Erstes Blatt
Donnerstag 29. Juli 1909
159. Jahrgang
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
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rrreißen, damit ein neuer griechtsch-türkischer Krieg ver inieben werden kann.
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Lätze beizubehalten. Daß überdies, die Geschäftslage auch auf Seiten der Arbeitnehmer nicht als günstig beurteilt wurde, zeigt die Abnahme der Lohnkämpfe.
Tie ungünstigen wirtschaftlichen .Verhältnisse riefen naturgemäß einen scharfen Konlurrenzkarnp^ hervor dessen Folge eine oft unhaltbare Preisdrückung war. Daß diese Erscheinung keineswegs förderlich für die Eniwielemng der Gewerbe ist, dürfte ohne Zweifel sein. Leider gehr aber
auch das Privatkapital immer mehr dazu über, im Wege des Submissionsverfahrens möglichst gedrückte Preise rur Lieferungen oder Arbeiten zu erzielen, wobei die Uneinige Ecit im 5^andwerk sehr zu statten kommt. Es muß deshalb auch an.dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß nur durch Zusammenschluß aller derer, bte gliche Interessen zu vertreten haben, eine allmähliche Besserung herbetzu- führen möglich sein wird.
kalb ist es nicht unmöglich, daß die Schutzmächte zu dem Beschluß kommen, aufs Neue ihre Detachements nach der
n j ad Italien tun werden. Sie ftnd der -lurtct verantwortlich
| i iü) müssen daher in erster Linie zu der veränderten Lage ii tellung nehmen. Vermutlich werden sie in Athen Vor- Itl tulfiingen machen und die griechische Regierung zwingen, m Cianea für Niederholnng der griechischen Flagge zu forgeit. '.damit allein, vorausgesetzt, daß die tzriecyische Regierung lies durchsetzt, wird man in Konstantinopel nicht zufrieden
Der König, Jnfant Ferdinand und der Minister des Aeußeren sind in Madrid ein getroffen. Der König konferierte mit dem Ministerpräsidenten und dem Kriegsminister.
Tonnerstaa f) Mn' treffend
Zlrrs Stadt und Land.
Gießen, 29. Juli 1909.
*' Der Großherzog begab sich gestern nachmittag von Hemmelmark nach Kiel, von wo die Weiterfahrt nach Leipzig zur Teilnahme an dem Universitätsjubiläum erfolgte.
** Truppenschan bei Mainz. Wie jetzt fest- steht, wird der Kaiser, von Wilhelmshöhe kommend, am 19. 21 u g u ft die große Truppenschau auf dem Großen Sand bei Mainz abhalten, zu der folgende Truppen des 18. Armeekorps kommandiert sind: die Infanterie-Regimen^- ter Nr. 80, 81, 87, 88, 115, 116, 117, Dragoner-Regiment Nr. 6, Ulanen-Regiment Nr. 6, Feldartillerie-Regimenter Nr. 27 und Nr. 63 (zweite Abteilung Mainz), Fußartillerie- Regiment Nr. 3, Unteroffizierschule Biebrich, Pionier- Bataillon Nr. 21 und sämtliche Divisions- und Brigadestäbe. Am 18. August findet eine Vorparade statt.
** Erledigte Lehrer stellen. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Egelsbach; eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu 5)ainst a d t (Kr. Offenbach).
** Zur Rechtsanwaltschaft zu gelassen wurde der Gerichtsassessor Beni Bendheim aus Bensheim zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg. — Der Rechtsanwalt Hch. Kißner zu Butzbach wurde durch rechtskräftiges Urteil des Ehrengerichts der Anwaltskammer vom 30. Januar 1909 von der Rechtsanwaltschaft ausgeschlossen.
** Schnellere Briefbestellung. Tie Reichspostverwaltung beabsichtigt, nach auswärts bestimmte Briefe, die infolge der weiten Entfernung oder eines Verpaffens der Abendzüge auf dem gewöhnlichen Wege nicht schon am andern Morgen in die Hände der Adressaten gelangen tonnen, so schnell zu befördern, daß sie dennoch am nächsten Tage und zwar mit der ersten Frühbestellung ausgetragen werden. Derartige briefliche Mitteilungen sollen abends ans den .Post- bezw. Telegraphenämtern als T e l e g r a in in e aufgegeben werden und zwar zu einem sehr niedrigen Gebührensätze. Am 2lnkunftsorte werden sie dann morgens nicht durch einen Depeschen- oder Exvreßboten« sondern durch den Briefträger auf dem ersten Gange dem Empfänger zugestellt.
♦* Stadrtheater. Tas letzte Operetten gast spiel dieser Saison findet am Dienstag, 3. August, fmtt und bringt Oskar Strauß' beliebte Operette „Wal-ertr«um".
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Lmsel zu legen.
Die Unabhängigkeitsbestrebungen der griechischen Kre- Lwr, die die entscheidende Mehrheit der Bevölkerung der ;,iifei aus machen, bestehen schon seit einem halben Jahrhundert. Sie wünschen sehnsüchtig die Angliederung an , i,)Te festländischen Landsleute, was man ihnen an sich nicht ^6 M WM I verdenken kann. Tie Türkei hingegen pocht auf ihre alten ’ rU‘. -V' ' -icsitzrechte, die sie nicht für aufgehoben hält. Es ist daher erklärlich, daß in der ganzen kretischen Frage die leiden- ! chaftlichen Regungen der türkischen und griechischen Volts- ecle die entscheidende Rolle spielen. Der Akt des Flaggen- ftfens ist ein offenbarer Uebergriff, der dem Willen der 6-lhutzmächte zuwiderläuft; er ist ohne Zweifel eine Heraus- (»rberung an die Türkei. Selbst wenn die griednfei'cn ’-retaer die eigentlichen Täter sind, und selbst wenn Gri^ cu- Itiü) seine Landsleute desavouiert, wird es ihm nicht leicht sein, das Odium der intellektuellen Militärherrschaft von sich abzuschütteln. Es wird darauf ankommen, wie sich tu griechisa;e Nation zu der Frage stellt, ob sie der gewiß xum Nachgeben geneigten neuen Negierung beipflichtet, oder imöglicherweise das Ministerium stürzt und ein neues Kabinett zu einem Schrille hinreißt, der für Griechenland unabsehbare Folgen hätte. Die Jungtürken sind keineswegs geneigt, sich in irgendwelche Verhandlungen einzu- Ilifsen, auf eine Aenderung des Statnsquo auf Kreta hin- streben, ihre Führer würden im Gegenteil den Tag mit Aieuben begrüßen, an dem sie gegen Griechenland ins Feld Üeben könnten. Hoffentlich läßt sich die griechische Be- vnlkerung nicht zu sehr von ihrem südlichen Temperament
in eigener Werkstätti in allerbester Ausführung billigsten Preisen.
am Platze.
Nr. 175
Der «ebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich ZiebenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Ureis- tlatl für ben Kreis öicfeen Dienstag und Freitag); iDCtmal monatl. Land« wirtschaftliche seitftagel, ^ernsprech - Anschlüsse: *ür bte Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Übreffe für Depeschen:
Anzeiger «testen.
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■Nah-Etuis.
Für Touristen:
Rucksäcke und Gamascht Aluminium-Flaschen, -Kot!
und -Trinkbecher [Wasserdichte, ganz leie 1 Gummimäntel etc.
Anfertigung
Die griechische Zlaage aus Kreta.
Aus Canea, der Hauptstadt der kretischen Insel, kommt (wie überraschende Meldung, daß auf der Festung und den > Kasernen der Miliz die griechische Flagge gehißt worden tit.
31 Stunden vorher hatten die Truppen der Schutzmächte be ä^nfcl verlassen und die kretische Fahne aufgezogen. Es
!nbigt wie Ironie, wenn gemeldet wird, daß die Regierung, ö« Genreindevertretung und die Bevölkerung den abztchen- - >u Truppen der Schutzmächte mit großer Begeisterung I Geleite gaben und ihre Befehlshaber zu Ehrenbürgern ernannten. Allerdings steht noch die Frage offen, wer em Befehl gegeben hat, auf der unter türkischer Oberhoheit stehenden Insel die griechische Flagge zu hissen. Man ,cmn es sich eigentlich kaum denken, daß der neuernannte griechische Ministerpräsident Rhallis hinter dieser Maßnahme steht, denn vor wenigen Tagen hat er in Kon- ■ swntinopel erfiären lassen, daß er auf gute Beziehungen
,imr Osmanenreich den größten Wert lege. Der Vorgang ■ in Canea kann natürlich eine solche Wirkung nicht ausüben, iß nxil es zur Genüge bekannt ist, daß die Türkei ihre Sou- Zn cränität auf Kreta auf keinen Fall aufgeben wird. Matt unn sogar mit Bestimmtheit behaupten, daß Griechenland tzt ine etwaige Annektion der Insel sich nur in einem Kriege
ckämpfen kann, wozu es allerdings bei der türkischen Ueber- r -.acht iind nach den Erfahrungen, die es im letzten Feldzug ; 'macht hat, wenig Aussicht hat. Die Blamierten sind zu- ...chst die vier Schntzmächte, die von der Stimmung feine Mmng haben, die in Canea herrscht. Andernfalls hätten <u die Vormundschaft Kretas auch fernerhin inne behalten 1 muffen, nachdem sie der Pforte das Versprechen gegeben ■ heben, die türkischen Souveränitätsrechte über der Insel
,u schützen. Man kann deshalb auch ohne weiteres den ,in5 Konstantinopel vorliegenden Nachrichten Glauben ichenfen, daß man dort mir großer Ruhe dem weiteren Erlauf der Dinge entgegensieht, und zunächst abwarten El, was die vier Mächte England, Frankreich, Rußland
politische Sagesschan.
Erweiterung der englischen Territorialarmee.
Tas englische Kriegsmitristerium gibt bekannt, es habe beschlossen, die Territorialarmee durch Bildung einer Reserve zu erweitern, die alle geeigneten Leute umfassen soll, die sich zur Teilnahme an der Landesverteidigung bereit zeigen. Die Reserve werde aus drei Klassen bestehen, zur ersten Klasse sollen 100000 Mann gehören, die bei Verlusten im Kriege als Ersatz herangezogen werden. Die zweite Klasse soll eine technische Reserve darstellen, die aus technischen Fachleuten besteht, die nicht Militärs gewesen sind, im Falle der Not jedoch wertvolle Dienste zu leisten vermögen. Die dritte Klasse besteht in einer Veteranen- ’referoe aus gedienten Offizieren und Mannschaften, die dazu bestimmt ist, die Behörden in wirksame Beziehung mit dem militärisch nicht organisierten Menschenmaterral Großbritanniens zu bringen. Man sieht, die Nervosität der Engländer nimmt zu.
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| Die wirtschaftliche Lage der hessischen handwerir.
Der soeben erschienene Jahresbericht der hessischen Handwerkskammer gibt wieder einen Ueberblick über die wirtschafllick)e Lage des Handwerks in den letzten Jahren. Erfreuliches kann er leider nicht berichten, da der Geschästs- gang, besonders des letzten Jahres, sehr zu wünschen übrig ließ. Wie aus den Einzelberichten zu erfeljen ist, gibt es nur vereinzelte Handwerkszweige, die unter der allgemeinen wirtschaftlichen Depression nur wenig oder gar nicht zu leiden hatten.
Die Gründe für den Rückschlag im Handwerk liegen wohl einzig und allein in den allgemeinen sich immer schwieriger gcstal enden wir s astlichen P^od k.ion eecl). It- nissen. Leider .hat die in der Gesamtindustrie aus den verschiedensten Gründen eingetretene schwere Krise ihre Schatten auch auf das Handwerk geworfen unb sich besonders stark auch in den Jndustriegegenden unseres Landes bemerkbar gemack)t. Während die Verhältnisse auf dem flachen Lande ftabilere waren, war der Konjunkturwechsel in der stadt umso größer. Geldknappheit und der damit verbundene hohe Zinsfuß machten die Aufnahme von Beiriebs- mitteln schwierig und kostspielig und ließen gleichzeitig die Kreditfristen der Lieferanten kürzer werden. Auch steht Den steigenden Löhnen und Nohmalerialspreisen keine entsprechende Erhöhung des Verdienstes gegenüber.
Trotz des großen Geschäftsrückgangs kann von einer Herabsetzung der Preise für Rohmaterialien keine R.de fein; wenn auch kurze Zeit schwankend, erreichten diese Preise bald wieder den alten Stand oder stiegen höher als zuvor. Trusts, Syndikate und Kartelle haben sich heute fast aller notwendigen Rohmaterialien bemächtigt und üben ihren verhängnisvollen Einfluß auf die Preisbildung aus. Leider steht der Einzelhandwerker diesen modernen Wirtschafts- erscheinungen fast machtlos gegenüber. Doch soll auäi hier nochmals darauf hingewiesen werden, daß lediglich durch genofsenschaftlichen Zusammenschluß etwas zu erreichen sein Dürfte. Deutlich zeigen dies die Berichte großer deutscher Handwerkergenossenschaften. Leider fehlt es aKr auch hier Den meisten Handwerkern an der rechten Einsicht.
Die Arbeitslöhne haben sich ganz auf der Höhe erhalten. Die sie unter günstigeren Bedingungen erreicht hatten. Insoweit Lohntarifverträge mit jährlich steigenden Sätzen vereinbart waren, sind diese teilweise in .straft getreten, teil» : weise hat man sich darauf beschränkt, stillschweigenb Diu alten
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London, 28. Juli. „Daily News" veröffentlicht eine Mitteilung eines jüngst auf Kreta weilenden Generals, der die Verhältnisse genau kennt, und der diese dahin-schildert, Saß die Vor b erci t ung en zur Angliederung au Äriechenland viel weiter vorgeschritten seien, als man «Ntswärts ahne. Die kretische Gendarrnerie leistete dem ,'tönig von Griechenland den Treueid. Die mohamedanischen 3tnDannen, Die sich dazu weigerten, wurden entlassen. Tie Lietaer äußern Die Absicht, bei den nächsten Parlaments- ivahlen griechische Abgeordnete zu wählen und nach Athen iti schicken.
Canea, 28. Juli. Die griechische Flagge, die gestern gehißt wurde, ist durch die krerische ersetzt wordcn.
Hf Konstantinopel, 28. Juli. Ter Grotzwesir hat sich totgen der Hissung der griechischen Flagge in Eanea gegeri- liier dem Herausgeber der „Sabah" dahin geäußert, daß dieser Mißbrauch die türkischen Rechte keineswegs schädigen tonne. Griechenland fei Dafür nicht verantwortlich, xte Türkei werde ihre Rechte verteidigen. Wenn die Kretaer auf die Schutz Mächte nicht hörten, mürbe die Türket wtfien, sie zu tun habe.
Konstantinopel, 28. Juli. Nach Mitteilungen der neugefchaffenen türlischen Informatiopsbureaus hat sich dce Piorte wegen der Hissung der grieüjil’ajen Fiagge in Canea ar die Schutzmächte gewandt, welche versicherten, sie gar an teerten Die Wcchritng der tü-Lijchen Rechte und des Stamsquo of streik
Die Kämpfe der Spanier in Marokko.
Die strenge Handhabung der Zensur verhindert es, daß authentische Nachrichten über die Kämpfe Der Spanier in Marokko bekannt werden. Amtlich wird nun mitgeteilt, daß der letzte Kampf bei Melilla ein Erfolg der Spanier, die neue Stellungen besetzt hätten, gewesen zu sein scheine. Dem „Matin" wird indessen aus Oran gemeldet, daß sich nach Dort ein gelaufenen, aus sicherer Quelle stammenden Nachrichten die Lage der Spanier in und bei Melilla in keiner Weise zu ihrem Vorteil verändert habe. Die europäische Bevölkerung schwebe in fortwährender Angst vor Uebersällen der Mauren und abends verlassen die "meisten Ansiedler die Bannmeile, um sich hinter den Wällen der Stadt in Sicherheit zu bringen. Tic französische Gesellschaft Der nordafrikanischen Gruben tue, was in ihren Kräften stehe, um die Spanier zu unter- ftützen. Sie hatte ihre sämtlichen Angestellten bewaffnet. Einern amtlichen Bericht aus Melilla zufolge haben die Maroltaner die (Schienen der nordafrikanischen Eisenbahn entfernt. Dadurch ' ist der Zugverkehr gehindert. Zwei spanische Abteilungen trieben die Maroktaner zurück und stellten den Zugverkehr wieder her. Die Verluste der Marokkaner waren zahlreich. Auch die auf spanischer Seite sind bedeutend. Nach dem amtlichen Bericht vom 27. Juli aus Melilla dauerte der Kampf der beiden spanischen Kolonnen zum Schutz der Wiederherslellungsarbeiten der von den Mauren teilweise zerstörten Nkinenbahn den ganzen Tag. Tie von General Pintos geführte Kolonne richtete ihr Feuer vornehmlich gegen die vom Feinde auf dem Beroe Gurugu anfgefiihrten Befestigungen. Die Mauren erneuerten trott des mörderischen Arcilleriefeuers ihre Angriffe unaufhörlich. Sie aalten außerordentliche Verluste; auf spanischer Seite wurden mehr als 200 Mann getötet oder verwundet. Unter den Gefallenen befinden sich außer General Pintos die Bawillonskommandeure | 'Jiaöas und Arapiles.
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Gletzener Anzeiger
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tnnahme von Anzeige» ' 4 • 1 u.Land^und.Gerichts-
ur bte Tagesnummer 8Ofatioit$bru(! und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. RedaMon, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7.
,iS vormittags 9 Uhr.
Aufruhr in Latalonien.
In einem Teile Spcunens herrscht offener Aufruhr und es kommt zu wrederhvlten Zusammenstößen zwischen den Aufruhrern unb dem Militär. Der König hat nun angesichts dieser Lage ein Dekret unterzeichnet, wonach die konstitutionellen Garantien für ganz Spanien aufgehoben werden und, wie verlautet, wird wegen der rcvolutionareil Bewegung in den Provinzen Barzelona, Taragona und Gerona das Kabücett Maura zurücktreten und durch ein rein militärisches ersetzt werden.
Wie ans Cerböre gemeldet wird, ist der Eisenbahnverkehr zwischen Barzelomi und Der französischen Grenze vollständig unterbrochen. Die Bevölkerung von Crclera hat die Eisenbahnlinie auf mehrere Kilometer stark beschädigt. Nachrichten aus Barze lona melden, daß dort die Nuhestörlurgeit andauern. Bei einem Zusammenstöße mit der Polizei seien 11 Personen getötet unb 50 verwundet worden. Das Militär habe sich geweigert, auf die Menge zu schießen. Ter Handelsverkehr fei eingestellt, und in ganz Catalonien betriebe Aufruhr. Auch in Portbon ist der allgemeine Ausstand proklamiert worden.
Der Minister des Innern hat der Presse über die Ereignisse in Catalonien folgende Mitteilung zugehen lassen: In Reuz ist der allgenteine Ausstand erklärt worden und es haben dort fKube- störungen stattgefunden. Auch in Alsey herrscht allgemeiner Aus stand. Die Tclegraphendräbte wurden zerschnitten. Die Gendarmen mußten von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei es Tote und Verwundete gab. Tie Ordnuirg mürbe baß> wieder hergestellt. In Galaherra versuchte die Volksmenge den Ver' kehr auf der Eisenbahn zu verhindern. Durch Zerstörung der Weichen und durch anbere Beschädigungen wurde ein Zug mit Truppen zum Stehen gebracht. Die Truppen feuerten sofort. Mehrere Personen wurden getötet oder verwundet. Der Verkehr konnte alsbald wieder aufgenommen werden. In anderen Ort schäften spielten sich 'ähnliche Vorkommnisse ab. So wurde in Venadrall ein Zug angehalten, der Truppen von Valencia nach Barzelona brachte. Die Regierung hat Beweise, daß Agitatoren unt jeden Preis eilte aufständische Bewegung ausgesprochen revo ltttionären Charakters in ganz Spanien Hervorrufen wollen, unt den Transport von Truppen zu verhindern und der Aktions- freiheit der Regicrtmg, besonders bezüglich des Feldzuges bei Melilla, Hindernisse zu bereiten. Die Nachrichten, die heute mittag aus Barzelona eingetroffen sind, nachdem die telegraphischen Verbindungen, die in der letzten Nacht unterbrochen wurden, wieder hergestellt waren, enthalten, daß die Brandstistmtgen und die Angrisfe auf die öffentliche Gewalt fortgesetzt werden und daß die öffentliche Macht die Dränung mit Waffengewalt wieder herstellt. Unter den kirchlichen Niederlassungen, die von den Ülnfrührern angegriffen wurden, befindet sich auch das Kloster der kleinen Schwestern der Armen. Im Hinblick auf das An- öhuem der Bewegung' hat der. Mtttist^r-des Innern allen Gou verneuren gemesserten Befehl erteilt, ohne Schonung für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen, die heute mehr als je ohne irgendwelches Zaudern gewahrt werden müsse.
Pa ■i-üt, die Pforte wird vermutlich auch das Verlangen stellen,
Ed. WVlV|vl'Ww [a-j |n ßnfU„Ft ähnliche Fälle vermieden werden, und des- Psmd M w uno .»v. unmöalick. daß die Schutzmächte zu Dem


