Ausgabe 
22.9.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. S22

Zweites Blatt

I 59. Jahrgang

Mittwoch 22. September 1909

Lrfchemi föglfd) mit Ausnahme des Sonntags.

Eeneral-Anzeiger für Gberheffen

(General[lab der 21. Division (oianlfurt a.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversiläkS - Buch- und 6tcinbnidetel R. Lange, Gießen.

TieOtetzener ZamllirnblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« Kr<i$blatt ffir den Kreis Hiehea" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Driickeret: Schul- strahe 7. Ervedition und Verlag: bl.

Redaktion:«-rO 112. Tesi-AdruAnzeigerGieben.

Holland und der deutsche Naiser.

Der alle Streit über einen angeblichen Drohbrief Deutschen Kaisers an die Königin Wilhelmine isl wieder macht. Dem ,N. Rott. Cour." werden auS Berlin

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mcmn v. Lassert als Rittmeister und Eskadron chef in das Ulanen-Regt. Nr. 3 (in Fürstemvalde) bic beide.t letz­teren gehörten früher dem Garde-Trag. Regt. Nr -3 an. SB int her, Oberleutnant und Erzieher an der S?aupt-* kadcttenanflalt in Grofe-LichterfeWe, bisher nut bet Uniform des Leib-Jnf.-Regts. Großherzogin Nr. 117, in das Kadetten korps versetzt.

** Vogelsberger Höhen-Club. Der un.rmüb- liche Vorsitzende des Zweigoereins Franlfurt Pvofesi.r Bender hat mit einigen seiner Getreuen vor mehrer, .t Sr'ochen eine neue Markierung, das rot-weiße Band, einen Höhenweg, durch den ganzen Vogelsberg gehend, nuogi- führt und zwar von Frankfurt bis Alsfeld. ES ist nun beabsichtigt, von Zeit zu Zeit, vielleicht alle 2 Jahre, das rot-weiße Band gemeinsam zu begehen, ähnlich den Renn­steig-Wanderungen im Thüringer Wald. Die erste dieser gemeinsamen Wanderungen, zu der sämtliche Zweigvereine des V. H. C. zur ganzen oder teillveisen Teilnahme ringe laden find, beginnt am nächsten Sonntag in Alsfeld und hat folgenden Plan: Samstag den 25. Sept. Treffpunlt in Alsfeld. Gemütliches Zusammensein imDeutschen Kaiser' mit dem dortigen V. H. E. und Lichtbilder-Bortrag des Pros. Dender über den Vogelsberg und feine geologische Ent­stehung. Sonntag Wanderung über Romrod, Groß-Felda nach Ulrichstein (5 StundenV Montag über die Fcldkrnckcr Höhe nach dem Hoherodskopf (3V» Stb.) und Rundgang im Oberwald. Dienstag über die Herchenhainer Höhe und Hari­mannshain nach Wenings (5 Stunden). Mitttvoch über Michelnau nach Büdingen (3Va Stunden). Rundgang im Büdinger Wald. Donnerstag über den Herrenhaag nach Ostheim (41/2 Stunden) und Bahnfahrt nach Franlfurt bezw. Wanderung über Kilianstätten nach Frankfurt (71/4 Stunden . Mögen sich recht viele V. H. C.-Mitglieder dieser schönen Wanderung anschließen, um so den wackeren Frankfurtern den Dank für ihre mühevolle Arbeit auszudrücken. Es dürfte dieses auch wohl das beste Geschenk sein, das ihnen zur Feier ihres zweiten Wiegenfestes, das am 23. ds. in bescheidener Weise gefeiert werden soll, zuteil wurde. Er wähnt sei noch, daß bei dieser Feier Oberforstrat Dieffenbach, der von der Hauptversammlung am 6. Juni zum Ehren­vorsitzenden des B. H. C. ernannt wurde, die Ehrenurkunde überreicht werden soll.

** Blumenpflege in der Mädchenschule. Wie bereits mitgeteilt wurde, fand vom 19. bis 21. d. M. in der Turnhalle der Stadtmädchenschule in der Schillerstraße die Ausstellung der Blumen statt, die den Schülerinnen der oberen Klassen im Frühjahr zur Pflege übergeben wor­den waren. Zur Eröffnungsfeier am Sonntag vormittag 11 Uhr hatten sich der Vertreter der Kreisschullommission, Schulrat Kleinschmidt, Stadtv. Dr. Ebel als Mitglied des Schulvorstandes, das Lehrerkollegium der Schule und viele Interessenten eingefunden. Nach einem recht wirkungs­vollen Gesang der Schülerinnen begrüßte Hauptlehrer Schaaf die Erschienenen und wies auf die Gründe hin, die dazu bewogen hätten, die Blumenpflege in der Mädchen­schule einzuführen. Von privater Seite seien zum ersten­mal im Jahre 1902 die Mittel zur Verfügung gestellt worden, und seitdem habe die Schule die Blumenpflege alljährlich als hervorragend erziehliches Mittel in ihren Dienst stellen können. 'Nachdem Redner auch noch die soziale Ausgabe der Blumenpflege betont hatte, eröffnete er die 8. Blumenaus­stellung der Stadtmädchenschule mit dem Wunsche, daß auch künftighin die Blumenpflege, wie die Blumen selbst, wachsen, blühen und gedeihen möge. Der Ansprache folgten nun in bunter Abwechslung sinnige Deklamationen und treffliche Gesänge des Chores. An die schlichte, recht eindrucksvolle Feier schloß sich die Besichtigung der geschmackvoll grup­pierten Blumen, und man konnte sich von der Hingabe, mit der die Kinder sich der Blumenpflege widmen, überzeugen.

L. Friedberg, 22.Sept. Anläßlich der landw. Kreis- schau fand Dienstag nachm. 4 Uhr auf der Seewiese ein land wirtschaftliches Pferderennen statt. Da das Wetter prachtvoll war und in diesiger Gegend eine ähnliche Der anstaltung wohl noch nicht stattsand, waren aus allen Teilen der Wetterau und aus Friedberg zahlreiche Besucher er­schienen. Während des ersten Rennens kam unerwartet über den Johannisberg Zeppelin 3 angefahren. Langsam kreuzte er über den Festplatz; die Begeisterung kannte feine Grenzen; die Musik stimmteDeutschland, Deutschland über alles" an, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Das Rennen und Fahren nach den Bedingungen des Unionklubs zerfiel in Trabreiten für zwei Klassen, Galovp- reiten und Trabfahren und verlief alles ohne jeglichen Unfall. Im Trabreiten erster Klasse 2000 Meter wurde erster Sieger Karl Brückmann, Groß-Kuben, und zweiter G. Würtz. In der zweiten Klasse siegten H. Fauerbach und Otto Hensel, Okarben. Das Galoppreiten, 1500 Meter, hatte 6 Pferde am Start. Erster wurde Karl Brückmann, Groß-Karben, zweiter Kleemann, Rodheim. Da das Trab fahren zu stark besetzt war, wurden zwei Vorrennen abge­halten; im Entscheidungsrennen wurde erster H. Holler, Friedberg, zweiter Karl Brückmann, Groß-Karben. ' Nach dem Rennen füUten sich die Wirtschaftszelte und ein fröh­licher Betrieb setzte ein. Heute morgen schloß mit einer Feier in der Burgkirche das S 0 m m e r f e m e fr e r des Evang. Pre diger s eminars. Vom Cberfonfiftoriuni war dazu CberFonfiftoriairat Euler, Tarmstadr, er schienen Das Seminar war im ganzen von 18 Kandidaten besucht, 9 im Obersemester und 9 im Untersemester. Neun treten in den Pfarrdienst; für das SBintcrfemefter werden voraussichtlich nur 3 .'-Kandidaten dazu kommen, so daß ein Besuch von 12 Kandidaten zu erwarten sein dürfte. Tie übrigen Lehranstalten beginnen ihre vierzehntägigen Herbstferien nächsten Samstag.

X. Griedel, 20. Sept. In einer gemeinschaftlichen Sitzung de8 Kirchenvorstandes, dec Kirchengemeindeoerlcetung und des Gcmeinderats, der auch Kreisamtmann Muhl-Frwd- berg, Oberkonststorialrat Merck - Darmstadt, Dekan Hamer- Hungen, Denkmalpflcger Professor Walbe, Kirchenboumeister Professor Pützer-Tarmstadl und KreiSbauinjpektor Gombel- Friedberg beiwohnten, wurde ein Neubau unserer Kirche beschlossen. Prof. Walbe, der sich um unsere Kirche große Mühe gegeben hat, wofür ihm in dieser Sitzung öffentlich

* Aus dem Militär-Wochenblatt. Zu Ober­leutnants befördert die Leutzn. Wichert, Hamens im Jnf.-Leibreaiinent 117; Oldenburg im Jnf.-Regt. 118; Schultze im Jnf.-Regt. 168. Versetzt die Leutn. Leh- ment im Jnf.-Regt. 117 in das Jnf.-Regt. 163; Pott- hoff im Inf.-Leibregiment 117 in das Jnf.-Regt. 171. (rin Patent seines Dienstgrades verliehen: dem Major und Eskadronschef Schörke im Garde-Trag.-Regt. Ncr. 23. Zum Oberleutnant befördert Leutn. Bro ich er im Garde- Trag.-Regt. 23. M 0 nnard, Wachtrn. a. D., bisher im Garde-Drag.-Regt. 23, wurde der Charakter als Leutn. verliehen. Ein vordatiertes Patent seines Tienstgrades verliehen: dem Hauptmann und Batteriechef Michelly im Grvßh. I-eldart.-Korps, Feldart.-Regt. Nr. 25, vom 31. Mai 1898, unter Versetzung in das Feldart.-Regt. Nr. 1. Bum Oberleutnant befördert Leutnant Ha nie! im Feld- crrt>9iegt. Nr. 61. Mit dem 1. Oktober 1909 versetzt: von Eg geling, Hauptmann im Generalstabe des 9. Armee­korps, als Battr.-Ehef in das Großh. Art.-Korps, 1. Grvßh. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25. Zu Oberlts. befördert die Lts.: Gvepel, Schultze im Jnf.-Regt. Nr 168. Mit bem 1. Oktober 1909 versetzt: Zum Kadettenhaufe in Wahl­skatt als Erzieher: Lt. Mootz im Jnf.-Leib-Regt. Groß­herzogin Nr. 117. ©reiß (Rlfeydt), Lt. der Res. des Inf -Regts. Nr. 118, zu den Res.-Osfizieren des Leibgarde- Jnf.-Regts. Nr. 115 versetzt. Der Abschied bewilligt: tzange (Mainz), Lberl. der Res. des Jnf.-Regts. Nr. 117. o. Beck, Generalmajor z. D. (früher Abteilungskorn- mcmdeur im Großh. Art.-Korps Nr. 25-, der Charakter als Generalleutnant verliehen. Befördert: Major von Brauchitsch, Adjutant der 2. Armee-Inspektion (früher im Leibgarde-Jnf.-Negt. Nr. 115), zum Oberstleutnant. K 0 n 0 packi, Leutnanl im Jnf.-Regt. Ter. 56 (früher im Leibgarde-Inf.-Regt. "Nr. 115 v. Doppeler, Leutnant in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika (früher im Jnf.- ftegi. Nr. 168 , zu Oberleutnants. Versetzt vorn Großen Generalsrab: die "Majors v. Schaumann (früher beim Generalstab der 25. Dunston) «utt Stabe des Ulanen-Regts. wer, die Holländer mit starker Seemaüjr, innrer v I Tx 9 .in Temrnin , Fahr. Schäffer V. Bern st ein zum

totb Gustav Adolf und hinter den Deuhchcn Nichts als her. I -<x. v (ul i, u

Unter zahlreicher Beteiligung uon Historikern und Gefchichts- lieunbcn aus ganz Deutschland und Oesterreich trat hier in der ilula der Kaiser WilhelnvUniversität der 11. Verbandsta^ der deutschen Historiker zii seinen diesjahngen Beratungen zusammen. Der Tagung wohnte eine Reihe von Ehrengästen bei. Es Din-bcn die wissenschaftlichen Referate entgegengenommen. Ilric vorwiegend fachwisfenschchtliches Interesse boten. Hervor uheben ist ein Vortrag von Prof. Brandenburs geiüng- iter dieStaatsanschamutgen von Nraechuwelli und -thomas Morus im Zuscumnenhang mit der Weltanschauung ^der Rr> raissance". Nach der Anschauung des MiUelallers ist bic staut Uche Rechtsordnung gottgewollt und der pavstlrchen^Gewalt untei vvrfen: und wenn auch van welllicher oeite die Gteuchwenrgkeit des geistlichen und roetilid)en Schwertes moklamierr wurde, an bem gottgewollten Ursprung der staatlichen ^Drdmmg wird nichi rerüttelt. Für Mac chia veil r ist. der Staat ledoch reme^ ^aturpiodutc. Die große Mas.e hat stets Vang nach Ruhe und Je Hagen, aber einzelne Wenige traästenrmch Macht, iv-as noch immer eine Gefahr für die Freiheit bildete. Nur B.etat und ^ligioses Gefühl vermag die verhängmÄ-ollen Wirkungen bey Ehrgeizes zu beseitigen Zweckmätzigkeck allem ist bn^r Frage imch dec Pvlitik des Staates ntatzgebend. Wer die Mittel ,ui Lrreichung eines Zweckes scheut, der soll sich von vornherein cimnt solchen ^veck nrcht setzen. Ncur emes ist verwenstch: em.-i Zweck mit nicht ausreichenden Mitteln erreichen

Uwpist" Thomas Morn s verwmt den bestebeiwen ctani rrundfätzlich imb rücksickstslos. Indem er das Privateigentun' nne tai Gebrauch des Geldes verdammt, baut er ern kvmmuni n,ches StaatÄvesen als das zu errercheiidc ^Jdeal aut unb_ boilt dc.i Ändernden Ehrgeiz der iNLnschlicheu Natur durch uhigen zu.men. Auf völlig ariderem ^oden steht ^r.t )^ Nr ilgi ist die staatlick-e Obrigkeit, eine vpn Gott Setzte ZUA rute und Gelwrsam gegen die Obrigicit die Pflicht nenschen. Sutljer, der Sohn der Renayiancezeit, steht w der Mittelalter viel näbn als MacchiavelU und Dtorus, er sprich- iu den noch mittelalterlich empfindenden Masten unmittelbar, r u. . »ittimin als SUctSioedli um> Marus. u^er W-rlca d.i Deutscheii im amerikanisck>en Bürgerkrieg sprach Redakt-^r Kau > nann (Dresden auf Grund seiner Erfalsimngm al- Lestn ' .n . wi Kriege. Deutschland hat ein Fünftel aller Weitzen in u; Sdiefert, ein Prozentsatz, d'r niemals gewich^g

werslichen Ursachen: T-ie Engländer kamen alu> ^^berer 1,... Der, dre Holländer mit starker Seemacht, hinter ^.Sckwe^

Grund von Mitteilungen eines früher im Haag beglaubigten Diplomaten noch einige Einzelheiten über den Brief des Deiitschen Kaisers an die Königin Wilhelmina vom Winter 1903/04 mitgeteilt.

,ES mar ein ganz vertrauliches Schreiben", heißt es da,in dein der Kaiser in sehr höflicher Form der Kömgm zu verstehen gab, daß er genötigt sein würde, tiollanö militärisch zu ve- setzen, wenn nicht von der holländischen Regierung die nötigen B e r t e i d i g u n g s m a ß r e g e l n längs d e r K ü st e getroffen ivürden. Dieses Schreiben erweckte natürlich am Hole große Sen­sation ; die Königin entbot den 'Ministerpräsidenten Kuypcr zu sich, luetgcrie sich aber, ihm den Namen des Bricsichreibers zu nennen, da eS ein verlranllches Schreiben sei. Erst spater touröe der Name deS Schreibers durch eine Indiskretion Knypers bekannt, der ihn aus anderer Quelle erfahren halte. Als der Kaiser später die Königin'besuchte, sagte er, wahrscheinlich um den Eindruck seines Briefes ivieder gilt zu nxad)en, er habe die Nordseeentenle als ein spezielles Geschenk für die Königin von Holland bestimmt; dies wiederholte er gegenüber dem Prinzen Heinrich später beim ClapeUanf derNassau*.Um den Wert der Entente zu beurteilen, ist", so gebt der Bericht des Diplomaten iveiter, -folgendes hmzu- junigen: Als voriges Jahr der dänische und der niederländische Gesandte in Berlin von ihren Regierungen beauftragt waren, die Nordfeeentente nur unter dem Vorbehalt einer sicheren NeulralitätS- beslimrnung zu iinterzeichnen, wußte Herr v. Schön die beiden Diplomaten hübsch in Behandlung zu nehmen vstd sie zur Unier- zeichnung durch die Versicherung zu überreden, daß dieser Vor­behalt ganz überflüssig sei. Aber warum hat Deutschland, wenn der Vorbehalt überflüssig war, ihn abgelehnt?"

Der Korrespondent fügt hinzu, daß er die Verantwort­ung für die in dieser Darstellung liegenden Urteile ablehne, daß aber die Tatsachen selbst auch von anderer Seite Be­stätigung fänden. Natürlich handelt e§ sich nur um eine törichte Auswärmung der alten Angelegenheit, über die man sich erst vor einigen Monaten auch wieder nutzlos aufgeregt hatte. Aengstlich hatte man dabei noch von großen deutschen Truppenansammlungen an der holländischen Grenze gemeldet. Alles das bat sich als Schwindel heratiSgestellt.

Im nieberländischen Parlckment, das gestern mit einer Thronrede eröffnet worben ist, war auch von der Ver­besserung der Küstenverteibignng die Rede: sie scheint im wohlerwogenen Interesse des eigenen Landes zu liegen: zu liegen:

Haag, 21. Sept. Die neue Session der Ge- ncralfttiaten wurde, da die Wnigm durch mütterliche Pslick)ten verhindert ist, persönlich zu erfdeinen, durch den Minister des Innern Heemskerk mit einer Thron­rede eröffnet, in der es he itzt 7

Die Geburt der Prinzessin Juliana habe ein neues Band zwischen bein Königlichen Hause und dem Volke gefchllmgen. Tie kruswärtigeil Beziehungen seien außerordentlich fieiiudschastlicher Statur. Die Lage in ben Kolonien sei im allgemeinen zufrieden­stellend. Tie günstigen Meldungen aus Atjeh rechtfertigen das Vertrauen, daß die dort befolgte Politik sich in den richtigen Vahnm bewege. Wie von jeher, ftrebe die Regierung nach der kAnwendung d)rifftid?cr Rechlsgrundfätze.

Die Thronrebe kündigt sodann Gesetzentwürfe ckiber bic Vermehrung her ErbschaftSsteuercrträge, über die Nevision des Zolltarifs und über bic allgemeine Ein­kommensteuer an. Außerdem würden besondere Mafenah- nnen getroffen, um baS sehr beträchtliche Defizit ruber bas nächste Budaet auszugleichen. Unter anderem lei bic Erhöhung der Abgaben auf inländischen und aus­ländischen Allohol vorgesehen. Die Zwangsversicherung ^egen Krankheit, Invalidität und Aller solle ebenfalls gesetzt I lich geregelt werben. Für bie Verbesserung der Küsten- Verteidigung werbe ein Fonds errichtet. Die von der Re­gierung eingesetzte Kommission solle prüfen, in welcher Seife bie Verfaffiuig geändert toerben könne. Den Opium mißbrauch wirb man mit alten Kräften eyizuschranken be- 7nüht fein.

||. Deutscher hiftoriiertag.

4. Straßburg, 20. September.

Jmnmer und das Cf mb ixö Austvanderers, ein Volk von Schiff­brüchigen und Bettelarmen. Das Milizwefen im Revolulions- kriege nahm dem deutschen nationalrn Ansehen erst recht jeOcn Sait. Deutsche sachten gegeneinander. Ganze Schlachten wurden aus beiden 2ait?n bcutjd) 'kommandiert. Tie militärischen Lei siungen der Deutschen yaben die aller anberen Nationen über- troiinr Der Zustrom der deutschen Einivauderung wog für die Zusammensetzung der amerikanischen Nation umso schwerer, als die Einwanderer körperlich in den besten Jahren standen. Bon den 5 Millwnen deutschen Einwanderern standen 90 Proz. unter 10 Jahren, aus 300 Äkänner kamen nur 2 Frauen. Eine Be­lohnung der deutsd)en Kämpfer trat nur zum Teil ein. Manchem wurde sein Jdealrsmus maruhmal war es auck) Abcntcurerlust glänzend mit Gold entlohnt, aber noch vor wenigen Jahren ^ab es Trambahnsdmffner, die zu den Zetten des Bürgerkrieges L-tellungen als Biajore und Obersten in der regulären Armee eingenommen hatten.

50. Derbanösfeft der Babelsberger Stenographen.

= Ems, 21. Sept.

Dor einigen Tagen fand hier das Verbandssest des l-essisck)- nafsauischen (Main Rhein-Gau) Verbandes Gabelsberaerscher Stenographen statt bei einer Beteiligung von etwa 1200 Per­sonen, einer Zahl, wie sie die gleichen Veranstaltungen in den Vorjahren twch nie gesehen hatten. Die Vertreterversammlung, die am 11. abends die Reihe der Veranstaltungeit eröffnete, ver­einigte 106 Vereine mit 225 Stimmen. Tie Verhandlungen nxircit nicht öffentlich. Ter zweite Tag begann mit einem Wettschreiben, an dem sich mehr als 500 Personen beteiligten und das hervor­ragende Leistungen zu verzeichnen batte. Hierzu waren ver­schiedene mertoolle Ehrenprerse gestiftet, darunter ein solcher von der Stadtverwaltung Ems und ein solcher von dem hiesigen Stolze-Schreyschen Stenographen-Verein. An es schloß sich um 12 Uhr die öffentliche Versammlung an, die in dem von der Kurverwaltung zu diesem Zwecke zur Verfügung gestellten Kursaal inrtrr außerordentlich starker Beteiligung unter Leitung des Ober- realfchuldcrektors Dr. Pitz-Als^ld abgchalten wurde. Den Fest- vortrag hielt das Mitglied des König!. Stenographiscken Landes­amts in Dresden, Dr. Bode, über die stenographische Lage. Seine überaus sachlichen, mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen behandelten die stenographische Lage in Deutsch­land im ollgemettten und den Stand der Einhcitsbestrcbungen insbesondere und gaben ein anschauliches Bild über das Ver­hältnis der besonders im Vordergrund des öffcntlidxm Interesses stehenden beiden. Stenographie-Schulen Gabelsberger und Stolze- Sd)ret). Die Aussührungen des zweiten Berbandsvorsitzenden, Lehrer Muller ans Ossenbach, über die Organisation des Ver­bandes und seines Vorstairdes und das vorläufige Ergebnis der Zählung vom 30. Juni 1909 fanden ungeteilten Beifall. Danach gehörten dem Verband an: 156 Vereine (-f- 36 gegen das Vor­jahr) mit 6408 Mitgliedern (+ 1612) und 3835 Unterrichteten (+ 710). Der Vorsitzende des Einser Sbolze-Schreyschen Vereins hob das gute Einvernehmen zwischen den beiden Stenographcn- Vcreinignngen hervor und wünschte, daß dieses Verhältnis wie in Ems recht bald aud> im ganzen Vaterlande toerben möge. Nach­mittags sanden Ausflüge unter der Führung der Emser Kunst genossen auf den Mallrerg, die Bismarckshöhe usw. statt und abends veranstaltete die Kurverivaltung zu Ehren der Steitographen eine Belmd'tung de,- Bäderlai. Ein Sonderzug brackste den größten Teil der Festteilnehmer in der Richtung nach Frankfiirl am Sonntag abend heimwärts. Aber iminerhin war die Zahl der am letzten Festtag iwch Anwesenden recht stattlich. Tie Beteiligung an denl Wettschreiben seitens der Gießener 'Sereine war reckst gut und aud) die erzielten Resultate müssen int Hinblick daraus, daß die besten Schnällschrciber an der Teilnahme verhindert waren, als ausgezeichnet bc»ad)iict werden. Außer den bereits verössent- licksten Preisen, bic die Stenograph-en-Gesellschast Gabelslwrger errang, wurden folgende Preise erzielt: Abteilung für 100 S i l- be n. 1. Preise: Johanna Eise unb Hedwig Volk (Tarnen Verein), Hch. Weißbad), Unteroffizier, Albert Bienhaus, Hd). Lich, Paul Neumann, Gg. Andreas, Hch. Rockel und Otto Keßler (Ver­ein 1861j. 2. Preise: Bezirlsieldwebcl Rick). Newnann. Wckb. Techert, Karl Müller nnd Willi Werner (Verein 1861'. Ab­teilung für 120 Silben. 1. Preise: Ludw. Petri, Hd). Toll (Verein 1861. 2. Preis: Hd). Ohr (Verein 1881 . Ab tcilimg für 140 Silben. 1. Preis: Alex Kambach (Verein 1861), Gg. Klüger (Gymnasiast). 2. Preis: Frau Lina Karn bach (Tamen Derein\ Abteilung für 160 Silben. 1. Preis: Äug. Leicht (Verein 1861), Will). Berger (Gymnasiast-, Christian Weller Realaymnasiast). 2. Preis: Arth. Weirich (Verein 1861). Abteilung für 180 Silben. 1. Preis: Hans Roloff (Verein 1861).

Aus Sta&t ittiö Land.

Gießen, 22. September 1909.

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