Dienstag 27. Juli 1909
Keiue Milit'arverschwornng in Griechenland.
Alle
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sozialdemokratischen Abgeordneten in diesem Verkehr em
gegenüber natürlich vertreten würden.
Nr. 173
Ter «ietzener ünji
«ezugsprsr^^ monatlicb75^.,üiertcl- jährlich Dtk. 2.20; durch Abhole- u. Z'veigslellen monatlich 65 Pf.; durch diePost '2)it.2.— viertel* jährt. au^schl. Beslellg. Zeilenpreis: lokal ISPj^ auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s Feuilleton und .Vermischtes^ K. Neurath; sür.Stadt u. ßanb" und „Gerichl:- saal": E. veß; für den ^lnzeigenteil: H. Beck.
Der verstoßene Lohn.
Der Vater des Prinzen Alsonso von Orleans, Prinz Anton von Orleans, Herzog von Galliera, richtete an den ftönig von Spanien eine Depesche, worin er sein Bedauern über die, ohne Wissen und ohne seine Zustimmung erfolgte Vermählung seines Sohnes ausspricht. Eine an den Prinzen Alfonso gerichtete Depesche des Prinzen Anton von Orleans erklärt, der Prinz habe durch seine Handlung die Pflichten cer Ehre und die heilige Pflicht, die Gott einem guten Sohne auferlegte, verletzt. Infolgedessen gebe es künftig zwischen chm und feinem Vater Leine Verbmdung mehr.
polLtrfche Tagesschau.
Sozialdemokratische Hofgänger in Württemberg.
Inhalten haben. Wenn die Parteigenossen, die an dem Ausflug tcilnahinen, diese Grenzen wcirergesteckt hätten, Äs das seither in der Partei üblich war, so hatten sie dafür chcc Gründe gehabt, die sie der parteigenössischen Kritik
Gerüchte über eine Militärverschwörung werden jetzt von Athen aus als falsch bezeichnet. In den letzten Tagen des Ministeriums Theotokis versammelten sich zahlreiche Offiziere jeden Grades in disziplinarwidriger Weise, um über wirksame Maßnahmen zur Erhöhung des Prestiges der Armee zu beraten. Seit der Bildung des Kabinetts Rhällis ist die Ordnung wieder hergestellt. Tie Offiziere sind überzeugt, daß Rhallys unablässig und tatkräftig sich mit der Reorganisation der Armee beschäftigen wird.
Gegen die Dynastie Karageorgewitsch.
Prinz Georg von Serbien ist in den Besitz eines unzweifelhaft echten Briefes des Führers der altradikalen Partei, Paschitsch, gelangt, den dieser an den Hauptver- schwörer, den früheren Minister Gensitsch, gerichtet hat. Es heißt darin: die altradikale Partei sei sich einig, daß ein baldiger Wechsel der Dynastie Karageorgewitsch für Serbien notwendig sei. Man sei bereit, Volk und Skupschtina in diesem Sinne zu bearbeiten. Tie Wahl eines englischen Prinzen sei am günstigsten. Paschitsch schlägt weiter vor, dem König Peter aus £*er letzten Anleihe eine Abfindung von ö Millionen zu zahlen. Eine Kopie dieses Brieses sandte Prinz Georg an den König nach Ribarac Banja In politischen Kreisen weiß mag, daß Paschitsch seinen Karlsbader Aufenthalt dazu benutzen will, eine Audienz bei König Eduard zu erhalten, sobald dieser in Marienbao eintrifft. Tiese Nachricht hat König Peter so angegriffen, daß er fortwährend an Ohnmachtsansällen leidet und seil drei Tagen das Zimmer nicht hat verlassen können. Der Ministerpräsident Novakowitsch ist zum Könige berufen.
Die Beteiligung sozialdemokratischer Landtagsabgeord- iMtet an dem vom Könige von Württemberg den Ständen gegebenen Frühstück im Schloßgarten zu Friedrichshafen inü) ihr Aufstehen bei dem vom Mintsterpräsibenten aus- gebrachten Königshoch haben das Mißfallen der Führer in Wppingen hervorgerufen. Sie veröffentlichen m der „Schwab. Tagwacht" eine Erklärung, die das Verhalten der Ageordneten „einfach unbegreiflich" nennt. Es seren das Dmge, die mit den Prinzipien der Sozialdemokratie nicht in Vereinbarung zu bringen seien. Die „Schwab. Tag- hxid)t" antwortet darauf, die Zuschrift schieße übers Ziel. Die sozialdemokratischen Abgeordneten könnten fich dem gesellschaftlichen Verkehr mit den Mitgliedern anderer^Par- teien nicht entziehen. Täten sie so würden sie der Lache, die sie zu vertretenlhaben, keinen guten Dienst leisten, dcur die Frage könne aufgeworfen werden, welche Grenzen die
2 ' ^Erstes Blatt 159. Jahrgang
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ßir die Redaktion 112,
General-Anzeiger für Oberhessen
Annahme von Anzeigen " " • 1 1
ur die Taaesnmnmer Hotation$brH<! und Verlag der vrühl'sche« Aniv.-Vuch- und Steindruckerei K. Lange, veöattlon, Grpedition und Druckerei: zchulstrahe 7.
ns vormrttags 9 Uhr.
Unzufriedenheit mit der Haltung der konservativen Fraktion.
In einer in Milttsch abgehaltenen konservativen Wähler-' Versammlung erstattete der Vertreter dieses Wahlkreises, der Abgeordnete Dr. von Heydebrand und der Lasa, seinen Rechenschaftsbericht. Von dem zweiten Vorsitzenden des Bundes der Landwirte, Schmidthals-Militsch, und dem Konservativen Dr. Dimilis-Poscn wurde der Abgeordnete unter stürmischem Beifall auf das heftigste wegen der Ablehnung der Erbanfallsteuer des Fürsten von Bülow und wegen des Zusammengehens mit den Polen angegriffen. Die Versammlung verlief, ohne daß eine Resolution zugunsten des Abgeordneten von Heydebrand gefaßt wurde. — Die sächsischen Konservativen haben in einer Generalversammlung die Haltung der konservativen Reichstagsfraktion bei der Reichsfinanzresorm gebilligt.
Alle Mittel gelten.
Tas schnelle Wachstum des Hansa-BundeS und der lebhafte Widerhall, den seine Kundgebungen in der Oefsentlichkeit finden, haben die gegnerischen fkreise in große Aufiegnng versetzt. Tas ist nur natürlich und bedarf kaum der besonderen Hervorhebung. Sein bedenklich aber und, wenigstens in Deutschland, bisher unerhört ist die Art, w i e der Kampf gegen die verhaßte neue große Organisation geführt wird. Zuerst machte ein angeblicher „Brief eines schlichten Handwerkers" mit allerhand plumpen Entstellungen die Runde durch die großagrarische und Zcntrums- lnesse. Tie Annahme, daß es sich um eine Fälschung handelte, lag nach der ganzen Fassung dieses „Briefes" nahe, zumal es nicht die Art ehrlicher deutscher Handwerker ist, aus dem Hinterhalte mit vergifteten Pfeilen zu schießen. Demgemäß wurde mehrfach öffentlich der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß kein Handwerker an der Herstellung jenes Briefes mitgewirkt hat — imb keines der Blätter, die ihn, meist an einem und demselben Tage, veröffentlicht hatten, wagte zu widersprechen! Dann erschien in der „Deut s chen Tage s zeitung", dem Blatte des Bu ndes der Landwirte, ein gegen den Hansa-Bmtd gerichtetes cur- gebliches „SchreibeneinesBremerG roß kauf manns". Güter der angesehensten Kaufleute Lübecks richtete darauf an die Redaktion des Agrarierblattes die höfliche Bitte um Angabe der Adresse des ungenannten Herrn, in Bremen, um sich mit ihm über die Frage auseinanderzusetzen. Darauf erfolgte keine Antwort! Weiterhin wanderte eine schwungvolle Resolution gegen den Hansa-Bund durch die rückschrittkichen Blätter, die angeblich von dem „Vorstande der Breslauer Ortsgruppe der Mittelstandsvereinigüng" gefaßt worden sein sollte. Die „Breslauer Zeitung" stellte alsdann fest, daß diese Ortsgruppe überhaupt nicht vorhanden ist. Eine solche Kampfes- wcise sollte unter' ans! üü di gen Leuten ausgeschlvffcn fern, ungeachtet aller politischen Meimrngsverschiedenheiten. Dem Vernehmen nach stehen leitende Persönlichkeiten des Bundes der Landwirte der gekennzeichneten Politik nicht fern.
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Englische Flottenrüstnngen,
Im englischen Unterhanse teilte gestern der Erste Lord der Admiralität, Mc Kenna, mit, daß die Regierung beschlossen habe, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um im März 1912 die Fertigstellung der zweiten vier Dreadnoughts sicherzustellen. England müsse seine Rüstungen beschleunigen, weil Deutschland es getan habe. In einer Rede, die Handetsminister Curchill in Norwich hielt, erklärte auch er, daß die Regierung es tief bedauere, dem Lande die Kosten von weiteren vier Dreadnoughts auferlegen zu müssen. Es sei das aber notwendig geworden durch das Schiffsbauprogramm der größten Milttärmacht der Welt, die während der letzten drei Jahre mehr gebaut habe als England. Dqmit ist natürlich nur Deutschland gemeint.
3ur Seamtenbesottmngsreform im Reichstag.
Ter konservative Abgeordnete Dr. Dröscher hat dieser Tage i den „Mecklenburgischen Nachrichten" eine Zuschrift über die Beamtenbesolvungsreform im Reich veröffentlicht. Diese knüpfte rot ein.' Mitteilung der „N.L. C." an, in der es hieß:
„Bis zum letzten Augenblick hatte die nationalliberale Fraktion I bre weitergehenden Wünsche vertreten; sie mußte von ihrer Durch- ietzung zurzeit absehen, nachdem die Einmütigkeit des Reichstages, mit der er im vorigen Jahre noch auf seiner Resolution bestanden ;*!#(-, infolge des Einschwcnkens der Konservativen und des größten »eilcs des Zentrums nicht mehr auftechtzuerhalten war."
Herr Dröscher aber scheut sich nicht, darauf den Vorwurf bfreifter Entstellung zu gründen und die unglaublich kühne Ve- iMUptimg aufzustellen, daß erst nach der Weigerung der National- iberaleu und Freisinnigen, sich an den weiteren Verhandlungen t beteiligen, den Konservativen nichts übrig geblieben sei, als nun auch für ihr Teil dem Drängen der Regierung nachzugeben. Herr Tr. Dröscher beruft sich selbst darauf, daß er seit Monaten fcrnitlidie Verhandlungen mit den Parteien und den Vertretern der Regierung führte und nimmt für sich in Anspruch, daß er den Zusammenl)ang genau kenne. In der Tat muß die in seiner Darstellung liegende Irreführung der Beamten um so eigen- hftmtidjer berühren, als er, der bei diesen Verhandlungen wirk- fri) an einer ersten Stelle beteiligt war, sich des Zusammen- mgs Wehl hätte anders bewußt werden nrüssen. Vor allem iv.tte er niemals die Verdächtigung aussprechen dürfen, daß die »inmütigkeit des Reichstags zuerst von den Nationalliberalen irrd Freisinnigen durchbrochen worden sei, weil sie sich weigerten, für die znwite Lesung in der Kommission sich einer befriedigenden äneinbarung anzuschließen, der sogar die Sozialdemokraten zu- ustimmen bereit waren. Wie schade, daß Herr Dr. Dröscher uoer ein so bedauerlich kurzes Gedächtnis verfügt!
Herrn Dr. Dröscher aber muß das Recht abgesprochen werden, in Urteil darüber zu haben, ob es den Nationalliberalen mit tEjren Forderungen ernst gewesen sei oder nicht. Das ist eine unerhörte Unterstellung, zu deren näherer Keimzeichnung der parla- uimtarisch e Ausdruck fehlt. Tie national liberale Fraktion hat getan, was sic für sachlich gerechtfertigt hielt und was mit ihr (iid) die Konservativen und das ganze Zentrum in erster Lesung für recht erachtet hatten. Herrn Dr. Dröscher gegenüber ist aber w-ohl die Frage berechtigt, welche Rücksichten denn ihn selbst be- 1 wogen, als er dann in ztveiter Lesung in bezug auf die Gehälter | der Uuterbeamten ebenfalls der Aufrechterhaltung der Beschlüsse listrmmte und sich damit in Widerspruch mit den in dieser selben -.itzung von ihm gehaltenen Reden setzte? War es vielleicht iur die falsche Hoffnung, daß. nun auch die Nationalliberalen ’.v'i von Konservativen und Zentrumsmitgliedern damals schon Mdeuilossenen Umfall mitmachen würden? Dieselben sachljck>en l ftündc, deren Beweiskraft von Konservativen und Zenrrum nicht ■ hat bestritten werden können, waren es auch, die die national- . 1 berate Fraktion zur Stellung der von ihr in zweiter Lesung des ■ Plenums eingebrachten Anträge veranlaßt hat. Und deren An- L nähme war für sie durchaus teilte Verlegenheit, sondern eine zum T voraus wohlbedachte Möglich leit, der mir der dauernde Bestand reifagt bleiben mußte, weil die Einmütigkeit des Reichstags in ■her bi rannten Weise gestört war Diese Einmütigkeit hätte auch nichts einem Vorschläge genutzt, für die Postschaffner einen Ge- i jilt von 1200—1700 Mk. eiuzusetzen und für die Postassistenten £ 1500—3300 Mk. nebst einer Zülage von 300 Mk. nach 24jäh- $ r.ßer Dienstzeit anzunehmen. Tenn daß auch diese Anträge Aus- iicht auf Annahme nicht hatten, selbst wenn der ganze Reichstag iie geschlossen gestellt hätte, das war ausdrücklich von der Re- nerung erklärt worden, und wer das Gegenteil behauptet, setzt sich in Widerspruch mit der Wahrheit. Ein fiivoles Spiel zu neiden, dazu sind den Nationalliberalen denn doch die Beamten zu gut und deren Interesse zu wichtig; das verbietet der Frak- ■ non die Achtung vor sich selbst, den Aufgaben eines Volks- 1 tertreterd und bereit ganze ehrenvolle Vergangenheit. Tas schimpfen aus die Nationalliberalen, wie es nun int Anschluß art das Schreiben des Herrn Tr. Dröscher aus dem konservativen und ultramontauen Blätterwald sckwllt, läßt nur die eiaene Verlegenheit und' den Versuch erkennen, den Blick von dem Verhalten dieser Parteien abzulenten und über das eigene Versagen trotz früherer feierlichen Versprechungen hinwegzutäuschen. Daß dann di>c nationalliberale Fraktion in dritter Lesung ihre Anträge nicht mederholte, ist für jeden Einsichtigen und Unbefangenen nach brr Sachlage, wie sie in diesem Augenblick gegeben war, ver- jstündlich. Wenn sie in dritter Lesung säum bei den einzelnen Mstimmuugeu sür biS Kommissionsbeschlüsse stimmte, so tat sie cs, weil eine Aenderung völlig aussichtslos war, und sie tat, Moä in der Gesamte: bsttmmung auch die Freisinnigen und die Sozialdemokraten vollzogen, weil der ganze Reichstag das Scheitern ter Vorlage nicht nriinidjen konnte.
Das Urteil, ob die nationalliberale Fraktion durch ihr Ver- falten das Juteresse der Beamten in der Weise wahrgenommen rat, wie es diese erwarten durften und wie es mit dem Interesse les Staatsganzen verträglich sich crweift, kann sie ruhig und mit gutem Gewissen den Wählern und den Beamten selbst über- aisen, und wenn sie den Zorn und Aerger sieht, der aus den Porten der Gegner spricht, so mag sie daraus entnehmen, daß ia aus dem rechten Wege war.
Die Kämpfe der Spanier tu Marokko.
Die Stimmung in ganz Spanien ist tetzt kriegerisch geworden. Man ist letzt entschlossen, energisch vorzugehen, um die Risileute zu unterwersen. Die nationale Ehre erfordert die größten Opfer. Die Verlustzifsern der letzten Kämpfe sind noch immer unbestimmt. Man geht jedoch nicht fehl, wenn man 400 Verwundete und 100 Tote entnimmt. Die Absendung von Verftärknngen wird fieberhaft betrieben. Ein Minister erklärte, am 1. August verfüge Marina über 50 000 Mann.
Aus Melilla wirb unterm 25. Juli gemeldet: Im Verlause bes Vormittags-Kampses ging der Jnsanterie und der Artillerie wiederholt die Munitton aus. Aus Alhucemas wird berichtet: Die Eingeborenen haben, ermutigt durch das Gerücht, daß dis Spanier Verluste erlitten haben, drei Kanonen im Stich gelassen und die Gewehre und Munition fortgeworsen. 12 000 Eingeborene verstärkten die Harka in Melilla; andere Eingeborene errichteten Verschanzungen auf den umliegenden Höhen. Die Marabuts predigen den heiligen Krieg.
Nach einer amtlichen Meldimg aus Melilla mußte der Pro- viantzug auf der zwecken Station der Grubenbahn eine leichte Beschießung aushalten. Der Tag verlief indessen ruhig. Tie Artillerie beschoß die Schlucksten von Gurugu. Amtlich wird bestätigt, daß die Spanier im Kampfe am 23. Juli 300 Tote und Verwundete hatten._______________________
Das Jubiläum des Turnvereins in Schotten.
eh. Sch ott en, 26. Juli. Der Samstctb und Sonntag gehörte dein Turn- und Gesangveretn, der unter Anteilnahme der gesamten Bürgerschaft seine 50 jährige Jubelfeier beging. Der gesamte Gauausschuß des Gaues Hessen und zahlreiche auswärtige Turnvereine nahmen au dem Feste teil, damit Zeugnis ablegend von der Wert-- schätzung, der sich der Turnverein Sck ten erfreut. Ein wohlgelungener Kommers in der Turnhalle leitete am Samstag abend das Fest ein. Konzert der Kapelle des 5. hessisck)en Jnfante-rie-Re^iments Nr. 168 aus Offenbach und prächtige Gesangsvorträge der vereinigten Männerchörs des Turn- und Gesangvereins und des Kriegervereins, die abwechselnd von den Lehrern Kröll und Schaaf geleitet wurden, bildeten den musikalischen Teil des reich halt inen Programms. Der turnerische Teil des Abends brachte sehr hübsche Stabübungen der Damenriege und Pferdpuramiden der Turner. Beide Aufführungen fanden viel Beifall. Der rührige 1. Sprecher des Turnvereins, Kaufmann Wendeberg entbot deit Anwesenden herzliche Grüße und gab! dann die Ernennung einiger um den Turnverein hochverdienter Männer zu Ehrenmitgliedern bekannt. Die neuen Ehrenmitglieder sind Bürgerineister >vromm (früher lange Jal)re 1. Sprecher des Turnvereins), Beig. Zinser, Th. Grandhomme, Konr. Stang, Gg. Moser in Ofsenbach und Gg. Neumann in Isenburg. Auch dem 2. Sprecher W Engel wurde für seine vielfachen Verdienste eine Anerkennung in Form einer Ehrenurkunde zuteil. Das Hoch auf Kaiser und Großherzog brachte in der ihm eigenen markigen Weiss der trotz seiner 73 Jahre noch sehr jugendsrisch-e Geh. Regierungsrat Schön selb aus, der späterhin in begeisterten Worten des Vaterlandes gedachte. Die Glückwünsche der Stadt übermittelte Bürgermeister Kromm, der herzliche Worte der Anerkennung für den Titrnvereckt und das Turnen überhaupt fand. „Die Turner und Sänger sorgen da.sür, daß dem deutschen Volke trotz der imgeredyren und einseitigen Steuerpolitik einer kurzsichtigen Reichstags Mehrheit die Ideale nicht verloren gehen", führte er n. a. unter starkem Beifall der Festversammlung ans. Die Glückwünsche der deutschen Turnerschaft, des Mittelrhei;>krcis«s und des Gaues Hessen sprach Gauvertreter Helm-Gießen in läiv gerer warmherziger Ansprache aus. Ferner sprachen noch Herr Mehling vom Musikverein Schotten, der eine Fahnenschleife überreichte, der 1. Svrecher des Männerturnvereins Gießen Kaufmann, der den Frauen uni> Jungfrauen Schottens sein Gut Heil ausbrachte, Rind- Kirchhain für den dortigen Turnverein. Der 1. Sprecher des Gießener Turnvereins Heß überreichte dem Jnbcl- verein einen Fahnennagel und brachte der Stadt Schotten und ihrer gewerb fleißig en Bürgerschaft ein Gut Heil aus, während Helfenbein-Lauterbach der verstorbenen verdienten Mitglieder und des jetzigen Vereinsvorstandes gedachte. Zwischendurch erklangen frohe Turnerlieder, deren eines Turner W. Engel zum Urheber hatte. — Am Sonntag vormittag fand ein Festgottesdienst in der hübscken gottschen Stadtkirche statt, der durch die Mitwirkung bet Kapelle verschönt wurde. Nach dem prächtigen Vortrag des „niederländischen Dankgebets" durch die beiden Männer- chöre folgte die Festprediat des Dekans Münch, die von tiefem Verständnis für die gesundheitliche, sittliche und ethische Bedeutung des deutschen Turnens Zeugnis ablegte. „Es ist Pflicht jedes Erziehers und Vaterlands- freundes und es ist die heilige Pflicht der Kirche, das Turnen und die Turnvereine zu unterstützen", führte der (f)eistliche u. a. aus. Am Nachmittag bewegte sich ein stattlicher Festung durch die Stadt nach dem Schulhof, wo zunächst von etwa 80 Turnern unter der Leitung von Gauturnwart Will-Gießen Freiübungen ausgeführt wurden. Hieran reihte fich ein Musterriegen-Wettbewerb, der folgendes Ergebnis hatte: 1. Männerturnverein dNarburg (Barren), 35 Punkte, 2. Mtv. Gießen, Zöglinge (Barren) 33,875 P., 3. Schotten, Damen (Keulen, 31,5 P., 4. Schotten (Barren) 31,125 P., 5. Schotten, Zöglinge (Pferd) 31 P., 6. Nidda < Pferd) 28,875 P., 7. Lich (Barren) 27,5 P., 8. Gedern (Barren) 25,25 P. Nach dem Ternen ging es zur Turnhalle, die nebst dem angrenzenden geräumigen Turnplatz bald besetzt war. Hier sand Konzert statt. Geh. Regierungsvat 2 ch ö n f e l d hielt zivei zündenbe Ansprachen auf Kaiser und Großl-erzog und das Vaterland. Die Festrede hielt ber 1. Sprecher des festgebenden Vereins Wendeberg^ während der 1. Sprecher des Turnvereins Nidda, Reu- ning, dessen Glückwünsche aussprach und einen Fahnen- nagel überreichte. Gauturnwart Will fand anerkennende Worte für die turnerische Tätiakeit des Jubelvereins und nahm die Preisverteilung vom Musterriegenrurnen vor. Am Abend wurde mit einem wohlgelungenen Fesrbatt das Fnbiel- jest abgeschlossen.


