Erstes Blatt
15S. Jahrgang
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
erstes Blatt ISS.Jahrgang Mittwoch SS. Dezember 1809
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bte vo°r7wuaK^üh? Rotationrdruck und Verlag der vriihl'schen Vniv.-Vuch- und Zlemdruckerei K Lange. «edaMon, LfpedMon und vrirckerei: rchulstratze 7. 8nzeigenteN
was iann dar hessische Volk von seiner Regierung sordern?
■■ Darmstadt, 29. Dez.
^cit der Mitteilung des Finanzministers zum Staats- voranschlaq 1910 mit der Aussicht auf ganz außerordentliche Steuererhöhung richtet sich die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit auf die Betrachtung der Ursachen unserer Finanz not. Tie seit Jahren in der Presse und in der Ständekammer vereinzelt geäußerten Bedenken, daß ein so kleines Land wie.Hessen sich nicht das Gebaren und die Einrichtungen eines Großstaates leisten könne, sind meist un- gchört verfallt: jetzt allmählich gewinnt die Einsicht die Oberhand, daß diese Bedenken vollauf berechtigt waren und die Anträge in der Kammer auf Vereinfachung der Staatsverwaltung und der Organisation der Staatsbehörden, sowie auf Einführung zweijähriger Budgets u. a. m. haben in der Presse eine ganze Literatur von ähnlichen Vorschlägen gc- ßcitiat.
Unter der Devise „Hessen voran" ist in dem letzten Jahrzehnt ein großer Wettlauf bei den obersten Regierungsbehörden nach allen Richtungen eingetreten, auf dem Gebiete der Wohlfahrtseinrichtungen, des Schulwesens, der Kunstpflege, des luxuriösen Bauens. Behörden wurden erweitert und vermehrt unter dem Stichwort der intensiveren Bewirtschaftung und zentralisierter Verwaltung, und die Landstände haben lustig baraufloS bewilligt in dem Glauben, wenn der Finanzminister nichts dagegen einzuwenden habe, werde wohl nichts schief gehen. Und doch ist cs gründlich schief gegangen! Tie stetig rvachscnden Einkommensteuern, die Staatsloiierie, der Atillionenüberschuß aus den Eisen- bahnerträgnisscn, auf den sogar ein Teil des ordentlichen Staatsvoranschlags aufgebaut wurde, ließen die Zeiten im yoldensten Lichte erscheinen; es sah aus, als könne sich Hessen alles leisten, Paläste für Justizpflege und Schulen, Bäder, Krankenhäuser, Museen, Brücken, Dienstwohnungen für Beamte, für jedes Bedürfnis Behörden und Beamte, und plötzlich tagt es mit Schrecken, daß das Land tote in
1 einem Rausch über feine Verhältnisse hinaus gelebt hat.
Wer trug die Verantwortung hierfür, und wer wird sie künftig tragen'?
Verantwortlich sind sämtliche gesetzgebende Faktoren für den jetzigen Zustand, zum größten Teil liegt aber die Schuld auf fetten der für die Verwaltung verantwortlichen Staats- stellen, und dort scheint in der Organisation überhaupt der wunde Punkt ?zu liegen. Wer ist in Hessen verantwortlich für die Regierung dem Lande gegenüber? Ist es der Staatsminister oder jeder Einzclnttnister für fern Ministerium'?
Fehlt nicht in dem kleinen Lande bei drei selbständigen Ministern der W i l l e e i n e s M a n n e s, der an der S p i tz e einer einheitlichen Staatsregierung steht, fehlt nicht der eigentliche Präsident deS Gesamtministeriums'?
Dieser Mangel wird dann um so schärfer empfunden, wenn der Staatsminister nicht, wie es früher war, zugleich Minister des Innern ist, wo ihm ein großer Einfluß auf die innere Verwaltung zufteht. Trifft dies wie zur Zeit nid)t zu, so ist der Staatsminister unter seinen Minister- kollegen nur primus interparcs, die einzelnen Ministerien gewinnen mehr Freiheit uub Unabhängigkeit untereinander und das gibt auch die Grundlage für wachsende Unstimmig- ■wimjt ■ wi Txauiiff!g»r-,xgc.;£Z^'J<SQ»wii n »nr t hiiM.ntac—■BKE,|111
Zwei Ehepaare
Meta 3Uing,
deren Tod wir in unserem Blatte vom Montag bereits mitgeteilt haben, war am 27. Februar 1872 in Berlin als Tochter eines Wagenbauers geboren unb ging im Jahre 1891 zur Bühne. Tie junge Künstlerin trat in Ulm als Agnes in den ..Quitzows- zum erstenmal auf, ging dann nach Königsberg und Stettin und war von 1894 bis 1896 Mitglied des Berliner Schiller-Theaters. Sie wurde sväter an das Lessing-Theater verpflichtet. Nach zwei Jahren siedelte sie an das Tbalia-Theater in Hamburg über, blieb aber auch dort nur bis 1900 und hat seit dieser Zeit keine teste Anstellung mehr angenommen. Tie Künstlerin gastierte an zahlreichen hervorragenden deutschen Bühnen und wagte |td) dann auch .ubers Wasser", wobei sie namentlich in England reiche Erwlge erhielte. Die Künstlerin war, wie der.Tag' mitteilt, bte Gattin des Arztes Tr. M e r z b a ch , der sie nach Frankiurt begleitet hatte.
Vor einigen Jahren, als sie im Londoner Deutschen Theater als Gast austrat, beschloß sie, zur englischen Bühne uberzugehen, und dank ihrem zähen Fleiß gelang es ihr auch, in kurzer Zeit die Sprache so zu meistern, daß sie auf angesehenen Londoner Buhnen auitreten konnte. Später faßte sie den Entschluß, eine englische Gesellschaft zusammenzustellen und nut ihr m Deutschland Gawp'elc zu veranstalten. Sie fand in England wie tn Deutlchland Manner, die sich für das Unternehmen interessierten, Politiker und andere in der Oefsentlichkett stehende Persönlichkeiten, die gleich ihr der Ansicht waren, daß die Kunst zwei stammverwandte Volker einander näherbringen könne. Nun hat der Tod die idealen Plane Meta
Leiche^Meta Illings wurde am Montag abend von F r a n k- furt a.M. nach Berlin übergesührt, ivo die Beerdigung erfolgt.
— Eine Gedenktafel für Dieuxtemps, dem französischen Vivlinvirtuichen und .stompomften, imrb an 1 eurem ehemaligen Hanse in Dreieichenharn. bei ^"^bracht Dieuxtemps, einst ein Liebling der Mmikrrenndc, wohnte tn den 50 er imb 60 er Jahren in Tr eieichen Hain.
— Berliner T h ea t er br ie f: Ein neues Ätmwel von Hermann Bah r. Aus Berlin mirb uns geschrieben -Hermann Bahrs neues Lustspiel „Tas Konzert , das letzt an « theater seine Ur-auffül.r.mg erlebt hat, i|t cm nnmbcrlidKv von tollem Schwank und altem Luwptel, m etuzelnen öjmnm durchleuästend tont verhcifnmgsichönen ckipa^n zur Ohar lbmödie. Man täte dem lustigen Werchmt, das Akten das Vublitum anscheinend vortrenlich ^"erhtell, Unrech wenn man ihm mit schwerfälligem dratnanu^m Matz^ug g^n- iiterträte. Spöttische Skepsis erhebt alte B-wnntc zu.drrnna- ttschen Mitmenschen: aber neben der »llen VerzLtrmlg ichreitm dcnm Gestalten euthet, die twtz greller Beltrablung nn Blltz- llcht eines gewiß nicht teuren -Spottes ^tureti,Ltn^- wenn auch kein Tür die Menschheit ober Kunst
bares. Glatt und sichrr ist all. bas hmgenwnen, manD-s lvwtg manches banal: doch nirgends ichlägl dem vmer ^l^are Etwas entgegen, das hn gläuotg werden latzt.
stehen vor der Bertmv'chimg ichrer Frauen; der berühmte Pmntst
fett in der Regierung, wie wir sie heute zum Schaden des Landes entwickelt sehen. Die Ministerverantwort- lichkeit wird aber tn Hessen weiter vermindert und verwischt durch die vielen selbständigen Ministerial- a b t e i l u n g e n, die durch den Hang nach inuper stärkerer Konzentration und aus anderen Gründen seitens der Regierung dem Lande nach und nach aufgebürdet worden sind. Ministerialabteilungen als Sammelstellen und Zwisckenb-ehörden zwischen Mnifterien und zahlreichen Ons- behörden, wie Steuerämter, Bauämter, Dberförftereien, Schulwesen, können vielleicht als berechtigte und notwendige Organisationen angesehen werden, solange nicht in ihnen ein so ausgedehnter Apparat von Registratur-, Kalkulatur-, Buchhallungs- und Schceibstubenwe,eu einreißt, wie auf dem Ministerium selbst. Aber Ministerialabtei- lungen wie die für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, oder für Eisenbahnwesen und Finanzwirtschaft haben in dieser Beziehung keine bleiche Berechtigung. Es erscheint unpraktisch, für Organisationen wie die Handelstammern, Landwirtschaftskammern, Handwerkskammern, eine g werbliche Zentralstelle für das ganze Land, noch eine Ministe- rialableilung einzuschieben, die nichr wie eine Bremse Ivirkt, als daß sie der raschen dienstlichen Erledigung förderlich ist. Man lasse diesen Berufsorganisationen, die teils reichsgesetzlich, teils landesgefetzlich eingeführt sind, und über die nötigen Fachmänner verfügen, mehr Selbständigkeit, berufe ihre Vorstände zu gelegentlichen Besprechungen mit dem einen oder anderen Ministcrialreferenten und dem Minister selbst, und die Sache wird besser gehen, wie seither.
Auch die Eisenbahn- und Finanzabteilung mit ihren 7 Räten und Hilfsarbeitern kann wieder entbehrt werden, wie früher — wenn man vereinfachen will und den Mmbus niinisterieller Selbstherrlichkeit etwas weniger stark leuchten läßt. Auch das Drängen mit allen Neuerungen möglichst an der Spitze der deutschen Negie- rungen in Hessen zu marschieren und damit nach außen zu glänzen, Hai feine bedenkliche Seite; es führt leicht zu einer gcwijsen Oberflächlichkeit und Uebereilung in der Gesetzgebung, die zur kurzfristigen Gesetzmacherei ausarten kann. Noch manche Vorschläge iverden in der nächsten Zeit gemacht tverden, über Organisation der Baubehörden, Genehmigung einzelner Aemter nur auf die Inhaber, Aushebung veralteter Institutionen, die heute nur noch in der Hauptsache überflüssige Vermittelungsstollen sind, aber es wird nicht viel dabei herauskommen, wenn die Negierung nicht den ernstlichen Litten Hai, selbst Hand anzulegen zur zweckmäßigen Vereinfachung, daran ist aber leider zu zweifeln, wieder aus Gründen der Lbiftimmigieit in den Mnisterien.
Denn wie sott es anders bezeichnet werden, wenn der Minister des Innern in seinem Ressort Erhebungen und Vorschläge machen läßt, über Vereinfachung des Geschäftsganges und des Schreibwesens bei den Behörden uno die anderen Minister verzichten für ihren Gefchäftsireis auf ein gleiches Vorgehen? Unb doch soll das Material, welches dem Herrn Minister des Innern an Vorschlägen uni) Wünschen zugegangen ist, jum Teil eine bittere Kritik und Verurteilung der bestehenden Verhältnisse enthalten. Es wird daraus an vielen Stellen zu entnehmen sein, wie umständlich und kostspielig das Land verwaltet wird, wie viele Ver-
Heink zieht mit einer kleinen, doch verheirateten Schülerin „in5 Zboirzett", das als Duett in entern stillen Gebirgshaus zu denken ist. Ter Gatte der flüchtigen Kleinen, ein sehr faltig gezeichneter komischer Geselle, will dem „Glück" seiner Frau picht im Wege stehen. Er überredet die Gattin des berühmten Künstlers, eine sehr kluge, humorvolle, nachsichtige und liebe Frau, ihn zu diesem 3n>edc m das Waldheim zu begleiten, rco_ bie Liebenden Zuflucht suchen. Was folgt, ist bereits am Schlüsse des ersten Aktes uu- zweiselhast.: nach allerhand komischen Auftritten zieht em jeder mit der eigenen Frau wieder heimwärts. Mcm sieht^keme Seelenprobleme, doch ein frisch unb lustig hingesttzter Schwank, der fröhlich unb dankbar ausgenommen wurde
— Die berühmt e Ambrvsiansche Bibliothek in Mailand feierte kürzlich den Tag, an dem sie vor dreihunbett Jahren burd: ben Karbmal-Erzbifchof von Atailand, Federigo Bvrromeo, gegründet worden ist. Nach bet „Umschau" besitzt diese Bibliothek unickätzbarc Seltenheiten, barunter die älteste bekannte Tantehandschrift, eine Vergilhandschrift aus dem Besitze Petrarcas mit efgenl'ändigen Randbemerkungen des Dichters und einem Bilde von Simone Memmi, sowie eine reich geschmückte Illas aus dem vierten bis fünften Jahrhundctt.
— Ein bedeutsamer Grünewald-Fund in München. Fast unglaublich erschemt es, baß ein Werk des größten alldeutschen Koloristen, des Meisters des berühmten Jsen- heimrr Altars in Colmar, dessen Werke jedr Galerie, die eins seiner seltenen Bilder besitzt, als eine ihrer größten Kostbarkeiten behütet, in München, ja, in der Universität noch versteckt geblieben sein könnte. Und das ist doch der Fall gewesen. Eben kommt die Nachricht, daß in einem der Allgemeinheit unzugängliche Zimmer der Münchener Unröerfität Tr. Hem; Braune ein Werl des großen Aschaffenburger Meister» ausg-sunden hat. Es stellt eine Verspottung Christi bar, ist als einziges Werk des Meisters datiett, und luxtr vom Jahre 1503, unb zeigt sowohl mit dem Bille der Münck-enec Pinatothek, das die Tisvutatron --irnschm den Heiligen Maurüius uno Erasmus darstelll, unb der üreuzichleppung in Karlsruhe, bie aus Tau^.rbisd)ofsheim stammt, Vernnmdtschaft. Prof. Tr. Heinrich Alfreo Schmidt, der große Vcröftenllichungen über den Meister von Aschasfendurg bearbeitel, hat die Richttgken der Zuweisung an Grünewald bestätigt.
— Schwere Er kran kuna Tolstois. Tolstoi ist ganz pkötzlich g e s a h r l i ch ertranft. Vorgestern unternahm er noch einen Spaz-ierritt noch dem ücochbarput LTvfjanitowo und tehrte m bester 2nmmung nach Jaßnaja Poftcma zurück. Als er bort ater im Lehnstuhl ausrühte, packte ihn ein Schüttelfrost. Trotzdem weigerte sich Tolstoi, ;u Bette zu gehen. TaS Fieber ftieg bald auf 40 Grad, so daß er berat nicht mehr allein ins Bett gehen konnte. Shiffer dem Hausarzt wurde nach ein Arzt aus Tula geholt. Gräfin Tolstoi, bie in Moskau weilte, würbe telegraphiich benachrichtfgt, sie traf gestern abend mit irret Moskauer Aerzten bei dem Kranken, bei dem heftige Influenza ststgestelll wurde, ein. Das Fieber wurde auf 37,5 heamrergebrütft. Noch immer aber ist bet Zustand bes Kranken, der in Ärrrprejjeu verpackt un Dell liegt, ernst.
ordnurig en eut schiebe it über das Maß der Zuständigkeit der Negierung hinausgehen und ohne Anhörung der Stirnde nicht erlassen werben sollten.
Mit Recht kann aber das Land, können die Stände fordern, das; bei einer Vorlage, wie sie daS neue BubgcL und der Gesetzentwurf über Tilgung der Staatsschuld bar» stellen, die dem Land neue Lasten aufbürden, gleiclMlltg ernste Anstalten von der Regierung getroffen werden, zur Entlastung der Steuerzahler an unnötigem Verwaltung^- ballast.
Ein gewisses Entgegenkommen tjai die Regierung zu CTt'ennen gegeben in ihrer zustimmenden Stellungnahme zu dem Antrag auf zweijährige Budgetperioden, ablehnenb verhält sie sich aber gegenüber der notwendigen Ausbesserung der Bernntenbesoldung.
Wir halten es für unmöglich, dast die Landstände die Vermitwortung übernehmen werden, die vorgeschlagcne hohe Staatssteuer Vermehrung der mit Naturnotwendigkeit auch eine Erhöhung der Gemeindeumlagen folgen wird, gut zu heißen, ohne auf der anderen Seite der Beamtenbesoldung; zu gedenken uno fidjere Garantien zu erhalten, daß alsbald mit einer btmtdlichen Umgestaltung der Verwalttmg- im Sinne zukünftiger Ersparnisse vorgegangen wird.
Andernfalls muß das eintreten, was auch von den übrigen mittleren unb kleinen Staaten beklagt wird, daß die politisck>e Selbständigkeit infolge der nach Großsdaats- mnster eingerichteten Staatsverwaltung zur finanziellen Krisis führt und zur Plage für bad ganze Landwird._______
zranireich und IHaroHo.
Paris, 28. Tez. Zur Verhandlung im Senat stand der von der Kammer angenommene G^fetzcntwurs, der für das Jahr 1909 Ergänzungskredite für die militärischen Operationen in Marokko bereitltcfit. De Lamarzelle führte ans, F-ranlreich befände sich in Ntarokko in einer unentwirrbaren Lage und tadelte Irtc Regierung, weil sie Mulai) Hafid begünstigt habe, indem sie ihn durch das Schaujagebiet gehen ließ und das Ancrbicum d'Ämades zurückwies, ihn gefangen zu nehmen. Minister Pichon erwiderte, niemals habe d Amadc entweder ähnliches gesagt oder geschrieben. De Lamarzelle fragte alsdann, welche Garantien der Machsen aus Anlaß der Anleihe gegeben habe, der, wie er meinte, für die Ausländer und insbesondere für bie Deutschen von großem Vorteil sein werde. Der Redner kritisierte dann bin Polltik, welche Franrreich zur ErniLvrigung in Algeciras geführt habe.
Minister Pichon erwiderte, Frankreich sei niemals nach Marokko gegangen, um dort Erwerbungen zu machen, es sei bafjnt gegangen, um die Ordnung, die gestört worden sei, wiederherzu- srellen. Er, Pichon, habe die von feinen Vorgängern befolgte Volltik beobachtet und die Neuttalität zwischen Abdul Asis uwb, Mulav Haiu) gewahrt, da er dec Ansicht gelvcsen sei, daß er fa seinem Lande einen Dienst erweise. Mwi sagt, so führte Minister Pichon aus, Frankreich werde die verlangte Genugtuung v 0 n M u l a h H a f i d nicht erhalten, es b:fitzo aber ein wertoolles Unterpfanb in Marokko; eS habe weder das Sckmjagebiet noch Udschda geräumt und es werde biese Gebiete nicht früher verlassen, ehe cs nicht,die verlangte Genugtuung erhalten habe. «Beifall.)
Picken legte sodann die Bedingungen der gtär.numg dar, bte er bec Kammer bereits bekannt gegeben habe unb fügte hfti-u: Betreffs der Beschaffung der 80 Mi llivnon, die be- ÜLmn’: seien, die Gläubiger Marokkos zu besriedigen, fyiben wir dem Machsen unsere Mirwirkung zu dem Zwecke angeboten, daß
— Eine Frau als Kapellmeisterin. In den nächsten Tagen wird man in London zum ersten Male daS Schauspiel erleben, in einem großen Theater eine Dams als Kapellmeister zu sehen. Miß Marjorie Slaughter^ die Tochter des kürzlich verstorbenen englischen Tondichters Walter Slaughter, wird im Londoner Court-Theater die Erstaufführung der Oper „Alice im Wunderland", des letzten Werkes ihres Vaters, leiten, zu dem sie selbst ein melodisclzes Zwischenspiel beigesteuert hat. Sie leitet bereits die Proben; wenn man sicht, mit welcher Sicherheit unb 3tuhe sie dasl Orchester in der Hand hat, überwindet der Zeuge bald sein Befrenrden über das ungewohnte Bild.
— Die neue englische Südpolarexpedrtion. Aus London wird berichtet: Die Schwierigkeiten, die sich; ansnngs der Bildung der neuen Südpolarexpedition des Kapitan Scott entgegenftenten, sind überwunden; bie nötigen Geldmittel sind flüssig, ein Fahrzeug bereits crnge- kauft, die Vorbereitungen in vollem Gange. Wie Kapitän Scott einem Besucher mitteilte, wird die Expedition bereits im kommenden Juni die Ausreise an treten. Die Dauer der Fahrt ist auf vier Jahre bemessen. Scotts Ziel ist die Erforschung der großen Eissperren, die sich zwischen denv Eduard Vll.-Üand unb dem 1903 von ihm entdeckten Viktoria- Land ausdehnen; die Insel, von der aus Shackleton seinen Vorinarsch nach Süden antrert, sott erforscht werden, und die Arbeiten gipfeln dann in dem Versuch, zum Pole selbst vorzudringen. An Bord werden 25 sibirische Ponys mutz cf uhrt, bie der Kälte und den Ansttengungen eine erprobte Widerstandskraft entgegenzuseyen haben. „Einen Augenblick dachte ich an tibetanische Dtaulesel", so äußerte Scott, „aber ihre Beschaffung ist mit tzu großen Schwierigkeiten verknüpft. Außer den Ponys führen wir zwei Kraftzüge mit die bestimmt sind, gewisse Lasten über das Eis zu ziehen." Scott erwartet besonders viel von diesen Straft* ylgen, bie erst nach mehrfachen Versuchen eigens zu diesem Zwecke gebaut worden sind. „Wir führen mich .Hunde mit; fie werden es vermutlich sein, die uns auf den entscheidenden letzten Tagen begleiten werden. Wir muffen damit rechnen, von unierm Winterlager bis zum Pole in rund 150 Tagen 2500—3000 km zurückzulegen: das bedeutet £05 er elfen von durchschnittlich 20 km. Abgehärtete Männer müssen und werden bas leisten können, vorausgesetzt, baß die Ausrüstung gut unb praktisch ist" Besondere Sorgfalt wirb den magne- tiidjen Beobachtungen zugewcmdt werben, bie es ermöglichen sotten, die von der „Discovery" während ihrer berühmten Reise vor einem Jahrhundert gemarkten Beobachtungen zu ergänzen.


