Ausgabe 
25.8.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159* Jahrgang

Mittwoch 25. August 1909

-sezugopre» monatlich 7 »4t, viertel­jährlich Mk. 2.30; durch Abt»ole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mt. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokallvPf., auswärts 20 Pseimiq.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Fruille- lon und , Vermischtes * K. Reurath; für.Stadt u. Land- und »Gerichts-

Nr. 198

ker «ehener Anzet-er -rscheint täglich, außer 5wntag5. - Beilagen: viermal wöchentlich ßietzenerLamiliendlätter; luetmal wöchentl.llrei5- »lattfSe den llreir Stehen , Dienstag und Freitag); wetmal monatl. £anö> rirlschastliche Zeitftagen ?teri,sprech'Anschlüffe: lir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Ldreffe für Depeschenr Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeigen

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

ü vonwtta^"s"üh? Rotati-nrdruS und Verlag der vrühl'schen Aniv.-Vuch- und 5teindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenttll?'H^Beck.

Tüttische Note.

Rach einigem $)in und Her und einem im Grunde genommen ikagi komischen Zwischenfall scheint nunmehr die Kretafrage gott Wb wieder in den Hintergrund rücken zu wollen; warum sic uLerhaupt wieder heroorgeholt worden ist, weiß im Grunde ge­kommen kein Mensch, und man kann sich der Frage nicht er­wehren, ob nicht dunkle 9Jtäc6tc ihre Lande im Sviel hatten, um bei btt zu erwartenden Verwirrung der Dinge im Orient ein bißchen im Trüben fischen zu können. Freilich als der Brand da war i nd die Dinge eine Wendung zu nehmen schienen, bei der für Unbeteiligte kaum etwas herauszuschlagen war, war man oll iütig emsig bemüht, die auflodernden Flammen durch kräftiges Mssergeben nach beiden Seiten hin zu löschen. ,

Gewiß bedarf die Kretafragc einmal einer defrmttven Re­gelung, denn cs handelte sich bisher immer nur um ein Pro- risorium, aber es war nicht cinzusehen, warum die Lösung der s?ragc gerade jetzt erfolgen sollte, und überdies hatte man beit ifoment recht schlecht gewählt, denn man mußte sich Voraussagen, vaß die Türken mit ihrem jetzt erwachten Nationalgefühl sich ecke Behandlungen canaille" nicht gefallen lassen würden und üaß sic auch vor dem Aeußersten nicht zurückschrecken würden, wenn man versuchen wollte, sie beiseite zu schieben. Im Verlaus der jüngsten Affäre schien es allerdings manchmal, als ob die Provokation gegenüber Griechenland von den Türken ausgegangen, aber man darf nicht vergessen, daß die griechische Negierung äußerlich wohl eine korrekte Haltung einnahm, m Wirklichwit aber den Wühlereien auf der Insel wie auch m der Türker selbst nicht so ganz fernstand, wenngleich man ihr begreiflicher Werse was Positives nicht nachsagen konnte. Dre Situation war für ö;e Pforte nicht so leicht, aus der einen Seite hatte sie Mit der ömpsindlichkeit der Jungtürken zu rechnen, anderseits hatte ein icmvi gegen Griechenland sein Bedenkliches im Hinblick auf die griechische Bevölkerung in der Türkei, die sicherlich nichts ganz ubig geblieben wäre. Dazu kam die Intervention der Schul) möchte, die sicherlich im Falle des Sieges der Türkei die Früchte ihrer Erfolge nicht gelassen hätte.

Unter allen diesen Erwägungen tat das türkische Kabinett wohl daran, es nicht bis zum Aeußersten kommen zu lassen, sondern 'ich durch die letzte griechische Rote befriedigt zu erklären, obwohl jie nicht ganz nach ihrem Wunsche gewesen sein mag. Erleichtert wurde ihr dies durch die inzwischen erfolgte Entfernung der griechischen Flagge auf Kreta, durch die Mannschaften der fremden Lchisfc, so daß dem türkischen Nationalgefühl Genüge geschehen war. Das Austtcten der Mächte freilicki, die anscheinend m äonstantinopel schärfere Töne anschlugen als in Athen, speziell die lchtc Rote der Schuyinächtc hat am Goldenen Lorn verschnupft, bi man durchblicken ließ, baß die Unabhängigkeit Kretas doch einmal unabwendbar sei; man wird daher der letzten Kollektw- :,Dtc der Mächte eine Antwort folgen lassen, wvrin man gegen diese Bemerkung protestiert, um dem türkischen Selbstgefühl zu genügen, fraglos ist, daß die Türkei aus dem Verhalten der Schutzmächte wieder einmal ersehen hat, von welchen Gesinnungen diese gegenüber bem Osinancnreichc beseelt sind, und der zuletzt erwähnte Himvcis auf die spätere Unabhängigkeit zeigt deutlich, wohin der, Kurs achcn soll; gewiß weiß man das in Konstantinopel selbst sehr wohl, daß hierauf die Bestrebungen hinlaufen, aber immerhin Lat man dort Grund, es als Taltlosigkcii zu empfinden, daß dies offen in einer offiziellen Rote der Schutzmächte ausgesprochen wird.

Ter Ton der merkwürdig geheimnisvoll behandelten Rote der Lchutzmächtc an die Pforte soll ungewöhnlich scharf sein. Es wird barin einfach vorgeschrieben, was die Türker zu tun habe. Eine Lebictsgarantie für Griechenland wird darin nicht erwähnt, icdoch mnd hcrausgcsagt, daß ein Krieg verhindert werden würde. In solchem Tone ist selbst der alten Türker gegenüber »richt gesprochen worden, weshalb die Rote auf dre Salonrker Macht- hier, die sich in Maßlosigkeiten gefielen, wie ern Blrtzfchlag Ufte.

Die jetzige Lösung der Kretafrage wird also zweifelsohne einen Stachel in Konstantinopel zurücklassen. Uebrigens ist die Erregung cnf Kreta selbst noch lange nicht unterdrückt. Tas Entfernen der sfüaggen von be» Festungen auf Kanea ünd Kanbia durch die Gruppen der Schutzmächte war bas Zeichen zur allgemeineir Hissung bet nationalen Griechenfahnc bei ber Pnvatbevölkerung. Rach berDaily Mail" flattern zurzeit auf Kreta 247 blaue Kreuz- jläggen auf öffentlichen Gebäubcn, darunter eine auf der Festung üetbimo, achthundert auf Schulen und unzählige auf Privat yläubcn. Ties bestärkt die herrschc:rde Aufiasiung, daß die Ecetawrrrcn noch keineswegs ganz üocrwunden sind. Wenn man egt von einer Lösung der Kreta.frage spricht, so bedeutet das ,mr, daß, die Kreta frage einstweilen in der Schwebe bleibt.

Kreta ist nicht bie einzige Sorge der Türkei; auch in Ye me n |ifr die Lage bedenklich. Tie von Saididris geleitete ountandrge Bewegung in Mmen gr^ft um sich. 9kach zuverlässigen Meldungen .^schloß die Pforte die Entsendung von vier Kriegs, chiffen, zwei Ikransportschiffcn und 12 Bataillonen nach dem ^mauplatz des 'Aufstandes; auch Italien will einen Kreuzer nach Hodcido ent­senden, zum Schutze der italienischen Interessen.

Richt unbedenklich ist ferner die Lage in Albanien. Ein Meeting der Albanesen in Ferissovttsch protestierte gegen die Steuerzahlung und den Militärdienst der Christen, eofchavid bascha marschierte gegen sie mit zwei Bataillonen, fand aber ßwiderstand und mußte mit Geschützseuer entgretfen. 2/ie Albanesen jm Rahowa erschossen mehrere Soldaten der Militärpatrouille ^goischen Gussignc und Ipek. Wie es Hertzt, werden drc Bot- khafter der Großmächte die Pforte auffordern, für euten ener- fifchen Schutz der Bevölkerung .in Abazedonien und Albanren jBerge zu tragen. .

Mehrere Botschafter, insbesondere der osterrerchrfche, erteilten ter Pforte dringende Ratschläge wegen E in st et l un g de santr- äiriechischen Boykotts. Infolgedessen hat drc Pforte berm doykottkomitee iiuerveniert und die Proornzbehörden angewiefen, fyi Boykott zu sistteren. .

Aus allem geht hervor, daß die gegenwärtigen Rote der kürkei nicht klein sind. Mag die Kretafrage auch bald ganz zur fiufje kommen, so kriselt es doch um so bedenklicher an anderen iitcn des Türkenreiches. -

politische Tagesschau.

Ausländische Fahnen.

In dem Tiroler Orte Kitzbühel war kürzlich einem dort weilenden Reichsdeutschen, der eine deutsche Zahlte M seiner Wohnung angebracht hatte, vom Bezirtshaupt- üicnn aufgegeben worden, sie zu entfernen, angeblich, wett tw Besuch des Erzherzogs Franz Ferdinand in Aussicht srand, der von einer nichtösterreichischen Fuhne unangenehm berührt sein könnte. Der betreffende Kurgast hat daraufhin lützbühel sofort verlassen. In der liberalen deutsch-öster- reichischen Presse wird das Vorgehen des übereifrigen Be- Mkshauptmanns lebhaft getadelt. Das ultramontane

WienerVaterland" veröffentlicht nun eine Zuschrift, in der es heißt, daß nach einer Polizeiverordnung vom 17. April I 1892 auch in Preußen das Aushängen ausländischer Fahnen verboten und unter Strafe gestellt sei. Was in Deutsch­land recht sei, müsse also auch in Oesterreich billig sein. Hierzu, wird bemerkenswerterweise derKöln. Ztg." aus Berlin gemeldet:So liegt die Sache nicht. In Deutsch­land kann allerdings durch Verfügung der Ober- oder Re­gierungspräsidenten das öffentliche Aushängen von Fahnen und Flaggen in anderen als den preußischen ober den deutschen Reichs- oder Landesfarben mit Strafe bedroht werden, jedoch bezieht sich diese Besttmmung nicht auf die Ausländer, dre stets die Flaggen usw. derjenigen Länder aushängen können, zu denen sie gehören. Weit über diese Bestimmung hinaus wird in "Deutschland dem Flaggen mit außerdeutscijen Rationalfarben, wenn nicht ausgesprochen provokatorische Absichten vorliegen, nicht das mindeste Hindernis in den Weg gelegt, und wer einmal den Ge­burtstag des Kaisers von Oesterreich in Berlin erlebt hat, wird besehen haben, daß auch viele Geschäfte, Hotels und dergleichen, deren Inhaber Deutsche sind, mit österreichi­schen Farben geflaggt hatten. Durch deutsche Verordnungen kann also jedenfalls der Zwischenfall von Kitzbühel nicht gerechtfertigt werden."

Rnsfische Revolutionäre und Spitzel.

Ter vielgenannte russische Revolutionär Burzew, dessen Ent­hüllungen über die Machenschaften des Lockspitzel Asew und Har­ting in der ganzen zivilisierten Welt so ungeheure^ Aufsehen er regt haben, weilt seit einigen Tagen in Berlin. Burzew bereitet hier eins Reihe neuer, sensationeller Enthüllungen über die Politik des Zaren vor, die schon in den nächsten Tagen in mehreren aus ländischen Zeitungen zugleich erscheinen dürften. Ter durch seine Beziehungen zu Asew bekannte hohe russische Staatsbeamte Lopuchin tritt am 28. August seine Reise in die Verbannung Nach dem Gouvernement Jenisseisk an. Seine Gattin begleitet ihn, während bie beiden Töchter später folgen werden. Die Reise geschieht nicht in der üblichen Etappenfvrm, sondern auf eigene Kosten Lopuchins, dessen Ueberwachung einem Offizier und einem Wärter anvertraut ist.

Deutsches ReLch.

Die Herzogin Viktoria Adelheid von Sachsen-Ko- burg-Gotha wurde gestern von einem Prinzen entbunden.

Bei der Bochumer Polizeibirektion ist eine Zentralstelle für die Ueberwachung ber Pol enbewegung im rheinisch- westfälischen Industriegebiet errichtet worden.

Der Großfürst Michael Nikolajewitsch von Ruß­land ist zu längerem Aufenthalt in Baden-Baden eingetrofjen.

Haftung des Staates. TerReichsanzeiger" ber öffentlicht das Gesetz über bie Haftung bes Staats und onberer Verbände für die Amtspflichtverlctzungen von Beamten bei Aus­übung der öffentlichen Gewalt. Das Gesetz tritt am 1. Ok­tober 1909 in Kraft.

Ausland.

Tschechische Ausschreitungen. Wie aus Gablonz gemeldet wird, kam es dort wieder zu wüsten Ausschreitungen der Tschechen gegen die Deutschen. Vier tschechische Tagelöhner, die durch Steinivürfc die große Spiegelscheibe im Cafe Paris zertrümmerten, wurden verhaftet. Bald darauf überfielen die Tschechen einen Deutschen und prügelten ihn halbtot.

Kein Militärabkommen. Tie Meldung eines Pariser Blattes von Verhandlungen wegen Abschlusses eines Militär- ad k o m m c n s zwischen Rumänien und Oesterreich-Ungarn werden offiziell als jeder Begründung entbehrend bezeichnet.

Die englische Waffenfabrik Ordnance Company hat in der letzten Woche von der englischen Regierung und von auswärtigen Staaten Aufträge an Geschützen und sonstigem Kriegs­material in Höhe von einer Million Lstr. erhalten. Die Gesellschaft mußte 1500 neue Arbeiter einstellen, denen Arbeit' für 18 Mo­nate gesichert wurde.

Die Kämpfe ber Spanier. Rach Blättermeldungcn aus Melilla haben sich btt spanischen Truppen unter dem Schutze ber Kriegsschiffe längs der Meeresküste gegen die vorgeschobenen Posten der Mauren in Bewegung gesetzt.

Japan und China. Die ZeitungRjetsch" meldet aus Charbin, daß zwischen ber chinesischen und der japanischen Re­gierung ein reger Tepeschenwechscl bezüglich der Telails ber dieser Tage abgeschlossenen geheimen Militärkonvention stattgefunden habe, die sich auf den Fall beziehe, daß bas ostasiatischc Terri­torium in einen Kriegsschauplatz verwanbelt werbe. Im Zu­sammenhang damit steht die Verstärkung der chinesischen Festungs­garnisonen an der russischen Grenze.

Tie Türkei erteilte Serbien die Erlaubnis zur E i n f u h r von 2 50 Tonnen rauchlosen Pulvers über Saloniki. Der türkische Ministerrat hat nunmehr definittv die Tracc für den Weiterbau ber Bagbabbahn über Alexanbrettc genehmigt.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 25. August 1909.

Zum Vogelschutz.

Mit dem Fortschreiten der menschlichen Kultur gestalten sich die Lebensbedingungen für die Vögel und zwar für die nichtwandernden Vogelarten immer schwieriger, so daß eine Perminderung in der Zahl der Arten eine unaus­bleibliche Folge ist. Durch die sorgfältige Ausnutzung des Geländes, die Trockenlegung von Seen und Sümpfen, die Beseitigung von wildwachsenden Sträuchern in Feld und Wiese, den Aushieb von hohlen und kranken Bäumen und die Schaffung von dick)t geschlossenen, reinen und gleich­wüchsigen Beständen im Walde, die peinliche Reinhaltung der (Härten und Parkanlagen von allem, was der Kultur nicht zweckdienlich erscheint, werden die Vögel in ihrer Er­nährung becinträchttgt und ihrer naturgemäßen Ristlshätten beraubt. So sehr auch die Feldbereinigung der Landwirt­schaft zu statten kommt, für die Vogelwelt ist sie ein großer Schaden, da durch Ausrottung der Hecken, die Entfernung ganzer Baumbestände und die Regulierung der Bachläufe den Vögeln der Aufcntl-alt in solchen Gemarkungen wegen der mangelnden Ristgelegenheiten geraden zur Unmöglich­keit geworden ist.

Ich will hier nur, um ein Beispiel aus unserer Gegend

zu erwähnen, an den alten .Heßlar zwisck>en der Margareken- hütte und der Heuchelheimer Lahnbrücke erinnern. Wo sind sic hingekommen, die schönen parkartigen "Na tn ran la gen, die so manchen Gießener Naturfreund hinauslockten, um hier ungestört im Schatten oer Büsche und Bäume lüft- wandeln zu können? Sie sind der modernen Kultur zum Opfer gefallen ein größeres Rutz land ist wohl gewonnen worden, aber die Romantik des Heßlars ist für immer ge­schwunden, und unsere lieben Sänger in Busch und Ham haben ihre Heimat verloren. Bei weiterer Ausdehnung der Feldbereinigung wird noch manch anderes für Vogelschutz günstig gelegenes Plätzchen verschwinden, und die Klagen über Abnahme unserer gefiederten Sänger, wie ebenso über die natürliche Folge, die Zunahme der Schädlinge an Obst-- und Waldbäumen wird nimmermehr verschwinden, wenn nicht ernsllich etwas zum Vogelschutz getan wird.

Um diesen immer mehr um sich greifenden Uebelständen einigermaßen abzuhelfen, ist cs noch nicht einmal nötig, besonderes Gelände mit Gebüsch anzulegcn, um Ristgelcgen- Heiken für die Vögel zu schaffen, man lasse nur an den Kreisstraßen und anderen Verbindungswegen, wo das Ver­pachten der Grasnutzung kaum einen nennenswerten Ertrag liefert, das Gebüsch wachsen, pflanze, wo nötig, solches an, so hoben wir schon Mstgelegenheiten für die Frcibrüter.

Am Ufer des Baches sei der Wicsenkulturtechnikcr nicht immer darauf bedacht, jeden Weiden- und Erlcnbusch ans- zurotten, denn hier bietet sich eine ausgezeichnete Ristge­legenheit, die von den Vögeln gern benützt wird.

Für Höhlenbrüter müßte freilich schon etwas mehr ge­schehen. Man könnte zu diesem Zwecke jedem Straßen und Forstwart eine Anzahl Nistkästen für verschiedene Höhlen­brüter zur Verfügung stellen, mit der Verpflichtung, sic auf seiner Strecke, beziehungsweise in seinem Distrikt an ge­eigneten Stellen aufzuhängen. Der Kreis- oder Gemeinde­lasse wären Las keine großen Opfer, nehmen doch Gemeinde, Kreis und Staat für Obst und Holz oft recht erkleckliche; Summen ein. Wenn in jedem Frühjahr die Zahl der Mst- kästen vermehrt und Sorge für ihre Erhaltung getragen würde, so wäre das schon ein namhafter Fortschritt.

Die Lehrer würden schon ganz gerne in den Schulen darauf aufmerksam machen, welchem Zwecke die Kästchen dienen und für deren Schutz besorgt sein.

** Aus dem Militär-Wochenblatt. Zu Leut­nants der Reserve wurden befördert die Vizefeldwebel bczw. die Vizewachtmeister Stimm el (I Darmstadt) des Lcibg.- Jnf.-Regts. (1. Großh.) Rr. 115, Keller (I Tarmst-idt) des Jnf.-Regts. Prinz Karl (4. Großh.) Rr. 118, Ri aaß (I Darmstadt) des Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Feld rt - Regts. 9fr. 25. Der Abschied wurde bewilligt den Offi­zieren Frenz (I Darmstadt), Oberlt. der Res. des 4. Magd. Jnf.-Regts. Rr. 67, Leonhardy (I Tarmstadl), Oberlt. der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots, diesem mit der Erlaubnis zum Tragen der Landw.-Armee-Uniform, S ch e l l m a n n (Mainz), Lt. der Landw.-Feldart. 1. Aufgebots, diesem zwecks Ueberführung zum Sanitätspersonal, B o x h e i m c r (II Darmstadt), Lt. des Landw-Trains 2. Aufgebots.» Ter Unterapotheker des Beurlaubtenstandes Linn (IDarm­stadt) wurde zum Oberapotheker befördert.

** Von unserem Regiment. Aus Anlaß der Ueberreichung des Chefpreises hielt am 21. ds. die L ei b- kompagnie im Garten der neuen Kaserne eine Feier ab, an der Oberst v. Müller und der Bataillonskommandeur des 1. Bataillons teilnahmen. Die Regimentsiäpelle tönzer- tierte. Unser Regiment verläßt morgen seine Garnison und begibt sich mit der Bahn über Wetzlar und Limburg nach seinem Uebungsplatz bei Meudt im Westerwald. Der Uebungsplatz dehnt sich zwisc^n Meudt, Ettinghausen, Riedcr-Ahr, Weidenhahn, Salz-Roth und Wallmerod aus, liegt also ziemlich in der Mitte zwischen Montabaur, Wester­burg und Hadamar. Es bleibt dort bis zum 10. Sept, int Standquartier; die 168er treffen daselbst am 2. ein und bleiben bis 10. Sept. Am 23. Sept, kehrt das Regi­ment mit den übrigen Regimentern der 25. Division wieder mit der Bahn in die Garnison zurück.

Höheres Forst fach. Die schristliche Staats­prüfung für den höheren Forstdienst wird am 25. Okt. und an den folgenden Tagen zu Darmstadt abgehalten werden.

Erledigte Lehrer stellen. Eine mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gemeindeschule zu Dietesheim; eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Freimer s heim. Mit ber Stelle ist Organistendienst verbunden.

Das Ehrenzeichen für Mitglieder fretro. Feuerroe hren wurde verliehen durch Entschließung S. K. H. des Großherzogs dem Johs. Heppner II., Hch. Leonh. Lintzner und Pet. Ant. Weber zu Rieder-Eschbach.

* Der Ha ssiadezirk Gießen hält nächsten Sonntag im Lenz'schen Felsenkeller seinen Herbst bezirkstag ab. Auf der Tagesordnung steht u. a. Berichterstattung über den Hassiatag in Ober-Ingelheim, Beschluß über das Bezirksfest 1910 und Besprechung über die Statuten der Hassiavereine.

** Vom Weg durch den Heßlar nach Duten­hofen. Wir berichteten vor Jahresfrist, daß die Eisen-- bahnbehörde den Steg, der auf dem Wege zwischen Meßen und Dutenhofen über den Kleebach führte, entfernen lassen habe und dadurch die Benutzung dieses idyllischen Fuß­weges zwischen der Eisenbahn und der Lahn für die Gießener Bevölkerung verhindert wurde. Neuerdings hat nun die Eisenbal)n an Stelle des hölzernen Steges eine massive Fahrbrücke über den Kleebach anlegen lassen, damit die Wiesenbesitzer von Dutenhofen her zu ihren Wiesen ge­langen können. (Aeick)zeitig hat dieselbe Behörde den Fuß­weg von Gießen zu der Brücke gesperrt, so daß das neue Bauwerk für die zahlreichen Passanten zwischen Gießen und Dutenhofen ganz zwecklos ist. Welches Interesse bie Eisen­bahn an der Sperrung des Weges hat, kamt der gewöhn