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Erscheftil ISgllch mit Ausnahme des Sonntags.
das
.ViODurq unv yroigu «u iieicn, uuuj iuulucu uic t. wciuu/k vv"“ . ; ----:— . . r. , , - ,
bald durch die plötzliche Verheiratung der Prinzessin mit dem Dreie Zahlen zeigen, daß die Lane bcv teuiinschen Jr 3nfanten Alfonso gegenstandslos. Der englischen Diplo- !beitsmarktes durchaus noch nicht als befriedigend angeseyen natie inag diese Lösung um so w-illkornrnener gewesen sein, werden kann. ___________
als ihr dadurch die Erreichung ihres Zieles, auch aus dem______
eo der der
bekanntgegeben werden.
Die zukünftige Königin von Portugal ist am 17. Mai 1891 geboren und erst, wie der L. A. schreibt, in diesem Zachre bei Hofe und in der Gesellschaft eingeführt worden. Sie ist die ältere der beiden Töchter, die aus der Ehe des Herzogs von gifc mtt der Prinzessin Luise Dagmar von Großbritannien, der ältesten Tochter König Eduards, hervor gegangen sind. Die Fifes sind ein altes schottisches Adels- Geschlecht, das seinen Ursprung von dem sagenhaften Than Liaeduff hcrleitet, und führten ursprünglich nur den Grafcn- tflcl. Bei seiner Verbindung mit dem königlichen Hause rrfjteU der Earl of Fife den Herzogsrang, und später wurde rinen Töchtern Ladv Alexandra Duff und Lady Maud Duff .'Duff ist der Familiennamen des Herzogs von Fife) der 2itel Prinzessin verliehen.
K ö n i g M a n u c l, der im Februar des vorigen Jahres unter so tragischen Umständen den Thron bestieg, ist am 15. November 1889 geboren. Es hieß anfangs, der junge Monarch gedenke um die Prinzessin Beatrice von Sachsen- Coburg und Gotha zu freien, doch wurden diese Gerüchte
politische Sagesscha«.
Die Verlobung des Königs von Portugal.
Wie die Blätter meldeten, wird die bevorstehende Ver- tiriratung des Königs Manuel mit der Prinzessin con Fife am Geburtstage des Königs in England offiziell
ztoeiten Thron der Pyrenäenhalbinsel eine britische Prinzessin als Königin zu sehen, wesentlich erleichtert wurde.
Rotationsdruck und Verlag der Brühllfchen UniverstlälS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und T ruderet: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: e-rzS 51. Redaktion: e-^112.Tel.-Adr--AnzeigerDreben.
Uebungen im Lager errichteten jüdischen Kantine in vorgeschriebenen Weise das Neujahr feiern."
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Stellenlosigkeit im technischen Beruf.
In Nr. 7 des Reichsarbeitsblattes veröffentlicht
Die „Siehener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger* dermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
geworden war, das; der Oberrabbiner von Gelderland, an den sich der Oberst gewendet hatte, bereits die nötigen rituellen Gegenstände aus Arnhem abgeschickt hätte. konnten denn die jüdischen Soldaten in der während
Vortag cMaturilätö-und iifungen und für alle LI betet Lehranstalten iir. I iterrichi. - Nachhilieinn.-f nSvrachen iiirSMn« ihulen. - Aujuabmc )n S zwei Pensionären. )r. Roese, Oberlta :
Coethentrasse M. |
Lin Zwischenfall im Brünner Landtage.
Brünn, 21. Sept. Zu Beginn der heutigen ersten Litzung des niährischen Landtages kam eS zu einem Zwischenfalle. Der Landeshauptmann Graf Sereny teilte in tschechischer Sprache die kaiserliche Einberufung mit und ieö dann das Schriftstück durch einen Dolmetsch auch in deutscher Sprache vorlesen. Dieses Vorgehen stieß bei den deutschen Abgeordneten auf heftigen Widerspruch, der sich in Zurufen, daß sie auch deutsch begrüßt werden wollen, Luft machte. Aber der Landeshauptmann kehrte sich nicht daran, sondern widmete verstorbenen Abgeordneten Nachrufe und wollte dann bei dem neu gewählten Abgeordneten Brasz die Angelobung vornehmen. Die Angelobungsformel wurde verlesen, aber der Akt selbst konnte nicht vorgenommen werden, da die deutschen Abgeordneten immer lauter und stürmischer verlangten, daß sie der Landeshauptmann selbst auch in deutscher Sprache begrüßen müße und sich dabei nicht durch .inen Dolmetsch vertreten lassen dürfe. Erst als der Ab- zeordnete Brasz auf die Aufforderung deS Landeshaupt- inanneS, die Angelobung zu leisten, antwortete, daß zuerst die Form gewahrt werden müsse, ließ sich der feudale Tschechengraf herbei, die Erklärung abzugeben, daß <r sich unwohl fühle und ihm zudem der Dolmetsch inS Wort gefallen sei. Nur deshalb habe er nicht selbst die Deutschen in deutscher Sprache begrüßt. Er verlas dann die Gin» Icrufung in deutscher Sprache, worauf die deutschen Abgeordneten in stürmischen Beifall auSbrachen. Damit war ler Zwischenfall erledigt.
Kaiserliche statistische Amt die Ergebnisse der Statistik über „Die Stellenlosigkeit in kaufmännischen und technischen Vcr bänden im 2. Vierteljahr 1909". Bon Technilerorganisatio- nen sind nur der Bund der technisch-industriellen Beamten und der Deutsche Techniier-Verband an der. Statistik beteiligt. Die beiden Verbände umfaßten in der Berichtszeit 40 246 Mitglieder. Von diesen waren 37 318 zum Bezug von Stellenlosenunterstützung berechtigt. D-as sind 93 Proz. 308 Personen waren 17 850 Tage stellenlos und wurden 12 278 Tage unterstützt; das macht durchschnittlich auf eine Person 58 Stellenlosentage und 40 AnkerstÜtzungstage. An Uisic- stützungen wurden für die 297 Stellenlosen 22931 Ml. gezahlt, mithin pro >iops 77.20 Mk. und pro Tag 1.28 Mk. Beim Bund der technisch-industriellen Beamten betrug die Unterstützung pro Kopf 93.70 Mk. und Pro Tag 1.52 9)2r., beim Techniter-Verband 75.04 Mk. und 1.09 Mk
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Briefe aus Japan.
Bon Tr. Fritz Wertheimer.
VI. Das japanische Hotel.
In den letzten Monaten hat man sich in Deutschland wieder einmal eingehend mit dem Hotelwesen beschäftigt und in manchen Studien und Kritiken so gar manches getadelt, was schlecht sei. Atan hat da einmal das Wort geprägt, die Kultur eines Volkes gönne man recht wohl an der Güte seiner Hotels, menen. Es Li vielleicht ein Körnchen Wahrheit in dem Ausfprua), ich mochte Ober mir den Vorwurf der Japanfeindlichkett nicht zuziehen — wie leicht bekommt man den hier, wenn man auch rwch )o berechtigte Kritik übt! — und voraus) chicken, daß ich kern Urteil über die Kultur oder Unkultur der Japaner zu fallen beabsichtige, wenn ich ihren Hotelbetrieb ein wenig unter die Lupe nehme.
Das japanische Hotel ist ein Holzbau. Es ist m der heimlichen Weise aus Stroh, Holz und Glas erbautund das ist sein schwerster Hehler. Ich will von der Feuergefährlichkeit bie) er Holzbaracken einmal ganz absehen, man suckt sie ja auch gerade rn den Hotels durch Benützung elektrischen Lichtes möglichst zu ^inbern, aUetn taö, was wir vom mobernen Hotel m erster Linie verlangen, Ruhe n.i der Nacht und möglichst auch am Tage, kann allem feiner Sauart nach das japanische Hotel niemals.bieten, ^a lauft eu Lolzgaterie um das Haus, die gegen Wind urw WcMr durch ainzusetzende Glasschiebetüren geschlossen, werden kann. Zu dieser Valerie sühren alle Zimmer und und gegen )ic nochmals mit Lapiertüren zu schließen. Aber die einzelnen Hotelraume sind »omlnander auch nur durch PapierwänLe getrennt dw-udem rieist nur zwei Meter hoch sind, so daß oben durch dw bckgitter richt nur die Lust freien Durchgang hat, sondern auch all: Ge rausche des Nebenzimmers dringen. Da mochte man des Ubends ix seiner Müdigkeit schlafen und der Herr ^chbar hat bis 11 -der 12 Uhr Gäste, die lachen, stherzen und„ munter ind. Es it ganz ausgeschlossen, daß man auch nur ein Wort nicht hort. 5)ann möchte man wenigstens des Morgens au^chlafen, abe La beliebt es dem Herrn Nachbar von der ^renSetteum X Uhr den Frühzug zu nehmen und daher um'4 Uhr aufzustehem Mit dem ersten 'Gast steht das Hotel auf, vom attesttn ^Zirt vis zur jüngsten Nesan (alias Kellnerin und Simmermabd n -ter Lausknecht poltert, der Gast schellt und ruft das, GUaufe be- Sinnt. Es ist bei der angenehmen Bauart wtrkl^> ganz aus geschlossen, daß man auch nur ein einziges l^rawch vom Boden vis zum Dachstuhl nickst hört. Dabei will ich noch anuehmen Saß von 12 bis* 4 Uhr alles gut gegangen , ist und man nicht «wa einen schnarchenden alten Herrn "der em iung h . Has sich »on feinet -ilühcnLen Liebe -rr°h ;, °ls Nachbarn -r- Wischt hat. Endlich will ich den seltenen <aU jc&en, baß die un «idlich vielen Ratten der japanischen Hauser Je * 9 '
»der sich von einem Gelage ausschlicfen; denn l ojmmerbcke ie zwar nicht ins Zimmer, aber rennen »"U^en der Zi rnd dem Boden des nächsten oder des unteren■ ® ■
Matzend und schabend umher, in diesem bohlen Zwilchr-n Äesonanzboden findend, der alle ihre Geraufche ch -
i- muß iroch einen Fall voraussetzen, der mir, Tur » ’ \ x «kirnte wichtig scheint: Ter Schläfer muB I™. Säte butS Seine Gräben und Wälle von Insektenpulver vor Kinm ah Villen blutraubender Horden gesichert haben, rcenn er ) üüpfendem Kleinvieh übel zugerichtet und un Schlaf gelte
den will. Tas ist keine Uebcrtrcibung; ich war in vielen japanischen Gasthäusern, deren Güte berühmt ist, die sich aber durch Abwesenheit dieser unangenehmen Mitschläfer ausnahmslos nicht auszeichneten. Ich will so ,elbstlos sein, jedermann das Zusammentreffen all dieser günstigen Momente zu wünschen, das ich selbst leider nie erlebt habe.
Die gute Nachtruhe unserer modernen Hotels mit den dicken Gomyteppichen und dichten Doppeltüren fehlt, damit muß man sich abiinben. Dagegen gibt es einige Annehmlichkeiten, bie nicht zu unterschätzen sind. Im kleinsten japanischen Gasthaus, in ber kleinsten 9Aederlassung gibt es ziemlich gutes japanisches Essen,' Reis und Fisch, sowie Eier und japanische, Delikateren, gut und sauber serviert in zierlichen bunten Lackschälchen ober Porzellantassen, auf einem kleinen lackierten Eßtischchen appetitlich serviert. Denn in dem Hotelzimm r gibt es ja nichts außer den blanken Strohmatten bes Fußbodens, den naften Wänden, bie höchstens ein Kakemono, eine herabhängende lange Papierrolle mit einem Bilde ziert und einer kleinen Nische, in der eine Ba,e mit Blumen ober ein Götterbilb steht. Es muß schon em ganz gutes Zimmer sein, wenn ein schönbemalter Wanbschirm bastelst unb eine Art Hanbtuchhaller zum Auihängen der Kleider. Freilich, wenn der Gast kommt, bringe man ihm gleich bas bünne Kisten, auf bem er sitzen soll, füllt bas Rauckstablett mit frischen Holzkohlen, damit er seine Pfeife enf.ünben kann und beeilt sich das Tablett mit bem Schälchen bitteren japanischen Tees unb dem süßen Zuckerzeug ihm vorzusetzen. Denn ber reijenbe Japaner legt auf dieses Tablett sein Chadai, sein Teegeld, eine Summe, bie er nach seinen Vermögensverhältnissen selbst als Äquivalent seines Uebernachtens ansieht — denn er ist ja nach japanischer Sitte Gast des Wirtes — eine Summe, die auch meist reckt beträchtlich ist, wofür er aber dann nur weniges Geld als Hotel- recknung bezahlen muß und bei seinem Weggehen vom Wirt einen Fächer ober ein Hanbtuch ober ein paar Eßstäbchen als Geschenk mit aut den Weg bekommt.
Das japanische Hotel kennt weder Lese- noch Schreibzimmer, von anderen Raffinements moderner Hotelkunst ganz zu schweigen. Es gibt aber nicht einmal ein gesondertes Speisezimmer, man lew eben nur in seinem eigenen Raum?, der bei Tag Eßzimmer ist unb in den man am Abend die Decken als Schlafgelegenheit über- einanderschichtet. Ter Japaner lebt oft nicht einmal allein in feinem Zimmer. Ist das Hotel stark belegt, so gibt man eben brei vier unb mehr Leuten zusammen ein Zimmer, ob sie fich kennen oder nicht. Sie bezahlen natürlich ttotzbem den vollen Wert eines eigenen Raumes und sind so dem Wirt viel lieber als ber europäische Gast, ber seinen Raum für sich beansprucht, dafür meist aber auch recht kräftig bezahlen muß. Ter Fremde ist reich und muß nach Möglichkeit geschröpft werden ist ja eine feste Regel hierzulande. Dafür sind in bem wirklich vornehmen japanischen Hotel die Fußmatten von tadelloser Arb.it, die' Hölzer von sehlerfteier Reinheit unb die Formen ber pavier- bcflebten Holzgitterwände mannigfaltig und abwechselungsreich. Tas Fehlen jeder Inneneinrichtung muß ja zu einer Verfeinerung der gerinnen Innenarchitektur führen, die man entfalten kann. So kommt es, daß man im guten Hotelraum den Eindruck ber Leere nie hat, obgleich tatsächlich nichts vorhanden ist.
Freilich ber roirfiK" "Jte Hotelraum ist bie Ausnahme. Ter Durchschnitt ist ein fad: „. . oillig unb ist vor allem durchaus nicht bas Muster von Reinlichkeit, als das die Federn begeiftemngs-
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Älofftti ^ius Rosenbau ■^ermeiflet, Kirchens
Unterzeichneter enwRtl Äanagc, rchtvcdü^ "naittk, Hübneraugn 1 Wftcßc sowie in d ttrankenvflege.
H» W. Liek
Bademeister und Babnhositraft
Eine Meuterei im niederläudischen Heere.
Der „Voss. Zlg." wird aus Amsterdam über einen Vor fall berichtet, der auf die Manneszucht im niederländischen Heere ein sehr bedentlichcs Licht wirft:
„Es hat nicht viel gefehlt, daß es im Lager von H a r s- camp (Gclderland) aus religiösen Gründen zu einer Meuterei gekommen wäre. Unter den daselbst zu militä mschen Uebungen eingezogenen Truppen befanden sich etwa 3 50 Israeliten, fast durapveg aus Amsterdam. Gewöhnlich inirb den israelitischen Soldaten für Neujahr und V e r s ö h u u n g s t ag ein Urlaub gewährt, nach dessen Ablauf sic wieder in das Lager zurück zukehren haben. Diese Erlaubnis wurde aber dieses Mal verweigert, weil einige Taye vorher in Amsterdam ein Fall asiatischer Cholera mit tödlichem Ausgang festgestellt tvorden war und die Stadt offiziell als verseucht erklärt wurde. Darob herrschte unter den jüdisches Soldaten große Unzufriedenheit, sie verlangten vom Regi mcntslommandeur „großen Urlaub", d. h. sie sollten nach Amsterdam gehen tonnen, ohne wieder in das Lager zurück kehren zu müssen. Dies wurde abgeschlagen, und auf ein an den Kriegs Minister gerichtetes Telegramm folgte derselbe Bescheid.
Da es bedenklich gärte, wandte sich der Regimentskommandeur an einen jüdischen, im Lager anwesenden Militärarzt, der dann auch an die Unzufriedenen eine An spräche hielt, worin er seinen Glaubensgenossen die No> wcndigkeit der Urlaubsverweigerung darzulegen suchte. Dies half, und die Gemüter beruhigten sich, als bekannt
Zweites Blatt 159. Jahrgang Donnerstag 23. September 1909
Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gderheßen
ttaiNCS-1 ü> Svaniicden, likenn. tl mmeuiell, besorgt *1 Rudolf Mler, Mr _| 1 WM« M I MteM WM ivic Bergoldeu von;' I emvnebli sich Äfl.rl ci-'-.l Vev'temftaite »> I ^omteirreeMebiem^I MusikinstrumeDi-l reparier] Ferdinand Bauer. I !nstrumentenniachcr^°^M Wirtsch«!
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Deutscher proteftantcntag.
4 Bremen, 21. Sept.
Im Saalbau des Künstlervereins trat heute unter bem Vorsitze des Reichstagsabg ordneten Eisenbahnbirekwrs a. T. S ck r a- b c r ber Deutsch? V iotcswntcn Verein zu seiner 24. orbentlirf'rtt General Versainmlung zusammen, bie von Mitgliedern aus allen Teilen des Reiches, besonders auch aus der Baventelnn Pfali unb ber Schweiz zahlreich besucht war. Von bekannten Perl'önlich- keiten waren anwesend Reichstagsabgeordneter Pfarrer D. Naumann, Pfarrer Lic. Traub (Tortmiinb . Pfarrer Heyn tKreisS- nxn'b , Direktor Hennecken vom Norddeutsckx'N Lloyd, Lanvgerickusrat Mulcmann (Braunschweig), Professor Gesscken Köln, Ptarrer Kirmß und Pfarrer Fischer Bersin, sowie viele andere Geistliche aus der näheren und »vetteren Umgebung Bremens — ReickMags- abgeordneter Pfarrer D. Naumann bat das Referat über das Theina Religion und Politik übernommen. Daneben stehen 9icj feratc über „Die Loslösung des Volkes von ber Kirche unb ihre Bekämpfung", „Der Ersatz der Religion durch die Kunst"', „Christ- lid)c unb moderne Ethik", „Tie “Jiohncnbiglt’it einer modernen evangelischen Zugeudvflege in unserer Zeit" auf der Tagesordnung.
Die VerlMtbsiingen begannen heute nachmittag mit einer Mitgliederversammlung, in der Pastor König (Bremen) über die Frage referierte:
„Kann die Religion durch die Kunst ersetzt werden?"
Der Referent führte ans' Watürliä) kann sie daS, wie wir das an hundert lebendigen B.'ispielen gesehen haben. Religion bat man ober man hat sie nickt, wer sie nicht braucht, für den gibt! es nichts leichteres, als sich ihrer zu entledigen. Es fragt sich also nur: wenn er sich ihrer entledigt, was er damit verliert unb ob die Kunst diesen Verlust voll zu ersetzen verinag. Es lautet also die Frage: Mann die Kunst allezeit als Ersatz der Religion empfohlen ivcrbcn Y Nein, das kann sie nicht, so wenig nnc die Wissenschaft, die man in letzten Zeit als Ersatz empwhleni hat, es tun könnte. Denn die den Wert aller Wissensckwft als Ersatz der Religion gepredigt haben, haben sich in letzter Zeit sehr zurückziehen müssen, nachdem Nietzsche diesen Wert arg zerzaust und in Mißkredit gebracht hat. Dafür ist die Kunst heute obenauf, unb wir in nen uns der starken künstlerisck-eii Beivegung in Deutschland. Man muß über das Wesen und die Bedeutuiig ber Kunst Liar sein, wenn man an die Frage herangeht, ob sie die Religion zu ersetzen vermag. Der künstlerisck^ wie der religiöse Mensch unterliegen beide dem Zwange und dem Gefühl für btc in den Dingen unb Ereignissen roolntcnbe unb schlafiende oeelc. Der profane Mensch unterscheidet sich vom religiösen dadurch, daß er die Dinge nur von ber Außenseite sieht, während der religiöse ein inneres Geschehen hat. Die Religion wachst aus dem Innern hervor, unb nenn sie jemand nicht hat, so kann das Wachstum natürlich nicht stattfindcn. Der unreligiöse Mensch ist verloren für die Religion, aber auch für die Kumt. Denn auch die Kunst wächst aus bem Innenleben hervor. Der Künftler hat zur Voraussetzung seines Schaffens, baß er von Ton und Ton- folgen, von Farben unb Linien, von Ereignissen unb Schicksalen selisch angeregt und zur Tätigkeit geb rängt wird. Dabei ist alles
■ st ist Unsinn. Ebenst kann ber religiöse Mensch nicht ruhen, ehe er nicht Seele zu Seele gefunden hat unb mit ihr eins geworden ist. Der religiöse unb bt r künstlerische Prozeß drängen beide aus ber Passivität zur Aktivität, soweit sind Religion und Kunst nach der afttuen Suite hin ein Wille jur M a cht über bie Wirklich k'eit. Nur in den Zielen unterscheiden sie sich. Das Ziel religiöierl Betätigung liegt im Mensck>en selbck, das Ziel der künstlerischen außerhalb des Menschen, im Kunstwerk. Soll also die Kunst gehoben werden, so muß auch der Mensch gehoben werden. Tas geht aber nicht von außen, sondern nur Don innen. Die Religion durch Kunst ersetzen wollen, hieße statt des Baumes bie Frucht pflegen. Datier ist bie tünstlerische Eestaltungskratt auf bie Religion angewiesen. Den Beweis erbringt bie Kunstgeschichte aller Zeiten.
fähiger Feuilletonisten ihn geschildert haben. Unter b- Strohmatten blicken -,u wollen, ist leichtsinniges Oeftnen eines Schle.ers, der besser gesckstassen bleibt. Ueberhaupt, die japanische Reinlichkeit! Wenn sie jemals gelebt hat, wohin ist sie entschwunden! Sie besteht vielleicht darin, das; der Japaner sich bestrebt, nichts schmutzig zu machen, daß er die Stiefel auszieht, ehe er seine Zimmer betritt unb so fort, aber sie läftt es doch auch zu, btt6 er auch nicht reine macht, was von selbst schmutzig wird. Im japanischen Turchschntttshotel wird kein Mensch einem die Stiefel reinigen, wenn man nicht das häufig unb energisch verlangt, ehe man sie anzieht. Unb bas Waschen ber Hotelgäste am Morgen finbet an einem einzigen Waschttoge statt, wo ein Hahnen kaltes Wasser, sehr selten ein zweiter auch warmes, spenbet unb wo nun ber eine wartet, dis ber anbere fertig ift Sehr reinlich unb einladend ist das zumeist nicht, wenn es auch freilich für das Hotel bcauem ist, mit einem Waschtrog unb zwei ober; drei Waschschüsseln barauf 50 ober 100 Hotelgäste zu befriedigen. Dieser Betrieb ist eben nur möglich, weil ja bas ganze Leben des Japaners auf eine Uniformität zugeschnitten ist, bie ihres gleichen sucht, weil ber einzelne so bar jeglichen Jndividual- gesühls ist, daß er es gar nicht empfindet ein Herdentier zu. sein, baß er eigene Regungen unb Einzelwunsche gar nicht erst hat, um ihre Nichtbefriedigung schmerzlich empfinden zu können.
Ich könnte von der japanischen Reinlichkeit gerade im Hotelbetriebe noch so manches erzählen, wollte ich gewisse unentbehrliche Oertlichkeiten oder einen Küchenbetrieb zum Beispiel schildern. Aber es ist wohl kaum nötig. Nur in einem möchte ich bie Legende von ber japanischen Reinlichkeit noch etwas beleuchten. Ter Japaner wirb als bas reinlichste Volk ber Welt geidnlbert, weil jedermann, täglich sein heißes Bab nimmt. Ich will nun einmal nichts bagegen sagen, baß in ber Familie Vater, Mutter unb Kinder bis hinab zur Dienerschaft alles im selben heißen Wasser der Reihe nach badet. Da kennt man sich schließlich unb ist in der Familie, wenn's auch besonders reinlich nicht sein mag. Wenn aber im Hotel so nach einander dreißig bis vierzig Gestalten, manchmal drei ober vier zugleich in denselben großen Holzbottich heißen Wassers steigen, wenn sich auf diesem Wasser allmählich so eine Schicht bildet, die nicht aus Wasser besteht, dann kann einem die Babelust schon eher vergehen. Denn es ist nicht mehr als ein Märchen, baß jedermann sich abseife, bevor er ms Wasser geht. Er gießt ein Kübelchen Wasser über fich, geht bann ins Wasser, kommt heraus, seift sich und spült sich ab unb beschließt bas Experiment wieder im Wasser, llnb wenn man das japanische Baben als Beweis ber japanischen Reinlichkeit anführt, hat man sich eines recht schlechten Beweismittels versichert.
Tas Urteil über den japanischen Hotelbetrieb — nicht natürlich über den ber mobernen europäischen Paläste, die es an alten Globettotterplätzen mehr als genug gibt — wirb vom euro- väischen Standpunkte aus nicht sehr gut ausfallen können. Frei-, l-.ch sollte man das Volk unb seine Sitten an ihm selbst messen unb nicht andere, ganz schiefe Bilder ergebende Maßstäbe anleg en. Aber wenn man bas nickt tut, so ist der Japaner selbst Schuld daran, der auf bie raschen Fortschritte seiner Europäisierung >'o stolz ist unb in seinem übertriebenen Nationalstolz alles in 'einem Vaterlande über alle' Maßen lobt. Ta ift es gar nicht so unberechtigt, darauf hinzuweisen, daß eben sein hotelbetrieb diese Europäisierung durchaus noch nicht mitgemacht hat
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