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19.5.1909 Erstes Blatt
 
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Mittwoch IS. Mai 1909

ISS. Jahrgang

Erstes Blatt

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schaffenden, formenden Weltgeistes. Aus der Grundtendenz der Wort gejagt, schon eines Führers. Einen solchen brauchbaren Ausdehnung (Wesenheit des Wcltgeistes) entstanden, geht das Führer bi-etet dieGoldene Klassiker-Bibliothek" (Deutsches empfindungserfüllte (seelenbegabte) substantielle Leben, gemäß bem Verlagshaus Bon ~ '

^Heimer, 'die.

politische Saaesfcbatt«

Stöffel und Nebogatow begnadigt.

Die Verteidiger von Port Arthur, General Stössel und der Admiral Nebogatow, waren s. Zt. bekanntlich zum Tode verurteilt, dann aber zu lebenslänglicher Festungshaft be- gnadigt worden. Kürzlich hatte nun die Gattin Stössels ein Begnadigungsgesuch für ihren schwer erkrankten Mann an den Zaren gerichtet. DaS Begnadigungsgesuch wurde indessen abgelehnt. Nun hat der Zar aber doch die Begnadigung ausgesprochen. AuS Petersburg wird nämlich gemeldet: Der Zar begnadigte an seinem gestrigen Geburtstage den General Stössel und den Admiral Nebogatow. Beide verlassen heute die Peter Pauls-Festung.

Das Geisterluftschifs und seine Lösung.

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Nr. 116

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: ne vmn l wöchentlich GirtzenerLamilienblätter; zweimal wöchentl.Ureis- blatt furden Ureis Gießen i Tlenßtag und Freitag); zmcimaf monatl. £anb- wirtschaftliche Zeitfragen ? ernsprech - Anschlüsse: i'ir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

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Annahme von Anzeige» hir die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

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Mai: )rt.

>ut heil. Veichl.

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Kommunion

1L jebigt. Segen, dacht.

Berlagshaus Bong & Co., Leipzig- in ihrer neuen acht­bändigen Goethe-Ausgabe. Die reichhaltigen, sorgfältig fammengeftellten Erklärungen und Anmerkungen zu den einzelnen Werken des Dichters bauen sich auf den Ergeb­nissen der bisherigen Goetheforschung auf. Besonders wert­voll sind die Erläuterungen zu den Gedichten Goethes.

Der zweite Wend der Festvorstellungen brachte eil. einmaliges Gastspiel des unter der Direktion von Meta Illing stehenden englischen Theaters, das zugleich die Er> öffnungsvorstellung dieses Unternehmens in Deutschland war. Gegeben wurde die dreiaktige Posse von R C. Cartvu: Mr. Hvpttn,c>n. Der Kaiser und die Kaiserin wurden be ihrem' Erscheinen in der Hofloge von den Hochrufen des Publikums begrüßt. Neben der Kaiserin nahm Prinz (&'." non Schweden Platz, hinter dem Kaiser Fürst von Bül mit den Herren und Damen der Umgebungen; auch Graf von Wedel wohnte der Vorstellung bei. Das lustige Stück wurde sehr flott gespielt. Hof und Publikum spendeten reichen Beifall.

Die BelgraderStampa" erfährt aus angeblich guter Quelle. Kaiser Wilhelm habe in Wien auch den ser­bischen Gesandten Simitsch in ein längeres Gespräch ge-

Wie sehr die englische Furcht vor dem aefpenfterhäften: nächtlichen Luftschiff ist, beweist folgende kl«' hampton passierte Episode. Ein Polizeileutnant bemerkte zu später Wendstunde das Luftschiff mit Lichtern versehen über der Stadt dahinschweben. Er meldete dies sofort dem! Chef der Ortspolizeibckhörde und Herr Mardlin erschien in lchchst eigener Person, um sich persönlich dasSpionage- luflschiff" anzusehen. Wie erstaunt war man, als man mit Zuhilfenahme von scharfen Fernrohren einen kleinen Spiel­zeug ballon entdeckte, an dem mehrere Lampions anaehängt waren. Ws man der Sache weiter auf den Grund ging, stellte sich heraus, daß zwei junge Leute diesen Scherz sich erlaubt hätten. Der Polizeipräsident von Norkhampton wird vorläufig von seiner Spionenfurcht befreit sein.

geneigt, neue Vorlagen nicht erst im Plenum jur Verhandlung zu stellen, sondern eine Hinterpforte dergestalt zu lassen, mdcrn eine von der Regierung ausgearbeitete Novelle durch einen Abge­ordneten in der Kommission einbringcn zu lassen, ein Plan, von dem man aber anscheinend, um keine Präjudiz zu schaffen, Ab­stand nehmen will. , .. .

Heber die neuen Steuern selbst, nachdem die abgennberte Fahrkartensteuer bereits zugegangen ist, sickert jetzt Einiges hn> vor ; infolgedessen hört man, daß eine Steuer auf Zündhölzer und eine Erhöhung des Kaffeezolles geplant ist. Was die neue -xahr- kartensteuer anbelangt, welche gleichsam in Höhe von 31/» Prozent für alle Klassen erhoben werden soll, so gehen die Ansichten über diesen Modus auseinander, indessen läßt sich nicht leugnen, daß in diesem Prinzip ziemlich gerecht verfahren wird, zumal die Fahrkarte imter einer Mark, also der Nahverkehr, völlig frei bleibt, und bei einem so niedrigen Prozentsatz die Passagier« ucr vierten Wagen klasse nicht allzuhart getroffen werden. Macht doch die ganze Steuer beispielsweise bei einer Fahrkarte von 3 Mark, wofür man in der vierten Klasse 150 Kilometer zurück- legen kann, nur 10 Pfennig aus! lieber die geplante Zündholz-- steuer wird man in interessierten Kreisen allerdings wenig erbaut sein, man wird indessen das Weitere abwarten müssen, um zu sehen, ob auf der einen Seite die Einführung einer solchen Steuer so ertragsreich ist, daß sie für die Finanzreform in Frage kommt,- anderseits aber muß beispielsweise verlangt werden, daß die in­teressierten Kreise nicht ällm hart getroffen werden. Auch über die ($tHöhung des Kaffeezolles fehlen noch nähere Angaben, so daß man auch in dieser Hinsicht eine abwartende Stellung einnehmen muß.

Manck>e Perle, die sich darunter findet, wird dem großen Publikum erst durch diese Erläuterungen erschlossen. Was diese neue Goethe-Ausgabe gan-j besonders brauchbar und wertvoll macht, auch für die Aufgaben der Schule, ist die streng durchgeführte Zeilen- und Verszählung. Nicht wenige Dichtungen ,inb hier überhaupt zum erstenmal gezählt und werden also künftig nach dieser Ausgabe zitiert werden müssen. Tie Ausgabe enthält ferner einige zum Ter wenig bekannte Bilder, darunter das letzte Bildnis Goethes, zu dem er gesessen hat, angefertigt im Januar 1832. Ferner sei noch erwähnt eine Wbildung desJahrmarkts zu Plundersweiler", nach dem Lriginal von Kraus, das sich jetzt im Schlosse Tiefurt bei Weimar befindet. Wßerdem bringt die Sammlung ein Faksimile der Goetheschen Hand­schrift. Die Ausstattung der Bände ist ansprechend undi gediegen, der Preis wohlfeil. Dieser letzte Umstand mag mithelfen, das Schlußwort im Geleit von Karl Alt erfüllt zu sehen:An uns aber ist es, uns dieses köstlichen Erbteils würdig zu machen, indem wir es uns nach Kräften anzu­eignen und zu vollem geistigen Besitz zu erwerben trachten."

Prof. Tr. Karl Lohmcyer, dessen Tod wir gestern meldeten, war einer der verdientesten und ältesten Lehrer der Albertina. Eine lange Reihe von historischen Arbeiten, die in erster Linie der Geschichte Altpreußens und innerhalb dieser wieder der -Ordensgeschichte gewidmet waren, hat den Namen Lohmeyer auch in weiteren Kreisen bekannt gemacht. Seiner Heimatprovinz Lohmeyer ist am 24. September 1832 in Gumbinnen geboren galt sein ganzes wissenschastliches Streben. Frühe kam er nach Königsberg, ym die Kantstadt nie wieder zu verlassen und aus einem eifrig Lernenden bald ein eifrig Lehrender zu werden. Lohmeyer war, so lesen wir in der Voss. Zlg., ein Musterbeispiel für den. Sieg des! Geistigen über das Körperliche. Die Natur hatte es nicht gut mit ihm gemeint: er war ohne Arme auf die Welt gekommen und stammte überdies aus kleinen Verhältnissen. Nichts­destoweniger wurde seine wissenschaftliche Ausbildung mit Unter* ftübung des königlichen Hauses durchgeseht. Mit 41 Jahren war Lohmeyer Profesior extraordinariuS und sozusagen eine Sehens­würdigkeit Königsbergs, die das besondere Interesse jedes Stu­dierenden erregte. Ter Gelehrte ging nur in Gesellschaft eines Boys aus, der ihm die Türen, öffnete, die Geldangelegenheit^

Dar ©etyeimms des Weltgeschehens

ist kein Geheimnis mehr. Herr A. Sinram in Hamburg ist der glückliche Entdecker. Er schreibt uns:Die fundamentalen phyft- kalisch-chemischen Formstufen der universalen Grundgesetzgebung als Bestimmungsformen des Lebens. Am 1. Mar d. I. fand zu Hamburg die Erste Publikation des inneren Weltgesetzev mit der erstmaligen Vorführung der verborgenen Grundursache als bad bisherige Geheimnis des Weltgeschehens (Belebung des Monis­mus) statt, ein Ereignis, wie der Ergründer des Grundwesens Sjerr A Sinram in der Einleitung seines £)tbilber^bm> träges hervorhob, von besonderer historischer Bedeutung, da die Fähigkeit: das seiende, erzeugende, ordnende, entwickelnöc SBejen nt Ursache und Wirkung zu erkennen, zu erklären und darzustellen dem menschlichen Geiste auf ewige Zetten abgeibrocnen worden sei, dieErkenntnis vom Wesen der Dinge deshalb auch als dienie erreichbare Geisteskrone der Menschheit" betrachtet werde. Nachdem Herr Sinram den Werdegang der realen Entstehung aus dem Urwesen einer von Ewigkeit her gegebenen idealen Ein- hettsform der im Raume eo tp.o ausgebreiteten Kaltezustands- form unter der Bezeichnung Uno ober Monon ober P^ ton mit ihrer angeborenen Eigenschaft (Grundeigenschaft) der Empnnbung (Fähigkett, Können, Reagens, Weltseele- - an der ganb lemes Wes&ie Welt der höheren Erkenntnis und. der Uebmeugung erläutert und ihn als Wirkung einer aprwnstpchen Zielsttebiakett bezw. einer ewig tätigen ursächlichen Raumemnehmungsterwenz Ausbreitung, Streben, Wollen, Wille, ^attgleit 'Wens, Welt­geist) jedes einzelnen Raumpunktes nach allen Richtungen des Raumes bezeichnet hatte, ging berjetbe auf die Vorführung der Formenwelt in ihren idealen erstanfarmlichen Formstusen über, Mc als die Vorstellung vorn inneren Micu der Natur (&runb- formen, Grundkraft) zu begreifen fei. Da Wesenheit Form sei und Form - Wesenheit, so bestanden die Lebewesen bezw die Lebensformen, wie die fundamentale Lebenstatigteit überhaupt, aus Formleben, und "zwar, gemäß dein We^en des idealen Un- endlichkeitskreises, aus Formen von Kreisverbinbungen,^bie als solche erstens den Grundcharakter von transmitticrmden ^chwmg- ungswellen (Grundkraft) in sich tragen und zweitens die unwill­kürliche Bildungsanlage der grundsätzlichen Form von Eizellen verkörpern, welch letztere Formen wieder nt weiterer Fortsetzung der Lebenstätigkeit '(Kreisverbindungen) die mannigtadnten Lm Gestaltungen (Umwandlungen, Veränderungen, Kreisvermupfungen erfahren, so daß der Harveysche Satz:Alles Lebendige ent wickelt sich aus einem Ei" zur Gewißheit erhoben und in 1 einer inneren Ursächlichkeit der Erkenntnis zugänglich gemacht worden ist. Aus Kreisflächen bestehend, in Kreisgrenzen eingeengt und von Kreisverbindungen geformt, werden die geometrischen Lebens formen (Atomgestaltungen, Eiformen, Schwingungswellen, Grund- kraft) von demGesetz der Geometrie" beherrscht, dessen Grund­prinzipien in den Figuren in die Erscheinung treten und be)|en auffälligstes Merkmal btt; Diagonal-Wirkung ist. Kunst, Lym- znctrie und geometrische Srdnüüg m km äußere GeprLge des

zogen und sich anerkennend über die Wsicbt des Königs ge­äußert, den Kronprinzen Alexander an der Bonner Uni­versität iurmatrikulieren zu laffen.

Var ttaisrrpaar in Wiesbaden.

Gestern vormittag hat der Reichskanzler dem Kaiser einen zweistündigen Vortrag gehalten. Am Nachmittag ge­währte die Kaiserin dem Reichskanzler eine Audienz. Später konferierte der Reichskanzler mit dem russischen Botschafter, Grafen von der Osten-Sacken.

Der Kaiser hat dem Statthalter Grafen von Wedel die Brillanten zum Schwarzen Wlerorden verliehen.

Urtterstaatsfekretär Löbell begab fich gestern nachmittag zum Reichskanzler nach Wiesbaden.

Gestern nachmittag um 4 Uhr fand auf Allerhöchsten Befehl ein Galakonzert int großen Saale des Kurhauses statt, der mit einer glänzenden Gesellschaft bis auf den letzten Platz gefüllt war. Der Kaiser, die Kaiserin, die Prin­zessin Viktoria Luise und die Damen und Herren des Ge­folges wohnten dem Konzerte bei. Die Majestäten wurden in >^r großen Halle von Fanfaren begrüßt und vom Ober­bürgermeister Dr. v. Jbell, vom Kurdirektor v. Ebmeyer und vom Intendanten der Kurverwaltung, Borgmann, emp fangen und zur großen Loge geleitet. Die Majestäten ver­neigten sich zum Publikum, das in Hochrufe ausbrach. Nach­dem bas Kurorchester unter Leitung des Kurkapellmeisters Afferni die Beethovensche Leonorenouverture Nr. 3 vorge­tragen hatte, folgte das Auftreten der französischen Sänger La Societß nationale des Orchiouistes Crick-Sicks" aus Tourcoing unter Leitung des Herrn Joseph Duysburgh. ist dies ein starker, weit über hundert Köpfe zählender Männerchor, der sehr Tüchtiges leistete er hat besonders schöne Bässe zur Verfügung und einen starken, ehrlichen Beifall errang, an dem die Majestäten sich auf das leb­hafteste beteiligten. Die Sänger trugen vor: 1. Esperance von Radvur, 2. VillaneNe von Massenet, 3. Hymne ä la nuit von Rameau (1683) und zum Schlüsse Le chant des matelols von Raboux. Dazwischen spielte das Kurorchester bas nieder­ländisch Dankgebet, und den Schluß machte der Vortrag der Festouverture über Eine feste Burg ist unser Gott von Nicolai, vorgetragen vom Caecitienverein unter Begleitung des Kuvorckresters und der Orgel, die Schloßorganist Petersei' spielte. Zur Wendtafel bei den Majestäten im Königlichen Schlosse sind geladen Prinz Eugen von Schweden und her Statthalter Graf Wedel.

Serien.

Der Reichstag ist dieses Mal reckst früh in die Pfingstferien aegangeu und wird wohl Mitte Juni wieder zusammenkomnien, um der Regierung Zett zu geben, die verschiedenen Ersatzsteuern vvr- zuberetten.

Daß nt der Zwischenzeit auch tüchtig hinter den Kulissen ver­handelt ivird, liegt auf der Hand, zumal man von einer gewaltsamen Lösung nach der einen oder anderen Seite hin zurückschreckt in bei Erwägung, daß hierdurch die Situation kaum gebessert werden würde. Unleugbar hat m den letzten Tagen die Situation an Schärfe verloren, weil man eben allseitig bestrebt ist, im Interesse der Gesamtheit etwas zustande zu bringen, insbesondere ist man in den Reihen der gemäßigten konservativen Reichspartei lebhaft bemüht, eine vermittelnde Brücke zu schlagen und es wäre erfreulich, wenn man einen gangbaren Weg finden würde.

Bon Interesse ist nun der warme Appell, den der bayerpche Thronfolgrc, Prinz Ludwig von Bayern, gestern anläßlich eines Besuches in Karlsruhe an den Reick)stag gerichtet hat. In einem Trinksvruch bei der Galalafel im großherzoglickien Schlosse führte Prinz Ludwig u. a. folgendes aus:Wir stehen m einer letzt sehr schwierigen Zett. Die deutschen Bundesregierungen sind alle Zusammen gestanden und haben alle ein Programm angenommen. Wenn es ja auch 'nichck verlangt werden kann, daß dasselbe in icber Einzelheit vom Reichstag angenommen und burcl-geführt wird, so ist doch zu wünschen, baß auf bieser Grunblage eine Ver­ständigung erreicht werden könne. Eure Königliche Hoheit wirb mir erlauben, zu bemerken ich weiß ja, baß bie Großberzoglich badische, wie die königlich bayerische Regierung in dieser Beziehung eins sind daß es eine große Nottvendigkett und rin großes Glück ist, daß die direkten Steuern der Einzelstaaten gewahrt werben. Wo kämen wir denn hin und wie könnten die GiMl- ftaaten die großen Kulturaufgaben, die ihnen bevorstehen, erfüllen, wenn ihnen bie biretten Steuern eingeschränkt würben? Und wie bei den Einzelstaaten, so ist es auch bei den Gemeinden. Die Bkaatsregierungen haben sich beswegen geeinigt abgefehen von bcn inbireften Steuern nur eine birefte Steuer dem Reiche zu überlassen: bie Nachlaße bezw. Erbschaftssteuer, und so viel ich weiß, stehen die Staatsregierungen noch immer auf demselben Standpunkt. Ich wünsche und hoffe, daß der Reichstag diesem Standpunkte auch beitteten wirb."

Inzwischen hat ber Reichskanzler, wie bereits an anderer Stelle mitgeteilt, am gestrigen Dienstag 'beim Kaiser in Wiesbaden Vortrag gehalten, ohne daß 'über das Ergebnis der Unterredung zwischen Kaiser und Kanzler etwas näheres bekannt geworden wäre. ES ist eine seltsame Erscheinung, daß eine Reihe von Blättern^ welche früher das Hinaus treten des Kaisers stets auf das Leb­hafteste befehdeten, nunmehr mit einem Male wünschen, baß ber Kaiser, ber ftch seit den Novembertagen die größte Zurückhaltung auferlegt hat, wieder foertrortrete und in bas politische Getriebe ingreife. Es könnte aber nichts verfehlteres geben als das, veil hierdurch erneut die Person .des Kaisers in das Parteigezänk :)mein gesogen und dadurch tauin etwas gewonnen würde. Viel- >richt aber werden sich die Gemüter, bie sich 'm ben letzten Tagen in ft bis zum Siebegrade erhitzten, etwas beruhigen und sachge­mäßen lÄwägungen zugänglich fein; freilich wird es dabei not­wendig sein, daß man sich beiderseits etwas entgegenkommt und nicht, wie es gerade in ber Frage ber Besitzsteuer ist, auf einen einseitigen Standpunkt versteiren. Ein berarttges Verhalten würbe man im Lande, wo bie Verstimmung über bie Verzögerung ber Reick-sftnanzreform eine recht starke ist, nicht verstehen. Die Kom­mission wirb baher gut tun, unbeschadet ber genauen Prüfung etwaiger neuer Entwürfe, boch etwas schneller zu arbeiten, unb sich mit langatmigen Debatten nicht übermäßig lange aufzuhalten Zur Beschleunigung ber Rcichsfinanzreform war man vielfach

Funbarneutal-Prinzip ber entgegengesetzten Wirkung", burch bie Grunbrigenschaft ber Substanz (Ernpsinbung, Weltseele) infolge fortgesetzter Verbichtung berselben zugrunbe. So wirb aus un- endlich-cwigem Sein: zeitlicki-enblicheS Werben unb Vergehen ber Formenwelt."---Hett bem kühnen Denker!

Im Grvßy. HoftHeater zu Darmstadt fand gestern abend eine Sondervorstellung zum Besten des Hos- theater- und Hofmufiksonds statt, die gleichtzeitig dem aus dem Verbände des Hoftheaters scheidenden Herrn Loehr Gelegenheit gab, sich in einer seiner besten, wenn auch nicht bedeutendsten Rollen vom Darmstädter Publikum zu ver­abschieden. Gegeben wurde Otto Erich Hartlebens Offi- flerstragödreRosenmontag, in der Herr Loehr den Leutnant Hans Rudorfs gab. _ Der Abend gestaltete sich zu einem Triumph für ben scheidenden, sehr beliebten Künstler, der auch in Gießen aufgetreten ist. Schon beim Auftreten wurde er mit rauschendem Beifallklatschen be­grüßt und nach jedem Aktschluß wiederholt herausgerufen. Er spielte noch einmal mit voller künstlerischer Hingabe, Frl. Weiden vom Mainzer Stadttheater war ihm eine würdige Partnerin. Nach dem letzten Akt wurden dem Künstler Blumenarrangements und Kränze in so großer Menge überreicht, daß die Bühne schier einem Mumenhaine glich" Der Beifall wuchs zu Ovationen aus, wie sie selten bas Haus burchbrauste. .Herr Loehr gehörte der hiesigen Bühne 10 Jahre lang an, er vertritt von der nächsten Svielzeit db das Fach der gesetzten Helden. Er hat sich für 6 Monate dem Stadtcheater von Mainz verpflichtet und vom Jahre 1911 auf 5 Jahre dem Königl. Hoftheater Wiesbaden.

Mehr Goethe! Wir nennen uns das Volk der Dichter und Denker und führen gern die Namen Goethe, Schiller und Sani im Munde. Aber bie Hand aufs Herz: Wer liest sie? Die Fachgelehrten natürlich ausgenommen. Was speziell Goethe anlangt, so scheint nun allerdings das Interesse für ihn neuerdings zuzunehmen. Wenigstens läßt die gerade ljeurigen Tages in erstaunlichem Maße an- wachsende Goetheliteratur diese Annahme berechtigt er­scheinen. Wenn man nach einer Rechtfertigung für diese Goetheliteratur sucht, [o wird sie darin zu finden fein, daß uns schon ein großer Teil der Werke Goethes schwer verständlich geworden ist. Man denke nur an die Gedichte. Der heutige Leser von Goethes Werken bedarf, mit einem

Ausland.

Die Streikbew ea nn g in Frankreich. Du! General-Aäderation der Arbeiter hat auf ihrem Meeting

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