Ausgabe 
17.12.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes

Blatt

159. Jahrgang

Freitag 17. Dezember 1909

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Es Cherredakteur: A Goetz.

K 3r Verantwortlich für den

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Redattion. Srpeditton und D ruderet: Schulstratze 7. ^ieiqenied-äi>ül^S

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biö oorndtm^b'uh? Rotattonsbrnd tmb Verlag der Vrühl'schen Univ.-vuch- und Steiuöruderet R. Lange.

Nr. 296

Ter »ietzener Snjrfptf erlcheint täglich, autjet eonniagl - Beilagen:

Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten.

Vie hessische Finanzlage.

R.B. Darmstadt, 16. Dez.

Im Finanzrrusschuß der Zlveiter Kammer fand heute vormittag eine eingehende vertrauliche Erörterung über die <nigenbliatid)e finanzpolitische Lage im Groftherzogtum statt. Zuerst wurde über die weitere geschäftliche Behand­lung des Gesetzentwurfs, betr. die Kommunal st cuer- r e f o r m beraten. Angesichts der bisherigen Ergebnisse der Probeveranlagungcn kam man zu der Auffassung, daß große Vorsicht geboten sei, weil insbesondere bei der Gewerbe st euer sich in einzelnen Fällen ganz nam­hafte Entlastungen des großen Gewerbebetriebs heraus­gestellt hatten; dies könne, so wurde ausgeführt, doch keineswegs die Absicht des Gesetzes sein, das vielmehr die wrrlscl-astlich Schwachen bei der Steuerveranlagung schützen solle. Die Regierung soll deshalb aufgeforoert werden, noch einige neue Probeveranlagungen aus Offenbach und Worms auszuarbeiten und dem Aussck/uß vorzulegen, um ein möglichst klares Bild über die Wirkung des neuen Gesetz­entwurfs auf die Steuerzahler zu gewinnen. Die Weiter­beratung der Gemeindesteuerreform soll bis zur Durch­beratung des neuen Voranschlags für 1910 zurürkgestellt kverden.

Alsdann trat der Ausschuß in eine allgemeine Be­sprechung über den neuen Etat und die barm verlangte 30 prozenttge Erhöhung der 'Staatseinkommensteuer und Die starke Erhöhung der «Vermögenssteuer ein. Von allen Rednern wurde betont, daß angesichts der ganzen un­günstigen wirtschaftlichen Lage eine so enorme ©teuer- erhöhung unmöglich durchgeführt werden könne; namentlich wurde auch die von der Regierung vorgeschlagene starke Schuldttlgung besprochen. Ta es sich zunächst nur um eine informatorische Aussprache unter den Ausschußmit­gliedern handelte, so wurden irgendivelche Beschlüsse nicht gefaßt, sondern in Aussicht genommen, zunächst am kommenden Dienstag mit der Regierung eine gemein­same Verhandlung über die hauptsächlichsten Gesichtspunkte für die kommende Etatsberatung abzuhalten.___________

Das lmksliberale Einigungsprogramm

Dem jetzt veröffentlichten Entwurf eines Programms der imtigung der drei linksstehenden liberalen Gruppen entnehmen mir:

Die Partei tritt ein für Schutz und Stärkung des Reiches und die Aufrechterhaltung seiner bundesstaatlichen Grundlage. Die Dartei forbert die Gleichberechtigung, Mitwirkung aller Staats­bürger in Gesetzgebung, Verwaltung mtb Rechtsprechung zur För­derung des politischen und sozialen Fortschrittes. Aus dieser Grund- fage erhält das Parteiprogramm eine Anzahl ausführlicher For- berungen unter deren Schlagworte folgende sind: Volle Gleich­berechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetz, in der Recht- ßvrechung und in der Verwaltung, Allgemeine Gleichberechtigung imb geheimes Wahlrecht für die Volksvertretungen der Einzel- ßlaaten, Reform bto Kommunalwahlrechts unter Beseitigung der Klassenwahlen und der öffenrtid)en Stimmenabgabe, Gesetzliche Einteilung der Wahlkreise des Reichs, Verantwortliches kolle­giales Reichsministerium, Bolle Gewissens- und Religionsfreiheit, Freiheit der Wissenschaft, der Erforschung, der Lehre, Gleichbertth- tigung aller Religionsbefenntnifse und Religumsgesellsckwften, De- jeitigung der vom Staat den .förd/en gewährten Vorrechte, Heine cnnmischung der ihrebc in staatliclw Angelegenheiten, Unabhangigkint »es Reichs von der Kirche, Beseitigung der geiüluhen Schul- -ufsicht, Allgemeine Volksschulen ohne konfessionelle Trennung, Gesetzliche Regelung des Vol ks sch ul wesens , Unentgeltlrch- leit des Volksschulunterrichts, Ausgestaltung der A rmec zu einem 'virNichen Volkshecre unter Beseitigung icber Begünstigung eur- lelner Klassen, Beschränkung der Militärgerichtsbarkeit militärischer Sergehbn, Unpart mische gleichmäßige Re ch tf p re ch un g , -Ltraf- »ersolgung und Strafvollstreckung, Schwurgerichte für volitiiche

und Preßvergehen, Schrittweises Lerabsetzen der Lebcns- mittcl - wie der Jndustriezölle, Progressive Besteuerung von Vermögen und Erbschasten, Beseitigung aller Stcuerprivilegien, im besonderen von Gesetz und Verwaltung, Anerkennung der rechtlichen Stellung der Berufsvereine durch Reichsgesetz, Aus­bau des Arbeiterausschusses vor allem zugunsten der Frauen und >ttnder, sowie für die Hausindustrie, Rechtsgleichheit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Aufrechterhaltung der Gteroerbo freiheit, Stärkung der Produktionskraft der Landwirtschaft, vor allem durch Vermehrung des Neineren und mittleren Besitzes, durch Beseitigung der Familien-Fid<'itommissc und durch Ein­schränkung des Besitzes der toten Hand, sowie durch innere Ko­lonisation und Melioration, Erweiterung der Rechte der Fran, Heranziehung der Frau zur Kommunalverwaltung, Förderung der Bewegung auf Annäherung der Völker zur gemeinsamen Kulturarbeit, und zwar gleichmäßige Erleichterung der Rüstun­gen, Ausbau des Völkerrechtes und der internationalen Schieds­gerichte.

Als Sitz der Parteileitung soll dem Statutenentwurf zusolge Berlin gewählt werden.

Die ©bffrnttion im österreichischen Abgeordnetenhaus.

Das Wiener AbgeorbnetenhauL gibt weiterhin ein Bllb unerhörten Treibens:

Wien, 16. Dez. In ber heuttgen Sitzung bes Abgeorb- netenl)auses brachte Kr e k namens bes Slovenenklubs einen von ben tschechischen Agrariern rmtunterschriebenen Tring- lichkeitsantrag auf Abänderung berGeschaftsorb- n u n g ein. Die Slavisä)e Union setzte ein Komitee ein zur textlichen Umarbeitung bes Antrages, bem vor allen übrigen Anträgen ber Vorrang ein geräumt to.rbcn soll Der Sozial­demokratische Verbano steht bem Gesamten burch eine teil­weise, vielleicht zeitweise Abgrenzung ber Geschäftsordnung lebe Obstruktion unmöglich zu machen, sympathisch gegen­über.

Die Rebe bes Abgeorbneten S p a c e k zur Begrünbung bes Antrags betreffenb bie Pferbezucht bauerte bis 12 Uhr mittags, nachbem bann Resel und Streun bie Obftruk- tion verurteilt hatten, erhiett Lisy um 1 Uhr 30 Min. bas Schlußwort. Währenb ber Rede Lisys ertönten gegen 6 Uhr abenbs von ber zweiten Galerie lebhafte Entrüst­ungsrufe gegen bie Obstruktion. Die Galerie, Die stark besucht war, würbe hierauf geräumt Auch im Saale kam es aus biefern Anlaß zu erregten Ausein- anbersetzungen zwischen ben deutschen und tschechischen Abgeordneten. Nach ber Räumung ber Galerie setzte Lisy seine Rebe fort.

Wien, 16. Dez. (9 Uhr abenbs'). Um 81/2 Uhr beenbete Lisy feine Rebe, welche ach t Stunben gebauert hatte, worauf bie Dringlichkeit bes zur Verhandlung gestandenen Antrages abgeleynt wurde. Die erste Galerie, welche nach Ähluß ber Ausführungen bes Reoners Entrüstungsrufe gegen Die Obstrukttonisten laut werben ließ, mußte ge­räumt werben. Das Haus trat fobann in bie Verhand­lung des nächsten tsc^echifch-agrarischen Dringlichkeits^An- trages ein.

Wien, 16. Dez. (103/< Uhr abends). Während ber Rede Pab Ours ertönten von ber zweiten Galerie Rufe: Abzug! Drotwucherer! Die Demonsttatton artete in eine unbeschreibliche Lärmszene aus, man pfiff unb trampelte, bis bie Galerie um 91/2 Uhr abenbs abermals geräumt würbe, wobei bie Galeriebesucher ein Arbeiterlieb jungen unb anhaltenbe stürmische Pfuirufe ausstteßen. Nach einer Viertelstunbe Unterbrechung fuhr Pad Our in seiner Rede fort

Wien, 16. Dez. (2 Uhr 15 Min. morgens). Um 1 Uhr 5 Minuten beenbete ber Abgeorbnete Pad Our feine fast 5i/rstünbige Rebe unter dem Beifall seiner Parteigenossen, hierauf wurde bie Aussprache geschlossen, unb da bie beiben Generalrebner Schiffer unb Mittas auf bas Wort verzich­

teten, erhielt Der tschechische Agrarier Hirich das Schluß­wort. Um 2 Uhr bauerte bie Sitzung noch fort

Wien, 16. Dez Eine Volksversammlung ber beutsch-freil-eitlichen Parteien sprach einljeüig ihre Ent­rüstung' über bie Obstruktion ber slawischen Union aus unb erklärte auf bas Entschiebenstc, ihre ganze Kraft aufzubieten, um dieses, ben Staat, bie Verfassung unb bas allgemeine Volkswohl zerstörende Treiben zu b^kämpsen. Tie Veisamnrlung gab ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß unter Den gegebenen Verhältni.sen jedes Entgegenkom­men gegenüber der slawischen Union ausgeschlossen sein müsse. ____________________________________________________

Die hessische Landesausstellung für freie und angewandte Kunft 1908.

An die Zweite Kammer der Stände des GrobherzogtmnS ist eine Vorlage ber Regierung gelangt, in ber es heißt:

Tie Stände des Grobherzogtums hatten im Jahre 1905 durch übereinstimmenden Dejchlub einen staatlichen Zuschuß von 60000 Mark zur Landesausstellung für fnne und an­gewandte Kunst bewilligt, unter ber Bedingung jedoch, daß der sich etwa ergebende Uebcrschuß dieses Unternehmens in dem Ver­hältnis zurückerstattet werde, in welchem der staatliche Zuschuß zu sonstigen Zuschüssen stehe. Um nicht die Rechnung desp-nigen Jahres, in welchem die Ausstellung stattfinden sollte, der hohen Ausgabe von 60 000 Mark zu belasten, wurde der Vor- [d)(ag der Großherzoglichen Regierung angenommen, je 10 000 Mark in sechs aufeinanderfolgenden Jahren 19051910 in Auf­gabe zu stellen. Die Großherzogliche Regierung wurde inbeifat ermächtigt, die bewilligte Summe in vollem Umfange ber Ga- schästsleitung zu überweisen, was auch geschehen ist.

Der vorläufig rechnerische Abschluß ber Landesausstellung hat einen Ueberschuß von etwa 60 000 Mark ergeben, der auf der Bank für Handel und Industrie zu Darmstadt verzinslich an-

Damit wäre ber Fall eingetreten, daß ber Staatszuschuß im Verhältnis zu ben übrigen Zuschüssen zurückgeforbert werden kann.

Dem Staatszuschuß von 60 000 Mark stehen Stiftungen teils in barem Geld, teils in anderer Form gegenüber in Höhe von 97 395 Mark. Tiefe find seinerzeit zwar bedingungslos dem Unternehmen überwiesen worden, in der still!chwcigenden Voraus­setzung jedoch, daß kein Stifter seinen Beitrag zurückzusordern berechtigt fei. Als später der Vorbehalt bekannt wurde, der von der Großherzoglichen Regierung an den Staatsbeitrag ge­knüpft worden war, erhoben sich Stimmen aus dem Kreise ber Stifter, bie in gleicher Weise wie bcr Staat bei einem etwaigen Ueberschuß im Verhältnis zu bem gebrachten Opfer berücksichtigt zu werden wünschten. Würde man nun die bedingungslos bin- gegebenen Stiftungen mit ber bedingten bes Staates auf gleiche Stufe stellen unb den Ueberschuß verhältnismäßig aufteikn, so hätten zu beanspruchen:

Seine Königliche Hoheit der Großherzog 19 060,3o Mark,

der Staat 22 872.45

die Stadt Darmstadt 7 624,10 ,

25 verschiedene Stifter 10 443,10

Die zu verteilende Summe würde in viel Heinere und ganz kleine Betrage zerfallen, die einzeln genommen, den Beteiligten kaum etwas bedeuten, als Ganzes aber ein Kapftal darstellen, das wohl geeignet erscheint, damit fördernd auf gewerbliche Ge­biete einzugrei'fen. Angesichts dieses Umstandes und der roeiteren Tatsache, daß die Einnahmen der Landesausstellung, und zwar auch soweit die Eintrittsgelder in Bettackst kommen, im wesentlichen aus den Kreisen der Gewerbetreibenden des Landes herrühren, dürste es nicht unbillig sein, den Ueberschuß für gewerb­liche Zwecke zusammenzuhalten. Turch einen aus dem Ueberschuß etwa zu bildenden, zur Versugung des Ministeriums des Innern stehenden F-vnds würde einem Mangel abgeholfen, der schon seit langer Zeit dringend empfunden wird. Bei der Verwendung des F-onds wird daran festgehalten werden, daß min­destens die Hälfte des Kapitals als solches nicht angegriffen werden darf, vielmehr für ähnliche Zwecke, wie die Landesaus­stellung sie verfolgte, erhalten bleibt.

Tie Grvßherzogliche Bürgermeisterei Darmstadt hat namens ber Stadtverwaltung und als beteiligter Unternehmer inzwischen ihr Einverständnis damit ausgesprochen, daß ein Foiids für ge­werbliche Zwecke aus dem verbliebenen Ueberfchusse gebildet werde

Srantfurt auf dem Wege jur Universitätsstadt

Aus Frankfurt a. M. fefceibt uns unser G. 3,-Mst- «rbeiter: Wie ber Draht bereits ^rkündet hat, find bie >ei Wen in der Stille betriebenen Dorm:^ei^die den Ausbau Ler FrankfurterAkademie für >ozucke und ^ndelswisfenictzotten in Universität zum Ziele haben nunmehr aus dem üunfte an gelangt, daß die Berwirkl ick un g . de S V ro . Zeltes praktisch in Angriff geiwmmen werden ru-

rächst an den Ausbau von drei st/r kul taten, der iuri.tifch«l, Ser philvsophiscb naturwisfenschaftlichen und der mebtimi)bcr» ^gegangen wird. Dieäußere Möglichkeit M dwer b^deutungs- »ften Umwandlung ist gegeben.durcb eine?^e M'lftonenerbfchait, Sie der Akademie aus dem Riefennachlaß der kürzlich ^chherzigen Mäzenatin F-rcuc

Tank dieser Mittel wird sich die Errichtung ber noch bisher Menden Lehrstühle, die zur Eraanzung der bereits soweit ai§gebauten Fakultäten nötig fmd, ^möglichen lasfm. Warans rrgtbt sich also, daß die Fundamente zu einer unwerfttaren An­walt im Umfange jener drei Fakultäten bereits lan£t gelegt -Varen. So wie sie allmählich gttvord^t ^r, ^lltt ^dw Fra niTterAkademie für soziale und S<mdcl-,nn>,enichasten «un mer^ würdiges und in Deutschland kinzlg m snner Jrt dostehev^cs -Gebilde bar. Sie löttr weit mehr als eine Han^. shochfchule vom Typ der bestehenden Hanbelshochfchuleii. .Z^D^ungsplan mw alte vor allein außer ben Haiidelswilfenichalttn das ganze ^ße Gebiet der wziaten Wissenschaften ".d ber ^EalokonEve Zu ihren Besuchern zählte sie autzer .v-ultenten Beamtt

2er Verwaltung, Juristen, Natu)nalotz)m>m--i, ^>Mülarbwmle, Sozialpolitiker. Allmählich gliederte «ich dann an,bie e ^derme, infolge einer Millionrnstiftung der Gebrüder zweiter Hochschule an, die Lehrstühle fttt GesckmAe, Tnb Philosophie erhielt. Tie ^raturnnstemctztten und!)u\ °3prachen waren bereits durch besondere Lehrstuhle, Jnftitute und «Seminarien im Lehrplan der Handelshockichule verrieten, und an Sie Gruppesoziale Wissenschaften" hatten ^wnaloLw» Nische und juristische Vorlesungen von völlig nnivenitarem iSe- präge wngesckstossen. Es mären also eure mathematl,ch.naürr- -dissenschastlichc, eine philosophische und eine lurifwch-natwnal-- jEonoirtifdje Fakultät in nuce in ber Akademie bereits öotynuxiL Infolge dessen war die Akademie schon seit langemniap^ mt9T nne reine Fortbildungs akabemie, bst w i#Kn iW» äckL-chsttm firfsixjj 3?Msner des prakristhen Lebens, Mruwer

in Amt unb Würben (tetfv. auch btn. Damen) zählte, sondern sie hatte bereits llniversftälscharakter unb mrmatrikuliertr junge Leute in ben Studienjahren, denen bann auch für manche Tis-- ziplftren (neuen Sprachen) zwei Semester an ber Akademie aus ihre obligatorische Universitätszeit staatlich an gerechnet wurden. Weitere Bei-eckstigungen standen für die Akademie freilich noch aus. Sie hatte z. B. nicht das akademische Prvmotionsrechl und sie verlieh nicht durch ein Abschlußexamen Anwartschaft auf die Zu­lassung zu den höheren Berusen,

Di« dritte, die mebizinifche Fakultät zu besitzen, würde mm ber neuen Universität ebenfalls verhältnismäßig leicht ermöglicht werben. Tank der weisen Voraussicht unseres Oberbürgermeisders ist bei dem Neubau des städtischen Krankenhauses, der vor einigen Jahren beschlossen wurde, auf eine vollständig akademische Orga­nisation des großen Komplexes von Krankenabteilungen Bedacht genommen nwrben, und im Laufe der letzten Jahre ist draußen in Sachsenhausen em großartiges medizinisches Viertel entstanden, eine Komikenhausanlage, deren einzelne Abteilungen nicht mehr wie sonstStativnen", sondern gan» universitätsmäßigKli­niken" heißen, und die für jedes meoizmische Spezialgebiet innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Kinderheilkunde, Der­matologie, Lhrew, Augen-, Nasen-, Zahn-Heilkunde eigene, völlig mDöern cingmdjtete Jnstrinie mit eigner fachmännischer Direktion besitzt. Auch eine Anatomie, ein hygienisches und ein bakteriologisches Institut modernsten Zuschnittes sind auf dem­selben Raum vereinigt. Unb in allen diesen Instituten sind zugleich auch Räume für den akademischen Unterricht und Labo­ratorien vorgesehen. Also, wie man zu sagen pflegt: Es ist alles da!

Zum Ausbau ber bestehenden akademischen Institute Frank­furts find also zwar wohl noch nicht ganz unbeträchtliche Mittel erforderlich, aber die Hauptarbeft nach dieser Richtung ist getan, und so konnte denn auch zugleich mit der ersten Nachricht von Den geplanten Schritten zur Umbildung ber Akademie m eine Universität die beruhigende Versichelrung gegeben werden, daß die stadt vermuckich nur mit emem verhältnismäßig geringen Betrage herangezogen werden dürfte. Es muß an dieser Stelle noch bemerkt werden, daß die Kästen für die Akademie zum großen Teil aus privaten Mitteln Stiftungen verstorbener Mäzene und lausenden Jahresbeiträgen eines einzigen Mannes , und nur $u einem Seinen Teile (75 000 Mck p. a.) aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. Gegenüber dieser einzigartigen Stel­

lung der Akademie, die eigentlich eine private Gründung ist, erhärt sich nun naturgemäß die Frage: wie sich ber Staat zu einer solchenFreien Universität" ^toerai der Ausdruck gestattet ist) stellen wirb. Es sind da wichtige Fragen zu beanüDorlai] unb Fragen, die zum ersten Male gestellt werben. Wir berrßat an bas Berechtigungswesen, an die Graduierungen, an die Prü­fungen, an die Ernennung te^ro. Beförderung ber Dozenten, Gestaltung bes Unterrichts und andere. Hier liegen Schwierig­keiten, zu deren Regelung noch viel ftlugbeit, viel guter Wille, viel Geschick und viel Takt gehören Es verlautet noch nichts darüber, in welcher Weise event. die Lösung dieser Probürnr erfolgen wirb. Tas wäre ja auch noch zu früh, denn vorläufig hört man zwar, daß Verhandlungen mit bem Kultusministerium schweben, und aus der Tatsache, daß jetzt der Plan sozusagen offiziös veröffentlicht wird, lassen sich ja Schlüsse auf einen guten Verlauf dieser Verhandlungen ziehen, aber Bestimmtes weiß man noch nicht. Taß Frankfurt außerordentlich viele Vorteile aus dem Besitz einer Universität ziehen würde, namentfüb waS die Be­fruchtung des geistigen Lebens anlangt, aber auch wirtschaftliche, ist nicht zu uerttnnen. Ja, man Darf behaupten, daß eine neue Epoche für Frankfurt anbrechen würde, wenn es in die Reihe der Universitätsstädte rückte. Aber ob sich alle die zahlreichen unb mannigfach gearteten Schwierigkeiten befriedigend werden lösen lassen, darüber werden viele Kenner der Frankfurter 23a> hälttiisse vorläufig noch ziemlich fteptisch denken. . .

Kleine Cbronikaus Kunst und Wissenschaft. Der Schriftführer des American Arctic Club, Kupitän Os- bvrne, teilt, einer Trahinachricht aus Ottawa zufolge, mit, Kapitän Loose habe zugegeben, i> bie Geschichte von den 4000 Mark für die Mitarbeit an Tr. Cooks Bericht über feine (Sj> pedition von Anfang bis zu Ende erfunden sei. Im Bad- S che we n i n g e n soll ein Richard Wagner-Theater errichtet wer­den Ter Botaniker Prof. Dr. med. et phil. Ludwig Rabl* kos er, ber Senior der philosophischen Fakultät München, beaeht am 19. b. M. seinen 80. Geburtstag. Eine Gesell­schaft für griechische Volkskunbe ist in Athen be» gründet worden. An ihrer Spitze steht der feit langen Jahren auf dem Gebiete des Folklore tätige Prof. IL G. Polites, der auch bie Zeitschrift ber Gesellschaft ,Laographia" Leitet