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17.12.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 296

Redaktion, Exveditton en» Druckerot! Scdst» ?. Eroevino» und tkrte* e«* bi. Reöofttorve^ 112. IeL-8lbi- ibyeiger^tctMi

Zweites Blatt 159. Jahrgang Freitag 17. Dezember 1909

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König Leopold f.

Brüssel, 17. Dez. König Leopold ist heute Vwrgen 2 Uhr 35 Min. gestorben.

Dte starke 5wnstitution König Leopolds II. von Belgien hatte den Attacken der Gicht und Wassersucht, die ihn seit geraumer Zeit heimsuchten, bisher immer noch energischen Widerstand entgegensetzen können. Seit September dieses Jahres aber waren neue Lähmungserscheinungen bei iyrn ausgetreten, die auch der Behandlung eines Pariser Spezia­listen nicht weichen wollten, und seit Anfang dieses Monats hatte sich das Leiden des Königs infolge einer Darmver­schlingung so kompliziert und verschlimmert, daß man auf das Ende gefaßt sein mußte. So weilt denn das Thron- folaerpaar Prinz und Prinzessin Albert von Belgien bereits auf Schloß Laeken, und auch die beiden Töchter des Königs, Prinzessin 2ui,e und Gräfin Lonyay rüsteten sich zur Reise an das Krankenlager.

Mit Leopold II. verliert das junge, 1831 gegründete .Königreich der Belgier den zweiten König. Als Sohn des ersten Königs Leopold I. und der Königin Charlotte Auguste, Prinzessin von Großbritannien, am 9. April 1835 auf Schloß Laeken bei Brüssel geboren, vermählte er sich 1853 mit Marie Henriette, Erzherzogin von Oesterreich, und folgte am 10. De- &enrf)er 1865 seinem Vater auf den belg schen Königsthron.

Man hat behauptet, daß Leopold überhaupt keinen Fa­miliensinn besitze, daß er kalt und gefühllos sei, daß ihm der Begriff der Zahl weit über den Begriff der Zuneigung zu seinen nächsten Verwandten gehe. Uno doch is.t dies keines­wegs in allen Punkten richtig, und wenn Leopold von Bel­gien tatsächlich seine Familie vernachlässigt hat, so muß man immerhin berücksichtigen, daß er in dieser Familie auch nicht viel Freude gefunden.

Im Jahre 1853 wurde der damals 18jährige Prinz mit Maria Henriette, Erzherzogin von Oesterreich, vermählt. Diese Heirat war natürlich eine reine Konvenienzehe, und der Charakter der Königin Henriette war nach allen, die diese Fürstin persönlich gekannt haben, keineswegs dazu angetan, die Ehe mit dem modern denkenden fortschrittlichen König glücklich zu gestalten. Ein dem belgischen Königs- Paar geborener Sohn starb schon als Kind, und Leopold hat seinen Wunsch, die Dynastie in direkter Linie fortzu­pflanzen, nicht verwirklicht gesehen.

Viel Freude und Segen yat er seinem Lande bekannt­lich nicht gebracht. Wohl hielt er sich bis in die letzte Zeit hinein streng an die Vorschriften der belgischen Verfassung, wohl setzte er alles daran, Belgiens Handel neu zu be­leben, wohl war er für die innere Wohlfahrt des Landes besorgt. Aber der Haß, mit dem er seine Gemahlin selbst nach ihrem Tode (1902) noch verfolgte, das daraus fol­gende unerquickliche Verhältnis zu seinen Töchtern, denen er sogar die mütterliche Erbschaft vorzuenthalten suchte, und endlich seine zahlreichen Liebesaffären mußten ihm die Herzen der Belgier umsomehr entfremden, als der Schacher- acist, den er bei Abtretung des von ihm geschaffenen Kvngo- staates an Belgien, bei der Veräußerung seiner Kun'srschätze und allerlei anderen Finanzoperationen an den Dag legte, eines Monarck^en nicht sehr würdig war. Auch weiß man in Brüssel sehr wohl, daß ein großer Teil dieserGeschäfte" nicht, wie der König vorgab, dazu bestimmt war, die belgi­schen Städte zu verschönern und seinen Töchtern eine klar geordnete Erbschaft zu hinterlassen, sondern vielmehr den Zweck hatte, seiner letzten Mätresse, einer Antwerpener Por- tie^stochter, die er zu einer Baronin Vaughan erhob, und die die bekannte Cläo de Närode in der Liebe des königlichen Greises ablöste, möglichst viele Reichtümer zuzuschanzen.

Es mag ja sein, daß in Wirklichkeit der König nicht so reich ist, wie man annimmt. Er soll bei seinen Spekula­tionen große Verluste erlitten haben, die vielleicht seine letzten Finanzoperationen bis zu einem gewissen Grade

rechtfertigten. Auch wird man zugeben müssen, daß seine beiden ältesten Töchter, die geschiedene Prinzrs.in Luise von Koburg-Gotha (geb. 1858),J)ie jetzt in Begleitung des wegen Betrugs mit schwerem Kerker bestraften österreichisch-ungari­schen Exleutnants Mataschitsch in der Welt herumreist und wegen Ihrer Extravaganz und Verschivendungssucht schon des öfteren unliebsam von sich reden machte, sowie Stephanie (geb. 1864), die Witwe des österreichisch-ungarischen Tyron- folgers Rudolf, die nach dem Drama von Meyerling gegen den Willen ihres Vaters den päpstlichen Grafen Lonyay heiratete, wenig sympathische Persönlichkeiten sind. Aber ob nicht auch hierbei den König ein gut Teil Schuld trifft, und ob nicht ohne sein liebloses Benehmen gegen seine Fa­milie manches anders geworden wäre? Ein wie harter Tyrann er gegenüber den ©einigen war, zeigt auch das Schicksal seiner dritten und jüngsten Tochter Clementine (geb. 1872), der er die Heirat mit dem Prinzen Bonaparte ver­sagte, und die nun einsam in einem Pavillon des Eckstosses Laeken lebt.

Sein einziger Sohn, Prinz Leopold, starb bereits 1869 im Mter von 10 Jahren, und da in Belgien im Gegensatz zu Holland das salische Recht gilt, sind die Töchter nicht zur Thronfolge berufen. Tie Anwart chaft auf d n b 1g - schen Thron ging also im Jahre 1869 aus den jüngeren Bruder des Königs, den Grafen Philipp von Flandern über, und als dieser 1905 starb, auf seinen Sohn Albert, nach­dem der ältere, Balduin, schon vor seinem Vater gestorben war. Prinz Albert, dessen Mutter Prinzessin Maria von Hohenzollern aus der älteren Linie des Hauses (Hechingen- Sigmaringen) ist, wurde am 8. April 187o geboren und ver­mählte sich 1900 mit Elisabeth, Herzogin in Bayern, einer Tochter des kürzlich verstorbenen Herzogs Karl Theodor. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder: Pr.nz Leopolo (geb. 1901), Prinz Karl (geb. 1903) und Prinzessm Marie (geb. 1906;. Für den Wei.erbestand des .Hauses Sachsen-Koburg- Gotha in Belgien ist also gesorgt.

Der künftige König der Belgier, der, wie alle belgischen Prinzen, seit seiner Volljährigkeit Senator ist, hat sich seit einigen Jähren angelegentlich mit Politik be­schäftigt, ohne indessen politisch schon viel hervorgetreten zu fein. Sein energisches Gintreten für die allgemeine Wehrpflicht hat ihn sehr populär gemacht und ihm überall Sympathien erworben. Im vorigen Jahre unternahm er eine Informationsreise nach dem Kongo und wurde bei seiner Rückkehr nach Belgien dort so enthusiastisch emp­fangen, daß König Leopold, mit dem der Tyronfolger sonst ein gutes, wenn auch nicht herzliches Verhältnis aufrecht­erhielt, darüber aufs äußerste verschnupft war. Faßte er doch diese Ovationen als eine Demonstration gegen sich selbst auf und schien infolgedessen zur Abdankung geneigt, von der übrigens auch seither des öfteren die Rede gewesen ist. Ob sich später die Beziehungen zwischen König und Thronfolger wieder eingerenkt gaben, wissen wir nicht, jedenfalls macht Belgien, wenn Prinz Albert, der, nebenbei bemerkt, Ritter des L-chwarzen Adlerordens und Chef des 16. preußischen Dragonerregiments ist, jetzt den Thron be­steigt, einen guten Tausch. Durch Lauterkeit des Charakters, durch strenge Pflichttreue und Leutseligkeit ebenso ausge­zeichnet, wie seine Gemahlin durch Anmut und Bildung, erfreut sich das Thronfolgerpaar in Belgien großer Be­liebtheit.

Sitzung der Stadtverordneten.

Gießen, 16. Dezember.

Anwesend sind: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller, Georgi; die Stavlverordnelen: Dr. Biermcr, Brück, Tr. Ebel, Eichenauer, Faber, Gabriel, Grünewald, Tr. Gutfleisch, Hademcht, Hanbach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Loder, Loos, Orbig, Plank, Schaffslaedt, Simon, Troß, Wallenfels, Tr. Wimmenauer und Winn.

Mitteilungen.

Von den Anleihen 1905 sind am 1. Avril 1910 60000SRI 2 Prozent zu tilgen. Da sich diesmal die Tilgung durch Ankauf billiger stellte, hat die Stadt eine entsprechende Anzahl Schuldverschreibungen an getauft

Wic der Vorsitzende mitteilt, haben ans Anlaß tx>n Schillers 15 0. Geburtstag 9 Schülervorsdellungcn statt- gefrmben, in denen Wilhelm Teil aufgesührt wurde. Ter Theater* dirokwr hat dabei aus jeden Verdienst und der Theaterbauverein ans die ihm zustehende Abgabe verzichtet, so daß den Kindern der Gintritt für 40 Pfg. gewährt werden konnte. Aus Gießen fonnc 127 andern Orten in Oberhessen und den bcirndjbarteit preußischen Gebietsteilen nahmen hieran 6871 Kirrder teil (700 aus Gießen), außerdem 600 Erwachsene. 300 Gießener Kinder bejalrftcn keinen Eintritt, für sie wurde durch Sliitungen das Eintrittsgeld auf- gebracht. Neben dem Vorstand des Dl^xnerbauvereinS betrtfigte sich der Kreisamtsbureauvvrsteifer Rechmmgsrat Lchrssnie an den umfangreichen Arbeiten zur Regelung der Vorstellungen Außer­dem fanden noch 5 Valksvorstellungcn statt, so daß insgesamt 11500 Personen bei dieser (gelegenbeitWilhelm Teil" sahen, ein Beweis dafür, daß bei uns der Idealismus noch nicht cmsi- geftorben ist.

Stadtv. Tr. Ebel schließt sich dem Dank für die bei den Tellansführungen beteiligten Faktoren an mtb gibt der Hoffnung Ausdruck, daß auch späterhin ähnliche Aufführungen »rr an foultet werden möchten.

Stadw. Haubach bemerft noch, daß vor aflrm Professor Fromme für feine Mühewaltungen bei der Sache Tank verdiene.

Baugesuche.

Ernst Grmmer will Kaiser-Allee 117 eine MasckLkche mit anschließendem Rcmisebau erridyten. Tas Bamoerk kömmt außer­halb des Ortsbauplans zu stehen und soll eine Feuerungsanloge erhalten Die deshalb erforderlichen Befreiungen von bat Bo» fttnunungen des Ortsbaustatuts werden befürwortet.

Städtische Gebäude- und GruudstückSangelegenhelteit.

Die Lofreite zum Pfau, in der bisher das Depat der OmnibuSaeseklschaft untergebracht war, wird an den seitherigen OmnibusbetriebSleiter für jährlich 1100 Mk. verpachtet unter der Bedingung, daß halbjährlich zum 15. November gekündigt werden, kann. Heber die Höhe der Packchumme entspann sich eine rinne Besprechung, an der die Stadtov. Helfrich, H a b c n i ch t, Wallenfels, Winn und Heichelheim, sowie Beig Georgi sich beteiligten.

Bei der Ausschreibung der Drainagearbeiten für bat Fried ho s am Rodtberg war H. W. Rinn mit 1620 Mk. Nirittigst fordernder gewesen und hatte den Zuschlag bekommen. Er wollte nachträglich von dem Vertrag entbunden werden, da die Berechnung ciif seinem Bureau von einem neuen Techniker, der die Verhältnisse noch nicht kenne, gemacht worden sei. Man ist damit einverstanden und beschließt, die Arbeiten in eigener Regie ausführen zu lassen, da die nächsten Offerten wesentlich höher sind \ |;b zugleich die Arbeiten sich sehr gut als Notstands^ arbeiten auslühren lassen.

Don den Gebäuden der ehemaligen Aktienbrauerei ist ein Teil für 2460 Mk. vermietet. Tie Gebäude gehen erst am 1. April n. I. m den Besitz der Stadt über, so daß die Union - frraueivi 900 Mk. Miete zu bekommen hätte. Sie will banzuf verzichten, wenn die Stadt ihr 599,57 Mk. für gemachte Auf­wendungen ersetzt. Tie Versammlung ist damit einverstanden und bereinigt, um weitere Räume in einen vermietbaren Zustand versetzen zu lassen, für Ausbesserungen usiv. 3000 Mk.

Bei der Verbreiterung der dem Kreis gehörigen Wieseck- brücke im Zug der Frankfurter Straße sind gute Steine übrig1 geblieben, die die Stadt bekommen soll, lveim sie den bei der Verbreiterung verwendeten Beton an den Kreis ab tritt Man beschließt demgemäß.

Verschiedenes,

Dem Geflügel- t Inb Vogelzuchtverein war von der Bürger­meisterei für seine kürzlich abgehaltenc Ausstellung ein Ehrenpreis im Werte von 30 Mr gestiftet worden, womit die Versammlung nachttäglich ihr Einverständnis erklärt.

Der Vertrag mit dem Gießener Anzeiger wegen bet Veröffentlichung der städtischen Anzeigen war von der Brühlschen Druckerei zum 1. Januar 1910 gtfünbigt worben. Es wurde ein neuer Vertrag vereinbart, wonach die ftäbtii'dyen Bekanntmadmngen Dienstags und Freitags zum Zeilenpreis von 5 Psa. erscheinen sollen. Für eilige an anderen Tagen erscheinende Anzeigen!

IClcittcs Feuilleton.

Sel t s am es Kunstverständnis. Aus Düsseldorf melden die M.N. N.: Trotz großer Opposition der Bürgerschaft beschloß gestern der Stadtrat einstimmig, die herrlichen Anlagen des vom Kaiser an die Stadt Düsseldorf verkauften, von Karl Theodor gebauten Jägerhofes M ruinieren, die beiden Schloßflügcl und das Jagdzeughaus Johann Wil­helms abzureißen. Besonders in Künstlcrkreisen herrscht große Erbitterung über die Zerstörung der einzigen wertvollen historischen Anlagen der Stadt. Lin ähnlicher trag t»n spur­loser Willkür wird gleichzeitig aus Rom gemeldet: Bürgermeister Nathan hat sich zur Künstterwelt Roms in schroffen Gegmsatz gestellt, weil er entgegen dem Gutachten des obersten Künst-Aus- sckstisses und sämtlicher .Künstler Italiens an dem Vorschlag fest. hält, die drei kapitolinischen Pa laste durch Zwischen- bauten in unechtem Travertin stein zu verbinden, was von den Kunstkennern geradezu als ein Attentat gegen Michelangelo, den Urheber des berühmten Kapitolplatzes, bezeichnt wird. Nachdem Bürgermeister Nathan noch gestern die Erklärung abgegeben hatte, daß er von beni Plane nicht abzustehen gedenke, beabsichtigen die römischen Künstler, deni Bcrl. Tgbl. zufolge, euren geharnischten öffentlichen Einspruch zu erheben.

Ein Nietzsche-Tempel im Engadin. Von den beiden großen Männern, deren Schassen mit dem En­gadin verbunden mar, Segantini und Nietzsche, hat man dem einen durch das von 'ititolaus Hartmann erbaute Segan- tini-Museum in St. Väoritz die gebührende Ehrung bereuet Jetzt wird im neuesten Heft der ,/Schweiz,?rischen S.Tuninir auch der Gedanke eines Denkmals für Nietzsche angeregt. Das Engadin, dieHeimat aller s.lbernen Faib'Nlöne", wee ber Philosoph von Sils-Mama selbst sie nennt, wäre die würdigste Gegend für eine weihevclle uronumenta.eEr mie- rungchdätte, die dort das Gedächtnis Friedrich Nietzsches lebendig erhielte. Dr. Walser weist in der genannten Bitt­schrift Darauf hin, daß die Grundidee desöaratrrujtra , der Gedanke der ewigen Wiederkunft, dort oben gereift fet. Als Nietzsche am Sc von Siloaplana durch die SMber ging, bei einem mächtigen, pyramidal au;getürmten Blecke unweit Lurlei, kam ihm, wie er selbst bekannt chat, btejer Gedanke. Wohl gibt es ein Nietzsche-Denkmal aus der Halb­insel Chasrö, die in den «silbersee ragt

täfel steht dort das Trunkene Lied, Friedrich Nietzsches J-ame und die Jahreszahl 1900. Und an derselben S.elle nutete rin NietzsckMeMpel erstehen, ein Bauwerk, das dte Kunoe

von der großen Vergangenheit des Tales und von dem Geistesfürsten, der dieses Tal so innig geliebt hat, aller Welt offenbart"

Von Platens Grab. In einem Berliner Blatte war jüngst behauptet worden, baß sich Platens GrabsbLtte in Syrakus int Zustande der Verwahrlosung befinde: dem trat der Sinbaco von Syrakus mit der öffen lichen B.wichti- gung entgegen, daß dem Grab des deutschen Dichters, der seit Dezember 1835 in sizilianischer Erde ruht, alte sorg­fältige Pflege nach wie vor ^nteil werde. Von einem Besuch dieses Grabes, das weltverloren mitten unter dichten Lor­beer- und Orangebäumen und umgeben von anti.cn Mar- mortrünunern liegt, erzählt ein B.tef Bernhard von Lepels an feinen Intimus Theodor Fontane, der in dem soeben erschienenen DriefbandeVierzig Jahre, Bernhard v. fiepet an Theodor Fontane" (Berlin, Fontane il Co.) enthalten ist. Hier schreibt fiepe! aus Messina vom 27. Mai 1846: J . Du weißt, daß Platens Grab mit ein Reiseziel für mich mar. Ich hatte um so weniger Ruhe, bis ich es gesucht, als es noch zweifelhaft war, ob wir überhaupt nach Syrakus gehen würden. . . . Nun hab ich meinen Wunsch erfüllt gesehen und die große Freude gehabt einen Lorbeer auf Platens Grab zu pflanzen. Der Sohn des alten Landolina ist selbst ein junger Poet, und will mich in Palermo besuchen, mo wir eineScella delle Poesie di Plctten" (Auswahl) treffen wollen, die er metrisch über­setzen will. Es wird wohl nicht viel daraus werden, denn der Plctten ist zu deutsch, als daß man ihn über setzen könnte; indes lohnt es sich des Versuchs. Blätter und Blumen von Platens Grab hab' ich eine Menge für Dich und andere Freunde mitgebracht An dem Tage, als ich den Lorbeer pslanzte, parierte mir nachher etw.is Tragikomisches, was ich bei meinem Aberglauben als kein gutes Omen anfal). Ich durchzog die ftetnerne Oede, wo ehedem Syrakus stand, als es noch London an Größe gleich- kam. Ich ritt auf einer passablen!re, vor rmr g;ng ein Maulesel, bet plötzlich ausschlug. Dabei gab er mir einen Fußtritt ans Knie, dermaßen, daß ich mich kaum aufrecht erhalten konnte. Mein schlimmes Omen liegt nun in dem Kontrast: des Morgens einen Lorbeer auf das Grab eines Dichters gepflanzt und des Mittags zum Lohne einen Fußtritt von einem Maulesel erhallen. .

Kine matographen - Ausnahmen mit der Flugmaschine. Hilbert Latham hat am 'Dtontag in Mour- melan-Le Grand von neuem eine verwegene Leistung mit seiner Flugmaschine vollbracht, indem er bei einem Fluge einen Mann mit nahm, der einen Kmematographenapparat mit allem Ziibehör, im ganzen etwa 90 Kilo, nm nahm. Es war nur cm Prodeflug, dem bald die Ausführung iolgen soll, bei der derselbe Vassagier auf einem Ueberlandfluge Kinemalographenbilder aufnebmen wird. 'Dian ergebt sich nach dieser Leistung bereits in Spekulationen dar- über, daß es bei einer solchen Tragsählgkeit ber Antoinette-Flug- maschine bald auch möglich fern bürtte, em Schnellfeuergefchütz mit einem es Bedienenden in die Lust zu tragen.

C. K. Fürst Nikolas als Dichter. Fürst NikolaS von Montenegro hat soeben die letzte Hand an einen neuen Band Ge­dichte gelegt, die unter dem Tuet »Lieder vom Berge' bei Gelcqcn- bett der Fünszigjahrseier seiner Regierung gedruckt werden sollen. Es ist nicht das erste Alal, daß ber Fürst alS Dichter in die Ceffent- lichtest tritt. Er hat bereits sein Buch Rrieqsheber und zwei TragödienPrinz Arbanit' undBatkanska Tsaritza' Dcroffemhcbt, und besonders das letztere Drama, dessen reiner Stil und edler Gedankeninbalt gerühmt werben, dient einer hoben patrwuschen Fdee, indem Fürst NikolaS sich zum Verteidiger der Traditionen der Dynastie der Nemanjiden aufroult.

C. K. Drahtlose Telephonie nach Amerika. Mit einer überraschenden Mitteilung, die die kühnsten Traume der heu­tigen Erfinder als nahe Wirklichkeit erscheinen läßt, tritt ein wissen­schaftlicher Mitarbeiter derDaily AlaU' hervor: In wenigen Wochen wird es vielleicht möglich fern, daß ein Monn auf der Svitze deS Eiffeiturin es in Varis über den Atlantischen Ozean hinweg zu einem anderen spricht, der 3500 engl. Meilen von ihm entfernt auf dem Mutual-Lste-Gebände, dem höchsten in Newyott, stehl. Wenn die jetzt anqefleüten Versuche zu dem oorausgefebenen Ergebnis sichren, so wird man über den Ozean sprechen können, ohne auch nur die Stimme zu erheben. Ter inicmanonale Handel würde dadurch natürlich eine tiefgehende Wandlung erfahren. Das Teiephonsystem, das von ber französischen Regierung für diese Ver­suche angewendet wird, ist das des amerikanischen Erfinders de Forefl, das im letzten Sommer auch von ber englischen Admi- raluät erorobt wurde. Dabei wurde gezeigt, daß im Falle einer Seeschlacht im Kanal ber Kommandant eines Schiffes von seiner Brücke aus mit der Admiralität sorechen fonnte: sollten diese Eroeri- mente über weite Entkernungen sich bewähren, so wird die droht- loie Telephonie wahrscheinlich in großem Umfange auf Schlacht- ichiffen etnaeh'ibrt werden. Auch von Waldemar Boulsen, dem dänischen Erfinder, wird berichtet, daß er mit seinem in mancher Beziehung ähnlichen System drahtloser Telephonie, kürzlich aus­gezeichnete Rcjullale erzielt habe.