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28.1.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 33

Zweites Blatt

L 39. Jahrgang

Donnerstag 28. Januar 1909

Erscheint tvgNch mit Ausnahme des Sonntags.

Die ..Sietzener FamiliendlStter- werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich betgelegt, das Kreisblatl für de» Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» tragen erscheinen monatlich zweimal.

Gmeral-Mzeiger für Oberhchen

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$Rjtahon3bni(f und Verlag der Brühl'sch« Unwersuäks Buch» und .Tremdruckerei.

9L Lange. Gießen.

Redaktion, Exvedüron und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

Redaklion:^?A1I2. Tel.-2ldruAnzetgerGreßcn.

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sund sandten an beit Kaiser ein Telegramm, in dem die Glück- wnüsche und dec Dank der Stadt für die ihr bei dem großen Brande geleistete Hilfe ausgedruckt werden.

Gietzener StadLLysuter.

WalleOsteius Tod.

Trauerspiel von Schiller.

Schillers Wallenstein ist gewiß eins von den wenigen deutschen 'Stücken, die man immer wieder einmal gern sieht, besonders wenn 6» so gut dargestellt wird, wie das gestern im allgemeinen der 'Fall gewesen ist, es darf aber doch füglich bezweifelt werden, iob es in der augenblicklichen Zeit eine geeignete Festvorstellung »abgibt. Außerdem war mit Bestimmtheit vorauszusehen, daß 'bas' Stück trotz aller Kürzungen nicht vor 10 Uhr abgespielt sein ivmrte, wodurch die auswärtigen Theaterbesucher natürlich den Schluß versäumen mußten.

Die Vorstellung, die zur Feier des 50. Geburtstages des Kaisers bei festlich beleuchtetem Hause stattfand und mit einem Vorspiel der hiesigen Reg.mentsfLpelle unter Leitung des Musik­direktors Kcauße eröffnet wurde, war gut vorbereitet und vickelte sich glatt ab. Die Regie hatte gut gearbeitet und recht schöne Bühnenbilder ausgestellt, nur der zweite Teil des vierten Auszuges Hütte eine Verwandlung bringen müssen, denn es ist unwahrscheinlich, daß die ohnnrächtige Thekla aus ihrem Zimmer herausgebracht wird, um den schwedischen Hauptmann in der Vor- ixtfle zu empfangen. Durch Vertiefung der Halle wäre eine Um­wandlung rasch vollzogen gewesen, wenn anders nicht rein tech­nische Gründe dem entgegenstanden. Da die Besetzung der we.ent iichsten Rollen dieselbe wie in denPiccolomini" geblieben ist, braucht nur wenig neues gesagt zu werden. Hermann B a ko j vollendete mit Glück seinen groß angelegten und sicher durchge- sührteu Wallenstein und gestaltete ihn zur Glanzleistung des Äbends. Auch Rolf Ziegler als Oktaoio schloß seine Rolle sehr gut ab. Clemens Roden a.s Max, der in den ersten Alten tinen sehr erfreutick-en Anlauf geiwmmen batte, hatte sich vor­zeitig ausgegeben und schlug unglücklicl)-erweise bei den Schluß­worten mit der Stimme über, wodurch die Wirkung natürlich vollständig verloren ging. Direktor Stcingoctter als Butt 2er war durch eine stimmliche Unpäßlichkeit verhindert, sich frei iu entfalten, gab aber doch eine scharse Charakteristik des greifen Soldaten. (Sine sehr schöne Leistung bot Karl Bolck als jchive- Lischer Hau.ptmanu., Erich Weingartner als Terzky, Rudolf Voll als Ilio; auch Edgar Pauly als Wränget war recht lobwürdig. Als Gräfin Terzky gab Helene 'zi uj t e r b e r g eine ochtungswerte Leistung, die sie namentlich am <ochruß zu einer erftemuyen Höhe zu steigern vermochte, ivas einigermaßen auch aus Jo Hoven als Thekla zutcijft. 'Rach den etwas matten erffcn Austritten gelang ihr der Schluß über alles Erwarten gut Von len übrigen sind Willibald Bölcker und Grete Höcker be- tzonders erwähnenswert; recht ungenügend war der Gefreite der Pappenheimer.

Kaders. Geburtstag.

Anläßlich des Geburtstages des Kaisers prangte die Reichs- Hauptstadt gestern in prächtigem Festschmuck. Schon^vvm frühen Morgen waren die Hauptstraßen in der Nähe des Schlosses von Lichten Menschenmassen belebt, die sich namentlich, je näher die Mittagsstunde heranrückte, in der Gegend d:s Zeughauses an- lämmelte, um die Auffahrt der Fürstlichkeiten und hohen Würden- Irügent zu schauen und dem Kaiser bei seinem Wege vom Schlosse zum Zeughause zu huldigen. Eingcleitct wurde der Tag durch das Äbliche Wecken mit der MelodieFreut euch des Lebens". In­zwischen blies ein Twmpeterkorps von der Schloßkuppel Choräle. ÜZn der neunten Stunde begann die Ausfahrt der Fürstlichkeiten jur Gratulation. Gegen 10 Uhr versammelten sich die im Schlosse vvhnenden fürstlichen Gaste zur Gratulation. Nachdem der Kaiser, her große Generals-Uniform trug, deren Glückwünsche cntgegcn- genommen hatte, ordnete sich unter großem Vortritt der Zug um Festgottesdienst nach der Schloßkapelle. Nach Beendigung des "üottesdieustes sand gegen 11 Uhr int Weißen Saale große Gratu- ationScvur statt. Gegen 1/31 Uhr begab sich der Kaiser mit den Fürsten nach dem Zeughause, Ivo die Nagelung und Weihe einer 'Inzahl neuer Fahnen erfolgte, an die sich die Paroleausgabe an- schloß. Der Kaiser wurde ans dem Hin- und Rückweg vom Publi­kum jubelnd begrüßt. In den Hochschulen fanden die üblichen jeftefte statt.

Anläßlich sebrcS Geburtstages hat der Kaiser eine Reihe von -Auszeichnungen verliehen, lla. erhielten den Roten Adlerorden L Klaffe der Minister des Innern von Moltke, den Kroncnorden L Kl. der Ches des MililärLrbinetts Generalleutnant von Lyncker, bm WilhelmSvrden der Dizo-Oberzerevtonienmeister von dem Knese- ted, den Roten Adlervcden 2. M. mit dem Stern: Fürst Pleß 'Der erbliche Adel wurde ru a. verliehen: Dem Minister der öfsent- iicherr Arbeiten Breiteabach, dem Präsidenten des Reichs- 'Militärgerichts General Linde, dem Lommandierenden General )Ls L Armeekorps General Kluck, dem Inspektor der Feld- artitlmc General Schubert, dem Oberpräfidenten der Provinz Lachsen Hegel, den Kommerzienräten Ernst und Konrad B 0 r - i g. Ins Herrenhaus berufen wurden u. a_ der frühere Staats- 'etretih von Thielmamt und der nativnalliberabe Landtagsabge- -rrbnete vvn Bötlinger. Ten Chorafter als Wirkt. Geh. Rat -nit dem Prädikat Exzellenz erhielten: Der Schloßhauptmann Gras at Hoensbrvech, der ÄLationalökonom Prof. Adolf Wagner und .»er Geh Kommerzienrat Ernst von Mendelssohn-Vartlwldy.

Wie in Berlin, so ist der Geburtstag des Kaisers auch an allen ntberen Orten des Reiches von der Bevölkerung festlich begangen "Mrd en.

Der amsrikanische Botschafter Mr. Hill hat dem toifer bei Gelegenheit der Darbringung seiner Glückwünsche zum 4)0. Geburtstage mitgetei.lt, daß Mr. Adolphus Busch iit St. LouiS _bie Erhöhung feiner für den Zweck des Neubaues des Germanischen Museums an der Harvard-Universität gezeichneten Subskriptions qinnme von 50 000 auf 100 000 Dollars in Aussicht gestellt habe.

Auch aus dem Auslande kommen zahlreiche Berichte über Festlichkeiten aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers, so aus Wien, Rom, London, St. Petersburg, Moskau, Madrid usw. Die dänische ZeitungBerlingke Tidenoc" führt in dem Leitartikel ihrer gestrigen Äöeiidnummer aus: In der Sympathie für die $erfon Kaiser Wilhelms begegnen sich alle, Ausländer uni) Deutsch. Kllle begrüßen in dem Kaiser eine rechtsinnige und ritterliche Natur, :*bie immer dos Beste gewollt. Dänemark gegenüber hat Kaiser Wilhelm eine Haltung angenommen, die freundschaftliche Gefühle sür die Person der Kaisers erweckte. Unter allgemeiner Sympathie -Überbringt daher heute der Kronprinz in Berlin die Glückwünsche des Königs und der Königin und des dänischen Königshauses.

Amtliche iwrwegische Zeitungen bringen aus Anlaß des .50. Geburtstages Kaiser Wilhelms sympathiiche Artikel mit dem bilde des Kaisers. Magistrat und Stadtverordneten von Aale-

Nach dem Vorspiel lsteck Overst v. Muller eine kleine An- 'prache, in der er der Bedeutung des Tages gedachte utib das Hoch aus den Kaiser ausörachte, woraufHeil Kaiser bir!" gesungen wurde. K. N.

Naturwiffenschaftliche Borträge veranstaltet von der 0 d e r he s s i > che n Gesellschaft für Natur - und Heilkunde.

Der dritte der vier Vorträge sand am 14. Januar in der alten Aula statt und behandelte ein aslronomisckies Thema; Herr Professor Fromme sprach überDen jetzigen Stand un­serer Kenntnisse von der Sonne". Nach einleitende Worten über die Abhängigkeit, in der Leben und Bewegung auf jer Erde von der Sonne ftehcn, und über die Größe der Sonne und die Vtächtigkeit der aus ihr beobachtbaren Erschemungen gmg der Vortragende näher auj die Beschaffenheit der Photosphäre, ans die Granulation, die Flecken und Fackeln ein und verweilte Länger bei den Flecken, bei der auS ihrer Bewegung erschlojsenen Oiotationsdauer der Sonne, chrer Periodicität und ihrem Zu­sammenhänge mit den Ersck-einungen des Erdmagnetismus. Be­trackstungen und Ex^^Zmente über Spektralanalyse führten sodann üui die Annahme einer Sonnenatmoiphure mit einer gruben An­zahl von auch aus der Erde vortömmenden chempüien Elementen. Glühende Calcium-Dämpje wurden nicht nur über den Fackel­gebieten, sondern weil verbreitet gesunden, sie ergaben die Aiög- tichkeit, die Sonne im Licht einer einzelnen Calcium-Tillie photo­graphisch aujzunehmen und den Nachweis zu führen, daß die Granulationen der Sonnenoberjläche aus Caiciuni-Wölkch-en be­stehen. Die Beobachtung totaler Sonnensinsternisse mittel)! des Spettrosiops führte zur Erkennung der Sonnen-Chromos^hare und ihres innersten Teils, der umkehrenden Sosioht, sowie zum Studium ocr Sonnenprotuberanzen und erwies ferner die Existenz einer Sonnen-Eorvna, mil deren Erforschung die Astrophysik noch lauge beschäftigt sein wird. Ziemlick) gut ist man jetzt über die (esfett ve Temperatur der Sonnenoberftäche unterrichtet, die auf 7000 Grad Celsius zu normieren ist. Die Schlußbetrachtungen galten dann oer Frage, nrie lange es noch dauern kann, bis Ow Temperatur Der Sonne abzunehmen beginnt. Unter Zugrundelegung dec von Kant unü Laplace auigcftellicn Hypothese über die Bildung unseres Planetensystems unO mit Hulse der Helrnholtzschen Annahme über die Quellen der 6'onnenrourinc wurde diese Zeit aus 17 Millionen Jahre angegeben. Nach dieser Zeit würde also ine Strahlung, welche der Erde von der Sonne zugejandt wird, jortschreuend kleiner werden, alles organische Leben aui der Erde sich mehr nach dem Aeauator zuruaziehen unü endlich ganz au.hörcn müssen. Die Ausführungen des Vvrfitzenden wurden durch eine g.oße Anzahl von Lick)lbildern, |oroie durch eine Re.he von Experi­menten dem allgemeinen Verständnis näher gebracht.

(Soquelin f. Der Schauspieler Coauelin der Aeltere, der vor einigen Tagen erkrankt war, ist in Pont aux Dames gestor­ben. Coa.^ in, der an einer Grippe litt, hrl sich au de.i Rat feiner Aerzte |ur einige Tage nach Pond-aux-Dcunes, in das haupt­

sächlich durch seine Mitwirkung gegründete Schauspielerheim, zw- rüägezogen. Er schien bereits vollständig wrederhergestellt und wollte in kilrzem nach Paris zurüaichren, um Die Probe des Rostandichen StückesEyanlecler" zu leiten. Gestern morgen setzte er sich an seinen e>djreihti|d), um das Studium desChan- teder" forlzusetzen, als er plötzlich ohnmächtig wurde und wenige Augenblicke später an Herzlähmung verschied. Coquelm wird einer letznviliigen Verfügung zufolge in Pont-aux-DameS beerdigt werden. Das Leichenbegängnis findet morgen statt.

Felix Mendelssohn-Bartholdy gehört zu den volkstümlichsten unter unseren großen Konrpvnisten, und es er­scheint deswegen ais eine Ehrenpflicht des deutschen Volkes, an­läßlich des am 3. Februar 1900 stattfindeiwen 100. Geburtstag des Meisters seine Werke für diesen Winter in den Vordergrund oer musikalischen Veranstaltungen zu stellen. Viele Volksbildungs-- und Gesangvereilie iverden wohl auch Mendelssohu-Gedenkseiern veranstalten wollen. Wie man eine solche Feier am zweckmäßigsten einricijtet, dazu bringt ein Aussatz in dem Näruatsorgan des Rhein-Mkavriscyen VeroLndes sür Volksbildung (Geschästsstellc in Frankfurt a. M., Stiststr. 32) geeignete Vorschläge und Literatur- .'.aüstveise. Sonderabzüge davon werden unentgeltlich versandt, nur Portovergickung, am besten in Form einer der Bestellkarte angebogenen Anlwvrtposträrte, ist erwünscht.

Zwei bisher unbekannte Briefe von Ern st Moritz Ä rnbt weiden von Dr. '31 uDolI 11er int letzten öe'te der Pteußifchen Jahrbücher iBd. 13ö. Januar. Berlin. G. Suite) nütfleieüt. Tie beiden Tokumenie flammen aus den fahren 1811 und 1835 und führen am ein ernsteres Gebiet. Ter eiste behänden eilte liteiuiijcbe Lpezial'iage und tällt em überaus hartes vairiotijches Urteil über Die Zeil:Mich ekelt unsets teut- jchcn Treibens und der ä fischen Halöheil in allen unieren Dingen: eine Elenüigkelt, die mich ircniDe Völker recht anschaulick) gelehrt haben. Unsere üittcratur, unsere Kunst, unsere neueste Atysiik und Nomantik, kurz alle» alles ist voll beivußier und unbeiuuüt£c Lugen; unjeie Schäden und so groß, daß sie nicht anders geheilt lucröen tonnen, als durch das Euen, und zwar durch unser eigenes Eisen. Ich hoffe aui dergleichen noch immer tute tu einem pro­phetischen Traum; ohne jede Hoffnung mögte und könnte ich nicht leben." Der zweite gibt u. a. Anskmnt üoer eme von Arndt ge- üiaiite Biographie des Frei Herrn vom Stein, mit dem bekanntlich Arndt innig befreimDet war: «Ich glaube, ich hätte sie wahrer schreiben können, als mancher Andere; sie ist nur uorbeigegangen. Cime Einwilligung der Familie tonnte ich es nicht ivollen. Ich hoilie, ihrer genug zu sein; aber Der hamioversche Teil derselben (Die SUelnmimveggcii) Hal gesiegt, und sie ist an Pertz gefommeit. Der sie Deriqfjen |oli, nut Hülie von FamiUenpavieren; doch wird sie noch unter dem Scheffel liegen, bis em 4 oder 6 Augen sich werden für diese Erde ge'chloyen haben." Ohne Zuhllieuahme Sieuischer Papiere, nur aus eigenster, wennschon reicher (Srmne- titng heraus fdirieb er deshalb nach langen Jahren die 1858 von K. Renner verlegicn »Wanderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrit von Sreut".

Vie Ausbreitung der polen im rheinisch westfälischen Inbustriebczitt.

Es sind recht bedenkliche Ziffern, die von der Zunahme des Polentunis int rheinisck)-westsäliscl)cn Jndustriebezirk berichten; ge­radezu u n h e i m l i ch ist die Entwicklung ihrer Organisationen in den letzten 15 Jahren.

Während im Fabre 1861 nur 16 Polen gezählt wurden, betrug ihre Zahl 1890 schon 31 000; nach weiteren drei Jahren (1893) waren es bereits 55 000, 1897 war daS erste Htindert- tauseud erreicht; heute sind etwa 350 000 Polen im rhcinlsch- tocftfälifdren Jndustriebezirk und zwar meist im Bergbau be- sckstisiigt. Um ihre nationale Eigenart zu sichern, haben die wandernden Kinder Poloniae besonders im letzten Jahrzehnt eine ganze Reihe von Organisationen ins Leben gerufen. AIS Haupt- zentralc ihrer BestrcbungLN sind der Stadt- und Landkreis B 0 ch um zu betrachten. Hier besteht nicht nur der Haupiwahiverein und eine polnische Dcreinsbank, sondern auch ein Polenbund, die polnische Senn Bereinigung mit vielen KreiH- und Ortsableilungen und der Verband der polnischen Arbeiterinnen. Jrn weiteren Ind'.lstrie- bezirk wird das polnische Element vertreten durch etwa 80 Lokal- vcrcine, sieben polnische Handwerkcrvereine, drei polnisclv Frauen­vereine, einen Verein polnischer Kaufleute, einen Verband polni­scher Gesangvereine, einen poluifck)en Unterrichts Hilfsverein, sowie eine große Anzahl polnisch-kirchlicher Vereine und mehrere L^on- sumvereine.

Neben diesen uational-polnisckien Vereinigungen hat auch die sozialdemokratische Partei begonnen, ihre polnischen Anhänger zusammenzuichließeu, und man greift nicht zu hoch, wenn man die Zayl solcher Vereinigungen in Rheinland und Westfalen auf mindestens 400 schätzt. Bei der Reick»stagslvahl 1903 wurden 20 000, im Jahre 1907 bereits 30 000 polnische Stimmen ab­gegeben. Mögen die Polen auch jetzt noch dem Zentrum Heeres­dienste leisten, die Zeit, roo sie sch ilarf genug fühlen, ganz selb­ständig auftreten zu wnn n, ist nicht mehr fern. Von polnischer Zähigkeit könnten aiiucte lernen!

Auch auf kommunalem Gebiet haben die Polen bereits allerlei Erfolge zu verzeichnen, und die Zahl der polnischen Ge­meindevertreter iit in stetem Wachstum bcgrissen.

Nach den neuesten "Feststellungen im Landkreis Bochum (vom Januar 1909) betrug die Zahl der polnischen Personen daselbst 25 017, das sind 2 0 Prozent der Gesamt­bevölkerung. Darunter befanden sich 16 483 inländische und 17 ausländische Polen, sowie 8517 Masuren. Die Zahl der polni­schen Manner betrug 8753, davon sind 7014 Bergarbeiter.

Der p r e u ß i s ch e A d - e r auf dem Kriegerdenkmal in Trebnitz war von den Tschechen kürzlich beschädigt worden. Nachdem der tschechische Gemeindevorstand die Neuanbringung deS preußischen Adlers an dem preußifchen Kriegerdenkmal anstelle des bisherigen beschädigten Adlers verboten hatte, ist diese von der Bezirkshaupt- mannschast nunmehr bewilligt worden.

Dic tschechenseindlichen Kundgebungen in Eger haben sich gestern abend wiederhollt. Größere Trupps durchzogen die Straßen und bewarsLn die Gendarmen mit Steinen. Niehrere Personen wurden sestgenommen, es wurde aber nur eine in Hast behalten.

Rücktritt Tittonis. Es heißt, Tittoni bringe fhn auf Bitten Giolitti's vorläufig zurückgezog.nes EmluflUitgs. esuch ton neuem int Minister rate ein. Letterer werde voraussichtlich die Auslösung der Kammer beschließen.

Rußland hat feine Mititärabteilung von Kreta zurück­gezogen. Es besteht Die Annahme, daß die anderen drei Sck;utz- mächte diesem Beichiele folgen werden.

Der russische Handelsminifter Schipow iit zum Mitglied des Reichsrats ernannt worden. Die Leitung des Han­delsministeriums übernimmt der ehemalige Handelsminckter Ti- nt i r i a | e ro, bisher gewähltes Mitglied des Reichsrats.

Ferdinand wechselt nicht den Glauben! Das

Gerücht, nach welchem Fürst Ferdinand bei seiner Krönung zum orthodoxen Glauben übertreten werde, ist unwahr. Fürst Ferdinand denke weder an eine Krönung noch an einen Glaubenswechsel.

EineVerschlvörunggegendenserbischenKron- Prinzen. Der Kronprinz von Serbien hat den Redakteuren zweier oppositioneller Blätter erklärt, daß er täglich^Drohbricse erhalte des Inhalts, man werde mit Hilfe der radikalen ^kupischma- Aiehrheit ihn be-5 Thronerbes verlustig erhören und seinen Bruder Alexander als Thronfolger prcflamiercn. Ter Kronprinz erklärte weiter, schriftliche Beweise über Machenschasten seines B r u d e r s A l e x a n d e r mit verschworenen Offizieren in.lden zu haben. _________________ _______

geisrn zu Keifers EebuUstag.

x Lollar. 27. Jan. Zur Feier des LieburtStageS S'.'.^Maj. des Kaiiers wurde in den festlich geschmückten Räumen der Bahn- bofsrciianraiioit ein Festessen veranstaltet, an denr sich eme Nailtiche Anzahl patriotiid) gesinnter Bürger von hier und ber Um­gebung beteiligten. Tie Feslrebe, die mit großem Bet^att auf- genommen wurde, hielt Hanptiehrer Sehrt von hier. In das ansgebrachle !iaiierhock> finnmtcn die Anwesenden mit voller Be° geiftevung ein. Im Verlauf der Feier gedachte 9>ürgermeiftcv Schmidt unseres Grostherzogs nnö brnd)te auf ihn cm ebenfalls begeistert aidgcnommene3 Hoch nu5.

-ob. Nied erb es fing en, 27. Jan. Am letzten Sonntag abend hatte fid) in Dem Lotz'schen Saale dahier eine außerotbent- tich große Zahl unserer böcineindeglieder nebst zahlreichen Gästen aus Ltch und den um.legenden Cnen versammelt, um sich an Den köstlichen Tarbieiunqen zrt er reuen, die unser Lehrer G r a n l i co wie alljährlich mit feinen Schulkindern zur Feier des Geburtstages des Kaisers veranstalte: hatte. Tie Vortrags'olge war drei­teilig (weihnachtlich, patriotisch und hnmorislisch) und im Vergleich zu den der Vorjahie außerordentlich reichhaltig. Ta wechseUen Alifsuhrungen ernsten und heiteren Inhaltes mit mehrstimmigen Gesäugen, alles fast nur von Sdiulfmbern ausge'ührt. Es ist er- slauulich, lvelche vorzüglichen Leistimgen mit geringen Tlttteln ber Vehver mit seiner einklassigen Schule erzielt hat, und es dürfte unter den zugegen Gewesenen wohl niemanö sein, dem der ge­lungene Abend nicht großes Vergnügen bereitet hatte.

0 V a n b a d). 27. Jan. Gestern Dcranftahete das Gym- n a f 1 it m F r i e d e r i e i a n u m in seinen Räumen eine Feier zu Kaisers Geburtstag. Tas Programm wies 17 Nummern auf. Es bestand zunächst aus 3 Nummern für Klavier und Vio­line, die von drei Schülern der ObcrUasse zu gutem Vortrage kamen, ans 4 gemischten Chören, worunter der »Sang an Aegir" mit Klavierbegleitung wirkungsvoll zur Geltung kam, aus 8 durch­weg vatriotiid)en Teklamationen, rvormiter 2 Gedichte von Ernst o. Wilden brück), und ein längeres Gedicht: Falk von Staust bas von einem Unterprimaner sehr lebendig und irisch vorgetragen iviirbc. Die Festrede hielt Oberlehrer Prof. Dr. Wetzc11; zum Haupithcma hatte er sich gewählt: Tie Musik unter den Hoheit- zollern. Die Perioden unter dem Großen Kur'ürsten, unter Fried­rich Dem Großen und seiner Schwester Prinzessin Amalie, unter Friedrich Wilhelm III. und Prinz Louis Ferduiaud wurden aus- 'ührtich behandelt, zuletzt kam er aiti Kaiser Wilhelin II. zu sprechen, den er als guten -xagnertanev pries. Ter Jestieier wohnte ein sehr zahlreiches Publtkum, darunter die hiesigen Gräflichen Herrschailen, sowie dre aus Arnsburg bei. Heute findet eme allgemeine Ka.ser- teiev nnSchutzenhoi" statt. Cmjmnafialbirehor Dr. Müller hat die Festrede übernommen. Musik- und Die beiden Gesangvereilie haben ihre Milioirkung zngesagt.

KB. Dar m (tobt, 27. Ja». Die Feier von Kaisers Ge­burtstag vollzog sich ganz nach Dem gewohnten Programm. Gestern abend ivav Zapfenstreich von den hiesigen Pillrtär- fnpellen rnver Leitung des Obermusikmelsters Ätitleg. Heute früh wllrde Reoeille durch die Stadt geblasen und vom Turm der Ctabttuche em Festchoral angeftimmt. Um 10 Uhr fanden in der evang. und in Der kathol. Stadtkirche FestgotteSblenste statt. Tte Parade wurde um 12 Uhr auf Dem Marienplatz von General- leuinant von Strantz abgenommen und durch Generalmajor von Werder fommanDiert. Nach dem Kaiserhoch ivurDen 101 Ehrenschüsse durch eme Batterie des Feld - Amtierte - Regiments Dir. 25 abgegeben. Sämtliche Bureaus und Schuten waren ge- fchlossen. In Den höheren Klassen fanden Festakte statt. Am