Ausgabe 
21.8.1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Samstag 2 l. August 1909

Nr. 195

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

icderzeit

eiutreten.

Die Gedenkfeier in Mar8 la Tour.

Verlauf

und Automobile als

Thing gebaut,

darf man an den oder amerikanischer

159. Jahrgang

mindern würde.

Hier dagegen herrscht die zielbewußte Arbeit. Man muß nur sehen, wie auf Monuntmito und ohne Gnade hier ganze Straßenzüge um viele Meter zurückgesetzt werden, um große, breite Avenuen zu schaffen, wie sorgsam sic dann mit Bäumen

diplomatischen Vertretern eingeleitct und durchgcführt tourbe. Aus der Rede des deutschen Majors von Zedlitz Heden die Blätter die ritterliche Huldigung vor Den gefallenen tapferen französischen Kämpfern hervor. Die deutschen Offiziere haben auch an dem französischen Nationaldcnkmal bei Mars la Tour einen toanz nicdergelegt. Von den deutschen Teilnehmern an der Gedentjeier von Mars la Tour wird ebenfalls bestätigt, daß die französischen Behörden alles getan hätten, um dem Vorgang einen würdigen Verlauf zu sichern. Auch die Haltung der französischen Be­völkerung war durchaus sympathisch. Die deutschen Teilnehmer kehrten mit den besten Eindrücken nach Deutschland zurück.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universuats - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerer: Schul- straße 7. Expeditton und Verlag: es^5L öiebaftiorcea® 112. Teü-Adr^ AnzetgerEteßen.

etwa hundert englischen Quadratmeilen.

Aber nicht dühalv nannte tch Tokio einekommende si>tabt".

Das Ende der Kretaytreites.

In der Antwort Griechenlands auf die letzte Note der Pforte wird lebhaftes Bedauern darüber ausgedrückt, daß bic Türkei - selbst nach der ersten Antwort aus ihren Be­schwerden über die Haltung Griechenlands in Rumelien und teta beharre. Sicherlich habe die Anarchie, die seit langem Rumelien verwüste, mancherlei Mißverständnisse ver­anlaßt. Griechenland beklage mehr als irgend jemand die Bewegung, die die verschiedenen Völker dezimiere und rui­niere. Daher bemühte sich Griechenland, seit der neue Stand der Dinge die Wiederherstellung der Ordnung hoffen ließ, die Aufgabe der Türkei zu erleichtern. Die von Griechen-

DieEteßener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Wenn man jeßt Tokio durchstreift, findet man es ziemlich frei von Globetrottern. Das wiegt die Hitze wieder -auf, niart kann sich in Ruhe all dem Schönen hingcben, das bxefe Mttlwncn- stadr birgt. Ein merkwürdig interessantes Gemych von Altem und Neuem smdet man da, vom alten, fremdenfeindlichen Md abgeschlosseneit rmd vom neuen, kulturoegierigen und nachahmungs tüchtigen Japan. Wenn man sich aber überlegt, ob man Tokio als eine Großstadt oder als eine große Ansammlung von xon» .: häusertc betrachten will, so wird man sich sicherlich ^sürs erlte entscheiden. Denn Tokio ist einekommende Stadt", greine Ent- wicküma datiert erst aus den allerletzten Jahren. Im Jahre 1456

bepflanzt werden, wie jeder große Brand unter den Holzbaracken zu hygienischen und sanitär notwendigen Erweiterungen geschickt benutzt wird. In den wenigen Jahren ihres Bestehens hat sich die Elektrische ungeheuer ausgedehnt. Freilich, sie iit auch nötig. Die Entfernungen sind riesenhaft, wie Die ganze Stadt: Wagen öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht, und

sind noch keine gelegt, die Straßenübergänge aus eisernen Trägern fehlen noch ganz, kurz, das Werk, das eine Verkchrsbelebung hätte sein sollen, ist bis jetzt nur ein Verkehrshindernis. Gebaut wird so gut wie gar nicht daran. Nur hat man eingedenk der eigent* lieben Bestimmung des ganzen in den Bogen einstweilen kümmer­lich die Postverwaltung untergebracht und an einer Stelle in Baracken hoch oben auf den Brückenbogen das abgebrannte Ver­kehrsministerium eingemietet. Ob das alles bis zum Jahre 1917 fertig wird, ist nocy sehr die Frage und ich fürchte fast, der japanische Nationalstvlz wird auch die bittere Pille einer zweiten Verschiebung der Weltausstellung schlucken müssen. Für Tokio selbst wird es kein Schaden sein. Eine Großstadt will auf guten Grund gebaut sein, das Hasten und Drängen hilft nichts. Tokios pracht­volle Parks inmitten der Stadt, seine zahlreichen Tempel mit ihren herrlichen Kunstschätzen aus alter Zeit, das stimmungsvolle alte Grab der 47 Ronins und andere Sehenswürdigkeiten find auch im Jahre 1925 noch da und alles andere tonn sich bis dahin nur verbessern. Die Fabriken um die Großstadt herum werden wachsen, die Industrie unb der Handel werden sich nach Tokio ziehen, Tokios Bummelstraße, die Ginza, wird noch 'verkehrsreicher und interessanter werden.

9iur eines wird ständig zurückgehen, foic es aus einer Zeit früherer Blüte schon heute ziemlich gesunken ist, Tokios berühmte Doshiwara, ein Riesenareal mit hoben Mauern umfriedet und nur durch ein Tor zu beschreiten. Drinnen sind Dutzende von mächtigen Bergnügungshäuscrn, in deren Parterreräumen, hinter hölzernen Gittern und vor hübschen Wandschirmen, schön gelackten Wänden und ihren unentbehrlichen Rauchtischchen, die öffentlichen Mädchen sitzen, so wie die Ware im Staun'oben aus­liegt. Aber wie der Tiger in feinem Eifenkäsig, so laufen diese .üätzchen hinter ihren vergoldeten Gefängnissen hin und her und besehen sich ihre Besucher, die sie ihrerseits mit kritischen Kenner­mienen mustern. Nach europäischen Begriffen ein Sklavenmarkt schlimmster Sorte die Mädchen verlafsen, nachdem sie von den Managern angekauft sind, die Poshiwara nicht vor 35 Jahren, wenn sie den Kaufpreis abverdient haben hier wirkt es wie ein Ausschnitt aus einer Puppenstube, wird es als harmlose Selbstverständlichkeit aufgefaßt. Zum Sttldium japanischer Moral­begriffe und japanischen Volkslebens eine unerschöpfliche Fund­grube unter dem Einfluß ober wirtschaftlichen Depression, es ist grausam, solche Zusammenhänge konstatieren zu müssen, ein zurück- gehendes Geschäftsunternehmei'.. Mit dem Aushörcn des Heroen- Icbcns und dem Wachsen deS Jndioidualgefuhls finkt das all­gemeine Vergnügungslokal, die Hoshiwara, und wächst das nächt­liche Straßenleben in der inneren Stadl. Was da das bessere ist? Uno wenn die japanischen Studenten sich, heute über eine nationale Zurücksetzung beklagen, weil innen bei Poshiwarabesuch verboten: ist, während er ihren chinesischen Kollegen gestattet bleibt, (o kann man nur hoffen, daß auch Tokios Enttoickelung als Uni­versitätsstadt die Herren auf andere Gedanken bringen wird. In­der Aofhiwara liegt jedenfalls Tokios Heck nicht. Diese Attraktion kann es verschmerzen, wenn cs Handel und Industrie dafür eintauscht.

französischen Blätter aller Richtungen besprechen dem _________ der Enthüllungsfeier bei Mars la Xour in sehr sym­pathischen Ausdrücken, sie rühmen den Takt und die Diskretton, mit der die Angelegenheit von beiden Regierungen und ihren

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Deutsches Reich.

Ernennun gen. Zum Senatsprasidcarten des ObcrlandcS- gerichts Kassel wurde der Oberlandesgerichtsrat Stege mann (Celle) ernannt. Anstelle des, zum Uitterstaatssekretär ernannten Negierungspräsidenten Schreiber wird der Regierungspräsident Kruse in Minden zum Präsidenten in Düsseldorf ernannt.

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ist doch technisch gesprochen ein großes Dorf. Daran wird auch die Absicht des Magistrats nichts ändern, eine Steuer auf die großen Gärten inmitten der Stadt zu legen und dadurch einen engeren Bau zu veranlassen. Tokio hat ja große Gärten, aber es ist doch sehr fraglich, ob sie nicht besser und gesunder sind, als ein zu enger Stahlbau, auch wenn er die Entfernungen der-

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habe. DieNordd. Allg. Ztg." fährt fort: Zür ein bundeS- fr rundliches Zusammenwirken der deutschen Staats bahnen auf hem Gebiete des allgemeinen Berkehrsbettiebes wie jüngst bei der gemeinsamen Regelung der Verkehrsleitung im Güterverkehr und der gemeinsamen Benutzung der Betriebsmittel, wird Preußen

Ausland.

Deutsche und Tschechen. Infolge eines bevorstehenden tschechischen Truhfestes fand in Gablonz eine große anti- tschechische Demonstration statt. Die Tschechen warfen mit Steinen, wodurch eine Frau verletzt wurde, überfielen in ent­legenen Gassen Deutsche und verletzten drei durch Messerstiche schwer. Zahlreick)e Tschechen wurden verhaftet. Die Slalthaltcrei hat die Abhaltung des tschechischen Festes untersagt.

Der König v o n I t a 1 i e n hat das Schiedsrichteramt in einem Streite zwischen Frankreich und Mexiko angenommen. Es handelt sich um die Souveränität über die Insel Clipperton.

Die Pariser Maurer sind in den Ausstand getreten. Man befürchtet ernste Zwischenfälle.

Ter türkische M i n i ft c r r a t hat beschlossen, den Titel König der Bulgaren für König Ferdinand cni;uerkennen.

Der Besuch des Sultans in Livadia ist definitiv ausgegeben werden. Der Sultan sendet nach 'Livadia zur Be­grüßung des Zaren eine Spezialbotschaft unter der Führung von Muchlar Pascha, und besucht den Zaren während seines kurzen Aufenthaltes in Konstantinopel auf der ZarenjachtSrandaro". Angeblich 'kommt der Sultan im nächsten Jahre nach Rußland.

Ter Daily Telegraph läßt sich von einem in Madrid um­laufenden Gerücht telegraphieren, nach dem große gemein- scha ftliche Operationen Spaniens und Frank­reichs in Marokko geplant sind, sobald die Riffkampagne vorüber ist.

Beendeter Streitfall. Donnerstag wurde von bert Vertretern Chinas und Japans in Mukden ein Memorandum unterzeichnet, wodurch die (Streitigfeiten wegen der Antung - Mukden-Bahn praktisch als beendet betrachtet werden können. Den Bestimmungen gemäß sagt China der japanischen Regierung jeden Beistand bei dem Ausbau der Eisenbahn zu und zieht alle Einwände zurück. Die amtliche Mitteilung an die Mächte, in welcher über das Fortschreiten der Unterhandlungen ausführlich berichtet wird, soll ergehen.

Das Befinden des Negus Menelik ist zufrieden­stellend. (St empfing am Donnerstag aus Anlaß seines Namens­tages das biplomattsche Korps.

Wicklung batieri erst aus den allerletzten Jahren. <>m ^ahre 14ab hatte der Kriegsmann Ota Tökwan hier ernt Festung^ gebaut, deren strategischen Wert Japans berühmter Staatsmann Hideyochi rasch erkannte. Er ließ durch seinen General ^yeya|u das Kayell bei'e&en, und dieser verlegte, als er im Jahre 1603 jeibit <sl)ogun wurde, seine Reiidenz dahin. Japan hatte nun zwei Hauptstädte: Vyoto, wo der Kaiser in feiner göttlichen Abgcfchloiscnhcil faß, und Dedo, wo der Shvgun residierte. Seine kriegeriickfen Unter- ftldt.errn, die Daimyos, zwang der Shogun in Dedo Paläste zu errichten und da einen Teil desi Jahres zu wohnen, iso^entro titelte es sich rasch, und der Kaiser verlegte nach dem Sturze des Shogunats seine Residenz nach Dedo, das man nun in -LoFto, östliche Hauptstadt", umtauftc. Unter den vielen Branden und Verwüstungen der Erdbeben ist manches oont Allen dahinge,unkcn Äber noch steten heute in Tokio die Riefensteinwalle, die als cm dreifacher Gürtel den allen Sbogunalspalast umschloß en und heule den Kaifersitz umgeben, mit ihren breiten, majeitätifchen Grabern davor und den ehrwürdigen Bäumen. Und noch erheben fich auf den Hügeln der Stadt die Reste der alten Daimyoburgcn, von wo man jetzt die schönen Blicke in das Gew irre von Gäßch-.u rmd Straßen der Stadl hak. Denn seit Tokio Residenz geworden ist, ist es mächtig gewachsen und heute bedeckt es ein Gebier von

Gros der Bevölkerung zu teuer wäre. Aber die Zahl der impo­santen öffentlichen Bauten, die keinen westlichen Bauten erwaS nach geben, wächst rapid. Es gibt da jetzt Riesenbasare und Waren­häuser, ebenso wie moderne EKichäftspaläste mit prunkvollen Slein- fronten, und man baut nach' meiner Schätzung an mindestens dreißig großen öffentlichen Bauwerken jetzt auf einmal. Ein kaißrlichä' Theater unb ein Hotel finb darunter. Freilich, das totere tut bitter not. Denn außer ein paar kleinen, von hier ständig lebenden Junggesellen belebten Pensionen, gibt es nur ein einziges Hotel in der Millionenstadt. Es steht zwar in finanziellen Beziehungen mit dem Hofe, aber ich hoffe mich keiner Majeslätsbeleidigung schuldig zu machen, wenn ich sage, seine Preise stehen in sehr umgekehrtem Verhältnis zu seiner Güte. Großstädtisch ist das nicht und hätte man die japanische Welt­ausstellung wirklich, wie beabsichtigt, im Jahre 1912 abgehallen, so wäre die Löfung der Holelfrage in Tokio nicht das leichteste Problem gewesen.

Die Weltausstellung! Daß man Jic bis zum Jahre 1917 verschoben hat, war für den Nattonaliwlz des emporkommenden Volles bitter. Aber es war notwendig genug. Japan hat kein Geld und mit Entwicklungsmöglichkeilen allein bringt man keine Weltausstellung zusammen. Der Fremdmstrom hätte ein tou­ristisch reizvolles Land und ein industriell in den Kinderschuhen steckendes Gebiet angetroffen. Die Touristik zu heben, sind aber Weltausstellungen zu kostspielig. Und vollends Tokio hätte in seinem halbserligen Zustand wenig von dem bieten rönnen, was es in acht bis zehn Jahren sein kann. Da wollte man zur Weltausstellung eine Hochbahn bauen, ein dringend nötiges Ver­kehrsprojett. Idee und Begimt der Ausführung wohnen dicht beiiammcii hier. Jetzt stehen die Bogen aus tauberem roten Ziegel- freut, ähnlich dem System der Berliner Ringbahn. Aber zwischen-

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General-Anzeiger für Mrrheffen

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Koliti?che Tagesschau.

Der deutsche Kaiser bei den österreichischen Manövern.

Von offiziöser Wiener Seile wird bekannlgegeben, daß der deutsche Kaiser am 8. September nachmittags 4 Uhr in Jglau eintresseti und von dort nach Begrüßung durch Erzherzog Franz Ferdinand mit diesem die Fahrt im Autonwbil nach Groi'mescrilsey forlsetzen wird, wo Staiser Franzi Joses ihn erwarten und begrüßen wird. Der deutsche Kaiser wird den Manövern am 9. und 10. September beiwolmen und sich baiut über Jglau nach Karlsrnlfc begeben. Kaiser Franz Josef wird am 11. September nach Be­endigung der Manöver nach Wien zurückkehren.

*

Zusammenschluß der deutschen Dahnen.

In Sachen der preußischen und der süddeutschen Eisenbahn­oerwaltungen veröffentlicht die Nordd. Allg. Ztg. eine Erklärung des Regierungsrats a. D. Endres, der für den baldigen Zusammen- schlrsß fämtlicher deutschen Bahnen auf föderativer Grundlage rintritt, nrodurch der Süden nur gewinnen konnte. Abweichende Darstellungen iin F-rankfutter WochettblattDie Mainbrücke" be­ruhten auf Mißverftändnifsen. Hierzu schreibt dieNordd. Allg. Ztg.":Ob in Preußen große Geneigtheit bestehen wird, dem entwickelten Plane näherzuttelen, möchten wir nach den gemachten Erfahrungen billig bezweifeln, vielmehr annehmen, daß der Schwäbische Meriur" Recht behalten wird, wenn er sagt: Wohl werden viele den BorscÄag für die süddeutschen Staaten annehm­bar finden. Ob ihn Preußen ebenso annehmbar fände, wagen wir nicht zu sagen. Es würde zwar 600 Millionen jährlich, wie bisher, bekommen, aber mit Dreingabe her üblichen Schmähungen, daß es die süddeutschen Staaten hineingelegt und übervorteilt

land ergriffenen Maßnahmen seien ein Beweis für den festen Entschluß, von dieser Vcrhaltungslinie nicht abzn- weichen. Kreta betreffend werde die Pforte zugeben, daß sie in ihren früheren Kundgebungen weit entfernt war. Die frühere Haltung Griechenlands als nicht vorwurfsfrei zu betrachten und daß sie die Korrektheit Griechenlands wiederholt selbst betonte. Nichtsdestoweniger sei Griechen­land bereit, in allen Punkten sich den Beschlüssen der Schutz­mächte anzupassen: es werde eine eventuelle Bewegung auf der Insel nicht ermutigen. Griechenland hoffe, daß die Pforte die Loyalität anerkennen und zugeben werde, es liege kein Anlaß zu fortwährenden Mißverständnissen vor, die für die Interessen beider Länder so verderblich seien.

Die maßaebenden Stellen der Pforte erklären in­zwischen die Laae in der Kretafrage für befried:- d i g e n i>. Durch das Vorgehen der Schudmächte auf Kreta sei die Spannung beseitigt. In der Niederholung der griechischen Flagge, sonne in der Meldung, daß die Konsuln der Schuymächte von der kretischen Regierung die formelle Zusicherung verlangt haben, daß die griechische Flaßge künf­tig nicht mehr gehisst iverde, sehe die Pforte eine Bürgschaft, daß die Sck)utzmächte die türkische Souveränität über Kreta vor fernerer Verletzung schützen werden. Dies sei für die türkische Regierung, die niemals kriegerische Venvicklungen erstrebt habe, sondern nur ihr Recht verteidigt, von ent­scheidender Bedeutung gewesen. Dccher sei es nicht die Schuld der Türkei, wenn die Lösung der Frage solange hingezogen werde. Bezüglich der kretischen Antwortnote wird erklärt, daß ihre Bedeutung für die türkische Regie­rung durch die inzwischen eingetretene Wendung der Lage in dcn £intergrunb getreten fet Der Inhalt der Note habe jedoch den allgemeinen Erwartungen entsprochen. Der Schriftemvechsel zwischen den beiden Regierungen ist damit wahrscheinlich beendet. Die Entscheidung hierüber werde jedoch erst in dem am Sonntag tagenden Minisderrat ge­troffen.

Briefe aus Japan.

Von Dr. Fritz Wertheimer.

ÜI. Tokio.

To kio, Mitte Juli.

Die Japaner legen einen Eisblock auf einen Sckiabeapparat und schaben ihn zu einer seinen Masse, die sie in Glaser füllen, mit crwas Zitronen,asl mischen.und in ungeahnten Quantitäten allüberall in der Stadt vertilgen. Die Kultur ist raffinierter: Tie (Suroöäer legen das Eis in andere, gewähltere Flüssigkeiten. Tie Quantitäten sind dieselben. Ter Effekt, die fystematisch« Aufhetzung des Magens ist derselbe und natürlich ist auch der Er-und derselbe: 100 Grad Fahrenheit im Schatten!

Freilich, wer Zeit und Geld Hal, erlebt das hier nicht. Mehr als in Europa treibt es die Leute hier hinauf ins Gebirge. Die Ministerien schließ:n pünktlich um 12 Uhr des Mittags und mehr ate dreimal wöchentlich kommt überhaupt fein Minister in sein Durean. Tie großen Firmen ahmen dieses gute Beispiel nach, so daß das geschäslliche Leben des Mittags ruhig stille stehl. Tas hält auch int August noch an und erst im September, wenn sich die Schulen wieder öffnen, erwacht Tokio von dem Hitzefchlaf.

Regierung$f)ilfe für die llonservatioen?

TieKönigsb. Allg. Ztg." hatte dieser Tage von einem merkwürdigen Begebnis berichtet. In Gumbinnen war von R dortigen Kretsblatt (wie übrigens von anderen Kreis­lern auch) im redaktionellen Teil die Rede des Herrn )eydebrand veröffentlicht worden. Als dann aber, ul audiatur et altera pars, der Gumbinner nationalliberale Verein das bekannte Bülowinterview desHamb. Corr." dem fttei-?blatt als bezahlte Anlage beizufügen wünschte, ward solck)es vom zuständigen Herrn Landrat kurzweg ver­weigert. Das war merkwürdig und auffällig; aber es war rur Not immerhin noch zu erklären. Der Zar ist weit und Nowgorod ist groß: wir sind es nun einmal gewohnt, und haben's erst Dornt Jahr bei den preußischen Landtagswahlen so und so oft miianschen müssen, daß die Verwaltu g org mc in der Kreis- und Provinzialinstauz mitunter auf eigene Hand Politik machen und als eingeschworene und tempera­mentvolle Mitglieder und Agitalionschess der konservativen Partei und des ihr affiliierten Bundes der Landwirte sich den Teufel was um den Kurs scheren, der in Berlin von der Ministerialinsvanz oder gar von dem Herrn Reichskanzler gesteuert wird.

Bedenklicher dünkt uns das andere Begebnis, das jetzt von konservativen und klerikalen Organen triumphierend an-5 Acht gezogen wird. Bedenklicher schon um deswillen, weil es hier schwer wird, die Zentrale von jeder Mitschuld frei» zusprecheu. Eine Korrespondenz, die wir nicht rennen, die aber, wie konservative Blätter schmunzelnd berichten, auf Beranlasfung der Regierung an die Kreisblätter versandt wird, veröffentlicht soeben einen giftgeschwottenen Artikel gegen die Liberalen. Der trägt die anmutige Ueberschrift .Hetze und Lügenspiel" und wiederholt in einem urwüchsigen Stil, den selbst die gewiß unverwöhnteDeutsche Tages­zeitungkernig" undzu wenig diplomatisch" yeißt, alle

Privat-

Untern iu jeder iagety imidt, T-tz Zetzjieingakie 31 an^aise irevetee donneb 151 an d. Emi tionsfiihij!

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V^DOtlabU £

A Öptgüglilä D(öTntlid)e « Probe-

flntlie üoT59: titt, r°8te SvD

die Verdrehungen und Entstellungen, von denen sich seit 1 gottlob bald zwei Monaten die vereinigte konservative unb 1 neritale Presse nährt. Stuf den Inhalt des Machwerkes I Änzugehen, hat keinen Sinn. Wer heule noch zu behaupten 1 wagt: die von der neuen Mehrheit beschlossenen sogenannten ; Besitzsteuern ließen den Mittelstand und die große Masse des

Volkes völligunbetroffen" (sic!), mit dem lohnt nicht erst \ \u. streiten unb ernsthaft zu bisputieren. Uns interessiert | lyter auch lediglich bie Fcststellungsfrage: ist die Korrcspon- I benz, bie berart unter mutiger Verachtung ber Wahrheit ben '' lonservativeu wasfenbrüderlich beisprang, wirklich offiziösen W Ursprungs? Unb wenn: wo isf bie Regierungsstelle, bie I die st angenehme Korresponbeuz informierte? Wir sollten 1 meinen: auu) der Herr Reichskanzler unb preußische Minister- I oräsident Dr. Theobalb von Bethmann-Hollweg hätte an | diesen Feststellungen ein gewisses Interesse.

Tas chirresische Conton zählt auch eine Million Einwohner und l hinein störte den Gedanken der Mangel Ml Geld. Tic Hälfte der ist doch technisch gesprochen ein großes Dorf. Daran wird auch Bogen wartet auf die Erstellung der nächsten Hälfte, Schienen

Wolkenkratzer anlegen. Es sind meist echt japanische Hütten und Häuschen aus Holz und Bapier. Die Erdbebcnfurcht sitzt noch zu fest im Volke, als daß cs sich zu anderer Bwiarl entschließen könnte, die allerdings auch für das

bie Rickfchas allein Tonnen den Verkehr nicht bewältigen, ab- gefehen davon, daß sie natürlich viel teurer sind. Allerdings Häuferbäu nicht den Maßstab europäischer

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Gietzen. , um ZusendAi; h n biß

lugust 1901