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Nr. 76
Zweites Blatt
139. Jahrgang
Erscheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags.
General-Mzeiger für Ghechesien
Sonst sie hl
man keine blühenden Sträucher, sie scheinen im alten Nau
Vizepräsident dl o r
Das Haus erledigt zunächst
Beratung im Plenum stehende
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111.60
politische Lagestzehan
Slerliuer Börse, 31. März. Anfangskurse.
Canada E. B
173.70
Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Schlickert . Esehweiler Bergwerk
18.00
147.40
119.00
Harpener Bergwerk Lanrahütte .
Lombarden E. B. .
Nordd. Lloyd . , Türkenlose . . .
Darmstädter Bank . Deutsche Bank Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .
Tendenz: fest.
9910
99.30
94.85
104.10
58.60
61.10
98.60
95.80
94.50
117.60
50.25
88.20
65.10
99.35
191.80
86.60
95.25
169.40
130.40
241.00
141.20
187.80
150.00
202.10
120.50
121.90
183.50
. 219/0
. 110.40
86.90
95.80
83.90
94.50
Er- auf sich die
Richtung abändern, daß ein freundliches, nachbarliches Verhältnis ermöglicht wird. Wir können, sagte der Redner, das umsomehr erwarten, als unsere Politik nicht gegen
Endlich ein Frühlingstag. Die Luft ist so milde, daß der Ueberzieher lästig wird. Die Fliederbüschc zeigen grüne
eine andere Klassifizierung Örtert von 3000 bis 10 000 Einwoh
Annexion seine Rechte nicht berührt, cs wird seinen Widerstand gegen diese aufgeben und wird seine Politik in der
klärungen wird Serbien aürüsten und seine Armee den Stand des Frühjahrs 1908 bringen. Serbien hat zu verpflichten, seine Freiwilligen zu entwaffnen und Bildung irregulärer Korps zu verhindern.
Heimer Park ganz zu fehlen.
Ueberall herrscht in der Umgebung der Sprudel lebhafte Bautätigkeit. Der lange und strenge Nachwinter — die Erde war bis 50 Zentimeter tief gefroren — hatte die Arbeiten zurückgehalten. Im Park werden, wie iin vor gangencn Jahre, große Rasenflächen tief umgegraben, um noch in diesem Frühjahr die Flüchen frisch einzusäen. Eine mühsame, schwere Arbeit, dieses Umgaben. In langer Linie stehen junge und alte Arbeiter, sie durchstoßen mit dem scharfen Spaten die alte filzige Grasnarbe und werfen das abgestochene Rasenstück herum, daß das obere zuunterst kommt.
Die Umgebung der Sprudel ist unzugänglich. Tics? Schächte sind da gegraben, Berge ausgeschachtcter Erde liegen daneben. In diese Schächte werden riesige Kanal? aus Betonmassen eingebaut, durch die die Rohre ziehen, die das warme Wasser der Sprudel den ncuerrichtcten Badehäusern zuführen sollen. Tic Reihe der neuen Bade Häuser südlich der Sprudel werden eben unter Dach ge bracht und der Ausbau begonnen.
Große Mengen von Material für die Herstellung der Betonmassen liegen am Platze: gelber scharfer und feiner Main sand, graubrauner körniger Rheinsand, feingeklopfte Basaltsteiue aus den Vorbergen des Vogelsberges, Zement aus den malerischen Kalkfelsen Unlerfxankens. Durch die sorgfältige Mischung dieses ausgesuchten Materials aus den verschiedensten Landschaften Mitteldeutschlands entsteht die widerstandsfähige Bctonmasse, welche den Lauf des kostbaren Badewassers, das tief aus dem Erdinnern emporsteigt, in den Rohrleitungen sichert.
Interessant ist es, die Arbeiter in ihrer Tätigkeit zu beobachten. Am ungünstigsten ist offenbar der Erdarbeiter daran. Er arbeitet meist in gebückter Haltung, das Loshacken des Erdreichs mit der schweren Kreuzhacke, das Herauswerfen der Erde aus dem tiefen Schacht ist eine, einförmige und schwere Arbeit. Der Mann arbeitet ftili und wie es scheint verdroßen. Er hat zum Plaudern und Lachen und Scherzen keinen Atemzug übrig.
Hoch über ihm steht auf schwankendem Balkenwerk der Zimmermann, eine hohe schlanke Gestalt, so ruhig und sicher, als befände er sich auf beni festen Erdboden. Auch oer Zimmermann plaudert nicht. Ruhig und gemessen folgt er dem Kommandowort bei der Beförderung der langer: Bauhölzer an ihre Stelle hoch oben im Sparrenwerk.
Ganz anders geberdet sich das lustige Volk der Maler und Anstreicher. Sie scheinen etwas in sich zu haben von dem leichten Blut ihrer Farbenkollegen von der hohen Kunst. Da stehen und fitzen sie auf dem Gerüst und baumeln mit den herabhängenden Beinen. Sie tragen, gehüllt in die mit Farben beklecksten Malerkittet, die lustigen Farben auf und flöten und singen und plaudern dabei, >vie eine Schar bunter Distelfinken, die sich auf dem Buschwerk niedergelassen hat.
Im Park begegnet man schon Badegästen. Der zirka 8 Hektar große Teich ist noch zum erheblichen Teil mit morschen, aber noch zusammenhängenden Eisflächen bedeckt, die nächster Tage zerfließen werden. Schneeweiße Schwäne und Enten rudern auf dem offenen Wasser. Schwärme von ganz modern grünlich gekleideten Finken picken eifrig auf den Eisflächen. Was finden sic da? Hat der Wintersturm aus den Erlen Waldsatnen auf die Eisflächen gejagt?
Am Bootshause liegen die Boote auf beni Trockenen tieloberst. Sie haben Frühjahrstoilette gemacht. Ein hellrotes Kleid — solider Oelanstrich — bedeckt die Haupt fläche, während die Bootsrändcr mit dreifarbigen Bändern gestrichen sind, meist in den Farben der Bänder, die die /urschenherzen in der nahen Universitätsstadt umziehen.
Alles bereitet sich in Nauheim vor, die Gäste zu cmp fangen, die Heilung von Siechtum suchen, die ihren Körper stärken und widerstandsfähig machen wollen. Oder andere, Die sich an dem herrlichen Park, der rauschenden Konzert musik, dem Gesang der Vögel, den fröhlichen Wasserfahrten im hellen Sonnenschein oder besser noch im Vollmonoschein, wenn die Liebste dabei ist, erfreuen wollen.
Die Nauheimer erwarten ihre Gäste, sic hoffen auf einen schönen Frühling, warmen Sommer und sonnigen Spätherbst, auf einen reichen ununterbrochenen Wechsel des Zustroms von Besuchern. So wird es auch den Nauheimern leicht werden Dem kommenden Winter cntgegenzusehcn, der ihre Wechsel fällig werden läßt und ihnen btc verdiente Ruhe bringt. Glück auf!
4°/0 äussere Argentinier 3% Mexikaner . . . 4l/,°/o Chinesen . . .
Aktient
Bochum Guss . .
Buderus E. W. . . .
Tendenz: fest.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrave 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktion: 112. DeL-Adr.:AnzetgerGreßen,
vor. Es sollten in
/ ..x. , .. zu übergeben. Diese Erklärung wird nach einer Mitteilung
eli/rofsnet die Sitzung um! /2H ungarischen Ministerpräsidenten Wekerle in der ndc 'üÄitwnen durch Ueber^ > gestrigen Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses ,-post-ionen durch Uv folgende Punkte enthalten: Serbien erkennt an, daß die
vorsrülMg in Vad-Nmcheim.
Bad-Nauheim, 29. Mär^.
188.20
191.80
17.90
86.70
146.70
Kasrsberseihte
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für and Industrie, Giessen.
Fran Marter Bor.-'C, - :. März, 1.15 Uhr.
hessische Zweite Kammer.
Darmstadt, 30. März.
Am Regicrungstischc: Minister des Innern Braun, Geheimerat Dr. Becker.
loeisung an die zuständigen Ausschüsse.
Darauf beginn: Beratung der Regierungsvorlage,
halten. Die über 2 Stunden dauernden lehrreichen Auseinandersetzungen des Redners wurden von den zahlreich erschienenen Zuhörern aufmerksam verfolgt. Der Vortrag behandelte die Rentabilität imo. sachgemäße Zucht, und es wurden alle möglichen Winke gegeben inbezug auf Rassen wähl, Geflügelkrankheiten usw. Es würde mitgeteilt, daß der Landwirtschaftskammerausschuß beabsichtigt, im Herbst in Schlitz eine allgemeine B e z i r t s g e f l ü g c l s ch a u abzuhalten, an der sich alle Landwirte des Schlitzertandes beteiligen können.
(j R 0 dheim a. d. Bieber, 30. März. Mit Beginn der besseren Jahreszeit scheint auch hier eine rege Bautätigkeit einzusctzen. Es gilt vorerst mehrere im Vorjahr im Rohbau erstandene Gebäude zu vollenden, daneben ist auch mancher Neubau projektiert. In erfreulicher Weise hat unsere Gemeindebehörde eine Baulinie am „Siechenhaus", rechts von der Hauptstraße nach Fellingshausen eröffnet, wodurch auch dem gering bemittelten Mann möglich wird, zu angemessenem Preis ein Bauplätzchen zu erwerben. Die neue Straße, in östlicher Richtung nach dem Vetzberg führend, bietet bei trockenem Boden ein vorzügliches Baugelände. Der Neubau für die geplante Kleinkmderbcwahranslalt au der Vetzberger Straße geht seiner Vollendung entgegen.
^Marburg, 29. März. Der in weiten Kreisen bekannte, seit langen Jahren im Schuldienst der hiesigen Stadt stehende Rektor Schenk begeht am 1.April sein 5 0jähriges D i e n st j u b i l ä u m.
Die „Eichener Zamiiiendlatter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentllch. Die „Landwirtschaftlichen Zettfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Mittwoch 31. März 1909
Rotationsdruck und Verlag Der Brühl'schen tw Universitäts • Bilch- und Steinbruder*
R. Lange, Gießen.
die Unabhängigkeit oder Integrität, oder die friedliche Entwicklung Serbiens gerich.et war. Entsprechend diesen ~
3'/,"/<» Konsols . e e e
3% do . . . .
3l/,°/0 Hessen . . . . .
3'/2°L Oberhessen . . . 4°;0 Oesterr. Goldrente . . 4'/6o/o Oesterr. Silberrente. 4°/0 Ungar Goldrente . . 4° 0 Italien. Rente . . . 3°/0 Portugiesen Serie I « 3°/0 Portugiesen „ III . 4'/,% russ. Staatsanl. 1905 472°/o Japan. Staatsanleihe 4°/0 Conv.Türken von 1903 Türkenlose . . . .
4°/0 Griech. Monopol-Anl. .
Gelsenkirchen Bergwerk . 180.20 Hamburg • Amerik." Paketf. 110.99 Harpener Bergwerk . . . 188.60 Lanrahütte . . . »
Nordd Lloyd.....
Oberschles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges- . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank ...» Deutsch • Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit . , Dresdner Bank ...» Kreditaktien.....
Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn ...» Gotthardbahn . ... » Lombard. Eisenbahn. . , Oesterr. Staatsbahn . . . Prince - Henri - Eisenbahn ,
heute der Skupschtina über die Vorstellung der Großmächte l Windstoß eine Wolke gelben Blutenstaubes.
Bericht erstatten. Sodann wird der serbische G^e^rhtc in ;
Wien beauftragt, die von den Großmächten empfohlene serbische Erklärung an die österrcich-'nigarische Regierung
Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung des Gesetzes vom 22. Dez. 1900, die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen betreffend. Tas wichtigste im Entwurf sind die Festsetzungen des Tarifs, der für Wanderlager in Gcnicinden bis zu 10 000 Einwohner 80 Mk. Steuersatz und in Gemeinden mit 10 000 und mehr Einwohnern 150 Mk. Steuersatz für je sieben aufeinander folgende Tage und weniger, vorsieht. Gelangen ausschließlich gebrauchte Gegenstände (Trödelwaren) zum Verkauf, so beträgt die Steuer die Hälfte der vorstehenden Sätze.
Abg. Molthan (3tr.; erklärt, das Gesetz sei nur ein Glied in der Kette von Maßnahmen zum Schutze des Mittelstandes. Der Mittelstand habe nicht teilgenommen an dem Aufschwünge, den die Industrie genommen hat, er habe jchwer unter der gegenwärtigen schwierigen Lage zu leiden. Unter den Schäden, die den kaufmännischen Mittelstand treffen, nehmen die Wanderlager den ersten Rang ein. Die Inhaber seien zumeist Nichthessen, die den ansässigen Kaufleuten nicht nur Konkurrenz bereiten, sondern auch durch minderwertige Waren das Publikum schädigen. Von den Abgg. Reinhart und Pennrich seien Abänderunysanträge cingebracht worden, die der Ausschuß jedoch nicht mehr hätte prüfen können. Ganz beseitigen könne man die Wanderlager nicht, weil das mit der Gewerbefreiheit nicht im Einklang stehen würde, doch wolle man Auswüchsen auf dem Gebiete entgegentreten.
Abg. Reinhart ist mit dem Ausschußbericht einverstanden, namentlich weil man die kleineren Orte berücksichtigen wolle. Jedoch würden eine ganze Anzahl Orte durch das Gesetz nicht berührt, daher schlage er, Redner,
Die Mächte in Serbien.
Gestern vormittag haben die Gesandten Deutschlands, Frankreichs, Rußlands, Englands und Italiens in Belgrad die angekündigte Note über die Beilegung des Konflikts zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien abgegeben. Ter serbische Ministerrat beschloß darauf nachmittags, den Forderungen der Großmächte vollinhaltlich zu en tjprechen. Von diesem Beschlüsse wurde .der serbische ver ueoetgieijet iujug iuuu. zu yucuviuuiuju- yiunc Gesandte in Wien in Kenntnis gesetzt. Die Regierung wird l Knospen. Aus oen Kätzchen des Haselftrauches jagr ein
Aus und
Gießen, 31. März 1909.
* Stadttheater. „Husarenfieber" hat in seiner Neueinstudierung so lebhaften Beifall gefunden, daß allgemein das Bedauern geäußert wurde, daß keine Wiederholung slatl- sinden könnte. Die Direktion hat daraufhin — zumal da die diesjährige Spielzeit kürzer wie die vorjährige ist — noch eine Aufführung des beliebten Lustspiels, und zwar zu Volkspreisen, für nächsten Samstag, 3. April, angesetzt.
— Großen-Linden, 29. März. Der Kaninchen- und Geflügel-Zuchtverein „Volkswohl" veranstaltet Sonntag, 4. Juli, in den Räumen des Gastwirts Fischer eine große Allgemeine Kaninchen- und Geflügel-Ausstellung. Zur Prämiierung werden auch Tiere solcher Züchter zugelassen, die nicht im Verein sind. Die Preise jüt prämiierte Tiere bestehen aus Geld- und Ehrenpreisen.
R. Odenhausen (Rabenau), 30. März. Heute morgen 9.40 Uhr schwebte über dem Lumdatal und unserem Dorfe aus der Richtung Bersrod kommend ein Luftballon. Er ging ziemlich tief, sodaß man die Personen gut unterscheiden konnte, auch streute er Sand aus und man vermutete ein baldiges Landen. Ter Ballon flog mit rasender Geschwindigkeit über das Appenbörncr Tälchen und ging dann gleich am Berge in einer jungen Fichtenschonung am Rande eines hohen Fichtenbestandcs nieder. Die Insassen waren drei Herren vom Luftschifferverband Mainz-Wiesbaden unter Führung des Hauptmanns und Batteriechefs der 4. Batterie Artillerie-Regt. Nr. 27 zu Wiesbaden. Beim Landen hatte der eine Herr sich den Fuß verletzt, er wurde vom Pächter Eirnhard, der mit seinem Fuhrwerk gleich an der Landungsstelle eintraf, zum hiesigen Bahnhof gefahren, ebenso der verpackte Ballon. Dr. Kunz aus Allendorf, der zufällig vorbei fuhr, stellte eine Sehnenverzerrung, welche nicht bedeutend war, fest. Die Einwohner von Odenhausen, Geilshausen und Kesselbach strömten in Scharen herzu, leisteten die erste Hilfe und begrüßten das für die Gegend immerhin seltene Ereignis. Die Fahrt hatte in Mainz um 7.55 Uhr vormittags begonnen und endigte 9.45 Uhr hier. Die Herren fuhren 1.13 Uhr zurück nach Wiesbaden.
= Lauterbach, 29. März. Bei der gestern abend im Burgbräu abgehaltenen Generalversammlung der Beamten Vereinigung Lauterbach wurde auf einen Antrag des Oberlehrers Como die Gründung einer Kohlen- kassc endgültig beschlossen. An Stelle des früheren 1. Vorsitzenden Dilling, jetzt Aktuar in Schotten, der sich um die Beamtenvereinigung hervorragend verdient gemacht hat, wurde Aktuar Pfaff mit großer Mehrheit gewählt.
P. Schlitz, 30. März. Ain Samstag wurde ein durchreisender H a n d w e r k s b u r s ch e verhaftet, der dringend im Verdacht steht, sich an einem achtjährigen Mädchen eines Sittlichkeitsvergehens schuldig gemacht zu haben. Er lockte das arglose Kind hinter eine Feldscheuer, ist aber an seinem Vorhaben jedenfalls gestört worden. — Der Land- lvirtschaftskammer-Ausschuß für die Provinz Oberhessen ließ am Sonntag durch Lehrer Holler aus Lauterbach am hiesigen Platze einen Vortrag über Geflügelzucht ab-
für acht Tage von den Wanderlagern erhoben werden, in Orten von 10 000 und mehr Einwohnern 120 Mt.
Abg. Pennrich will statt 10000 die Zahl 9500 setzen, damit die Sonderinteressen von Bingen gewahrt werden.— Abg. Raab rügt, daß man im Ausfchußbericht immer nur von den Interessen des Mittelstandes gesprochen habe, nicht aber von denen der Arbeiter, die durch die Wanderlagcr ebenfalls geschädigt würden, denn die minderwertigen Waren werden auch bei geringen Löhnen hergestellt. Zur Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz sei die Sozialdemokratie stets bereit. Seine Partei stimme dem Gesetz zu und auch den Anträgen Reinhart und Pennrich. — Abg. Breidenbach erklärt namens seiner Partei die Zustimmung zum Gesetzentwürfe. — Abg. Büchner wünscht, daß schon bei 2000 Einwohnern der Steuersatz von 80 Mk. eintritt. — Abg. Damm spricht für den Antrag Reinhart.
Geheimerat Dr. Becker ist über die Steuerbewilligungslust des Hauses erfreut, zumal es sich fast um eine Verdoppelung der Sätze handelt. Eine derartige Bewilli- gungsfreildigkeit finde man selten. Redner tritt dann sür den Antrag Reinhart ein, bittet aber, dem Antrag Pennrich nicht zuzustimmen. Er habe das Vertrauen zu der Stadt Bingen, daß sie bald auf 10 000 Einwohner kommen werde. «.Heiterkeit.) — Minister des Innern Braun bittet ebenfalls, den Antrag Pennrich abzulehnen.
Die Abstimmung ergibt Annahme des Gesetzentwurfs und des Antrags Reinhart zu Art. IV. Die übrigen Artikel weroen in der Ausschußfafsung angenommen.
Daraus vertagt sich das Haus auf Mittwoch früh 9 Uhr.
Stimmungsbild aus Sem preutz. AbgeorünetenkM?.
Berlin, 30. März.
Alljährlich, wenn der Frühling mit mehr oder weniger Brausen ins Land komint, erscheint in der preußischen Landslube der Derr Elsendahnminlster mit einem respektablen Füllhorn, genannt S c t u n d ä r d a h n - V 0 r 1 a g e, bewaffnet. Und mit zufriedenem Blick schüttet er die Eisenbahnblumen, die sein Füllhorn birgt, vor den suchenden Ülugcn der Volksboten aus den Tisch des Hauses. Diesmal wars nur ein schmächtiges Wünschelhorn, mit dem Herr v. Breitenbach vor der Volksoeriretung paradieren konnte: War man vor zwölf Monden baß erstaunt, als er eine runde halbe Milliarde sür Bahnbauten hinlegte, so staunte mau diesmal über die verhältnismäßige Geringfügigkeit der Summe, die er für die 'Erweiterung des Bahnnetzes übrig hatte. Hein Wunder, daß man vieliach betrübte Mienen sah: War doch von den vielen Wünschen, die die Volksvertreter im Vorjahre namens ihrer' leer ausgegangenen Wahlkreise dem Minister mit heißem Bemühen ans Herz gelegt, nur em verschwindend kleiner Teil erfüllt, und der humorvolle Herr v. Pu ttkamer hatte sicherlich recht mit der Vermutung, daß von de>i achtzig Abgeordiicten auf der Rednerliste weitaus die meisten Klagelieder in petto hätten. Einen großen Teil dieser Trauergesänge bekain man schon am ersten Tage der Beratiing zu hören, und ihre Zahl wird sich in der Mittwochssitzung zweifellos mindestens verdoppeln. Die allgemeine Aussprache brachte nur recht gelinde Kritiken der Vorlage; mit der schweren Not der Zeit rechnend, tadelte man nicht sowohl die Magerkeit der Vorlage, als das unangemessene Verhältnis zwischen den Ausgaben für Haupt- und denen für Nebenbahnen, die beide etwa gleich hoch sind? Einhelligen Beifall saiid der Entschluß der Regieriing, den ersteir Schritt auf deut Wege der Elcktrisieriing auch des Fernverkehrs 311 tun — der Minister hatte die zwei Millionen, die für die Einführung des elektrischen Betriebes auf der Strecke Dessau—Bitterfeld aus- geworsen sind, natürlich auch seinerseits in bengalische Beleuchtung gerückt. Grundsätzliche Erörterungen und Anregungen gab es kaum, mid nach dreistündiger Sitzung vertagte man die Fortsetzung der parlamentarischen Lokalbahnpropaganda auf Mittwoch.
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