lEtaatSleben im Lande gesichert sein möchten. Dieraisi sand die Abstimmung über die Tevutalionsanträge statt. Tie sämtlich an- rvesenden Mitglieder der Namurer — etz fehlte nur ein Abgeordneter — stimmten mit ,Ja". Tiefe? Resultat wurde mit lebhaften Bravorufen aufgenomen.
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Gegen die Steuer enf Gas, Elektrizität und Weiu.
Nach zweitägiger Verhandlung hat die Württembergische tzweite Kammer sich gegen die Gas-, Elektrizitäts- nnd Weinsteuer ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Reichstag den genannten Steuern die Zustimmung verweigern werde. Ferner wurde die Erwartung ausgesprochen, daß die württembergische Regierung bei den weiteren Verhandlungen über die Steuerreform im Bundesrat für keine dieser Steuern eintreten werde. Ein von den Sozialdemokraten und Zentrums- abaeordneten eingebrachter Antrag, der sein Bedauern darüber ausdrückt,d jaß die württembergische Regierung diesen Steuerentwürfen zustimme, wurde g-gen Sozialdemokraten, Zentrum und einige iNrtgtü'd-'r der Volispartei abgecehnt.
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Ter S'csuch des englifegen KooigSpaareS in Berlin.
Da? amtliche Programm für öen Besuch des Königs und der Königm in Berlin ist noch unvollständig. Tie Majeuäten werden von London am 8. Februar nach Dover abreisen und sich von dort auf der königltchen Jacht »Alexandra* nach Calais begeb-n unb von dort aus nach Berlin, wo sie a,n 9. Februar eintresfen. Sie werden bis zum 12. Februar in Berlin bleiben und dann direlt nach London -urncHehren. Tas (Befolge wird, soweit bisher feststeht, sich folgendermaßen zufammensetzen: Kolomalsetretär Earl Crewe, dann Lord-Kämmerer Viscount Allhorp, als Stabsträger vom Dienst und Vertreter der Armee Feldmarschall Lord torenieU, ferner Hurdinge und der ständige Unterstaatsjekrelär des Auswärtigen Amtes Sir JameS Reid, sowie als Leibarzt Oberst Streat- sield und Oberst Fritz Ponsonby als Stallmeister. — Ter „Stand- arb* schreibt über den Besuch des Königs Eduard ür Berlin: ES rief hier allgemeine Genugtuung hervor, daß die städtischen Behörden von Berlin sich entschlossen haben, sich mit dein Kaiser zu vereinigen, um den König und die Königin willkommen zu heißen. Wir freuen uns alle, daß dieser Besuch mehr bedeutet als bloß eine günstige Gelegenheit für emc glänzende Gastireundschait, glänzend für den Gast wie für beit Wirt. Ter Kaiser besitzt die königliche Gabe, eine gelegentliche Förmlichkeit zu verinnerlichen und zu verschönern durch lebhafte persönliche Herzlichkeit. Im allgemeinen wünschen dre Engländer, mit Deutschland in beständiger herzlicher Verla utheit zu leben, und s i e wurden für diesen Zioeck zu jedem Opfer bereit sein, außer dazu, Verbündete int Stiche zu lassen und Freu ii den untreu z u werden. Aber sie seien gezwungen, die Tatsache anziierkeimen, daß im deutschen Vaterlandc machivolle feindliche Einflüsse gegen eine internationale Annäherug vorhanden (»ien. Dieser Argwohn bestände ui gutem Glauben. Der „Standard" fährt fort: Je weniger wir versuchen, unsere Tadler eine? Besseren zu belehren, um so eher werben wir Erfolg haben. Ter Kaiser unb Fürst Bülow haben bei der jüngsten Krisis heilsamen friedlichen Einfluß ausgeübt. Fest an der Seite feines Bundesgenossen ftebenb, hat Deutschland ohne Hintergedanken an der Beruhigung Europas gearbeitet. England, das zu d e n G r uii d z ü g e n b e r b e n t j ch e n P o l i t tk i n E ii r o p a u n d A s i e n nicht mehr i m G c g e n s a tz st e h t, hat sich tn Afrika willens gezeigt, em gememsaiiies Vorgehen an- zubieten unb anzimchmcn. Hiermit sollte die Gninblage für ein allgemeines Verständnis gegeben fein. Es ist nicht unsere Hingabe, dem nationalen Ehrgeiz Teutschlanbs, sich zu Wasser ebenso slarl zu machen wie zu Lande, tückische Beweggründe unterzulegen.
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Tas Annexions-Protokoll.
Die türkischen Blatter vcrösfemnchen den Wortlaut des ans 9 Punkten bestehei den Protokolle ntwnrfes über d i e P st e r r e t ch i s ch - u n g a r i f ch -1 ü r k i s ch B e r h a n d 1 ii n g e n. In Artikel 5, welcher der Türkei völlige Freiheit bezüglich der Handels- und Zollvolitik zugestcht, verpflichtet sich Oesterreich- Ungarn, binnen zwei Jahren nach Unterschrift des Vertrages einen Handelsvertrag mit der Türkei abzufchlisßen, und zwar nicht auf der Grundlage von Kapitulationen. Zu der ebenfalls bereits bekannten Bestunmung über die Religionsfreiheit der in Bosnien und der Herzegowina lebenden Mohammedaner ist zu bemerken, daß in den Gebeten nicht, ivie die Blatter melden, der Rante des Sultans, fonbern der Rome des Hainen als religiösen Oberhauptes genannt werden soll. Tie Mohammedaner hängen, wie früher, vom Scheich ül Islam ab, dem das Recht der Ernemumg des ersten UlemaS zusteht. Der Ausdruck „Annexion* fehlt in dem Entwurf; dafür ist „Aiierkennung des jetzigen Zustandes' gesetzt. Das m den iirfprunglichen österreichischen Vorschlägen erwähnte Echutzrecht Oesterreichs über bic katholischen Albanesen ist in dem Entwurf nicht angeführt. Dte ebenfalls bereits gemeldete Bestimmung bezüglich des AuSwanderungSrechtes dürfte, ebenso wie einige andere Punkte, zu Mcinungsverichiedeuheiten Anlaß geben.
Deutsches Nerch.
Die a 1) l p i u j u n q y i. d nt ni i) f t o n des Reichstages beanstandete die Wahlen des pfälzischen Zentrumsabgeordneten Spindler- Germersheim, sowie des hannöverschen Nationalliberalen von der Wense-Uelzen- Lüchow, letztere wegen der Betätigung der Kisiegervereuie.
Der schweizerische Mehlboykott. Wie der „Post"' von gutunterrichtetcr Seite mitgeteilt wird, hallen sich die bisher zu verspürenden Wirkungen des Boykotts deutscher Waren in der Schweiz in den Grenzen dessen, was aus deutscher Seite vorausgesehen wurde. Der Boyiotl bleibt bisher vereinzelt. Er dür,te sich überhaupt zu einer Bewegung grösseren Stils nicht auswachsen.
Die F e st s e tz u n g von ft betragen bei der Haftung sür Äuiomobckschäden wurde von der Reichstags' kommistion abgclehnt.
P r ä s i d e n t C a st r o, der zurzeit noch in Berlin weilt, wird zu Beginn der Saison irrt Stahlbad Brückenau in der Rhön erwartet.
Arbeitsmartt in Hessen u. Hesjcn-Unssau im Vez. (908.
Bei der Betrachlmig der Hruriidmariltage ist davon aus' 6ugelten, daß die Zeiten der Hochkonjunktur vorüber sind und daß sich das Wirtschaftsleben wieder in ücn normalen Geleisen -n beivcgvn nnpaßt Daß dieser Ucbergang für eine Mihe van Gcwerbezweigen saudigend ist und zurzeit große materielle 'Jtodp teile zur Folge hat, ist unbestreitbar. Jedoch bürite von einem eigentlichen 'Jäniuinbe kaum gesprochen luirocn. Tie Arbeitsmarki- läge tvar im BericktSutviiat gegenüver dem Vvrmvnat fasi.unvcr ändert. DaS WeihnachtSgesa-ast brachte in einzelnen Gewerbe- tzwcigen, z. B. im BerkehrSgewerbe, eine, wenn auch nicht an- haitcnde Belebung, wenngleich im allgemeinen darüber geklagt wird, daß sich die geschäftlichen Erwartungen nid)t voll erfüllt haben. Tie während des größten Testes des Monats Ijerridjcnbt trockene Witrerung ermöglichte es, noch maiubjTici Arbeiten im Freien auszusühren, bis unenvartet im Lause der letzten Bc- rtchtSwvche ein scharfer Frost ein setzte, der mancherlei dcbcul'- liche Wirlungen rind) |‘id> zog. Wenn an sich jd)oii in jedem Zähre das Ende dcS Dezemoer den höchsten Sian.> der ArbeilS- lofigkeit zeigt, so wurde diese im lausenden Iahte vurc.» ben fdiarfen Frost weiter crl)oht Unter der Ungunst der urbeii^martt- Lage hat am meisten das Baugewerve zu seiden, bei dem emc crnpsindsid'e Einbuße an '.‘[uitiagcn unb .lrbett-.-gUeg_.ib.it wc.tcr ju verzeidmen war. Im 'JUiiang des Jahre-s sehtte es ülsvlge deS hohen Geldstandes zum Test an Baugeleecn. ajd» w.ttneitd des ganzen Sommers blieb die Bautitigst.: v.....?. lismö'ig gc
ring, u. wenn auch der Herbst besonders in Den hum. u k cntcinbat unb auf dem slack-en Lande "Belebung bradjie, so ioar ne dod) nicht ausreichend unb anhaltend genug, um den Arbeitsmarlt zu
entlasten. Für das kommende Ialw siebt zu honen, daß im Baugewerbe lebhaftere Beschäftigung wieder cintritf. Im Zusammenhang mit dieser wenig günstigen Lage deS Baulwwerbcs litt auch Die Holzindustrie unter stillem Gcfd/äitSgange. So wird beispielsweise aus Frankfurt a. M., Mainz. Wiesbaden, Kassel into TarmUadt berichtet, daß die Bautischlereien infolge Mangels an Aufträgen völlig barnieberliegcn. Wenn auch in Franlrnrt a. M. zum Teil bei dem städtischen Arbeitsnachweis, zum Teil bei den Facharbeitsnachweisen, Stellen vermittelt wurden, so handelt cs sich doch hier nur um Aushstrsstelien für die Tauer von 14 Tagen bis 3 Wochen. In der Metallindustrie toar die Geschäftslage geteilt. Einzelne größere Frankfurter Firmen nahmen gröbere Einstellungen gelernter Arbeiter vor. während wieder andere, totnn nid>i mit Entlassungen, so doch mit Llrbeitszest- oerfür'jungen vorgingen. Relativ günstig stand das Kleingewerbe da, wo zahlreiche Nachfrage nach Arbeitslräften vorhanden war. Verlangt wurden HeizungsbKfer, Bauschlosser und Spengler, in geringerem Maße auch Maschinenschlosser. Junge verheiratrtc Leute wurden bei der Einstellung besonders berücksichtigt. Bei den Malern, Weißbindern und verwandten Berufen war die Arbeitsmarktlagc dem Charakter der Jahreszeit entsprechend, flau, ausgenommen einige ländlickw Bezirde Homberg, Weilburg), wo vergeblich Arbeitskräfte gesucht toutbciL Lebhafte Nachfrage nach Arbeitskräften herrschte in der Lederindustrie, die, wie aus Wvrms berichtet wird, mit Lwckdruck arbeitet. Heber stunden müssen gemacht meiden, um den vorliegenden Aufträgen gerecht zu werden. Im Buckoruckereigewerbe war der Geschäftsgang ruhig. Tie Zahl i>er kondstionslosen Setzer hat sich durch die Fersigitellung der Adreßüück)cr in den Städten wieder vermehrt, besonders, Trucker, Gießer unb Stereotypeure sind in größerer Mehrzahl aus der Arbeitssuche. In der KvnfektwnSIndustrie in Frankfurt a. M. und Wiesoaden war durch die wenig günstigen Witterungsverhältnisse zurzeit nicht genügend ArbeitSgewgenheit vorhanden, um namentlich den Schneidern, insbef. auch den weiblichen xxint» arbeite rinnen ausreick-euden Verdienst zu gewähren. Die Arbeitsgelegenheit in dec Landwirtschaft war an und für sich aus natürlichen Gründen gering, reduzierte sich aber noch weiter durch den starken Frost am Ende des Ästurals. Daß die Arbeitsgelegenhest nicht so reichlich wie in früheren Jahren, den Zeiten der Hoch- konjultur, vorhanden ist, ist uubejtritten, dabei ist es aber interessant, immer wieder zu. beobachten, wie besonders in den Großstädten sich zah.rcid-e vermeintliche Arbeitslose Herumtreiben, während das platte Land, besonders die Landwirtschaft selbst, nach wie vor unter Arbeitsmangel, wenn auch im geringeren Niaße, zu leiden hat. Alle Versuche, den Arbeitslosen der Großstädte Arbeit in kleineren Gemeinden, sei es nun in der Industrie, im Handwerk oder Landwirtschaft nachzuweisen, schLÜern in der Mehrzahl der Fälle daran, daß diese Arbeitslosen nicht gewillt sind, die Großstädte zu verlassen ober Lohnsorvernngen stellen, die mit den Lebensbedürfnissen in den Klein Moten in rein Verhältnis zu bringen sind. — Mit dem EinjetzLn des Winters unb der Steigung der industriellen Arbeitslosigkeü hat das Angebot von T-ienstvvten scharfer zugenonuiccu. Der dringenden Nachfrage nach Dienstboten ist ein fast ebenso dringendes Angebot weiblicher Dienst- koüfte gefolgt, so daß also von einem Denst.'otenniangel, besonders m den Großstädten, kaum noch die Rede sein kann. Ob aber der Dienstbotennvt cm Ende bereitet ist, steht aus einem anderen Blatte. Ein Ticnstbotenmangel hat auch schon vorher insofern iüd>t be- slanden, als untüchtige Dienstboten aller Art, unfähige Kindermädchen, ungeschulte Stubemnädchen, nichts vcrst.'hende Köchinnen, m genügender Zahl anbolcn. Tarin besicht aber die Tienstboten- iwt nicht, sondern sie ck-arakterisiert sich durch den Rückgang der Leistungssähigkeit, der Tüchtigkeit und des hauswirtscb. Sinnes und Verständnisses der Tienstbvten. Diesem Mangel hilft nud) der pcrmchrte Andrang zu beni öfsenttichen Arbeitsnad)weisen nicht ah.
Nack) den monatlichen. ?lusweisen der rechtzeitig berichtenden Arbeitsnachweise stellt sich die Vermittlungstätigkeit wie folgt: Staffel 521 (gegen 612 im Vormonat), Darmstadt 142 (226), Frankfurt a.M. 2467 (2356\ Gießen 41 (37), Hanau 22 (27), Kreuznach 10 (9), Mainz 269 (310), Marburg 11 (13), Offenbach a.M. 153 (189), Wiesoaden 689 (859), Worms 127 (130 . Von Von Arbeitsnachweisen in mittleren nnb tkineren Städten haben 3- B. noch vermittelt: F r i e b b e r g i. £>. 58 (bei 81 "Anmeldungen offener Stellen), Limburg 105 (142), Witzeichausen 127 (264», Wetzlar 9 (13), und Weilburg 7 (8). Davon kommen auf 100 offene Stellen in Kassel 164,4 (gegen 203,0 im Vormonat», Darmstadt .253,7 (222,3), Frankfurt a. M. 197,7 (207,3), Gießen 301,8 (330,5), Lanau 148,7 (172^), Kreuznach 1255,0 (596,8), Mamz 318 (339,6), Marburg 56,7 (62,2). Offenbach a. M. 208,1 (251,0), Wiesbaden 119,0 (155,0) und Wo cm5 307,6 (291,3) Arbeitjucheirde. Tie Zahlen der versick-erungspflichtigen Mitglieder der Ortskranienkaffen, die uns berichten, weisen (1686', Gtesten 5131 (5620), öanau a. M. 7348 (7436), Homberg (Bez. Kafsel) und Wetzlar, einen Rückgang aus. Nachstehend die Zahlen int einzelnen: Kassel 32 276 (gegen 35 174 im Vormonat, Tarmstadt 12 368 (13 200», Frankfurt a_ M. 94 891 (97 549', Aiiebbcrq i. H. 1261 (1686), Gießen 5134 ( 5620', Hanau a. M. 7318 (7436 Homberg (Bez. Kassel) 320 (184), Kreuznach 380 7(4367), Offenbach a. M. 19 232 (19 790», Wetzlar 1147 (1118), Wiesbaden 13824 (14 243) unb Worms 7075 (7320). Wenn alle Zeichen nid’.t trügen, dürften die Aussichten der wirtsck-aftlickxn Lage 1909 günstiger sein. B-'sonderS darf man im Baugeschäft, wenn meitcr billiges Gelb zur Verfügung steht, mit einem Aufschwung rechnen, und baß ein Aufschwung im Baugewerbe von förderndem Einfluß auf viele Gewerbe ist, ist unbestritten.
Aus Statt mit Laut.
Gießen, 21. Januar 1909.
Gedenket der hungernden Vögel!
Obcrhcssischer VolkSliederabeud.
Tic eigenartige und sehr anziehende Veranstaltung der Hess"v l K c", Vereinigung sür Volkskunde, die der gestrige Milglieder-Abenb in bet Gestalt eines oberhessischen Volksliederabends brachte, hatte das hiesige Publikum so sehr zahlreich in die alle UniversüatSaula geführt, baß bic Zuhörer dichtgedrängt lns vor der Saaltüre standen. Ter Vorsitzende der 2?creinigung, Pfarrer schulte von Großen-Linbcn, ein genauer Kenner unb Sammler unserer heimischen Volkslieder, gab zunächst eine kurze Charakteristik des Volksliedes überhaupt, um bann als hervorragendste Eigenheiten des oberhessischen Volksliedes Ernst, Treue und Gcm^tstiese zu bezeichnen, wenn ihm aud) ber Humor nicht fremd ist Viele Lieder, die bei uns gesungen loerixnt, sind auch in anderen deutich.m L-inbern Derurcitet, Doa) hat namenllich der Vogelsberg, eine große Anzahl ihm ursprünglich allein eigener Lieder, von denen bas bekannteste „Zu Lauterbach hab ich mein Strumpf verlorn" ist. Tas oberhessische Volkslied schildert unb erzählt unb ist der Kanal, durch den der im allgemeinen verschlossene Lberhesse allem Ausdruck gibt, was sein Gemüt bewegt. Sein Trager und Erhalter sind die Spinnstubengeiell- ichaften, sein Feind bas Vordringen der Kulcur auf dem Lande. Deshalb ist es eine schöne Aufgabe und Pflicht des deutschen Volles, die Volkslieder zu sammeln, so lange eS noch Zeit ist. In diesem Sinne hat der Verband der deutschen voiksknildlichen Vereine eine Eingabe an ben deutschen Reichstag gerichtet, in der dessen Unterstützung zu einer umfassenden oammlung und Herausgabe aller deutschen Volkslieder gebeten wird. Ihrer gibt es unzählige, in Österreich hat z. B. ein Psarrabjunkr allein 12 000 deutsche DollSlieder gesammelt und ein Mann im Vogelsberg hat sich 450 Volkslieder auigcschriebeu, die er im Leben gelungen hat. Tie einzelnen Lieder wcrdc.i nickst überall glcicharrig gelungen und werden fortgesetzt gcänbciL — Welche Pocste uno Gernütstiese ihnen innewohnt unb wie klangvoll bic Melodien sind, konnte man bann an den 14 von <yi> ukin I. Müller-Wetzlar unb Fräulein 9)L ff I cbe r g e r- uticubctg gelungenen Liedern feiffiellen. Piarrer Schulte iüg:c den einzeliicn Liedern Erläuterungen bei, so daß ihr Inhalt icoem verständlich wurde. Es waren reiigünc Sieber; die oft nock) au- Eatboli’d;er Zeit stammen-. Scheide-, Liebes- unb Scherzlieder, sowie ein farmen", aus Sandlojs, Eichelhain Bctten-- hauscn (Te^t und Melodie dieses LicdeS hatte Äbg. Köhler zur Verfügung gestellt), Penenoeil, Beuern, Engel rod, Ober-Erlen-
back und 'Großen-Buscck. Die beiden Tamm verstanden es, die Lieder dem Her.'en der Zuhörer näher *v. bringen, unb bewiesen, baß der Borlragende nicht zu viel gesagt hatte, als er die wunderbare Melodik des oberlreisiicken Volksliedes pries. Viele davon wären cs wert, durck den Konzertsaal Allgemeingut zu werden, aber nur in der Form, wie sie gestern vorgcirage« wurden, als einstimmiger Gesang oder Tuet:. Tenn der mehrstimmige Gesang ist dem Volkslied fremd, die Mädchen fingen „fein" unb die Burschen ,.grvb". Wohl icbcr, der die gestrige Veranstaltung besucht bat, wird nicht ohne Geimnn davong:gangen sein unb wir wollen nur hoffen, daß bas oberhessische Volkslied auch fernerhin nreiicrblüfcen möge als eine der schönsten unb wertvollsten Seiten des beffischcn Volkslebens. Aus die Veranstaltung, um deren musikalischen Teil sich der leider am Erscheinen verhinderte Prof. Trautmann sehr verdient gemacht hat, werden wir twch näher zurückkornmen.
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** Tage 5 Tatenber für Donnerstag den 21. Jan. Ober- hessischer Geschichtsverein. Prof. Tr. Behaghel: Ortsnamen und Sicdlungsgeschickte. Privatdv'^nt Tr. Rauck: A. d. mittelrheinisckwn Kunsigefchickste. At-euds 8's Uhr (Safe Eocl.
Gesellschaft für Erb- urtbVölkerkurfde. Tr. Gg. Wegener, Berlin: Auf uitbeirctencn Psaben in Ehina (mit Lichtbildern). Abends 81; Uhr große Universitätsaula. Konzert abends 7 Uhr im Lass MetropoU
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♦* Hoftrauer. S. K. H. der G r o ß h e r z o g ge- vuhten wegen des Ablebens des Prinzen Ernst von Sachfen- Weimar-Lt<euuch, Herzog) zu Sachsen, eine Ho,trauer vvm 19. bis emfchl. 23. Jan. 1909 anznordnen.
** Erledigt find folgende Leh verstellen: Tie mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Haingrund. Dem Fürsten zu Löwenstein- Wertheim-Rosenberg und dem Fürsten und Grasen zu Erbach-Schönberg steht das Präseiiiaiiousrecht zu. Ihrem Inhaber kann eine besondere Ortszulage bewilligt werden. Tie mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeinedschule zu Lauerbach. Eine mit. einem evang. Lehrer zu besetzend! Lehrerstelle an der Scyule zu Guftaos- burg (Gemeinde Ginsheim).
"Aus de Ni Militär-Wochenblatt. Schneider, Haiiptm. und Komp.-Ehcf im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit der gesetzt. Pension zur DiSp. gestellt und beim Landw.-Bezirk Osterode zum Bezirksosfiziec ernannt. — Menzel, Oberlt. a. D., zuletzt iin Landw.-Train 2. Aufgebots, früher tnt Großh. Hess. Train-Bat. Nr. 18, mit seiner Pens, zur Disp. gestellt. — v. BischoffShauscn, Lt. der Landw.-Inf. 2. Aufgebots (Mainz), zu den Nes.- Offiziecen des Jnf.-Leibregts. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117 versetzt. — v. Boel tzig, Lt. im Jnf.-Rcgt. Kaiicc Wilhelm (2. Größh. Hess.) Nr. 116, der Abschied njt der gesetzlichen Pension ans dem aktiven Heere bewilligt. — Dem Lt. der Res. Pfeifer (Köln) des Leib-Trag.-Regts. (2. Großh. Hess.) Nr. 24, der Abschied bewilligt.
** Politisches aus Hesse n. Im T a r m ftäbtei so« yialbcm akratisch en Lager ist feit einiger Zcit ein Kon - f t i f t auSgebrocken, ccr nuni feinen vorläufigen Abschluß mit dem Rücktritt des gesamten P o r t e ivo r sta n d c S gefunden hat. Tie Ursache des Konfliktes bilbetc bet Streit zwischen Revisionisten und ÜlabiZalcn. Die Revisionisten finb zugleich auch die Vertreter ber Gcurerksckaften und hatten bisher das Hest in ber Hand». Gegen biese ruhigen Elemente sind nun die Radikalen Sturm gelaufen und haben auch vorläufig Erfolg gehabt. Rack dm letzten Landtagswahlcn, in denen die Revisionisten Tr. David und Adelung unterlagen, hat auch in Tarrn stobt ber Radikalismus unter den Sozialdemokraten wieder zugenolmneii. Ten äußereq Llnlaß des Zweifels soll ein heftiger Vorstoß gegen den Abg. Vertbold abgegeben haben, gegen dessen Wiederauffwllung als ReichstagSkandibat fckwrfer Protest erhoben würbe. — ‘2ün Freitag den 5. Februar tritt das Laubes ko mitce ber heff ischLitz Zentrumspartei in Tarmstadt zu einer Sitzung zusam- ineit. Tie TageSorbnung lautet: Aussprackje über bie politische Lage in Hessen. — Wie in einer in Alzey abgehaltenen Betsamw- lung bet Vertrauensmänner ber national liberalen Parte i mitgeteilt wurde, hat der Kandidat ber nativnaUlvcralen Partei Tr. Be ck c r-Sprenblingcn (ffreiy Offenback)- die Kandidatur ber Nationalliberalcn und des Bundes der Landwirte bcfinitiD angenommen.
** Aus ber Schule. Nach einer neuerlichen Verfügung des Großh. Ministeriums haben folcke Kinder, welche das Ziel der Volisschule in den wesentlicheren llnterrichteg g^nsiä. den in ad)L Sck)U.jahren nicht erreichen, bic Schule ein Jahr lang tveiter zu besuchen. Diese zeitgemäße Anordnung sollte unbebingt auch bei der Versetzung eines Schülers in eine höhere Klasse in Betracht gezogen werden. Wenn ein Kind während vier Schulfahren beispielsweise das Ziel im Rechnen nicht erreicht hat, ftinu es unmöglich m die Oberklasse versetzt werden, wie das seither öfters vorgekommen. Begreift nämlich ein Schüler der Elementarklasse bic Fundamente des Rechnens nicht, so kann er niemals das Ziel der Oberklasse erreichen, und das 9. Schuljahr blüht ihm gewiß.
** Den Prüfungskommissionen für bic Prüfung der Aspiranten zum Staatsdienst im Medizinal- facl) und im Vcterinärfach in Tarmstadt gehören für 1U09 an: als Vorsitzender: Geheimrat Tr. Dr.-Jug. Weber, Vorsitzender der Ministerialabieilung sür öffentliche Gesundheitspflege; als Mitglieder für die 'Prüfung im Me- dizinalfach: die Geh. Obermebizinalrate Tr. Neidhart und Tt. Hauser, Obermedizinalrat Prof. Tr. .Hehl, Medizinalrat Tr. Biebevbach, Direktor her Lande-irrenanftalt bei Heppenheim, und Kreisarzt Medizinalrat Dr. Lehr in Toor.« stabt; für bic Prüfung im Vcterinärfach Geh. Ob er medizinal- tat Dr. Hauser, Obermcdizinalrat und Landesgestüts- vetcrinärarzt Prof. Tr. Lorenz, Obennedizinalrat Prof. Tr. Hehl, Schlacht(-o,d.reHor Setcrinäriat Dr. Garth ui Tarmstadt und Krcisvcterinurarzt Leterinarrat Dr. Schneider in Offenbach.
** Marcell Salzer, der als unbestrittener Meister im humoristiick)en Vortrag gilt, hatte gestern abend in Sterns ä ar tat einen fast bcifpiellofen Eriolg. Ter Saal war nahezu auZ- verkauft unb — allcö lachte. Mit schier unerschöpflicher Go- staltungskraft tmißtc Salzer seine Vorträge zu geben, seine Menschen in ihrer vollen Natur zu erfassen unb seine 3ubörcr hinzu- teißen. WaS et bringt ist Humor, bei gesunde echte Humor, bet aus bet Tieft des Herzens kommt und alles mit ।einem goldenen Lächeln verklärt. Es erübrigt sich, die einzelnen Bor- träge, die er so ausgezeichnet wiederzugeben wußte, namentlich auszuführen, dcmi Namen jagen hier gar nichts unb wer Marcell Salut nicht gehört hat, bet kann sich faum einen Begriff bavon machen, wieviel Humor es auf der Welt gibt, wie reich unsere besten Humoristen wie Busch, Thoma, Rideamus u. a. an echtem deutschen Humor finb. L’nb bezeichnend ist es, daß alle Anwesenden gern noch stundenlang den toftlid)en Vorträgen gelauscht hätte.
" Stadttheater. Am nächsten Sonntag nachmittag wird, um zahlreichen Wünschen zu entsprechen, der neue erfolgreiche Schwank von Blumenlal und Nadelburg .Die Tür ins Freibei kleinen Preisen gegeben werden. Diese Vorstellung ist die letzte des überaus luftigen Werkes.
“ Diebstahl. Gestern wurde einem Milchhändler ifl der Liedlgstraße vom Wagen herunter ein Paket mit eurer


