Ausgabe 
25.9.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 225 Erftes Blatt 159.^ahrqang Saurstag 25. September 1i>08

Der «i-tzener L-Zttger 2? _ ö v-zugopr-z-:

erscheinl täglich, außer CT @ monathd)7b^D<«tc(-

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MvlMM Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen e&s

Annahme von Anzeigen tz «ir I » " u.Land" und.Gerichts-

bis mr^Wsuh" Botationsöntd mtö Verlag der vrühl'schen Univ^vuch- und Lteiudrnckerei R. lange. Redaktion, Expedition und vrnckerei: rchulstratze 7. !^,K?-^°^dn.

Amüsante; von chinesischen Hochzeiten

erzählt Louis de Canulch im Gil Blas. Die Chinesen verheiraten sich sehr junn imb gehorck-en bei diesem wickstigen Lebcusichrttt mit äußerster Sorgfalt den zahlreichen Riten und Serctnomm, ihnen eine uralte Traditron verschreibt. Wenn bte Eltern ihren Sohn vcrl-eiraten wollen, wenden sre sich an eine grmz o fiziell emgesühtte Persönlichkeit, den Unterhändlerber die Vermittlung übernimmt., solche Vermittlung Nt direkt eine nationale Einrichtung, Vaupftachttch grauen nnbincn nch dem Lernt' sie durchreisen besttmmte Provmzen imb kunch chatten da bei bw Schönheit und die guten Eigens chatten der zahlreichen Mädrl«n ans. Sie bringen zugleich tn biese entfernten ©egcnbeii den guten Geschmack und die neire Mode^Sie lehren die Mab=- chen, denen sie einen Mann vertchasfenwvNen, alleKun st- der Koketterie, legen ihnen biac Schichten -schminke

ttingrn ihnen bei, die Augenbrauen zu Moar^r unbdieLwpcn rot zu färben, unterweisen sie im Spiel der Gitarre ver sttrmnieln ihnen die Füge, kurz verlern ihi^r a.le die sischen und geisttgen Eigenschatten, die Die Frau em cs vornehmen Mannes haben muß. Öat die VermMle^ die Fanntten des Bräutigams und der Auserwablten bekannt gemacht, dann em^ sängt sic diepadie" der znkunttigen, Eheleute, ba* imb zwei große rechteckige rote Papierbläiter, aut denen .came, / durtsort und Eigenschaften der beiden W^A^te MilMchri den sind. Nun wird ein Wa hrsag er bmiulttert Er stellt aus denpadze" das Howskop, derechirtt.den,Erns luß des Mondes und der Planeten undU^ die Aussichten auf Eheglück. Trifst

dann ist das schwierigste Oindsrms der Bcrbrndung beitihgL Wem sehr am Zustandekommen der Ebe H^g^ M b^ .lenk root-,1 auch durch eine ftemc Bestechirng da- S^al der ^stirm zu seinen Gunsten. Aber wehe! ^n, der Z^rsager schieche gÄaunt ist, wenn feine Opiumpferfe keine Sri sein Tee schlecht schmeckt oder irgend cttroS anderes den heiligen Viann ärgert. Dann findet nch, M dsn Soroikv.

rnngm Mädchens ein Besen, das untrügliche -Archen

Heck, eüte kupferne Base, die kiditi mmgen §h^atter an^gt, rät Gewand aus Vans, das Vorzeichen emes gewattiamen -wde-- Dann werden alle Verhandlungen abgebrochen.^erklLt Verhandlungen aber zu glücklichem Endegebiehen, dmm he »ie Srnnittletin ete Äldsumm- fürSofien der Sr-iehuns mrd Geschenke.

Nun erst werden die beiden Verlobten, die bisher - davon wußten, mit dem Heiratsplan bekannt gemacht, x >

Die heutige Nummer umfuht 14 Seiten.

Politische Wochenschau.

Gießen, 25. September.

Bei der Erinnerung cm die letzten Novemberereignisse, die durch den Streit der Parteien wieder aufgewühlt worden ist, drängen sich neue Betrachtungen auf, die psychologisch vom höchsten Interesse sind. Wir haben das Gerücht mit­geteilt, wonach Fürst Bulow von einer Kamarilla gestürzt worden sein soll, an deren Spitze Fürst von Fürstenberg und Graf OpsterÄwrf, Freunde des Kaisers, gestanden hätten. Fürst Bülow, von einer Berliner Korrespondenz darüber befragt, hat telegraphisch geantwortet, das alles sei glatt erfunden. Wir haben dies gleich vermutet, und bringen auch allen sonstigenEnthüttungen" über die November tage die stärksten Zweifel entgegen. Es war auch die alte Deutung wieder aufgetaucht, der Kaiser habe Bülow gegrollt und heimlich seinen Stuvz gewünscht. Alles sind Kombi­nationen: was Kaiser uno .Kanzler im November mitein ander verhandelten, ihre innersten Empfinduugeu, Absich­ten und Auffassungen, sind noch hinter einem dichten Schleier verborgen: erst die Zukunft wird es an den Tag bringen. Besonders der Kaiser Ijat sein Innerstes verhüllt. Er, Dem sonst das Wort auf der Zunge schwebt, hat sich über das, was ihn selbst anging, in tiefes Schweigen gehüllt. In diesem Punkte hat er alle Erwartungen übertroffen, sich als eine ungewöhnliche Natur gezeigt. Ist er nach den Erfahrungen des Winters ein Anderer geworden? Niemand weiß es, denn seine bisherige Zurückhaltung in der Oefsenllich- feit beweist nichts für sein Denken und feine Ueberzeugungen. $r hat, so hieß es, den Kanzler gewählt, den Bernhard v. Bülow ihm vorschlug. Herr v. Bethmann-Hollweg wird bald erfahren, ob daspersönliche Regiment" zurückge­dämmt worden ist. Einige bekannte Seiten seines Wesens hat der Kaiser in. diesen Tagen wieder aller Seit gezeigt; er hat feine Reden und Kundgebungen um charakteristische neue Veröffentlichungen vermehrt, und sie deuten darauf hin, daß er im innersten noch' derselbe ist, impulsiv, auf Vrachtentfaltung gerichtet und geneigt, auch politisch seinen eigenen Ängebuugen zu folgen. Es wurden Feldmarschütle ernannt und, so hieß es zuletzt, der König von Sachsen wurde plötzlich ersucht, die Abzeichen eines Generalobersten an­zulegen. Das sind Dinge von minder wichtiger Bedeutung. 3n München hat der Kaiser durch anderes Tun Die Aufmert- samkeit auf sich gerichtet. Er hat bei oer Eröffnung der neuen Schackgalerie fein altes Kunstbekenntnis, _in etwas milderer Form wieder abgelegt. Die moderne Kunst g h ihm -nicht ideal, nicht phantasievoll genug vor. Hoffentlich wird Ler Herrscher auf Grund dieser Ansichten, die ihm niemand rauben will, nicht mehr, wie früher die Kunst Deutschlands kommandieren motten. Ein anderer, größeres Aussehen er regender Schritt: der Kaiser hat in München Dem Sahn des Lumberländers ein freunDliches Entgegenkommen gezeigt. Der junge .Herzog Ernst August, der erst vor kurzem in Die bayerische Armee eingetreten ist, hatte, so heißt es, den Wunsch laut werden lassen, Dem Kaiser sich vorzustellen. tzS wurde ihm eine höfliche und cntgcgenfommcnDe Antwort suteiL Der Kaiser schüttelte Dem jungen Wclfenvrinzen herz­lich und sreuuDlich Die öanD, und man darf daraus wohl schließen, Daß Der junge' Herzog einst allen Bedingungen unD Voraussetzungen genügen wird, die an die Thronbestci S Durch einen Welfen in Braunschweig vom Deutschen e gefordert werden müssen. Gegen eine solche Lösung Ler braunschweigisaien Frage märe Dann nichts mehr ein äutocnDen. Der Kaiserbesuch in München, die Heranziehung Ler bayerisch en Truppen im Manöver haben einen Verlauf

gehabt, wie man ihn im Interesse des Reiches sich wünscheri mußte. Das berüchtigteBayerische Vaterland" hat bei diesem Anlaß freilich wieder einmal kräftig ins Horn ge­stoßen. Es erzählt, wie Golt den Preußen aus dem Modell eines Juden zurecht gemacht habe, um zu zeigen,wie ein z'widerner Kerl aussieht." Diese pöbell-aftcu Ergüsse gegen Juden und Preußen" sind aber mehr zum Lack)en als zu ernsthafter Würdigung geschrieben worden. Bemerkenswert bleibt freilich, daß dasBayerische Vaterland" das Sprach­rohr katholischer Landgeistli der ist . . .

Der Reichskanzler, Herr v. Bethmann-Hollweg, der nach Wien weitergereist war, soll, von einem neugierigen Aus- frager allzu eingehend über die deutschen Ziele im Orient ausgeforscht, geantwortet haben:Man werde ja sehen und hören, und bann werde sich's zeigen." Ist die Antwort in dieser Form erteilt worden, kann man nur heiter Damit zufrieden fein; denn die deutsche Politik im Orient und Der Habsburgischen Monarchie gegenüber bedeutet gegen­wärtig ein vorsichtiges Forschen und Abwarten. Mit Den Erklärungen über unser Verhältnis zu Oesterreich, die Herr v. Bethmann Wiener Journalisten gegeben hat, wird er wohl auch nicht seinen vollen Gedankenschatz preisgegeben haben. Es sind freundliche Phrasen gewesen, über bereu volle Zweckmäßigkeit man streiten kann. Hoffentlich hat der Kanzler tiefere Einblicke nehmen können in Der Richtung dessen, was wir von Wien zu erwarten haben. In die letzten Hoffnungen über die Anbahnung eines Verständnisses zwischen Deutschen und Tschechen ist schon wieder ein ftarfer, kalter Reif gefallen. Tie Verhandlungen wollen nicht voran schreit en. Das unaarische Kabinett ist zurückgetreten! Warum, ist noch nicht völlig klar geworden. Der Ministerpräsident Wekerle ist in diesen Tagen mehrmals zu Audienzen beim Kaiser Franz Joses von Ofenpest nach Wien gereift. Die ungarischen Parteiverhältnisse sind zer­rissen und waren ungermß; die Wünsche, die in Der Heeres- frage geäußert werden, finden in Wien fein Ohr, und im ungarischen Ministerium selbst, das Wclerle ücrlreien sollte, waren, wie es sck)eint, im letzten Augenblicke gleichfalls Miß­helligkeiten ausgebrochen. Was nun werden sott, darüber wird in den vorliegenden neuesten Meldungen noch hin und her geraten. Der Kaiser und König hac bisher noch feine bestimmte Weisung gegeben, und man rechne> mit Der Möglichkeit, daß an das bisherige Kabinett Die Aufforde­rung zur Weiterführung Der Verhandluugcn geriet/et wird. Ein Hexenkessel, an dem Die beste Zauberkunst nicht zum Ziele iommefi kanu.

Es giebt vielleicht nur noch ein einziges Unternehmen, das eine ebenso große Kette von Schwierigkeiten bietet, als die Krise in Oesterreich-Ungarn: die Bemühungen der Spanier im Nissgebiet. Tagtäglich lausen Meldungen ein, die Spanier hätten kleine Vorteile davongetragen, aber wo das Ende isi, kann man nicht abschen. Rach einer neuesten Meldung aus Paris bezweifelt man die günstige Stellung der spanischen Truppen und hegt den Verdacht, daß Die amtlichen spanischen 'Meldungen unzuverlässig sind. Das kriegerische Vorgehen Der Spanier, das ursprünglich nur als eine Be­strafung für Angriffe auf Landsleute gedacht war, hat sich zu einem höchit unbequemen 'Äuertllakriege ausgewachsen. Nicht nur, daß die heimatlichen Verhältnisse auf der Pyrenäenhalbinsel selbst bald revolutionär erschüttert wurden, auch in Marokko wurde die Lage immer bedroblieper. Tie marokkanischen Rotjacken, die sich nie recht Dem FeinDe stellen und das schwierige Gelände geschickt auszuttutzen verstehen, bieten einen hartnäckigen, crsolgreichen Wider­stand. Muley Haftd tyru zuletzt noch gegen Das Vorgehen Der Sitte muß die Brautmutter Der Tochter eine Aussteuer mit- geben, wenn sie keinen Sohu hat: um Das zu umgehen, nehmen viele Chinesen eine Waise als Sohn an, um Diese Ausgabe zu Dermeioen. Unter tausend Höttichteiten, Komplimenten und zere- moniösen Gebräuchen ist endlich Die Sache so weit gediehen. Daß Der große Tag Der Hochzeit herannaht. Beim ersten Hahnen­schrei begibt sich Der künftige Gatte, von allen männlichen Ver­wandten begleitet, nach dem Buddhatempel und lteilt vor dem Altar des Gottes seine Geschlechtertafeln auf, um sich die Ahnen gnädig zu stimmen. Tann geht Der Zug zur Wohnung bet Braut, am hellen Tage von Laternenttägwn geleitet, die eine letzte Erinnerung an den alten Gebrauch der Nachtheiraten sind. Im zweiten Hof ihres Hauses erwartet die Verlobte, schwer mit Schmuck beladen, einen Blumenkranz auf Dem Haar und unter Dem weichen Schleier das Gesick)t dick geschminkt. Die Ankunft des Bräutigams. Der Bräutigam überreicht zunächst Dem Schwiegervater eine wilde Ente, Die in China das Symbol der Liebe und Treue ist, dann treten sich Die beid u neuen Ehe­gatten zum erstenmal gegenüber, grüßen sich feierlich und knien nieder, um Den Himmel und die Erde anzubeten: sie sind nun für ihr Leben vereint. Tann steigt jeder Der beiden Angettautcn in eine schön geschmückte Sänfte und nun werden sie in feier­lichem Auszug durch die Straßen getragen nach ihrem neuen Heim, wobei ihr ganzes Mobiliar hinter ihnenher- geschleppt wird. So wogt eine bunte Fülle von Gegenständen hinter ihnen her, das Bra.::bett neben einem Vogelkäfig, Koch­geschirre neben Lampen, Stühle und Reissäcke alles wird mit feierlicher Würde dahergebracht. Vor dem neuen Heim ^an- gelangt, schlägt der Gatte mit seinem Fächer gegen Die Türe Der Sänfte seiner Frau und lädt sie ein, mit ihm das Haus zu betreten, wobei wieder eine Unzahl tiefer Verbeugungen sich vollzieht. Ein kurzes Festmahl wird eingenommen, dann sind die Ehegatten enblidi allein. Sie sitzen einander gegen über, eine Zeitlang im timten Stillschweigen verharrend, wie es die Wohlerzogenheit gebietet, bann erhebt sich ber Gatte, ver- beuot sich und reicht seiner Frau eine Tasse Tee, aus ber beibe feierlich ihre Lippen benegen. Darauf tanzen sie mit langsam gravitätischen Schritten vor bem Altar Der Ahnen einen selt­samen Hochzeitstanz, werfen sich breimal nieber, wobei sie ihre geschlossenen Fäuste in Die Lust heben. Endlich wünscht der Gatte höchst emsthast ''einer neuen Lebensgcchhrtin eine große Nachkommenschast . . . Damit endet die Zeit ber Fugend und Des fröhlichen MäDchentums für die Frau, benn bie Ehe bringt ÄtecÄfchaft und hatte Arbeit.

©panier bei Dem Diplomatischen Korps in Langer Ver­wahrung eingelegt. D!och verlegenem Sckiweigen Der Ge fausten bat endlich Der französische GZandie ein Rundschrei­ben erlassen, indem er seine Meinung Dahin tunbgibt, Spa­nien und Der Sultan hätten ihre Sack)e selbst miteinander zu regeln. Man Darf wohl annehmen, daß feine Der frem Den Mächte vorläufig Lust hat, Muley Hasibs Rus zu folgen. Erft wenn Der Sultan feine Drohung, Den Riftabylen Hilfs­truppen zu schicken, verwirklichen sollte, würde Die Lage eintreten, baß nickzt mehr Die Marokkaner, sondern Die Spanier Der Hilfe beDürfcn. Dxrr spanische General Marina torrb nach Den Berechnungen Des italienischen General- stabshauptmannes Marietti, Die in . /er neuesten Nummer derGrenzboten" teilweise wiedergegeben werden, gegen­wärtig im ganzen etwa 40 000 Mann zu seiner Verfügung haben. Falls Atuley .Hafid mobil machen läßt, werden Die Spanier sich einer großen Uebermacht gegenüber sehen.

(Ein Nachspiel zum Naiserbesuch in Mähren.

Im mährischen LanDtag hat ein vorlauter Tscheche Kritik am Besuche Kaiser Wilhelms geübt. Wir erfahren bei Dieser Gelegenheit, daß der Bürgermeister von Groß-Akeserttfch, der tatsächlich bei der Begrüßung Der tschechischen Sprache sich bedienen wollte, vom Kaiser eine Zurückiveisung er­fahren hat. Der Vorfall ist in den amtlichen Meldiuigen unterdrückt worden, und auch die Ijeute durch das Wolifsche Bureau verbreiteten Nachrichten bringen keine Einzelheiten dieser interessanten Vorgänge:

Brünn, 24. Sept. In der heutigen Sitzung des Landtages übte der Sozialdemokrat Reich­städter bei der Verhandlung des Dringlichleitsanlrages betreffenD den Protest gegen den von der Regierung beali- sichtigten Mittivnenauftvand für militärische Zwecke in un­geziemender Weise Kritik an dem Besuch des Deut» sche n Kaisers anläßlich der Manöver in Groß-Mescritsch. Ter Wgeordnete protestierte gegen die angeblich) beleidi­gende Weise, in der der deutjche Kaiser die Aufwartung des Bürgermeisters von Groß-Meseritsch zurückgewiesen habe, weil dieser den Kaiser in tschechischer Sprache hätte begrüßen müssen. Landeshauptmann Serenyi von Kis Sereny rügie die Angriffe Reichstädters und drückte sein Bedauern Darüber aus, daß derartige Aeußerungen im Landtage ge­fallen seien. Statthalter Heinold v. Udynsli schloß sich als Vertreter Der Regierung dem Proteste des Landeshaupt­manns an und sprach ebenfalls sein tiefstes Bedauern über die Aeußerungen. Reühslädters ans, die Der Meinung Der Bevöllerung widersprächen, wie Der Dem deutschen Kaiser jungst in Mähren gewordene Empfang beweise.

Prag, 24. Sept. Auch bie heutige Obmänner­konferenz sämtlicher Parteien des Landtages ist ergebnislos verlaufen; dennoch sprach der Oberittand- inarschall die Hoffnung aus, daß es trotzdem zu einer Eini­gung kommen werde.

Ein schwc-lichchollSndischrr Uonflitt.

Ein eigenartiges Mißgeschick, das wohl einzig bastehen Dürfte, ist nach bem L. Anz. einem havarierten schwedischen Unterseeboot in holländischen ( ewässern begegnet. Es war in Gefahr, wegen Differenzen über einen Bergungslohir durch einen holländisch en Rechtsanwalt mit Hilfe eines Gerichtsvollziehers konfisziert zu werden. Da das Unter­seeboot sich im Dienst befand, es sich bei dem peinlichen Vorgang also um eine Nichtachtung Der schwedischen Kriehs- flaggc handelte, bürste die Angelegenheit auch die Re­gierungen Schwedens und .Hollands beschäftigen. Heber

Sarai, Bernhardt als Jungfrau von Orleans. Aus Paris wird uns berichtet: Tie neueste Sen­sation, mit Der Sarah Bernhardt Die Parder überraschen wird, ist ein vierakuges Projadrama mit dem TitelTer Prozeß der Jeanne d'Arc", ein sehr merkwürdiges Werk von Emil Moreau und von Victorien Sardou, der wenigstens seine Ratschläge dazn gegeben hat und der sich bis zu ferner Erkrankung sehr leb- hait damit beschönigte. Tic Heldin des neuen Stückes, die natür­lich Sarah Bernhardt selbst verkörpert, ivird nur m den letzten Stunden ihrer Alärlyrerlaufbahn vorgesührt. Ihr Prozeß und die mannigiachen Wechsebälle, die ihrer Berutteitung und Hinrichtung ooransginqen, werden mit größter Treue dargesteklt Auch Die Richter und vor allen Bedlord, der Gouverneur von Rouen, auf den Jeanne d'Arc einen faszinierenden Einfluß ausübte und Der sie gern von Dem Scheiterhaufen gerettet hätte, spielen in Dem Drama eme große Rolle. Die Uraufführung wird wahrscheinlich im November stattfinden.

Einaltorientalisches Märchen vom lenk­baren Luftschiff. Wie lange schon das Problem, Die Lüfte sicher durchqueren zu können, Die Phantasie Der Men­schen beschäftigt hat, zeigt ein Märchen, Das sich in. der orientalischen SammlungTausenD und ein Tag" findet. Es heißtTie Geschichte Maliks und Der Prinzessin Schi­rin" und erzählt von einem Kaufmann aus Surat, Dem ein GastfreunD als Gegengabe eine wrmDerbare Kiste konstruiert, in Der er «auf Dem Luftwege sicher und gefahrlos jede Reise unternehmen soll.Glaube nicht", versichert Der kunst­reiche Verfertiger,daß hinter Dem, was Du gesehen hast, ein Zauber steckt: nicht durch kabbalistische Worte, noch Durch Die Kräfte eines Talismans erhebt sich Die Kiste in Die Luft; ihre Bewegung ist vielmehr bas (H:gebnis der itrunberbaren Kunst, wie sie Die Lehre von Den 'beivegenden Kräften erzeugt." Nun verstrickt der Dichter Den jungen Malik in allerhand Abenteuer. Er führt ihn aus dem Luft­weg bei Der von aller Außenwelt streng abgeschlossenen! Prinzessin Sckftrin ein: ja er läßt ihn ein frühestes Bei­spiel von Luftkriegtaktik das Reich' ihres Vaters durch einen nächtlichen Steinhagel gegen heranziehende Feinde verteidigen. Tie anziehende und aktuelle Erzählung ist enthalten in dem soeben erschienenenInsel-Almanach für 1910" (Insel-Verlag. Leipz.g, Preis 50 Psg.), der wie feine Vorgänger einen reichen Inhalt an Text und Bildern bietet