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Der Vorstand.
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Gastwirt A. Weber, iia“
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Nr. 147
Stimmmtgsfrilö aus dem preuh. Landlage.
bringen mußte. So waren denn die bürgerlichen Parteien auf cm immerhin erträgliches Auskunftsmittel verfallen, sie hatten
Grurve I 6at imtet den 43 Werken 18 «°n »rSb-rem Um-Iirun also durch die offizielle AchterklLrung erst den rich
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Redaktion, straße 7. Redaktion:
Expedition und Druckerei: Schul- Expedition und Verlag: e^51. e^H2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Windet §iun Kranze die goldenen Aehren, ddur flechtet nicht blaue Cyanen hinein!
— Kleine Chronik aus Kun st und Wissenschaft Gedenkmünzen. Aus Anlaß der Jubelfeier der Universität Leivzrg hat der sächsische Staat von der Muldcner Hütte in ,3-rctbei-g in Sachsen Gedenkmünzen zu 2 und 5 Mark prägen lassen, die im kommenden Monat zur Älusgabe gelangen. — Eine Göttin a. T. Morgen sind 40 Jahre vergangen, seit in Reu- tadt a. d. H. Anna Barbara Cordier geb. Rübsamen, 90 Jahre alt, gestorben ist. Sie nfcr zur Zeit der französischen Revolution 1798 als „Göttin der Schönheit" beim Feldbaufest durch die Pariser Straßen getragen worden.
Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Sirhener Famillenblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt das „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Melodram und Arnold Mendelssohn mit dem Chorarrangement eines kleinen Volksliedes.
Für diese wenigen steuerpflichtigen Werke muß ein Pauschquantum von 130,00^Nk. pro Jahr an die Anstalt abgeführt werden, was ungefähr 1 Prozent der gesamten Brutto-Einnahme eines Konzertjahres entspricht. Nun tonnte man ja cinwerfen, daß Gießen allein nicht maßgebend sei, und an anderen Plätzen wesentlich abweichende Resultate sich ergeben werden. Meine wiederholt angestellten Berechnungen der Darbietungen anderer musikalischer Körperschaften widerlegen das vollständig. Zwei Musikstädte herausgreifend, deren Programme ich objektiv prüfte, mögen hierfür als Beweis gelten: Die 35 Museums-Konzerte in Frankfurt a. M. brachten 202 Werke zu Gehör, davon kamen auf Gruppe I 88 Werke, auf Gruppe II 85, darunter aber 29 kleinere Lieder, auf Gruppe II29, darunter 13 kleinere Lieder. Die Programme der 10 Symphonie- Konzerte der König!. Kapelle zu Berlin führen. 34 Werke auf, davon fielen in Gruppe I 25, also 73,05 Proz., Gruppe II karm nur 6 ausweisen und die Lebenden in Gruppe III sogar nur 3.
Rechnet man dann von denen, in Gruppe II und III ltan- tiemenpfliclstigen Kompositionen) eingereihten, die zahlreichen Werke ab, die seitens der Konzertinstitute vor 1902 angekauft waren, also dem Urheberrecht entsprechend, den steuerfreien zuzuzählen wären, dann muß sich jedem doch wohl das Gefühl aufdrängen, daß die vornehmeren Konzertvereinigungen durchaus ungerecht stark belastet sind, was bei der ohnehin schwierigen materielles Lage derselben sich besonders fühlbar macht.
Berlin, 25. Juni.
r .c fab die erlauchten, edlen und geehrten Herren von beiden Häusern des Landtags doch noch vor dem Wochenende in die Lage gekommen, ihr Ränzel zu schnüren und dem Berliner- Asphalt zur Fahrt in die heimatlichen Gefilde Valet zu geben:
Freitag nachmittag fand im Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses die feierlich ^Schlußsitzung der beiden Kammern statt, die das Ende der Session bedeutet. Nur kurz waren die letzten Geschäflssitzungen in beiden Häusern. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich zunächst mit dem vom Herren- hauie abgeänderten Veamtenhaftpflichtgesetz. Auf den Boden des Beschlusses per Ersten Kammer, der die Haftpflicht für Amtspslichtverletzungen der Lehrer und Lehrerinnen, den Schulverbändeii abnimmt und dem Staate aufbürdet, vermochte sich das Unterhaus umsoweniger zu stellen, als seine Zustimmung zu der Willensmcinung der Lords das ganze Gesetz zum Scheitern
Deutsches Reich.
Ernennungen. Wirklicher Geheimer Obcrsinanzrat, Unter- staatssekretär im Finanzministerium von Dombois, wurde zum Präsidenten der Seehandlung unter Verleihung des Charakters als Wirkt. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt: Oberpräsidialrat Dr. Michaelis-Breslau wurde rum Wirkl. Geh. Oberfinanzrat und Unterstaatssekretär im Finanzministerium ernannt.
Der Seniorenkonvent des Reichstags einigte sich gestern nachmittag dahin, am Samstag und Montag die Sitzungen ausfallen zu lassen: Dienstag ist katholischer Feiertag, >'o daß die nächste Sitzung am Mittwoch stattfinden wird. Auf die Tageiordnung soll die sozialdemokratische Interpellation bet'-. Aufhebung per Lcbensmittelzöllc gesetzt und am Donnerstag die zweite Lesung der Finanzreform fortgesetzt werden.
Deutschland und die Türkei. Tic Nachrichten über Verhandlungen zwischen Deutschland und der Türkei wegen eines eventuellen deutsch-türkischen Bündnisses sind unbegründet und haben den offensichtlichen Zweck, Mißtrauen gegen die deutsche Politik zu erwecken.
Der Nachfolger Holles. Daß der jetzige Hcmdels- minister Delbrück zum Kultusminister ernannt werden solle, wird erneut dementiert.
Ausland.
Aus St. Petersburg. Gestern vormittag 10 Uhr ist die Kaisers acht „Standart" mit dem Kaiser, der Kaiserin mrd den kaiserlichen Kindern an Bord von der Standartrccde in See gegangen.
Panik unter den russischen Beamten. Ter mit der Prüfung der Intendantur-Verwaltung beauftragte Senator Garin beantragte die Einleitung eines kriegsgerichtlichen Strafverfahrens gegen die Iper Bestechlichkeit überführten Beamten, wie auch gegen die Lieferanten. Die Panik unter den Beamten der Intendantur-Verwaltung ist so groß, daß selbst aus Sibirien mehrere Fälle von Flucht bloßgeftellter Beamter gemeldet werden.
Aus Saloniki wird gemeldet: Ter hiesige Albaner-Klub
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Var M- Aonzertjahr des Eichener Aonzertvereins.
Eine unmusikalische Kritik von Ernst Challier sen.
Das verflossene Konzertjahr 1908/09, das 118. des Gießener Konzcrtv ereins war sowohl an Qualität als auch an Quantität ein besonders bemerkenswertes und reich ausgestaltetes. Die erste ist bereits, jeder Darbietung folgend, von fachmännischer Seite eingehend gewürdigt worden, ich beabsichtige daher die zweite in Betracht zu ziehen und dabei durch Zahlen den Beweis zu führen, daß ein vornehmes Konzertanter- nehmen unverhältnismäßig hohe Abgaben an die Genossenschaft der Komponisten mit ihrer Anstalt für musikalisches Aufführungsrecht abzuführen hat.
Ter Gießener Konzertoerein hat in seinen '10 Konzerten 68 Werke verschiedenen Charakters und Umfanges zu Gehör gebracht. Diese in Klassen zerlegt ergeben: I. 4 große Chorwerke, II. 7 kleinere Chorwerke, III. 35 einst. Lieder, IV. 5 Orchesterwerke, V. 2 Soli mit Orchester, VI. 12 Kammermufikwerke, VII. 1 Piolin-Solo, VIII. 2 Melodramen. _
An diesen 68 Werken sind 17 Komponisten beteiligt: 1 I. S. Bach, 7 L. van Beethoven, 1 John Benn et, 1 A. Dvoräk, 18 Johs. Brahms (darunter 10 einst. L-ederi, 1 Herm. Götz, 1 Leo Haßler, 2 Jos. Haydn 1 Frz. Liszt, 1 Arnold Mendelssohn, 2 F. Mendelssohn- Bartholdy, 4:W. A. Mozart, IFr. Neumann, blAlex. Ritter, 4 Frz. Schubert, 5 Rob. Schumann, 2 Rich. Strauß. Hierzu kommen 15'alte Volkslieder zur Laute.
Das Urheberrecht des Deufichen Reiches fchützt, wie wohl in weiteren Kreisen bekannt ist, dem K ompo ni st en die Früchte 'eines Schaffens nicht nur bei Lebzeiten, sondern noch 30 Jahre nach dem Tode seinen Erben bezw. Rechtsnachfolgern. Bon den 17 namhaft angeführten Komponisten befinden sich 4 noch un Besitz vorstehend angeführter Rechte: ^ohs. Brahms r 1897), U. Dvoräk (i 1904), Frz. Liszt (t 1886), Alex. Ritter iT 1896': von diesen haben, mit Ausnahme von Brahms, der 18 23er£c jur uch •in Anspruch nimmt, die übrigen nur je ein Werk. Ich bezeichne i>iese mit Gruppe II, während ich für die bereits 6-rcrgut gewordene Grpcppe I wählen werde, als G r upPe III treten dann die Lebenden hinzu, die durch 3 «Komponisten vertreten 'md: Fr. Reumann 1 mal, Arnold Mendelssohn 1 mal und Rich, ^trautz
Die 10 Komponisten Iber Gruppe I (Ae^Mt:) Bach, Beethoven usw. überragen nicht nur an der Zahl der Komponfionen die beiden anderen Gruppen, sondern ganz/beionders auch in Der Bedeutung und .im Umfang ihrer aufgeführten iDätcr noch eingehender ailsführen werde. Von der Gejanitzam 68 stehen ihnen 43 zu, das sind 63,2 Proz., Gruppe II hat -1, Eo 30,8 Proz. und. Gruppe III (die Lebenden) nur 4 Werke, -,08 Proz,
fange, mithin 41,6 Proz. (3 ar. Chorwerke, 5 Orchesterwerke, 8 für Kammermusik), Gruppe II dagegen von den 21 nur 6 größeren Umfanges, mithin 28,5 Proz. (1 gr. Chorwerk, 4 für Kammer- mufik, 1 Solo mit Orchester), Gruppe III tritt ganz zurück: Rich. Straits; ist mit 2 Liedern zu nennen. Fr. Neumann mit einem
ningen und Dr. Weber besonders bei der Stellung dieser Lichtsteuer gezeichnet und enthüllt; dieselben Herren, die die Linke noch wenige Tage zuvor in so emphatischer Weise zur Mitarbeit an ihren Steuermachwerken aufgefordert hatten, ließen sie jetzt ruhig ihre Anträge begründen und setzten die Abstimmungsguillotine in Tätigkeit. So wird es vermutlich bei den Konsumsteuern weiter gehen. Nach einer mehrtägigen Pause soll am Mittwoch dazwischen zunächst die Interpellation der Sozialdemokraten über die Lebensmittelteuerung und der Getreidezoll besprochen werden. Auf der Journalistentribüne aber ging das Gerücht, eine andere Interpellation sei in Vorbereitung: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß am 24. Juni 1909 die Erbanfallsteuer abgelehnt worden ist, und was gedenkt er zu tun oder zu unterlassen, um daraus die Konsequenzen zu ziehen?
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 25. Jiuni. Wo bleibt die Regierung?
. , Vizepräsident Paasche die gestrige Sitzung schloß, riefen die ^ozrawemokraten verlangend den Namen des Kanzlers. Bei Schluß der heutigen Sitzung verlangte Herr L-inger, und die gesamte Linke unterstützte ihn darin, daß die nächste Sitzung nicht, wie der Seniorenkonvent vereinbart hatte, erst auf Mittwoch, sondern schon auf morgen anberaumt werde, damit dem Fürsten Bülow Gelegenheit gegeben werde, seine Erklärungen über die gegenwärtige Lage sobald wie möglich abzugeben. Die neue Mehrheit wies dies Verlangen ab.. Auch schon zu Beginn der Sitzung hatte Herr David die erstaunte Frage nach der Bundesratsestrade gerichtet, ob denn die Regierung gar keine Erklärt! abzugeben habe. Herr Sydow saß am Tische des Bundesrats und schwieg. Nachdem das polnisch-klerikal- lonservative Kartell die Erbschaftssteuer verscharrt, wurde ^_oer Verhandlung der Finanzreform heute fortgefahren, M Averlei Entscheidung dazwischen getreten; wenig- ftenö suchte die Mehrheit diesen Anschein zu wahren. Die Linke trug der Sage Rechnung. Beim Eintritt in die Verhandlung — es war zufällig der Jinmobilienumsatzstempel an der Reihe — gaben die Führer der bürgerlichen Linken Erklärungen ab, kurz und scharf formuliert im Namen ihrer ^raktipnen, Herr Bassermann für die Nationalliberalen, ^r. Wiemer für die linksliberale Fraktionsgemeinschaft. Nachdem die Regierung und die Parteien, die sich auf den Boden ihres Programms gestellt hatten, die entscheidende Niederlage erlitten und damit die unbedingte Voraussetzung für eine Finanzreform, die allgemeine Besitzsteuer, beseitigt ist, werden die Parteien der bürgerlichen Linken die Finanzreform im ganzen und in ihren einzelnen Teilen ablehnen. Keine Obstruktion, daran haben sie keinerlei Interesse: sie werden sich an den Verhandlungen beteiligen und wo sie es für angezeigt halten, auch Äbänderungs- anträge stellen, und Herr Bassermann kündigte, immer innerhalb des Rahmens der allgemeinen Stellung seiner Parteifreunde zur Finanzreform, einen neuen Gesetzentwurf zur Heranziehung des mobilen Kapitals an, eine "Kapital- rentenfteuer. An diese Erklärungen knüpfte bann Herr David die oben erwähnte Frage an die Regierung. Die siegreiche Mehrheit ließ sich auf keine Erklärungen ein. Nur Herr Raab schimpfte ein wenig auf die Linke, wobei das Unbe- I>agen über die Haltung feiner Parteigruppe bei der gestrigen Entscheidung deutlich zum Ausdruck kam, und Tr. Spahn erklärte unter dem Gelachter der Linken, das Zentrum habe nicht Rachepolitik getrieben, sondern nach rein sachlichen Gesichtspunkten abgestimmt. Tann trat man in die „Beratung" der Steuern, das heißt, mau stimmte ab. Ta hier wie bei den späteren Steuern sich bald die eine bald die andere kleine Gruppe aus der Gefolgschaft der Konservativen oder des Zentrums absplitterte, war die Mehrheit nicht so groß wie neulich bei der Abstimmung über die Legalität des Verfahrens der Rumpfkommission; aber sie war jedesmal groß genug, um eine ungestörte Durchführung der Aktion des neuen Blocks zu sichern. Er handelte nach dem Worte: vae vietis! Beim Wechselstempel trugen Herr Kämpf, Dr. Weber und Singer eine Reihe von Gründen vor, die auch die Parteien der Mehrheit hätten bestimmen sollen, tvenigstens auf diese Steuer, deren ganzer Ertrag auf nicht viel mehr als eine Viertelmillion berechnet wird, zu verzichten. Aber obgleich auch der Sprecher der Polen die gleichen Bedenken hatte und um Ablehnung ersuchte, ließen sich die Herren um den Grafen Westarp und Dr. Spahn nicht beirren. Die Linke wurde hier ebenso niedergestimmt wie hernach beim Kaffee- und Teezoll und bei der Besteuerung der Beleuchtungsmittel. Die ganze Heuchelei und Nichtachtung der Interessen des Mittelstandes auf konservativer Seite und beim Zentrum wurde von den Abgg. Müller-Mei-
rnit den vom Abgeordnetenhause vorgenommeiien Aenderungen am Ende verabschiedet wurde. Freilich nicht ohne daß bei der Besprechung der Beschlüsse des anderen Hauses die Pairs mit den Herren an der Prin; Albrechtstraße ein Hühnchen gerupft hätten. Dem Oberhaus gefällt die Art und Weise, wie die Zweite Kammer den Beschlüssen der Ersten kritisch begegnet, längst nicht mehr, und wenn schon neulich der allezeit streitbare Herr v. Bucn dem anderen Hause derb den Text gelesen hatte, weil es ostentativ an der gesetzgeberischen Weisheit der Pairskammer herum-' nörgelte, so ließ er jener Rügerede heute eine zweite vermehrte und verbesserte Auslage folgen. Und er stand auch diesmal nicht allein wie damals, als es sich "um die Beamtenbesoldungsresornn handelte, [o sekundierte ihm auch jetzt wieder der Danziger Oberbürgermeister Ehlers in seiner sarkastisch-humoristischen Weise. Auch der frühere freisinnige Parlamentarier teilt die Auffassung des konservativen Herrn v. Buch, daß die Zweite Kammer dem Oberhause gegenüber so etwas wie Herausforderungsgelüste betätige, und beide Redner waren darin einig, daß sich'das Herrenhaus als gleichberechtigter Faktor der Gesetzgebung diese Nadel - stichtaktik des anderen Hauses nicht länger gefallen lassen könne. Merkwürdigerweise war es Herr v. Rheinbaben, der auch diesmal wieder den erzürnten Pairs beschwichtigend zusprach und für die Loyalität des Abgeordnetenhauses mit dem ihm eignen Schnerd eine Lanze brach. Der Not der Stunde gehorchend, gab das Hohe Haus dann auch dem B e a m t e n h a f t p f l i ch t g e s e v in der eben vorn anderen Hause abgeänderten Fassung — also unter Ausscheidung der Regelung der Haftpflicht für die Lehrer - feine Zustimmung. Die Vorlage tpegen des Anschlusses der Mittelschullehrkräften öffentlicher nichtstaatlicher Anstalten an dic Alters- zulagenklasse der Ortsschullehrer begegnete keinem Widerspruch, und nach kurzer Debatte war schließlich auch "der Antrag Hüseler- Zorn wegen des Fortbildungsschulwefens in der Kommission sassung angenommen, die den Fortbildungsschulbesuch bis zum 18. Lebensjahre obligatorisch machen, von der Unterstellung des Fortbildungsschulwesens unter die Unterrichtsverwaltung aber ab ■ sehen will. Die übrigen Petitionen boten fein allgempinerrs Interesse, unh um die zweite Nackmittagsstunde konnte der frühere Reichsbankpräsident Dr. Koch dem Präsidium den Tank des Hauses für die unparteiliche Geschäftsführung während der 18 Sitzungen dieser Session ausfprechen. Mit dem Hoch auf den König schloß auch Hier, wie üblich, die Tagung.
ttgen Charakter einer politischen Blume erhalten, den sie mit einer ganzen Anzahl anderer Kinder Floras teilt. Als berühmtestes Beispiel dafür kennt ja jeder die weiße Rose des Hauses Bork und die rote des Hauses Laneaster. Sie wurden für lange Zeit ausgesprochene Parteiblumcn, ebenso wie die Distel in Schottland oder das grüne Kleeblatt des heiligen Patrick in Irland als redendes Nationalabzeichen galt. ^Eigentümlicherweise hatte auch der sonst mehr in der Küche geschätzte Lauch in England politische Bedeutung von der Zeit her, da die Walliser am 1. März 640 im Felde über die Sachsen siegten: am Davidstage (1. März) trägt man deshalb noch heute in Wales ein Lauchsträußchen als Hut- ober Rockzier. Aehnlich hat die Schlüsselblume ihren Ehrentag am 19. April, dem Todestage Lord Beaconsfields, dessen politische Anhänger seit 1883 einen noch jetzt bestehenden „Primel-Bund" bildeten. Sonst hat vor allem noch die Nelke als Knopflochblume Verwendung zu politischen Demonstrationen gefunden. Rote Nelken sind das Abzeichen der internationalen Sozialdemolratie, an weißen Nelken erkannten sich ehedem die Parteigänger des braß’ General Boulanger so gut, wie später in Wien die christlich- sozialen Anhänger Dr. Carl Luegers. Kaiser Friedrichs Lieblingsblume, das Veilchen, war früher auch die Parteiblume der Bonapartisteu, weil Napoleon I. diese Blume besonders bevorzugt hatte. Sie sand ihr heraldisches Gegenstück in der Lilie her Bourbonen, die nun auch längst der Geschichte angehört. Ter Held des Tages auf diesem Gebiete ist also jedenfalls bis auf wetteres die Kornblume, und in den Schulen Oesterreichs wird fortan Schillers „Eleusifches Fest" mit der Variante deklamiert werden müssen:
ich nur cm Kompromiß geeinigt, das die Frage der Haftpflicht für die Lehrer aus dem Gesetz ganz ausschcidet und sie einer späteren Regelung Vorbehalt. Herr Beseler beeilte sich, das Gesetz auf die rettende Planke dieses Kompromisses zu bugsieren und erklärte sich mit dem Notbehelf einverstanden. Einstimmig wurde die Vorlage mit dieser Aenderung genehmigt. Nach outem alten Brauch lehnte das Haus weiter die Strafverfolgung zweier sozialdenrokratilcher Redakteure, die über das Dreiklassenparla- ment staatsanwaltreife Erörterungen angestellt haben, ab und machte sich dann an die Bewältigung einer stattlichen Anzahl von Petitionen. Aber man war verhandlungsmüde, und ohne daß die Geschäftslage es unbedingt geboten hätte, setzte das Hohe Haus zwei Gegenstände, die zu längeren Debatten zu führen drohten, von der Tagesordnung ab. Freilich unter der allerseits als selbstverständlich anerkannten Voraussetzung, daß diese wichtigen Fragen — es handelte sich um Maßnahmen zum schütze des Grarneivalds und um einen natioiialliberalen Anirag Gottschalk wegen gesetzlicher Regelung der ^chulpflichtdaucr und der Schulversäumnis- strafen — gleich zu Beginn der nächsten Session behandelt werden müßten. Von all den Petitionen, die das Hohe Haus noch erledigte, war nur eine von allgemeinerem Interesse, uüd nur sie führte zu einer längeren Auseinandersetzung. Es handelte sich um eine Petition wegen Aenderung der studentischen Rechtsverhältnisse, die die beiden freisinnigen Parteien der.Regierung zur Erwägung überweisen wollten, während die Sozialdemokratie Ucbertoeifintg zur Berücksichtigung und die Unterrichtskommission Uebergang zur Tagesordnung vorschlug. Ein Berufener, Professor Dr. v. Liszt, begründete den freisinnigen Antrag mit einer Fülle beweiskräftiger Argumente. Nach drei- tündiger Sitzung war die Tagesordnung erschöpft und die üblichen Dankesreden an das Präsidium folgten. Zuguterletzt gab es noch eine kleine Erheiterung. Als Herr v. Kröcher sich anschickle, das althergebrachte Hoch auf den König auszubringen, packte Dr. Liebknecht, der einzige anwesende Genosse, eilends seine Siebenfachen und verließ 'fluchtartig den Saal. Stürmische Heiterkeit des ganzen^ Hauses begleitete diesen etwas überstürzten Exodus. Dann brauste der Hochruf durch das Haus, und die hundertste und letzte Arbeitssitzung dieser Session war vorüber.
Noch schneller, in knappen ^zwei Stunden, beivältigte das Herrenhaus den Rest des Sessionspensums. Eine längere Debatte entspann sich nur beim Stempelsteuergesetz, das
— Politische Blumen. Die bisher ziemlich unbescholtene Kornblume ist durch den vielbesprochenen „Kvrn- blumeu-Erlaß" des Statthalters von Oberösterreich ganz plötzlich zu einer gefährlichen pol irischen Hochstaplerin gestempelt worden. Jahrzehntelang hatte sie ohne alle obrigkeitliche Beanstandung als das botanische Llbzeichen Deutsch- österreichs gegolten, besonders seit der Zeit, da die berüchtigten Sprachenverordmingen des Grafen Badeui die Empörung des Teutschtums aufs äußerste reizten. . Täglich frische Kornblumen" konnten damal' Wiener Blumengeschäfte in den deutschen Parteizeitung^n ankündigen. Tie bescheidene Lieblingsblume des alten deutschen Kuisers tzat
159. Jahrgang Samstag 2«. Juni 1909
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberheften


