Nr. 115 Zweites Blatt
159. Jahrgang
Dienstag 18. Mai 1909
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener ZamliienblStler" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, bc8 „ICreisblott für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seil* kragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gemral-MZeiger für Gberhejftn
Rotationsdruck und Derlag der Dr üblichen UnwersitätS»Blich- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- strotze 7. Expedition und Derlag: 5L
Redaktion: L4A112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.
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Stimmungsbilö aus Sem Reichstage.
™ Berlin, 17. Mai.
Wenn am 5. Juni der Reichstag der Einladung des Grasen Zeppelin Folge leistet und eine auserwählte kleine Gruppe seiner 'Mitglieder den Grafen in das Luftmeer begleiten darf, dann gebührt ein bevorzugter Platz in der Gondel dein freisinnigen Abg. Dr. Struve. Wie keine F-reude auf der Welt vollkommen ist, wenn ihr nutzt auch ein Tropfen Leides-beigefügt ist, so gab es auch heute einen Leidtragenden in der allgemeinen freudigen Bewegung, die die Mitteilung des Präsidenten von der Pfingst- einladung nach Friedrichshafen im ganzen Hause auslöstc unb das Ivar eben Dr. Struve. Denn in dem Gedanken, womöglich selbst der Laienkommission anzugehören, die das Luftschiff nicht nur vom Lande und vom sicheren Port aus besichtigen darf, hatte niemand im Saale ein Ohr für die Gründe, Die dar holsteinische .Abgeordnete für die Notwendigkeit einer Bestellung von Laienkommissionen zur Begutachtung von Viehseuchcn-Sperrmaßuahmen entwickelte. So wurde denn der Rest des Gesetzes, das am Sonnabend infolge der Beschlutzunfähigkeit des Hauses nicht hatte bis zu Ende beraten werden können, heute ohne eigentliche Verhandlung in zweiter Lesung erledigt und dürste morgen, bevor der Reichstag in die Pfingstserien geht, in der Kommissionsfassung auch endgültig verabschiedet tverden.
Bei dem nächsten Gegenstände der Tagesordnung, der ersten Lesung des Gesetzentwurfs für die Bewirtschaftung der Schutzgebiete, den Herr Dernburg, einem Wunsche der Budgctkommission Tiachkomnrend, crusgearbeitet hat, hatte es zu Anfang beit Anschein, als wenn sich eine kleine regelrechte Kolonialdebatte ent- wickeln würde. Denn kaum hatte der Staatssekretär zur Begründung dieser Vorlage, die in der Hauptsache nichts anderes bringt als unter Ausmerzung veralteter Bestimmungen eine zu- sammensassende Darlegung geltender Vorschriften, das Wort ge- itonunen, als schon Herr Erzberger auf die Tribüne eilte, und wforü ließ sich auch Dr. Arning, der alte Ostasriianer Der Nationallrberalen, in die Rednerliste eintragen. Aber das kolonialpolitische Unwetter zog gnädig am ferienlustigeu Hohen Hanse vorüber, und man begnügte sich damit, nach einem kurzen Austausch von Bemerkungen die Sache an die Budgetkommisswn zu geben. Noch weniger aufregendes boten die ersten Lesungen eines anderen Entwurfes, der in den Amtszimmern des Herrn v. Dethmann-Hollweg seinen Ursprung hat. Auch dieser verfolgt un wesentlichen Den Zweck, den Mitgliedern des Reichstags und der Oeffentlichkeit einen Ueberblick zu geben über zurzeit bestehende Verhältnisse in Bezug auf die Verwaltung des Reichs- invalidensonds. Mehr Aufmerksamkeit als die Abgeordneten, Die hierzu das Wort nahmen, lenkte ein fremder Gast auf sich. Er ließ während dieser Erörterung von der Tribüne herab ein Päckchen Flugblätter in Den Saal flattern, die eine konfuse Beschwerde darüber enthielten, Dali weder die diplomatischen Behörden, noch die Kanzlei des Kaisers, noch auch Herr August Bebel sic!) auf seine Anpreisung der Vorzüge einer Heißwasier-- kur einlassen wollten Der Präsident ließ Den bedauernswerten alten Herrn von der^Tribüne und aus dem Hause verweisen, und die im Saale befindlichen Mediziner, die Herren Mugdan und Arning, dachten wohl daran, daß bei gewissen Krankheitszuständen die alte Arztregol „Ijetß oder EiS" keine Anwendung findet, sondern eine Kaltwasiertür die einzige Heilmethode darstellt.
Inzwischen hatte die zweite Leiung des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb begonnen. Eine alte Beschwerde des kaufmännischen und gewerblichen Mittelstandes soll damit aus- gcraumt werden. In mehrjährigen Verhandlungen der wirtschaftlichen und juriilischen Körperschaften bat man sich über eine Reche Punkte geeinigt, bei denen eß möglich ist. Den ForderLtnaen der beteiligten Kreise zu entsprechen, ohne die berechtigten Zn- rerejsen eines loyalen Geschäftsverkehrs zu schädigen. So hat die Kommission eine Kompromihvorlage zu stände gebracht, der wohl alle Parteien zustimmen konnten. Darüber hinaus gelang es aber Den angeblichen Mittelstäudlern im Zentrum und auf der Rechten, jetzt in der zweiten Lesung noch Bestimmungen in das Gesetz hineinzubringen, von denen es doch recht zweifelhaft ist, ob ihre Durchführung nicht dem Vorkehr allzu lästige Fesseln auferlegt und einer gehässigen Konkurrenz Tür und Tor zu selbst nicht ganz lauteren Denunziationen öffnet. Vergebens warnten der Vertreter des Reichsjustizamtes und die Wortführer der Freisinnigen und Nationalliberalen vor einem so weitgehenden Eingriff. Es bedurfte nicht erst der demagogiscl)en Drohung des antisemitischen Reformers Werner, um dem Anträge Roeren zur Annahme zu verhelfen. Immerhin hat«: der Abg. Dr. Müller- Meiningen die Genugtuung, an einer anberen Stelle des Entwurfes eine Bestimmung Durchzusetzen, Die gegen bureaukratische Schablonisierung die verständige Mitwirkung Der berufenen Zn- ter essender tretun g en sichert.
Stimmuiigsbiiö aus Sem preutz. AbgeoröneleiüMs.
Berlin, 17. Mai.
Wie zu erwarten war, hat die B e r g g e s e tz n o v e l l e bei der zweiten Lesung eine recht ausgedehnte Debatte im Abgeordnetenyaufe entfesselt. Mit der allgemeinen Besprechung des von der zwmmission erheblich neugestalteten Gesetzes ging fast die ganze Sitzung hin. Vorher hatte es nur noch ein paar Kleinigkeiten gegeben: Ein kleines versöhnliches Nachspiel zu dem harren Zusammenprall der Narionattiberalen Dr. Maurer und Dr. Friedberg mit dem ZeutrumSmann Dr. Heß bei der Essener GymnaiialaMre: Dr. Heß entschuldigte sict) in aller Form bei Dr. Maurer wegen seiner Angriffe aus diesen, und Dr. Friedberg nahm einiges von dem zurück, was er am Sonnabend an Vorwürfen auf des Zentrumsmannes jugendliches Haupt gehäuft hatte. Weniger friedlich gesinnt gab sich Herr Mal re- witz, der die ihm vom Zehngeootemann angehangte Titulatur des „roten Gustav" zornig ablel/nte und die Behauptung, er habe dereinst etwas mit der Sozialdemo träne zu schaffen gei-abt, als perfide Verteumvung brandmarkte. Das Hohe Haus lieferte iroch den Zentrumsntann Beyer dem Kadi aus Messer, erledigte ohne langes <yacccin die Vortage über den Bergwerksoetrieb austänoischer puristischer Personen und gxng dann ans Berggesetz. Mit einem ausgezeichneten mündlichen KommisIwnsbericht des National- liberalen Hir,ch, der schon einen vortref.lichen schristtichen Bericht gegeben hatte, begann die Debatte, und der Dank, den verschiedene Redner dem Berichterstatter zollten, war wohl- verdient. Leider mochte der Konservative Reichelt wohl nicht Unrecht haben, wenn er die wehmütige Vermutung aussprach, daß außer den Kommissionsmitgliedern laum viele Boltsboten diesen ausgezeichneten Beriet gelesen haben dürften. Tas Haus inar während der Erörterung des Gesetzes fast leer, beinahe nur die Abgeordneten, die zur Sache fprechen wollten, „bevölkerten" das HauS. Die Debatte war lang und ging sehr ins Einzelne; neues förderte sie kaum ut Tage. Sa>on aus den Kommtssionsverichten wußte man, daß Konservative und Nationalliberale für die Beschlüsse der Kommission sich engagieren würden, und daß, auch das Zentrum , eij saute de mreux mit diesen Beschlüssen abfin- deu wurde, war auch kein Geheimnis mehr. Gegen die
Kommissionsfassung wandten sich entschieden nur die Freisinnigen und Sozialdemokraten, die beide — übrigens im Verein mit dem Zentrum — an der reichsgesetzlichen Regelung der ganzen Materie ebenso nachdrücklich festhielten, wie Rechte und Nationalliberale sie bekämpften. Für die Nationalliberalen sprach Tr. Röchling, für den Freisinn die Herren Wolsf-Lissa und Flesch Nach vierstündiger Debatte konnte man die allgemeine Besprechung schließen — der eigentliche Kampf der Parteien beginnt erst am Dienstag bei der Einzetbesprechung.
polit6fd?e Lagcsschar».
Der Seniorenkonvent des Reichstages
trat am Montag nachmittag während der Plenarsitzung noch einmal zusammen. Er verständigte sich dahin, daß das Plenum heute in die Ferien geht und nicht vor dem 15. Juni wieder zusammentritt. 9)1 an rechnet nämlich, daß um diese Zeit die Ersatzsteuern beim Reichstag emgegangen sein werden. Die Erjatzsteuern für die abgelebten inbireften Steuern würden vermutlich noch vor Pfingsten vorgelegt werden können, aber der Seniorenkonvent (egt Wert darauf und richtet an die Regiernug das Ersuchen, die direkten Ersatzsteuern mit den indirekten zusammen vorzulegen. Es wird dem Präsidenten überlassen, den Tag des Zusammentritts hiernach iu bestimmen. Auf die Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Ferien wirb bie mecklenburgische Beriassungsinterpellatton gestellt werden. Völlig geklärt ist die.Geschäftslage auch durch die Ber- cinbarung des Semorenkonveuts noch nicht, Da der Finanzkommission völlig freie Hand für ihre Arbeiten gegeben wird. Sie dürfte wohl nach erfolgter Wahl ihres Vorsitzenden die Entscheidung über den Fortgang ihrer Arbeiten treffen. Es wird angenommen, daß sie am Mittwoch, dem Tage vor Himmelfahrt, gleichfalls in bie Ferien gehen wird und nicht vor devi 8. Juni — schon mit Rücksicht aus die Einladung des Grafen Zeppelin — wahrscheinlich aber auch erst um den 15. Juni ihre Verhandlungen wieder ausnehmen wird. Denn es besteht nach wie vor eine sehr starke Strömung in der Kommission, an bie zweite Lesung nicht heranzutrelen, ehe über Die Erfatzsteuern wenigstens einige Klarheit geschaffen ist. Tie Budgettommlfsion wirb heute die Beratung über Die Zulagen beendigen und Damit Die erste Lesung des Besoldungsgesetzes ab- schließen. Wann sie an Die Beratung Der neuen Ferusprechgebühren>- ordnung heranlreten wird, ist noch nicht abzusehen.
Bayerisch-österreichische Greuzregulieruug.
Tie bayerische und österreichische Regierung haben einen Er- gänzungSverttag zum Stacttsvertrag über die bayerisch-tiroler Landesgrenze vom 30. Januar 1844 abgeschlossen, welcher vorbehaltlich allerhöchster Ratifikation von den Bevollmächtigten Bayerns und Oesterreichs gestern im hiesigen Ministerium des Aeußern unterzeichnet wurde. Ter Ergänzungsverlrag bezwcrll die Beseitigung von Zweifeln, welche über den Verlauf der Landesgrenze im Wetterstein- und Karwendelgebiete entstanden sind und eine Neuvermefsung veranlaßt haben..
Die Pfingst-Tagung des Evangelisch-Sozialen Kongresses in Heilbronn
(vom 1.—3. Juni) verspricht hervorragende Anregungen auf voltswirtschastlichem wie aus religiösem Gebiet zu bringen. Die Leitung des Kongresses hat der Berliner Theologe Geheimrat Professor T. Adolf Harnact. Für die zwei Abend-Versammlungen (am Psingst-Tienstag und am Pfingst-MiUtvoch- sind u. a. Geheimrat Professor Dr. Adolf Wagner und Prosejser Hans Delbrück sowie ReichStagsabgcordneter D. Naumann als Redner in Aussicht genommen. Als Rcfereitt für den ersten Tag (Pfingst- Mittwoch, 2. Juni) ist der frühere Staatsminister Gras Posa- dowsty gewonnen, der über „Luxus und Sparsamkeit" sprechen wird, ein Thema, das gerade jetzt um seiner selbst wie um des Mannes willen, der es behandelt, der allgemeinsten Aufmerksamkeit sicher sein bari. Am gleichen Tag (dem Pfingst-Mittwoch Nachmittag- wird Professor D. DrewS-Halle a. S. über „Kirche und Arbeitersiand" sprechen. Auch das dritte Referat (am Donnerstag vormittag): „Geistige Strömungen in Der deutschen Gewerkschaftsbewegung" soll in wichtige geschichtliche Zusammenhänge und insbesondere in die vielumstrittene Frage nach dem Wesen und dem Recht der christlichen Gewerkschaftsbewegung hineinführen. Referenten hierüber sind Pastor Lie. theol. Schnecmelchcr-Berlin und Pfarrer Lie. theol. Traub-Torlmund.
Lustschiffahrtslinien der Zukunft.
In Straßburg hielt am 15. ds. der Direktor der Zeppclin- Luftschiffbaugenofsenschaft, Colsmann, einen Vortrag über den unter obigem Titel bezeichneten Gegenstand. Er führte darin u. a. aus: „Die Zeppelin-Luftfchiffbaugesellschaft hat nicht nur für militärische Zwecke, sondern vor allem auch für Verkehrszwecke den weiteren Bau von Luftschiffen beschlossen. Es wird sich zwar in erster Linie nicht um regelrechte Verkehrswege handeln, sondern um regelmäßige Sportsahrten. Vorläufig sind bei dec Gesellschaft zwei Luftschiffe bestellt. Vom Kriegsminisierium ist der Bescheid geworden, daß an bie Bestellung eines weiteren. Zeppelin-Luftkreuzers einstweilen nicht gedacht ist. Wir wandten uns infolgedessen an die Städte -und Kapitalisten, um diese für den Ausbau von Luftschiffahrtslinien zu interessieren. Kapitalisten in Köln erklärten sich zu einer Beteiligung in Höhe von einer halben Million bereit. Tie Betriebssicherheit der Zeppelinschen Luftschiffe ist zur Genüge erwiesen, so daß der Gedanke, jie zu Verkehrs- bzw. Sporlssahrteu zu verwenden, wohl durchführbar ist. Bis zum Frühjahr 1010 sollen auf der Lustschiffahrtswerft üt Friedrichshafen zwei Schiffe fertiggestellt werden, vis zum Mai könnten vier gebaut sein. Zum Betrieb eines diesen Zwecken dienenden Luftschiffes würde eine Mannschaft von fünf bis sechs Personen notwendig sein. Zwanzig Fahrgäste können initgesührt werden. Tie Fahrt selbst ist auf eine Dauer von sechs bis sieben Stunden berechnet. Da Die Schiffe auch mii stärkeren Motoren versehen werden, können selbst Winde, wie sie bei der Münchener Fahrt hindernd austtaten, überwunden werden. Aus technischen und finanziellen Gründen werden die Fahrten zunächst von Fried- riä>shafen ausgehen. Vor allem, Da hier allein em ausgebclbetes Führerpersonal zur Verfügung steht. Diese Zentrale ist auch für vorkommenDe Ausbesserungen, nut denen gerechnet werden muß, notwendig. An Den ztaijermanövern. Das sei hierbei erwähnt, wird der Zeppelin nicht teilnehmen. Geplant ist an erster Stelle eine Luftschiffahrtslinie Düsseldorf-Luzern. Für diese Strecke würde auch von militärischer Seite eine Unterstützung zu erwarten sein. Der Betrieb wird mit zwei Luftschifsen durchgeführt, ein drittes ist zur Umkreisung des Rigi bestimmt. Als weitere Linien kommen in Frage eine, die ihren Ausgangspunkt in München, eine dritte in Berlin haben würde. Für die Rentabilitätsberechnung smd wir angewiesen auf die wenigen bis jetzt ausgeführten Fahrten. Der Berechnung ist eine DiernünDige Dauer der Sportfahrten in einer Höhe von etwa 700 Mir. zugrunde zu legen. Tie Gesamtkosten für den Betrieb mit drei Schiffen, die zusammen jährlich 6U0 Fahrten unternehmen sollen, würDen sich aus etwa 1 <00 000 Mk. belaufen. Die Einnahmen setzen sich zusammen aus der etwaigen militärischen Beihilfe und den Erträgen aus den Fahrpreisen. Mit der Finanzierung Der Luft- schiffahrts-Attiengeselljcvaft wirb sich Demnächst eine Vertreterversammlung in Frankfurt a. M. beschastigen. Tie Zeppelüt- Gesellschait wirb sich selbst mit einer halben Million beteiligen
und verlangt nur, daß ihr zwei Sitze in dem neugegründeten Unternehmen emgeräumt werden. Sie macht zur Bedingung, baß alle starren Luftschiffe aus leichtem Metall von ihr hergcstellt werden, ohne jedoch Luftschiffe anderer Systeme von dem Betrieb der Gesellschaft auszuschließen. Tie Finanzierung kann alS gesichert gelten. Mehrere Städte haben sich zu Zahlungen bereit, erklärt und Gelände zur Verfügung gestellt. Der Zweck des ganzen Vortrags ist, das Interesse für eine derartige Gründung bei den Kapitalisten und Städten zu wecken, alle interessierten Kreise zu Der einen, damit eine Zersplitterung der Kräfte für alle Zukunft verhindert wird.
(ciite neue Spur in der Morüaffäre Steinheil.
Gestern brachte der „Malin" ein neues Kapitel des Steinheil-Romans, das seiner Ansicht nach die berühmte, so oft angekündigte und immer wieder ausgcbliebene Lösung des Rätsels herbeiführen soll. Auf dem Vevsailler Jahrmärkte verhaftete ein Krim-nalschutzmann ein Kleeblatt von Dieben, darunter einen mehrfach wegen Diebstahls und Einbruchs vorbestraften Manii namens Emmanuel Allaire, der nach einigem Zögern gestand, an einem Kirchenraube in Chateausorr teilgenommen zu haben. Dieses Verbrechjen verübte er in Gemeinschaft mit einem Gauner nennend Emmanuelo Angello, der in Wirklichkeit Ange Tardeven heißt, am 11. Juni 1008, also acht Tage nach der Ermordung Steinherls. Dieser Mann hatte mit Allaire im Zuchthaufe von Rennes und bald darauf auch int Jrrenhaufe dieser Stadt gesessen; beide kannten sich also gut. Kurze Zeit vor dem Morde in der Jmpasse Rosin verschwand Tar- deveit und kam dann mit em paar hundert Franken in der Tasche zu Allaire zurück. Tardeven war ein in homosexuellen Kreisen wohlbekanntes Subjekt, das früher Malermodell war. Er soll auch eine gewisse Bildung besitzen; es heißt, er spräche Deutsch, Englisch sowie Italienisch, und endlich wird versichert, daß er längere Zeit hindurch eine Geliebte ffalte, die er Lean nannte, die aber' in den Ver- brechertreisen den Spitznamen die Rothaarige trug, was auf die rote Frau Hinweisen kann, von der Frau Steinheit stets erzählte. Bei der Ermordung des Malers Steinyeil und der Frau Japy, feiner Schwiegermutter, soll Tardeven in Begleitung biej er Frau und eines Mannes Mitschuldiger gewesen sein. Alle diese Angaben machte Allaire mit großer Bestimmtheit in Gegenwart des Polizeilommissars von Bersailles, des SLaatscmtvattsvertreiers und eines Untersuchungsrichters. Tardeven soll Versailles am 17. März dieses Jahres verfassen und |iüj wahrscheinlich nach Paris geflüchtet haben. Dec „Malin" fügt hinzu, daß seine Ver- yaftung wohl nur noch bie Sache weniger Stunden sei. Möglich fei es aber auch, daß sich Der wegen eines gewöhnlichen Diebstahls verhaftete Allaire nur habe wichtig machen wollen, um bie Aufmerksamkeit auf sich zu zieyen und seiner Verbrechereitelkeit Genüge zu tun.
Märkte.
K. W i es b a d e n, 17. Atai. Vieh markt. Zum Verkauf standen: 63 Ochsen, 44 Kühe, 324 Schweine, 74 Kälber (Darunter 00 Masttälber, 74 L'aiiDfälber), 46 Hammel und Schafe. Bezahlt wurde für 50 Kilogramm Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qual. 74,00-76,00 Mk., 2. Qual. 72,00-74,00 Alk., Kühe 1. Qualität 65,00—67,00 Mk., 2. Qual. 00,00—00,00 Ml'. Bezahlt ivurDe siir 1 Kilogr. Schlachtgewicht: Schweine, vvllsleijchige, 1,84—1,37 Mk., Sauen 0,00-0,00 Mt., Eber 0,ü0-u,00 Mk.; Kälber: Masttälber 0,00—0,00 9JL, LanDkälber 1.48—1.56 Alt.; Hammel und Schale 1,44 bis 1,50 2)tk. — Rinder notierten: 00—00 Alk., Ferkel das Stück: 00—00 Mk. Geschäft bei Horn- und Kleinvieh gut, Markt geräumt Die Zufuhren waren in Groß- und Kleinvieh aus Ülorddeulsch- land und der bayerischen Pfalz, sowie aus Dem Kreise Limburg (100 Schweine).
Verantwortlich für Feuilleton und Vermischtes: I. V.: Ernst Anderson.
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse, 18. Mai, 1.15 Uhr.
B1/,®/. Reichsanleihe. . . 0ö.6ö 3°/' do. ... 86.70 8l/,e/o Konsole • • • • 85.65 3« do 86.70 8‘/,°/0 Hessen 94.60 3l/,°/a Oberhessen ... ~ ,~7 4°/0 Oesterr. Goldrente . . 100-25 4'/#o/o Oesterr. Silberrente. 100.25 4°/0 Ungar. Goldrente . . 96.00 4° 0 Italien. Rente . . . —.— 3°/0 Portugiesen Serie I . 62.35 8% Portugiesen „ ITT . 63.50 4*/,% russ. Staatsaul. 1905 98.70 4*/1°/q Japan. Staatsanleihe 95.50 4°/0 Couv.Türken von 1903 93.50 Türkeulose . ... 146.20
4°/0 Griech. Monopol-Ani. . 50.60 4°/0 äussere Argentinier . 89.75 8°/, Mexikaner .... 66.40 4l/,% Chinesen .... 99.60
Aktien«
Bochum Guss .... 225.20
Buderus E. W 112.00
Tendenz: lustlos.
Elektriz. Lahmcyer . . . 120.25 Elektriz. Schuckert . . . 126.40 Eschweiler Bergwerk . . 190.40 Gelsenkirchen Bergwerk . 181.60 Hamburg - Amerik. Pakett 118.90 Harpener Bergwerk. . . 193.50 Laurahütte ...... 189.45 Nordd- Lloyd 91.50 Oberschles. Eisen-Industrie 94.90 Berliner Handelsgee. . . 174.00 Darmstädter Bank . • . 182.40 Deutsche Bank .... 243.10 Deutsch-Asiat. Bank . , 151.25 Diskonto-Kommandit . . 188.20 Dresdner Bank .... 152.40 Kreditaktien . . . , , 200.89 Baltimore- und Ohie-
Eisenbahn 118.10
Gotthardbahn .... —
Lombard. Eisenbahn. . . 17.75
Oesterr. Staats bahn . . . 152.50
Prince - Henri - Eisenbahn . 130.00
Berliner
Canada E. B.
Darmstädter Bank . Deutsche Bank Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .
Tendenz: ruhig.
Börse, . 178.80
' 2432)0
* 15240
18. Mai. Anfangskurse. Harpener Bergwerk . . . Laurahütte
Lombarden E. B. , . e . Nordd. Lloyd , . . , , Tilrkenlose .....
193.50
189.40
17.50
91.70
146.50
unschädlichI Erfolg verblüffend!


