Nr. 97
Zweites Blatt
Erscheint tägNch mit Ausnahme des Sonntags.
15$). Jahrgang
Die ..Siebener Zamillenblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion. II2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Dienstag 27. April 1909
Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Universuäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Die Lonservativen und die Neich-finanzreform.
Im Einverständnis mit dem Reichsschatzsekretär hatte der Vorsitzende der konservativen Reichstagsfraktion für gestern abend die Vorsitzenden der anderen bürgerlichen Fraktionen zu einer Besprechung eingeladen, über den konservativen Wectzuwachssteuerantrag. Die neuerlichen Besprechungen, die die Finanzminister der großen Bundesstaaten am Samstag abgeschlossen haben, führten zu keinem endgültigem Beschluß über die Auswahl der Ersatzsteuern. Am aussichtsvollsten gilt nach wie vor die Erhöhung des Kafseezolles.
Interessant ist es nun, zu sehen, wie sich das Verhältnis der Regierung zu den Konservativen gestaltet, nachdem die Konservativen der Regierung gewissermaßen schon den Fehdehandschuh hingeworfen haben. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt nämlich: „In der „Konservativen Korresv." finden sich Beschwerden darüber, daß die Bewegung für die Reichssinanzreform bedenkliche Formen angenommen habe und daß der konservativen Partei in Preßorganen und Versammlungen egoistische und persönliche Motive in Bezug auf ihre Haltung gegenüber der Nachlaß- und Erbanfalls- steuer unterstellt worden seien. Die Korrespondenz legt Verwahrung gegen eine derartige Agitation ein und deutet an, daß sie sich unter Duldung und Förderung von Organen der Regierung vollziehe."
Hierzu bemerkt nun die „Nordd. Allg. Ztg.": „Wenn sich zugunsten der Finanzvorschläge der verbündeten Regierungen im Lande während ber letzten Monate eine wachsende Bewegung geltend gemacht hat, so kann dies als ein erfreuliches Zeichen für die steigende Teilnahme an dem Werke der Finanzresorm nur begrüßt werden. Die Regierung nimmt das Recht für sich in Anspruch, in der öffentlichen Meinung ihre Vorlagen zu vertreten und die konservative Bevölkerung ebenso wie die liberale in ihrem Sinne aufzuklären. Die Ausübung dieses Rechtes hat übrigens bisher auch konservativen Anschauungen entsprochen; jo wenig also die Reichsregierung Ursache hat, die in den erwähnten Kundgebungen sich zeigenden patriotischen Absichten abzulehnen, so wenig ist es gerechtfertigt, sie für jeden Zeitungsartikel und jede Versammlungsrede verantwortlich zu machen. Dabei muß anerkannt werden, daß die Bewegung sich im wesentlichen in einwandfreien Bahnen hält. Insbesondere gilt dies für die vom Reichskanzler empfangenen Abordnungen; wir nehmen daher nicht an, daß sich die Beschwerden der „Konservativen Korrespondenz" gegen diese Kundgebung richten. Sollte sie Aeußerungen im Auge haben, die auf den: Beamtentage gefallen sind, so möchten wir betonen, daß diese Versammlung der Reichsregierung durchaus unerwünscht gewesen ist und daß vor ihrem Besuche ausdrücklich gewarnt worden ist. lieber die Vorgänge auf diesem Tage sind Feststellungen angeordnet worden, von deren Ergebnis es abhangen wird, ob ein Anlaß zu disziplinarischem Vorgehen geboten ist."
Die Lage in der Türkei.
Rem äußerlich betrachtet, hat sich seit gestern nichts geändert; die Lage ist gegenwärtig gekennzeichnet durch die Bestrafung der tun Militäraufsrand Schuldigen. Es sind mehrere Kriegsgericyre mit der Untersuchung besaßt. Füsilierungen sollen zahlreich sein Unter den Füsilierten befinden sich auch viele Hodschas, doch ist die Zahl von mehreren Hundert übertrieben. Auch einige Zivilisten werden standrechtlich abgeurteilt. Einer strengen Bestrafung geht insbesondere das vierte Bataillon der Salow.kier Jäger entgegen, des seit Mannschaften truppweise gebunden unter scharfer Bewachung abgesührt werden.
„Turquie" verzeichnet das Gerücht, daß der erste Feld- ad l u t a n t des Sultans, Marschall S ch a k i r P a s ch a , S e l bst- mo r d begangen habe. Er stand auf der Liste derjenigen Personen, welche die Militärrevolte inszeniert haben.
Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Konstantinopel gemeldet: Eine Anzahl l)öl)erer Beamter, unter ihnen der Staatssekretär der Finanzen, sind als der Mitschuld an der Meuterei vom 13. April verdächtig, verhaftet worden. Man beab'iichtigt nicht, die Untersuchung zu übereilen, sondern eingehend und klar in voller Form festzustellen, wie die Meuterei entstanden ist und wer der Hauptschuldige ist. Es wird nicht bezweifelt, daß der Nachweis der Hauptschuld des Sultans erbracht wird, worauf dann durch Fetwa des Scheit ul Islam ausgesprocl>en werden soll, dag ein Unwürdiger auf dem Throne der .Italifen nicht sitzen dürfe. Die Kasernen um den Jildispalast sind von mazedonischen Truppen bezagen und der Palast abgesper-rt. Gestern nacht wurden einige Nester geflohener Meuterer gesäubert: auf der asiatischen Seite gab es ähnliche kleine Vorgänge. Noch an mehreren Puntten Stambuls, vielleicht auch in dem türkischen Viertel in der Nähe des deutschen Krankenhauses werden sie erwartet. In das Viertel am Krankenhaus sollen sich flüchtende Soldaten aus den Kasernen von Pera gerettet haben.
Die Nationalversammlung ist gestern früh unter militärischer Bedeckung von San Stefano vurückgekehrt, um in .Konstantinopel streng geheime Sitzungen abzuhalten. In der gestrigen geheimen Sitzung nahm die Nationalversammlung die vom Großwesir eingereichte Demission des gesamten Ministeriums an. Wie von gutunterrichteter Seite verlautet, beschäftigte sich die Nationalversammlung in der gestrigen geheimen Sitzung auch mit der Frage eines eventuellen -Thronwechsels. Da Mahmud Schefket Pascha der Versamm- mittelste, daß er für seine militärischen Operationen noch 24 Stunden benötige, wurde die Beschlußfassung bis heute aufge- schoben. Aus demselben Grunde wurde das Kabinett, das die Demusion ^eingereicht hat, ersucht, noch bis heute im Amte zu bleiben. Im Verlaufe der gestrigen Sitzung der Nationalvcr- sammlung teilte der jungtürkische Deputierte Ali Bei mit, daß die Nationalversammlung vom Scheich ul Islam einen Beriäst und den Antrag fordere, der Sultan sei, weil er die religiösen Gesetze verletzt h>rbe, des Kalifats uirwürdig. Die Nationalversammlung werde Abdul Hamid als Sultan und Kalifen ab- setzen und Rcschad unter dem Namen Mahumed V. als seinen Nachfolger proklamieren. Wenn die Nationalversammlung diesen Antrag angenommen und Rejchad proklamiert hat, werde sich eine Abordnung der Versammlung mit dem Scheich ul Islam zu Abdul Hamid begeben, ihm die Beschlüsse mitteilen und ihm ein ihm zugewiesenes Palais nennen, wo er ruhig seine Tage beschließen kann. Falls sich der Sultan widersetze, werde er verhaftet werden, da er dann weder Sultan noch Kalif sei und luegcn seiner Vergehen vor Gericht gestellt.
Sollte sich die Nationalversammlung dafür aussprechen, daß Abdul Hamid nomineller Herrscher bleibt, so sollen, wie der Bert. 2ok.-Anz. erfährt, gegen etwaige absolutistische Rückfälle folgende Garantien geschaffen werden: Die 9Jiauent des Jildiz werden geschleift. Die Jildiz-Kasernen. in denen die 2. Division mit mnd 20 000 Mann zur unmittelbaren Verfügung des Padischahs stünd, werden niedergelegt. Der von Abdul Hamid zu einer
starken Festung ausgebaute Jildiz wird künftig nur noch Palastwache in Stärke von einer Kompagnie haben, die täglich abgelöst und der Reihe nach von allen hier garnisonierenden Regimentern gestellt wird. Dadurch wird dem Sultan die Möglichkeit ge- nontmen, die Truppen zu korruptieren. ' Der Sultan hat aus eigenen Mitteln den Anmarsch der Salonikier Garnison zu decken. Er wird sich durch ein großartiges Geschenk an die Nation, wie verlautet, von 50 Millionen Pfund, des größten Teiles seines Privatvermögens entledigen, das im Auslande angelegt ist und nun als Basis für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Reiches dienen soll.
Ein reaktionärer Militäraufstend in Erzerum.
Bei der Pforte sind Meldungen eingelaufen, denen zufolge in Erzerum eine reaktionäre Militärerhebung unter ganz analogen Verl)ältnissen wie in Konstantinopel ausgebrochen ist. Die Mann- fchaften knebelten die Offiziere und verlangten die Wiederherstellung des Scheriatrechtes. Die Regierung wendet alle Akühe an, um einen Ausbruch von Wirren zu verhindern.
Zur Lage in Kleiuafien.
Der deutsche Kreuzer „Stettin" wird sich auf Befehl des Kaisers zur Ablösung der „Hamburg" direkt von Malta nach Mersina begeben und dort voraussichtlich am 3. Mai eintreffen. Der Kreuzer „Lübeck" geht nach Korfu.
Wie die Agenzia Stefani meldet, haben die englischen und die französischen Schiffe Lllexandrette vorgestern verlassen, da sich die Lage verbessert hat. Der Militärgouverneur ist mit einem Bataillon türkischer Infanterie gestern zum Entsätze von Dvrtyol abgegang en._____
parlamentarifcfyes aus Hessen.
Darmstadt, 26. Llprft. Die Regierungsvorlage über die hessische .Gemeindesteuerresorm ist soweit vorbereitet, daß sie voraussichtlich im Laufe dieser Woche den Ständen zugehen dürfte. Sie wird wiederum vom Ministerium des Innern und dem Finanzministerium gemeinsam überreicht und in den parlamentarischen Beratungen vertreten werden. Die Grundsätze der neuen Vorlage sind dem Vernehmen nach die gleichen geblieben wie in der früheren Vortage, doch sollen auch verschiedene, den Wünschen von Interessengruppen und Parlamentariern entgegenkommende Abänderungen getroffen worden sein. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer beabsichtigt, schon in der nächsten Woche mit der Vorberatung der Gemeinde- steuerreform-Vorlage zu beginnen, damit das große Reformwerk, dessen baldiger Abschluß von vielen größeren Gemeinden des Großherzogtums schon im Hinblick aus den demnächstigen Fortfall des städtischen Oktrois gefordert wird, möglichst noch im Laufe des Winters unter Dach und Fach gebracht werden kann. -_________________________________
Deutsches NeScH.
Der Kaiser wird auf Einladung des Kaisers Franz Josef Mitte Mai zu kurzem Aufenthalt in Wien eintressen.
Kronprinz Wilhelm ist gestern abend 10 Uhr vom Wiener Nordbahnhof nach Berlin abgereilt. In den Straßen zum Bahnhose, namentlich in der Praterstraße und aus i>em Praterste rn hatte sich, ungeachtet der spücen Stunde, ein sehr zahlreiches Publikum versammelt, das dem Kronprinzen begeisterte Ovationen darbrachte. Am Bahnhofe hatten sich zum Abschiede eingesunden der Botschafter von X; dyir । chky und Bögen dorn mit den Herren der Botschaft sowie der Ehrendienst. Der Kronprinz verabschiedete sich herzlich von den erichienenen Herren und wechselte dann mit dem Erzherzoge herzlick>e Äbschiedsworte. Vom Fenster des Waggons winkte der Kronprinz bis zur Abfahrt dem Erzherzog noch wiederholt zu.
Der„Reichsanzeiger" meldet: Der Botschafter in Rom, Graf M o n t s, wurde unter Verleihung des Großkreuzes des Roten Adlerordens mit Eichenlaub seinem Anträge gemäß in den Ruhestand versetzt.
Der kleine Kreuzer „Cor mo ran" wird am 1. Mai in den Dienst gestellt, um neben „Condor" als zweiter Stationskreuzer in der Südfte zu bienen. Cs gilt .für wahrscheinlich, daß der Kreuzer auf dem Wege dorthin rwch vorübergehend Aufenthalt im östlichen Mittelmeer nehmen wird.
Der Verband der Metall-Industriellen von Halle und Umgegend hat auch in diesem Jahre seinen Mitgliedern zur Pflicht gemacht, solche Arbeiter, die am 1. Mai unentschuldigt der Arbeit fern bleiben, bis auf Weiteres nicht zu beschäftigen.
Der Münchener Erzbischof Dr. v. Stein wurde gestern abend von einem S ch l a g an ra 1l e betroffen und linksseitig gelähmt. Das Vewußtstin ist noch nicht zurückgekehrt. Tas Doostapstci tat mb im CcstXchbftichen Pa hin versammelt.______
AusLand.
Ungarn. In der gestrigen Sitzimg des ungarischen Abgeordnetenhauses teilte der Ministerpräsident mit, daß das Kabinett beschlossen habe, wegen der Bank-Angelegenheir zu demissionieren. Der Ministerpräsident ersuchte das Haus, sich bis zur.Klärung der Lage zu vertagen.
Der ChefderPeters bürg er politischen Polizei, Generalmajor Gerassimow, wird unter Anklage gestellt, in Verbindung zu einer staalsverorecherischen Partei gestanden zu haben und zwar auf Grund desselben § 102, nach welchem Lopuchins Anklage erfolgte. Die Affäre macht großes Aufsehen. Man erwartet noch weitere Anklagen gegen andere hoch gestellte Persönlichkeiten. Generalmajor Gerassimow hat sein Amt niedergelegt. In Anbetracht seiner erschütterten Gesundheft ist ihm gestattet worden, eine Reise ins Ausland ansutreten bis das Gerichtsverfahren gegen ihn im Gange ist.
, Der Austausch der Ratifikationen des östep- reichisch-ungari sch-türkischen Ententeproto- k v l l s hat gestern vornftttag startgefunden.
Aus Washington. Senator Overman brachte ein Amendement zum Tarifentwurf ein, der eine Kopfsteuer von 12 Dollars für den Einwanderer vorsieht.
Aus Tanger wird mehreren Blattern gemeldet, daß der d c u t s ch e I n d u st r i e l l e R e n s ch h a u s e n , der außer Stande sei, vom Maghzen Bezahlung für die ausgeführten Arbeiten zu erlangen, sich an die deutsche Gesandtschaft gewandt habe, die durch einen Beamten bei El Gheobas gegen das Vorgehen des Maghzen Einspruch erheben ließ. Der Vorfall wird in Tanger lebhaft erörtert.
_ Muley Hafid in Nöten. Sämtliche Stämme zwischen 0*63 und Rabat vereinigen sich und legen eine feindselige Gesinnung gegen Muley Hafid an den Tag. Der Stamm der Aitiussi, welche ^roeftu belagern sollen, tjaben einen Zug gegen die Mahalla Bagdadis unientonuneu. Es geht das Gerücht, baß vier mächtige Stämme am Donnerstag auf Fe; marschieren werden.
Der frühere Präsident von Venezuela, Castro, wird demnächst, .nrie behaupt ec wird, in P.rris seinen Wohnsitz aufschlagen. Er gedenkt in St. Mauds bei Paris eine Villa zu mieten und dorr bessere Zeiten abzuwarten. Nach den Meldungen anderer Pariser Blätter beabsichtigt Gastro, einen Guerilla-Krieg ins Werk zn setzen, um die Präs idente nschaft wieder an sich zu reißen. Er wird voir Bordeaux aus sic/) nach Columbien ein* schiffen, luo er von General erwartet wird. Castro wird in Maracaibo landen uni> sich, dort mit seinen .Anhängern vereinigen, um gegen Garracas vorzichringei^
Aus Stadt und Lattd.
Gießen, 27. April 1909.
• * Landesuniversität. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den außerordentl. Professor bei der juristischen Fakultät der Landesuniversität Dr. Paul Kretschmar in Gießen auf sein Nachsuchen aus dein Staatsdienste entlassen.
• * In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog am Samstag u. a. Oberst o. Müller, Kommandeur des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Major und Bataillons- kommandeur NÜcker, die Hauptleute und Kompagniechefs P oly und Schw en dy, Oberleutnant Firmen ich, sowie die Leutnants Wolf, Damm (Leo), Nocco und Pieper von demselben Negiinent, Major 'Mohr, aggregiert dem Infanterie-Regiment Nr. 174, und ProfessorDr. Gust. Nol off von Gießen.
* * Lehramtspcrsonalien'. S. K. H. der Großherzog haben den von dem Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Birstein präsentierten -Oberlehrer an der höheren und erweiterten Mädchenschule zu Gießen Dr. Otto Münch als Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach, sowie den von bertr Fürsten zu Nienburg und Büdingen in Mrstein präsentierten Lehramtsassessor Wilh. Beiling zu Offenbach als Oberlehrer an der Oberrealschule zu Offenbach bestätigt.
* * Finanzversonalien. S. K. H. der Großherzog Huben oen Hatlptsteneramtskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Bingen Wilh. Ahl heim zum Bezirks- kasjier der B^irkökasse Zwingenberg und den Bczirlstaise- ajststenten bei der BsKirkskasse Offenbach Karl Schmidt zum ^ezirkskassier der Bezirkskasse Lich ernannt.
’• Lieb ertrag en wurde der Schulamtsaspirantin Paula Schneider aus Ortenberg eine Lehrcrinstelle an der Gemeindeschule zu Griesheim.
Erledigt sind die Stellen de§ Hauptsteueramtskontrolleurs bei dem Großh. Hauptsteueramt Bingen und des Bezirkskasseassistenten bet Großh. Bezirkskasse Offenbach.
* * Vom Philippshvspital. S. K. H. der Groß- Herzog haben den provis. Oberarzt Dr. Aug. Dannenberg e r zum Oberarzt an der LandcSirrenanftalt „Pyilipps- hospital" ernannt.
* * Die .Gießener freiw. Feuerwehr hielt gestern abend im Saale des yotcü Einhorn ihre Hauptversammlung ab. Brandinspektor Wigand eröffnete die Versammlung durch Mitteilung des Jahresberichts, worin enthalten ist, daß die Wehr zurzeit 153 attive und 29 passive Mitglieder hat. Durch den Tod hat die Wehr im verflossenen Jahre 3 Mitglieder zu beklagen und zwar das Ehrenmitglied C. Frutig und dce aktiven Mitglieder Greb und llumpf. Die Versammlung ehrte deren Andenken durch Erheben von den Sitzen, tzauptübungen wurden acht abgeyalten mit einer Schlüßübung, die gemeinschaftlich mit der freiw. .Gailschen Feuerwehr und der srefto. Sanitäts- kolonne an der alten Klinik, Liebigstraße, srattfand. Außer einigen kleinen Zintmerbründen wurde die Wehr nur einmal alarmiert, als in der Crednerstraße ein Dachstuhlbrand ausgebrochen war. Nack) seiner Rechnungsabtage wurde dem Rechner Entlastung erteilt und der Voranschlag für 1909/10 genehmigt. Bei der 'Neuwahl des Vorstandes wurden Die seitherigen Vorstandsmitglieder bis auf zwei Obleuic-Stell- vertreter, fast einstimmig wiedergewählt. Ter Ucbungsptan der Wehr weist 10 Hauptübungen für diesen Sommer auf, deren erste am Montag, 3 .Mai, stattfindek.
** Der Evangel. Arbeiterverein unternahm am Sonntag bei guter Beteiligung einen schön verlaufenen Aus- flug durch den Philosophenwald, Wicseck nach der ,Karlsruhe". Dort angekommen, wartete der Gemischte bezw.Frauen- Ehor des Vereins mit einer Reihe gut zum Vortrag gebrachter Lieder auf, die sich deut Spaziergang durch die herrliche Natur würdig anschlossen. Die von Mitglied Pfarrer i. P. Hofniann gehaltene Ansprache schloß mit einem Hoch auf den Verein. Es besteht die Absicht, im Laufe des Sommers derartige Wanderungen zu wiederholen.
* * Kunstvereiu. Die gegenwärtige Kollektiv-Ausstellung des Malers Alois P e n z - Frankfurt hat sich am Sonntag sehr gut cingefuyrt, indem die Ausstellung sehr rege besucht war und den Arbeiten des vielseitigen Künstlers großes Interesse entgegengebracht wurde. Auch dürfte es interessieren, daß der Künstler auf Veranlassung des Vorstandes vom Kunstverein in den nächsten Tagen einen Vortrag über Raumgestaltung im Bilde halten wird.
* * I m K i n e m a t o g r a p h am Seltersweg wird mit dem nächsten Programmwrchsel am Freitag eine Dramatische Komödie „Die Hand" in einem ca. 300 Meter langen .mnst- fftnt von Pcfthe srsres-Paris zur Vorführung lammen. Diese Komödie ist in Paris und Berlin über tausendmal aufgeführt worden und Charlotte Wiehe, Max Tcarly unb Jean Eoquet haben dabei mitgetvirtt. Eharlot/e Wiehe gastierte vor einigen Jahren hier in Gießen vor den Vttt- gliedern deS Theatervereins unter gewaltigem Beifall. Es ist Herrn Direktor Küsgen gelungen, die Komödie „Die Hand" als einer der ersten zur Vorführung zu erwerben. Auch sonst ist das Programm für Die neue Woche wieder sehr interessant zusammengestellt.
* * K a r o l i n e T a m p f m a n n. In der vergangenen Woche wurde auf dem Friedhof am Rodtberg die älteste Bewohnerin unserer Stadt, ine 99jährige Karoline Tampfmanii, in ‘cXidiicr Werse zur ewigen Ruhe bejtattet. Für den Uneingeweihten aui- fäli'.g war, bau bet ber Beerbigung der Greisin, die ihr' letzten Lebensjahre im Provinzialftecheni ause verbracht hatte ein - st i<- gheb des Korps Stark.nburgia als Leidtragender er,ästen und an der Bahre der -Loten einen prächtigen Kranz mit den Farbm des üorps nieberlegte. Mit der verstorbenen allen Dambniännin in nämlich eine Person aus dem Leden gejei,leben, b-e über ein Menschenalter hinaus unzertrennlich mit der Geschichte b-r Smcst-n- burgia verwachien war. Sie gehörte zur StarkeWm-na s-> gut wie jeder alte Herr des Korps, und es gab nie eine größere Fes- liwcett, wozu Karolme Dampsmann nicht offiziell eine Einladung erlA'tt. Ehe ine anftseptiiche Methode ber Wundbehanelung bc- fannt war, war es die Dambmännin, die in Guyen ccoeren ur, ine iicd) t>en Meninren den babci verletz! i Stanenburam nachts die Wunden kühlte unb ihnen Dabei die ; aflosen Stu:-den Hf. 1u^^t',,.xnöein. 1LC ullerhaiid Sepmrrm unb uestci? ecz.. ue.
~‘e Kuhlwau des Korps, sie war, p lange aktiv rur bie Starkenburger tätig jcut tonnte, m Die ikuexnsten, Verhätt^iue


