Ausgabe 
4.1.1909 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Ichüftiqte Hausfrau an. Letztere hatte gerade so viel Zeit, das Lind in die Wiege zu legen und sich umzudrehen, als sie bemerkte, daß die an dem Garderobehalter hängenden Kleidungsstücke sich bewegten. Sre machte ihren dazu kommenden Mann darauf aufmerksam, der alsbald an das

in seinen Hosen geborgene Portemonnaie mit dem Erläse für ein Schwein etwa 200 Dtk. sich erinnerte und es richtig in den Unaussprechlichen nicht mehr vorfand. Die beiden braunen Weltfahrerinnen wurden natürlich festgehalten

und mußten den Raub wieder hergeben. Die OrtSpolizei sorgte für ihre Festnahme und die Gendarmerie für ihre Uederführung in daS Haftlokal in Grünberg. Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß eS hervorragende Schuld namentlich der Landbewohner ist, wenn daS diebische Gesindel eine Gegend unsicher macht. Anstatt es durch Geschenke zlim Weggehen zu veranlasien, sollte man ihnen durch unnachsichtliche Verweigerung solcher den Aiisenlhalt und das Wiederkommen verleiden. Von welch ausgezeichneter Lörperbeschaffcnheit die braunen Naturkmder übrigens sind, zeigt der Umstand, daß ihnen der nächtliche Aufenthalt im Walde selbst bei dec gegenwärtigen strengen Kälte anscheinend keinerlei Beschlverden verursacht/ Auch am Nenjahrstage erschienen wieder Zigeuner in den ge­nannten Ortschaften. Um der Plage abzuhelfen, dürfte ihnen

m keinem Hause auch nut das Geringste verabreicht werden. Um ihnen aber auch daS Stehlen zu verleiden, müßten die

Ortspolizeibehörden und die Gendarnierie unabläsirg hinter ihnen her sein, dann würde ihnen die Lust, sich in jener

i Gegend aufzuhalten, schon vergehen.

, sc. Bad-Nauheim, ^an. ImSprudelhotel" 'sprach heute abend vor zahlreichen Zuh.rern Abgeordneter 1 Xr. Osann überDie politische Lage iin Reich und in Hessen". Ter Referent warf zunächst einen Mci-

' blick auf die Situation vor zwei Jahren, geoacht.e der Zeit, roo das Zentrum Trumpf und die Regierung lediglich uen Wünschen der Klerikalen uachram.Los vom Zentrum", «das war das Streben. Es gelang, der Block kam, der sich bis jetzt bewährt. So sei auf dem Gebiete der Börsen- gesetzgebung ein Fortschritt zu konstatieren, das schwierigste Gebiet aber für die Blockpolitik liege in der Reichs, inanz reform. vier sei es zunächst Sache jedes Vaterlam.S|rcundes, der Regierung mehr Sparsamkeit ans Herz zu legen. Ra türlich müßten bei Heer, Flotte und Kolonien uic noi-

' wendigen Aufwendungen gemacht werden, um inratt zu 'bleiben. Doch in vielem tonne aus den Gebieten gespar. werden. Kostspielige Truppen chaucn, dw ost unnötige.i Ver­setzungen von Offizieren und Verlegungen von Truppenteilen könnten wegfallen. Die Erhöhung der Löhnung der Mann- schajten uno Unteroffiziere jedoch sei erforoerlich. Tarnt, 'man nicht in die Lage versetzt werde, in einigen Jahren wieder mit einem Sreuerbuiett aujzuwarlen, sei es noi- - wendig, jetzt eine durchgreifende Finanzreform zu schaffen. lAuf die Schultern der Reichen und Wohlhabenden^ie die Hauptlast abgewälzt werden. Ter Reoner sprach gegen die Besteuerung der notwendige:i Lebensmittel, cuciijo gt-gen die des Gases und der Elektrizität, erklärte aber den Taba» als eine Quelle für die Besteuerung. Auch plädierte er für eine Reichsvermögenssleuer, eine Erbscha,ts- und Nach­laßsteuer von 15 000 ML. auswärts, eine Reichseinkommen­steuer sei dagegen nicht durchlührbar. Nachdem Osann über die denlwüroigen Reichstagssitzungen am 10. und 11. Nov. 1908 eingehend sich ausgelaisen, uno den Kaiser trotz alledem und alledieiem alsden tatlrästigsten Herrscher, der nichts will als des Landes Wohl, und der sich in oen vergossenen ernsten Novembertagen so groß gezeigt", bezeichnet hatte, ging er auf dieHessische Politik" über. Er konstatierte, daß speziell in Oberhejsen in letzter Zeit die Ideen des Nationalliberalismus an Boden gewonnen, die letzten Landtagswahlen zeigten dies. Leioer sei der Landtags- Wahlkreis Bad-Nauheim noch nicht von einem National- liberalen vertreten. Das Bündnis gegen die Sozialdemo, kratie habe bei den Wahlen in Darmstadt und Mainz gute Früchte gezeitigt, leider habe es in Offenbach versagt. Zum lLckluß erörterte der Redner die WalstrechtSvorlage und die bemnntc Stellung der einzelnen Parteien, und die der Na. tionalliberalen, die unabhängig und unbeeinflußt von der Regierung sei, zu ihr.

= Ober-Widdersheim, 3. Jan. Hier findet am nächsten Sonntag nachmittags 3 Uhr bei Bürgermeister Schäfer eine Versammlung der Schäfer statt, in der verschiedene gemeinsame Angelegenheiten besprochen wer­den sollen.

? 91 dec Wetterau, 3. Jan. Die anhaltende grimmige Kälte scheint einer gelinderen Witterung zu weichen. Es ist aber auch hohe Zeit, denn die Kälte drohte unseren Saaten gefährlich zu werden, da ihnen die schützende Schneedecke fehlte. Viele Aeckct, sogar ganze Gemarkungen dürften doch schon gelitten haben. Die enorme Kälte lichtet, auch die Holz- und Kohlenvorräte in bedenklicher Weise. Hoffentlich tritt bald Schneefall ein, damit bei wiederkehrendei Kälte die Saaten geschützt sind. Gmc drollige Ver- Wechselung leistete sich eine Frau in einem Orte der Wetteran. Als unlängst ein Luftballon über die Gegend flog, lief sie eilends in ein Nachbarhaus und rief: ,Ihi Leut, ihr Leut, Hot ' fchun gehürt, de Graf Luftballon nm feim lenkbare Zeppelin 15 ewc üwer unser Ort gestochen

"v Krofdorf, 3. Jan. Grenze, gemeinnützige Unter­nehmungen gebeult unsere Gemeinde im Jahre 1909 zur Ausführung zu bringen. Tie mit Gleiberg gemeinschaftliche Gemartuiig steht im Zusainmenlegungscer^atzreii, und es gilt nur noch das Wegenetz auszul-auen. Der Gesanllslächen- inhalt beträgt '-500 Hellar, wovon 406 Hettar Gemeindewald in Abgang kommen. In keinem Jahre zuvor hat sich cm solcher Wassermangel fühlbar gemamt, als in dem ab gelaufenen Jade 1908. Das ii;r Krofdorf-Gleiberg geplante Wasferwert müßte bei 2100 Einwohnern täglico mm- bestens 1 <5 Kubikmeter Wasser ausbringen. Als dritte Ausgabe fei die schon viel besprochene eleitrischeBahn- Verbindung mit Gießen erwähnt, woraus fiel) jetzt smon jung und ,llt freut. Zwar ist durch die Felobereiniqung eme bequeme fa|t fcfjuurgerabc Straße geschaffen, aber im Interesse der vielen Arbeiter und SchiUer, Die lagt ich zur Stadt müssen, wäre dieElektrische" zu begrüßen iie hiesige Gemeindebehörde hat einstweiten 500> diele,«

Zweck bewilligt. ä ,n

w W e V l a r, 3. Jan. Tie vom kreishandwerkerverein ,'zwecks Begründung einer Kraulen- und Beg r ; b n i lasse euiberufene Generalversa in m l u n g war au '- allen Teilen des Kreises gut besucht Tie Der Regierung zu Koblenz unterbreiteten Siatuten haben bereu v'-enehmmuna erhalten, und zwar mit Ausdehnung auf r a. imi.- Ge- lagen Iw vlnniclbiingcii vor. untb n i" a - t herein

fähigkeit der Kasse nicht zu zweifeln. Aufnahmefähig oder berechtigt sind alle männlichen und weiblichen Personen, die als selbständige Handwerker oder Gewerbetreibende im Kreise wohnen.

X Gelnhausen, 2. Jan. DerRachmittagS-Personen- zug dec Kleinbahn WächlerSboch-Birsiein überfuhr am Bahnübergang Keffcldorf-WeilerS ein Bierfuhrwerk. Ein Pferd wurde getötet, baß andere schwer verletzt. Der Führer des Wagens rettete sich durch Abspringen.

** Kleine Mitteilungen aus freuen u n b den Nachbarstaaten. In Mainz starb am Sylvester der nrei- finnige Stadlo. Reis, der sich als Doriltzeuder de« Finanz-Aus- jchusseS sehr verdient gemacht hat- In WormS wurde eure Suppcnanstall gegründet. August Rasch zu Freien- ft e t it a u wurde zum Bürgermeister dieser Gememde _ ge­wählt und bestätigt. In der NcujahrSnacht wurde in Schön­bach bei Herdorn beim Jleujahrsschießen einer 18 fahr. Försters- lochier ein Auge auSgeschossen. Dec Täter ist unbekannt. In Frankfurt wurden in der Sylvesternacht, die übrigens sehr ruhig verlief, nur drei Sistierungen vorgenoinmen. Bon den SeitfleiiDtnmenen waren scharfe Schüsse aus Revolvern abgegeben worden.

Landwirtschaft.

X Marburg, o. ^oil Deo taubw. Amreis verein Marburg hielt gestern im Schulischen Saale eine von über 150 Ändwirten besuchte Versammlung ab. Der Vorsitzende, Cehntontierat Tllettor Dr. Hesse und Inspektor Schmidt (Breitenau) sprachen über Wiesenoau und Wwsen- pfl ge Im In er.ss. des W.Z.n^aues empfahl man das ^uuppeiu sowie die bccg^Iucuiig der Flukjluuse der Lahn und der Ohm. Der Saatmarlt soll im Februar statt- linben.

Gcricht-saat.

Leipzig, 2. Jan. jaa vl c i u, 3 g e r i cf) t sprach sich heute gegen die indirekte Wiedereinführung des flie­genden GeriwtSstanoes der Presse aus, indem es oas Urteil des Landgerichts Teßau vom 23. Juni 1908, durch oos der Redakteur desAnhattiicl-en .Kuriers", Zweck, wegen g)eicu)igung oes icäheren Ministers v. Ztzofer.y verurteilt worden war, au|i)uu und die Sacyc au die Strafkammer in Bernburg ais zustu.no lges Gericht vcnvics. Tie inLiimmertcn Artikel waren vomVoiksolatt" in Dessau nachgeoruckt worden, deßen Redak- leuc Lmne.oever in T»c,,aa unter Anklage gestellt wurde; mit dieser Sache war nun Die Anträge gegen Zioea verbunden wor­den, was das Reichsgericht ais unjuiunig bezeichnete.

Da; Lrdbcdeir in 5üdiia!ien.

9hnt sich ue '^uit.egutlg . g.uuantLi ljat, werden eine ganze ttnzaht der int ersten Augenalick gemaulten Meldungen a-s unrichüg erfüllt, was zu erwarten stand. Aus Malta lunb miiiKtcut, uüii b;e Gestaltung Der M eerengc von Messina feine Veränderung erfahren habe und daß die Schis fahrt nicht beeinträchtigt sei. - Tie Regie­rung dementiert die Meldung, daß entflohene Sträf­linge ScLiüunbeten und Leia-en die Finger abgeschnit' ren Hullen, um |id) in den Vefiy von Ringen zu feigen. Auch eie Meldung vom Verschwinben zweier lipanscher Inseln i)t unrichtig.

Lungs der gan-eir Küste von Reggio bis L a z z a r o herrscht eine grauenfKiitc Berwüstun g. Von den vielen Leinen Bauern- huuiern ist nicht eine Spur iwrig gevlieuen. Auf der Straße von uteggio mich Lazza.o begegnet man zahlreichen Gruppen lieber» tevenoer, die naxn Lazzaro flüchten wo wieder Bahnver- uintung besteht. Bei Pelaro wurde eine Brücke fort ge­rissen und vom Meere weite Strecken längs der Bahn milgc- fühcL Jenseits der '.>Neercsstraße sieht man über Messina fünf ungeheure Rauchsäulen auifteigen, hie die Luft oeriinfteriL Lungs_ber Eisenbahn arbeitei man an der Wiederherstellung Der Telegraphenvervindung. Der Gang am M-ere entlang führt an frunberten und eg rav euer Leichen vorbei. Die ^itsSlruppm arbeiten mit unguruolicher Aufopferung. Es fehlt am dtötigstem Tie vorhandene ärztliche Hilfe ist bei weitem nicht ausreichenb. Allenrhalben herrscht ein gräßlicher Ber- wesungsgeruck. Die Rettungsmannschaften muficn sich vor oer Mut der hungrigen ounbe in Acht nehmen. Palermo und St. Gregorio smo ganz zerstört. Auch die Dörfer Mizi- tano, Bocale und viele andere sind ganz 3 et flöt L

Wie demMessaggero" aus Palmi gemeldet wird, klettern Frauen, Der Gefahren nicht acktend, die durch Den die 5Dlanem unterspillendeu Regen noch größer wurden, auf Den Trümmern umher uno ersteigen die Backen der Häuser, um noch etwas von ihren Haöseligkeiten zu retten. Die Fraueii tragen feit fünf Tagen dieselben vom Regen durchweickzten rüei- Dcr. Sie warten aus U n t c r fl ü 6 u n g , Die angesichts des enor­men Bedarfs nicht genügt. Tie Verteilung von Brot erfotgtdurchSoldatenmitaufgepflauztemBajo- nett ivcge.i des wild.u AirdrangeS der i-alb verhungerten Ueber- lebenden. Major Pa l l i tto n i, der die Verteilung der Lebens­mittel leitet, lief Gefahr, erschlagen zu werden. Neuerdings fehlt esiauch andern Nötigsten, um die geborgenen Toten zu bestatten. Major Ca bal l i n i erhielt das Kom­mando über das Gebiet von Palmi.

Ein schauerliches Bild entwirft folgende Statistik: Umae- kommen sind das ganze 83. Regiment mit Ausnahme eines Soldaten, die 1., 2., 3., 4., 9., 10. und 11. Kom­pagnie des 22. Regiments, das 89. Regiment bis aus d Unteroffiziere, alle (Sa r a o i 11 i e r i, alle Zoll Wächter, alles Personal der Dampfschiffe, alle st ä d t i s ch c n Beamten und G e m e i n De r ä t c. Es gibt feine F-amilie, Die nicht ein oder mehrere Opfer zu bettagen hat. V ie le Le u t e sind irrsinnig geworden. In Hospiialeta sind alle tot, ausgenommen 130 Irre. Tie Gefängnisse lind yiiammvugcbi'ücfen und etnxi 200 Gefangene e r schI a -- gen. 300 Insassen der Strafanstalt entflohen.

In Messina wurden neue Erdstöße nxihroenommen. In Ga l td g i ron e wurde gestern ein heftiger Erdstoß, Der ixm unterirdischem Getöse begleitet war, verspüre. Tas Schul- Haus stürzte ein, ebenso die Kathedrale, die Den Sakttstan und feinen Sohn begruben. Die Bevölkerung floh inS Freie. In Jonadi k-urDen 132 Erdstöße gesuhtt. In Fan 0 nahm mau ebenfalls Erdstöße wahr. Die "BePvlkemng ist dort trotz der großen Entfernung von der Erdbebenzone sehr erregt.

Bon den beiden im Mittelweg kreuzenden deutschenKru- zern. Die zur Hilfeleistung in das Unglüdßgebici eraianöt irmr- ben, liegen folgende Nachrichten vor: frcrlha telegravhierr aus Meiffna, daß sie Saotstag früh mit einem V- rwunbe:en-Trans- vvn in Neapel cinireftcn wird. Viktoria Luise ist von Alexandria in Eorsu eingetroisen unb nach Emp.ang Der Crbre noch in Der Rächt nach Mess um in See gegangen.

Zwei deutsche Matrosen Der Hertha haben bei ben Rettungsarbeitcn ihr Leben eingebüßt, ißan beginnt jetzt. Die Leichen, deren zu viele siuo, als oaß man alle begrasen tuunte, in MasseuinSMeer-uversenkeu. T^r Leichen- gcrud) in aiUnublid» unerträglich geworden.

Ta* Hauptinteresse wenoet sich nun Reggio, das bisher ober c)i um ganz ucntadtmingt wurde, zu. Tas Eiend der Ucuerlevinden ut unbeschreiblich. Alle Einwohuer werden von H u n g er gepeinigt Tie von der Regierung gesaiwten r.eocnsmiUci uno noch nichi eingetrorieu. Dazu kmunt große naite. Der lianjei an Kleiouugunb iwützcnden W 0 hn- statte n. 'ieut einziger der Geretteten ist vottig bdieiDet

jyntlidxn Preisen Italiens verlanlet, Messina solle J " 1 r>:övb.;t werben und du gerettete Be-

,. '' A'31C" *11 w-rben. Laifachlily besteh: bei

' rou 11 VJn ^attanm auch der Plan, eine neue

Vorstadt für die dorthin geflüchteten Messineser zu erbauen und Dein Vorort den Namen Messina zu geben. Mehr als 15 000 Flüchtlinge, Verwundete und Unverwundete aus Messina sind in Cattania angelangt. Die Hospitäler sind über­füllt, es fehlt an Äer-ten.

In Messina werden wrtwöbrend Lebende unter ben Trümmern hervorgezogcn, am 30. TezEder allein 1820. Tas energische Vorgehen der Ämabinieric. Die nach Standrecht meh­rere Diebe erschossen, machten den Plünderungen ein Ende.

Der Brand ist nun bewältigt. Xer seit drei Tagen niedergehende Regen hat Die Straßen überschwemmt und unwegbar gemacht.

Der Erzbischof von Messina ist am Samstag aus den Trümmern seiner Kapelle hervorgezooen worden. Er erklärte: Als die Erde zu wanken begann, beraub üb mich in meiner Kapelle. Ich wurde vi Boden geschleudert und alt üb mich erheben unb flüchten wollte, konnte ich nickst mehr wog, ba die Türen und Fenster durch Geröll und 5:etnmancn verbarri­kadiert waren. Ich befand mich lebendig in einem Grabe. Ich betete und wartete auf meinen Tod.

Die Tribuna meldet aus Meß um: 'Angesichts ber AuZsichts- losigkeit, die Berletzten ans den -trüntmern zu retten, sollen.die Ruinen durch Kriegsschiffe beschossen roerrxn. um sie voll­ständig zum Einsturz zu bringen. Man hofft dadurch auch den AuSbrnch einer Epidemie zu verhindern.

König unb Königin wck>meu sich mit größter ?luf- opferung der Hilfsaktion. Sie streiien an den Trummerstätten umher, helfen beim Verbinden der Verwundeten .Zweifellos ist es, daß erst seit dem Ersckeiimn des Königs Zug in die Hilfs-' aktion gekommen ist, was selbst Die sozialistische Pariri offen, anerkannt hat: ebenso wacker hält süb bcr frerug von Aosta, ber zurzeit Palmi besucht. Die erste Depesche, Die ber König au Giolitti sandte. Lautete:Schickt Schisse, Schisse, Schisse! Schickt viele Truppen, vor allem aoec schickt vielen Kalk, es ist ein wahrer Fluch'."

Der König ließ den Bürgermeister von Messinas wegen Pflichtverletzung ab fetzen unb Den otabtbaurat vorn Amte suspendieren.

DieAbsetzung cjoigte, weil der Bürgermeister die F l u ch t ergriffen und erst bei Des Königs ttntiinft zurückkehrte.

Der Erdst0 ß am NeujahrSabend rief lebhaftes Ent­setzen hervor. Die Königin, Die sich im Hospital befand, ivurdc von erschreckten Personen sortgerisstn und erlitt leichte Verletzung an Der Brust. In Reggio wurde bet Verteilung von Li.bensmitteln ein Offizier halb 10 tge­schlagen. Jnsolgedejsen sind Die Soldaten bewaffnet worden und gehen mit größter Strenge vor.

Nach den letzten L>kachrickuen desEocricre della Sera" sind in Meßina 90UJO, in (Salauricn 30000 Menschen uin5 Le­ven gekommen.

In Neapel kommen fortwährend .rnrnnbetc Flüchtlinge an. Viele ovn ihnen werden in Privarbtuseru aufgenjmmcn. Alle neapvlUanischen Vereine verwanDeln ihre Säle in Hospitäler und and) im erzbisdstfflichen Palais fanbnt zahlreiche Schwer- verwundete AufnalMe.

In einigen ^agen soll die Teputiertenkammer zu einer außer- ordenttichen Sesiion znsammentteten, um einen Kredit von 30 Millionen Lire für bas 'Jijlftanbygcvict zu bewllligen. Es wurde der Vorschlag gemacht, eine innere Anleihe von einer Milliarde auhunebmen, um alle Ortschaften auf Staatsköstcn wieder aus­zubauen.

Die Königin-Mutter von Italien har ihr Palais in ein Hvspitat umgewandelt und sich zahlreid)cr Waisenkinder angenommen.

Das kattwlische OrganNnivers" in Paris veröffentlicht einen Aufruf an die sranzösischen. Kail-oliken uno eisuchl sie, ihre Spenden für Die Verunglückten in Italien bc m Papst c zu übermitteln unb nicht ber italienischen Regierung, die das Vertrauen bcr französischen Katholiken nicht besitze.

Spenden und Sammlungen.

. Bei dem deutschen Hilsskornttee gingen namhafte Bei« trüge ein, darunter Krupp 40000 *DtL, T eutsche Bank 30 000 Alk., Diskonlogesetlf chaft 20000 -DlL, Mendels, lohn u. C. 0. 20 000 Pik., Delbrück, Leo u. E. 0. 10 000 Pik.

Die SUeibeiiabrifen von München-Gladbach beschloßen, eine große Ladung Kleider nach 'Messina abznschicken.

Ter König von Lachsen spendete 3000 'd)tt, der Gro ß- herzog von Baden 3000 2ik.

In M a d r 1 b beschloß der (Seinrinberat, 30 000 JrcS. zu stiften. Zahlreiche (Senieinberaie in Den audeieu spanischen Slädien oer- tinsialion Festlichkeiten 1?), deren Ertrag für Den gleichen Zweck bestimmt ist.

Ter Kongreß in Washington wird einen Kredit von .300000 Tollars genehmigen.

Ter Papst hat feine Spende auf eine Million Sire erhöht.

Lcr Sultan spendete 1000 Pkund.

vermisste».

* Ein jugendlicher Lebensretter. Am ersten Feiertag vergnügte sich der 12 jährige Schüler Fritz Buchholz aus Friedrichshagen vormittags mit anderen Kindern zu­sammen auf dem Eise des Müggelsees. Der 11 Jahre alte Karl Scholz war cingebrochen und ein anderer Knabe, namens Köper, wollte dem Verunglückten zu Hilfe eilen, brach aber ebenfalls ein. Beide Jungen wären unrettbar verloren gewesen, wenn nicht der kleine Buchholz energische Rettungsversuche unternommen hätte. Er Holle sich ein Brett und eine Stange herbei, näherte sich damll den ver­unglückten Mmeraden und zog erst den Scholz und dann ben Köper aus den Fluten. Tie drei Kinder wurden nach einem nahen Restaurant gebracht, wo sie sich sowell erholten, daß sie chren Ellern Angeführt iverden tonnten.

* Von Hunden zerfleischt. Die Fleischermeister Schornfchen Eheleute in Elberfeld hatten lürziich ein zwei Jahre altes Kind angenommen. 'Dieser Tage ließ die Fcau auf kurze Zell das Kind allein zu Hause, weil sie einen unaufschiebbaren Ausgang zu mack-en hatte. Im Zimmer mit dein Kinde befanden sich zwei junge Hunde (Foxterrier). Als die Frau nach wenigen Minuten zurückkehrte, fand fie das Kind in einer Blutlache vor. Die beiden jungen Hunde standen mit blutigen Mäulern davor. Vermutlich haben sie zuerst mit dem Kinde gespielt, sind bann wütend geworben, über das wehrlose kleine Wesen l)ergefallen unb haben es zerfleischt. Sie hatten ihm die Kehle durchgcbifscn und den Hals zerrissen.

* Alderti amüsiert sied, llmer dem MottoBmmK, ick amxfir mir doch!" scheint sich, beu M. N. N. zufolge, der Dannae Ermnnster Alberti im Gc'ängnis auf eigenartige Weise Die Haft zu würzen. Aus Kopenhagen wird bariifer beridxct: Tie Untersuchung gegen Tanemarts einst so mäckstigen Justiz- Minister schreitet nur langsam vorwärts. Alöcrti amüsiert itch Damit, Durch allerleiTricks" die Unicriudmng in Die Üungc zu Stehen und D<m armen Unteriudungärüpicr, seinem einstigen Prv- tegv, Gcricktsrat Sckwu, alle möglichen Schwierigkeiten zu be- reuen. Manchmal gestauen lieft Die ^cneh.nungcn zu einer reinen luriuiicften Teoaue .mnichen Den beiden uemlich ebenbürtigen Juristen, 'JiKuUr und .tngeschuiDlgten. Es t|t em Märchen, wenn "»abtl wurde, A'oerlis <!Seoad.ttiis ober sonstige geistige Kraft hauen in Der Unteriudatng$ftaft gelitten: ;m i*kgenteü die Puibe in Der üart idk-int ihm wgar ganz vorzüglich zu bekommen- Dort arocüet er feine großen Berteidignngsreden aus, die er ioDarax tiCL^CU <' "XdD hietvit darf. diese Tittato nehmen ou zwei dis Drei stunden in '.Infpiuch unb ffyd so spitz-