Ausgabe 
26.10.1909 Erstes Blatt
 
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159. Jahrgang

penstoiisversichrrung für privütangeftellte.

Der Hauplausjchuß zur Herbeiführung einer staatliche

m Lagervoslen llM* tb zirka 70 Ctiu (biebenen Gröben utib (teilt wt

-Offerte seng wig Lazarus

4 53. Telephon W

Prinzen von Piemont den Andreasorden mW ließ dem Bürger­meister von Racconigi für die Armen der Stadt 1OOOO Lire über­reichen.

Eine Rede J8wol8ki8.

Raccvnigi, 25. Okt. Iswolski wurde heute vormit­tag mit Giolitt und Tittvni im Rathause vom Bürgermeister und den Aeltesten der Stadt empfangen. Hierbei sagte Iswolski ita­lienisch: ,Zch bin glücklich. Ihnen ausspreck-en zu können, wie ehr die dem Kaiser von der Stadt Raccvnigi entgegcngebrachte herzliche Aufnahme in Rußland gewürdigt wird. Das russische Volk wird darin einen neuen Beweis der wochsenden An­näherung zwischen beiden Ländern sehen, die jo viele gemein­same Interessen und Siele haben. Ich persönlich bin sehr glück­lich, mit meinem Freunde Tittoni für die guten Beziehungen zwischen Rußland und Italien Zusammenwirken zu können." Nach dem Dank des Bürgermeisters für die Ehre des kaiserlichen Be­suches empfing Iswolski die italienischen Journalisten, in deren Namen Vettorr ihn als Freund Italiens begrüßte und ihn bat, dem Kaiser die Gefühle der Ergebenheit der italienischen Presse auszusprechen. Hierauf wurden auch die ausländischen Vertreter der Presse dem Minister vorgestellt.

Die Abreise des Zaren.

Raccvnigi, 25. Okt. Der KaiseF von Rußland ist heute nachmittag um 3 Uhr abgereist. Bei der Abfahrt bildeten Truppen aus den Straßen Spalier. Nachdem der Kaiser aus der Schloßterrasse sich von der Königin verabschiedet hatte, fuhren die Majestäten mit den Ministern und dem Gefolge unter Ehren­eskorte zum Bahnhose, unterwegs von einer zahlreich versammelten Menschenmenge mit den Rufen:Es lebe Italien!"Es lebe Rußland!" begrüßt. Auf dem Bahnhose schritt der Kaiser zunächst die von Besaglieri gestellte Ehrenkompagnie ab und begrüßte dann die zur Verabschiedung erschienenen Spitzen der Militär- und Zivilbehörden. Hierauf bestieg der Kaiser, nachdem die Majestäten sich zum Abschied umarmt hatten, seinen Salonwagen, aus besten Fenster er nod) einige Minuten bis zur Abfahrt des Zuges um 3 Uhr sich lebhaft mit dem Könige unterhielt.

Pichon beim Zaren.

M o d a n, 26. Okt. Der Kaiser von Rußland, der inkognfto reist, ist um 7 Uhr 5 Min. abends hier eingetrvffen und gegen 7 Uhr 25 Min. weiter gefahren. Minister Pichon, der den Kaiser bis Chambery begleitete, wurde von diesem zum Diner geladen.

Chambery, 25. Okt. Während der Eisenbahnrahrt unter­hielt sich der Kaiser von Rußland vor dein Diner mit Minister Pichon über Fragen der allgemeinen Polftik. An dem Diner zu Ehren Pichorts nahmen zeyn Personen teil, darunter Minister Iswolski. Der Kaiser war sehr heiter gestimmt und unter­hielt sich mit allen Tischgenossen.

Eine offiziöse italleaische Erklärung.

Rom, 25. Okt. DieAgencia Stefani" veröffentlicht fol­gendes Kommunique aus Racconigi: Die Zusammenkunft des Königs von Italien mit dem Kaiser von Rußland trug das Gepräge der großen Herzlichkeit, welche vollständig dem Charakter der Beziehungen entspricht, welche zwischen Italien und Rußland bestehen. Diese Herzlichkeit tritt in den Trinksprüchen bei der Galatafel in Racconigi an den Tag. Diese Trinksprüche betonen nicht nur die persönlichen Gefühle, welche die beiden Herrscher verbinden, sondern auch dievollkommcneUebereinftim- mung der Interessen und Ansichten, welche zwischen den beiden Reichen besteht. Die Unterredung der Minister Tittoni und Iswolski hatten naturgemäß die verschiedenen politischen Tagesfragen zum Gegenstand, insbesondere die Balkan­frag err. Mair konstatierte, daß auf diesem Gebiet Italien und Rußland denselben Zweck verfolgen, nämlich die Befesttgung des jetzigen polftischenstatus quo" in der Türkei und die Unabhängigkeit und die normale friedliche Ent­wickelung der Balkanstaaten. Demgemäß kann die Annäherung zwischen Italien und Rußland keinerlei Mißtrauen Hervorrufen und wird gewiß von allen Mächten als wichtiges Element für die Aufrechterhaltung des Friedens begrüßt werden.

Eine Aussprache mit Iswolski.

Pension 2 - und Hinterbliebenen-Versicherung

Ztichwahlabtomincn in Vaden.

Karlsruhe, 25. Okt. Zwischen den liberalen Parteien und der Sozialdemokratie wurde heute nachmittag ein Stich- wahlabkommen für das ganze Land getroffen.

Karlsruhe, 25. Okt. In einer gemeinsamen Sitzung der Vertreter der Nationalliberalen, der Freisinnigen, der demokratischen und national­sozialen Partei wurde, wie die .Badische Presse^ meldet, heute vormittag ein Einverständnis über das Zusammengehen in einzelnen Wahlkreisen bei den bevorstehenden Stichwahlen erzielt. Vorbedingung dabei war, daß ein Wahl- obkommen mit der Sozialdemokratie zustande kommt.

Deutschland und der Zuezkanal.

Köln, 25. Ott. Gegenüber den Klagen einiger Blätter, daß Deutsch land bei der Verlängerung der Kon­zes s i o n des Suezkanals seine Jnteresten nicht ge­nügend wahrgenommen habe und daß es keinerlei Einfluß auf die Kanalgesellschaft besäße, während England und Frankreich je drei und selbst Rußland einen Vertreter in Aussicht habe, trotzdem die Beteiligung der deutschen Flagge am Verkehr durch den Kanal von Jahr zu Jahr wachst, weift dieKöln. Ztg." in einem Berliner Telegramm darauf hin, daß diesem Umstande schon durch die vor einigen Jahren vollzogene Wahl des Präsidenten Plate in den Aufsichts­rat Rechnung getragen sei. Das Blatt erwähnt dann ferner, daß fast alle Aktien in englischem oder französischem Besitz sind und daß Deutschland als Inhaber von Aktien gar nicht in Betracht komme. Da es sich um eine .Privataktien­gesellschaft handle, würden die Stellen int Aufsichtsrat >: rtürlich unter dem Gesichtspunkt besetzt, daß diese Herren die Vertreter der hauptsächlichsten Attionärgruppen sind. Uebrigens haben, so schließt das Telegramm, die Wünsche der deutschen Schiffahrtsinteressenten am Suezkanal bei der .Verwaltung immer Entgegenkommen gesunden. Zu Klagen ist kein Anlaß gewesen, insbesondere haben Bevor­zugungen anderer Nationen nicht stattgefunden.

Paris, 25. Okt. Der Sonderberichterstatter desTemps" in Racconigi hatte eine Unterredung mit dem russischen Minister des Aeußern, Iswolski, welcher unter anderem erklärte: Die Bekräftigung der Gleichheit der Interessen Ruß­lands und Italiens entspricht der Wirklichkeit. Es gibt absolut keinen Grund zu einer Spannung zwischen den beiden Ländern. Sie haben im Gegenteil ein gemeinsames Inter­esse: Die Aufrechterhaltung des Friedens, die Erhal­tung des Statusquo im Orient und die Entwicklung der zwischen Italien und Rußland vollständig gleiche Anschauungen Autonomie der Balkanländer. Es bestehen in diesem Punkte und ihre gemeinsame Aktion kann niemandem Mißtrauen ein­flößen, da alle Mächte von dem Wunsche beseelt sind, den Frieden zu erhalten. Diejenigen deutschen Blätter, welche die Ansichten der deutt'chen Regierung wiederspiegeln, hätten über die EMente von Racconigi maßvolle Anschauungen aus­gedrückt, die auch der tatsächlichen Lage eMsprächen. Die Freund­schaft Italiens sei für Rußland um so wertvoller, als Italien durch sich selbst und durch seine Allianzen stark und mächtig sei. Aus die Frage, ob von Kreta die Rede gewesen sei, ant­wortete Iswolski: Man müsse den Statusquo möglichst lange aufrecht erhalten. Er hoffe, daß Griechenland nicht den Wahn­sinn begehe, seine Dynastie zu stürzen. Wir wollen, so wieder­holle Iswolski, die vollkommene Aufrechterhaltung des Status­quo begünsttgen und die Entwicklung der Balkanstaaten möglichst fördern. Niemand könne sich über eine solche Politik beun­ruhigen. Wir wollen an dem gegenwärtigen Zustand der Dinge in Europa nichts ändern. Die Presse der ganzen Well muß die russisch-italienische Annäherung sympathisch begrüßen, denn wegen der geographischen Lage und der polftischen Bande der beiden Staaten ist diese Annäherung ein Unterpfand des euro­päisch en Friedens.

Ajaccio, 25. Okt. (W. B.) Die französischen Panzer­kreuzerSt. Louis",Gaulois" undCharlemagne" sind nach Neapel abgedam i: ___

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Dienstag 26. Oktober 1909

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Erstes Blatt

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Jed.

Der Zarenbesuch in Aalien.

Racconigi, 25. Okt. Heute vormittag begaben sich die Monarchen mit Gefolge nach dem Berge Super ga, wo sie längere Zeit die dort gelegene Kirche unb_ die Grabdenkmäler des Hauses Savoyen besichtigten. Im Säulengange genossen sie die schöne Aussicht, die sich von hier aus bot. Um den Berg sammelte sich eine große Menschenmenge, die ihnen beim Ü-erlassen der Kirche stürmische Ovationen bereitete. Man rief: Es lebe der König! Es lebe der Kaiser! Tann traten die Mon­archen die Rückfahrt nach Racconigi an. Als sie den Ort San- tena passierten, machte der König den Kaiser darauf aufmerksam, daß hier .Cavour beerdigt sei. Der Kaiser verlieh dem

Deutsches Reich.

Graf Oriola, der Reichstagsabgeordnete für den Kreis Friedberg, hielt, wie uns berichtet wird, in Wöl­fersheim eine gut besuchte Versammlung ab, in der er ungefähr folgendes ausführte: Der Zweck dieser, Vor­träge, die er eben in seinem Wahlkreise hielt, sei der, seinen Wählern klar zu legen, daß er bei der Abstimmung über Erb­au fall- und Konsumsteuer genau nach seinen Grundsätzen gehandelt hat, genau nach dem Versprechen, das er seinen Wählern gegeben hat. Er wolle mit seinen Vorträgen keine Zwietracht säen, die bürgerlichen Parteien nicht auf­hetzen, sondern er wolle nur -eigen, wie sich die Dinge ent­wickelt haben, er wolle die bürgerlichen Parteien ermahnen, fest zusammenzuhalten im großen Kampf um die Gesell­schaftsordnung gegen die, die sie beseitigen wollen. Als er vor 17 Jahren in die nat.-lib. Partei eingetreten sei, sei dies auf dem Boden des Heidelberger Programms ge­schehen mit dem Grundsatz: Freiheit in wirtschaftlichen und auch in rein politischen Dingen. Unter dieser Voraus­setzung konnte er sowohl Vorsitzender des Bundes der Land­wirte für Hessen, als auch nat.-lib. Reichstagsabgeordnetcr sein. Er setzte dann die Gründe auseinander, die ihn be­wogen hätten, nicht für die Erbanfallsteuer zu stimmen. Er sei kein Freund von Schwankungen und bar um sei er aus der Fraktion ausgeschieden, zumal ihm auch noch nahe­gelegt worden sei, daß sich seine Stelle als nat.-lib. Rcichs- tagsabgeordneter mit der eines Vorsitzenden des Bundes der Landwirte nicht gut vereinbare.

Echzell, 24. Okt. Man schreibt uns von national- liberaler Sette aus Gießen: Heute fand hier eine von der nationalliberalen Partei veranstaltete öffentliche Versamm­lung statt, in der Rechtsanwalt Kaufmann, Gießen, über die Reichsfinanzreform sprach. Die von etwa 1-50 Personen besuchte Versammlung folgte aufmerksam Den Aus­führungen des Redners. Als einziger Diskussionsredner hatte sich R e a; t s a n w a l t v. H e t m o l t, Vorsitzender des Bundes der Landwirte für den Wahlkreis Friedberg-- hingen, eingefunden, TKe Zustimmung eines Teiles der Ler-

Schädlicher (Eifer.

Greßen, 26. Okt.

Wir haben nicht nur Syndikate auf wirtschaftlichWi Gebiete. Zahlreiche Karrees wafsenklir^lft>erGei,tes- ampfer bilden sich auch um manche einfachen Gebankeus- ithtungen. Richt immer mit Aussicht aus Gluck und Erfolg. Der Goethebund zum Beispiel hat, wiesich dieser Tage cigte, innerlich gründlich Schiffbruch erlitten. Dafür sollen icue Bataillone aus dem Boden gestampft werden und .ein gleich verlockendes Banner solk ihnen voranlei^ften. Was uns in Deutsck-land fehlt", sagt die Ztg- ' ,das ist ein großer und schlagfertiger Bund aller ^ilturellen 4nb Intellektuellen, der ständig auf Posten steht, gegen­über allen Angriffen der Klerisei." Demgemäß lobt das Blatt dasKartell frechettlicher Kulturvereine, das in Liefern Jahre in Magdeburg gegründet worden sei. Solche Abmachungen scheinen uns zu hinten und bei der Ueber- iraaulta in die Tat bösem Sturz ausgesetzt zu sein, selbst wenn manständig auf Posten steht". Gerade dann passiert rs nämlich oft, daß man in seinem Liebesbedursms einen freund umarmt, der es nicht ist, oder einen Feind nieder- itblägt, der gar -wicht gegen den heiligen Geist gesündigt hatte. Wir schrÄben dies nul)t wegen der Ferrer-Errcgung; die ist vorbei und wird schon in den nächsten Tagen völlig ver­gessen sein, aber etwas Neues ist im Anzuge, das in diesem Rahmen gleichfalls Interesse erregen muß.

Der Reichsverband gegen die Lwzialdemokratie erließ einen Aufruf zur Beendigung des ewigen Streites um die Reickisfinanzresorm, aus dem nur die Sozialdemokratie Nutzen gezogen habe. Dieser Ausruf ist sachlich zweifellos sehr berechtigt, denn die vielen Wahlergebnisse, die der Sozialdemokratie ein Triumph geworden sind, sprechen eine äu deutliche Sprache. Schon wird ja tvieder gemeldet, r im Großherzogtum Saa-sen-Weimar die Linkstiberalen und die Nationalliberalen bei den bevorstehenden Landtags- Wahlen ttotz des wuchtigen Vorgehens der Sozialdemokratie iiod) immer m Streit und Hader lägen. Worauf mir aber Hinweisen möchten, ist die Tatsache, daß eine Quelle der Verbitterung in unserem Parkett eben und die Keime un- riützer Zwietracht gerade in einer Schab lonisierun g unserer Geisteskämpfe liegen. Manche Leute vermögen in blindem Draufgehen vor lauter Pulverdampf das Ziel nicht mehr zu scheu. Die Hurrarufe zünden zwar, aber sie er­äugen auch Massenerregungen auf fanatischer Grundlage, und das ist nirgends gefährlicher als bei geistigen Kämpfen. Wir können auch Orgcmisattonen wie den Reichsver­band gegen die Sozialdemokratie und eine ge­wisse Scharsmachergruppe int evangelisch en Bunde von solcher Einseittgkeit nicht ganz freisprechen. Es ist weder sympathisch noch zweckdienlich, toenn in den Flugblättern und Korrespondenzen dieser Bereinigungen uach polemischem Stoff oft geradezu gesucht wird. Vor- vehmo Geistesbildung und polittsche Schulung wird durch einseitige Schematisierung nimmermehr erreicht, und wir haben die Früchte solchen Vorgehens in der letzten Zeit immer mehr als vergiftend und schädlich erkennen müssen. Ruhige Duldsamkeit unb objektive Würdigung des Gegners findet man in unserem jetzigen politischen Leben allzu selten. Die politischen Waffen sind dabei vielfach stumpf geworden, und die reizvolle Fechtkunst ist einem groben Draushauen gewichen. Wenn der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie die Schaben einer zunehmenden Verbitte­rung int bürgerlichen Lager erkannt hat, so sollte er auch davon ablassen, eine einseitige und schablonenmäßige Be­kämpfung der Eozialdemolratie auf seine Fahne zu schreiben. Fanatische Massenerregung sollte man Sache der antinatio- nalen Gegner sein la.sen. Will man politische Schulung im nationalen Lager verbreiten, ss soll man nicht Schein unb Sein vertauschen, vielmehr darauf verzichten, bedeu­tungslose Vorkommnisse in Anschwärzungen und Nieder­lagen des Gegners umzumünzen.

In einer heute nachmittag abgehaltenen Sitzung, zu der auch die Sozialdemokratie Vertreter entsandt hatte, wurde, wie das gleiche Blatt mitzuteften weiß, auch mit dieser über ein ab» ^schließendes Stichwahlabkommen ein Einverständnis herbei- geführt. Die Sozialdemokratie erwies sich bei diesem Ab- schluß entgegenkommend.

Nr. 251/ 4

Ter Gießener Anzeiger Ä 'Wf O monatlich 75 Pf^viettel-

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WSietzener An«MZ

General-Anzeiger für Gberhefien

Hi^bie Tagesnununer Eototionsörud uitö Pcdcg bet Vruhl'schen Univ.-Vuch- Mlb Sttinöruderd B. Tange. Redaktion, Expedition und Dniderei: §chn!stkaße 7. Anzeigenteil: H. Beck.

bis vormittags 9 Uhr. __

die Privatangeftellten hielt am 24. Oktober 1909 in Kassel unter der Leitung von Fischer-Offenbach einen Ver­tretertag ab. Der HauptauSschuß faßte einstimmig folgende Entschließungen:

Der Stebenerausschuß schlägt zum Punkt 8, Reichs- versichert»ngSordnung, folgende Beschlüße vor:

1. Der Hauptausfchuß für die staatliche Penslonsoersicherung der PrivataugesteUteil beauftragt feinen Stebenerausschuß, Sobald die Bundesrats-Vorlage einer Reichsoersicherungsordnung bekannt wird, diese an Hand der Leitsätze kriltfch zu beraten und für die nächfle Verlrelerverfanimlung des Hauptausschufjes eine Vorlage vorzubereiten. , ,, , . , . . .....

2. Ter Hauptausschiiß bedauert lebhait, baß die veröffentlichte Rerchsversicherunasordnung wiederum ausschließlich sich mit der Versorgung der Arbeiter besaßt, den Wümschen und In­teressen der Privatange st eilten aber u» keiner Weife Rechnung trägt. Die Angestellten haben daraw ge­rechnet, daß die einmütige Zustimmung zu den in der zweiten Denkschrift der Regierung begründeten Vorschlägen zu schleunigen gesetzgeberischen Schritten führen würde.

Tie im Hauplausschuß für staatliche Pensionsoersichenmg zu- aminenqeschlofsenen 48 Privatangestellten-Verelne richten daher un Namen der von ihnen vertretenen 700 00U Privatangeftellten an den Hohen Bundesrat die dringende Bftte, zugleich mit der Reichs- versicherungSorduung auch eine Gesetzesvorlage über die staatliche Pensions- und Hinterbllebenen-Versicherung aller Pttvatangestellten dein Reichstage zu unterbreiten.

' Der neue Siaatsfeftetär Des Reichsjuftizamtes.

Berlin, 25. Ott. Wie beiReichsonzetger" mitteilt, erteilte der Kaiser dem Staa.l.sserreiär bes Reichsjusnzamtes Dr. N i e b e r d i n g bie nachaesuchte Dienstentlassung zum 1. November 1909 unb verlieh demselben in besonberer Anerkennung ber von ihm geleisteten Dienste seine Büste in Marmor. Der Kaiser ernannte ferner den Präsidenten des königl'chen Kammergerickfts, Wirttichen Geheimen Ober- justtzrak Dr. Lisco unter Verleihung des Charakters als Wirtlicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz zum Staatsseiretär des Reichsjusttzamkes. .

Der zum (Staatssekretär des Refthsjustizamts ernannte Präsident des Kanintergerichts, Wirtl. Geh. Oberjustizrak Dr. Lisco, war, ehe er vor ungefähr drei Jahren an die Spitze des Kammergerichts kam, längere Zett un preußi­schen Justizministerium, zuletzt als Direttor tätig. Er ist der Sohn des bekannten Predigers an der Neuen Kirche, in Berlin Gustav Lisco. ,