Nr. 351
General-Anzeiger für GberWen
ühr ab Rampe
rburg.Str
Der Schutzstreisen bei der Irrenanstalt.
Noch einmal hat die Stadtverordneten-Versammlung über den Schutzstreifen an der Irrenanstalt verhandelt und mit allen gegen zwei Stimmen ein Referat der Angelegenheit genehmigt, das, trotz einiger Einschränkungen gegenüber der Person des Unterzeichneten, dennoch den Vorwurf der Eigenmächtigkeit und der Vertragswidrigkeit wiederholt und sogar verschärft aufrecht erhält, um dann am Schluß mit deni stolzen Roma locuta, causa finlla die Verhandlungen für geschlossen zu erllären.
Durch Wiederholung werden aber Unrichtigkeiten nicht richtiger; und wenn die städtische Kommission die mündliche Ver-
Vom evangelischen Bund.
Die „Köln, Volksztg." sowohl wie die „Kreuzztg." hatten sich ibcr den Verlauf der diesjährigen Generalversammlung des evangelischen Bundes nicht befriedigt erklärt. Die Auseinandersetzung darüber ist jetzt noch nicht beendet. Heute antwortet die ,Deutsch-evang. Storr." auf einen Artikel der „Köln. Ztg.":
„Das deutsche Bürgertum, das seine kulturelle Höhenlage gegen Ultramontanismus und Sozialdemokratie zu verteidigen hat, darf nicht blos das ideelle Kapital, das es von den Vatern ererbt hat, verwirtschaften, ohne neues zu schaffen. Es verliert sonst die Verbindung mit den Quellen, aus denen ihm die Ueber- zeugung fließt, daß feine wirtschaftliche Arbeit nicht rein dies- scittgen Privatzwecken dient, sondern für die allg. Wohlfahrt, für die nationale Größe und um sittlicher Werte wlllen geleistet wird. Die Religion hat hier ein sehr bedeutsames Wort mitzusprechen; über sie darf man nicht zur Tagesordnung übergehen, am wenigsten über ihre reine, geläuterte Form, das evangelische Christentum, vielmehr muß man sie auch in der O öffentlich leit reden lassen, weil es eine religionslose Oeffenllichkeit nur am grünen Lisch gibt, und muß die Konsequenzen aus ihren Grundsätzen für die nationale Politik ziehen, wenn nran nicht von vornherein daraus verzichten wlll gegen rote und schwarze Internationale Stand zu halten, in deren Rüstzeug das Glauben allemal eine größere Rolle spielt als das Wissen. Daß zn wenig wahre, evangelische Religion im deutschen Volle ans den Leuchter des öffentlichen Lebens gestellt wird, daran kranken wir. Der Evangelische Bund will an seinem Teil, wehrend und bauend dasür sorgen, daß es damit besser werde."
Gewiß haben diese Ausführungen ihre volle Berechttgung, aber ei kommt sehr darauf an, wie das Programm verwirklicht wird, iinb da können wir mit i>er Meinung nicht zurückhalten, daß gerate
in ter „Deutsch-evangel. Korresp." ter scharfe polemische Ton gegenüber ruhigen und sachlichen Darlegungen zu sehr überwjxgt.
Erscheint täglich mit Ausnahme dS Sonntag».
Die „Gießen« FamiUtTdlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, darret,blatt für bett Ureir Stehen" zweimal wöchentlich. Die .^andwtttschastlichett Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag; 5L Redaktion:«^ 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen,
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6. Grbentliche Eeneralsynode.
4- Berlin, 25. Oft.
Die zweite Plenarsitzung ter 6. Ordentlichen Generalsynote wurde heute nachmittag 21/* Uhr von dem Vorsitzenden des Synodal- Vorstandes, D. Grafen v. Zieten-Schwerin, eröffnet. Synodale Supenintentent Friedeberg (Wartenberg i. Po.) referierte an ter Hand ter Denkschrift des Evangelischen Oberkirchenrats über die äußere Mission. Tann berichtete Dr. v. Schwerin über die deutsch-evangelische kirchliche Arbeit im Helligen Lande. IN ter Diskussion empfahlen alle Redner eifrige Unterstützung der dort vorhandenen Stiftungen und Institute. Der Kommissar des Evangelischen Oberkirchenrats OberL>nfistorialrat v. Dry ander gibt einige Erläuterungen und schildert aus eigenen Erfahrungen die Zustände in Palästina. Die letzte Zell war für unsere Mission schwer, sie hat aber unsere Landsleute zusammengeführt. Dadurch werde die Liebestätigleit nicht beschränkt, sondern im Gegentell angesporill zu noch vermehrter Anstrengung auf dem Gebiete ter christlichen Liebestätigkeil. Ter Strom ter Jerusalemfahrer sei in diesem Jahre gewachsen, darunter befänden sich auch vidle Wissenschaftler. Der Redner beklagt den schlechten Zustand des deutschen Archäologischen Instttuts in Jerusalem. Dort sei gegenüber den Muhammedanern eine gewisse Repräsentation nötig, unser Jnstttut stehe aber hinter denen anderer Länder zurück. — Tie Synode erklärt die Denkschrift durch Kenntnisnahme für erledigt. — Die dcachweisung des Evangelischen Oberkirchenrats, betreffend die Neubauten gottesdiensllicher Gebäude wird zur Kenntnis genommen. Darauf werden die weiteren Verhandlungen auf Mittwoch nachmittag 2 Uhr vertagt. Aus die Tagesordnung werten gefetzt: die kirchliche Versorgung ter Evangelischen in den deutschen Schutzgebieten und kleine Vorlagen.
Handlung des Oberbürgermeisters mit dem Unterzeichneten ausdrücklich nidn gewünscht hat, so spricht sich darin nickt grade eine Sicherheit der Position aus, es sei denn, daß die Stadt es überhaupt für unter ihrer Würde findet, mit dem Vertreter einer staatlichen Behörde mündlich zu verkehren. Ter Beschluß ter Stadtverordnetenversammlung ist nur dadurch zu erllären, daß das Referat des Stadtverordneten Dr. Biermer ebensoviel Sätze wie Unrichttgkeiten enthält.
Gegenüber dem nun wieder öffentlich erhobenen Vorwurfe ter Eigenmächtigkeit und Vertragswidrigkell stellt der Unterzeichnete folgendes fest:
1. Aus dem Schreiben ter Stadt vom 30. November 1907, in dem mitgeteilt wurde, die Stadtverordnetenversammlung sei unter gewissen Bedingungen mit Ausholzung und Anpflanzung von Unterholz einverstanden, geht mit keinem Wort hervor, daß man diesen Entschluß nur notgedrungen gefaßt Hobe, sondern es wird ausdrücklich anerkannt, daß auf die vorgeschlagene Weise ter Zweck des Schutzstreifens besser erreicht nrerdc. Tatsächlich soll ja auch, wie dem damals beurlaubten Unterzeichneten später gemeldet wurde, eine Kommission ter Stadtverordneten, darunter Stadtv. Dr. Wimmenauer, vorher an Ort und Stelle gewesen sein, um sich von ter Brauchbarkeit des Vorschlags zu überzeugen.
2. Nach dem Bericht über die Stadtverordnetensitzung vom 13. Februar 1908 lautet das Referat des Stadtverordneten Dr. Biermer wörtlich: „Das Holz sei von ter Bauverwal tnng gefällt worden, bevor die Stadt ihre Genehmigung dazu gegeben habe, und damit sei eine Verttagsverletzung begangen worden." — Jetzt heißt es: „Niemand habe behauptet, daß Regierungsbaumeister Schön die Ausholzung vorgenommen habe." Nach dem Bericht vom 13. Februar 1908 ist dies also doch geschehen. Es ist ferner nicht richtig, daß auf die Großh. Oberförsterei Gießen die Waldbewirtschaftung erst mit der Fertigstellung der Irrenanstalt übergehen werte. Im § 9 des Vertrags ist der Gr. Oberförsterci Gießen die Bewirtschaftung des Schutzstreifens ohne jede Fristbeftim- m u n g übertragen. Gr. Oberförfterei Gießen ist ia auch alsbald schon in ihre Fmlltionen eingetreten und hat auf die diesseitige Anregung vom 4. Oktober 1907 hin auf Veranlassung der Stadt, nicht des Unterzeichneten, den Wald besichttgt und sodann aus eigener Initiative den Schutzstreifen durchforsten lassen. Hiergegen Einspruch zu erheben, war für den Unterzeichneten weder schicklich, noch nach dem Vertrag geboten. Die tat- äcUiche Inangriffnahme der Arbeiten durch die von ter Stadt mit ter Bewirtschaftung des Waldes betraute Behörde war für den Unterzeichneten Antwort genug. Die allerdings erst am 30. November 1907 erfolgte Antwort ter Stadt bestattgte ja auch vollkommen diese Auffassung.
3. Auch die Oberförsterei hat wohl nicht eigenmächtig gehantelt. Sie und das Gr. Ministerium der Finanzen stechen auf dem Standpunkt, daß die Obersörsterei nach dem Jnhall ter ihr gestellten Aufgabe überhaupt selbständig zu verfügen be- rechttgt sei und nur den forstwirtschaftlichen Grundsätzen zu folgen habe.
4. Es ist nicht wahr, daß der Fiskus die Gebäude zu nahe an den Schutzstreifen gestellt Hal. Nach § 14 des Vertrags sollten diese mindestens 20 Meter (Tiefe des Schutzstreifens) von den angrenzenden Wegen Abstand haben. Sie haben tatsächlich 25 Meter und mehr Abstatid. Von einer Verdeckung ter Gebäude außer durch den bestehenden Schutzstreifen ist un Vertrag nicht die Rede. Der Stadtverordnetenversammlung hat ja auch, allerdings lange bevor Stadtverordneter Dr. Biermer Mitglied derselben war, ter Sageplan der Anstalt Vorgelegen und ist von dieser in ter Sitzung vom 27. Juli 1905 ausdrücklich gebilligt worden.
Ergo ist auch diese jetzt ganz neu aufgestellte Behauptung, so wenig wie alle anderen geeignet, den gänzlich unberechtigten und leichthin erhobenen Vorwurf der Eigenmächtigkeit und Vertragswidrigkeit zu halten.
Ob die Lebensbäunie und das wildwachsende Unterholz wirklich die Durchsicht verhindern werten, wird sich schon früher als in 10 Jahren zeigen. Jedenfalls werden sie die Durchsicht besser hin- dem als die kahlen Fichtenstämme, die weggefallen sind.
Gießen, den 24. Oft. 1909.
Schön, Gr. Baninspeftor.
Deutsche Kolonien.
Er Öffnung der deutsch-chinesischen Hochschule in Tiingtau. Am 25. Oktober ist in Tsingtau die teutsich- chinesifche Hochschule, die jungen Chinesen Gelegenheit geben soll, in ihrem Heimatlande deutsche Sprache und abendläiidische Wissen- schäften zu lernen, eröffnet worden. Ter Nutzen dieser Einrichtung für China ist, wie sich bei den Verhandlungen mll den chinesischen Behörden gezeigt hat, bei diesen sowie bei sonstigen maßgebenden chinesischen Kreisen auf volles Verständnis gestoßen. Auch vom deutschen Standpunkt kann man diese Gründung nur mll Freuden begrüßen, da bei dem ftiedlichen Wettbewerb, der bei der Erschließung Chinas für weslliche Kultur zwischm ten einzelnen Nationen herrscht, die Verbreitung deutscher Sprache, deutscher Anschauung und deutschen Wissens nicht nur von idealem Wert, sondern mittelbar auch von erheblichem wlltschaftlichen Nutzen sein wird. Als Leiter ter gesamten Anstalt wurde der Geologe Professor G. Keiper, ter bereits an der Kaiserlich chinesischen llniversität in Peking tätig war, gewählt. Außer mehreren anderen akademisch gebildeten Lehrern werden auch nach Bedürfnis geeignete höhere Beamte des Schutzgebiets zum Unrerricht in technischen Fächern her angezogen werden. Besonderes Augenmerk aber wurde darauf gerichtet, tüchtige deutsche Elementarlehrer den akatemisch gebildeten zur Seite zu stellen, deren Hauptaufgabe darin bestehen soll, in ten Unterstufen ten deutschen Unterridjt zu pflegen. Auver deutschen werten auch chinesische Lehrer, die dem Vertrag entsprechend von China selbst ausgewählt werden, tätig sein, wodmch vermieten werten soll, daß die jungen Chinesen aus ihrer ganzen bisherigen Vorbildung herausgerissen und plötzlich in eine ganz andere Kulturwelt versetzt werten.
politische Tagesschau.
DaS Ergebnis in Baden und die Nationalliberalen.
lieber das Ergebnis ter badischen Landtag^ahlen we^«i m per Natl Starr folgende Bettachtungen angesteltt, teeuttejYm Sten tereftS^Ä auf die bei den Stichwahlen zu befolgende
Md F-eisnm smd fete fidfcrat
int Sinne eines gemäßigten literalen Jortschrllts. Auch ter ßug nach links, ter durch die Wähler geht mll) dem die nattonao- Mmale^Partm nicht in blinder Gegnerfchast: ^genütersteht, hat seine sestbcstimmten Grenzen. Die natwu^iberale Wählerschaft Badens wird, so erwarten wir, emftchtig g^rug, eifrig genug jein, um ihren Besitz bis zum äußersten zu verteid^en, einsichtig genug, stch zu sagen, daß fitt eure gemäßigt literale Politik mll der Niederwerfung des K lerikalismus allein nichts gewonnen ist, wenn Nir.dafür eine Verstärkung ter radikaleren Gruppen bis zur Sozialdemokratie hm emtausch-n. Tas ProÄom ter badischen Politik ist heute angesichts ter Verstärkung der Sozialdemokratie, Deren Gmncht noch stärker drückt durch die Schwächung des Z<mtrums, em Wiedererstarken teS gemäßigten Liberalismus Don lan- aer Hand und gründlich vor-übereiten. eon|t werden die nationalliteralen Wähler Badens, tee sich heute ter Nieter-wingung des Zentrums freuen und in dieser Freute das Anschwellen ter Sozialdemokratie allzu sehr auf die leichte Achsel nehmen, in den Beratungen des Eommatten Landtags doch 'manche bittere Enttäuschung erleben und verlernen, sich der Besiegung des Zentrums zu erfreuen, deren L-chattenfeile eben der sozialtemokrattsche Erfolg ist Die nationalliberalen Wähler Badens wählen zudem nicht nur für ihren Landtag, sondern auch für ten Reichstag, und sie können nicht wollen, daß von Söaten aus die Sozialdemokratie des Reichstages eine Stärkung erfahre, kömten das aber nur hindern, wenn sie ihrer- sells sich innerlich stark machen, ihre eigene Partei wieder zu Straften bringen. Mit anderen Worten, die nationalliberale Partei Badens wird ten Kampf gegen die Sozialdemokratie sogar kraftvoller als bisher aufnehmen müssen, weil ein literales Gegengewicht gegen die erstarkte Sozialdemokratie nach ter Schwächung tes Zentrums erst recht notwendig erscheint. Um ten Stampf gegen die Sozialtemokratie aber erfolgreich führen zu können, wird die nationalliberale Partei in Baden dem Ausbau ihrer Organisation, ter Agitation eine ganz wesentlich erhötste Aufmerksamkeit schenken müssen."
st v. Einspänner- pelspännerfuhren iier u. Umgegend genem Fuhrwer'-: billigst
Zweites Blatt ISS.Jahrgang Dienstag 26. Oktober 1909
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ß IM Bl y ■ ÄH a* UniversllätS. Buch- und Etemdruckeret.
MbWiiM ZlUjviyvi
kam." Doch in Cornelius' feiner zarter Seele lehnte sich all-l mählich etwas auf gegen die Uebergewalt der Waguerschen Musik, die den leisen innigen Klang seiner innern Melodien in ihm | übertönte. Das Studium der Tristan-Partitur, das ihn mitt.cn in ter Arbeit an seinem „Cid" magisch in untere Sphären zog, bereitet ihm schwere Konflikte. Als in Wagners Leben ter glückliche Umschwung eintrat, als er nach München in Macht und Glanz kam, da berief er auch seinen treuen Peter zu sich und garantierte ihm ein sorgenfreies Leben. Aber obwohl Cornelius in bitterster Not war und schon daran gedacht hatte, einen Souffleurposten anzunehmen, wollte er doch nicht seine Selbständigkeit in Wagners Diensten aufgeben. ,Lch sollte ganz Kurwenal werden," schreibt er. „Wagner begreift nicht, daß ich dazu, bis zur Hundetteue, manche ganz entsprechende Eigenschaften habe, aber leider ein einzig bißchen Selbständigkeit im Charakter und £ al ent zu viel, um diese Null hinter seiner Eins zu sein. Ein Höriger schreibt keinen „Cid". „Auch wäre ich nur eine Art geistiges Möbel für ihn ohne Einfluß auf sein Leben, so weit es tiefer liegt... Ich habe mich Wagner nie aufgedrängt... Ich fteute mich herzlich feiner Freundschaft, und bin ihm aufrichtig zugetan in Wort und Tat. Aber sein Leben teilen — das lockt mich nicht. Ich habe sowas durchgemacht. Mit Liszt. Da tat ich alles naiv, aus innerem Lebensdrang. Unterdessen bin ich ein Mann geworden, und wlll meinen Winkel für mich in ter Welt haben, wie der Hund seine Hütte... Hell mir, ich bin ein freier Mann — es fehlt noch viel, daß alles gut sei, ater fein Köder, feine Angel fängt mich ein." Und schließlich nahm er aus äußeren Gründen doch die Berufung nach München an, obwohl eine tiefste Stimme ihm sagte: Geh nicht hin!, obwohl er voraussah : „Wagners Atmosphäre hat eine große Schwüle, er verbrennt und nimmt mir die Luft." „Wagners heißer schwüler Geist war mir nur ein Irrlicht," bekennt er ein ander Mal. „Meine Kunst soll eine heitre, einfache, beglückende sein, im Boden des Volkes, der Sitte wurzelnd, nicht die eitle, sinnen kranke Liebe und mit ihr das eitle Selbst an Gottes Statt setzen." In München aber gehörte er zu Wagner und ward in die Kämpfe des Meisters verstrickt. Sein großer Vetter, der greise Maler Peter von Cornelius, der ihn während seiner ersten Berliner Zeit fteundlich ausgenommen hatte, sagte damals zu ihm: „Hör', Peter, das sag ich Dir, wenn Tu mir die „Zauberflöte" und ten „Don Juan" unter den Tisch wirfst, dann schlage ich Dir die Knochen int Leibe entzwei!" Nun, Peter Cornelius ist dem Geiste Mozarts auch in München nicht untreu geworden.
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— Der D entsche Fröbelverband hält gegenwärtig feine 14. Hauptversammlung in Magdeburg ab. — Als Ein- heilspunkl aller Bestrebungen auf dem Gebiete sttzialei Arbeit erhob bi. Vorsitzende, Frau Martha Back aus Frankfurt a. M., die Forderung, dem Menschen selbst gerecht zu werden, damit dieser den Verhältnissen gerecht werten könne. Deshalb greinte sie, daß
die Ausgabe unserer Zeit die Verwertung von Fröbels Erziehungsideen geradezu fordere. Nach den üblichen Begrüßungen hielt die Seniorin des Deutschen Fröbelverbantes, die 84jährige Henriette Goldschmidt aus Leipzig einen Vortrag: „Vom Kindergarten bis zur Frauenhochschu le". Der Vortrag gipfelte in den Worten, daß Fröbel den Schwerpunkt zunächst weniger auf die Berufsbildung als auf die allgemeine Bildung der Psyche der Frau legte. Diese Aufgaben zu erfüllen, sei Sache der künftigen Frauenhochschule. Ueber „Fröbel und die Reform der Mädchenschule" sprach Professor Keller, ter Direktor tes Städt.Lehrerseminars zu Frankfurt a. M. Er zeigte, daß die neuen preußistten Bestimmungen einen erfreulichen Fortschritt zu einer lebendigen Behandlung des Unterrichts bedeuten; im Kindergarten ferne die künftige Lehrerin die Kinder zunächst als Menschen kennen, ehe sie sie als S ch ü l e r behandeln müsse; die Persönlichkeit des Lehrers und die Fragen des Schülers gebe dem Unterricht die Richtschnur. — Zum Schluß wurde der Gesckfäftsbericht erstattet.
— Amtliche Vorschriften für die „Stellenvermittler für Bühnenangehörig e", die auch bei uns großem Interesse begegnen werten, sind in Bayern erlassen worden. Die wichtigsten sind folgeiite: Eine Beeinflussung von Angestellten, ine in ungekündigter Stellung sind, zum Zwecke der Lösung des Verttagsverhältnifses, sowie jede Einwirkung auf Unternehmer zur Entlassung von Angestellten ist unterlagt. Ter Gebührensatz Tür eine Vermittlung, darf 5 Prozent der verttags- mäßig zugesicherten Bezüge ter Angestellten nicht übersteigen. Eine andere Entlohnung, als im Gebührentarif vorgesehen, darf der Stellenvcrmittler unter keiner Form fordern oder annehmen. Insbesondere ist ihm die Erhebung eines Einschreibe- geldes bei Empfang des Auftrages, dann die Annahme einer Ehren- vergütiing u. dgl. untm'agt. Die Stellenvermittler dürfen ferner nur die Aufträge solcher Stellenbewerber entgegcnnehmen, die ihnen glaubhaft nachweisen, daß sie für die Zeit, für die fie Beschäftigung suchen, nicht anderwärts verpflichtet sind.
— Durch geologische Forschungen, die in Miskolez und Hamor in Ungarn gemacht wurden, wurde festgestellt, daß Ungarn in der diluvianischen Steinzeit bewohnt mar. Wie die „Umschau" meldet, ließ das Kgl. ungarische geologische Institut in der Umgebung von Hamor durch den Geologen Tr. Ottokar Kachee Ausgrabungen vornehmen. Es wurde eine Pi enge von Knochen ausgegraben, die von vorsintflutlichen Tieren wie Höhlenbären, Waldpferden, Riesenbären, Riesenhirschen und bergt, stammen. In den gleichen Schickten wurden große Massen von Stein- werkzeugen der Urmenschen gesunden. Bisher hat man jjegen 1200 Werkzeuge ausgehoben, zumeist Erzeugnisse, die vor 30—40000 Jahren verfertigt wurden. Es sind dies die ersten Spuret; des Urmenschen, die in Ungarn entdeckt wurden.
Peter Cornelius und Wagner.
Am 26. Oktober 1874, bar einem Vierteljahrhuntert, ist in feiner Vaterstadt Mainz der Tichter-Komponist Peter Cor- ; »elins gestorben; zwei Monate vor feinem 50. Geburtstag war rr ter teutjchen Kunst entrissen worden. Nach langem Ringen, nadj manchen Niederlagen batte er den Weg zur sicheren Meister- ixnaft gefunden, Werk auf Werk entquoll nun seiner seelisch an- ir.utigen Natur, fein Name fing gerade an, weiteren Kreisen besannt zu werden. Erst spät hat die 9llrck>welt gut gemacht, was i>ie Mitwelt nicht mehr spenden konnte, unb heute, an seinem 25 jährigen Todestage, stehen wir der Kunst dickes Lietermeistcrs Mher denn je zuvor. Sein „Barbier von Bagdad" erscheint I neben Wagners Meistersingern als die schönste deutsche komische j Oper; fein „Cid" ist erst jüngst wieder mll großem Beifall unierct Opernbühne gewonnen, worden; sein ganzes Werk liegt int einer von seinen Kindern veranstalleten Ausgabe vor uns. „ 2er bescheidene anspruchslose Künstler hat wohl selbst eine solche allgemeine Anerkenimng nicht geahnt: er fühlte sich ,^ils Neten- nieiisch". Mer ter stille gütige Mensch war sich doch seiner Eigenart, ter in ihm wohnenden Schöpferkraft tief bewußt und . hat sich sein kostbares Toll eigenen Künstlertums in mannhaften Kämpfen gegen Wagners übermächtigen Einfluß bewahrt. In bie Sphäre ter Wagnerischen Zukunftsmusik trat er, als er 1852 ut Weimar Schüler und Freund Liszts wurde. Als ein begeisterter Verehrer, als hingetenter treuer Helfer kam ter junge Musiker dem größeren Meister bald nahe und wandte die drlnnatischen fjormen, wie sie Wagner in seinen ersten Werken gestaltet, in I einem „Barbier" auf das Gebiet der Komischen Oper an. Wie herzlich und opferfreudig er dem Meister ergeben mar, beweist . seine Fahrt in strengster Winter kälte von Wien nach Mainz, um die Meistersinger zu hören.
„Peter! Hör!" schrieb Wagner an ihn, „am 5. Februar, . abends, lese ich in Mainz bei Schotts die Meistersinger vor. — Tu hast keine Ahnung davon, was das ist, was es mir ist, und was es meinen Freunden sein wird! Tn mußt an dem 2benb dabei sein! Laß dir sogleich von Standhartner in meinem Rauten das zur Reise nötige Geld vorschießen. Ich habe schon mehr Geld schlechter vertrödelt. Jetzt wlll ich einmal eine tiefe Freude davon l>abcn. Fürchte keine Strapaze; es wird, glaub' mir, ein heiliger Abend, ter dich alles vergessen läßt! Also — du kommst! Wenn nicht, bist du auch ein gewöhnlicher Kerl, etwa ein „guter Kerl" und ich nenne dich wieder Sie! Addis, Lein Richard!"
Und Peter kam. Wie in Schillers Bürgschaft wars; die Eisenbahnlinien waren versperrt; Hochwasser hemmte ten Verkehr, Ge- fchr überall. „Macht alles nichts: Schlag sieben Uhr am 5. tritt mein Cornelius ein, und andern Tags reift er wieder nach Dien zurück." „Dieser ganze Besuch war doch überhaupt recht märchenhaft," schrieb Wagner an den Freund. „Wie das nur alles zuging! Der gute Engel war mit Dir fort, wie er mit Dir
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