Nr. 818
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Vertag: ey$s^51. Redaktion:112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Drittes Blatt ISS.Jahrgang Samstag 32. Mai LS6K
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Die Wasserversorgung der Stadt Gießen.
. . ^''rsorgung der schnell wachsenden Städte mit eiuwand- fretem Wmier ist überall im abgclaiifcneit Jahrzehnt die unablässige Sorge der stadtuchcn Verwaltungen gewesen. Ungeheuere Summen mutzten zum Ankauf von Quellen geopfert werden und grotze Kapitalien wurden in den Anlagen zur Wasserversorgung angelegt, ganz besonders wenn die betreffenden Verhältnisse ungünstig gelagert waren.
Als die Mitglieder unserer Stadtverwaltung vor ca. 6 Jahren die Queckborner -Quellen besuchten, um an Ort und Stelle zu überlegen, wie eine vermehrte Wasserversorgung Gießens anzupacken sei, erklärte der als Berater und Sachverständiger mit anwesende Geh Qberbaurat Schmick, daß schon sein verstorbener Vater (der die Veranlaiiung gegeben hat, daß dieses Quellengebiet s. Zt. von der Stadt erworben wurde- die Queckborner Quellen für einen der wertvollsten Schätze, über den die Stadt verfügt, bezeichnet hock. Diese Beurteilung aus dem Munde eines alten Praktikers hat sich im Lause der Jahre immer mehr als zutreffend erwiesen, gilt heute als festgestellt, daß die Queckborner Quellen den Wasserbedarf einer Bevölkerung von mehr als 100 000 Seelen decken können. Aus dem Verwaltungsberichte der Bürgermeisterei geht zahlenmäßig hervor, wie der Wasserverbrauch sich von Jahr zu Jahr gesteigert hat und mit welchen Mitteln mmi es bisher fertig brachte, diesen Mehrverbrauch zu beschaffen ohne neue Quellen anzu kaufen.
Im Verwaltungsbericht 1903/04 heißt es: Die Förderung an Wasser ist gegen das Vorjahr um 130 024 Kbm. gestiegen. Ter Zulauf der alten Quellen ist infolge der trockenen Witterungs- Verhältnisse im Sommer gegen das Vorjahr zurückgegangen Ter Wasserverbrauch betrug bei einer Einwohnerzahl von 25 610 (das Militär abgerechnet, weil es eigene Wasserleitung hat! im Jahre 862 760 Kbm. In diesem Nechnungssahr betrug der durchschnittliche Wasserverbrauch den Tag (24 Stundens 2357 Kbm. Ten stärksten Verbrauch hatte der 30. Mai 1903 mit 4179 Kbm., dagegen wurde am wenigsten Wasser konsumiert am Sonntag! 3. Januar 1904, mit 1378 Kbm. Nach dem Berwaltungsberichl 1907/08 stellen sich die einschläglichen Verhältnisse: Die Forderung an Wasser ist gegen das Voriahr um 161 139 Kbm. gestiegen. Er betrug im Vorjahr 1 268 777 Kbm. im Berichtsjahr 1 429 916 Kubikmeter Ter Zulauf der alten Quellen ist infolge geringer Ergiebigkeit besonders des vubertusbrunnens gegen das Vorjahr um 10 180 Kbm. zurückgeblieben Tie Förderung des Pumpwerks Queckborn ist dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 171 319 .Kbm. gestiegen. Dfe tägliche Ergiebigkeit der alten Quellen am Erlen- brunnen, Anneberg, Hubertusbrunnen und bei Großen-Buseck betrug im ganzen täglich durchschnittlich 770 Kbm. oder im Jahre 281 820 Kbm. dagegen lieferte Queckborn durchschnittlich täglich 3137 Kbm. oder int Jahre 1 148 096 Kbm. In diesem Rechnungsjahr betrug der tägliche Wasserverbrauch in der Stadt im Durchschnitt 3905 Kbm. Ten Meistverbrauch hatte der 22. Juni 1907, an welchem Tage 5672 Kbm. Wasser geliefert werden mußten. Ter Mindestverbranch trat am 22. März 1908 mit 2719 Kbm. Wasser ein. Interessieren dürfte noch, daß nach den Angaben und Be-1 Rechnungen der Verwaltung des Wasserwerks der Selbstkostenpreis I eines Kubikmeters verkauften Wassers im Jahre 1903/04 12,24 Pfg. betrug und sich im Jahre 1907/08 auf 9,35 Pfg. ermäßigt hat. I
Selbstverständlich war in beif abgelaufenen 5 Jahren eine ge-1
steigerte Wasserlieferung unserer Quellen nur möglich infolge von Neuanlagen von Brunnen und einer Steigerung der Maschinen- kräste und Pumpanlagen. Ter vor 5 Jahren im Queckborner Quellengebiet vorhandene eine Brunnen ist inzwischen auf eine Anlage von drei Brunnen gebracht worden und der Brunnen IV ist im Bau. Durch diese Vermehrung ist der Nutzeffekt der Quellen, der vorher kaum 3000 Kbm. täglich betrug, am 9—10 000 Kbm. Wasser gesteigert worden. Tie gleichzeitig mit der Neuanlage der Brunnen gesteigerte Maschinenanlage ist imstande, täglich 6000 Kubikmeter Wasser von Queckborn zur Stadt zu schaffen. Außer dem Hochdruckbehälter bei Annerod steht für die Wasserversorgung der Stadt noch der Niederdruckbehälter am Lutherberg zur Verfügung, der für 1000 Kbm. Wasser Raum bietet, das in der Hauptsache von den alten Quellen her zufließt. Ta aber der Zufluß aus diesen Quellen trotz mehrfacher Verbesserung, je nach den Feuchtigkeitsverhältnisfen des Jahres sehr schwankend ist und selten am Tag 1000 Kbm. ausmacht, hat man den Niederdruckbehälter mit dem Hochdruckbehälter durch eine Rohrleitung verbunden, so daß ganz nach Bedarf auch aus dem Lutherberg Queckborner Quellwasser zusließen kann. Turch das immer stärkere Anwachsen der Bevölkerung, die Einführung der Kanalisation und die Einrichtung moderner Klosettanlagen, durch das Entstehen neuer Universitäts- Institute und der in naher Aussicht stehenden Irrenanstalt am Schiffenberger Wald ist unser Wasserwerk mit seinen Einrichtungen wiederum an der Grenze seiner Leistungssähigkeit angelangt. Tie Wasserzusührungseinrichtungen mit den 4000 Kbm. fassenden Wasserversorgungsbehältern können das in Brunnen gefaßte Wasser nicht völlig zur Stadt schaffen. Tie städtische Verwaltung hat in den verflossenen! 5 Jahren zur Vermehrung des Wasserzuflusses von Queckborn her 180 000 Mk. ausgewendet und weitere 300 000 Mark bewilligt, von denen 150 000 Mk. in den laufenden Voranschlag eingestellt sind. Es wird ein weiterer Dampfkessel nebst Maschinen- und Pumpanlage aufgestellt, deren Leistungsfähigkeit wie die der vorhandenen Maschinenanlage sein wird. Hierdurch wird es ermöglicht, von dem Queckborner Wasser täglich 7000 Kbm. zur Stadt zu schassen. Um das vermehrte Wasserquantum zum Verbrauch in Bereitschaft halten zu können, wozu der Hochdruck- und der Niederdruckbehälter nicht ausreichen, soll auf dem höchsten Punkt des Seltersbergs, in der Nähe der Schönen Aussicht, ein mächtiger Wasserturm erbaut werden, der 1500 Kbm. Wasser aufnimmt. Dieser Wasserbehälter wird in gleicher Höhe liegen wie der Hochdruckbehälter nämlich + 220 N. N. Vor dem letzteren wird eine Rohrleitung eingebaut werden, die zur Höhe des Seltersbergs sührt. Man hat sich sür die Anlage aus dem Seltersberg entschieden, um von hier aus den dortigen hoch liegenden Stadtteil, der sich jedensalls in den kommenden Jahren erheblich ausdehnen wird, mit Wasser zu versorgen um dadurch in den Häusern einen gewissen ausgleichenden Truck der Wasserleitung herbeizusühren. Tie Pläne und Vorarbeiten sür diese Anlagen, die nach sehr eingehenden Erwägungen beschlossen wurden, sind von dem zukünftigen Tirektor unseres Gas- und Wasserwerks Steding ausgearbeitet.
Ist erst der Wasserturm auf dem Seltersberg vorhanden, so lohnt es sich auch vielleicht, das vorzügliche Wasser des Brunnens der ehemaligen Aktien-Brauerei, dessen Ergiebigkeit täglich 400 Kubikmeter beträgt, mittels einer elektrischen Pumpe für die Wasserversorgung nutzbar zu machen, ein Projekt, das schon srüher von der städtischen Verwaltung ins Auge gefaßt worden war.
vermischtes.
* Gin Zug mit einem Passagier. Von Tilsit nach Pogegen fahren an den Sonntagen Sonderzüge. An einem Sonntag hatte nun niemand zu' dem Zuge Fahrkarten gelöst, da das Wetter ungünstig war. Ter Zug sollte deshalb ausfallen. Im lctzchn Augenblick kam ein Tilsiter Rechtsanwalt, der in Pogegen eine Villa besitzt, und wollte im Sonderzug absahren. Zu diesem Be- hufe löste er die Mindestzahl von zehn Fahrkarten, und der Zug mußte mit ihm allein abdampfen. Tie Kgl. Eisenbahndirel'tion in Königsberg hat jetzt bestimmt, daß in Zukunft wirklich zehn Personen im Sonderzuge sitzen müssen, wenn ein solcher abgetanen werden soll.
* Tie Schönheitspflege der Amerikanerinnen. In einem in Newvork anhängigen Prozesse für Reklamehonorare für „Cold Cream" und andere kosmetische Mittel erklärte ein Zeuge, daß 90 Prozent aller Frauen zur Erhaltung der Frische der Haut ihres Gesichts „Cold Cream" und andere Mittel ge-. brauchen, und um die Wirkung der Salben nicht zunichte zu machen, sich niemals das Gesicht wüschen. Schönheitsexperten erklärten, daß die Gesichtshaut der meisten Frauen bei der Berührung mit gewöhnlichem Wasser einfach aufspringen würde, nachdem sie so lange mit Schönheitsmitteln behandelt worden sei. Frau Edwin KNowies räumte ein, daß viele' Frauen ihrem Gesichte kein Wasser zuführen dürften, weil die Haut so dünn und zart sei, daß sie sofort spröde würde.
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