Nr. 195 Erstes Blatt
159. Jahrgang
Samstag 21. August 1909
Der Siebener Anzeiger erscheint läßlich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal roöcbentlid) Kiehener.>samiiienbIäNer; «vermal wöchenil-Ureis» blatt jur Den Kreis (Siegen (5)ienC'ragunbyreitnq); zweimal ntonntl. Land» wirtschaftliche scitsragea
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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; i Fcuille- ton und .Vermischtes* K. Neurath; für .Stadt u. Land* und „(Scrid)ld- saal": E. Hetz; iür den Anzeigenteil: H. Veck.
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
politische Wochenschau.
Gießen, 21. August.
Es ist stille Zerr, kie hohe Politik feiert und an den politischen Stammtische.! muß man fid) damit begnügen, ölten Kohl aufzuwärmen.
Mit streta allein lassen sich die Kosten der politischen Unterhalte nicht bestreiten. Es wäre indessen sehr verkehrt, wenn man die Krctafrage nur so obenhin behandeln wollte. Was gehen uns die Meter an? Direkt natürlich Nichts, seitdem wir klugerweise das Konzert der Schutz- mächtc Kretas verlassen haben. Aber bei dieser Sachlage Dürfen wir es doch nicht vergessen, daß es sich bei der jetzigen Kretasrage um viel mehr handelt, als um Kreta. Die neue Türkei ist darauf bedacht, ihr Prestige zu erhöhen, ihre Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu betonen, um vor allem ein weiteres Absplittern der Völker und Ländchen des ottomanischen Reiches zu verhindern. Bosnien und die Herzegowina mußte man blutenden Herzens dahin geben tfrtb Bulgarien mußte man endgültig fahren lassen, denn die innere Krise dieser Zeit macl)t jeglichen Widerstand unmöglich. Man müßte schon zufrieden sein, wenn die anderen Mächte die innerpolitische Entwicklung der Türkei nicht noch auf andere Weise störten. Nun sind die inneren Krisen des Türkenreiches in der Hauptsache überwunden, ■Ruhe und Ordnung sind allmählich wieder zurückgekedrt und man mutz nun natürlich darauf bedacht fein, die Stellung des Reichs auch nach außen hin zu stärken. Anderseits'haben nun auch die sogenannten Sch-utzmächte, Rußland, England, Frankreich und Italien großes Interesse daran, daß das Selbstgefühl der Türkei nicht allzusehr wächst. Wie leicht kann die aufgeklärte und reorganisierte Türkei auf den Gedanken kommen, auch andere ihrer papierenen Besitztitel einer genauen Prüfung zu unterziehen. Man denke nur an Aegypten. Jedenfalls wäre das sehr unan- nehm, und die Mächte wollen den Türken daher schon bei Zeiten ein „bis hierher und nicht weiter" zurufen. In diesem Sinne ist die gemeinsame Note zu verstehen, die sie jetzt in Konstantinopel haben überreichen lassen. An deutlichen Drohungen fehlt es darin nicht. Die Türkei darf- in der Kreta frage nur mit den Mächten verhandeln, jte darf keine Kriegsschiffe und Truppen nach Kreta schicken uiw. Zähneknirschend und mit der geballten Faust in der Tasche müssen sich die Türken diese Tehmütigungen gefallen lassen, lieber Kreta aber flattert lustig im Winde die — griechische Flagge. Kaum haben die Schutzmächte sie herunterholen lassen, da sind kletterlustige Kreter schon wieder dabei, die griechische Flagge zu hissen. — Ein kindliches Spiel mit ernstem Hintergründe.
Bei uns in D e u t s ch lan d herrscht jetzt int großen und ganzen politische Stille. Die Reaktion auf die erregte Zeit des Kampfes um die Finanzreform, der ein Systemwechsel in der Regierung herbeigeführt hat. Man wird sich in die neuen Verhältnisse erst einleben müssen und namentlich der infolge der Steuerabwälzung verschiedentlich herrschende K l e i n kri e g. nimmt die Gemüter in Anspruch. Bier und Tabak müssen „bluten" war bei der Finanzreform eine Hauptparole, und nunmehr, wo die neuen Steuern Geltung gewinnen, wehrt man sich auf das entschiedenste, freilich nicht so sehr gegen die Steuer an und für sich, als gegen die übermäßigen Ausschläge, die verschiedentlich Produzenten und Verkanfsvermittler sich herausnehmen zu tonnen glauben. Diese Stimmung wird zweifellos auch bei den bevorstehenden Ersatzwahlen zum Ausdruck kommen und wie schon in Weuftabt zu einer Vermehrung der radialen Stimmen führen. Von der Einigung der Liberalen ist es ziemlich still geworden, ja man sieht sogar, daß sich Nationalliberale und Freisinnige in Coburg lebhaft befehden, während man sich allerdings in Arnswalde auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt hat. Daß beide Gruppen tu der kommenden parlamentarischen Session wieder zu einer schärferen Stellung gegenüber der Regierung treten werden, ist nach den Vorkommnissen der jüngsten Monate erklärlich unpvamit scheint man auch in Regierungskreisen zu rechnen. Man möchte aber auf die Mitwirkung der Linken doch nicht ganz verzichten und so erschien kürz- lich in einer großen Reihe von Regierungsblättern ein gleichlautender Artikel, worin daraus hingewiesen wird, daß die Regierung keineswegs gesonnen sei, die Linke völlig aus- zusä)alten, sondern daß man ihre Mitarbeit sehr gern m Anspruch nehmen würde. Ob die Linke auf diesen ausgeworfenen Köder freilich anbeißen wird, i|t eine andere
§Eine andere parlamentarische Angelegenheit dürfte demnächst wieder mehr in den Vordergrund rücken: die Frage der meckl en b urgis che n Ve r f a s su n g Bekanntlich haben die ritterschaftlichen Stände der beiden Mecklenburg den von den Regierungen vorgeschlagenen Verfassungsentwurf glatt abgelehnt, weil man es in jenen Kreisen eben beim alten belassen will. Nun hat in diesen Tagen der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz einen generösen Beweis feines Entgegenkommens gegeben, indem er außer den bereit* gewährten 2 Millionen noch 10 Missionen Mark aus feinem Privatbesitz herzugeben sich bereit erklärt hat, um die Finanzen seines Landes auf einen festen Fuß zu stellen, wobei ec aber mit Recht auch eine Nachgiebigkeit feiten» der Stände in der Verfassungsfrage erwartet. Man darf ge- 'spannt darauf sein, wie die mecklenburgische Rltterfchai^ den edlen Schritt des Großherzogs beantworten imrd; allzuviel Optimismus ist in dieser Hinsicht bei der dort herr- f chenden Gesinnung kaum am Platze.
Nicht ohne Interesse hat man von dem freundlichen Tepeschenwechsel gehört, der dieser Tage zwischen dem Kaiser von Oesterreich und dem in Manenbad zur Sur weilenden Könige von England stattgefunden hat. i.can konstatiert, daß das persönliche freundschaftliche, Verhältnis . stoischen den beiden Monarchen durch die jüngsten Orient-
ereignisse nicht gelitten hat. Auch die englische Messe, die P.on diesem Depeschenwechsel Notiz genommen hat, nimmt jetzt Oesterreich gegenüber eine Haltung ein, die erkennen läßt, daß man ein lenken wiss.
Geordnete Zustände ersehnt man in Oesterreich jetzt auch auf parlankentarischem Gebiete. Während auf berti Gebiete )er äußeren Politik alles aufs Beste bestellt ist, und Baron Aehrenthal für seine Verdienste bei der geschickten Leitung seines Ressorts anläßlich des Geburtstages Kaiser Franz Josefs in den Grafenstand erhoben worden ist, sieht es auf innerpolitischem Gebiete herzlich schlecht aus. Minister- rräsident Bienerth kommt mit den Parteien nicht vom Flecke, )ie parlamentarische Maschinerie stockt und die erneut cin- geleiteten Verhandlungen der Vertrauensmänner der einzelnen Parteien, versprechen wenig Erfolg. Die Regierung will daher auch, wie in einem eben veröffentlichten Kom municsus mitgeteilt wird, den Reichsrat nicht einberufen, onbern sich auf die Tätigkeit der einzelnen Landtage be- chränken. Rian glaubt, daß dies für die Annäherung der Parteien von Vorteil sein wird, indem man namentlich hofft, daß man sich in Böhmen wieder vertragen werde, was speziess für daS Zusammenarbeiten der Parteien im Reichsrate vorteilhaft wäre. Diese Hoffnungen auf Böhmen dürsten sich aber wohl als trügerische erweisen, da dort der Nationalitätenhader schärfer ist denn je.________________
Die Einweihung des Gsfiziergenesungsheims in Zalkenftein.
w. Falken stein i. T., 20. Aug.
Heute mittag um 12 Uhr wurde das Offizierhcrrrr „TaunuS" in Falkenstein in Gegenwatt des Kaiscrpaares eingeweiht. Fassenstern war mit Flaggen und Girlanden reich geschmückt. ^Ehrcn- psotten waren errichtet, darunter eine, die ein altes Stadttor ron 1257 darstellte. Boi günstigem Wetter waren große Menschen massen zusammengestromt, die den Kaiser und die Kaiserin bei ihrer Ankunst mit lauten Hochrufen begrüßten. Am Haupt portal der Anstalt wurde der Kaiser, der unter Glockengeläutc im Automobil in kleiner Generalsunifvrm von Gronberg euckraf, vom Kriegsminister v. Heettngen und dem Generalstabsarzt der Armee Dr. Schjerning empfangen. Eine Ehrenkompagnie des 116. Regiments erwies die militärischen Ehrenbezeigungen. Es sanden fitt) ferner ein die Kaiserin, Prinz Oskar von Preußen, der Großherzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Fricd- nd) 'Karl von Hessen, die Kronprinzessin von Griechenland mit den Prinzen Georg irnb Alexander, ferner die kommandierenden Generale des 8., 11. und 18. Armeekorps, Ober Präsident Hengsten- berg, Regierungspräsident v. Meister, Landrat Ritter von Marx, Oberbürgermeister Dr. Adickes, General von Wachs, der Anstaltsleiter Oberstabsarzt Dr. Krebs, Verwaltung und Personal der Anstalt, die Donatoren und andere geladene Gälte. Die Regimentskapelle spielte den Choral „Lobe den Herrn". Der Kaiser nahm den Schlüssel des Hauses aus der Hand des bauleitenden Militärbauinspektors Weiß, übergab ihn dem Kriegsminister, und dieser vollzog die Oefsnung des Hauptgebäubes. Es folgte eine Besichtigung der Jnnenräume, wobei die Spender bei den von ihnen gespendeten Einrichtungen Ausstellung genommen hatten. Tie Majestäten sahen den großen Speisesaal unf> dre Griellschafts- räume mit Wandgemälden von Hans Bovtth und Röchling, die Wohnräume, die ärztlichen Untersuchungs- und Behandlimgsräume, die mit den modernen Hilfsmitteln der physikalischen Therapie auSgestattet sind. Alle Räume sind gediegen und ihrem .Zweck entsprechend hergestellt. Das Haus soll Offizieren des Heeres, der Flotte und der Schutztruppe zum Aufenthalt dienen, die sich in Rekonvaleszenz befinden oder in ihrer Gesundheit durch dos Tropenklima geschädigt find. Von den Balkons und den Bergen bietet sich ein prachtvoller Blick nach Cron berg hinüber. Der Kaiser nahm den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie entgegen.
Eine große Reihe von Gnadenbeweisen wurde bekannt gegeben.
Nachdem die fürstlichen Damen das Gelände der Anstalt verlassen hatten sand eine Frühstückstafel statt. Hierbei saß der Kaiser zwischen dem Großherzig von Hessen und dem Pttnzen Friedrich Karl von Hessen. Gegenüber dem Kaiser saß Kriegs- mimster von Heeringen, rechts von diesem folgten zunächst bei Fürst von Fürstenberg, Geh. Kommerzienrat v. Passavant, Dr. A. v. Weinberg, .Major Krensky, Fabrikbesitzer Lanz, Dr. Sulzbach, Kommerzienrat Gluckert, Kommerzienrat Herz, links Generalstabsarzt der Armee Dr. Schjerning, Freiherr v. Goldschmidt- Rothschild, Bankier W. v. Krause, Geh. Baurat Dr. Rathenau, Kommerzienrat v. Borsig, Generalkonsul K. v. Weinberg, Baurat Ritter, Geheimer See Handlungsrat Schubett. Ms einzige Tame nahm die Oberin Freiin t». Jorstner teil. Jin Verlause des Mahls erhob sich 'der Kaiser zu folgender Ansprache:
„Es ist das Vorrecht des Obersten Kttegsherrn, neben bie Sorge für bie Landesvetteibigung auch die Sorge für das Wohl her bie Landesverteidigung verbürgenden Herren zu stellen. Schon in der alten Zett hat der große König ,Laeso et invicto milin" da« Haus für Militärinvaliden erbaut und damit die Wege gewiesen, die der König von Preußen in der Fürsorge für invalide Krieger zu begehen hat. Am Ende des 19. und zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist allmählich eine erstaunliche -Tätigkeit eingetreten auf allen Gebieten der Fürsorge für bie kranke unb terbenbe Menschheit. Die Anstalten, Sanatorien unb Stiftungen, rcie sie in ben letzten 25 Jahren in unserem Vaterlande entstauben sinb, zählen nach Tutzenben. Leer ausgegangen waren aber bie Führer unseres Volkes in Waften unb es galt hier, einem broHendon Uebel abzuhelfen. Es war eine schwierige Ausgabe, denn lie lag weniger auf bem Gebiete ber Krankenpflege; sie sollte vielmehr Offiziere, bie im Dienste überanstrengt waren, ohne bireft eine schwere Krankheft zu haben, in die Möglichkeit versetzen, ihre Kräfte wieberzugewinnen. Das war bie Basis für ben Plan unb es war bas erstemal, baß auf diesem Grunde ein Unternehmen ms Leben gerufen werden sollte, zu dem, wie ich hoffte und wie es sich zu meiner Freude auch bestätigt hat, weite Kreise umeres Bosses beigetragen haben. Die Stifter, die heute hier erschienen und bieienigen, bie in ber Ferne weilen, bie Stifter, bie bas Grundkapital gegeben haben und die Firmen, bie burd) ihre Schenkungen bas Haus haben einrichten beffen, sinb mir verstänbmsvoll entgegengekommen. Wie ich aus bem m,-Unbe vetschiebener Herren vernahm, schon als ich mit meiner Anregung an sie herantrat, bestätigten sie, baß unter ben Bajonetten und den Geschützen unserer deutschen Armee Hanbel und Wandel sich in überwä'.ttgender SBeir haben ausbilden können und Industrie, Handel unb Gewerbe ben Ausschwung genommen laben, dessen wir uns heute erfreuen. So find die Mitglieder d°r Erwerb "stände mit Freuden bereit gewesen, auch für diejenigen :U sorgen, hinter deren Schild jte sich ihres ruhigen Erwerbs 1 erfreuen dürfen. Tas Resultat der Tätigkeft Manner,
welchen ich hier in meinem Namen und im Namen der ganzen Armee meinen herzlichsten und tiefgefühltesten Dank cniafprcdK', steht uns vor Augen und sott denrtiächst feiner Besttmmung über • geben werden. Ich hoffe, daß die Anstalt meinen Erwartungen und Wünschen entspreck>en wird, ich hoffe, daß bie hier euifchrcwx-n Herren, seien sie mm aus ben Tropen zuri'ickgekehtt^unb von sclpoeren Fiebern geschüttelt ober burd) einen schweren Sturz verletzt ober durch Krankoeit <mgegriffen, sich hier erholen, ihre Kräfte rmumtieren und sich zu neuer Ausübiing ihrer Pflicht stärken, daß sie alle das Gefühl haben mögen, daß sie sich hier ausrulieii können. Denn, was ia; der Laicnwelt gegenüber betonen möchte, wir haben es hier nicht mit einem Sanatorium im landläufigen Sinne zu tun, sondern es ist die Absicht, daß die Einkehrenden sich wie in einem Privathause, wie zu Hanse fühlen sollen. Tas ist unter der Mitarbeit ber Herren Stifter in hervorragenbem Maße geglückt. Von ben Beschauern wirb jebermann von biesen an- heimelnben Räumen ben Begriff eines Heimes mitnehmeii. Mögen bie Herren, bic zur Festigung ihrer Gefunbheit hierher kommen, bankbar ber Stifter gebenfen. Ihnen allen danke ich, bie Sic mir bie Möglichkeit gegeben haben, eine Einrichtung zu schaffen, die der Armee die Kräfte roiebergibt, bie sie braucht, um mit ihnen bas Daterlanb zu verteidigen. Ich erhebe mein Glas unb trinke auf bas Wohl ber Stifter und der mit Gaben beteiligten; Firmen."
Der Kriegsminister antwortete: „Eure Majestät haben bereits die Zwecke dieser schönen Anstalt hervorgehoben. Eure Majestät haben aber selbst diese vortrefflich eingerichtete Anstatt bis ins Einzelne zu regeln unb zu vollenben sich angelegen sein lassen. Eure Majestät! Die Armee erkennt hier bie huldvolle Fürsorge unseres Allerhöchsten Kriegsherrn mit heißem! Danke an. Eure Majestät weisen uns nicht nur die Ziele unserer FriedcnSarbeit und führen uns an, sie auf dem kürzesten Wege zu erreichen. Eure Majestät sind auch eifrig bemüht, die Schäden und Wundeii, die der soldatische Beruf seinen Mitgliedern schlägt, zu lindern. Gestalten Eure Majestät, daß ich den allerunter- lanigften Dank für diese huldvolle Gesinnung hier ausspreche, mit dem Versprechen, daß wir womöglich mit erhöhter Anstrengung für Kaiser und Reich ftreben wollen. Möge die Anstalt viele Offiziere und Sanitätsoffiziere voller Gesundheit zusühren. Mögen alle, die hier weilen, dankbar der Allerhöchsten Fürsorge gedenken, wie wir es heute tun, indem wir rufen: Ter Begründer des Offiziersheims Taunus, unser Allergnädigster Oberiter Kriegsherr, Seme Majestät Hurra!" m _
Ter Kaiser verlieh dem Generalstabsarzt der Armee Dr. Schjerning den erblichen Adel.
Ans Stttdt nnd Lnnd.
Gießen, 21. August 1909.
* Tageskalender. Kolosseum: Samstag unb Sonntag Kabareit-Vorstellungen.
Kinematographentheater: Täglich Vorstellung.
A n l a g e m u s i k Sonntag um 11'/, Uhr vormittag in ber Süd-Anlage. Spielplan: 1. Ouvertüre zu „Frau Luna", von Linde; 2. Mein Traum! Walzer, von Waldteuiel; 3. Finale aus dcr Oper „Aida", von Verbi; 4. Der 116er! Marsch von Krautze.
* • Vom Großh. Hof. Am Freitag morgen 10 Uhr 30 Mm. trafen ber E rb g r oß h er z o g unb Prinz Ludwig von Hemmelmark wieder in Wolfsgatten ein.
** Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Lehrer Hch. Bausch zu Zell eine Lehrerstelle an der Ge- meinbeschule zu Arheilgen; den Lehrern Ludw. Herter zu Bieber, Pet. Seitz zu Viernheim, sowie den Schulamtsaspiranten JohS. Den;er aus Pfeddersheim, Jak. Rieber- gall auS Hornbach und Jak. Wall häuf er auS Gundersheim Lehrerstellen, der Lehrerin Elisabeth Dietz zu Heppenheim a. b. B., sowie ben Schulamtsaspirantinnen Abelheid Beck aus Kasiel, Regina Falken stein aus Bretzenheim unb Kathinka Schulze auS Trier Lchrerinstellen an ber Volksschule zu Worms.
• • Kaiserpreis. Nachbem vor etwa 8 Tagen die Leibkompagnie des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 in Gießen den Kaiserpreis der Ehefregimenter erschoß, errang bie Leibkompagnie deS Leibga rde - Regiments Nr. 115 (unb nicht, wie vielfach fälschlich gemelbet wurde, bie 5. Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 80) ben Kaiserpreis für bic von der Infanterie innerhalb des 18. Armeekorps erreichten besten Schießleistungen. Die genannte Kompagnie errang bereits im vorigen Jahre unter ihrem Kompagniechef Frhrn. Röder v. Diersburg den Kaiserpreis unb darf, falls sie ihn noch ein drittes Mal erhält, 10 Jahre im Besitz deS Kaiserabzeichens bleiben.
** Das Fest der Bäcker. Nachdem wir gestern unb vorgestern über die Verhandlungen des Bäck2rtages berichtet haben, sei im nachstehenden noch einiges über die eigentliche Jubiläumsfeier am Mittwoch abend berichtet. Sie fand ebenfalls in Steins Gatten statt und ber große Saal war bicht besetzt. Der stellv. Obermeister ber Bäckerinnung Val. Frey hieß bie Festteilnehmer zu Beginn ber Veranstaltung herzlich willkommen, worauf bas Ehren- mitglieb ber Innung, Stadtv. Löb er in ber längeren mit großem Interesse angehörten Festrebe ein anschauliches Bilb von bem Werdegang ber Innung zeichnete. Er wibmete bann ben verstorbenen Mitgliebern, bie sich um bie Innung verdient gemacht hatten, Worte herzlichen Gedenkens unb gedachte bann des Germaniaverbandes und seiner Leiter, des für bas ^gesamte beussche Hanbwerk vorbilblichen Zusammenschlusses fast aller Berufsgenossen. Seinen Worten folgte lebhafter Beifall. Ein prächtiges lebendes Bild, eine Huldigung des deutschen .Handwerkes cm bas Vaterlanb, schloß sich an. Fräulein Engelharbt sprach bann einen hübschen Prolog unb überreichte für bie Innungsdamen ein prächtiges Festangebinde, worauf bie Vertreter ber Innungen zu Wetzlar, Marburg, Worms, Mainz und Tarm- fcabt Ehrengeschenke überreichten. Tie Glückwünsche ber Stadt übermittelte der Innung Beig. Keller; seine Ansprache, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, gipfelte in dem bemerkenswerten Ausspruch, baß bas Blühen und Gebeihen einer Stadt zu einem großen Teil abhängig sei von bem Wohlergehen der in ihr wohnenden Gewerbe-


