängnis. Sie sollen vor das Kriegsgericht gestellt werden, sobald das Haager Verdikt veröffentlicht sein wird.
Belgrad, 5. Juni. König Peter hat sich in dem Konflikt seines ältesten Sohnes mit dem Major Okanowitsch entschieden auf die Seite des letzteren gestellt. Er gewährte dem Major gestern eine zweite Audienz und übertrug ihm mit Zustimmung des Kronprinzen ein Regimeittskommando in Risch. Prinz Georg war darüber so erbittert, daß er in einem Schreiben an den König drohte, seine Offiziers-Charge niederzulegen, wenn ihm nicht durch sofortige Ausschließung Okanowitsch' aus der Armee Genugtuung gegeben werde.
Saloniki, 5. Juni. Privatmeldungcn schildern die Lage in Südalbauien trotz offizieller Ableugnungen nls .ernst. Die Behörden haben jede Autorität verloren. Alle militärischen Vorkehrungen erweisen sich als unzureichend.
_ London, 5. Juni. Kapitän Cave Brown forderte, daß England die Vorherrschaft in der Luft an sich reißen müsse und machte den Vorschlag, ein Luftschiff nach dem Zeppelin - T v p zu bauen. Es werde dann den engliscknn Ingenieuren gewiß ein Leichtes sein, an der Hand dieses Modells ein noch besseres lenkbares Luftschiff herzustellcn.
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