Ausgabe 
3.7.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Samstag 3. Juli 1909

Nr. 153

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

ein»

DieSiehener Zamilienblätler" werden dem «Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

20 gebrauchte ° eilgetauschte

rungen wird der Abschnitt über die Wohnungsgeldzuschüsse stimmig angenommen.

Montag Weiterberatung der Besoldungsordmmg.

In der ReichStagskommisfion für die Gewerbeordnung

Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen UnwersitätS - Buch- ünd Steindruckerei.

R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redaktiome^l 12. Tel.-Adr.: AnzeigerDießen.

Der Gustav-Adolf-verein.

Unsere Stadt rüstet sich, in der nächsten Woche den Hessischen Hauptverein der Gustav-Adolf-Stiftung zu seiner 65. Jahres­versammlung in, ihren Mauern auszunehmen. Mit vollstem Recht erfreut sich gerade dieser Verein allseitiger Untetftü&ung unh- freudiger Teilnahme der Evangelischen in Stadt und Land. Be­kannt und beliebt ist der Gustav-Adolf-Verein wohl, aber in anbetracht dessen, was ihm zu leisten obliegt, und was er sich vorgenommen hat, noch lange nicht bekannt und beliebt genug. Vielleicht dürfen nachfolgende Zeilen um noch größeres Interesse sür ihn werben. Wir in Hessen haben ja besondere Veranlassung, für den Gustav-Adols-Verein einzutreten. Zwar war bald nach dem 200 jährigen Gedächtnistage dec Schlacht bei Lützen (6. Nov. 1832) in Sachsen der Gustav-Adolf-Verein ins Leben gerufen worden, auch hatte man -einzelne Zweigvereine gegründet und Beiträge bekommen, aber erst, als der Hess. Hofprediger, Dr. Karl

chiedener Fabrikate. 1 erhalten, von Hk. 20.- bi,

ov.- sofort (D*/« za verkaufen.

Hessische itomobü-Anstalt ster Kronenberg jph. 680. Süd-Anlage 7.

'ast noch neues ssabnad u. iaaa&a

aus den Reichstagskommisstsnen.

Die Büdgetkommisfiou des Reichstages fetzte am Freitag die zweite Lesung des Besoldungsgesetzes fort. Der Bericht über die erste Lesung liegt noch nicht ge­druckt vor.

§ 6 des Entwurfs des Besoldungsgesetzes, der in der ersten Lesung der Kommission § 29 geworden ist, besagt bezüglich der Wohnungsgeldzuschüsse, daß der Reichshaushallsetat bestimmt, welche Beamten und Offiziere den im Tarif angegebenen Tarif- klassen beizuzählen sind. Das wird dahin geändert, daß nicht der Reichshaushaltsetat, sondern die Besoldungsordnungen darüber zu bestimmen haben.

Rach 8 42 der Kommisjionsvorlage wird der Reichskanzler ermächtigt, den Beamten, die ein geringeres pensionsfähiges Ge­halt beziehen als bis zum Inkrafttreten des Gesetzes, das Mehr über die in der Besoldungsordnung angegebenen Stufen hinaus bis zu ihrem normalmäßigen Ausrücken in eine höhere Stufe zu bewilligen. Abg. Erzberger beantragt, hinzuzufügen: Haben diese Beamten das Höchstgehalt ihrer BesoldungsÜasse bereits er­reicht, so wird die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses nicht eingesetzt. Ein Regierungsvertreter sagt zu, zu Protokoll eine dementsprechende Erklärung der Regierung zu geben, bittet aber

; & AbgA L^' ffli W

KE

Friedrich des Großen Lieblingsschwester.

Am 3. Juli dieses Jahres werden 200 Jahre verflossen sein, seit dem damaligen Kronprinzen von Preußen, Friedrich Wilhelm, eine Tochter geboren wurde, die spätere Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, deren Namen in der Geschichte durch ihren innigen Freundschaftsbund mit ihrem großen ^Bruder ^Unsterblichkeit er­langt hat. Zwar ichrer Geburt den Memoiren der 3.

«Säte te! H-nE-L

nahm Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg Stellung zu den Kommissionsbeschlüssen über die Lohnämter. Der Staat dürfe sich nicht an der Festsetzung der Löhne beteiligen. Tie Kommission habe ihre Beschlüsse gefaßt ohne Fühlung mit der öffentlichen Meinung, die in diesen Monaten von ganz anderen Dingen in Anspruch genommen sei. Sie seien gefaßt ohne sorgfältige Prüfung. Wolle die Kommission, daiß die Gewerbenovelle zu­stande komme,, dann müßten diese Beschlüsse wieder beseitigt werden. Im Verlaufe der Aussprache erklärte Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg es erneut für unzulässig, daß dec Staat sich in die Lohnfrage eimnische. Tas gehe auch nicht an etwa durch Sanktion von Bestimmungen der Tarifverträge. Es gebe unter feinen Umständen an. Australien könne für uns nicht maß­gebend sein. Abg. Naumann (Freis. Vg.) betont die Notwendig­keit einer Behörde, die die Durchführung der Verträge sicherstellt. Die Arbeitskammern sollen es auch nicht tun dürfen, also wer denn? Tas müsse doch eine paritätische Körperschaft tun. Der Staat müsse die Rechtsfähigkeit verleihen, um bis Unterlöhne zu verhindern. Aba. Manz (Freis. Vp.) bekämpft den hierdurch herbeigeführten Eingriff in das Privatrecht der Arbeitgeber, dec zu Unzuttäglichkeiten führen müsse. Dann müsse der Staat auch für Aufträge sorgen. Wir wollen alle der Hausindustrie helfen, aber aus diese Weise gehe es nicht. Der Redner empfiehlt den Weg durch das Arbeitskammergesetz. Abg. Fleischer (Zentr.) begrüßt den Gedanken des Staatssekretärs, daß die Arbeitskammern mehr zur Regelung der Heimlohnfrage herangezogen werden sollen. Er hält es ober doch für wünschenswert, daß der Staat zu einer Vereinbarung seine Sanktion gibt, als Stärkung, aber ohne staat­liche Verantwortung. FreMch rechtsberbindlich mutz es schon fein, um die Schmutzkonkurrenz zu verhindern. Ter Staatssekretär wiederholt den ablehnenden Standpunkt., In hygienische Tinge könne der Staat eingreifen, aber nicht in die freie Lohnregulierung.

in seiner plumpen und doch zärtlichen Offenherzigkeit:Meine Tochter ist häßlich und blatternarbig, aber trotzdem ein braves Ding. Vor drei Jahren hättet Ihr sie noch schöner haben können." Als dann aber aus diesem Plan nichts wurde und als Wilhelmine in die Flucht Friedrichs und die tragischen Konflikte zwischen Vater und Sohn verstrickt wurde, da mußte sie die fürchterlichsten Szenen im Berliner Schloß erleben und die härteste^Züchtigung von ihrem Vater erfahren. Sie war an Leib und Seele so ge­brochen, daß sie ihr Bett nicht verlassen konnte, und ihre hoch­gradige Nervosität, die eigentliche Krankheitsgeschichte, die sie bis zu ihrem Tode immer wieder niederwars, nahm von hier ihren Anfang. Ter Vater, der sie fürkompromittiert" hielt, zwang sie nun zu der Hochzeit mit dem Erbprinzen von Bayreuth; unter schweren innerlichen Qualen beugte sie sich dem harten väterlichen Willen und ließ sich von dem Minister Grumbkow den Unter­werfungsbrief diktieren, in dem sie sich zu jedem Gehorsam be­reit erklärte. Aber drei Tage nach diesem Bries blieb sie ohne Trank und Speise. Ein Bruch kam mit dieser Heirat in ihr Leben: fein volles Glück sollte ihr erblühen. In den engen beschränkten Verhältnissen des Bayreuther Kleinstaates mußten die Flügel ihrer stolzen und großen Seele erlahmen: dazu wurde sie durch äußere Not und innere Seelenpein bedrängt. Solange ihr Mann Erbprinz war, war sie aus die spärlichen Almosen von ihrem Vater angewiesen: bei Grumbkow mußte sie sich sür stärkenden Ungarwein bedanken, den sie sich selbst nicht anschassen konnte. Später ging ihr charakterschwacher Gemahl mit einem Fräulein von Marwitz ein Verhältnis ein, unter dem sie sehr litt. In all dieser Not lag chr ganzes Glück in der engen Freundschaft be­schlossen, die ihren Bruder mit ihr verband: die furchtbaren Jahre gemeinsamen Elends und gemeinsamer Gesahr hatte ihr Geschick zusammengeschweißt, ihre Seelen für immer d er bunten. Als Friedrich den Thron bestieg, trat fteilich eine Entfremdung und Verstimmung zwischen den beiden ein, die durch mancherfti Miß- verständnisse genährt wurde. Friedrich glaubte, daß die Schwester mit seinen Feinden, den Oesterreichern, konspiriere; sie verscklotz ihr Herz schamvoll vor seinem brüderlichen Trost und teilte ihm von ihrem häuslichen Elend nichts mit. Sein Aecgcr äußert sich in spitzen und malitiösen Briefen, aus derem Ton die ticfschmerz- liche Wunde, die seinem Herzen geschlagen war, deutlich zu er­kennen ist; sie leidet still, aber ihre Verbitterung und ihr Groll werden aufgespeichert in den Memoiren, denen sie jetzt, zwischen 1744 und 47, ihre Vollendung definitive Gestalt gibt. Ter scharfe und häufig gehässige Ton, der diese Denkwürdigkeiten trotz ihrer brillanten Erzählungskunst bisweilen so unsympathisch macht, ist daraus zu erklären. Tenn als ihr Friedrich wieder die Hand zur Versöhnung reicht, da greift sie freudig zu und gibt alle ihre Wärme unö Herzlichkeit wieder dem allein geliebten Bruder hin. In ter traurigen Zett des siebenjährigen Krieges rafft sich ihre

Grammovbon, neu, nir - und ein rasicnrcincr ickcr Lchäierbund, auhei- ilichfchon.Äemol,3Mon. peri. 137381 Mujtflbt S.

aus formellen Bedenken, das nicht ins Gesetz aufzunehmen. Ter Antrag wird hierauf zurückgezogen. Zu den Schlußvorschriften der Besoldungsvorlage wird eine von Erzberger beantragte Re­solution angenommen, die den Reichskanzler ersucht, alsbald im Interesse der Sparsamkeit und der Vermeidung der steten Vermehrung der Beamtenschaft die erforderlichen An­ordnungen zu treffen, nach welchen erstens bei künftigen Etats­ausstellungen die Zahl der nichtetatsmäßigen Reichsbeamten in den Erläuterungen zu den einzelnen Positionen angegeben wird, zweitens eine etwa notwendig werdende Ueberjdjreitung dieser Zahl während des Rechnungsjahres nur mit Zustimmung des Reichskanzlers (Reichsschatzamts eintreten darf.

Hierauf wird über die Petitionen zum Wohnungs­geldzuschuß verhandelt. Nach langer Erörterung wird München, unter Widerspruch des Reichsschatzamtes, aber unter lebhafter Zustimmung des bayerischen Bundesratsbevollmächtigten, mit 15 gegen 13 Stimmen in die Klasse A hinausgesetzt. Ebenso wird den 'Wünschen einiger kleinerer Orte auf Hinaufsetzung in die nächsthöhere Klasse stattgegeben. Abgelehnt werden die Eingaben von Bromberg, Darmstadt, Leipzig, Gtzreifswald, Dresden, Offenburg, Hannover, Hamburg, Metz Quakenbrück, Trier, Ostrowo, Duisburg, Warburg, Arnsberg, Wesel, Homburg, Memel, Geestemünde, Lehe und etwa 30 weitere Petitionen. Tie Eingabe von Stuttgart wird mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt.

Mit den in der ersten Lesung und heute beschlossenen Aende-

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhrffen

schon das nahe Ende vorausfühlende Seele zu heroischer Be­geisterung auf: sie will mit dem Bruder, der mit feinem König­reich leben und sterben wird, gemeinsam in. den Tod gehen. Ihr letzter Brief vom 10. August 1758 ist ein ergreifender Abschied, in dem alle ihre Hingebung und Liebe noch einmal zum Ausdruck kommt. Am 14. Oktober- 1758, als Friedrich in den wogenden Nebeln des Herbstmorgens durch den Ueberfall bei Hochkirch der Vernichtung nahegebracht wurde, traf ihm ein furchtbares Un­glück: seine Lieblingsschwester starb ihm. Ihre letzten Wüniche und Gedanken hatten dem Brüder gegolten, dem sie näher ge,tandcn und den sie besser verstanden als irgend ein anderer Sterblicher, den sie über alles geliebt hatte.

*

Goethe und die Reichsfinanz resorm. Beiden Goethe-Festfvielen in Düsseldorf kam auch .Faust ü" zur Auf- mhrung. Tie Eröffnungsszeue der .kaiserlichen Pfalz" erregte, wie wir in dec .Bergiich-Märkischen Zeitung" lesen, immer mehr an- wachsende Heiterkeit, denn da klagt der Schatzmeister:

Auch auf Parteien, wie sie heißen, Ist heutzutage kein Verlaß.

Die Geldespforten sind verrammelt, Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt, Und uns're Kassen bleiben leer/

Sogar der .schwarze Slod* kommt vor, denn Goethe'S Kanzler sagt:

..... Kaisers alten Landen

Sind zwei Geschlechter nur entstanden. Sie stützen würdig seinen Thron, Tie Heiligen sind es und die Ritter; Sie stehen jedem Ungewitter, Und nehmen Kirch' und Staat zum Lohn.* Und bann klagt der Kaiser mit Recht:

Tadurch sind uns're Mängel nicht erledigt, Was willst du jetzt mit deiner Fastenpredigt? Ich habe satt das ewige W i e und Wenn; Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff' es btnn.'

-h. Das Ereignis. Ter W e 11 s p i e g e 1, die illustrierte Beilage zum Berliner Tageblatt, bringt in feiner Nummer 52 vom 1. Juli u. a. ein Bild von einer der Hauptstraßen des chinesischen Viertels von Newyork mit dem Zusatz, ein Blickin jene Straße, in der Miß Gifte Segel ermordet wurde". Nun ist das Bild da­durch immerhin etwas beachtenswert, daß es eben aus dem chine­sischen Viertel stammt, aber der textliche Zusatz, um dem ganzen einen ,aktuellen" Anstrich zu geben, ist doch ein bißchen seltsam. Es sollte doch eigentlich nicht möglich fein, daß große Zeitungen sich zu Pionieren der Schauerliteratur bergeben.

gibt ihr Biograph Richard Fester als Datum 9. Juli au, doch wird von ihr selbst in ihren ____________ ... Juli als ihr Geburtstag genannt. Diese Me­moiren, die in ihrem glänzenden Plauderstil dem Andenken an die Fürstin auch in der Literatur einen bedeutenden Platz sichern, sind zum Ausgangspunkt der verschiedenarttgsten Urteile über sie gemacht worden. Tie Ausnahme von allerlei Hofklatsch, die mokante und verbitterte Art, in der sie ihre Umgebung schildert, die mannigfachen Unrichtigkeiten, die in diesen Aufzeichnungen nachgewiesen wurden, all dies ließ das Werk als geschichttiche Quelle ungeeignet erscheinen und warf ein zweideutiges Licht auf den Charakter der Verfasserin, dem besonders Maeaulay und Droysen Ausdruck gegeben haben. Erst in neuester Zeit hat man sich zu einer gerechteren Beurteilung und einer unvoreingenom­menen Vertiefung in ihr Wesen durchgerungen; besonders Stof er uitb Fester haben der seelisch und geiftig hochstehenden Frau, die Friedrichsein zweites Ich" genannt hat, eine Ehrenrettung zu­teil werden lassen. Eine düstere traurige Stimmung ist um das Leben dieses Königskindes gebreitet, das von ftühauf bte Schatten­seiten eines Lebens auf der Menschheit Höhen soviel besser kennen gelernt hat, als die Sonnenhelle. Tie Mutter, die im Gegen­satz zu dem einfach strengen Vater eine gewisse Verzierthett und Verbildetheit in ihr pflegte, ließ sie von dem Gelehrten La Croze unterrichten, der ans ihr ein kleines Wunder an Vielwifserei machte, ihr alle Einzelheiten der Geschichte einpaukte und eine witzige Altklugheit in ihr bestärkte. Bücher wurden früh ihr liebster Besitz und Friedrich der Große hat später gestanden, daß sie ihm erft den Geschmack am Lesen beigebracht habe, während er ohne ihre Stachelreden in träuniLrifchen Müßiggang versunken wäre. Aber die Treibhausatmosphäre, in der die beiden Geschivifter aufwuchsen und die dem genialen Knaben weniger schaden konnte, machte aus der kleinen Wilhelmine ein verschüchtertes, melan­cholisches, in sich verschlossenes Mädchen. Tazu kam noch die schon in ihrer Kindheit von den Eltern vielbesprochene Abncht, die Carlyle mit den derben Worten des Vaters roietergibt:Wil­helmine soll stracks unter die Haube." Ter Königin sehnlichster Wunsch, die Heirat mit dem Prinzen von Wales, sollte nicht in Erfüllung gehen, obwohl Friedrich Wilhelm nichts^ dagegen ge­habt hätte, wenn er nicht zugleich die Verheiratung Friedrichs mit einer englischen Prinzessin hätte in Kauf nehmen sollen. -Ler König brachte bereits öffentlich die Gesundheit Wilhelmines und des Prinzen aus und sagte zu dem englischen Gesandten Hotham

Stimmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 2. Juli.

Nach dem Bier der Tabak. In dreifacher Siebung hat die Steuervorlage der Regierung eine Gestalt erhalten, in der sie nicht mehr wiederzukennen ist. Die Banderole aus der ersten Lesung des Plenums wurde zur Gewichtssteuer in der ersten Lesung der Kommission und die Subkommission machte daraus den Fat- turenwertzoll: so geläutert machte der Tabak denselben Weg zurück. Aus der Subkommission heraus in die zweite Lesung der Kom- inission und aus dieser jetzt hinein in die zweite Lesung des Ple­nums. Tic Banderole blieb in den Protokollen der Subkommission: versunken und vergessen: der Schatten der Gewichtssteuer stieg als freisinniger Antrag mit hinauf an die Oberfläche der Plenar­beratung. Mit sachverständigem Eifer hatten sechs oder acht Herren in der Subkommission sich lange SBodjen vergeblich bemüht, aus dem komplizierten Stoff ein brauchbares Steuergesetz zu machen, bis sich auch hier der neue Block herauskristallisierte und die Vertreter der Linken, die es. nicht für die Aufgabe des Parlamentes (halten, Steuern gegen das Gewerbe zu machen, sondern solche mit dem Gewerbe in hoffnungslose Opposittons- ftellung drängten. Dieselben sechs bis acht Herren führten die­selbe Auseinandersetzung dann in der Hauptkommission, und ge­nau dieselben Abgeordneten auch jetzt im Plenum. Tas in Er­wartung ter Abstimmungen präsente Haus ließ teilnahmslos die Reden und Gründe, die es schwarz aus weiß in den Berichten der Subkommission und der Kommission auf den Plätzen liegen hatte, über sich ergehen. Nur oben auf den Tribünen hatten die Redner aufmerksame und verständnisvolle Zuhörer, denn dort saßen die Herren vom Tabakverein, bis zum letzten Augenblick noch die öoffnung auf die Abstimmungen setzend. Aber als es nach sieben* stündigem Reden dann schließlich zu den Absttmmungen kam, da setzte der polnisch-klerikal-konservative Block sein Siegel unter die Abmachungen seiner Vertreter. Und morgen kommt der Brannt­wein an die Reihe. Jeder Tag hat jetzt seine Steuer. .

Die neue Situation im Reichstage

zeigt auch dem Tribünenbesucher tagtäglich charakteristische Bilder. Hier sieht man die konservativen Häupter, Frhrn. o. Richthofen und Herrn v. Heydcbrand, in der Mitte des Saales in eifrigem Gespräch mit den Zentrumssührern Spahn und Frhrn. v. Hert- ling. Tort pflegt Graf Westarp, der gegen den Polen gewählte Abgeordnete sämtlicher deutschen Wähler in Mescritz-Bomst, traute Zwiesprache mit dem Abgeordneten oon Biberach, just demselben Erzberger, der den Zentrumsritt in die Ostmark unternommen hat, mit die deutschen Katholiken vom gemeinsamen Abwehrkampfe gegen die Polengefahr abzuziehen. Hält das nationale Ehrgefühl den Herrn Grafen nicht von solcher Bruderschaft ab, so sollte we­nigstens der gute Geschmack sie ihm verbieten. Aber aud) einige hohe Herrn vom Bundesratstisch finden sich mit überraschender Fixigkeit in die neue Situation. Insbesondere Herr Sydow scheint in rührender Nächstenliebe alle die Fußtritte und Flegeleien der Herren um Tiederich Hahn und Gröber vergessen zu haben. Wir dächten, aud) bei neuen politischen und parlamentarischen (Situationen gibt es so etwas wie Würde und Selbstachtung, das zu wahren auch Regierungsvertteter ein Interesse haben dürften.

Zimmermann in Darmstadt, noch unbekannt mit ter sächsischen Gründung, am Reformationsfeste 1841 einen Ausruf an die Pro­test an ns ckw Welt erließ und denselben mit der Aufforderung an alle Evangelischen schloß, einen Verein für die Unterstützung hilfsbedürftiger protcstantifck)er Gemeinden zu gründen, als dieser Aufruf ungeahnte Begeisterung in weitesten Kreisen weckte, da war die Sad)e des Gustav-Adolf-Vereins, ober wie es richtiger heißt, des Evangelischen Vereins der Gustav AdolftStistung, teft gegründet. Durch den Zusainmeiischtuß ter biöteriqen Freunde und Gönner erfolgte am 21. und 22. September 1843 die kon­stituierende Hauptversammlung in Frankfurt a. M., auf der sclwn 28 Vereine durch Abgeordnete vertreten waren. Ungeachtet mancher Bedrängnisse und Schwierigkeiten, die ihm bereitet wur­den, ist ter Gustav-Adolf-Verein Dank bet Opserwilligkeit ter deutsch-evangelisdstn Bevölkerung, dem Wohlwollen fürstlicher Pro­tektoren irrib ber hingebenden unerntüblidten und umsichtigen Liebesarbeit seiner Vorstairde und vor allem seiner Zentral- leitung, dem Zentralvorstanbe in Leipzig, zu einem berrhd>crt Werke gebiehen. Er wird einem Riesenbaum verglichen, in dessen Scl-utz unzählig viele Zuflucht gefunden haben und Jahr für Jahr finden, einem Riesenbaum nut seinen Aesten, den 44 Haupt- vereinen, seinen Zweigen, den 2035 Zweigvereinen, den Fräftiaen Ranken, 696 Frauenveremen und wenigen, kleinen Trieben, Den 5 Studenten vereinen.

Daß ein solch gewaltiges Unternehmen seinen Zweck möglichst vollkommen nut erfüllen kann, wenn es bis ins Einzelste or­ganisiert ist unb tabellos funktioniert, ist sicher. Man kann sich kaum einen Begriff davon machen, welche Arbett in dieser Be­ziehung dem Präsidenten, dem Schriftführer, dem Kasiierer und dem Generalsekretär des Zenttalvorstantes obliegt. Fast 11000 Schriftstücke sind in jedem ter letzten Jahre auf dem Zentral- bureau eingegangen, mehr als 6500 wurden hinausgegeben: dazu kommen die Geldsendungen, die einlaufen uni) ausgeheu, die Zusammenstellung der Rechnungen aller Vereine, der Jahres- beridtfe usw., die Registrierung jeder Nummer, wahrlich, eine oberste Lantesbehörde hat keine umfangreichere Geschäftsführung.

Getteu seinem Wahlspruch Gal. 6. 10.Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen", will sick) der Gustav-Adolf-Verein jener Evangelischen annehmen, die bei kleiner Zahl durch ihre Umgebung, durch ihren Aufenthalt unter Andersgläubigen, 'meist arm, in ihrem Glauben gefährdet sind und sich desselben nicht gemeinsam erfreuen, sich nicht gegen­teilig darin stärken können. Ihnen allen, ganz gleich ob es Lutheraner oder Reformierte oder Unierte sind, läßt er seine Hilfe, seine Unterstützung zukommen: er sammelt sie zu Gemeinden, sorgt für Kirchen- und Schulbauten, für Pfarr- und Lehrer- Wohnungen, die zerfallen oder zu klein, oder garnicht vorhanden, sind, schickt jenen Glaubensbrüdern Prediger, die ihnen Gottes­dienste halten, bte Kinber taufen, die Brautpaare trauen, Kranken und Sterbenden Trost zusprechen und die Heimgegangenen zu Grabe geleiten, sendet .Lehrer aus, die evangelische Kinder in evangelischem Geiste unterrichten, beschafft hier eine Glocke, einen Friedhof, dort ein Harmonium, die nötigsten Altargeräte. Auf die großen Nöte unserer evangelischen Glaubensgenoisen in der Zerstreuung will ick) hier im einzelnen nicht genauer ein gehen: wir werden in den kommenden Tagen v-zn sachkundigen Atämiern ausführliche Berichte erhalten. Tas aber sei betont: mit Politik und antikathvlischen Bestrebungen hat das Friedenswerk des Gustav- Adolf-Vereins nichts zu tun. Ohne Unterschied der Sprach: ur.b der Nationalität werten Evangelische unterstützt; fern allen Pro- pagandaabsichten, aller Proselytmacherei, in echter Toleranz, die bei aller Anerkennung fremder Ueberjeugung fest für die eigene eintritt, wird nur für die Erhaltung evangelischen Lebens mtb Glaubens Sorge getragen.

Durch Jahresbeiträge, Einzelsammlungen und Vermächtnisse stehen dem Verein schöne Mittel zur Verfügung, um fein segens­reiches Werk zu fördern. Im Jahre 1907 hatte der Gustav- Adolf-Verein in Deutschland eine Einnahme Don 1 731102,62 Mark; das werbend angelegte Vermögen betrug 4019 321,52 Mark. Wieviele Hilferufe aber werden an ihn gerichtet! Aus- gegeben wurden von den deutschen Vereinen 1907 1601078,67 lJlarf. Unterstützt wurden damit unb mit den Beiträgen aus dem Auslände 1311 Gemeinden im Deutschen Reich, 790 in Oesterreich- Ungarn, 226 in sonstigen Ländern, wobei 121 Gemeinden neu in den Unterstützungsplan ausgenommen wurden. Seit dem Be­stehen des Vereins wurden Dom deutschen Gustav-Adolf-Verein 44 515 936,76 Mark ausgegeben: die Gesamtzahl der bisher unter­stützten Gemeinden beträgt 5790.

Ob wir im deutschen Vaterlande wandern und unsere Schritte

..LKk

eilen"

nem verkehrsreichen £rte lend mit großer juftinii, tion der Streite Stod auietbad), ui ein neuer Sobnbau8,888 qm ©arten. lijerleitunQ, 8 Rimmern, ii, Seüem, Stall rc., für Miiomenen Scannen gc- billig zu verkaufen. Das- eignet iid) auch tot eine ceibmibluna-foroiefiiremen >r, da viel M'iveckM^ hier am Platze und in. der Midili und dlefeGefchaM'

ler WW«i» iehenet Anzeiger-. W lÄckw-AU eingelegte, gut erhaltene iode 'Kertmni vreiswerl k WM' Wolmr^u.

i.

'"""wSiseyS

Cb»h4i b Qe »«W

Etz MM