Mittwoch 24. November 1909
Zweites Blatt
Nr. 27«
159. Jahrgang
ttlcbetrti tSgttch mti Culne6me deS Sonntag«.
ränge Schulen und einige Lehrbücher, ine besonders re- j hessischen Justtzmurästers. ES sei doch höchst kindisch und uw.
igionsfkindlich wären, richtete.
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Die Jahreszeiten1.
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Der Kampf um die Schule in Frankreich.
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Dänisch. Vorn Rba Ao» P« Schlesiü-
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Rotahonibrucf und vertag der Vrüblichen UnwcrsuälS - Buch- und 6teinörudeceu R. Lange, Liegen.
erhört, wenn ein so ins politische Leben eingreifender Richreck ;um Minister laufe und den Kadi artrute. Die Richter dürsten nicht empsindlicher fein, als andere Menschen. In jtnem anderen Falle war auch gegen das Offenbacher JKbenix* olatt Klageantrag gestellt, aber da sei das Ministerium!
poliitvcbc Tagcsjchatt.
Englische Sorgen.
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Redaktion, Eroedltton und Druckerei: Schul- straße 7. EroediNon und Vertag, &L Äebaf tum:112. Teü-Abr^AntetgerGleven.
hessische Zweite Kamm«.
R.B. Darmstadt, 23. Nvv.
Bei der heute um IO1/* Uhr fortgesetzten Wahl recht sberatu ne sind Daus und Tribüne gut besetzt. Am Ministertische haben ^taatsminister Dr. Ewal d. Geh. Staatsrat Krug v. Nidda md die Ministerialräte Dr. Weber und Lorbacher Plal genommen.
Nackchem Vizepräsident Kvrell die Sitzung eröffnet uni do.» .Haus die als ersten Punkt zur Beratung gestellt«' dringliche .'Infrage der Abgg. Pennrich und 41 Genossen, betr. den Der lütungsmodus für die Eisenbahnsahrten der Abgsordncten von der Tagesordnung abgefetzt hat, nimmt bei
Fortsetzung der Generaldebatte
juerft Staatsminister Dr. Ewald das Wort. Er weist auf m Mißverständnis seitens der Presse hin, den Vorschlag dir lautetet betreffend. Er habe gelesen, daß die Vorschläge, bie du Regierung gemacht habe, dahin zu oerstch.m seien, daß in Zukunft eine Karenzzttt von 6 Fahren für die Wahl maßgebend sein solle Tas sei falsch. Man werde finden, daß kein wesentlicher Unterschied zwischen den früheren und jetzigen Bestimmungen vorhanden ser. In der Tat sei es durcliaus Sache desjenigen, der wählen «volle, ob er in seinem Rechte sich rn Zukunft anders gestellt
Z.Ge d.lOjii tagv.J. geb 31 i f 81.5.
Die „Otetzeiter LamtUendlSNer11 werden dem Anzeiger1 eiennal wöchentlich berget egt, b«8 'rlrettdlan für dev Kreis -ietzen" twennal wöchentlich. Die .^andwtrtschsftlichen Sett- ,legen" erfchemen monatlich zweunal.
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iTügtr gewesen und habe dem Antrag keine Folge gegeben. Tas fei klug gewesen, denn eine Verurteilung vor dem Tarmstödter Rickcker wäre einfach nidrt möglich gewesen. Tic hälfttge Erneuerung der Kammer halte er für einen allein Zopf, mit dem man aufräumen müsse. Eine derart erneute Kammer halte er für ungeeignet, durchgreifende Reformen bin- sichtlich der Ersparnisse hcrbeizuführen. Wenn man mit Erfolg die Finanzmisere bekämpfen wolle, sei die volle Erneuerung der Kammer vorzunehmen. Tie Kantclen bezüglich deS Wahlrechts hält der Redner für falsch. Er steht auf dem Standpunkt, daß die Frauen, die auch herangezogcn werden zu anderen ftaatlicben Tätigkeiten, das Recht haben sollten, zu wählen und gewählt zu werden. Der Redner wendet sich dann zu bat Art. 67 und 76, von denen der letztere zwar ein Stück Kronrecht, aber ein viel größeres Stück Volksredst darstellc. Der Redner schließt damit, daß er gegen die Vorlage alle Mann an Bord rüst. Vertnsso- rungen wolle man ver>uchen; bekomme man sie aber nicht, danns diesem Kinde keine Träne nachgeweint!
Staatsminisier Ewald Cxz. wendet sich gegen bie Ausführungen des Abg. Ulrich. Wenn dieser gesagt habe, bei dem Eisenbahnvcrtrag mit Preußen sei Hessen ein gereift und über den Löffel barbiert worden, so müsse er gegen solche AeußerungeN entschieden Verwahrung einlegen, da sie eine Beleidigung gegen die Regierungen beider Länder enthalte. Wenn Abg. Ulrich ferner erklärt habe, seit 1870 sei ein so reaktionäres Ministerium wie das seine nicht am Ruder gewesen, so sei das seine Ausfasjung, die ihn, den Slaatsminister, jedoch kalt lasse; denn dieselben Vorlagen hätten ja schon unter seinem Amtsvvrgänger Rothe Vorgelegen. An den Kantelen solle man nicht rütteln-, wenn man Gegenanträge einbringe, erschwere man dadurch außerordentlich die Einführung des direkten Wahlrechtes. In Verbindung mit Art. 15, der Frage der Wählbarkeit von Lokalbeamten, habe Abg. Ulrich den Fall des Amtsgerichtsrates Seibert in Offenbach herangezogen. Dieser war in einem sozialdemokratischen Flugblatte angegriffen worden, er habe bei einer Amtshandlung parteipolitisch, und zwar ungerecht, verfahren. Diesem Vorwurfe gegenüber legte Amtsgerichtsral Seibert in einer offent* liclyen Erklärung die Verhältnisse klar. Er hat dabei allerdings amtliches Material verwertet, was er nicht hätte tun dürfen. Deshalb habe Se. Exz. sich verpflichtet geholten, die Entscheidung des Disziplinargerichtes anzurufen. Dieses erllärte, daß das Verhalten Seiberts nicht korrekt gewesen sei. Aber eS handelte sich dabei um Dinge, von denen Seibert wußte, daß sie ohnehin bekannt waren. Er wurde freigesprochen, weil das Gericht ferner in Erwägung zog, bafj, wenn einem Richter ein solcher Vorwurf gemacht wird, er sich in einer gewissen Notwehr befindet, und wenn er da Material verweirde, das ihn entlaste, so sei das entschuldbar. Zum Schlüsse wendet sich der Redner noch entschieden gegen den Vorwurf der Weltsremdheit, der ihm von feiten des 91bg. Ulrich gemacht worden sei!
Vizepräsident K 0 r e 1 l rügt den Ausdruck des Abg. Ulrich „über den Löffel barbiert", den er vorhin nicht gehört habe, und mehrere andere unparlamentarische Ausdrücke desselben Redners.
Abg. Reinhart (nat-tib.) wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Ulrich und erwähnt gegenüber dessen Ausführungen, als ob die sozialdemokratische Partei das direkte Wahlrecht angeregt habe, daß schon vorher einige andere bürgerliche Parteien, so z. B. die nationalliberale und das Zentrum, Anträge nach der Richtung gestellt hatteir. Die Wirrung der Kautelen sei schärfer als man glauben sollte, was er schon früher nachgewiesen habe. Durch Verleihung des Stimmrechts und durch Verleihung politischer Rechte an die Frauen würden diese entwürdigt. Die Frau verliere dadurch den Charakter als Frau. Die Vorgänge in England seien für ihn eine Mahnung, hier nickt die Land zu bieten. Wie der Fall beweise, daß eine Wahl- rerfytlerin, die in London sistiert worden war, sich weigerte, Sträf- lingslleidung anzulegen und im Naturzustände mit dem Arzte, der in ihre Zelle kam, kämpfte, führe diese Richtung auf Abwege, die geeignet seien, die Familie zu zerstören. Die Ehe unb Familie solle geheiligt bleiben und nicht nach der Richtung auS- gebaut werden, wie sie Frau Jerusalem, die Parteigängerin der Sozialdemokratie, vertrete. Was die Anträge der Abgg. Böhr und Köhler anlangt, alles beim alten zu lassen, so werde durch diese Anttäge das direkte Wahlrecht auf viele Jahre hinaus begraben.
Abg. Dr. Osann (natt.) führte etwa folgendes aus: Der Präsident hat in dankenswerter Weise einige Ausführungen des Abg. Ulrich rektifiziert. Als Vertreter der größten Partei des Landes möchte ich auf einige Angriffe des Abg. Ulrich nochmals eingehen. Mit der tiefsten Entrüstttng weise ich zurück, daß wir den Wählern durch unsare Anttäge Sand in Die Augen streuen wollten. Ein schlimmerer Vorwurf ist einem Abgeordneten, der mit Leib und Seele seinem Volke dienen will, noch nicht gemacht worden. Ernst ist es mit dem, was wir beantragt haben, und Herr Abg. Ulrich ist kein Richter über unsere Taten. Schon in vergangenen Jahren haben wir die Sparsamkeitspolltik in diesem Dause vertteten, wir haben gestrichen, wo es uns möglich erschien, und wir haben in unserem Anttag die Punkte, bei denen wir glaubten, daß Sparsamkeit am Platze sei, angeführt« Wenn Abg. Ulrich fagK am Ordensposten solle gespart werden, so käme hier nur der Wringe Betrag von 5000 Mk. in Betracht. An der Zivilliste zu sparen, sei nicht angängig, denn an dieser nehme nicht allein der Großherzog Anteil, sondern er bezahle aus ihr eine ganze Reihe von Beamten und wende außerdem ansehnliche Beträge öffentlichen Anstalten zu. Und wenn £>err Abg. Ulrich gegen die Ministergehalte ist, so hat er doch seinerzeit selbst gesagt: was sind die 12 000 Mk. Ministergehalt! Dafür tue ich es noch lange nicht! Dieser Reine Bettag kann doch auch nicht in Bettacht kommen Wir sind in dieser Angelegenheit sachlich vorgegangen und nicht in der Ricktung, daß wir nach außen hin Früchte aus unseren Reden ziehen wollen. Es muß sonderbar berühren, wenn man lieft, wie das Volk wieder ausgestachelt werden soll und wie scharf gemacht werden soll von sozialdemokra- ttscher Seite. Und wenn von dieser Seite behauptet wird, wir seien unserer Zugeständnisse wegen rückgratlos, so möchte ich doch daraus Hinweisen, daß auch die Abgg. Reh und Dr. Fulda bereit waren, Opser zu bringen und entgegenzukommen, damit das große Werk des direkten Wahlrechts endlich unter Dach unb Fach kommt. Wenn jemand die Wahlvorlage vernichtet hat, so ist es der £yerr Abg. Ulrich gewesen. Zu den anderer, Hauptfragen ist von meinen Parteifreunden bereits gesprochen worden. Ich möchte nur noch die Frage erörtern, ob es richtig ist, den Lokalbeamten die passive Wahlsähigkeit zu nehmen. Den Angriff des Abg. Wolf auf die Beamtenschaft halte ich nicht für berechtigt, berat cs müßten eigentlich alle Beamten, da sie ,a alle ihr Gehalt aus dem Gelbe bet Wähler beziehen, von ter passiven Wahlberechtigung ausgeschlossen sein. Tu Vorwurf, daß die Beamten auf ihre Wähler beeinflussend wirken könnten, ist unger edytfertigt. Dieser Einfluß ist schon zu Zeiten des indirekten Wahlrechtes fast nicht vorhanden gewesen, wie vielmehr wirb dies beim direkten WaArechl der Fall sein. Der Redner oerweist sodann auf die Eingabe des RichterkollegiumS, in der u. a. baigefielü ist, wie pur durch eine Lusallsrnuchrität vop
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werden.
2. Für feindliche Höfen bestimmte britische Schiffe mil Nahrungsmitteln sollen ihre Fahrt aufgeben und in einem Lasen des Vereinigten Königreichs zurückkehren.
3. Dieselbe Maßregel soll für alle nach neutralen Hüsen bestimmten britischen Sck)iffe mit Nahrungsmitteln 6 4. Nach Kriegsausbruch dürfen sowohl britische, wie neutrale Sck)iffe Nahrungsmittel von irgendeinem Hafen des drittschen Reickyes nur nach einem Hasen des Wer- einigten Königreiches bringen.
Diese Maßregeln sotten so lange in Kraft bleiben, bi? die Beherrschung der See durch England oder eine ausreichende Nahrungsmittelzufuhr unzweifelhaft sest- $ In der Erörterung darüber erhob Professor Holland fadi einem Bericht der „Morning Post") Bedenken gegen die Beschlagnahme neutraler Schiffe, obgleich man wahricheinli- jTi außergewöhnlichen Maßregeln greifen müsse. Dageaen crflärte stch der pensionierte Commander Gaborne mit den ermähnten Vorschlägen einverstanden. Man dürfe sich im Kriege nicht allzu ängstlich an die im Frieden getroffenen ^Lmachungen hatten. In gleichem Sinne äußerte sich Lord Ellenborough. England müßte im Falle eines Krieges mit einer benachbarten Macht bedeutend mehr Rechte bean- 'pruchen, als den kriegführenden Staaten gegenwärtig durch j.fl5 Völkerrecht zugestanden werden. Wie er meinte, könnte hen Neutralen niemals die freie Benutzung der Nordsee ^ugeftanben werden.
Bei allen Mächten und Staaten, wo große Interessen con Seehaudel besteyen, wird man, so schreibtiL-iy„Kre-uzztg.", her wir diese Mitteilungen entnehmen, von diesen Pbänen mil) Absichten Kenntnis nehmen müssen.
Ftt'taS
Seitdem das französische Episkopat Ende September hie katholischen Ettern aufgefordert hat, chre Kinder ntchl mehr in die sogenannten „neutralen" Staatsschulen, sondern in die „freien" kirchlichen zu schicken, und des weiteren non den Kindern verlangt hat, gegen die eingeführten „unmoralischen" Lehrbücher zu rebellieren, ist der Kampf um bie Sck-ule in Frankreich auf der ganzen Linie entbrannt. Zwar hatte der Ministerpräsident Briand in seiner bekannten Jlebe in P^rigueux am 10. Oktober noch jede schärfere Tonart vermieden und auf eine Versöhnung des durch das Trennungsgesetz in zwei feindliche Lager gespaltenen Frankreichs hinzuwirlen gesucht. Aber nachdem derselbe Brnand rm letzten Frettag auf die Notwendigkeit des Zusammenflusses aller Republikaner zur Verteidigung der Staatsschulen gegen die Agitation des Episkopats hlngewresen n-at, und die Regierung sogar einen Gesetzentwurf dorbe- r eitet, der Strafen für die rlerital gesinnten Eltern vor sieht, welche ihre Kinder aufhetzen, ist an eine Versöhnung b:r um die Schute streitenden Elemente nicht mehr zu i d mken. Vom rein politischen Standpunkte aus betrachtet, Itfmmt natürlich dieser Kampf gegen Rom, nachdem auch ! b:r Papst wieder beim Empfange französrsck>er Pttger scharfe Sorte gegen das irreligiöse Frankreich hat fallen lassen, tarn Regierungsbtock sehr gelegen. Die Parole „bie S.aats- toule ist in Gefahr" wird bei den Wahlen des kommenden ^ihres seine Anhänger geaen Klerikale, Monarchisten und Nationalisten in einer Weise zusammenschweißen, daß der Ausfall der Wahlen, der wegen der,im Block selbst strittigen , Pnanzreform Eocherys schon einigermaßen unsicher er- ) I djien, wahrscheinlich einen großen Sieg der Repubttkaner. Aal i. al en, Demokra en, Radikal-Sozi listen uns Soz a i-en bibeuten lvird. Ja, vielleicht wird dann die wieder neu «-festigte Regierung Mittel und Wege finden, die kirchlichen cl/ulen überhaupt durch ein staatliches Monopol des Unier- nichts zu beseitigen, was bisher aus Gründen der Duldsam» izrit und Opportunität versäumt toorben war, um die Trennung von Kirche und Staat auch denjenigen annehmbar zu ttachen, die sick als Anhänger eines, wenn auch rein äußerlichen Katholizismus fühlen. Damit aber hätte das französische Episkopat gerade das Gegenteil bon dem erreicht was es mit seiner Agitation gegen die Laienschule bezwecken wollte. Es hätte die ganze Jugeaid Frankreichs und damu end) seine ganze Zukunft im Laude verloren.
Das febeinen bie Klerikalen denn auch bereits euige^ ssthen zu haben. Nachdem sie zuerst gegen ^e staAtüche Sckmle überhaupt vom Leder gezogen und ihr aus christlichen Drüuden jede Existenzberechtigung abgesprochen hatten. Hatten sie sich späterhin nur mit dem Kampfe gegen bic ihnen mißliebigen Schulbücher begnügt. Und wenn sie dort au Hen Staat stießen, der sich die Verunglimpfungen seiner Einrichtungen nicht ohne weiteres gefallen lassen durfte inb lauf die staatlich an gestellten Lehrer, die in j>eni toirten' Briefe eine Beleidigung sahen, so waren es hier ine Der- Wer und Verleger der Lehrbücher, die suh durch Bon- Spttierung ihrer Azeuanisse zivilrechtlich geschädigt fühlten go droht der französischen Geistlichkeit, bie nach dem -^.rennungsgesetz schon so wie so nicht aus Rofen geben ei ist. «ine Reihe von Prozessen, deren Ausgang der ganzen ®ay-;= fcge nach nicht zweifelhaft fein kann, -sie verfolgt daye^ 1-tzt bei ihrer Agitation gegen die Volksschule und ihrc Lehrbücher eine neue Taktit rüdem sie so tut, als ob |ie |ia), mgrungcii «er uu^.i .w‘
-ur bÄVen ^iae u^ ^T Abtvehr sich nur gegen | etrafantrafl gest-llt worden, doch nur aui Senmlafiimg
sehen wolle.
Aba. Reh lFreis.) geht, nadtbem er den Gang der Verhandlungen über die Wahlreä)tsvorlage in früheren Landtagen kurz bv'leudiict hat, auf die heute vorliegend« Vorlage ein. Tic Acra benmg des Art. 67 scküage er in ihrer Bedeutung für bi« Zweite Kammer viel höher an als es von verschicbenen seiner Vorrcbner gefdieben ist. Wenn man ber Ersten Kammer seither ein Entgegen lorranen gezeigt habe baburch, baß man jahrelang bie Re- Sommunikationen »ugeTaffen habe, so [trijtbe bieser Gebrauch im Widerspruch zur Verfass"ng. Lier sei der Punkt, an dem bk Zweite Kammer hätte an,ctzen können; er stehe hier auf bcm> lÄben Stanbpunkt wie Abg. Dr. Fulda Art. 67, wie er von dem Ausschuß vvrgescUagcn ist, wahre der Zweiten Kammer nad) vier Richtungen hin ihr Vorrecht. Ersbems köime die Erst« Kammer nur dann in bie Beratung des Budgets eintreten, nachdem bie Zweite Kammer darüber beraten hab«; ihren Beschlüssen müffe sie bie BescUüsse ber Zweiten Kammer zugrunb« legen. Sodann sollten bei Nichtübersttmnrung der Beschlüsse beider Häuser diejenigen der Zweiten Kammer nrafegebtnb sein; bei einer ge- meinschastlid-en Sitzung solle die Stimme des Präsidenten der Zweiten Kammer ausschlaggebend sein und endlich solle bi« Ablehnung des Bubgcts burck die Zweit« Kammer eine enbgülticje Ablehnung darstellen. Tiefe Bestimmung resultiere aus den Erörterungen im letzten Wahlkampfe. Der Redner hofft, baß bieje Bestimmung ber Bub^ctverweigerung angenommen werden wirb. Art. 75 werb« seiner Anjidü nad) wesenllid» unterschätzt. Er stelle zwar ein Knonreckt dar, wenn er aber in Tätigkeit trete, fei er ein wefentlicl^s Vvll'srecht. Deshalb könne der .Redner nicht dem zusttmmen, waS bie Regierung in biefem Entwurst vorfchlägt. Eine weitere VersäilechteiTMig enthalte der Artikel dahingehend, baß nicht nur eine nochmalige Abstimmung über ein abgclehntrs Gesetz, sondern eine nochmalige Durchberatung bes ganzen Gesetzes ftaitiinben solle. Deshalb, sei er bafür, den Artikel in der früheren Form anzunehmen; im Falle dies nickst angängig sei, ist der Redner für Annahme das Anttages Wolf, ber bas Hauptgewicht m bie Majoritätsverhättnisfe ber Zwecken Kammer legt. Ter Redner wendet sich bann ausführlich gegen die Bestimmung des 3 jährigen Wohnsitzes; es' könne sehr wohl ber Fall eintteten, daß man 6 Jahre warten müsse, bevor man wahlberechtigt werde. Wenn z. B. ein in Hessen Wohnender mehrer« Jahre ins AuSlrarb geht, so verliert er seine Zugehörigkeit und muß bei seiner Rück- Eetrr wieder drei Jahre hier ansässig sein. Auch Frhr. v. Hehl habe sickr im Jahre 1905 in ber Ersten Kammer mit größter EntfHiebenheck gegen diese Bestimmung ausgesprochen unb baraus hinae- toiefen, daß damit viele Arbeiter vom Wahlreckst ausgefchlosfen würben. Wenn bas ein so konfervativer Herr sage, dann sollten sich buch auch bie Nationalliberalen noch einmal bie Sache recht überlegen. Eine ähnlich« Beschränkung sei auch in keinem anderen Bundesstaat vorhanden, in Baden und Württemberg genüge einfach Staatsangehörigkeit und Wohnsitz. Es würde nach ferner Meinung vollständig genügen, wenn man vorschriebe: Dreijährige Staatsangehörigkeit unb Wohnsitz in Hessen. Auch Abg. Wolf habe darauf hingewiesen, baß es genüge, wenn der Wähler Hesse sei und im Lande wohne. Einem faldyen Antrag würbe ber Rebner sofort zusttmmen. Ferner sei es ein Unikum m Hessen, daß bie Kammer nur immer „hälftig" erneuert werde, er verlange mil seinen Freunden stets die ganze Neuwahl ber Kammer. Seine Partei werd« sich ihre endgültige Stellungnahme Vorbehalten, er betone aber, baß seine Partei eine entschiedene Anhängerin des direkten Wahlrechts sei unb er protestiere gegen eine Aeußerung des Abg. Wolf, baß die Freisinnigen aus „Mandatshunger" gegen cxrS direkte Wahlreckst seien. Auch seine Partei werbe bereit fein, Opfer zu bringen unb sie werde an dem Zustandekommen des Gesetzes Mitarbeiten in ber Hoffnung, daß bas Gesetz mit einem möglichst einstimmigen Votum zustande kommt, das seinen Eindruck auf bie Erste Kammer und die Regierung nicht versehlen wirb.
DiLepräsident KoreN teilt mit, baß seitens der National- liberalen, Abg. Reinhart .unb Genossen, soeben ein Anttag eingebracht worben sei, bie 5ui Wahlrechtsausübung er fordert ick,'e Staatsangehörigkeit auscinLahr herabzu setzen
Abg. Ulrich (Soz.) führt aus, er freue sich immer, wenn jemand vernünftig werde, und bei bat Nationallibcralen umsomehr. Wenn es denselben Ernst war mit ihrer Meinung, so bättsi sie schon an Ausschuß einem öhnttckxen Antrag R. auf einjährige Beschränkung der Staatsangehörigkeil Kustimmen sollen, dann wäre ber jetzige Wechselbalg von Wahlrechtsvorlag« überhaupt nicht Möglich gareicn. Tie ganze Vorlage sei derartig, daß er nÄmsche, sie möge so bald wie möglich in den Orkus fliegen. Der Redner geht dann auf das Gesetz naher ein und wendet sich zunächst gegen bie Abänderung des Art. 67. Bei Besprechurtg bcs Art. 6 des Wahlgesetzes bemerkt ber Redner: Der Slaats- nvmiftor wollte uns aufreden, daß, wenn wir den Arttkel nach der Regierungsvorlage annchmen, an dem bisherigen Zustand garnick.its geändert werde, denn man könne ja gleich beim .Verzug seine Aufnahme in den Staarsverband bewirken. Daran würden wohl Staatsbeamte und Minister denken, nicht ober Arbeiter unb andere Leute, bie sich ihr Brot erst suchm müßten. Die Herren am grünen Tisch hätten freilich von foldxm Dingen feine Ahnung Tas Ministerium Ewald sei bas reaktionärste Ministerium feit den 70er Jahren, selbst Minister v. Dalwigk sei nicht so reaktionär gewesen. (Ohorufe. Heiterkeit anr Regierungstisch.) Und wenn oie Minister hier darüber lächelten, so bewiesen sie ran, daß sie fün Gefühl unb Verständnis für bat Fortschritt hätten. -'Unruhe und Heiterkeit.) Der Redner bringt dann di« Angelegenheit des Oberamtsrichters Seibert in Offenbach zur Sprache, ber ein ltattonattiberales Wahlflngblatt mitunter] ebrieben habe, in welchem siH auch Sätze befanden, die der Oberanttsrickcker nur aus den Akten entnommen habat Bannte. Infolge Beschwerde an das Ministerium sei dann eineTisziVlckrarunterfuchung « ngel'itet worden jnb ber Bette,ünde wurde tteigespvochat, da ihm subjektiv kein. Sdmlb beizumessen sei. Daraufhin habe sich bann bie Partei- preiie des Falles bemächtigt unb nx^en ihrer polemischen Ausführungen sei bann gegen bie Volks]timmc mti> bcn Vorwärts - v *' JL -— - : m---—3 bes
■BERT KASTEN.
*1909, abends 5(^1 Saal bau ZERT;
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Hi Bross iTenor) vom budfr *r »■; ßamischter Chor ut Sängerkranzei.
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Dieser Tage ist in London die Frage der Lebensmittel »ersorgling Englands bei Ausbruch einev Krieges aufs neu, angeschnitten worden. In der Royal United Service Jnsii lutron hielt Mr. Douglas Ctoeu darüber einen Vortrag ittti Machte mit Rücksicht darauf, daß bei Ausbruch eines Krieges in England eine Panik wegen Mangels an Nahrungsmittel i-ntstehen könnte, wühreno große Vorräte davon vielleichi , erade nad) Deutschland, Hollaird und Belgien unterwegc Heien, den Vorschlag, im Zatte der Not alle schisse mit Nah -ungsmittelu, auch neutrale, abzufangeu und gegen Zahlung viner angemes enen Entschädigung nad) England zu bringen Mr. Douglas Owen machte noch weitere Vorschläge:
1. Zn keinem drittschen Hafen darf feiitdlichen Han- delssd)issen mit Nahrungsmitteln eine Frist zum Aus laufen oder freie Fahrt gegen Pasjierschein gewährt


