Ausgabe 
27.2.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 49

Redaktton, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedltton und Verlag: e=gs^ 5L Rebaflion:fc«112. Tel.-Adr.: AnzeigerSreßea.

Mett«

Pfette

Zweites Blatt 159. Jahrgang Samstag 27. Februar 1909

etfc6eiK «flf* m# euenofrme »eS Sonntags, X .A /A AM AAA A ? A aa Rotationsdruck und Vertag dn «r« blich«

GleWer Anzeiger~

"««" -r.ch-.nrn monatlich »wrimai. G0N0kÜl-ANZ0lg0I' fÜt (DbCrfyCffdl

Ms.

It der u*itoe Pktter etliche Ostlern iteKtur

enlos

Telephon 275

rieb lasse 3 a. 5

ment

I klassischem

sten bis zur

. Referenzen die

^-<1

it zur fleft. Kennte Satten betriebene

Ittft ^macherei

i Bedienung zuM unterstützen zu njoQf-

Stimmungsbilö aus vem Reichstage.

Berlin, 26. Fcbr.

Das äußere Bild des Reichstags hat sich geändert. Die Namentliche Abstimmung über den polnischen Enteig­nung s a n t r a g, die an den Anfang der heutigen Tagesordnung gestellt war und für ihn. die erwartete Zweidrittelmehrheit er- brachte, hatte die Fraktion in großer e-tärfc präsent gemacht, und rurch stärker war die Besetzung der Tribünen. In dichter Fülle drängten sich dort die Buschleute: aber heute waren es nicht nur die dlgrarier vvm Zirkus Busch, sondern auch Farme« aus dem afrikanischen Busch Denn zur Verhandlung steht der Ko- lonialetat. Das bleiche Antlitz Dernburgs hat sich nicht Verändert, seit er vor 2y» Jahren zuM erstenmal auf der Bundes­ratsestrade erschien. Bei der vorjährigen Etatberatnng war die Kritik noch abwartend und unschlüssig! jetzt nahm man auf allen Seilen feste Stellung. Ter kaufmännische Geist, den der jetzige Staatssekretär in die Kolonialverwaltung gebracht hat und seine Erfolge haben auch, abgesehen von seinemSchwein", wie der Akg. LattMann die Tiomantenfuirde nannte, einen völligen Um- ^rmng in der Kolonialkritik herbeigeführt. Dazu Tvnimt, daß das Zentrum feilten Frieden mit seinem Erzfeind aus den De- zembertagen des Jahres 1906 gemacht, die frühere freisinnige Opposition, zumteil beeinflußt durch die eigene Anschauung, die einige ihrer Mitglieder bei den afrikanischen Parlamentsreisen garonnen haben, ,yu den Kolonialfragen sich positiv und freund­lich stellt, und daß sogar die Sozialdemokratie den Weg nach DLMaskuS gefunden hat. Mit Recht wurde heute von einem Riedner hervvrgchoben, daß der Streit um Wert und Un­wert der deutschen Kolonien verschwunden ist und daß nftm nicht daran denkt, an sensationellen! Einzelfällen tzic Erfolge unserer Kolonialpvlittk zu messen. Darum konnte der Berichterstatter der Budgetkonnnission Dir. Semler sich auf wenige fachliche Mitteilungen beschränken, und die Parteien, die heute zvm Wort kamen, Reichspartei, Zentrum, wirtschaftliche Bereinig- ung und Freisinnige, brachten dem Staatssekretär durch den Mund der Äbgg. von Liebert, Schwarze-Lippstadt, Lattmann und Goller sogar ein rundes und nettes Vertrauensvotum entgegen. Soweit sie mit einzelnen BerwaltungSmaßregeln nicht ernver- standcn! tvaren, auf den Gebieten des Wegebaus, der Genreindever- waltung, der Steuern usw., sand hierüber eine ruhige und in hei: 'Form wohl wollende und entgegenkommende Aussprackre mit Derrn Terichurg statt. Aber alle diese Fragen wurden nur kurz behandelt. Den^Hauptteil der Sitzung füllte die Auseinander­setzung über das System Rechenberg, das in der Presse und in der Budgetkommission ja eingehende Erörterung gefunden lyat. Schon der erste Diskussionsredner, .Herr von Liebert, hatte diese Frage gestreift und die Notwendigkeit betont, das Prestige der sLeutschen in der Kolonie zu wahren. Schon nreldeten sich wie er meinte, in der Stimmung der eingeborenen Bevölkerung die Anzeichen eines kommenden Aufstandes, da der »Respekt vor der tuet feen Bevölkerung durch die Inder- und neger- freundliche Politik des Gouverneurs bedrohlich abnehme. Der Staatssekretär erwies sich auch in der Erwiderung hierauf gls xin echter Dernburg. Unbekümmert darum, die Freundschaft gerade der Kolonial Parteien und Politiker sans Phrase zu verscherzen, Erklärte er in seiner ljalb lässigen, halb polternden Heftigkeit, der Standpunkt Rechenbergs sei der seine, und er loerde niemandem M- und abreden, in die Kolonie zu gehen. Was die staatliche Micht erheische, geschehe, und im übrigen Hütten die Ansiedler selber für iljx Wohlbefinden zu sorgen. Da machte sich Dr. Arendt »um Interpreten der ostafrikanisäien Farmer und richtete überaus heftige Angriffe gegen .Herrn von Rechenberg, wem: er auch meinte, Laß ihn nicht die Perfon, sondern das System bekümmere. Er »erzielte lediglich den Erfolg, daß der Staatssekretär mit »noch -größerer Bestimmtheit sich vor seinen angegriffenen Beamten stellte. «Zn später Stunde wurde diese Aussprache aus morgen vertagt.

Verrtscher Reich.

DerKronprinz war von den amerikanischen Sportvereinen llurch Vermittelung deutscher Sportleule zu einem Privatbesuche

«It

Kit J

Ä-Lstt-.L

lW»n$Ä

f«"*

Jo- u

Kleines Feuilleton.

Das neue 25-P fennig stück. Unabhängig von Len drei preisgekrönten Entwürfen für das neue 25-Pfennig- ßLück iwit das R ci ch s s ch atzam t der B. U. K zufolge dem Äundesrat einen selbständigen Entwurf eingereicht. Der Vimdesrat tvird sich erst nach dem Gutachten des zustän­digen Ausschusses schlüssig machen, wodurch die Ausgabe Ler Münze erst im Sommer erfolgen kann.

Direktor Max Reinhardt vom Deutschen Theater zu Berlin wird mit seinem Ensemble int Sommer 3909 im Mnnchncr Künftlertheater zu München Nestvorstellungen veranstalten. Das ausführliche Pro- xramm wird demnächst veröffentlicht.

DerEffettdirektor". Fn der neuesten ^cummer der ZeitschriftBühne und Welt" finden lvir eine Plauderei über Theaterorrginäle aus der besseren alten -feit. Es wird darin auch von einem Bühnenleiter erzählt, Len man scherzweise den Effektdirektor nannte, weil er Reine .Komödie ohne Schlußeffekt, das heißt ohne Tablean, Zab. Bei Calliano endeteVäaria Stuart" vor den Augen Les Publikums auf dem Schafott. Nach den letzten Worten Leicesters hob sich im Hintergrund der Vorhang, und da klag bei bengalischer Beleuchtung Maria Stuart ohne Kops auf dem Block (die Darstellerin nrußte ihren Kopf hinter Lenr Mock tief hinabneigen und ihren Nacken mit roter Wolle bedecken, die das Blut markierte), und vom schwarz behangenen Block rieselte das Blut (die rote Baumwolle) kerab. Daneben stand der Henker, in der rechten Hand das von Blut triefende Schwert, in der erhobenen linken Hand t den kaschierten abgehauenen Kopf Maria Stuarts dem verehrungswürdigen Publikum zeigend. Rechts und links vom Mock standen Burleigh usw. Wenn das Publikum Nersall klatschte und die bengalische Flamme zu erlöschen drohte, rief der Direktor freudig seinem Beleuchter zu: 3-oteI (sv hieß der brave Mann), schütt iw Kalfoninm amf, i muß d' Stuarten no mal köpfen lassen!" Jokel tat, wie rhm befohlen, und Maria Stuart wurde da capo ge- Wft Konnte Ealliarw zum Schluß eines Stückes durchaus lein Schlußtableau anbringen, so ließ er gleichviel wie

Inhalt des Stückes war den Helden oder die Heldin aRsrufen:Da.alles sich zum Guten gewendet, rufen wir Mts vollem .Herzen aus: Es lebe unser Kaiser!" Und das Orchester spielte die Volkshymne. I

w

i-iLZS Z^-SiS,

ngSvoü

llmar Wtt

tsie 6. ----------

der Vereinigten Staaten eingeladen worden. Tie Ein­ladung wurde begrüßt, doch mußte von dem Wunsche, ihr zu ent­sprechen, Abstand genommen werden, da e§ nicht angängig, daß der deutsche Thronerbe inkognito lediglich als Sportsmann sich in den Vereinigten Staaten aukhaltc.

ReichtagSersatzwahl in Verden. Nach Mitteilungen des VerdenerAnzeigeblattes" sind bei der gestrigen Reichstags- Ersatzwahl bisher gezählt worden für Dr. H e i l g c n st a d t (nattib.) 5858 Stimmen, für Hofbesitzer Harries-Haengen (hei- kons.) 3419, für Justtzrat Dr. Levin (hl. Volksp.j 3155, für Gttls- besitzer u. Dannenberg (Welse) 6220, für Redakteur Henkel <Soz.) 3885 Summen. Demnach dürfte zwischen Hetltgenstadt und Dannenberg Stichwahl stattfinden.

Französisch ° deutsches H a n d e l s k o m i t c e. In Berlin sind etwa 20 Delegierte mit dem Generaksekretar Lucien Cogliet zur Tagung des französisch - deutschen Handelskomirees ein- getroffen. Bit dem heutigen Diner der Mitglieder wird auch der französische Botschafter erwartet. Gestern abend sprach Professor Alglave-PariS, eine Koryphäe auf dem Gebiete der Monopole, in französischer Sprache über die Monopolisierung des Alkohol- Verkaufes.

A u s w e i s u n g ans der Nordmark. Nack; derSchles- wigschen Grenzvost" wurde der staatsangehörigkeitslose Bankvor- sleher Dtoeller m Scherrebek wegen großdanischer Betätigung, zu­letzt durch Teilnahme an der Demonstration einer irredentistischen Versammlung mit dreitägiger Frist ausgewiesen. Dies ist dte erste politische Ausweisung aus der Nordmack seit einer Anzahl von Jahren.

Todesfall. Vizeadiniral z. D. Reinhold v. W e r n e r ist im Atter von 84 Jahren in Charlottenburg gestorben.

Ein französisches Kriegerdenkmal in Weißen­burg. Das Komitee für die Errichtung eines französischen Kriegerdenkmals in Weißenburg hat beschlossen, dem Denkmal auf dem Schlachtfeld beS 4. August lediglich die Inschrift zu geben: Aux soldats fran^ais morta poor la patrie. Nachdem den ge­fallenen deutschen Kriegern, nicht aber den französischen, Denkmäler auf dem Schlachtfelde von Weißenburg bereits errichtet worden sind, hat die Regierung den Beschluß doS Komitees nicht bean­standet.

Ausland.

Oesterreich und die Türkei. Das österreichisch- ungarisch-tückische Entente-Protokoll ist gestern in Konstantinopel unterzeichnet worden.

Ein F a st n a ch 1 s s ch e rz. Die Nachricht auS Eettinje über den Bries der Königin Helene an ihre Mutter tvird vomMessa- gero" als verspäteter Karnevalsscherz bezeichnet.

Der russische Entschädigungsvorschlag. Dem jimglürkischenTanin" zufolge hat Minister Iswolsky dem türki­schen Botschafter Türkhan Pascha offiziell erklärt, daß er die Fusionierung des russischen Entschädigungsvorschlags und des türki­schen Gegenvorschlages akzeptiere und ein diesbezügliches Projekt vorbereite. Nach demJkdam" reist ein Beamter des Auswärtigen Amtes nach Petersburg, um an den diesbezüglichen Beratungen mit dem dort erwarteten Minister des Auswärtigen Risaat Pascha teilzunehmen.

politifd>c Tagesschau.

Regierung. Block und Reichsfiuan-reform.

Ain gestrigen Vormittag sind die Bkockparbeien zw- sammengetretwt, uni darüber zu beraten, wie ein Block- kompromiß in den Hauptfragen der Rerchsfinmizreform zu erzielen fei. Aeußerem Vernehmen nach ist diese über­raschende Wendung vorgestern nachmittag durch das persön­liche Eingreifen des Fürsten von Bülow herbeigeführt rvor- den. Der Reichskanzler scheint besonders auf die Konser­vativen mit Erfolg eingewirkt zu haben, indem er chnen zu verstehen gab, daß er nicht gewillt sei, bei dem großen Werke der Reichsfinanzreform den Block beiseite schieben zu lassen, in welchem Falle dann das Zentrum wieder in den Vordergrund treten lvürde. Auch gestern vormittag hatte Fürst Bülow mit den Führern der Blockparteien Besprechungen. SHäter konferierte der Reichskanzler mit mehreren einzelstaatlichen Finanz­

ministern. Es soll bereits Aussicht für eine Einigung auf der Grundlage erzielt sein, daß die Regierung die Nachlaßstener fallen läßt, die Reichserb-' schafts steuer dagegen weiter ausbaut und eine Reihe neuer kleinerer Steuern in den Reformplwt hineinzieht. Man spricht unter anderem von einer Er­höhung des K a f f e e z o l l s. Eine vollständige Einigung ist noch nicht erreicht, bietet aber gute Aussichten.

Die Wahlprüsungskommiffiou des Reichstags

hat die Wahl des Abg. Kleye (2. Braunschweig), Sei an Stelle des verstorbenen Abg. v. Kaufmann in den Reichstag gewählt worden war, für ungültig erklärt. Kleye hat in der Stichwahl 15 408, der Sozialdemokrat 8906 Stimmen! erhalten. Die Kommission stimmte der Ungültigkeitserllä- rung zu, da erwiesen wurde, daß die Lkandidatnr Kleye eine amtliche Kandidatur sei; der Kreisdirektor, mehrere- höhere Staatsbeamte und 38 Gemeindevertreter hatten in: amtlicher Eigenschaft Wahlaufrufe unterzeichnet und wären für Kleye öffentlich eingetteten. Nach der ständigen Praxis- des Reichstags bedurfte es deshalb weiterer Beweismittel nicht, die Frage der amtlichen Kandidatur sei zu bejahen, und deshalb sei die Wahl ungültig. Der Kreis wird sich also in nächster Zeit einer dritten Wahl unterziehen müssen.

Die Einreihung der Städte Hungen und Nidda in die Servirllasfe E.

Die dringliche Anfrage des Abg. Köhfer über diesen Gegenstand enthält so allgemein rntereffierenbe Angaben, insbesondere auch über den Lebensunterhalt in beiden Städten, daß wir ihren wesentlichen Jnhabt unseren Lesern Mitteilen wollen:

Nack) dem EntlvUrf eines Reichs - Besoldungsgesetzes sollen die hessischen Städte Hungen und Nidda in die Orts^ Haffe E eingereiyt werden.

Der Entwurf des Gesetzes bestimmt in § 5:die. etatsmäßigen Reichsbeamten rc. tc........

erhalten einen Wohnungsgeldzuschuß nach Maßgabe des als' Beilage V beigesügten Tarifs."

Die Berlage V bestimmt: Jahressätze an Wohnungs- geldzuschuß.

Ortsklasse

Jahresbetrag für Tarsiklasse

I.

M

II.

JU,

III.

JC

IV.

JL

V.

JL

VI.

A

2250

1800

1350

570

810

480

B

1800

1350

990

480

650

360

U

1350

1080

810

400

540

290

D

1080

900

720

320

450

220

E

900

810

630

250

330

150

Pensions-

*ähig

1476

1188

900

404

556

300

Die Feststellungen dieser Tabelle werden aud) eine Rückwirkung äußern auf die Servisverhällnisse der Beamten des Preußisch-Hessischen Eisenbahn Gemeinschafts-Dienstes. Da es sich im Reichs- dienst beretts schon um 12 718 Orte hierbei handelt, ist es nicht zu. bertcuuen, daß es alle Verhältnisse aufs rechteste auszugleichen, uirmöglich ist. Den­noch soll man versuchen, diese Ausgleichung durchzuführrn> wo sie möglich erscheint.

Wie sben schon ausgeführt, so ist vvrgeschlagen, die Orte Hungen und Nidda in die unterste Klasse (E) einzureihen.

Das Problem des künstlichen Lebens. Der bekannte französische Biologe Delage, dem es als erstem ge­lungen ist, lebende Seeigel durch künstliche Beftuchtung mit­tels des elektrischen Sttomes zu erzielen, machte der Pariser Akademie der Wissenschaften eine hierauf bezügliche Mit­teilung. Dcutach haben die drei künstlich erzeugten See­igel ein Jahr und sieben Momtte gelebt; zwei starben als­dann infolge ihrer UeberMrung in Seewasser, das keinen Zusatz von Ammoniak und Zucker wie das Versuchs bas sin enthielt. Die von Delage ausgeftihrte Sektion der Leichen ergab, daß die beiden Seeigel vollständig ausgebildete männ­liche Geschlechtsanlagen mit lebenden Spermatozoen be­saßen, wodurck) die bisher als richttg angenommene Theorie eine neue Stütze gewinnt, daß zum Zustandekommen von weiblichen Individuen immer der Hiinzuttitt eines Männ­chens erforderlich ist, während das Fehlen der Befrnchtttng Männchen ergibt.

Bucheinbände. Die Frage, wie nmu die Bücher, die man lange aufbewahren und den Erben utiversehrt hinterlassen möchte, binden lassen sott, ist, wie derGaulois" berichtet, vor kurzem in eiuwlutdfrejer Weise beantwortet und entschieden worden. DieSociety of 2krts" in London hat nämlich die Frage zum Gegenstände einer eingehenden Untersuchung genmcht und die Ansichten und Urteile der Bibliothekare und Archivare der hervorragendsten Biblio­theken Englands und des Auslandes eingeholt. Aus -en eingegangenen Antworten ergibt sich, daß K a l b t e d e r und Jluchtenleder die schlechtesten Einbände sind, da sie sich nicht lange halten. Dagegen sind, wie imfeic Altvordern schon wußten, Saffian und Schweinsleder sozusagen ewig. In manchen Fällen kantt mun auch Pergament als Bucheinbcntd verwenden: es muß jedock von besonderer Güte sein. Die Leiter der 39 Bibliotheken, die von der Society of Arts" befragt worden sind, haben ferner ein­stimmig erklärt, daß die Gasbeleuchtung die besten Bucheinbände sehr rasch zerstört, und daß in dieser Hinsicht die Elektrizität vorzuziehen sei.

Eine Tolstoi-Ausstellung in Peters­burg. Gegen Ende F-ebruar wird tu der Petersburger Akademie der Wissenschaften eine Tolstoi-Ausstellung er­

öffnet werden. Es sind Vorbereitungen getroffen worden, um recht Umfassendes bieten zu können. Alles wertvolle Material, das in Iaßnaja Poljana, dem AüfenthaltsortV des Dichters, und int sogenannten Tolstoi-Zimmer -es Mos­kauer Rumjanzew-Museums vorhandeit ist, wird nach Peters­burg zusammengettagen. Iaßnaja Poljana schickt beispw. alle vorhandenen Porträts der Vorfahren -es Dichters. Die Manuskripte, Tagebücher werden von der Gattür des Dichters dem Bildhauer Günsburg unter -essen persönlicher Verantwortung anvertraut. Bedauerlicherweise wird all das wertvolle in Eitgland befindliche Material, das in London in einem Safe aufbewahrt wird, von Tschertkow, unter -essen Obhut jene Manuskripte gestellt sind, nicht aus- geliefert; es wird also der Ausstellung sernbleiben müssen. Man wagt es nicht, den Transport im Februar vorzu­nehmen, und hat auch Bedenken das dürste wohl das hauptsächlichste Hindernis fein, die Dokumente durch die Hände der russischen Zensur gehen zu lassen. Die bekcurnte VerlagsfirmaPoßrednik" in Petersburg, das Museum Alexanders III. und die Kaiserliche Bibliothek haben Der» sprachen, der Ausstellung ihr Tolstoi-Material zur Ber-- fügung zu stellen.

Der Barsußtanz ist in Amerika augenblicklich in Mode. Lady Constance Sttrart Robinsotr, eine Dame der Gesellschaft, feierte kürzlich ihr Debüt als Barfuß­tänzerin. Zugunsten eurer Wohltätigkeitsveranstaltung trat sie in dem großen Ballsaal des bekannten Sherryscherr Restmrrants auf. Die Billette kosteten fabelhafte Summen, trotzdem der Normalpreis auf nur 5 Dollar Lautete. Lady Constance tanzte griechische Tänze nach der Musik von Mendelssohn und Goethe" so meldete wenigstens das Programnr. Der Tanz fand bei den dreihundert Per­sonen aus ben ersten Gesellschaftskreisen Newyvrks, die der Vorstellung Erwähnten, kolossalen Beifall. Welche Musrt allerdings als Goethefche Komposition verzapft wurde, dürste auch den meisten Zuschauern nicht recht klar nc- worden sein.

,, _ Klei ne Chronik aus K u n ff und Wissens ch ast. Angesichts der Openikrise in Paris zog Richard Strauß ferne Salome", die im Frühling ausgesührt werden sollte, von der Groben Oper zurück. -- In F l e n s b n r g ist der älteste deutsche Rechtsanwalt, der 88jährige Justtzrat Jprseir g oft erb en.