Ausgabe 
24.8.1909 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

hingen

Beller

, Ww. Himel i l Dew. Himel ; itt W

imGles:

M

1,15 ühr. imeyer.

131« ' tfö1 Ml 'M

M , 206.6

-118#

1B

Auch "bic Retourkntsckie von t>cr Skrbrüberung bo3 Liberalismus mit bcr Sozialdemokralle ist so kläglich nrie möglich. Die Konser­vativen haben in tagelangen intimen Beratungen mit dein Zentrum uni) den Polen ihren Schlachtplan genau jcftgclegt; die Liberalen aber haben mit den Sozialdemokraten überhaupt nicht verhandelt, ja säst bis zum letzten 'Jlngcnblid. nicht gemutzt, ob diese die Erb anfalifteuer annchmen oder ablehnen nmrden. Ebenso war cs bei allen anderen Steuern. Wie soll der scharsen Parteipolemik ein Ende gemacht und der immer noch zunehmenden Verbitterung ein Ziel gesetzt iverden, wenn derartige plumpe Ausfälle dazwischen- lummen?

Deutsches Reich.

Der Kaiser hörte gestern vormittag in Wllhelmshöhe die Vorträge der Chefs des Militärkabinetts und des Marinekabütetts.

Tas Redeverbot der Kieler Polizei gegen den englischen Abgeordneten Macdonald hat in den Streifen der eng^ liscyen Arbeiterpartei grobe Erregung l-ervorgerusen. Der Ab­geordnete Keir Var die hat die Absicht ausgesprochen, die Lin gelegen^ heit schon in den nächsten Tagen im Parlanient zur Sprache zu bringen. Die deutsch-feindlichen Zeitungen benutzen den ZlmschenfaN zu heftigen Angriffen.

Bei den Waggon- und Maschuienjabriken van der Zhpten und Charlier-Deutz wurde 400, zu urteil lange Jahre auf den Werken beschäftigten Arbeitern gekündigt.

Der Vertrag, der dem Kampf tm Hamburger Ban- gewer beein Ende macht, wurde zwischen dein Baugewerbeverbaiid einerseits und den Vertretern der beteiligten 13 Arbeiter verbände anderseits unterzeichnet. Die Arbeit wird heute wieder aus­genommen werden.

18,5 °C.

12,3C.

isen-Indastrie

idelsges. Bank nk it. Bank

JtojfÄ

-foöulein »j ,

^UllyT-h.

Herrn Furu-Kawa und seiner Partner übergingen, der sie nun shstematisch und gründlich abbaut. Es sind drei Hauptkupfer­stätten da: Die Honsan, die Tsudo und die Kötakiminen, die zu- fammen etwa 14 Prozent der ganzen japanischen Kupferproduktion zu Tage fördern. Ein dichtes Netz von Feldbahnen im Außen­dienst Pferdebähnchen, im engeren Kreise elektrisch betriebene Bahnen verbindet die einzelnen Teile des Minenbetriebs mit der Zentralstelle, wo die ausgedehnten Verwaltungsgebäude stehen. Man hat sofort den Eindruck, daß da zu viel verwaltet wird. Ter Japaner leistet ja in Kopfarbeit und auch mit seinen Händen nur etwa ein Drittel der Arbeit des Europäers, und so findet man denn einen über alle unsere Vorstellungen weit hinaus- gehenden riesigen Verwaltungskörper. Allerdings ist außer den eigentlichenArbeitern" auch eine ganze Zahl derMit- geschleppten" da, die Verwandtschaft und Bekanntschaft hier untep bringt und durchfüttert. Die Beamten verdienen freilich für un­sere Begriffe nicht übermäßig viel, das Durchschnittsgehalt ist wohl etwa 40 Pen, gleich 84 Mark. Es ist aber immerhin noch be­deutend höher als die Löhne der Arbeiter, die in den Schmel- zereien bei 10- bis 12ftünbiger Arbeitszeit 1,60 bis 2,10 Mark bekommen, während sie in den Minen, wo in drei Achtstunden- fchichten gearbeitet wird, mit dem Aklordsyftem 1,10 bis 4,20 Mark, im Durchschnitt aber nicht mehr als 2 Mark verdienen. Bei solchen Löhnen ist es verständlich, daß sich der Betrieb recht gut ren­tiert. Zudem werden die 6500 Pferdekräfte, die zum Betrieb nötig sind, aus den Wasserkräften der Gegend bei einer ganz mäßigen Staatsabgabe billig und ohne allzu große Kosten ge­wonnen: das System der Feld- und Schwebebahn verbilligt den Versand der Fabrikate und den Bezug der notwendigen Betriebs­mittel von und zur Bahnstation und dazu kommt, daß die Kohlen aus einer ganz nahe gelegenen, mit der Gesellschaft in Konnex stehenden Kohlenmine bezogen werden. So mag bei der Förderung von ca. 6300 Tonnen reinen Kupfers aus etwa 230 000 Tonnen Kupfergesteins und beim Gewinn von Gold, Silber und Arsenik als Nebenprodukten ein ganz hübsches Sümm­chen für den Eigentümer bleiben.

Es ist für den Betrieb der Minen, wie auch der Raffinerie im Nikkotal bestimmend, daß die Arbeitskräfte so unendlich billig sind. (Tie etwa 100 in bcr Raffinerie beschäftigten Frauen zum Beispiel bekommen 6065 Pfennige im Tag!) Da lohnt sich der Gedanke gar nicht, der unsere westliche Industrie beherrscht: teure Menschen­hände durch billigere, gleichmäßiger und regelmäßiger arbeitende Maschinenlräfte zu ersetzen. So findet man zwar in den An­lagen sehr gute Maschinen, erfreulicherweise neben wenigen ameri­kanischen, hiiuptsächlich deutsche Fabrikate, deren Solidität, und Preiswürdigkeit bic Ingenieure all.nthalben loben, aber es fehlen die raiiimeiten Komöinalionsmaschinen, die man bei uns heft. So stehen hier in der 'Raffinerie Arbeiter mit langen Zangen bereit, um die zu walzende itupferplatte in Empfang zu nehmen und durch die einzelnen Gänge zu schieben, bis fie gleichmäßig dünn ist. Zwar fnrd sie hervorragend geschickt und schnell ui ihrem Werke, aber -was will das gegen die Unfehlbarleft unserer modernen Maschinen? Nur die Billigtest der Arbeitslöhne kann hier die größere Leistung der Maschine paralysieren.

Es ist für den Deutschen, der an das prompte und jeF.t ziem­lich sichere und lautio.e Funktionieren des Apparates unserer Arbeiterschutz-- und Per! ichrrungsgefttzgebung gewöhnt i|t, nicht ohne Sntereiie, sich in Japan in dieser Hinsicht umzusehen. Zu­

nächst fehlt es da beinahe völlig an einer gesetzgeberischen Rege­lung auch der primitivsten Fragen in dem großen, schweren, sozialen: Problem der Nwdernen Arbeiterftage. Das nruu man mit üi Betracht ziehen, wenn man die Kvnkirrrenzfähiglcft der deutschen! Industrie im Osten erwägt. Schon die anderen europäischen Staaten arbeiten um die Lasten billiger, die unsere Industrie zu sozialen Zwecken trägt. Die erwachende japanische Industrie wird noch gefährlicher unserem Exporte werden, weil sie mit viel billigeren Arbeitskräften arbeitet. Unser Bestreben kamt dabei natürlich auf kein Zurück in dem vorbildlichen Werke unserer Sozialgesetzgebung gerichtet sein, sondern es muß im Gegenteil unser Ziel fein, den anderen Staaten unser Beispiel zur Mch- ahmung zu empfehlen. Das nur nebenbei. Es ist interessant, zu sehen, was ein großes Werk, wie die Ashiounncn heute schon rein privat sür seine Arbeiter tut. Es ist oberflächlich betrachtet red)t viel und ichmilzt, schärfer unter die Lupe genommen, zu dem zusammen, was jeder Arbeitgeber tun wird, um das berühmte patriarchalische Arbeitsverhältnis, das ja zumeist in der Sicherung billiger Arbeitskräfte besteht, zu sichern.

Für die Beamten ist ganz gut gesorgt. Sie wohnen nicht teuer in Häusern der Gesellschaft und können für durchschnittlich acht Pen, also 17 Mark im Monat alle Mahlzeiten europäisch und recht gut im Beamtenboardinghouse einnehmen. Auch die Arbeiter wohnen zu zwei Dritteln in Gcselli'chaftshäusern. Aber wie sind sie meist zusammengepfercht, und was will diese Ver­günstigung heißen bei einem System, da jeder Arbeiter jeden Tag selbst gehen und, was das Wesentliche ist, auch entlassen werden kann und dann sein Haus räumen muß? An den schlechten Wvh- nungsverhältiiisscn hat auch ein großer, übereilter und planlos geführter, partieller Streik der Arbeiter im letzten Jahre nichts zu ändern vermocht. Helfen könnte hier nur ein allgemeiner Ausstand, und den zu führen, sind die Arbeiter zu arm und zu unorganisiert. Tie Minengesellschaft hat für die 2000 Kinder ihrer Arbeiter zivei eigene hübsche Schulen erbaut. Jede Mine besitzt ihr eigenes Hospital mit je 4 Aerzteu, das, falls nicht be­setzt, auch den Familienangehörigen der Arbeiter unentgelllich offen steht. Allerdings ist es ziemlich stark besetzt, denn die Unglücksfälle in den deinen sind außerordentlich zahlreich Ferner verkauft die Gefellschast an Beamte und Arbeiter Reis und sonstige Lebensmittel zu Engrospreisen und endlich bezahlt sie den Witwen der im Betrieb verunglückten und getöteten Arbeiter ein Sterbegeld, das je nach den Arbeitsdienst;ähren des Ver­unglückten sich auf den Durchschnfttstageslohn ton 10500 Tagen beläuft. All diese sozialen Kosten verursachen bei den 14 000 Beamten und Arbeitern einen Jahresauswand von 30 000 Pen, also von etwa 63000 Mark! Dabei darf nicht außer Acht ge­lassen werden, daß die Minengesellschaft sozialpolitisch zu den fortgeschrittensten Ardeftgebern ui ganz Je.pan zahlt. Andere teilten sozial gar nichts und Haden doch genug Arbeitskräfte.

Alan wird die sozialen Zustände in Japan sehr mitzuerwägen haben, wenn man die Chancen ausländischer Industrien im künf­tigen Japan erwägen will. Denn es hat allen Anschein, als ob unter dem brauchbaren FirmenschildErziehungs- und Finanz­zölle" eine recht hohe Schutzzollmauer um die lapanischc National­wirtschaft bei der nächsten Tarifreoifion in den Jahren 1910 und 1911 errichtet werden soll.

richte

Bank für Hande

Briefe aus Japan.

Don Di» Fritz Wertheimer.

IV. Ashio, die größten Kupferminen Japans.

Wenn man in Mkko, dem japanischen Sommeraufenthalt, dem berühmten Begräbnisplatz Jeyasns, wo sich Schönheit und Kraft der Matur mit der Pracht und der Würde der allen Tempel innig ineinanderschmiegen, das Tal des wilden Gebirgsbaches Dayagawa hinaufpilgert, dann begleitet den Wanderer ein schmal- purigcs Feldbähnchen, auf dem schwere, starke Ochsen mit den ieltfamcn Schutzdächern gegen die Sonne ihre Lasten ziehen. Wohl eine Stunde auswärts bringen sie von der Station Hachishi Vorräte und Kohlen, um auf dem Rückwege Kupfer und Tupfer * draht dafür einzutauschen. Tenn da hinten steht mitten in der wilden Gebirgsschönheit die Rassinerie der großen Kupfer­minen, die selbst wieder ein paar Stunden hinter dem Berge liegen. Es ist eine harte und wenig begangene Tour von Nikko zu den Minen. Der Hoso-o-Paß liegt dazwischen mit seinen 1300 Metern, und es ist sür Pferd und Reiter eine anstrengende Geschichte, in Stein und Geröll, zwischen alten Baumstämmen durch und an Bergabhängen vorbei den Paß zu übersteigen. Die Heine Feldbahn macht sich das leichter. Vom Fuß des Passes an, wird sie als Schwebebahn nach der, Erfindung eines deutschen Ingenieurs herübergeleitet und elettrisch betrieben. Da schweben dann hoch in der Luft gleichmäßig und ftcher die Kupferpakete und Kohlenbunker hin und zurück und fpotten des Reiters, der in der Sonnenglut sich abrackern muß Den aber lohnt die Natur. Prächtige Ausblicke auf weite Täler offnen iid), Wasserfälle stürzen aus Seitentälern rauschend über ine zer­klüfteten Felsen, und alte Bauniriesen recken stch zum Himmel, wie wenn sie die Sonne herunterholen wollten, die ihre Blatter versengt. Endlich sieht man nach fünfstündigem Ritte den «Jrt der Minen von Ferne. Aber man mutz noch eme Stunde das Tal des Watarasegawa hinabreiten, bis man das 'oer^dors Ashio erreicht. Rings umher sind plötzlich die Fellen kahl ge­worden und sehen nun ohne den schützenden Wald drohend und zackig aus. Ein großer Waldbrand hat den ganzen Gebirgs­zug vor zwanzig Jahren kahl gesengt, und nun kommt wegen der schlimmen Ausdünstungen der Kupferschmelzen kein langes Grim mehr auf. Man hat allüberall auf den Bergen Wechengeilechte verstaut, um Felsstürzen vorzubeugen. Denn em tuchttges stein- geröH müßte den Häusern und Hütten verhängnisvoll werden, die da wie die Vogelnester am Abhang kleben, unb roenn einmal ein tüchtiges Erdbeben kommt, wie das ja hier nicht leiten ist, dann haben Ashios Bewohner darunter beionder» zu leiden.

Ashios Bewohner! Dian könnte ebensogut lagen, die An­gehörigen des Dorfes der Kupferminciigeselllchaft. rrenn von der nächsten Bahnverbindung mindestens sieben stunden abge|chio|- ien wohnen in der ziemlich unfruchtbaren und kahlen Gegend nur die Minenarbeiter und die Händler und yanbroerlsleute, Du unbedingt nötig sind. Immerhin wohnen aber etwa 13 ooo ar­beitet unb an 7000 Beamte mit ihren Familien da, weit zerltrcut in Dem langen Gebirgstal und oft auch in Seitentälern, Die Der Richtortskundige gar nicht sieht unb findet. Denn die -deinen nehmen ein ungeheures Gebiet ein. Sie sind ichoft ouu

äahre alt, wurden aber früher nur leicht und oberflächlich be­arbeitet, bis sie vor etwa 20 Jahren in bet* Befttz des reichen

fläntng gegeben werde. Dazu wollten wir doch gerne unser Scherflein beitragen unb warten nun ruhig, ob bie konservative Partei es unternehmen wirb, den Exkanzler in seiner Norbsee- beschcrullchkeit aufzustören. Denn daß er, trotz seines Schweige­vorsatzes, eine einseitige parkeioffizielle Darstellung nicht unbo antwortet lassen würde, ist wohl zweifellos. Wir möchten nur noch mft wenigen Worten auf das eingangs erwähnte Inserat der sächsischen Konservativen zurückkommcn. Es geht in seinem zweiten £eil auf die neuen Steuern ein und enthält ma. Die krasse Un­wahrheit, daß die Nationalliberalen gegen bas Spiritus-Handels­monopol, wie es die Regierung forderte, gestimmt hätten. Tas Gegenteil ist richtig. Im übrigen bemüht sich das Flugblatt zur Abwechselung wieder einmal um den Nachweis, daß die Liberalen nie zur Bewilligung der notivcnbigen indirekten Steuern bereit gewesen seien. Vor kurzer Zeft hat die BerlinerKons. Storr." nach berühmten Zcntrumsmusteril behauptet, die Liberalen hätten den Massenverbrauch viel stärker belasten wollen als es die neue Mehrheit getan hat. Allmählich läßt einem doch die Schamlosigkeit, mit der immer abwechselnd die entgegengesetztesten Unwahrheiten

ackert. y ledert ; i Bergwerk .

nerik- M rgwerk......

Sv

LD0ln Mm, I

; feiler S I ontaei aus «u I '' us bem $17 I W® LchZ

ilc |

f 'voisen w

doch tour, geilata

'^l'.datz in v ?enl rtrnijöiiita funben (jabt, I sranzö'siit!

und brachle 1:-1

mationahi ausgesühit br on 20000 fei

Ivndc nach ihU

N in Tehnu aubemübe-, me inteinationtitl Jahren Mädli« Preisen verlauft asles Individuum

Zndianovoli- Die Bahndamm lötet, eine SUn^

chnne Feuerz. ftht in Flaminn, durch ist die Vn> e die Serimitur;] zurüchllsühren in] Verbindung ftebai Weltzbrändi, gefallen ist.

konservative Ausflüchte.

Die herzbewegenden Mahnungen der Konservativen, doch end­lich die Stteitaxt zu begraben unb eine Politik bet Sammlung ein» zuleften, scheinen nur an bie Liberalen, nicht an bie eigenen Leute gerichtet zu sein. Im Gegenteil: wenn einmal bie liberalen Organe, ermübet unb angeroibert durch das ewige Gezerre, sich mit angenehmeren Dingen zu bcfd)äftigen anfangen, bann werden sofort bie Gegner munter unb zwingen fie zur Wiederaufnahme ves Streits. Denn auch in bie Forberung, daß bie Parteien sich auf Verteidigung unb auf bic Klarstellung ber Tatsachen beschränken sollten, schließen bie Konservativen sich selbst nicht ein. So hat ber Preßausschuß bes sächsischen Konservativen Laubes- Vereins bieLeipz. N. Nachr." mit einem großen Jnseraten- auftrag beglückt, ber ein gegen bie Liberalen gerich­tetes scharfes Flugblatt enthält.

Daß ben sächsischen Konservativen nach ihrer völligen Unter­werfung unter bic Diktatur Heybebranb angesichts der bevor­stehenden Landtagswahlen angst unb bange wird, finden wir ver­ständlich. Die Verwirrung rechtfertigt aber nicht beleidigende Aus­fälle, wie den Vorwurf schlimmster politischer Heuchelei, und noch weniger die harten Verstöße gegen die Wahrheit, bie in dem Artikel zu finben finb. Dessen erster Teil beschäftigt sich mit bem Kanzlersturz. Da wirb nicht nur behauptet, baß in ber 9iobember» krisis die konservative Partei treu zum Fürsten Bulow gestanden habe, sondern es werden auch wiederum die angeblichen Aeußerun- gen des Abgeordneten Bassermanft über die Affäre ausgegraben, die in berDortm. Ztg." verzeichnet waren. Herr Bafsermann hat solche Aeußerungen sofort abgestritten, und das Dementi ist noch so oft in Erinnerung gebracht worden, daß nur sehr starke absichtliche Gedächtnisschwäche daran vorübergehen kann.

Wenn ferner immer wieder von den Gegnern die Aus­führungen einzelner, den Nationalliberalen nahestehender Blätter zitiert werden, die damals den Rückttitt des Fürsten Bülow als selbstverständlich bezeichneten, so ist dem entgegenzuhalten: Die betreffenden Zeitungen haben sich im ersten SDloment begreiflicher heftiger Erregung durchaus selbständig wie das stets ihre Art ist und ohne Zusammenhang mit ber Parteileitung so ge­äußert. Der ttesste Beweggrund aber war doch bie Annahme, daß auf andere Weise bic allgemeine Unzufriedenheit nicht zum dokumeiftarischen Ausdruck kommen könnte. Als das später im iltcictetag unb in ber berühmten Potsbamer Audienz doch zur Genüge geschah, ist kein liberales Blatt mehr auf die diotwendig- [eit eines Kanzlerwechsels zurückgekommen. Tie Konservativen aber, denen ihre Auffassung verbot, nach ber Ablehnung von Bülows Rücktrittsgesuch durch ben Kaiser den Sturz des Kanzlers offen zu betreiben, haben hinterrücks durch Verdächttgnng seiner Loyalität unb auf parlamentarischem Wege burch die Ausschaltung des Liberalismus ben Fürsten Bülow zu ftall gebracht. Das ist eben bcr grunbliegenbc Unterschied: bie Liberalen halten bas

nk '

nd Oluo-

seubohn itsbabu .j. Eisenbau

Ministerstürzen für kein Verbrechen, sobalb bas Wohl bes Laubes dazu nötigt; bic Konservativen erklären es für einen Eingriff in die Rechte ber Krone, betreiben es aber int stillen ganz munter, sobald bas Interesse ihrer Partei in Frage steht.

Lluch bieK?reuzzeitung" plagt sich in ihrer letzten Wochen- rundschau wieder damit, die Schuld an dem Kanzler stürz von ben Konservativen abzuwalzen. Mit wenig Glück freilich. Denn sie beginnt in einem Aufschwung von Ehrlichkeft die Aeußerungen des Fürsten Bülow im Reichstag über die Möglichkeiten seines Rücktritts beinahe vollständig zu zitieren gerade die paar i mit der immer avwecyieino Die enigegcngeieijieneu unroagrijeuen deutlichsten Sätze fehlen allerdings immer noch und Die Wieder-1 über die Liberalen üerbreitet werden. Die Galft ins Blut laufen !

gäbe des Bülow-Interviews imHamb. Korr." fürwohlbeglcm- bigt" zu erklären. Tadurch wird die Aufgabe des konfervatwen Organs naturgemäß sehr erschwert. Denn Fürst Bülow müßte doch eigenllich wissen, weswegen er gegangen ist. Die angeblichen Widersprüche zwischen seinen letzten Zornesworten und den frübereit Erklärungen im Reichstag sind gar nicht vorhanden, sobald man neben dem Willen des Kaisers deneigenen freien Entschluß" des Kanzlers gelten läßt. Nicht wegen der Erbschaftssteuer als foldicr und nicht wegenparlamentarischer Schwierigkeiten" ist Fürst 'Bülow zurückgetreten, sondern weil er nicht wozu ihn die Konservativen durch ihre Ablehnung der Erbichaftssteuer ft em pdn wollten ein Känzler von Zentrumsgnaden und damit nach seiner Vergangenheft eine komi|'ck>e Figur, bar jeder Autorität, werden wollte! Das war ein Staatsinteresse, für das die Kon- fertatioen, die sonst die Autorität so gerne im Munde führen, doch Verständnis hoben sollten. Das fühlt wohl auch dieKreuz- zeitung" und darum will fie den Anschein erwecken, daß die Stellung Bülows so wie so unhaltbar gewesen sei. Die Behaup­tung, das sei dochhinlänglich bekannt", müssen wir als falsch b^eichncn und den einzigen Beweisversuch als untauglich. In einem hervorragenden demokratischen Blatt soll nämlich gestanden haben: in Bai>ern und Württemberg habe man den Rücktritt Bülows schon seit Monaten erwartet. Tas ist zwar recht unbe­stimmt ausgedrückt, aber wir wollen es glauben. Und hinzusügen: auch in Norddentschland hatman" dieselben Erwartungen ge­hegt, sie sogar in der Presse hier und da ausgesprochen. Das ge­schah zu der Zeft, als unter lebhafter Mitwirkung derKrenz- zeftung" der Widerstand der Konservativen gegen die Erb­schaftssteuer eine deulliche Spitze gegen die Person des Fürsten Bülow zu erhalten begann. Es mag fein, daß der Reichskanzler selbst damals noch öpttmistischer über die Lage dachte und sich von dem unübenutnblid)en Uebelwollen Derer um Heydebrand nur schwer überzeugen ließ. Aber cs geht doch aus keinen Fall an, ans der Tatsache, daß andere Leute die Pläne der Konser­vativen früher durchschaut haben, zu schließen: Die Pläne haben nicht existtert.

Dir haben die äußerst 'charakteristischen Vertuschungs- Versuche der Konservativen in bezug auf ihre Kanzlerstürzerei noch einmal etwas näher beleuchtet, weil dieKreuzztg." es soeben alswirklich nötig" erklärte, daß über das Verhältnis ihrer Partei zum Fürsten Bülow eine authentische öffentliche Auf-

rlusland.

Einer der HauptteGnehmer ander Ermordung Hertzen steins. Laritichkin, der den tödlichen Sck> ab­gegeben haben soll, hat sich den finnischen Gerichtsbehördeii ge- |teilt Er erzählt, daß Leute aus dem Verbände des russischen Volkes zwei Anschläge gegen ihn selbst verübt haben und oaß er bei einem dieser Anschläge verwundet wurde, woraus sick- offenbar die Gerückte von seiner Ermordung erklären.

In Sofia ist eine Drahtmeldung eingetrofsen, wonach am letzten Freitag abend bei dem Grenzposten Bellte Patett itmveft des Dorfes Bunartschewo türkische Patrouillen auf bul- gariscyes Gebiet vorgcdrungen sind. Es kam zu einem Zusammenstoß mft dem biilgarischen Grenzposten, Der Ver­stärkungen heran zog. In bem Kampf wurden jmei Türken getötet, einer verwundet.

In der Antwort auf die Kollektionote Der Schu tzmä chte wird die Pforte, wie derCourrier d' Orient" meldet, darauf Hinweisen, daß es sich bei der Regelung ber mazedonischen Verhältnisse um innere Angelegenheiten der Türkei lianbelt und daher ersuche die Pforte die Mächte, die Souveränität der Türkei zu achten und der türkischen Regierung bei der Rege­lung der mazedonischen Frage freie Halft) zu lassen, zumal die Absichten der Pforte durc^urs frieblidje feien. Wie aus Kanea gemeldet wird, verlangte das Exekutivkomitee ton den Konsuln ber Schutzmächte bie Räumung der Forts durch die internationale Besatzung, die zur Niederholung der griechischen Flagge ge­landet war. , ,, _

Als Lehrer des Schahs sür^ polfti|che Wifienichaften ist Hodsh-i-Senakh, ein Bruder Mirsa-Sshasars, des Lehrers der

jifangskurse.

.firtfClk ' ' k

d l^1

Nr. Erstes Blatt ISS.Jahrgang Dienstag 2^. A»rgust 190S

Der Siebener Ä au oeangöprcio:

erscheini käglickF außer Ägwgp W W monatlich75oiertel-

® icfjcitct lln^iücr

wirtschaftliche Seiftragen V W V £2 V B W W W auswärts 20 Pfennig.

^emsprech-9ll,schlüsse: » || Verantwortlich

für b.e SRebatt.or. !ia , V , für dm v-Iwlch-n T-il:

General-Anietger für Oberhessen WZM

Annahme von Anzeigen tF 1 ft I f u. Land" und ^Gericht.-

dis DornüttagT'rüi)^ Rofafionsbnid und Verlag der vrilhl'schen Univ.-Vuch- und Sleindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchulstrahe 7. Anzeigen'leck?'H. Beck.