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2.10.1909 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

159. Jahrgang

Samstag 2. Oktober 1909

Die heutige Nummer umsatzt 16 Seiten.

ge-

Nr. 231

Der Siehrner Äozelgtt erscheint täglich, außer Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzrnerZamilienblatler; zweimal wöchentl.llreis- blattfürdenUrtisSiehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: sür die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Annahme von Anzeige«

Giefzener Stadttheater.

Ein Sommernachtstraum.

Von William Shakespeare.

Des Dichters Ang, in schönem Wahnsinn rollend, Blitzt aus zum Himmel, blitzt zur Erd' hinab, Und wie die schwangre Phantasie Gebilde Von unbekannten Dingen ausgcbiert, Gestaltet sie des Dichters Kiel, benennt Das lust'ge Nichts, und gibt ihm festen Wohnsitz. So gaukelt die gewaltige Einbildung;

Empfindet sie nur irgend eine Freude, Sie ahnet einen Bringer dieser Freude; Und in der Nacht, wenn uns ein Graun befällt. Wie leicht, daß man den Busch für einen Bären hält.

tür die SEagesnumm« Rofßtlonsöntc! und Verlag der Brühsschen Univ.-Such- und Steindruckerei R. ränge. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraze 7. E-H-S: Nir den MS vormittags 9 Uhr. 6 1 ' u Anzeigenteil: H. Beck.

Und auch die anderen Menschlein all, die sich in Liebe fliehen und suchen, gehen mit staunenden, hegristlosen Augen ihres Weges; wie em Traum zieht es an ihnen vorbei, sticht einmal sich selbst begreifen sie mehr; sie lelun, aber .sie erleben nicht. Tas tolle Possenspiel der Handwerwr, die unbewußt nach Schönheit suchen, ist ihnen schon Freude imb Genuß; die gewaltige Fülle einer großen Welt, die nur in Schönheit und Freude lebt, ist ihnen unbegreiflich, undenkbar. Selbst ein Fürst wie T^estus wendet jlch inciicno ab, und was die Verliebten noch staunend verehren, das ist ihm Fabelei.

Wahnwitzige Poeten und Verliebte Bestehn aus Unbildung.

ohne Freude, mit schwerem Herzen, aus Pflicht­gefühl für das kleinere Uebel stimmen". Ein wahrhaft tragischer Widerstreit der Pflichten, der aber für die anderen Parteien nicht nur heimliches Vergnügen, sondern auch eine sehr ernste Seite hat. Wird die sozialdemokratische Hoffnung zu schänden, so haben die Konservativen cm gutes uird sehr anerkennenswertes Beispiel gegeben. Würden bei einem Entscheidungskampf zwischen einem Konservativen und einem Sozialdemokraten die Freisinnigen ebenso treu zur nationalen Fahne halten?

Uirsere östlichen Nachbarn sind uns in der Partcizer- klüftung freilich noch voran. Die Verständigung zwischen den Deutschen und Tschechen in Böhmen ist gescheitert, und der Landtag ist auch für die nächste Zukunft arbeits­unfähig! Nach einer neuesten Meldung haben die Tschechen die bedingungslose Aufgabe der Obstruktion verlang!, bevor sie auf weitere Unterhandlung sich überhaupt einlassen wollen. Damit erscheint der am Donnerstag gemeldete Beschluß der deutschen Landtagsabgeordneten durchaus ge­rechtfertigt. Auf beiden Seilen .schroffe Ablehnung der Vermittlung! Der Ministerrat in Wien soll, wie es heißt, am heutigen Samstag sich mit der Lage befassen. In Wien häufen sich Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten. Auch in der ungarischen Frage ist noch keine Entscheidung gefallen. ' Kossuth soll an die Stelle Wekerles treten, aber in Wien fordert man anscheinend von ihm die Durchführung der Wekerle'schen Pläne. So herrscht auf allen Seiten Un­entschlossenheit und Zagen. Es wird auch über diese .Aus­gleichsfrage noch viel Wasser donauabwärts fließen.

politische Wochenschau.

v Gießen, 2. OLt.

Die parlamentlose und politisch ereignisarme Zeit wenigstens soweit die innere Politik berührt wird - ist ungefüllt mit einer Fülle der Unterhaltung, bm der gar eifrige und leidenschaftliche Worte gebraucht werden. Fast fpürt man den sicheren Boden der Wirklichkeit dabci nicht mehr, und was um Bülows Sturz und Ende, die Rache der Konservativen (die hingegenan dieser ungeheueren Tat nicht schuldig" sein wollen) alles geredet und gedruckt wird, geht allmählich in hohlen Theaterlärm über. Der Kampf der Parteien gebiert wirklich nichts Interessantes und Geistreiches mehr. Manche aber helfen sich auf den Schwingen der Phantasie darüber hinweg und hängen seligen Träumen nach. So schreibt ein schwärmerischer Op­timist in denGrenzboten":

Die deutsche bürgerliche Gesellschaft hat sich aufgerafst, und zwischen den beiden materialistü- schen Parteien der extremen Junker und der Sozialdemo­kraten strebt ein sich selbst bewußt gewordenes Bürgertum mächtig empor. Dieses Bürgertum ist konservativ und demokratisch zugleich. Bewußt oder unbewußt gleicht es in der Politik Standes- und Vermögensunterschiede aus, gegenüber dem Streben, das Vaterland und damit die Nation in allen ihren Teilen gesund, arbeitsfähig, machtgebietend zu sehen. Dieses hohe Ziel vereinigt alle vaterländisch gesinnten Kreise: Edelmann und Bauer reichen sich ebenso die Hand wie der millionenbewegende Bankier dem Handwerker, und der selfmade man, dessen einzige Tradition das rücksichtslos arbeitende Genie ist, trifft sich mit dem Träger jahrhundertelanger Ueber- lieferung in dem Wunsche, die Nation voran zu bringen. Jawohl! Es geht ein gewaltiges. Glück ver- heißendes Wehen durch die deutschen Lande."

Jawohl, ein gewaltiges Wehen, aber wenn man den Blick ringsum in die Wirklichkeit richtet, zerfließt das Traumbild. Wir möchten die zitierten Worte gerne als Ziel und Hoffnung uns vorschweben lassen, müssen uns aber einstweilen noch an die nackten Tatsachen halten. Der Kampf der Parteien wird noch immer geschürt; nicht nur die Bülow-Strohsener brennen allerorten, jedes Fleckchen hat sein besonderes Äffarchen. Im Norden fehden die lokalen Organisationen gegeneinander, im Süden sorgen die Larcdtags- und Wahlbewegungen für Stoff. In unserem Hessenlande suchte man die Abrechnung des hessischen nationalliberalen Landesausschusfes zu einer Staatsaktion auszubauschen, die Szene sollte zum Tribunal werden. Es wurde jedoch nicht so heiß gegessen als gekocht wurde. Die Agrarierfreunde Frbr. v. Hehl und Graf Oriola bleiben auch künftig Mitglieder der nationalliberalen Partei; wenn sie auch ihre Aemter in der Fraktion niedergelegt haben. Trotzdem die Vertraulichkeit der Darmstädter Verhand­lungen durchbrochen wurde, gab es keine Sensationen, wie Frosch sagt:nicht eine Dummheit, keine Sauerei". Keine

Die ganze Dichtung ist ein zarws, lyrisches Gedicht von unsagbarer Feinheit und ungewöhnlicher Schönheit ein Buchdrama könnte man sagen. Das grelle Liebt der Bühne ist zu hart und zu klar für das duftige Gebilde berauschender Phantasie und es bedarf unendlicher Arbeit, um eine auch nur halbwegs befriedigende Ausführung zu wege zu bringen. Alle technischen Mittel müssen notge­drungen hinter der Einbildungskraft zurückbleiben, denn der schöne Schein der Bühne geht in festen Gleisen, die keine freie Bahn gestatten. Es ist deshalb hoch anzuerkennen, daß es die Leitung unseres Stadttheaters unternommen hat, den Sommernachtsiraum wieder einmal aufzuführen; zu Beginn der Spielzeit eine besonders schwere Aufgabe. Ihre Lösung verspricht einen genußreichen und erspießllchen Winter. Direktor Steingoetter hatte die Ausführung ausgezeichnet vorbereitet und erzielte mit den doch kaum eingespielten Mitgliedern einen Erfolg, der aller Anerken­nung wert ist. Ausstattung und Einrichtung standen aus gleicher Stufe der umsichtigen, feinfühligen- Ausarbeitung und vollendeten die bis ins kleinste höchst vornehm und sauber ausgefeilte Aufführung. Obne wesenlosen Prunk, aber überlegt und zart sinnig, ließ die äußere Darstellung nichts weiter zu wünschen übrig, als daß uns die kommenden Monate lauter solche Ausführungen bescheren möchten.

Ganz ausgezeichnet war die Darstellung des springenden Wasserfalles mit seinen lebendig wirkenden Fluten, der von dem Theatermeister Jen n y ansgeführt worden war. Auch die blitzenden Sterne waren wirkungsvoll und vonLartem Zauber. Rasch und glatt gingen die Verwandlungen vor fici) und auszusetzen bliebe lediglich die ungenaue Angabe über den Schluß der Vorstellung. Eine hetzlich geringe Aussetzung am ersten Abend, die aber immerhin nicht ohne Wichtigkeit ist.

Die Ausführung selbst war, was rühmend hervorzuheben ist, von einer erfreulichen Einheitlichkeit, die überall die Arbeitslust und die sicher führende Hand angenehm erkennen ließ. Dazu kam noch die schmiegsame Anpassung des Orche­sters, das von Hermann Weinack sicher geleitet wurde. Auch die Darstellung selbst war, wenn man von einigen kleinen Ueberhastungen absieht, wirklich ausgezeichnet, wenn auch die einzelnen Leistungen naturgemäß nicht alle auf derselben Stufe künstlerischer Reife standen. Das größte Interesse erregten selbstverständlich die neuen Mitglieder unserer Bühne, die denn auch samr und sonders einen recht guten Eindruck hinterließen. An erster Stelle wäre Her­mann Norden, der neue Charakterkomiker zu nennen, mit dem die Theaterleitung eine sehr gute und auch viel­seitige Kraft erhalten zu haben scheint. Er spielte den dummklugen, selbstbewußten Weber Zettel mit famoser Lebendigkeit und drolliger Laune und war auch in dem

Heues und Altes aus der Türkei.

Während das jungtürllsche Regiment in Konstantinopel be­müht ist, den Staatsbetrieb zu verjüngen und zu modernisieren, gibt 'Lldoch noch Rückfälle, die zeigen, daß strenge Muselmanen am' Koran und den alten Bräuchen festhalten wollen. So der neue Mali von Saloniki, der fein Auge auf das Verhalten der Frauen in der Oeffentlichleit und auf die Fastengebote richtet:

Konstantinopel, 1. Okt. Der Minister des Innern richtete an die Prvvinzbehördon einen Erlaß, der wichtige In­struktionen über die Kapitulationen enthält. Die öffentliche Meinung Europas habe, so stellt der Erlaß fest, unter dem neuen Regime die Ueberzeugung gewonnen, daß das türkische Recht die Grundsätze der Freiheit und Gerechtigkeit wahre. Des­halb habe auch Oesterreich-Ungarn.im Ententeprotokoll das Recht der Türkei angerkamU, die Auflassung der Kapitulationen zu verlangen. Der Erlaß gibt sodann den Behörden den Ratschlag, bei der Eintreibung von Gebühren und Steuern peinliche Ge- redjtigfeit walten zu lassen und die Fremden rücksichtspoll zu behandeln.

Saloniki, 1. Okt. Der neue Mali von Saloniki, Ibrahim Bey, Sohn des Scheich üel Islam, veranlaßte die Polizei, den türkischen Frauen bei Strafe zu verbieten, sich in der Oeffentlief)leit unverschleiert zu zeigen. Ter Wall ließ ferner alle Mohammedaner auffordern, die für den Ramasan vor- geschriebenen Fasten einzuhalten. Wer in dieser Leit öffent­lich esse oder trinke, solle verhaftet werden. Tie Kundgebung erinnert schließlich die MohanrmÄmner daran, daß die Zeit ge­kommen sei, streng an den Satzungen des Korans

Das holdeste Spiel, das dichterische Phantasie je v schaffen, eine rausch ende, farbenbunte Freude, voll Glut und tiesinnerlichern Leben, zieht der Sommernachts- träum des fahrenden Dichters immer aufs neue an uns vorüber und erfüllt die Seele mit heimlichem, heißem Feuer. Ein Märchen der Schönheit und der Freude, von einer heißblütigen, sonnigen Dichlerlaune selig gefabelt, wie goldne gesäumte Wolken am tiefblauen Himmel jtehen. Leitern, wie Spinnweben fein, führen zu den leuchtenden Schlössern in der Luft, und schöne, kluge Menschen steigen mit schlagen­den Herzen und scheuer Ehrsurclst hinan. Wunderzart sind die Leitern von schimmernden Fäden, und nur der vom Gluck Gesegnete geht sicher darüber hin zu den fallen der urewigen Schönheit, die überall ist. Sogar Zettel, der Tölpel findet zufällig den Weg, aoer ihm schwindet vor all den Wundern der Verstand und sein Herz sehnt sich nach den derben Genüssen einer falten Zufriedenheit. Der Liebe, die ihm entgegenkommt, steht er fremd und ver­ständnislos gegenüber mitten in aller Pracht denkt er der gefüllten Krippe seines kleinen Daseins.

Dummheit. Die nationalliberale Partei hätte, das sieht jeder objektiv Urteilende ein, die Geschäfte ihrer Gegner besorgt, wenn sie die beiden Gegner der Erbschaftssteuer des nationalliberalen Namens entkleidet hätte. Der prak­tische stützen wäre gleich Null gewesen, die Mitglieder- und Mandatsverluste dagegen hätten ein Plus ergeben. Soll denn überhaupt die Erbschaftssteuer deren Zustandekom­men auch wir begrüßt hatten der einzige ausschlaggebende Prüfstein für nationalliberale Tüchtigkeit werden? Die Zukunft wird andere Aufgaben stellen. Wir glauben, daß eine große Mittelpartei tolerant gegen ihre eigenen Mit­glieder sein muß, und die oben zitierten Worte derGrenz­voten" wurden wie Schaum zerstießen, wenn bei jeder Meinungsverschiedenheit ein Prozeß gemacht wird. Man mag es bedauern, daß nicht geschlossen gegen die Erbschafts­steuer gestimmt wurde, aber man mag damit das Ver­gangene vergangen sein lassen. Die beidenAbtrünnigen" sind ohne Parteiämter; man braucht sie nicht so weit zu fürchten, daß man sie ausstößt. Das Schauspiel wäre pein­lich gewesen, hätte an die Ketzerrichter-Praxis der Sozial­demokratie erinnert und das Bedauern darüber wach­gerufen, daß eine große Mittelpartei eine allzu strenge und prinzipielle Parole gegen die Landwirtschaft treibende Bevölkerung ausgibt. Der Hansabund, der in einer kritischen Stunde zu berechtigten Zielen sich zusammenschloß, hat, obgleich er als eine Abwehrorganisation gedacht ist, nie derartige Schärfen dargeboten. Mag er die Aufgabe er­füllen, auf eine Mäßigung übertriebener Agitation des Bundes der Landwirte für die Zukunft hinzuwirken.

Bei Reichstags- oder Landtagswahlen treten die noch von den letzten Kämpfen erhitzten Parteien besonders leb­haft gegeneinander auf. In Halle gibt es ein eigentüm­liches interessantes Schauspiel. Dort haben bekanntlich zu der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl, deren Termin noch immer nicht bekannt gegeben worden ist, sämtliche bürger­lichen Parteien auf eigene Kandidaten zugunsten des Frei­sinnigen, Fabrikanten Georg Reimann aus Berlin, ver­zichtet. Dieser wird den Kamps mit demGenossen" Kun ert aufnehmen. Ohne die Geschlossenheit aller bürgerlichen Politiker ist dieser Widerstano.gegen die Um­sturzpartei aussichtslos. Nun hat Herr Reimann bei seiner Kandidatenrede am Freitag in Halle durch freisinnige Offen­herzigkeiten Über die Rücksichtslosigkeit und Begehrlichkeit der Konservativen und Agrarier auf deren Wahlunter­stützung er in, hohem Maße angewiesen ist eine verlegene Situation herbAgeführt. Die tonferbatibe ,^alle'sche Zei­tung" schilt erzürnt über denrabiaten Alphaltliberalen tollsten Berliner Kalibers", während die freisinnige Presse ihren eifrigen Gesinnungsgenossen mit sanftem Lob seiner Prinzipientreue beglückt. Die Konservativen werden, so denkt" man, ihn doch dem Umstürzler vorz hen. DerVor­wärts" frohlockt:Hoffentlich bleibt Herr ineimann lediglich seinem Geschäft erhalten"; aber während dieDeutsch­sozialen Blätter" dazu ausfordern, man müsseden frei­sinnigen Frechling in die Knie zwingen", meint das bereits genannte konservative Blatt in Halle:Trotz alledem müsse der konservative Wähler ohne Begeisterung und

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Metzener Anzeiger

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** 0 i i u.Land" undGerichts-

Zwischenspiel als König Pyramus von ausgezeichnet komi­scher Haltung. Weniger behaglich schien sich der neue jugend­liche Liebhaber im Chiton des Lysander zu fühlen; vorerst scheint der Frack das ihm angenehmere Kleid zu sein. Immer­hin bot Karl Marx eine achtungswerte Leistung, deren großer Vorzug eine vornehme, weise Mäßigung zu fein scheint, so daß manche schöne Gestaltung von dem jungen Künstler zu erwarten steht. Sehr schön führte sich auch Fränzi Koch, die erste Liebhaberin, als Titania ein. Sie lieh der schönen Königin eine wohlige Grazie und eine satte Fülle erhabener Würde, die sie auch als betörte Buhle des eselstöpfigen Zettel schicklich zu wahren wußte.

Dröll, der spuckhafle, humorvolle Kobold, der mit seinen losen Spässen alles menschliche keck verspottet und sich in seiner unendlichen Lebenslust förmlich badet, fand in Gusti Ney eine tüchtige, gleichgestimmte Vertreterin, die all ihren Schabernack mit sprudelnder Laune vollführte. In der kleinen Rolle des Egens war Rolf Gunolt in der Ent­faltung seiner Mittel natürlich beschränkt, doch scheint auch er ein wertvoller Künstler zu sein. Auch Luise von Gloe- b en hatte als Elfe nur wenig Gelegenheit, scharf hervor­zutreten, gefiel aber recht gut, was auch von Ekln Gühne zu sagen ist. Ferry Daubal, der von seinen Gastspielen ja bekannt ist, fand sich mit der saftlosen Rolle des Demetrius gut ab und verstärkte den günstigen Eindruck, den er als Hüttenbesitzer hinterlassen. Rudolf Goll gab den Theseus mit der gewohnten Wurde, doch Dürfte es sich empfehlen, die Worte, die ich an den Anfang gesetzt habe, nicht nach dem Hintergrund zu sprechen, da hierdurch bei der Schall­wirkung unseres Theaters ziemlich viel verloren geht.

Lore Scholz war eine recht nette Hermia, die mit Schneid und Temperament spielte und Erna Güldener gab der ruhigen Helena eine rührende Innigkeit und trotz aller Liebe jungmadchenhafte Zartheit.

Karl Volck war der erwählte Tarsteller des Elfen­königs und fand sich mit gutem Geschick in die heikle Rolle, wenn er sich auch stellenweise etwas überhastete. Von den übrigen Darstellern wären noch Kurt Gühne als humor­voller Squenz, Edgar P a u l y als Schnauz, Franz Wieder- hold als Philostrat zu erwähnen, und Dann noch die von Lina Old ini gefällig erfundenen Tanze, die sich bei der trefflichen Beleucyiung märchenschön ausnahmen.

Zu erwähnen sind außerdem noch die neuen Wandstücke, die von Theatermaler Karl Schweb i er angefertigt worden sind.

Somit habe ich über die erste Aufführung der neuen Spielzeit fast nur Gutes mitzuteilen gehabt und es ist zu wünschen, daß uns alle folgenden Stücke in einer gleich vorzüglichen Durcharbeitung geboten werden wie dieses erste, dem das höchste Lob zutommt. Karl Neurath.