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19.3.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Matt ISS.Jahrgang Freitag IS. März 1909

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Verlagu.Expedition bl AID zflA <* <" ** für den politischen Teil:

ML General-Anzeiger für Oberhessen MZW bis MrmütagTTue N»ta«,nr»ruck und Verlag »er Srühl'schen Hwre.=Bnd)= an» Steindruckerei 8. r-m-e. Reöaftion, Srpedition «nd Bruderti: Schulftratze 7. Ani-ig-nt-^^H^B-ck

Die heutige^Nummer umfaht 10 Seiten.

Die valtankriflr.

Die Lage ist ernsst. Ich bin sehr besorgt." In diese Worte hat Kaiser Franz Josef bei einem diplomatischen Diner am Mittwoch abend sein Urteil über die Lage zu- sMnmengefaßt. Auch in den Wiener diplomatischen Kreisen gilt nach einer Meldung derBoss. Ztg." der Krieg mit Serbien als unmittelbar bevorstehend. Die Er­öffnung der Feindseligkeiten wird spätestens am 1. April erwartet. Der Botschafter einer Wesknracht sagte auf dem vorgestrigen diplomatischen Diner zu einem Hofwürden­träger, der .Krieg mit Serbien ist leider unvermeidlich ge­worden. Wenn Oesterreich-Ungarn den europäischen Frieden erhalten will, dann rnuß es den unvermeidlich gewordenen Stoß schnell und kräftig führen.

Die Meinung, daß der Krieg bevorstehe, scheint in Oester- reicb schon so al^enrein zu sein, daß kleinere Einleger ihre Gelder aus den Bankinstituten zurückziehen. Bei der Buko- wrnaer Sparkasse war der Andrang gestern so groß, daß die Wache einschreiten mußte. Nach einer Budapester Meldung derTägl. Rundsch." hat der österreichische Gesandte in Belgrad, Graf Forgach, seine Familie gestern in der Belgrad gegenüberliegenden ungarischen Grenzstadt Semlin unter­gebracht. Der Gesandte selbst verbringt nur die Amts­stunden noch in Belgrad. Der Ausbruch der Feindselig­keiten durch einen unvorhergesehenen Zwischenfall sei stünd­lich zu ermatten. Bei der unberechenbaren Haltung der Serben sind Zwischenfälle allerdings möglich. Im übrigen ober kommt es darauf an, lvie Rußland sich zu dem neuesten Vorschläge Italiens stellt. Das italienische Konfe­renzprogramm hat den Vorteil, daß es nur wenige Punkte umfaßt und die Abmachungen zwischen Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bulgarien einfach registrieren will und ferner erklärt, daß Serbien keinerlei Forderungen erhebe. Oester­reich scheint dem italienischen Vorschläge zuzustimmen. Man ivird nun abwarten, wie Rußland sich dazu stellt. Die bisherigen Meldungen aus Rußland und Serbien lauten recht widerspruchsvoll. Bedenklich lautet vor allem nach­stehende uns unter dem gestrigen Datum zugegangene Ori­ginalmeldung:

Posen, 18. Martz. Nach amtlicher Meldung aus Lhdkuhnen hat Rußland sämtliche Paßvorschriften für Reisende aus Deutschland und Oesterreich verschärft. Zei- inngskorrespondenten werden über Eydkuhnen nur mit einer besonderen Genehmigung der Peters­burger Regierung nach Rußland eingelassen. Die .Grenze ist auf russischer Seite militärisch so stark besetzt, "wie seit dem Jahre 1879 nicht wieder geschehen.

Von Interesse dürfte auch folgende Meldung feilt:

Budapest,!8. März. Abgeordnetenhaus, Eine .Interpellation des Abgeordneten Nikolaus Szemers gab in Lber heutigen Sitzung Anlaß zu lebhaften Ovationen für den deutschen Kaiser. Szemers richtete an den Ministerpräsidenten die Frage, ob er geneigt sei, seinen »Einfluß auf die Leitung der auswärtigen Politik dahin «geltend zu machen, daß diese nicht in Passivität verharre, fjondern aktive Politik mache. Redner führte aus, wir

An der Bahre IHattowsfps.

Vorgestern abend ist die Leiche Mcttkowskys in einen pracht­vollen Eisensarg gebettet worden. Der Sarg ist in dein Arbeits­zimmer des Künstlers ausgestellt und wird heute abend ohne »vettere Feierlichkeit nach der Kapelle des Alten Lnisenkirchhoies ht Westend überführt werden. Hier, unweit des Sanatoriums, iiit dem Matkowsky Heilung suchte, findet heute nachmittag um vi Uhr die Beerdigung statt. Hier draußen wird er dann an dec (Leite seines Sohnes, den er heiß geliebt hat, und dessen Tod ar niemals verschmerzen konnte, im Erbbegräbnis der Familie muhen. Indessen ist es möglich, daß noch im letzten Augenblicke üer Termin der Beerdigung verschoben wird, da der Geistliche augenblicklich auf kurze Zieit verreist ist und man erst tele­graphisch mit ihm in Verbindung treten muß.

Inzwischen laufen im Trauerhause immer mehr telegraphische ÄeileidSkundgebungen ein, erscheinen Kollegen und Kolleginnen, imnl der Witwe ihr Beileid auszudrücken. Gestern nachmittag sprach auch Generalintendant Graf v. Hülsen-Haeseler vor, um rn Namen der Königlichen Schauspiele zu kondolieren und einen .iroßen Lorbeerkranz mit Orchideen im Trauerhause nieder zu legen. T>er alte Gardeüobier Matkowskys, der bem Künstler jahrelang tuen gedient hat, ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, seinen Herrn noch einmal zu sehen und stillen Abschied von ihm zu nehmen.

Ob und wann die Generalintendantur eine Trauerfeier für bot Entschlafenen veranstalten wird, ist bisher noch nicht be- simmt. Es ist auch zweifelhaft, ob die Deutsche Bühnengenossen- i haft, deren Mitglied Matkowsky übrigens nicht wahr, des Künst- I as durch eine besondere Feier gedenken wird.

Ein Brief Matkowskys.

Vor einem Lustrum hat der eben dahingegangene große Helden- smeler folgenden Brief, der zugleich ein wertvolles künstlerisches Glaubensbekenntnis enthält, an seinen Biographen Philipp Stein ^richtet:Welcher Kimftanschauung. ich folge, möchten Sie er- > sichren. dlber Sie wissen ja selbst: ich bin kein Theoretiker und folge keiner 'Kunsttheorie. Bei all meinem künstlerischen I Schaffen folge ich nur einer Losung, benu jung erhaltenden Wort Euphorions: Immer höher muß ich steigen, immer weiter, muß i icn schauen. Welche Rollen über mein jetziges Repertoire hinaus t io spielen möchte, will ich Ihnen gern verraten. Ich möchte dm alten Faust des zweiten Teiles spielen und mit ihm sagen d crfen:Dem Tüchtigen bleibt diese Welt nicht stumm." Ich Kiiki^te den Gabriel Bortmann spielen und den Bildhauer Rubel, intb einmal zeigen, urie ich den Stil in Ibsens Höhenkunst auf- sosse. Ich möchte Hauptmanns Florian Geyer spielen vor (iDlemi aber möchte ich vor neue große Aufgaben mich gestellt )r*jen, die rroch von keinem anderen gelöst sind. Nur allzu selten jrcttich sind ber artige Aufgaben, doch ich hoffe immer roieber:

neuen Ufern lockt ein neuer Tag!"

E.K. Sveu .Hedi-n und N-o-be 1. Bei seinem jüngsten/ Irrster sshufentHalt hat Sven,iHebin im intimen Kreise interessante

brauchen vor dem'europäischen Kon^rt nicht zu erschrecken. Italien wird den Dreibund, nicht sprengen. Deutschland steht uns zur Seite. Kaiser Wilhelm hält neben uns aus in germanischer Treue. Bei diesen Worten brachen die Abgeordneten ohne Parteiunterschied in stürmische Eljenruke auf Kaiser Wilhelm aus. Die Interpellation wurde vom Ministerpräsidenten in der heutigen Sitzung noch nicht beantwortet.

Die deutsche und die englische ziotte.

Der Zufall hat es gefügt, daß der gleiche Gegenstand, die deutschen und die englischen Flottenrüstungen, gleichzeitig in der Budgetkommission des deutschen Reichstags und im englischen Unterhause behandelt wird. Wegen Platzmangels haben wir die sehr interessanten Verhandlungen der deutschen Budgetkommission nur sehr kurz wiedergeben können, während wir es uns ans dem erwähnten Grunde bisher leider versagen mußten, auf die nicht minder interessanten Verhandlungen imi englisclien Unter Hause ein­zugehen. Tie Reden, die im englischen Parlamente während' zweier Tage über deutsche und englifdje Rüstungen gehalten worden sind, spiegeln deutlicher als Monarchenbesnckie und offiziöse Ar­tikel die Stimmung Englands gegen uns wieder. Tas Leitmotiv der englischen Redner war: England ist zur See nicht genügend gerüstet und wird in seinen Flottenrüstungen von Deutschland bald überflügelt sein. Me Uebertreibung liegt auf der Hand, aber in England scheint man ihr geglaubt zu haben. In der Budgetkommission des deutschen Reiclwtages hat Staatssekretär v. Tirpitz schon tags darauf die englischen Uebertreibungen fest­genagelt. Aber ob das viel helfen wird. Man wird in England eben nervös, sobald von der deutschen'Flotte die Rede ist. Man verliert da gleich alles Augenmaß. Bezeichnend sind in dieser Beziehung die Ausführungen des englischen konservativen Unter Hausmitgliedes Lee. Tie Krisis, der die Nation gegenüber stehe, so erklärte er, habe das ganze Haus zu einer ein­nigen Partei britischer B ür geu geeint, die entschlossen seien, angesichts der gemeinsamen Gefahr zusaminenzu- arbeiteu. Redner betonte, die Umstände erforderten, daß alle 8 Treadnoughts auf einmal bestellt und so schnell als mögÜch fertiggestellt würden. Es sei kein Grund zu einer Panik, wohl aber Grund zu einem prompten und schleunigen Borgehen vor­handen. Deutschland habe in den letzten 12 Neonaten 9 Treadnoughts auf Stapel gelegt, roarum sollte es dasselbe nicht dieses Jahr wieder tun? Deutschlands Berechtigung, Schiffe zu bauen, stehe außer Frage. Bezüglich Deutschlands Er­klärung aber sage er mit aller Achtung vor dieser Erklärung, daß iie in praktischer Hinsicht nicht das Papier wert fei, auf das sie geschrieben sei. wenn sie nnrklich überhaupt dem Papim anvertraut sei. Premierminister Asquith unterbrach hier auf, den Redner uirb fragte, ob Lee einen Unterschied mache zwischen einer- mündlichen und einer schriftlichen Erklärung einer fremden Macht. Lee erwiderte, er wünsche nicht in eine Ev örterung gezogen zu werden, die es scheinen lassen könne, als ob er Betrachtungen anstelle über den guten Glauben Deutschlands. (Beifall.) Lee führte weiter aus: Wenn auch die Versicherung Deutschlands immer annehmbar sei, sei sie sicherlich doch kein Faktor, der für das Programm, das erst in zwei Jahren von jetzt an wirksam wäre, in Betracht zu ziehen sei. (Beifall bei der Opposition.» England habe von Deutschland weit bestimmtere Versicherungen erhalten, daß ds seine unbeugsame Absicht Ui, sein Programm, auszuführen, was immer auch England tue. Die englische Regierung ernte die Früchte ihrer Sparsamkeit, ihres Zögerns und ihres Schwankens und der Tag wäre für das englische Reich ein übler, an dem Englands Ober­herrschaft zur See sich ftüben müßte auf die unbeglaubigte Aw- nabme der Negierung und auf Versicherungen fremder Mächte. (Beifall bei der Opposition.) Nicht unreine Macht-Stan­dard , sondern um eine Dreiviertel macht-Stan-

Mitteilungen darüber gemacht, auf n ise er mit dem verstorbenen Alfred Nobel zuerst bekannt wurde. Der schwedische Forscher war damals noch junger Student, aber in seinem Kopf entstanden die Entwürfe gwßer Taten, die ersten Reisepläne. Sven Hedin hatte kein Geld: zwär war er bei der Regierung um ein Stipendium eingekommen, aber die Antwort ließ auf sich warten. Der junge Student kam schließlich auf den Gedanken, dem berühmten reichen Landswmm, der damals in Paris lebte, Zu schreiben und ihn für sein zeuttalasiattsck)cs Reiseprvjekt zu interessieren. Tie Antwort 9tobels begann wenig ermutigend: Ich bin kein Anhänger dieser geographischen Forschungsreisen, die mich heutzutage wie ein Anachronismus anmuten. Vom einen Emde der Welt zum anderen sind die Vtenschen durch TelegrapkMn und Post verbunden: es gibt in Asien Neugierige ober Gelehrte, die bnn Reiseziel näher wohnen als Sie, und die eS beobachten und beschreiben können. Ich glaube. Sie könnten für Ihren Tatendurst ein besseres Feld finden. Aber um Ihnen zu zeigen, daß ich nicht immer logisch handle, schicke ich Ihnen beiliegend zugleich eine Art Dementi meiner Ansicht." Dem Brief lag ein ziemlich hoher Scheck bei: zusammen mit dieser von Nobel genisteten Summe und dem Stipendium der schwedischen Regierung unternahm bann Sven Hcdin seine erste Forschungsreise.

Der KlinikdieneoalS Dozent. In Wien verstarb nach 26 jähriger Dienstzeit der Diener an der chirurgischen Klinik Josef Brvger. Zu seinen Pflichten hätte es gehört, den Vor­lesungen beizuwohnen, um die vor zu stell enden Patienten zu brin- 9en und wegzuschaffen, Präparate zu holen usw. In den Kennt­nissen, die er sich in der Chirurgie und vor altem in der Prüft, ngs- techmk gesammelt hatte, unterwies er seit Jahren die angehenden Aerzte in stark besuchten Kursen, die er irr einem Gasthause abhielt. Er zeigte dort das kunstgerechte Anlegen von Verbänden und erzählte von intereffanten Fällen, in benot Prüflinge das selt­same Leiben eines Pattenten tstcht Tratten feststellen können. Ntehrere hervorragende Professoren, die an deutschen Universitäten CHi­rn gie lehren, haben seiner Zeit die nie gesästvärrzten .Kurse Bvogers belegt. Einmal jährlich, unmittelbar vor Beginn der Weihnachts ferien erschien dieser inrcf) auf dem Katheder des Härsaales. Er bat dann um (Waben für die armen Patienten, die das Weitz- nachtsfest im .Krankensaal der Mtinif verbringen mußten. Die Stu­denten spendeten bann stets zahlreiche Gaben.

Eine Denkschrist um Einführung einer weltlichen E idesfo rme l hat der deutsche Mvnistenbund an Bundesrat und Reichstag gerichtet. Die Eingabe fordert, baß jebem, der durch die Ablegun-g des bestehenden dogmatischen Eides sich in feinem Gewissen in irgend einer Weise bedrückt fühlt, ob er innerhalb oder außerhalb deo kirchlichen Orgam sation steht, gestattet sein sott, durch die vereinfachte Formel ,^Jch schwöre es" sein Zeugnis zu erhärten. In gleicher Weise sollen Aenderungen in den bestehenden Bestimmungen für die Vereidigung von Schöffen und Geschtvorenen, Sachverständigen, Beamtcur usw. vorgesehen werden.

ba rb handelt es sich. (Welche grenzenlose Uebertreibung!) In der Erwägung, baß, wenn bic eine Piacht Deutschland sei, Oesterreich nicht außer Rechnung zu lassen sei, das kldrzlich ein Programm angenommen habe, das feiner jetzigen Flotte drei Dreadnoughts hinzufugt. Mchdem Lee feine Rede beendet hatte, teilte Gordon Harvey, der im Namen, der Radical Ewnomiste eine Resolution hatte einbringen wollen, in der bas Anwachsen der Flottenausgaben angesichts ber freunbschastlichen Beziehungen zu den fremben Mächten verurteilt wird, mit, baß er seine Reso­lution zurückziehen wolle, ba bic Erklärungen der Reaievung das Haus und das Land von ber Mtwendigkeit einer Verstärkung! ber Marine st reitkräftc überzeugt hätten.

Der Parlamentssekretär der Admiralität, Mac, Na Mara, führte alsdann aus: die Rebe Lees war übertrieben und bcun-> nilstgend. Tie Regierung erfamitc den Ernst bet Lage und traf die nötige Vorsorge, ihm zu begegnen. Es ist kein Grund vorhanden, zu versuchen, uns ditrch hypothetische Möglichkesten, die vielleicht nicht eintreten können, gruseln zu machen, ober denen, wen-n sie eintreten sollten, entgegenzutreten wir vollauf Zeit hätten. Unter den trübsten Aussichten würden wir Ende 1910 zehn und Deutschland neun, Ende 1911 sechszehn und Deutschland dreizehn Dreadnoughts haben. Wenn Deutschland be­züglich der beiden letzten Programme eine Beschleunigung ein­treten ließe, könnte es April 1912 siebzehn Treadnoughts haben. In diesem Falle aber würden wir, wenn England me vier tu] dem jetzigen Programme als eventuell vorgesehenen Sckpffe am 1. 'April 1910 auf den Stapel legt, im März 1912 zwanzig gegen siebzehn Dreadnoughts Deutschlands haben. Heute hat England vier Treadnoughts vollständig in beit Dienst. gestellt. Wir ge­wannen Erfahrungen, die die Regierung befähigen roerben, bert Gefechtswert ber folgenben Dreadnoughts wesentlich zu erhöhen. Noch mehr: Dentschlanb wirb bis nächsten Herbst nicht einen einzigen Dreadnought haben. Es ist nutzlos, so zusprechen, alSobEnglandüber Haupt keine Flotte gehabt habe bevor es Treadiwughts hatte. England hatte 40 erstklassige Schlachtschiffe, die noch 1912 unter 20 Jahre alt fein werden. Es sind nicht zwei anberd Mächte vorhanden, die zusammengenommeui eine so aus­gezeichnete Reserve befitzen. Kein! Land habe .Kriegsschiffe, die mit denen ausNelsons Großbritannien" vergleichbar seien. Großbritannien habe auch eine Flotte aus 45 Panzerkreuzern. Keine Zweimächtekombination könnte solche Flotte in See setzen. Die Flotte sei so gut, wie sie stets gewesen, wenn nicht besser] als zuvor. Die englische Regierung würde stets be=* reit sein , über eine A brü st u n g zu verhandeln, aber die semnßauch gleich zeitigerfolgen. AnEng- land kann m nn billiger Weise n i ch l d a: s A n f i n - neu stellen, anzufängen. Ich persönlich, Hinte Mac mafa hinzu, führe Feine K<a., über die beut)dien Rüstungen. Diese guten Leute verstehen sich auf ihr Geschäft. Wir auf das unsere. Beide machen 7lnspluck> darauf, daß wir die Lage vuhig und leidenschaftslos geprüft haben und bei dein angelangt sind, was wir für das MinimüM davon halten, was nufere national« Sicherheit erfordert.

Man sieht, der Vertreter der eirglischeir Regienmg bat es für nötig gehalten, menigftenö den gröbsten Uebertreibungerr hin­sichtlich ber deutschen Flottenrüstungen entgegeuzutreten. Sonst aber gewinnt man aus den Debatten int englischen Parlamente! nicht gerade den Eindruck, als tmvm man uns neuerdings jeif seits des Kana les freundschaftlichere Gefühle entgegenbrächte als bisher.

politische Tagesschar».

Die Finanzkommission des Reichstags setzte gestern die Generaldebatte und die Beratung über den § 1 des sEittwurses des Weinsteuergesetzes fort. Die Konservativen und die Reichspartei brachten einen Antrag ein, ber anstelle ber Flaschensteuer eine allgemeine Weinsteuer bezweckt, eine Wein­steuer für Wein unb Traubenmost im Werte von mehr als 40 Mark für ben Hektoliter von 7i/2 Pfg. für den Liter festsetzen will unb gewisse Befreiungen von ber Steuer vor sielst. Die! Kommffsion überwies mit 12 gegen 10 Stimmen bic Vorlage mit bem konservativen Antrag an die Subkommisfion. Diese soll sich auch mit ber Frage ber Besteuerung der alkohol­freien Getränke beschäftigen. Heute soll die Juseratensteuer be­raten werden.

Der Marineetat in der Bndgetkommiffion.

Die Budgetkommission des Reichstages erörterte am Don­nerstag in Fortsetzung der allgemeinen Aussprache beim Marine­etat die Frage der Ersparungen. Der Staatssekretär wendete sich gegen die Behauptting, daß in der Marine aus dem Vollen gewirtschaftet werde. Die iVerwaltung selbst habe ein Interesse an einer rationellen und sparsamen Verwaltting. Von freisinniger Seite.werden darauf die Unterschleifc auf ber Kieler Werft zur Sprache gebracht. Nachdem noch ein Zentrumsredner zum selben Gegenstand gesprock>en, weist der Staatssekretär ben Vorwurf, als ob die Vorkommnisse auf unseren Werften irgendwie mtt russischen Zuständen in Vergleich zu stellen seien, mit großer Schärfe zurück. Ein nationalliberaler dlbgeordneter empftehlt schär­fere besondere Revisionen, event. Heranziehung von Treuhand- gefellschafteu.. Der Redner kommt auf die Erklärungen As­quiths imi englischen Unterhause zurück bezüglich des Flotten- Programms. Hätte man nicht zu einer Verständigung mit England kommen können? Staatssekretär v. Tirpitz verweist auf die! Erklärmigen, bic der Reichskanzler in bezug hierauf im vorigen Herbst gegeben hat. Mit Rücksicht auf die Debatte im englischen Unter berufe über das Flotteuprogramm erfuefjt ein Zentrums- abgaorbneter um Ladung des Reichskanzlers unb des Staatssekretärs des Auswarttgen Amts zur ittichsten Sitzung. Die Budgetkommission beschließt demgemäß. Weiterberatung am Freitag.

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Der Poststreik in Frankreich.

Der gegenwärtige Stand des Post- und Telegraphenstreiks wird folgendermaßen gekennzeichnet: Parisi st von derübrigen Welt fast vollständig a b g e j dj n i tt e n. Die Postbureaus, non benen eine ganze Anzahl geschlossen sind, lehnen die An­nahme von Ettiscbreibebriefen ab. Briefe nach bem Auslande njerben nur vereinzelt befördert. Tie Trucksachenboten haben die Arbeit entgeftellt. Lfftch ber Streik ber Telephonistinnen ist fast allgemein geworben Die Streikbewegung nimmt einen be benkrtch en Umfan g an. Die meisten Blätter erörtenti

-lEe großer Beunruhigung die in bas gesamte öffenttiche -teven ttet einschnetoenben Folgen des Post- unb Telegraphenstreiks. Der heuttgen Kammerverhandlung wirb mit anßerorbentlicher Spannung entgegengesehen. Die Regierung sicht vor der Alter- natrve cnttoeber Niederwerfung ber Anarchie ober Preisgebtrng iegltck)er Autorität. Im Hauptpostamt kam es gestern zu hef- ttgen Auftritten, rnbem 600 Druckfachenboten die Brief-* träger von ber Arbeft abhaltcn wollten. 200 Schutzleute und