Nr. 301 ter Sleftentr anjetjtt erscheint täglich, ander Sonntag«. - Beilagen: viermal wöchentlich 6ief>ener$amilknblätter; zweimal wöchentl.Ureir- dllltt für drnKrei; Kietzen (Dienstag und Freitag); zweiinal münotl. Land» wirtschaftliche öritsca-en Feruiprech- Anschlüsse: für die Redaktion 118, Verlag u. Expedition 61 Adresse für Depesche»;
Anzeiger Wieben.
Annahme von Anzeige« für bie Tagesnumrner bis vormittags 9 Uhr.
Erstes Blatt
Donnerstag 23. Dezember 1909
ISS. Jahrgang
vezugoprev,: monatlich 75 Pi^ viert el- jährlich Mk. 2.90, durch Abbol» u. Zweigstellen monatlich 65 lit; durch die Bost '!'{(. 2.—Dtertcl- jährt, ausschl. Beilellg. Zeilenprets: lokal 15Ps^ ausioärr« 20 Pienntg. Lhetredakteur: A Goetz, verantwortlich für den politischen teil: August voetz, für .Feuilleton' und .Vermischtes* K. Neurath; für .Stadt u. Land- und »Gerichts- (aal': E. Heb; für den Anzeigenteil - H. Beck.
General-Anzeiger für Oberhessen
votationrdruck rmd Verlag der vrühfschen Unto.-Vuch- und Steiaörnderd H. tauge. vedattion, Expedition und VrnSerel: 5-iilstratze 7.
Kunstkrieg scheint sich noch zuverschärfen. In der gelingen Llbendsitzung des Gemeinderats richtete Bür<iermcister Nathan, nrie das B. T. mitteilt, sehr scharfe Worte an , die Künstler, die ihn wegen seiner „Korrektur" der Paläste Mick-elangelos schulmeistern wollten, und erklärte, er werde an seinem Standpunkt (also der Verbesserung Michelangelos!) festhalten. Man darf ge- Ipannt sein, welches Echo die selbscherrUciien Maßnahmen des Bürgermeisters bei beni lebhaften Tenrperwnenl der römischen Künstler haben werden.
— Aus der Ruinenstadt Karakoto m der Mongolei hat die so erfolgreiche Expedition des russischen Obersten Koslow bei einem zweiten Besuch aus der Heimreise, wie der Globus berichtet, zahlreiche alte Schake heimgebracht, im ganzen gegen 1650 kg wissenschaftlicher Fracht, deren Transport sich sehr schwierig gestaltete. Eine ganze kostbare Blbliothek, alte Schriften in Heben ober acht Sprachen, gegen 100 kunstvolle Darstellungen Buddhas auf Leinwand und in Bronzen, Haushaltgegenstände und Formen zur Anfertigung von Metallwaren, alle merkwürdig gut erhalten, bilden den Hauptteil dieser Funde, die ihrer wisseuschail- lichen Erforschung harren. In Irkutsk sprach Koslow bereits über feine Expedition, wobei sich ein lebhafter Meinungsaustausch mit anwesenden buddhistischen Lamas über die Schätze aus Karakolo entwickelte.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Klara Zieglers Vermächtnis. Tie in München verstorbene Tragödin Klara 3iegler hat der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger für kranke Schauspieler 200 000 Mark vermacht. Außerdem bestimmte sie, daß em Teil des Vermögens, das ihre Stieftochter erbt, nach deren Tode eben- falls bei h>enossenschatt als Klara Ziegler-Stiftung für kranke Schauspieler zufalle. Sie bestimmte, daß ihre Leiche im Krematorium in Ulm verbrannt wird. — Franz Lehar, der Komponist der .Lustigen Witwe", hat soeben ein neues Werk vollendet, diesmal eine ernste Oper, die den Titel „Soldatenliebe" führt. — Siegfried Wagners neue Oper „B a n a d t e t r i ch" erlebt am 23. Januar im Hostheater zu Karlsruhe ihre Uraufführung — In Straßburg ist der klassische Philologe und Altertumsforscher Ludwig Friedländer im 86. Lebensjahre gestorben. Von seinen zahlreichen Veröffentlichungen gewann sein großes Werk: „Darstellungen aus der Sittengeschichte Roms in der Zeil von August bis zum Ausgang der Autonine" WÄtruhm.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die Mllltördittatur ht Griechenland.
Obwohl der „Daily Tellegraph" noch vor kurzem meldete, daß weder der König, noch die Regierung die griechische Militärliga mehr respektierten, weil in ihrem Schoße Zwistigkeiten ausgebrochen seien, und daß demgemäß ihr (Silbe nahe bevorstehe, so fdjeint sich doch in Wirklich-« fett die Militärtiga ihrer Herrschaft noch sehr sicher zu fühlen, und alle Differenzen hinsichtlich der Bestrafung der an der Typaldos-Affäre beteiligten Offiziere einstweilen zurückgestellt zu haben. Hat sie sich doch soeben erst ein Stückchen geleistet, aus dem zur Genüge hervor- gcht, wie sie ihre Herrschaft auch gegen das Parlament auszuüben gedenkt.
Am Montag abend hatte der Kriegstninister Lapathiotis der Kammer den Entwurf der neuen Heeresvrgänisation unterbreitet und dabei bemerkt, daß die Regierung die Heeresverwaltung in durchaus verwahrlostem Zustande von ihren Vorgängern hatte übernehmen müssen. Da diese Worte nur auf Thvotokis zielen konnten, der neben dem Portefeuille des Ministerpräsidenten auch dasjenige des Kriegsministers übernommen hatte, fühlten sich die Theo- tokisten beleidigt, es kam zu einem Kammerskandal, und Theotokis verließ mit seinen Anhängern den Sitzungssaal, wobei er die Drohung ausstieß, er würde sich an das Volk wenden und mitsamt seinen Anhängern den Kammersitzungen nicht melfr beiwohnen, falls nicht der Kriegs- mtnister Lapathiotis von seinem Posten zurückträte.
Dadurch ist nun eine sehr kritische Lage im griechischen Parlamentsleben heraufbeschworen worden, denn Lapathiotis ist Vertrauensmann der Militärliga, während Theo- tokis in der Kammer so viele Llbgeordnete hinter sich l)at, daß ohne sie die Kammer beschlußunfähig wäre. Der Ministerrat, der, wie sich jetzt zeigt, noch völlig unter hem Einfluß der Offiziere steht, will Lapathiotis nicht fallen lassen, und Theotokis wiederum scheint von seiner Forderung der Absetzung des Kriegsministers trotz aller mit ihm' gepflogenen Verhandlungen keinen Fuß breit weichen zu wollen. Jetzt schon die Kammer aufzulösen und Neuwahlen ausznschreiven, erscheint der Regierung nicht tunlich, da einmal die Kreter keinen Hehl daraus gemacht haben, daß sie sich an den Wahlen beteiligen und Abgeordnete in die griechische Kammer entsenden würden, mithin Griechenland dann ein ernster Konflikt mit der Türkei drohte, und da zweitens bei der Erbitterung des grieckstschen Volkes gegen die Militärpartei und die von chr zur Durchführung der Heeresreform verlangten neuen Steuern der Sieg der Theotokisten nur zu gewiß wäre.
Unter diesen Erwägungen hat nun tue Ofsiziersliga »— und Mrin zeigt sich wieder die von ihr ausgeübte Militär di lratu r in schlimmster Form — sich nicht entblödet, dem Parlament sagen zu lassen, daß sie eine Fortführung der Kaminersitzungen verlange, ja, sie hat sogar über den Kopf des Ministerrats und Kriegsministers hinweg die drei in Patras, Nauplia und Chalkis stehenden Regimenter nach Athen marschieren lassen und die dortige Garnison in den Kasernen tonsigniert, um eventuell mit Gewalt die De- schlußfäl igkeit der Kammer herbeizuführen. Ob sie hier nur durch" den Schreck der Bajonette auf die Abgeordneten wirken .oder die Theotokisten von Patrouillen zwangsweise in die .Kammer bringen lassen oder schließlich durch einen Staatsstreich die Geschäftsordnung der Kammer ändern und vielleicht gar selbst die Regierung übernehmen will, ist nock) ?/ücht klar. Jedenfalls aber kann ein solches Unterfangen das Faß der griechischen Geduld sehr leicht zum UeberYaufen bringen. _ . , ...
Sföie ernst die Lage in Griechenland augenblnrlich tsi.
ICUincs ZerrMeton.
.1— Cooks Verdammung ist jetzt amtlich voll- toaefn 3u dem gestern schon veröffentlichten amtlichen
Mert sich nun auch ein Mitglied des Ausschusses. Der/ Polarforscher Knud Rasmussen, der von dem Unt-ersuchungsausschuß zur Begutachtung zugezoaen war auß.nttc einem Mitarbeiter des „Tages", daß solch elendes Ma.terial, foLd/e wertlosen Bemerkungen über Wind, Eis und-/ Schnee sicher noch keiner wtsienschaMchen GeseN- sckfa^st vor gelegt worden senn. Entweder ist Cook ein •fe ‘a TSf.'vjl?«:' k» "
ä. ttsfisxssg "derrlieh^nen Titel eines Lb" r en do ktors ab zu erkennen.
Jtijns ässs’vIFsÄE® 3
Vn-ad’ H -tüd überhaupt Starke nndirubmen wul '"noern ÄSÄKftg-
SFfifif sÄ&rS™. jSK“ 5 =5 äks
Die Beisetzung öes Königs Leopold.
der Provinz, statt. Äurz nad schlosse die Vertretungen der
Raia
auf den Ministerpräsidenten verübt hat, machte heute einen Selb st Mordversuch, indem er vom zweitenStock d eS Justizpalastes herab spran g.
Aus Gcsterreich-Ungarn.
Wien, 22. Dez. Das Abgeordnetenhaus nahm nach kurzer Debatte das B u d g e t p r v i s o r i u m mit 246 gegen 202 Stimmen in allen Lesungen und sodann die Vorlage betr. das Svirituskontingent an. . ,,
Die Abgeordneten haben in allen Lesungen das Gesetz über die Förderung der Viehzucht und der Viehv er Wertung in allen Lesungen das handelspoltttsche Er-- mächtigungsgesetz und zwar den rumänischen Handelsvertrag jnü 277 gegen 155 Stimmen angenommen, während der Rest der Vorlage, betr. die Ermächtigung der Regierung zum Abschluß von Handelsverträgen mit den übrigen Balkan staaten, in namentlicher Abstimmung mit 24B gegen 131 Stimmen angenommen wurde. Sodann genehmigte das Haus den Antrag auf Vermehrung der VizepräsidentenstkUen von fünf auf sieben, um den Nuthenen und der Union Latina eine Ver-- trrtimg im Präsidium zu ermöglichen. Nach Erledigung der dttüstandsangelegenheitcn wurde die Sitzung geschloßen und das Haus vertagt. e
Ofenpeft, 22. Dez. Das Abgeordnetenhaus verhandelte heute über den Antrag Hollos, in dem verlangt wird, eS möge an den König eine Adresse gerichtet werden, daß eine selbständige nngar is che Bank am 1. Januar 1911 errichtet werden solle. Ministerpräsident SBcferle be- kämpfte den Antrag vornehmlich mit dem Hinweis darauf, oasi eine formale selbständige Bank den Kredit imb die Valntavm- hättnisse anfangs erschweren, nicht aber erleichtern werde. Nachdem der Abg. Mollo den Antrag befürwortet Imtte, wurde er mit 133 gegen 98 Stimmen angenommen.
Der el-emalige Finanzminister Luka cs und der ehemalige Ministerpräsident Graf Khucu von Hedervarh reisen nach Wien und werden dem König über die Verhandlungen mit den Parteien berichten. ____________________
Brüssel, 22. Dez. Die Deputiertenkammer ist heute nachmittag zusammengetrcten, um die Adresse festzustellen, die morgen dem Prinzen Albert überreicht werden soll. Vonderveld (Sozialist) erklärte, daß die Angelegenheit in öffentlicher Sitzung verhandelt werden müsse, was der Präsident als gegen das Reglement bezeichnete. Die Sozialisten verließen darauf den Saal, schließlich wurde der vorn Ausschuß vorgeschlagene Text der Adresse angenommen. ____________________
vorausgesetzt, daß feine Parteigenosfen ficy nicht i-aorn einschüchtern lassen durch die Drohungen der Offiziere — den Fehdegana mit der Militärliga wagt. Die schwüle Atnwsphäre, die jetzt über Grieck)«nland lagert, würde dadurch jedenfalls gereinigt werden, wenn auch nid)t abzusehen wäre, welche Folgen dieser Kampf für die griechische rvönigsfamilie und das Land selbst haben würde.
Aus Athen wird gemeldet: Die Abendblätter vom Mittwoch melden: Der König werde eine friedliche Lösung der Krise herbeizuführen suchen. Die Skimmer hat heute keine Sitzung abgeyalten. Int übrigen ist die Lage unverändert. Ein Trupp Studenten veranstaltete eine Kundgebung zugunsten des Obersten Zorbas.
geht vor allem auch daraus hervor, daß der nriegsmintste. Lapathiotis, um Blutvergießen zu vermeiden, seine Demission bereits eingereicht hat Ob der König sie annehmen wird, steht sehr dahin, da die Ofsiziersliga ihr den energischsten Widerspruch entgegensetzt. So kommt für die Vermeidung weiterer innerer Wirrnisse in Griechenland alles darauf an, ob Theotokis mit sich reden läßt Wohl ist er ein sehr schwankender Charakter, der schon des öfteren gezeigt hat, daß er auch anders kann, als nunt von ihm erwarten mußte. Möglich also, daß er auch diesmal noch einmal nachgibt und sich mit einer Entschuldigung des Kriegsministers begnügt, statt auf seinem Rücktritt zu bestellen, möglich aber mich, daß er jetzt — vorausgesetzt, daß feine Parteigenossen sich nicht haben
Brüssel, 22. Dcz. .Heute vormittag sand die Beisetzung! des Königs unter großer Beteiligung des Publikums, auck aus
~ " nach 9 Uhr versammelten sich im <5>tabt-
,,____ ________ _ der ausländisckien Monarchen, Minist^,
Abgeordnete, Senatoren und h)he Würdenträger. Gleich nach der Ankunft des Prinzen Mbert um 10 Uhr sprach der ibarbinal- Erzbischof Mercier ein Gebet, worauf der Sarg auf cnen von acht Pferden gezogenen Leichcuwagen gefetzt wurde. .Hieraus setzte sich der Zug nach der Kirckst von St. iZnurule m Bewegung, an der Spitze die Deputationen der belgischen «Regimenter und der Büraergarde. Hinter der Leiche fdiritt Prinz Albert, ihm folgten die au-ständischen Fürstlichkeiten, darunter Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Rupprecht von Bayern, Prinz Johann Georg von Sachsen, Herzog Ernst Günther zu Scksteswig-Holstcin, der Kronprinz von dlumänicn, Prinz Heinrich der Niederlande und der Herzog von Connaught. l>!ach dem Tranergottesdienst m der Kirche von St. Gudule bewegte sich der Trauerzug roiebemmf nach der Sckstoßkirck>e von Laekcn zurück. ,
Gegen 2 Uhr traf der Trauerzug bei der Manenkirche ein. Dekan Cvoremau, der inzwischen die Prinzessckmen Luise, Stephanie, Clementine und Albert, sowie die Gräfin von Flandern empfangen hatte, geleitete die sterblich' Hülle de-, Königs nach dem Katafalk. Ter .^wrdinat-Erzbisckof von Mecheln, umgeben von allen belgischen Bischöfen und ge stgt von allen Fürstlichkeiten, geleitete den Sarg in die kleine Üapelle, wv die Wnigsleiche morgen zwischen den Sarkophagen her verstorbenen Gemahlrn und des verstorbenen Sohnes beigesetzt wird.
Der Mordanschlag aus den rumSn.MinIsterpräsidenien.
Auf1 den Ministerpräsidenten 23 ratta nu ist, wie berichtet wurde, ein Mordanschlag verübt worden. Bratianu wurde von den Revvlverkugeln, die der sozialistische Eisenbahnarbeiter Stoe- nescu gegen ihn abschLoß, dreifach getroffen, doch sollen nach den bisherigen Meldungen die AZerletzimgen nickst schwerer Art sein. Zweifellos ist, so wird der „Boss. Ztg." aus Bukarest geschrieben, ein Mordanschlag gegen Bratianu auf die Erregung zurückzusiihren, die unter den Sozialisten Rumäniens luegen der rechtswidrigen Ausweisung ihres Führers Tr. Rakowsky Platz gegriffen hat. Sck)ou die blutigen Krawalle, deren Schauplatz die rumänische Hauptstadt in der Nacht vom 1. auf den 2. Nov aus dem gleichen Anlasse tvurde, hätten den Regierenden die Augen öffnen sollen. 2Däre Rakowsky für irgendwelche Vergehen, die er -sich yu Schulden kommen ließ, nach Recht und Gesetz bestraft worden, so hätten sich seine Anhänger vermutlich in das Unabänderliche gefügt und die rumänische Regierung hüte alle Billigdenkenden auf ihrer Seite. Das ist aber nicht geschehen Man schob ihn einfach über die Grenze ab, bestritt ihm seine Staatsbürgerrechte und gestattete Lhm nicht, den Nachweis zu führen, daß er tatsächlich rumänischer Staatsbürger sei. Aus diese Weise glaubte man sich am leichtesten des unbequemem Mannes entledigen zu können, den viele der leitenden Männer in der jetzt regierenden liberalen Partei vordem chrm Freund und Gesinnungsgenossen genannt hatten.
Wrr können von hier aus das Maß der Schuld des Sozialistenführers nicht nachprüfen.
Ionel Brattanu ist ein Sohn des berühmten liberalen Staats- mamres Joan Bratianu, der Rumänien auf dem Berliner Kongreß vertrat. Er steht heute am Ende der 40er Jahre und ist Ingenieur von Berni. Schon mehrmals hatte er unter dem Kabinettsck^s Sttirdza ein Ministerportefeuille inne gehabt, und zwar das für öffentliche Arbeiten, des Aeußern und des Innern, als er nach dem Rücktritt Sturdzas am 19. Januar 1909 selbst zum Präsidenten des Ministerrates ernannt wurde.
Bukarest, 22. Dez. Senat und Deputierten- kammer brandmarkten in ihren heutigen Sitzungen den Anschliig gegen den Ministerpräsidenten. Der Unterrichtsminister verlas eine Erklärung, welche besagt, die Regierung werde das solidarisch begonnene Werk fortsetzen, sie betrachte das Attentat als Kundgebung der anarchistischen Tendenzen, meld« das öffentliche Leben Rumäniens entehren Schließlich appelliert die Erklärung an alle, beizutragen zu der Verteidigung der sozialen Interessen und Staatseinrichtungen (Beifall.)
Bukarest, 22. Dez. Der Arbeiter, der das Attentat
Herrn Heimcringk bient und den verlassenen Strandkindern durch feilte Liedrn einen Schimmer des Schönen und Großen zeigt. Es war die anmutige Stzene des Stückes. Aber die eigentlich drama- ttsche Handlung baut sich auf unmöglichen Voraussetzungen, auf einer ganz unwahren ausgeklügelten Begründung auf. Ter Dichter der „Heimat" gibt auch hier leinen Menschen, sondern nur von Theatralik geleitete Bühnenfiguren und dem der ergreifende poettschc Ausdruck versagt bleibt, weck all seine überhitzte Wildheit nur berechnete Kälte ist, weil kein befeeLenbed Erleben seine Worte verklärt. Obgleich der Orden im Lande ist, lebt die alte unge- ländigtr Deute- und Rachegier noch in den Gemütern fort und sie bricht lodernd aus zwischen den beiden öäutitltna5familien. Cor bem Ricksterstuhle des Ordenskomturs stehen sich der Rynkcsohn Gregor und die Falknervochter Briovlla gegenüber, die in der Blütrackw die Väter getötet haben; ihr wilder Haß wandelt sich in wilde Liobec'leiden schäft Um den Streit zu schlichten, soll einer der Rhnkesöhne die Falknerswchter heiraten und Gregor zwingt fernen Bruder, das wilde Weib zu freien, obwohl er die Liebe zu feinem Pflegekind Melide im Herzen trägt. Durch diese unbegründete Verwickelung verschafft sich Sudermann die Möglichkett, in zwei weiteren Auszügen dar zu steilen, wie sich der wilde Gregor und die wilde Brigvlla cm Ehebruch finden, wie sie dem Bruder nach dem Leben ttachten und schließlich selbst den Untergang in den Fluten finden. Heimcringk aber zieht mit Melide und den ©tranbfinbeni aus, um ihnen die Heimat wicderzufinden. Manch Gelungenes zeigt sich auch hier, in der Gerickstsszeuc, in dem Aus- bäufen der Fmiersignale am Meer, aber die Unwahrheit des ganzen Ausbaues zerstörte jede tiefere Wirkung, die auch die gute schau- spiclerischc Darstellung nicht allein hervorbringen konnte.
— SÄleuthers Rücktritt? Einer Drahtnachricht aus Wien zufolge, teilt das Berl. Tgvl. mit allem Vorbehalt mit, daß zwischen dem O b c r ho s m e i ste ra m t und dem Direktor des öamlurget Schauspielhauses, Baron Berger, Verhandlungen ftatriänben, um Berger als Nachfolger Schlemhers in der Direktion des Burgtheaters zu gewinnen svll. Der Rücktritt Schlenthers werde in einigen Monaten, vielleicht sckxm cm 1. Februar erfolgen. Obwohl die Verhandlungen mit Baron Berger noch nicht abgeschlossen sind, gilt es heute schon als s i ch^e r, daß "er der Nack>'o!ger Schlenthers werden wird. In diesem Fall dürfte sich die Gemahlin Bergers, Frau Ho Heuse l s, die leidend ist und sich ermüdet fühlt, vom Burgtheater zurück- ziehen.
— Der verbesserte Michelangelo. Der römtische


