feftqeHellt hak. . ^roeifeüos hat sich Byrou, wie der „(Sri de i'ons' dazu bemerkt, von der Entdeckung des Bologneser Gelehrten inspirieren lassen, wenn er im zweiten Gesang seines „Ton Juan", der gegen das Ende des Jahres 1822 veröffentlicht wurde, davon spricht, daß der unsterbliche Mensch jede Art von Maschinen ver- vollkommnet hat und daß ihn bald Dampfmaschinen zum Monde führen werden. Wer ober der Bologneser Gelehrte war, der Byron inspirierte, ist nicht feftgeflellt
— EinneuesUrbilddesRobinson. Den zahlreichen Vorbildern und Urbildern des Defoeschen Robinson Crusoe, die eifriger Forschersinn in der ausgebreiteten Reiseliteratur jener: Zeit aufgespürt hat, gesellt sich eine neue Gestalt, die ebenfalls Anwarticyast daraus macht, das Modell für den unsterblichen Robiniow abgegeben zu haben. Wie Louis Bresson in den D6bats ausführt, enthält ein sehr seltenes Buch auf das der holländische Schriftsteller Hoogewersf aufmerksam macht, das 1708 erschien und von dem sich ein Exemplar auf der königlichen Bibliothek im Haag befindet, die Erzählung eines Reiseabenteuers, das viele Aehnlichkeit mit der Geschichte Robinsons aufweist, der Erzähler, der sich Krinke Kesmcs nennt und eigentlich Hendrik Smeeks hieß, war mit einem Schiss, dem „Goldenen Drachen", von Batavia abgesegclt, mit der anderen Mannschaft an Santi gegangen, hatte sich verirrt und war allein in unbekanntem Gebiel zurückgeblieben. Lange lebte er einsam mit einem treuen Hund, dann wurde er von den Eingeborenen gefangen genommen und kam nach vielen gefährlichen Abenteuern wieder nach Holland. Defoe, der zwei Jahre lang in Holland lebte, kann das Wer? sehr leicht kennen gelernt haben, zumal er wahrscheinlich Holländisch verstand. Es finden sich in dem Roman Defoes nicht nur Einzelheiten, sondern auch B^eichnungen wie z. B. De wild zee (das wilde Meer, die mit den Berichten des hol-, ländischen Abenteurers übereinstimmeir.
- Eine hübsche Joachim-Anekdote erzählt Karl Reinecke in der Deutschen Revue aus dem reichen Schatz seiner Erinnerungen. die er in einem sechzig jährigen Verkehr mit dem Meister der Violine gesammelt. Er hatte nrit Joachim zusammen! ein Konzert in Bremen gegeben, und als sie nach der Abfahrt am anderen Morgen allein im Eisenbahnkupee saßen, trieben sie allerlei musikalische Allotria, gaben einander Charaden aus und unprovisierten zweistimmige Canons. Da sah Plötzlich Reinecke auf der Fußmatte etwas Goldiges blinken und rief: „Schau her, Joachim, da liegt ein Louisdor j" Beide waren sehr erstaunt über den Fund, wurden aber noch verblüffter, als sie nach und nach immer mehr von diesen angenehmen Goldstücken fanden. Da ging Joachim plötzlich ein Licht auf; er hatte seinen Anteil an der Konzerteinnahme blank in seine Hosentasche gesteckt, und diese hatte ein Loch.
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Freitag 2^. September 1909
159. Jahrgang
NedaMon, (ErpeMtion und Kinderei; Schulftratze 7.
bi vo^rrchtt^gs'^uh^ Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange.
Nr. 224 / Ter Siebener UnjerfCr erscheint täglich, ^Mßer tzonntagS. - BMagen: viermal wöchentlich SietzenerFamilienblätter; zweimal wöchentl.Nrei5- dlattsürdenUrelrSieden (Dienstag und Freitag); zweimal inonotl. Land- «irlfchafiliche Zellfragen Fernsprech - Anschlüffe: für bic Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Anzeiger Gießen.
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Geschäft von dem Londoner 'Starft vertreiben würde. ^Nnjor Co ater erklärte, daß, als die Stempelsteuer im Jähre 1908 in Berlin erhöht wurde, das gmrze Geschäft der Fonds- börse nach England abgewandert sei. Von dem Vertreter des Schatzamtes wurde dagegen geltend gemacht, daß die neue Steuer dem Geschäft keine unbillige Lasten auferlege. Der Paragraph wurde schließlich mit 216 gegen 84 Stimmen angenommen.
Verhältnisse und der Rechtsprechung, wie sie bei den Versicherungs ämtem' nicht vorausgesetzt werden könnten. Mit der Ausschaltung der Versicherungsträger aus der Rentensestsetzung würde also ein gutes Teil der Gleichnräßigkeil verloren geben, die sich zweifellos als ein Vorzug des gegenwärtigen Systems herausgebildet habe. Tie Uetertcagung der Rcmensesrsetzung aus das Versicherung samt würde also die Einfügung einer vollen neuen Instanz in das Verfallen und damit eine Verzögerung der Rentenseststellung bedeuten.
Deutlicher als die Begründung kann auch der Gegner nicht gegen den Entwurf sprechen.
Line erhöhte Sörsensteuer in Lugland.
London, 23. Sept. Im Laufe der Beratung des englischen Unterhauses über den § 56 derFinan5- b i l l, welcher die Stempel st euer auf börsengängige Papiere mit Ausnahme von Kolonial- und Regierungsanleihen verdoppelt, sprachen fiel) verschiedene Unionisten gegen diese Steuer aus, weil die erhöhte (Steuer das
Noch eine Triolen-Affäre?
Nach einer Blättermeldung aus Elberfeld soll auch ein soziatdeirtokratischer Reichstagsabgeordneter ähnlich 'sich lom- promittiert haben, wie der Äbg. Schack, ^ür die Richtigkeit dieser Beschuldigung übernehmen wir jedoch keine Gewähr.
Elberfeld, 23. Sept. Jn der gestern vorn Zentralverband der Handlungsgehilfen Deutschlands hier abqehaltenen öffentlichen Versammlung wurde auch die Trtolen-Affäre Schacks kritisiert. Darauf bot der Vorsitzende des hiesigen Deutsch- Nationalen Handlungsgehilfen - Verbandes einen Wahrheitsbeweis vor Gericht dafür an, daß der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Hengsbach (Duisburg-Mülheim) ähnliche Dinge begangen habe und die sozialdemokratische Parteileitung davon auch unterrichtet sei. Bebel habe jedoch em Einschreiten für unnötig erklärt, so lange die Angelegenheit nicht öffentlich bekannt und nicht ein Druck durch die bürgerliche Preffe erfolge.
Hamburg, 23. Sept Tas von Julius Campe gekaufte Heine-Denkmal auf Corfu lvird in dem großen Ehreuhof des an der RLoenckebergerstraße beim Hmrptbahnhofe befindlichen Barkhofes ausgestellt. n , fX.[:
— Byron und das lenkbare Luftschiff. Inden „Unterhaltungen mit Lord Byron*, die ein Freund des großen Lichters, Kapitän Metern, 1822 in London veröffentlichte, 'nachdem er ihn längere Zeit in Pisa besucht hatte, anbei sich eine merkwürdige Mitteilung, die gerade in unseren Tagen erhöhtes Interesse sindet. .Sollte man sich nicht darüber beklagen, daß man zwei oder dreihundert Jahre zu Trüb geboren ift ?" sagte Byron eines Tages zu Medwm, indem er ihm einen italienischen Brie! vorlegte: ,T a ist ein Gelehrter aus Bologna, der behauptet, das Geheimnis gesunden zu haben, wie man Oie Ballons mit Hilfe eines Steuers lenkt, und bei mir versichert, daß er bereit wäre, seine Entdeckung der Regierung mitzuteilen. Ich stelle mir vor, daß wir ichr bald in Luit-einen reisen werden; wir werden Reisen in der Lust statt auf dem Lai c machen, und schließlich werden wir den Weg finden, zum Monde zu fliegen, trotz des Mangels an Atmosphäre, den Fontenelle dort
doof in New-York.
Die Ratsmännerversammlung der Stadt Newyork hat verschiedene Ehrungen für Dr. Cook beschlossen. So soll der Forscher in der Stadthalle von den Behörden der Metropole teierlich empfangen und zum Ehrenbürger von Newyork ernannt werden. Diese Ehrung ist bisher nur drei Personen in ihrer Eigenschaft als Privatleuten zuteil geworden, nämlich dem Marquis de la Fayette, dem Freunde Georde Washingtons, der sich an den Kämpfen um die Unabhängigkeit der Union als Freiwilliger rühmlichst beteiligt hat, ferner dem englischen Romancier Charles Tickens und dem Prinzen Heinrich von Preußen aus Anlaß seiner Amerikafahrt. Dr. Cook empsing am Mittwoch im Waldors-Astoria-Hotel zahlreiche Newyorker Journalisten, mit Denen er sich eingehend über feine Nordpolexpedition unterhielt. Ter Forscher erklärte unter anderem, daß er seine Berechnungen und Messungen innerhalb von zwei Monaten dem Küstenvermessungsaml der Vereinigten Staaten oder irgend einer anderen wissenschaftlichen Korporation vorlegen würde, und daß er überzeugt davon sei, daß diese Institute seine Angaben gründ lich prüfen würden. Dr. Cook wünicht aber, daß inne Dokumente vollständig und nicht etwa bruchstückweise geprüft werden. Er erklärte den Journalisten, daß er täglich auf das Sorgfältigste Beobachtungen vorgenommen habe. :C bi Interviewer fragte Dr. Look, ob er auch eine Südpol exped 11i 0 n unternehmen wolle Dr. Cook verneinte dies und entgegnete: „Tas werde ich dem Kapitän Scott und dem Leutnant Shakleton überlassen."
Berliner Cheaterbrief.
.Man soll keine Briefe schreiben!" Aus Berlin wird uns geschrieben- „Eine Groteske" haben Konrad Stifter u. Walter Turszinsty ihrem Opus, das unter dem langatmigen ^itel Man soll keine Briefe schreiben!" am Mittwoch im Luit,viel Hause i'um erstenmal in Szene ging, als Aushänge,chckd angehefte, und damit wohl von vornherein auf alles verzichten wollen, was Sinn und Wahrscheinlichkeit hieße und irgendwie nach höheren Ansprüchen aussehe. Der tolle Einfall, der Der Handlung zu Grunde liegt, ist zu einem reckst langengedehnt, auf, ten die Bonmots, die guten und die ichlechten Witze, die ^ituatwns scherre und nicht zuletzt die kleinen Ktiirurixm Bosheiten eng aneinander ausgerecht sind, um die-LastMUsketti: der.A'lchauer mit aller Gewalt in Tätigkeit zu fetzen sollst ferne Brrefe schreiben, dieweil sie kompromittieren kormten/ — diese-ehr. der Autoren hat ein Polrzerra^ mcht tehe^gt. Er hat dre glühendsten Liebesbriefe an die drrtni eines $>aron£, seit langem in zarten Beziehungen stand, ge,chrleben, und nun da er der Geliebten den Abschied geben nrutz, um stch durch eine Geldb'irat vor seinen Gläubigem zu retten, werden die Briefe von dem berühmtesten aller Einschleicher zugleich Mit sxn Juwelen der Baronin gestohlen. Der Polizeirat ist m .^5.verzlmLestm Lage. In einer ^senc die wie eine Sherlock ho lnnade imnaitet, stellt er, & TSÄ gehr»,teilte S-ind alter Vcrbrrchrr.
iofort bm wahrt» Täter fefi; aber er kann chn mcht sestmh^^ fcröern muh vielmehr alles auchreten. dm SMrcn®m drochrns zu veno,schm, um von ihm die kompromittiermden Vri^e wieder zu erlangen. Er sucht de» Maim m de .
auf — was den Anlaß zu einer Änderung dies^ Mil«^ wt Operettenstil gibt aber ui diefer cms Kom geitellten Welt ioohnt Edelsinn und Treue nur in den D^cn des an akuter Dichtrnilis leidenden Pkeistereinbrechers, erratene
lesen und an ihrer Glut sich entzündet hat w^ nun die oeiwatene Liebe rächen will. Der sonst Unfaßbare stellt sich'selbst Polizeirat, um ihn zu chnimomittieren. ^tzeß ichwnd da- Unheil von dem nie um Ausflüchte verlegenen ^ei^iorn oam noch abgewendet, indem er die Baronin dazwischen b/
die/von so viel Gemüt in dem Herzen des *
brechers gerit. it, ihn zur Flucht uoer,edet ^.Nch awchickt rhrn zu folgen und ihn die Stelle des ungetreuen PolMiratL' emnehmrn zu lassen. Das alles ist, wie gesagt, nur der ^und zu einer Serie von Witzen, die ins Publikum gefchleudert werten imö die zum Teil auch ihre Wirkung nicht verfehlen .ÄO.jeMü Lache, folg nicht aus, zumal die Auwren durch ernt st
Darstellung unterstützt wurden.
Der spsnifche Zel-zug in Marokko.
Am Mittwoch haben, nric schon gemeldet wurde, die Spanier einen Erfolg gehabt. Der Feind wurde bis Soco-el- Had Kurüclgedrängt, unb damit glaubt man in Madrid den Schlüssel des Gnmguberges in Händen zu haben.
Madrid, 23. Sept. Nach amtlichen Meldungen au3 Melilla betrugen die Berluste der Spanier bei dem gestrigen Kampfe: 2 Soldaten tot, 1 Offizier und 18 'Dtarni verwundet. Die Ma r okkaner sollen bei dem >bampfe am 20. September 79 Tote gehabt haben.
Madrid, 23. Sept. Wie amtlich aus Melilla gemeldet närd, ist die Stellung der spanischen Trupperr folgende: General Alfau steht östlich von Jalel bei Dar-cl- Hach, General del Real zwischen Dar-el-5)ach und Rostro- gordo, westlich von Tves Forcas, General Tovar Ixit das Tal des Rio Oro und General Sotomayer Suk Beni Sikar besetzt. General Lrozeo befindet sich noch bei ben Minon von Aograz in der Nähe von i)Na.r Chica. General Norina mißt der Besetzung von Suk Beni Sikar große Bedeutung bei, da bedeutende Teile des dorttgen Stammes dadurch abgefchnitten und der feindlichen Harka dieser fvichtige Marktplatz, der ihr als Sammelplatz zu bienen Pflegte, entrissen sei.
Paris, 23. Sept. In diplomatischen Streifen versichert man, die französische Regierung werde bei dem Meinungsaustausch, zu dem der Protest Muley Hafids Veranlassung geben werde, gemäß der von ifpr bei der Beurteilung marokkanischer Gcenzfragen befolg!en Doknn den Slandpunit vertreten, das; das diplomatische >:vrps iridjt kompetent sei, sich nrit dem marokkanischen Protest zu befassen, und daß der Maghzeu und Spanien demnack) ihren Streitfall unter sich allein austragen müßten.
Zur Beseitigung kommunaler Verbrauchsabgaden.
Der § 13 Hbf. 1 des Jolltarifgesctzes bestimmt: „Für Rechnung von Monvmur.en ober Morporativnai dürfen vom 1. April 1910 ab Abgaben auf Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und andere Mühlcnfabrikate, desgleichen aus Backwaren, B i e h, Fleisch, Fleischwaren unb Fett nickst erhoben werden." Es bestanden Zweifel, was alles unter die bezeichneter Begriffe falle. Ter Staatssekretär des Rei chs scha tza mts I)at jetzt aus ehre bezügliche Eingabe ter Zentralsdell« des deutschen Städtetages folgentes geantwortet:
Auf die an das Reichsamt des Innern gerichtete, hierher abgegebene Eingabe vom 15. Februar d. I. erwidere ich ergebenft, daß ich nach der Entstehrmgsgeschichte des § 13 des Zolltarif- gesel_.es vom 25. Dezember 1902 annrHine, daß die Ausijcbung des Gemecndeoktrois aus Getreide, HiUseufrüchte, Mehl^Mühlen- fabrikate, Backwaren, Vieh, Fleisch, Fleischwaren und Fett ausschließlich zu dem Zwecke e-rsolgt ist, um ftn Interesse der ärmeren V 0 l k s k r e i se zu verlrindern, daß der Preis ter* durch die erhöhten landwirtschaftlichen und Viehzölle des Reichs getroffenen Lebensmfttel durch Gemeirsteßeuern noch lucit-r gesteigert wird. In den ziommissionsverhandlurrgen des Reichstags, die zu jener Bestimnruug führten, trat dieser Gesichts punki mit voller Schurse zutage. Es fann bei dem bt- steheudeu Zweifel über die Auslegung des Wortlauts des § 13 um iv nn-niger davon abgesehen werten, aus ter Entstehungs geschachte ter erwähl neu Bestimmung ihren Sinn zu interpretieren, als die preußische tzlesctzgebung (§ 15 des Kommunal abgabuigeietey- von ter gleichen wirtschu;rlich.m Auffassung aus die Einfüifruug ter Wildbret" und Geflügel steuer in weitestem Umfange gestattet, die Besteuerung des „Fleisches" aber au,s engste eftlschräntt. Die übrigen Bezeichnungen sind meines Erachtens lediglich nach dem Wortsinn aus .ulegen. Im einzelnen gefüllte ich mir aus folgende Punkte besonders hrnzuweisen: 1. Fett ist im 8 13 a. a. O. ganz allgemein als eine Warr aufgeführt, die ter Besteuerung durch die Gemeinten entzogen sein soll. 'Teslstttb wrrd auch die Erl-eduug einer (temciute verbraucl)sabgate vrn Pffanzenbutter üi§ ausgeschlossen anzw sehen sein. 2. Die in Nordteuffchland Marzipan gerwume Ware iwrd s.Mr chin iqtb w'.ücr nurur Bactuerfthpeu u^tCl. worfen, intei en wird sie mchr alv B.rckuwrk bezeichnet m.rben können, weil das Blicken nicht wri'esrtlich ^u ihrer Herstellung gehört. 3. Dns Verbot des 13 Abs. 1 a. a. C. rickstrt sich allgemein gegen Getreide und umfaßt dater, wenn man den Wortsrnn zugrunde legt, auch das zu Futter zweck en be- kimmte Getreide. Eine andere Auslegung wurde zudem dos Mißliche haben, daß die Gemeinten zu riner Ueberwachung dir Veriocudung des Getreides würden übergehen müssen. Eine fotd;c Uebenvachmrg erscheint mir aber häufig kaum ausführbar.
Die Begründung zur Reichöversicherungrordnung.
Aus industriellen Streifen erhalten wir folgende Zuschrift:
Das seltsame Schauspiel, daß die Begründung eines Gesetzentwurfs gegen die Vorschläge des Entwurses selbst spricht, tarnt man bei ter jetzt zur Debatte stehenden Reichs- genossensck)asteu hätten baher recht, wenn sie sick) sowohl über düng eines Gesetzentwurfes, wie schon ter tarne besagt, die Gründe enthalten, weshalb ter Entwurf eingebracht wird. Die Begründung zu tem Entwürfe ter Reick)sversichemngsordnung enthält aber an einer ganzen Anzahl von Stellen Auslassungen, welche die Dorsckffäge tes Enttvurfes bekämpseit und sie direkt als überflüssig erscheiTteit lassen.
Die Begründung sagt: Für den Versicherten sei die Haupt fache, was ihm gemährt werde, vorausgesetzt nur, daß die Sciftuntr fähigkeft tes Venicherungsträgcrs unzweifelhaft verbürgt sei. Das trifft bei ter Unfall- und Invalidenversicherung unbedingt zu, sagt die Begründung. Daraus kann man nur folgern, daß eine Aenteruug ter jetzigen Organisation, wie ter Entwurf sie will, überflüssig ist.
Noch viel entschiedener spricht die Begründung gegen den Entwurf in einem seiner wichtigsten Vorschläge. Ter Entwurf ivill für die Nentensestsetzung neue Bestiinmungen treffen; denn, so sagt die Begrüirdimg, gegen die jetzige Art ter Rentenfestsetzung werten verschiedene Beschlverten vorgebrackst. Eine Haupt-Beschwerte lautet, daß der verpflichtete Verticherungstrüger, also bei ter Unsallversicterung die Berufsgenossenick-ait, selb>t einseitig die eigene Verpflichttmg festsetze und daß die Versicherten u-.ckst ausreichend (telegenheU hätten, ihre Wünsche und Betveismittel vorzubringen. Aber, so sagt die Begründung: Auf allen Oiechts- gebieten gilt die Regel, daß, wer eine Verpflichtung zu^ersüllcn hat, aud) in ter Lage sein muß, selbst zu ter Forderung Stellung zu nehmen. ES fehlt an jedem Reckstsgrmirdr, zu Ungunften ter Dersick^rungsträger, also z. B. ter Berufsgenossenschaften, von dieser allgemeinen Regel eine Ausnahme zu machen. Die Beruch- genosseusckiaften hätten daher das Recht, wemi sie sich sowohl über ihre Sterntwilligkeit zur Erfüllung ter Verpflichtungen selbst als auch über deren Maß selbständig erklärten. Räumt die Begründung ten Berussgenossensckw: t. n aber dieses Recht zu, dann sind doch die Vorschläge tes Entwurfes über die Erricktting von Bersick)erungsämtern, welche den Berufsgenosseiischaften diese Rechte nehmen njoflen, direkt überflüssig.
Weiter sagt die Begründung, es trage sehr weientlich zur Beschleuuiming des ganzen Versohreiu; bei, wenn die Urkunde des Festltellungsbescheides vorn Bersickterungsträger selbst, nickst von einer dritten stelle ausgestellt werte: diese Beschleunigung diene gerade ten Interessen des Rentenbewerbers. Damit liefert bic Begründung wieder einen Gnmd gegen die Vorschläge tes Entwurfes über die Errichttmg der Versichermrgsämler Außerdem sei, sagt die Begr-ündung, die Berufungsfrist so ausgiebig 6: messen und die formellen Anforterungen an die Bernfungsschrnt seien so gering, daß ten Versicherten ohne Unbilligkeit zugemutel werten könne, sich durch rechtzeitiges Einlegen tes Rechtsmittels M sichern. Sckstießlich, so sagt die Begründung, haben die Er fahruiigen bic Envartungon des Gesetzgebers nicht getämcht, ban die Organe ter Versicherungsträger bei ter Rentenfeitietzung ob- jettin m Werfe gehen würden. Die Beschwerten igien also unbegründet. . .. • r...
Die Begründung spricht irch noch an anderen stellen gegen wesentliche Neuerungen tes Eittwnrfes ans. Ter Entwurf lvill Versichrrungsömter schaffen und ihnen solche Befugnisse übertragen, daß z. B. die Berufsgeiwssensckstlften zunächst uberwaast, in ihren Rechten wesentlich beschränkt und schließlich völlig verdrängt werten würden. Natürlich wehren stch die Berufsgenonen- schaften gegen eine solche Vergewaltigung. Ihr Widerstand, }o swrt nun die Begründung, verdient ernste Beachtung, da es zur erMgrciaten Durchführung ter Reichs Versicherung auch m Zukunft ter irt-ubigen Mitwirkung der Versicherungsträger beterie. <tic hätten eine so eingehende Kenntnis ter allgemnneu beruslu'e.u


