Erstes Blatt
Montag 13. Dezember 1909
159. Jahrgang
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Die heutige Nummer umfutzt 10 Seiten.
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An dem neuen Ministerium interessiert natLckrch m erstec 2<Kj0 ‘fynaiez Pulver und 14 000 Zentner Geschosse oer- Linie bie Persönlichkeit des Mirästerpräs identen )etvu. Die LonsumLnsralten der y-trina haben llo Vcr-
Sydn-y Sonnino, geboren 18-17 ut ^eirimbna ^eg.)^, :au^.-teIIe;L gehören dazu mehrere Schlächtereien, ck der Sd^h eines italienischen Jsraettten und emer v ---i D-äckereieu, Mühlen, ErsMrtten, Lmieebrenuereien, D4ttcu-
dlchen Engländerin. Nach juristischem und medr-aw^em uju.
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Krupp in Essen.
Aus Essen wird uns geschrieben:
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rund 205 Mill. Mari, zu denen 58y2 kommen. Tiefen RicsenkapitLlien stehen die Einrichtungen würdig zur Leite. Die Firma Krupp umfaßt folgende Werke: 1. Gußftcchlfabrik in Essen, 2. Friedrich-Alfred-Hutte in Rheinhausen, 3. das Stahlwerk in Annen, 4. das Grufon- merk in Magdeburg-Buckau, 5. die Germaniawerft in Kiel, 6. die MüHofener Hütte bet Engers, 7. die Her- mannshütte bei Neuwied, 8. die Saynerhütte bei Lage, 9. eine Reederei mit eigenen Seedampfern in Rotterdam. Außerdem besitzt die Firma 3 Kohlen-.chen in Essen und Bochum und zahlreiche Eisenslerngruben in Deutschland und im Ausland. Aus biejcn Werten beschäftigt die Firma insgesamt ca. 63 509 Arbeiter, in Essen allem 34 000. Der Durchschnitts-Tagesverdienst stellte sich im letzten Jahre auf 5.35 Mk. Pro Kopf und die Gesamtlöhne im Jahre aus schätzungsweise 90 bis 100 Millionen Mark. Die PensionSlassen der Firma für Beamte und Arbeiter verfügen über ein Vermögen von 33 Millionen Mark, der Kvhlenverbcaitch der Werre betrug 250000 Waggons, der Wasserverbrauch 16.7 Millionen cbm (ist also so groß wie der der Stadt Dresden). Die Wasserrohrleitungen harten eine Länge von 453 km mit 576 Hydranten. Das Gaswerk des Essener Werks lieferte 18 tNillionen cbm Leuchtgas für 38 713 Flammen in S.raßen, Werkstätten und Bureaus Die Gesomttängc der Gasrohrleitungen betrug e'toa 415 km. Tie 3 Elektrizttärswerke der Essener Fabrik speisen 2711 Bogenlampen, 29 693 Glühlampen und 2224 Elektromotoren uni> leisten etwa 26 Millionen 5liloWattstunden. Das Eisenbahnnetz umfaßt ca. 135 km Gleis, 52 Lokomotiven und 2400 Wagen. Tas Telegrapnennetz des Essener Werks um« [afet 21 Stationen mit 38 Morseapparaten und 84 km Leitung, das Fernsprechnen hat 492 km Leitung mit 541 Anschlüssen. Es werden int Jahre etwa 25 000 Depeschen befördert und etiva 1 Million spräche am Telephon geführt. Auf den 3 großen Schießplänen der Firma in Meppen, Tangerhütte und Essen, von denen der erstere eine Ausdeutung von 23 km Länge und 4 km Breite hat, wurden im lcltten Jcchre 20000 Hrobeschüsse abgegeben und dabei
Nr. 282
Ter «ietzener Lnztta« erschein' täglich, att&er Sonntag». - Beilagen: nierinal wöchentlich 6i*ner$amlütnbiänet; iroetmal rodcbentl.Ktets« Hart für Öen Kreis Siegen (TrenStag und Freitag); zrveimnl monall. Land» wtrlfchastlich« 3titf ragen Fernsprech-Anschlüße: für die Redaktion 113, Derlag u. Expedition 51 Adresse für Deveschen;
Anzeiger Gieße».
Himatfme von Anzeige, für du Tagesnunnner bis vormittags 9 Uhr.
Vers ttätssrudrum widmete er nch, tnzwischen zum Proiestanttemus übrcgctretim, dem diplomatischen Dienst^ der ihn nach Ceftrn eia:* | Unzartc, Deutschlaird, Frankreich und Sbinüeu sühne, und gtne dann völlig ins parteipolitiitbc Fahrwasser über. Schon 1886 Mitglied des linken Zentrums in der Kammer, wurde er 188 < von Erispi als Unterstaatssekretär des Schatzes in das Ministerium berufen, eine Stellung, die er bis zum Jahre 1889 inne hotte. Don 1893 bis 1896 leitete er unter Criipi selbst das rftnonz- Ministerium, doch trat er im März des letzten Jahres von bicfan Dosten zurück, als die tragischen Ereignisse in Abessinien Enste stürzten. Inzwischen zum Senator und Baron ernannt, begnügte er sich seit 1901 mit der Führung der Opposition gegen bie bla bi nette Zanardclli und Givlitti. Im Februar 1906 rourbe er mit der Bildung des Kabinett» betraut, doch währte seine Minister- Präsidentschaft damals nur bis zum Mai desselben Jahres, wei! er für sein Programm der Eisenbahitverstaatlichnng leine Mehrheit in der Kammer sand. Er mußte damals Giollttt, den et jetzt wieder ablöst, Platz machen.
Wie stehen nun — das ist für uns augenscheinlich das wichtigste — Sonnino und sein Minister des Auswärtigen Graf Guicciardini, zu Deutschland und Ccfterreid)- Ungarn, also zum Dreibund? Sie haben aus ihrer Drei- bundfreuudlichkeit nie einen Hehl gemacht,Jo daß, wenn der Dreibundsvertrag am 31. März 1914 abläuft und das Ka binett Sonnino sich bann noch atu Ruder befindet, seine Erneuerung sicher ist. Trotz Racconigi wird alfo die Ruch tung der auswärtigen Politik I a irns weiter inncg.ha ter- werden. Sagte doch Graf Guicciardini, als er unter Sonnino zum erstenmal Minister des Auswärtigen war, im Senat: „Der Dreibund ist eine Garantie für unsere Irttcr essen auf dem Balkan. Was Mazedonien anbetrifft, so sichert uns der Dreibund gegen jede ohne uns Dorgenom- mene Aenderung, und was Albanien angeht, so bietet une ein Sonberabtommen mit Oesterreich-Ungarn, das ein Zusatz zu dem Bündnisentwurse ist, eine Sicherheit gegen Aenderungen, die das Gleichgewicht an der Adria berühren würben."
Da; neue italienische Kabinett
Zwar war es von vornherein ziemlich klar,, daß nur Baron Sydney Sonnino mit der Bildung dieses neuen ft'abinctt'3 betraut werden könnte, aber die Zusammensetzung des Kabinetts stieß deshalb in Rom aus größere Schwierig- Hketten, weil Sonnino tu der Kammer keine einheitliche Mehrheit hinter sich hat, so daß matt gezwungen war, andere, der Sonnino-Partei nahestehende Kammergruppcn, w:e die Giolitti-Partei und die Rechte, bei der Kabinettsbildung zu berücksichtigen. Seit Freitag steht nun die Ministerliste fest. Danach übernimmt Sonnino neben dem Präsidium auch das Innere, Guicciardini das Aeußere, Scialoia die Justiz, Sabandra die Finanzen, Springardi das Kriegs- Ministerium, Bottolo das Marineministerium, Danca das Unterrichtsministerium, Rubini das der össentlichen Arbeiten, Luzatti Handel und Landwirtschaft und Santono srio das Postministerium, wobei die Ressorts der Landwirtschaft und Post- inib Telegraphenverwaltung, bie früher dem Handelsministerium unterstellt waren, neu ge-
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Die italienische Presse begleitet dieses Ministerium mit wohlwollenden, wenn auch nicht gerade enthusiastischen Ar tifeln. Das Ministerium sei gut, weil es homogen sei, und die Kammer werde ihm Zeit lassen, sich zu betätigen, agt die „Tribuna", die aber auf der anderen Sette befürchtet, daß bas Kabinett nur solange leben werde, wie es Giolitti gefalle. Messagero" dagegen tadelt eö, daß Sonnino in sein Kabinett keine radikalen, also antiklerikalen Elemente aufgenommen, nachdem er eine Woche lang zwischen Klerikalen und Antiklerikalen geschwankt habe, uno die „Sita" endlich erklärt, das Kabinett Sonnino werde das letzte reaktionäre Kabinett in Italien fein. Die Vor- würfe der beiden letzten Blätter schießen natürlich wett über bas Ziel hinaus, da man ein Kabinett, in dem die Linke vertreten ist, nickst als reaktionär und ein Kabinett, in dem neben zwei Mnistern jüdischer Abkunft (Sonnino und Luzatti) auch ein ausgesprochen Antiklerikaler, rote der Senator Srialoia, sitzt, unmöglich als klerikal bezeichnen iann. Das Kabinett Sonnino ilt nach deutschen -Gegriffen cm konservativ-gemäßigt-liberales BlockMinisterium, da.' nur insoweit als ein klerikales anzusprechen ist, als es an dem jetzigen Stande der Kirchen- und -Lchulgeietzgebung feit- halten will, mithin kirchenpolittsche Streitigseiten, etwa nach französischem Muster, von ihm nicht zu gewärtigen linb. Mer auch die klerikalen Ultras kommen unter ihm nicht auf ihre Rechnung. Sb das Kabinett sonnino lange am Ruder bleibt, ist freilich eine andere <yrage. Hat doch der frühere Ministerpräsident durch seine in das neu- Kalrnet. aufgenommenen Parteigenossen so viel Einflutz, das, es, wie ja auch die „Tribuna" schon andeutet, eigentlich^in fern Belieben gestellt ist, warm er pem ^Nlsterium Sonnmo den HalS brechen und sich an scme Stelle setzen wlll.^ -ta wird daher mit der Wiederkehr eines yhniftmurm, litti in jedem Falle zu rechnen haben, auch roenned dem Knbinett Sonnino gelingt, in der am 16. ^ember^u- sammerltretenden Sammer sein Programm ^'-rrchzufuhren. Dieses gipsest vor allem in der Regenerierung der -^r -
tung, in der Verteidigung des Laienfttmts.gegen die K.rche ohne Rachgiebüfteit, aber auch ohne Verso.gmig, m dm Ausbau d?s Heeres- und Flortenbauprogramm», in d-.r Verwandlung der Gemeindeschulen in
in der Belämpfung des süditalienischen .lnalphav^ti-mu-^.
An dem neuen Ministerium interessiert natürlich
Welche Riesensurnmcn an Kapital- und Produkt ons- kräften in den Kruppschen Werken vereinigt finb, soll an Hand einiger Zahler an gaben erläutert werden, die wir dem neuesten Direstionsbericht über das abg laufene Ceichäf.s- jahc entnehmen. Danach betrug der B^utto-Ueberschug ein schließlich Abschreibungen 48^4 Millionen Mari' und der Reingewinn 171,3 Millionen. An Steuern müssen 3Vs,Mill entrichtet werden, während die Zriwendungen, die für die Arbeiter- und sonpigen Wohlfal'-rtsKweckc im Laufe des Jahres gemaclst worden sind, nicht weniger als 91/4 Mill. Mark betragen haben. Diese Rüsensummc zeigt, in welcher Weise Krupp für das Wohl seiner Arbeiter sorgt. Und in welchem Umfange bie Arbeiter selbst zur Sparsam.eit durch bie Firma Krupp erzogen werden, geht daraus hervor, daß von den Arbeitern rund 34 Mll. Mark Spargelder bei der Firma angelegt sind, die durchweg mit 5 Proz. wieder verzinst werden. Bei keiner Kasse würden die Arbeiter einen derartig hohen Zinsfuß bekommen. Andersei s narürlich hat dieses Sparsystem auch für die Firma seine Vorteile, inbcm sie dadurch in außerordentlich kluger und taktvoller- Weise die Ausgaben an Löhnen usw. wieder zu sich zurückfließen läßt und sich dienstbar macht. Die m den Werksanlagen investierten Kapltalien betrugen am 30. Juni d. I. rund 224 Mll. Mark, und an Setrieb^ mitteln verfügte die Firma über rund 254 Mill. Mark, darunter befanden sich ca. 80 Millionen Barmittel, 46 Mill. Buchforderungen und 128 Mill. Vorräte Aus der Passivsette befinden sich dagegen an Aktienkapital und Rücklagen rund 205 Mll. Mari, zu denen 58i/2 Mill. Mark Anleihen
(Eine türkische Kabinettsfrifis.
Die türkisckie Kammer schenu ben Engländern gegenüber ein wenig Misstrauen gefaßt zu haben, denn sie verlangt die Por- scgnng des brstischen Scknsnchrisvertrages für Mesopotamien Der Großmesir sträubt sich dagegen itnb stellte bogar die Kabinette frage. Erst am beutigjen dstvnwg wird bei der Wetterderatung vielleicht die Entscheidung folgen.
Konstantinopel, 11. Dez. Die Kammer beschäftigte sich heute mit der Anftage über die Schiffahrt in Mesopotamien. Saal und Tribünen finb überfüllt. Der Gr 0 ß- wesir erklärte, die Regierung sei gesetzlich nicht verpflichtet, die Konzession über die Kvn^ssionierung der anglo-ottormunsck)en Gesellschaft der Kammer Vvrzulegcn, da der Staat durch diese Konzession nickst belastet werde. Der Führer der Jung türken Halil erbarmte die guten Absichten der Regierung an, beantragte jedoch die Vorlegung der Konzession. Der Antrag wurde unter großer Bewegung angenommen, und die Sitzung sodann unter- friödxin. Tas Kabinett trat daraus zu einem Ministerrat zu? fanrnen: man befürchtet die Demission des Gesamtkabinetts.
In der Kammer erklärte nach Wiederaufnah-ae der Sitzung ; her Gro ßwe s ir, wenn die Kammer auf dem Prinsrp der Vorlegung aller KonzessionSverträge beharre, könne die Regierung bie Veranttvortung für die hieraus entstehenden Nachteile nicht übernehmen und ziehe es vor, ihre Entlassung zu geben.
Der Finanzministor verteidigte in längerer, von stürmischem Widerspruch begleiteten Rede den Standpunkt der Regierung.
Ter Führer der Jung türken, Halil, viuiuchte, dio Tragweite seines Antrages von heute vormifttag abz-usch'.oächen, indem ec betonte, es handle sich gegenwärtig nur darum, ob inanovolartige Konzessionen der Kammer vorgelegt werden müßten. Der Großmesir erklärte, die Regierung verharre bis zur Notierung deS Gesetzes über die Kvnzessvonserteilung ans dem von ihr dar- gelegten Standpunkt. Da sich noch 35 Redner geureldet hatten, wurde die Sitzung nach zahlreichen Zwischenfällen und stürmischen Lärmszenen aus Montag vertagt.
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Konieroatiöer Parteitag,
■4 Berlin, 11. D^y.
Unter überaus zalstreicher Beteiligmrg von Delegierten pus> allen Teilen des Reiches trat heute vormittag im Kaisen aale des „Rheingvld" die Deutsch-korrscrvative Parter nach m-.hriähcrger Pause wieder zu einem allgemeinen Parteitage zusammen, um ihre Haltung ht der J-ra<xe der Reichsftnanzrewrm oyt dem Lande zu red>tfertigen und einige Differenzen innerhalb der Partei aus dem Wege zu raumen. Die konservativen Reichs- und Landtags- atgcyrdnetcn waren fast vollzählig m'chicncn, auf den yribünen befanden sich die Damen der Delegierten. Kurz nac! Uhr eröffnet der Vorsitzende der Partei, Frhr. v. M a n 1 < e f,
Die Verhandlungen mit einem .Hoch auf den Kaiser, des seit >oahrv Triarier dir KvnservativLn seien, die ihm auch Helsen würden, wenn es hart auf hart komme. 9Lach geschästtick^en Mttteilungxn deS aeschäfts führen den Vorstandsmitgliedes Stackmann, aus benot hervor ging, daß das Statut ber Partei in einigen Punkten erroe Atänbcr-ung erfalyrot soll, tarn Frhr. v. Marrteusfel auf die letzten politischen Vorgänge zurück und verwahrte sich gegen bie dep loirservativen Partei gemachten Vorwürfe, als ob fie
in frivoler Weise den Block zertrümmert
und nisderttächtig und hinterlistig den Sturz deS Fürsten Bülow verursacht habe. Nichts davon sei wahr. Leider habe bie Regierung kein Wort ber Abwehr gefunden gegen die Schmählurgen der Konservativen, trotzdem sie die Finanzgesetze vorbehattlos an- ae.wmmen hätte. Der Redner gab aber zu, daß seit der letztem Etatsrede des Kanzlers die Lust etwas reiner geworden sei. Dia Versammlung nahm dann die vorgesehenen Referate entgegen, und zwar sprachen Abgeordneter Justizrat Dietrich sNeu- Ruppin- und als Kvrreserent der -L-chöneberger PolizeipräsidenS Graf von Westarp über „Die Haltung der Vonseroatwen Fraktion in der Frage der Reichsfinanzresorm". Beide Redner gaben eine aussühttiche Sachdarstellung der damaligen r»litisck)en Kämpfe und kamen zu dem Schlüsse, daß die konservattve Partei nickn anders habe handeln können, als sie getan habe. Als nächster Redner behandelte Oberbürgermeister Beutler das Thnna „Politische Parteüm und wirtlchaftliche Vereinigung. Ev malmte bie öonservative Partei, sich nicht von einer wirtschaftlichen Interessengruppe ins Schlepptau nehmen zu lassen, um; nicht den
Namen einer großen pvkitischeu Partei »v verlieren.
lieber die „Wirtschaftlichen Aufgaben der Vonserwattven Partei" sprach Graf ton Schwerin-Löwitz, der für die bonseroativst Partei in Anspruch nahm, daß si-v für die berechtigten Interessen; aller probuftwen Stände eingetreten sei. Die Sonderverbändo von Industrie, .handel mtb Gewerbe seien nur bann berechtigt, wenn sie ihre Spitze nicht -.regen andere Erwerbs;tände kehrten. In dieser Beziehung bett achtete der Redner den Hansabund und den deutschen Bauernbund mit einem gewissen Mißtrauen. Der Ada cor briete Malkcwitz (Stettin) pries in seinem Referat „Mittelstand und polüische Patteien" die Verdienste der Vonser- vattven Partei um die mittelständischen Berufszweige. Tie Verwirrung, welche jetzt von gewisser Seite in den deutschen Mittelstand hinein getragen werbe, werde an dessen gefunden Sinn zer- spltttern. In der Aussprache wiederholte der Vorsitzende der lonservattven Reichstagsfraftion von Normann die alle konservative Behauptung, daß seine Fraktion den Fürsten Bülow mchr darüber im Unklaren gelassen habe, daß der größte Teil der Konlervativen für ehre Erbschaftssteuer nicht xu haben sei. Weiter sprachen die Vertreter dcr außerpoeußischen Kvmervaliven der Parteileitung Tank unb rcknertennung für ihre Haltung bei der Reicks finanzreform aus. Unter teilweise sehr stürmischem Widerspruch versuchte
der Vertreter der fo genannten KvnservaLivenl Verein i gung
Rechtsanwalt Bieder eck ^Berlin), deren Krftik an der Haltung der Parteileittlng zu rechtfertigen. Er wurde wiederholt tort Zwischenrufen unterbrochen und von einer Reihe nachfolgender 9teb:ier scharf angegriffen. Als letzter Redner drückte der Ab- gcordnete von Heydebrand und der Lasa feine Freude über die zutage getretene Einigkeit der Partei aus, die günstige Ausblick? auf die Zukunft der Pattei gesvatttt.
Von den Abgeordrreten Freiherrn von Richthofen und" Hammer wurden hierauf folgende Entschließungen Angebracht:
1. Der allgemeine Delegiettcntag nimmt mit lebhafter S3&* Triebigung von den Kundgebungen des Vettrauens Kenntnis, bie für bie Reichstagsfraktion und die Patteileitung aus Anlaß ihrer Tättgkeft m der Frage der Reichsftnanzreform aus allen Teilen des Reiches zurrl Ausdruck gekommen sei. Wenn auch über die Wege der Ordnung der Reichsfinanzen imrerhalb der ürnservattven Pattei bie Ansichten und Wünsche auseinander geg äugen find, so erlepni d?ch der Aelegierten-
die Post All. r.— oiertd- jäbrl ausschl. Beslellg. Zeilenvreiö: lokal IbPf, au« 1 oärte 20 Ptenntq. € betet baftnir: A Hsetz. VeranlwottUch für den
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General-Anzetger für Oberheffen WM
Botationsbrutf mrd Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteiudruckerei R. Lange« Redaktion, Expedition und VruSeret: rchulftratze 7. *^uVe”
und Bürstensadrtten, Schneider- und Sd)unuid)enovrt* suttten, Plätmtestettten^ Dampftvrschanfta ten. Xlayireite, K.i- niten, Echolungsanstettten, Sclfulen, Lebensver,tcherr'.ngen u.sw. So bildet Storpp ein Reich im Reich_________________
Die Industrie und der deutsch-portugiesische Handelsvertrag.
Berlin, 11. Dez. Zum deutsch - pottngiesifckrn Haudels- verttag Stellung zu nehmen surd heule der Z e n t r a l ver b a nds deutscher Industrieller, tnc Zenttalstelle tüt Borberev» tung ton Handelsverttagen unb der Verein zur Wahrung bai Interessen der chemischen Jndusttie Deutschlands zu einer Dv» sprechunq zusammengctteten. Einmütig wurde aTrerkannl, bau btc in dem Verttage vorgeschenen Zoller hä Hungen eme schivere Mehr» belastung der deutichen Exporte nach Pottugat bar fiel len. Diefo Schädigung sei aber tatsäck)lich. nutzt erst durch den Berttag sondern durch den neuen portugiesisck)en Zvlltattf herbeigesühtt, der sich ebenso wie gegen Deutschland auch gegen alle übrigen! Import st aaten richte. Deutschland sei gegenüber der Znxurgs'.ag<^ wottn sich bie portugiesische Regierung infolge ihrer auwnvnuItz Gesetzgebung befinbet, außer stände, ihn ab-uündcm. Dcr Vattrag biete aber andererseits den Vorteil, daß durch ihn werteren Erhöhungen der Zollsätze eint Grenze gezogen werde. Die Ablehnung des Bettrags wurde bie beklagten Schätzen nicht nur nutzt betätigen, sondern ine deutsche Industrie der Gefahr eines Zuschtag- zvlles bis zu 100 Prozent aussetzen und ihr dadurch den Wettbewerb mil den übrigen konkurrierenden Jndusttvstaaten unmöglich machen. Die deutsche Industrie müsse deshalb den größten! Wett auf die durch den Berttag gewälnleistete Meistbegünstigung legen und wurde es alö schwere Schädigung ihrer Jnberesjcn be» ttachten müssen, wenn der Reichstag dem Verttage die Zustimmung versagen sollte.
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