Ausgabe 
28.8.1909 Zweites Blatt
 
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Samstag 28. Angnst 1909

Nr. 201

Zweites Blatt

159. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.

Die ^Siebener KamilieublStter" werden dem ,AnzeigerE DiermQ( wöchentlich beigelegt, das Krdsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universitäts - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Ausbild, in SchSE c., Rechnen, Sten» -nichreib. uiw.-8: Babnbvüttahe 881!

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^s>51. Redaktion:e^II2. Tc..-AdruAnzeigerGießen.

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Airebe und Schule.

Was will der Evangel. Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer (6. V.) zu Witzenhausen a. d. Werra? Er will fvor unbesonnener Aus- Wanderung in augenblicklicher Notlage bewahren; den nicht aui- zuhaltenden Strom von Auswanderern in die rechten Bahnen letten die Auswanderer über die wirtschaillichen, kirchlichen, Schul- 2C. Verhältnisse, über Sprache, Gesetze, Sitten und Geivohii- Heiken des betreffenden Landes in völlig unbefangener Weise auv klären, wozu er besonders durch seine völlige Unabhängigkeit von Behörden, sowie kirchlicheii unb politischen Parteien als ireier Ver­ein in der Lage ist: Auswanderer und Ausgewanderte der evange­lischen Kirche erhalten; sie damit zugleich dem deutschen Volkstum erhalten; schwache Streben- und Schulgemeinden durch Zuleitung von Auswanderern stärken; Teutscheii im Ausland, die ihren Wohnort wechseln wollen, mit Rat und Tat zur Seite sieben; für das persönliche, kirchliche und nationale Wohl der Auswanderer und Ausgewanderten bei den zuständigen Behörden eintreien; cm größeres'Interesse für die Auswanderer'ürsorge durch die Prehe, durch Vorträge und Werbereisen in unserem deutschen Volle zu wecken suchen ; an seinem Teil mit zu einer gesunden Entwicklung unserer Kolonien beitragen durch Hinleitung tüchtiger, kapilallraitiger, charakiersester Persönlichkeiten; endlich, nicht zuletzt, will er religiösen Sinn pflegen unter den Gliedern der Kolonialichule, damit sie sich ihres evangelischen Teutschlums draußen nicht schämen und wahre Kulturpioniere werden können. Er will keinerlei Anregung zur Auswanderung geben und kein Stellenvermiitelungsl'ureau iurs Ausland sein. Der Verein tut seine Dienste unentgeltlich und >s aus Spenden und Mitglledsbeiträge bei seiner Arbeit angewiesen. Sein VereinsblatlDer deutsche Auswanderer" erhalten alle Mik-

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ersten Künstlerinnen dieses in unseren Tagen wenig ver­tretenen Faches. Feinhals ist mertwürdigerweise auch em brillanter Don Juan. An den spielfreien Tagen veran- taltete der Konzertverein in der Tonhalle einen von Ferdi­nand Löwe (Wien) geleiteten Beethoven-Brahms-Bruäner- Zyklus. Das erst im vorigen Herbst unter großen Schwie­rigkeiten gebildete neue Orchester hat sich unter diesem Dirigenten zu einem schönen Jnstrumentallorper entwickelt,, der in der Eroika und der Leonorenouvertüre den Höhe- nm ft seiner Leistungen erreichte. In den Wagneraufsüh- pungen folgte dem glücklichen Anfang mit den M eister- singern eine grandiose Wiedergabe vonTristan und Isolde". Der Tristan des Herrn Urlus bot eine schone Leistung, die freilich sich mit derjenigen unseres .Heinrich Knote nicht messen kann. Letzterer war als Tannhäuser vorgesehen; allein er fühlte sich nicht disponiert. T ä n z l e r mußte für ihn einspringen und seine Darbietung hatte dann leider auch den Charakter einer Improvisation, wie sie bei Festspielen unerwünscht ist. Frau Preuse-Mayen- auer sang zum erstenmal die Venus; ihre klangvolle Stimme und ihre hoheitsvolle Repräsentation sicherten ihr einen vollen Erfolg. Maude F a y singt die Elisabeth stimm­lich vollendet. Ihre früher allzu kühle Darstellung hat an Wärme des Empfindens sehr gewonnen. DenRing" dirigierte Mottl, Darstellung und Gesang gaben der glanz­vollen orchestralen Interpretation nichts nach, so daß wieder einmal dasGesamtkunstwerk" uns zu einem schlackenlosen Erlebnis war. Wundersam klangen die Stimmen der Rhein­töchter zusammen, prächtig war das Walkürenensemble. Tr. Briesemeister (Loge) und Zador (Alberich) sind Spe­zialisten dieser Rollen, in denen man sie vorbildlich nennen darf. Dr. Kuhn charakterisiert den Mime sehr fein und singt" die Rolle des Zwerges auch, was die wenigsten Vertreter dieser Partie im wirklichen Sinne tun. Seit langem bekannt ist auch der ausgezeichnete Wotan von Fern hals. Die szenische Ausstattung hat da und dort wiederum Vervollkommnungen aufzuweisen, so ist die Regen- bogenbrücke inRheingold" illusionskräftiger gestaltet, allerdings vermögen die Götter sie nicht mehr zu betreten. Tie Fluten des Rheines, die wabernde Lohe und all die szenischen Wunder, welche eine gute Aufführung des Rings erfordern, haben im Prinzregententheater eine restlos ein­wandsfreie Lösung gefunden. Prinz Ludwig Ferdi­nand von Bayern, ein begeisterter Musiker und begabter Liederdichter, wirkt oftmals als Geiger im Orchester mit. Im .Hoftheater gestattet die höfische Sitte dem hohen Herrn diese künstlerische Betätigung nicht, allein der verdeckte Jn- srrumentalraum dcs Festspielhauses überdeckt zugleich die Bedeuten des Zeremoniells. Hans Bege.

Der teck)nisch-wissenschaftliche Teil behandelte tueP e u- sionsversicherung der Privatangestellten" Der Vorstand ist auf Grund der Begutachtung der vom Reichsamt des Sintern herausgegebenen Denkschrift der Au icht, daß es nicht zweckmäßig sei, den Gegenstand weiter zu behandeln. Der Vorstand hat in diesem Jahre zum erstenmal den Beitrag von 100 Franks geleistet, der ihn in Zukunft zur Entsendung eines offiziellen Vertreters zu nm Schisfahrtsfongressen berechtigt. Eine längere Debatte entstand zur nächsten Position: Vorkommnisse auf dem Gc biet des Wettbewerbwesens, die zu regem Austausch An- laß gab. Tie Vereinigung Schlesischer Architekten hat be­antragt, die Frage wegen Bildung von Architekten- a m m e r n zur Verbandsaufgabe zu machen und die Vor bereitung dafür dem Ausschuß für Arckfitekkur zur Be arbeitung zu übergeben. Es wird ein Antrag angenommen, einen Ausschuß zu wählen, der die Vorarbeiten lersten soll. In den Ausschuß werden Waldow, Saran, Henry, Borthle, Stübbens, Wolffenstein und Körte gewählt. Sodann werden die Verhandlungen auf Samstag 9 Uhr vertagt.

In den Vorsälen und der Garderobe ist eine Aus­stellung von Plänen, Entwürfen, Bildern und Modellen moderner Hoch- und Tiefbauten arrangiert, besonders des Tief- und Hochbauamts Darmstadt. Neben bekaunten neuen Bauten ist ein Plan der ganzen K a n a l i s a t i o n D a r m - stadts ausgestellt. Bad-Nauheim zeigt Püme und Zeichnungen der Gruppenwasserversorgung, der Badean­lagen usw., Mainz hat Abbildung seiner neueren Bauten und Modelle und Plane für den Umbau seines Stadttheaters ausgestellt. Viel bewundert wird das Modell des neuen Lehrerseminars Bensheim. Von besonderer Bedeutung ist eine Abteilung, die die Bestrebungen zur Verbesserung der Bauweise der Stadt veranschaulicht. Das Hochbauamt Wiesbaden hat zahlreiche Abbildungen ausgestellt. Dre Ausstellung erregt das lebhafte Interesse der Besucher.

Von den Münchener Festspielen. Aus München wird uns berichtet: Die Münchener Festspiele dieses Jahres haben einen glänzenden Verlauf genommen. Wie seit Jahren gingen den Wagneraufführungen Mo zart- spiele im Kgl. Residenztheater voraus. Die ent­zückende Rokokobühne Cuvilliös ist ja als Mozartoper die idealste Dck)aubühne, die Teutschland besitzt- An der Stelle, von der heute Felix Mottl dxn Dirigentenstab schwingt, leitete einst der junge Wolfgang Amadeus Mozart die Ur­aufführung seinesJdomenio". Mottl hat auch für Mozart hervorragendes Stilgefühl.Cosi fan tutti" ist an den meisten Bühnen verschollen. Man stößt sich an d a Pontes mittelmäßigem Text, aber bei unserer stilechten, alle Uebertrcibung meidenden Wiedergabe, welche von so heiterem Rokokogeist erfüllt ist, kommen diese Schwachen einem kaum zum Bewußtsein, während man sich an den so zahlreichen Schönheiten der Partitur ergötzt. Die Dreh­bühne Lautenschlägers vermittelt den Szenenwechsel mit idealer Präzision in knappesrer Frist. AuchFigaros Hoch­zeit" Ton Giovanni' undDie Entführung aus dem I'Serail"'kamen mustergültig zur Wiedergabe. In Frau Ro- setti haben wir eine b.illante Mozartsängerin; ihre perlende Koloratur und temperamentvolles Spiel gesellt sie zu den

Gießener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gberhefjen

serin und der Prinzessin Viktoria Luise Blumen. Junge Bäuerinnen in der reichen Brauttracht der Gegend über­reichten ein Trachtenalbum.

Ter neue Aebtissinnenstab ist nach einem Entwurf des Professors Rohloff gefertigt.

Unter andauernden Kundgebungen der Bevölkerung fuhren die Majestäten, Prinz Oskar und die Prinzessin Viktoria Luise zur Bahn, wo die Abreise nach Berlin gegen 2 Uhr erfolgte.

Die ältesten Grundmauern der Dorfkirche sind noch alter als das Zisterzienserkloster Chorin, das zwei Meilen nördlicher gegen Ende des 13. Jahrhunderts gegründet wurde. Als erster beglaubigter Besitzer von Hohenfinow wird em Sparr genannt, ein Ahnherr des Generals des Großen Kurfürsten aus per Schlacht bei Fehrbellin. Ihm folgt 1609 Hieronymus Schlick, Oberkammcr- herr, Oberjäger und Oberstallmchter des Kurfürsten Joachun Friedrich. Nach seinem Tode erhob die Familie Putbus Ampruche auf Hohenfinow, während dec aus Böhmen stammende Schlick seinen Schwestersohn Heinrich Mathias von Thurn zu feinem Erben eingesetzt hatte. Tann hat der Besitz die verfchledenften Herren gehabt, darunter einen Ludwig von Pfuel, der dafür 28 000 Taler gab. Tie interessantesten Besitzer sind«spater die Vernezobres. Infolge der Aufhebung der Edikts von Nantes war einer der Söhne des Kaufmanns Salomon Vernezobrc zu Vuie-- magne int Languedoc nach Königsberg in Preußen unbewandert und hatte dort durch Seidenhandel ein Vermögen erworben. Sein ältester Sohn, der sich Franciseus Mathaeus Baron Don Verne- mbre de Laurieur, Erbherr auf Chatelard in Frankreich nannte, erstand Hohenfinow für 90 000 Taler. Binnen wenig mehr als einem Jahrhundert haben seine Nachkommen den Besitz weniger verschleudert als in Spekulationen und Experimenten verwirt­schaftet. Hohenfinow wurde Eigentum des Freiherrn Konstanz von Jakobi-Kloest, eines Sohnes dcs ehemaligen preußifchen Ge­sandten m London. Er war kein guter Wirt und Herr unv er­lebte denn auch im Jahre 1848 eine kleine Revolution unter den Dorfbewohnern. Die Familie von Bethmann-Hollweg hat schneller und fester als irgend ein anderer Vorbesitzer von Hohen­finow dort Wurzel geschlagen und Fuß gefaßt auf märkychcm Boden.

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Das Lusiulum der Reichskanzlers.

Ter Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg hat sich nach seinem >Kute" Hohenfinow begeben", so meldet d^r Telegraph.Der alte Fontane, der doch in der ganzen Mark Brandenburg die Orte auf- «sucht bat, wo etwas landschaftlich oder histvrifch Intereyantes VH finden war, ist an Hohenfmow vorbeigegangen. So tannten H iaum ein paar Berliner, die einige Wochen der Sommerfryche nt Bad Freienwalde an der Oder verbrachten und auf der Neye die Station Niederfinow berührten.

Abseits von den großen Leerstraßen gelegen und doch nur 4 Meilen von Berlin entfernt, eignet sich dieses Lmtztum wie wenige als Erholungsaufenthalt für den höchsten Beamten des Reiches der als der allein Berantwottliche sozuiagen niemals die Süqcli aus den Händen geben kann. Wenn es not täte, konnte Herr v. BethmanwHollweg in weniger als zwei Stunden m Berlin sein. Tas Rittergut Hohenfmow nut fernen Vorwerken Ut 9000 Morgen groß, von denen du größere Halste Forst ist. Kaiser Wilhelm II. hat in diesen Waldern zwilchen 1877 und 1896 häufig gejagt: ein Denkstein am Waldesrande und eine von dem LerrschA im Jahre 1890 selbst, gepflanzte Eiche bezeichnen du Stelle, wo der einstige Prinz/Wil Helm von Preußen mnen ersten Rehbock in diesem Revier aus die ^ecke: legte. .Daßmanindes .Helligen Römischen Reiches Ltteuiandbuchfe KL bennde., spurt rran auf der Hohenfinower Flur nicht. Große schlage Weizen »eigen, daß der Boden fett und gut fit. Das herrlichste für den Besucher aus der Großstadt smd die Bcmmnesen de- Schlotz- »arkes und die mächtigen Linden einer Allee, die vom Eingang in das Dorf an zu einer Anhöhe führt, Dön ber aus man^ eine entzückende Fernsicht über die Wiesen urü> Wasseradern,«die Dörfer unb Städte des Oderbruchs genießt, das Preußens großer König tor anderthalb Jahrhunderten erst systematisch, kolonisiert Ijat.

Herr v. Bethmann-Hvllweg ist kein Landwirt wie esz^V lern Vater der im Jahre 1900 verstorbene <)-ellx v. Bethmann

W dTr ^m^hre 1855 das..Besitztum mit sämtlichem Inventar und einem Teil der Möbel für 400 000 Taler er|tanb, luchte er, der Sohn des bekannten freigesmnten.Kultusministers, tine Betätigung als Bewirtschafter eme^ Gutes^ und hat durch Eingabe und unermüdlichen Eifer auf diesem ^rvorragcndei, geleistet. Vater uni> Sohn sind, obschon der erste kem Jurist war 'von 1874 bezw. 1885 an Landrat m dem lru^edehnten Kreye Oberbamim gewesen und dadurch, obgleich das Geschlecht erst ö0 Jahre ni der Mark ansässig ist, mit dieser g mit dem Kreise verwachsen. Das ist auch darin zum ^usdruck g kommen, daß der neue Reichskanzler seine Gattin unter den Loch ern des märkischen Adels gesucht und gesunden hat; neist bekanntlich eine geborene v. Pfuel aus Wilkendorf bei .

Das Hohenfinower Schloß, ein dreistöckiger ^ckstembau dei ms dem Ende des 17. Jahrhunderts stammt, hat erst durch wate. Anbauten ein gefälligeres Aussehen gewonnen. .^nneniaum irnd schöner und zumteil sogar kunstvollaus^eftattet c>u nennen. Imponierend ist der innere Lichthof, das ^rrpüenhaus. Herrensitze der Umgebung sind keineswegs prunkvoller, ob h iie zumeist viel länger im Besitz derselben y-amflie sind als Doyen- iinow. Als dessen Name zuerst in der Geschichte austaucht, g^g ine Mitte des 13. Jahrhunderts, ist von einer Burg Hohensinow die Rede, die als eine trutzige Warte sich am Rande tzlateaus erhob und.die Uebergänge über die Frnow schützte.

Das Kaiferpaar in Zischbeck.

Das Kaiserpaar weilte gestern im Stifte Fischbeck an der I Befer, wo nach altem Zeremoniell die Uebergabe des Aeb- I -ffsinnetfitabes an die älteste Dtiftsdame Frau v. Buttlar I mrch den Kaiser erfolgte. Die Majestäten begaben sich bei I jübeni Wetter im offenen Vierspänner von der Station jxr Abtei. Kriegervereine, Schulen und die Bevölkerung .. \xt Umgegend, darunter viele Bäuerinnen in ihrer male- , -jschen Landestracht, begrüßten die Majestäten stürmisch, icr Hof hielt dann seinen feierlichen Einzug in die Stifts- üche, emfisangen und geleitet von dem Oberpräsidenten ? ii Hengsten berg und dem Schirmvogt des Stiftes Staats- Minister Freiherr v. Feilitzscy-Bückenburg und dem Land- ;; t^t v. Ditfurth-Mndeln. Die Kirche war von der Gemeinde pfüllt, am Altar stand die Aebtissin, Frau v. Buttlar, mit «en Stiftsdamen. Die Feier begann mit einem Vortrage xurd) den Hamelner Männerchor. Nach einem Gemeinde- tefang und der Liturgie hielt Pfattrer Heermann eine An­sprache. Der Fischbecker Kirchenchor fangDu Hirte Israel!" Tann erfolgte oie Uebergabe des Stabes durch den Kaiser «m die Aebttssin, wobei der Kaiser, vor den Altar tretend, ielgenbe Rede hielt:

Meinem lebhaften Interesse an dem adligen Damen­stift Fischbeck mit seiner fast tausendjährigen, sagenumwo­bnen Geschichte und feinen wechselvollen Schicksalen habe ich bereits vor fünf Jahren Ausdruck geben können, als ich in Gemeinschaft mit ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, hier an der Jubelfeier des Stiftes unb der Wiedereinweihung der altehrwürdigen Stiftskirche

verband deutscher Architekten- u. Ingenieur-Vereine.

R. B. Darmstadt, 27. Aug.

Heute vormittag begannen die geschäftlichen Verhand­lungen im Gartensaale des Städttschen Saalbaues. Der Vorsitzende Ministerialdirektor Reverdy (München) er­öffnete die Versammlung. Die Einnahmen aus den literarischen Unternehmungen des Verbandes betragen 1624,26 Mk. Die Abrechnung für 1908 ergab bei einem Voranschlag von 15 000 Mk. in Einnahme und Ausgabe eine Mehreinnahme von 2567,11 Mk. ukid eine Mehrausgabe von 6073,07 Mk. Das Vermögen beträgt 6882,09 Mk. Der Verein Karlsruhe wird mit der Prüfung der Abrechnung für 1909 beauftragt. Eine längere Debatte entstand bei dem Bericht über den Erfolg der Vermogenssammlung und die weitere Behandlung der Sammlung. Es sind ins­gesamt 51000 Mk. eingegangen. Der Vorstand beantragt, die bisher gesammelten Gelder, sowie die noch in Zukunft eingehenden und die Erttägnisse der Zinsen aus dem ange­legten Gelde einstweilen unantastbar liegen zu lassen und als besonderen Vermögensbestandteil zu behandeln, bis wenigstens die von der Abgeordnetenversammlung in Danzig als wünschenswert bezeichnete Höhe der Spende von 100000 Mark erreicht ist. Dr. Wolff (Hannover) erstattete so­dann den Finanzbericht des Ausschusses für das Bürger­hauswerk. Der Umfang des Werkes soll auf 200 Tafeln sowie einen Textband von etwa 40 Bogen bemessen werden. Tie Ausstattung der Tafeln und des Textes soll sich der des Bauernhauswerkes eng anschließen, wobei auf Durch­führung eines einheitlichen Maßstabes wenigstens für die Grundrisse und Hauptansichten Wert gelegt werden soll. Die Herstellung bedingt einen Kostenaufwand von 100000 Mk. Um eine Uebersicht über die finanziellen Hilfsmittel zu schaffen, die für das Unternehmen erwartet werden dürfen, hat der Ausschuß zunächst beschlossen, die Verwaltungen der Städte mit mehr als 10 000 Einwohnern, sowie die von etwa 200 kleineren Städten um Beiträge zu bitten. Ferner sollen, sobald die nötige Uebersicht über die von den Städten zu erwartende Beihilfe geschaffen ist, auch die Provinzen, die Regierungen der Bundesstaaten, und in letzter Linie das Reich um Zuschüsse gebeten werden. Die Anträge wer­den einstimmig genehmigt. Den Schluß des geschäftlichen Teils bildete die Neuwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende Reverdy wird einsttmmig wiedergewählt. Für das aus­scheidende Vorstandsmitglied Geh. Oberbaurat Schmick (Darmstadt) wird Hofäcker (Stuttgart) gewählt. Der Geschäftsführer Regierungsbaumeister a. D. Franzius (Berlin) wird wiedergelvählt. In den Ausschuß der be­amteten Ingenieure wurden Lechner und Scheelhase gewählt. Darnach wird der Voranschlag für 1910 weiter­beraten und mit 26 000 Mk. in Einnahme und Ausgabe genehmigt. Die nächste Wanderversammlung findet in Frankfurt statt__

leilnahm. Damals habe ich, wie einst König Otto I., der spätere erste Kaiser deutscher Natton, durch seinen Gnaden- b-rief vom 10. Januar 954, das Stift unter meine besondere landesherrliche Schirmherrschaft gestellt. Heute bin ich in Ihrer Mitte erschienen, um Ihnen einen neuen Beweis meiner Huld und Gnade zu geben. Ich habe beschlossen, dem Stift einen Aebtissinnenstab zu verleihen, welcher von der jedesmaligen Aebtissin bei feierlichen Gelegenheiten als pichen ihrer Würde getragen werden soll. Nehmen Sie, liochwürdigsbe Frau Aebtissin, aus meiner Hand diesen, mit meinem kaiserlichen Wappen und demjenigen des Stiftes geschmückten Stab. Möge er Ihnen und den Ihrer Leitung (iiioertrauten Damen, wie allen Ihren Nachfolgerinnen ein Sinnbild fein des göttlichen Stecken und Stabes, dessen loir alle auf unserer Pilgerfahrt zur ewigen Heimat so bringend bedürfen; möge Gottes Segen allezeit auf dem Stift und seinen Insassen ruhen! Tas walte Gott!

Der Schirmvogt, Staatsminister Feilitzsch, dankte itamend der Aebtissin in kurzer Rede, nachdem die hoch- betagte Aebtissin selbst mit wenigen Worten ihren aller» innigsten Dank ausgesprochen hatte. Das niederländische Lankgebet schloß die Feier. Beim Verlassen der Kirche > bot erst die Kaiserin, später der Kaiser der Aebtissin den - Arm. Nach der kirchlichen Feier pflanzte der Kaiser auf I iem Gutshof des Stifts eine Linde. In den festlich ge- I chmückten Straßen bildeten die Schulkinder des Kreises ! iinteln und Kriegervereine Spalier. Das zahlreiche aus er Umgegend herbeigeströmte Publikum brachte dem zerrscherpaar lebhafte Ovationen dar. Das Kaiserpaar besichtigte bann den schönen erneuerten Kreuzgang der j Abtei und nahm den Imbiß bei der Aebtissin ein, wobei l Staatsminister Feilitzsch ein Hoch auf die Majestäten aus- i brachte. Weißgekleidete Schülerinnen überreichten der Kai-

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