Die heutige Nummer umfaßt 14 Setten.
Aus dem Orient.
folgend, rnhig für die Abwesenden mitgestimmt, und dann ist es recht wohl möglich, daß Clemenceau, wie so oft in letzter Zeit, sein Vertrauensvotum erhalten hätte. Aber nun lag jum erstenmal die Präsenzliste oor, und niemand
potttische wochenschatt.
Gießen, 24. Juli.
Kolitsfche Sagesschau.
Asquith über den deutichen Zulltarif.
In eurer Versammlung von Kaufleuten der City hielt der Premierminister Asquith eine Rede über das Budget, in der er u a. sagte: Er wisse nicht, was die FrLnde des Schutzzolles über ihre jetzigen Aussichten dachten; er weise aber darauf 6in, daß zwei große Länder, Englands größte Rivalen auf dem Gebiete des Handels, gegenwärtig einen Zolltarif auf Fabrikate erprobten. Ein vollentnnäelter, auf wissenschaftlicher Grundlage bearbeiteter Tarif sei zwei Jahre in Teutschland in Wirksamkeit gewesen. Deutschlands Defizit sei viel größer als das englische; es habe schon den Sturz emes der mächtigsten Staatsniänner Europas verursacht. Tie Deutschen sähen mir einem gewissen Aerger nach Mitteln aus, um die riesige, ttotz des wissenschaftlichen Tarifs bestehende Lücke auszufüllen. Asqutth sprach sodann über die Revision des amerikanischen Zolltarifs, den amerikanische Männer selbst als einen Triumph der Sonderinteressen über ine Interessen der Allgemeinheit ansehen, und sagte, er wolle nidyt geringschätzig, noch selbstgefällig über Schwierigkeiten der Nachbarländer sprechen, aber da der Generaltarif als Heilmittel für die fiskalischen Schwierigkeiten empfohlen worden sei, glaube er berechtigt zu sein, auf die Er- fahrungeu hinzuweisen, die Englands Naächarn mit ihrem Zol^ tarif gemacht haben. Dafür, daß England im Begriffe sei, sich zur Annahme des Zolltarifs zu bekennen, sehe er kein Anzeichen.
denn die Anwesenden hätten, alter Gewohnheit I Einladungen erganacn sind. An dem Tiner nahmen der Großvesier nhia für die Abwesenden mitacstimmt, und dann I ^md, das gesamte Ministerium, Schiftet Pascha, die Spitzen der
-ragsfähig sein werden.
Was übrigens für ein Ton in einer gewissen Zcntrums- Iprcäe herrscht, zeigt folgende Tatsache: Ein klerikales Älatt Westfalens widmet dem Fürsten Bülow eine .politische Grabschrift, die den nachstehenden Wortlaut hat:
„Hier ruht der einstige Kanzler des Blocks.
Um ihn trauert der Esel, das Schaf und der Ochs. Als Redner und Gaukler war er enorm.
Er stolperte über die Finanzreform."
Der Urheber dieser klerUalen Geistesblüte hat keine fcjften gescheut, um sie typographisch in möglichst Helles mt treten zu lassen: sie erscheint als Inschrift aus einem Grabsteine unter dem Zeichen des christlichen Kreuzes!
Am Zentrum und Bund dec Landwirte haben die Wähler des Reichstagswahlkreises Neustadt — iandau das Strafgericht bereits vollzogen. Ersteres verlor in der Nachwahl 17uO Stimmen, ein bet der Disziplin der jjentrmnswäl-ler unerhörter Vorgang, und wurde aus der Ltichwahl gedrängt. Der Bund, der noch wenige Tage vor der Wahl den Mund außerordentlich voll nahm und dem liberalen Kandidaten seine politische Haltung vor- schreiben wollte, fiel mit seinem selbständtgen Kandidaten -änzend hinein. Nur knapp über 2000 Wähler leisteten ihm Heeres folge. Der Verlust der liberalen stimmen rst äsfernniäßig nicht genau fesizustellen, da vor drei Jahren as nationatliberal-bündlerische Techtelmechtel in der Pfalz nodj in voller Blüte stand. Der Zuwachs, den die Sozialdemokratie als einzige Partei hatte, kam vorwiegend aus
Zentrums kreis en. .
Der Geioaliige von Worms, Frecherr von Heyl zu Herrnsheim, mackste in dieser Woche ebenfalls wieder mliebsam von sich reden. Er hatte seine Getreuen nach Uonnd entboten und hielt chnen dort eine konservative rteuerrede, die selbstverständlich mit einer „glänzenden" Lertrauenskundgebung für den agrarischen Politiker en- )lgte. Aber die Zusammensetzung der Versammlung scheint nicht ganz einwandfrei gewesen zu sein und alles, was iiitm darüber hört, sollte Herrn von Hehl veranlassen, ui einem eigenen Interesse das Mandat in die Hande der Wähler zuruck.ugeben. Jedenfalls hat er nach seinen rech 'nerischen Leistungen vom Sonntag jeden Anipruch daraus 'verloren, sich fernerhin nationalliberal zu nennen.
Frankreich hat wieder einmal eine Minislerkrisis. Cle- öienceau ließ sich das unvorsichtige Wort entfahren, Del- iusss habe die französische Politik zur Demütigung Don Algeciras gesteuert. Bedachte er nicht, daß er damit eine Uchmerzhafte Stelle gar vieler Volksvertreter berührte, und »aß diese sich dafür rächen würden? Aber im Grunde ist ülcmeneeau nichr einmal in diesem Rededuell mit Theophile iieieasjö gefallen, sondern er ist zufällig über ein Blättchen stapier gestolpert uno ausgeglitten. Dieses Blättchen Papier ist die Präsenzliste der Deputierten, oie am Dienstag zum ersten Male in der Kämmer auslag. 388 deputierte nahmen an der Abstimmung teil, und von diesen stimmtest 212 gegen ten Miuftterprä, identen. In voriger Woche noch wären, bei gleicher Beteiligung, wohl annähernd soviel St.n abgegeben worden, wie die Kammer Mitglleder zähl.
Geistlichkeit, zahlreiche Offiziere, Abgeordnete und Journalisten teil. Das Diner fand in dem ehemaligen Tipwmatenkiosk statt. Der Großvesier, die Präsidenten des Senates und der Kammer und andere Redner feierten die Einführung der Verfassung und mahnten die Bevölkerung zur Einig kett. Mit Anbruch der Dunkelheit wurden alle Stadtteile reich illuminiert, besonders die Ufer des Bosporus, der Jildizflügel und die Sultanspaläste. In den Straßen ivogtv eine zahlreiche Menschenmenge. Die Ordnung wurde nirgends gestört.
Die Antwort der Pforte auf die Note der Kreta- mä cht e besagt, daß sie von der Versicherung der Mächte über die Wahrung der Hoheitsrechte des Sultans, sowie der Rechte der Riuhamedaner Kenntnis nehme und spriast die Ueberzeugung aus, daß damit auch die Bürgerrechte der Rluhamedaner gemeint seien. Die Pforte erblickt die einzige Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Fixierung der Form der Autonomie für die Insel. Sie erklärt aber den heutigen Status quo für eine Verletzung des Sultans und des Völkecreästs. Die Einmischung eines dritten Staates in die Verwaltung der Insel könne nicht mehr geduldet werden. 9hir wenn die EinmisäMig aushöre, könne die Pforte in Verhandlungen über ein autonomes Regiment auf der Insel aus Grund ihrer Souveränitätsrechte Eintreten.
In einer Unterredung versicherte der griechische Gesandte dem Gvospvesir, die neue griecb^che Regierung loerde bestrebt sein, gute Beziehungen zur Türkei zu unterhalten und alles zu vermeiden, was zu Mißverständnissen führen konnte.
wagte es, für den fernen Freund „par procuration" zu stimmen, weil dessen 9 tarne ja auf der Lifte fehlte. Eine kleine parlamentarische Neuerung hat den erfahrenen Par- lainentarier zu Fall gebrackst. Voraussichtlich wird Briand sein Nachfolger. Die sonst zu erwartenden, nicht sehr wesentlichen Aenderungen in der Zusammensetzung des neuen Kabinetts dürften an dessen politischer Haltung nichts ändern.
Zwischen Griechenland und der Türkei waren in den letzten Wochen die Beziehungen nicht die allerbesten. Der Anlaß war in erster Linie die Kcetafcage, die noch immer der Lösung harrt. Die Türkei will chre Souveränität nicht aufgeben, die Kretenser dagegen haben mehr Sympathien für Griechenland, während die Schutzmächte gern Vermittlungsvorschläge machen möchten. Der neuernannte griechische Ministerpräsident R ha l lis hat den Wunsch, mit Der Türkei bessere Beziehungen zu unterhalten. Wie die türkische Regierung, bei der gleichfalls ein Kabinettswechsel droht, sich zu dem Annäherungsversuch verhält, bleibt abzuwarten. Zu wünschen wäre allerdings, daß die Kreta- Frage endlich einmal definitiv gelöst werden würde.
In Persien ist es so gekommen, wie voranszusehen war. Der Saßch hat nach und nach seine Anhänger verloren und schließlich keinen anderen Ausweg mehr gewußt, als dem Thron zu entsagen. Zunächst flüchtete er in die russische Gesandtschaft, wo er sich auch jetzt noch aufhält, um später nach Rußland abgeschoben zu werden. Dann hat er in aller Form zugunsten seines Sohnes abgedankt, der als Sultan O h m e d Mirza am Dienstag unter großem Jubel der Bevölkerung in die Stadt Teheran eingezogen und im dortigen Palais Wohnung genommen hat. An der Spitze der Regierung stehen Die Führer Der Nationalisten und Bachtiaren, die Die Hauptgegner des bisherigen Schahs gewesen sind. Unter dem neuen Regime soll Die Verfassung gewahrt werden und das Parlament recht bald zu ersprießlicher Tätigkeit zufammentreten. Rußland hat ausdrücklich erklärt, daß es sich in die inneren Angelegenheiten Persiens nicht mischen werde, wenn die neue Regierung in der Lage wäre, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Es wäre allerdings zu wünschen, daß es bald zu geregelten Zuständen tarne.
Mnlay Haftds gewaluger Zorn über die Unfreuiid- lichkeiten der Riftabylen gegen die Spanier hat den streitbaren Marokkanerstamm ebenso wenig in Schrecken versetzt wie seine Drohung, sie durch eine Mahalla zur Vernunft bringen zu lassen. Mit all iljrem Fatalismus haben sich die braunen Svyne Nordmarokkos neuerdings den spanischen Feuerschlünden entgegengeworfen, und wenn sie auch diesen Wahnwitz mit schweren Opfern bezahlen mußten, so beweist dies nur, daß sie durchaus nicht daran denken, sich so bald unter das „fremde Joch" zu beugen. In Spanien selbst hat man für die blutige Arbell, die Da unten noch zu bewältigen ist, nur wenig Sympathie, ja, man versucht sogar, die Truppentransporte gewaltsam zu verhindern. So Dars es nicht Wunoer nehmen, wenn schließlich auch in Aiaroklo Die Schießerei bei Melilla lästig empfunden wird und die Kabylen, wenn auch zunächst nur moralisch, Unterstützung bei den Bcuderstcimmen finden. Tann wird sich Mulay Hafids Zorn rasch legen müssen, sonst könnte seine für die Rifleute bestimmte Mahalla nicht einmal den eigenen Thron schützen, Der durchaus nicht so fest steht, als in diesen Tagen mit geradezu verdächtigem Eifer versichert wurde. ______________________________
Anläßlich des Jahrestages der Einfüh rung^ der Verfassung ist Die Stadt seitlich geschmückt. Der est- paradc. Die auf den Freiheits Hügeln von Schischli stattsauü, wo sich Die Grabstätten der bei dem letzten Aufstand gefallenen Soldaten befinden, wohnten außer dem Sultan und dem Thronfolger, alle anderen Prinzen des Kaiserlxruses, der Khedive und Frhr v d Go In, dieser in deutscher Uniform, bet. Auch 72 bulgarische Ossizi.re waren bei der Truppen<a>au anwesend. r5ur das diplomatische .üorps und die anderen Geladenen waren <>ette aufgess-lagen. Tie Teilnayme seitens der Bevölkerung ivar außerordentlich groß. Das militärische Schauspiel verlies ohne Zwischen- sall Tie Truppen wurden von Der Bevölkerung lcbhast attla- micrt Der Sutton bekundete seine Zusriedenyeil mü der Haltung mu) dem Aussehen der Truppen. Bon dec Parade begab sich der Sultan zum Selamlik. Abends gibt der Sultan em ttiner umzettel! mi Palais Dolinaöagisa,e. Tas pung türkische Komitee str, näm | veranstaltete ein. Diner im Jrldisttosk, zu dem mehrere hunb«N
Ans Stadt nnd Lakrd.
Gießen, 24. Juli 1909.
** Tageskalender. Kolosseum: Täglich Vorstellung. Ki n e matograph ent Heater: Täglich Vorstellung. Konzert im Hotel Schütz, Sonntag abend 8 Uhr.
Bunter Abend des Ensembles Weiß-Möller im Einhorn, Sonntag abend 8yr Uhr.
S o m m e r f e st des Turnvereins, Sonnlag nachmittag 4 Uhr im Philosophenwald.
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*• Vom Hofe. Die Groß herzoglichen Herrschaften sind, n. d. „Da cm st. Ztg/, wohlbehalten in Schloß Hemmelmark eingetrofscn.
*• Die neue hessische Staatsanleihe im Betrag von 23 Millionen Mark wird zu gleichen Teilen in 3*/,- und 4prozentigen Schuldverschreibungen ausgegeben. Die Anleihe dient für Eisenbahnzwecke und zwar sollen außer dem Restbetrag der schon im vorjährigen Staatshaushalt bewilligten Aufwendungen davon folgende im laufenden Budget stehenden außerordentlichen Aufwendungen gedeckt werden: Zur Herstellung einer vollspurigen Nebenbahn Alsfeld—Landesgrenze (Nieder-Aula) mit Abzweigung nach Schlitz 8118 000 Mark, Staatszuschüsse zu den Baukosten der Nebenbahn Griedel—Bad-Nauheim 261 000 Mk. und Butzbach—Landes- grcnze -(Ebersgöns) 150 000 Mk., außerordentliche Ausgaben zur Verbesserung usw. der Staatsciscnbahnen 9 707 590 Mk.
** Schulpflicht von Bayern in Hessen. Nach dem Erlaß der obersten Schulvorstände vom 31. Juli 1901 sind die Kinder von bayerischen Staatsangehörigen, die sich innerhalb des Großherzogtums aufhalten, fortan wie Inländer zuin Besuche Der Volksschule und der obligatorischen Fortbildungsschule heranzuziehen. Dieser Erlaß wird nun durch Großh. Ministerium des Jnnem, Mtei- lung für Schulangelegenheiten, genauer dahin erläutert, daß nach He^en verzogene bayerische Kinder hier zum Besuche der' Volksschute nicht mehr herangezogen werden sollen, wenn sie in ihrem Hcimatlande nach vollendeter Voltsschulpslicht ordnungsmäßig aus der Schule entlassen worden sind. Solche SUiiocr dagegen, die vor vollendeter Bolksschulpflicht aus Bayern nach Hessen übersiedeln, sind wie hessische Kinder noch schulpflichtig und haben einer achtjährigen Bolisschulpflicht zu genügen. Knaben, Die in Bayern ihrer Voltsschutpfücht genügt haben, sind in Hessen drei Jahre zuc' ^ortbiloungsschule heranzuziehen.
♦* Private Versicherungsunternehmungen. Tie Zentralstelle für Die Landesstatistik gibt zum erstenmal eine Ueberficht über die privaten Versichcrungs- unternehmungen, deren Geschäftsbetrieb auf das Grog- Herzogtum beschränkt ist. Sie setzen sich folgendermaßc.r zusammen: 13 Krankenkassen, 7 Penftonskassen, oO Kranken- und Sterbekapsen und 32 Skerbeiassen, außerdem 313 Vieh- versicherungsuniernehmungen. Tie Kranken- nnd Sterbe- kasjen hatten Ende 1906 einen Bestand von 31 069 Mitgliedern mit 498 000 Mark Einnahme, 375 000 Mark Ausgabe und 21/2 Mill. Mark Vermögen. Die Viehverjiche- rungsunternehmungen hakten eine Ausgabe von 715 000 Mark, davon 535 000 Marl für Ekttschaoigungen.
** Die Anlage musik fällt morgen au5.
*• Stadttheater. Als letzte der Abonnementsvorstellungen gelangt am nächsten Dienstag SuppeS reizende Operette /-boccacio" zur Aufsührung. Es dürfte interessieren, daß neben Frl. Großkopf, die die Titelrolle gibt, in der zweiten großen Partie als .Fiarnetta' das beliebte Frl. Grete Brill auftreten wird. Auch die übrigen ersten Kräfte, die Herren Hclsing, Hildebrandt, Schwindt u. a. m. sind in dem Stuck beschäftigt, das zweifellos eine große Anziehungskraft ausüben dürfte. Auf vielscitigen Wunsch wild nach /-Boccaccio" noch eine Ausführung oon „Walzerlraum" liattfinben, die außer Abonnement gegeben wird.
•• Das Sommerfest des Turnoereins am morgigen Nachmittag im Philosopheilwald wird sich, günstiges Wetlcr vorausgesetzt, zu einem richtigen Volksfest gestalten. Das äußerst reichhaltige Programm, in dessen Mutelpunkl das Turnen steht, verdient vollauf einen Besuch, zumal bie Eintrittspreise recht niebrig angesetzt sind, um eine allgemeine Beteiligung ber Bürgerschaft zu ermöglichen. Während der Abwickelung be§ sehr abwechslungsreich gestalteten turnerischen
allen Parteien und auch im Ausland gleichmäßig freund- lich, aber zurückhallend ist. Besonders aufgefallen ist die Sä/ärfe, mit der konservative Blätter vom neuen Kanzler ein Einschreiten gegen die Bekämpfung der agrarischen Sieuerpolikik durch amtliche, Lnsbesondere Kreisblätter, verlangen. Däm siebt, den Herren kommt der Appetll mit dem iilsen und nach ihrem Siege bei der Füufhundertmlllionen- beldl'tung des deutschen Boltes möchten sie ihre Vorherrschaft Sun Reiche auch noch durch die Arntsblätter der Regierung aeioährleistet l-aben. Nötig hätten die konservative Partei und der Bund der Landwirte eine solche Stütze in den nächsten Jahren allerdüigs noch mehr wie seither, denn der Unwille des Bolles über die agrorisch-klerikal-polnische Mrbrüdecuug und chre egoistische Steuermacherei wächst immer mehr, trotzdem die neuen Steuern noch nicht einmal in Kraft getreten sind.
Ein großer Teil davon tritt am L August in Kraft und s hon werfen sie ihre Schatten voraus. Die Gastwirte, auf die jon den Brauereien die Erhöhung der Biersteuer abge- chLlzt wird, kündigen vielerorts eine Bierverteuerung von lj bis 10 Psg. das Liter an. Die Zigarrenfabrikanten und .:^anbler verkünden eine Erhöhung der Tabak- und Zigarren- - preise bis 20 Prozent unö ebenso verhält es sich mit den l übrigen Gebrauchsgegenständen, die von den neuen Stenern «betroffen werden. Findhölzer, die besonders stark in Mit- Ikibenjdjaft gezogen werden, sind entweder gar nicht, oder aber nur noch zu erhöhten Preisen zu haben, noch bevor f bie Steuer in Kraft getreten ist. Es wird, wie vorauszu- lähen war, wieder einmal eine allgemeine Teuerung geben, ' oie dazu führen dürfte, daß der Konsum beträchtlich zu- .ückgeht. Die Folge hiervon ist, daß die neuen Steuern Mnuc einen Teil des Betrages ergeben werden, Den die ver- M^indeten Diegietuugen veziehungsweise Die Parteien des WieichStages, Die solche Borschläge gemacht haben, sich aus- Mcchneten. lieber kurz oder lang ist daher abermals mit pnuicii Steuern zu rechnen, well der sich ergebende Fehlbetrag natürlich gedeckt werden muß. Für die kommende . tejjion ist allerdings diese Befürchtung ausgeschlossen, denn die Regierungen werden der Ansicht sein, daß die neuen tteuerii erst späterhin, etwa nach einem Jahre, voll ,er-
Der Kanzlerwechfel und die damit im Zusammenhang stehenden Veränderungen in anderen hohen Reichsund preußischen Staatsänttern beschäftigt die Oeffentlichkeit f r_od) immer in hohem Maße, wobei naturgemäß sehr viele Mraussetzungen und Mutmaßungen unterlaufen, deren Richtigkeit erft die Zukunft erweisen muß. Im allgemeinen fann man sagen, daß die Aufnahme der neuen Männer bei
Erstes Blatt
159. Jahrgang
Samstag 24. Juli 1909
Vezug4pretr.
monatlich75Ps.,viettel-
y*. a sührtich Mk. 2.20; durch
‘A -X Abhole- u. Zweigstellen ' 5 v monatlich 65 Pf.; durch öÄ H t .> diePost Mk.2.—vierlel-
O jährll auäschl. Bestellg.
VZeilenpreis: lokal 15Pf^ ' ' auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich
für den politischen Teil:
-fc 44 E. Anderson; f. Feuille-
f Bfl ton und »Vermischtes-
ö ZI. Neurath; für »Stadl
u. Land" und »Gerichto-
us S“ Hotafions6ni4 «nd Verlag der vrMschen Univ.-Vuch' und SteindruSeret R. lange. Redaktion, Expedition nnd Druckerei: Schulstraße 7.
Nr. 171
Ter Siehener »njeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal roöcbentlicf) lSiehenerZamilienblätter; .ipeirnal roöd)eiitLKreU« ölattsürdenllreirSiehen 1 Lienstag und Freilagll ;iveimal moiidtl. Land» .ilrtschastlicheSeitfrageu 7 ernfprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen;
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