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17.2.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 40

Der Sietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich EtetzenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Areir- blalt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monall. £anb- wirtschaflliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expeditton 61 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt

189. Jahrgang

Mittwoch 17. Februar 1909

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GietzenerAnzeil

General-Anzeiger für Oberheflen

Bezugspreis: monatlich) 75Pf viertel - jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zwerg!lallen monatlich 65 Pf.; durch diePost Ack.2. vierlel- jährl. anSschl. Bestellst. S)eilenprcis: lokal ILPs^ auswärts 20 Psemrig.

Verantwortlich für den polittschen Teil: E. Anderson: f. Ferrille- ton und ,Vermischtes' K. Neurath: fürStabt u. Land" unb »Gerichts -

Kotafionsönitf tmö Verlag der vrilhl'schen Univ.-Vuch- und Sfemöntdmi R. fange. Rcöatiion, LxpedMon vnd Druckerei: Lchulstratze 7.

Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.

Der Berliner Besuch und dar englische Parlament.

Mit einer Tsswnrcde ist gestern das englische Parlcmrerrt er­öffnet irorben. In bet Thronrede heisst es: Tie Wärme des Empfanges, die sich bei nuferem Besuch in Berlin bei allen Klassen der Bevölkerung zeigte, hat starken Eindrrick auf mich gemacht und mich nrich hoher Genugtuung erfüllt. Es bat der Königin ebenso wie mir große Freude bereitet, mit Kaiser Wil- heml und der Kaiserin wieder zusammen zu kommen. Ich bin der Ueberzcugung, dass der Ausdruck herzlichen Willkommens, das ims in Berlin geboten wurde, dazu beitragen ward, diese freund- schastlichen Gefühle zwischen den beiden Nationen, die für ihre gegenseitige Wohlfahrt und für die Erhaltung des Friedens so »vesentlich sind, zn stärken. Die Beziehungen zn den fremden Mächten sind nach wie vor freundschaftlich.

Im Laufe der Adressdebatte erklärte Lord Lansdvwne rm Ober Hause bezüglich des BesucheS des Königs und der Königin in Berlin: Ich sage nicht zu viel, wenn ich bemerke, dass kein neueres Ereignis vom britischen Volke mit größerer Freude zur Kenntnis genommen worden ist. Ohne Widerspruch zu befürchten, können wir sagen, dass der Besuch hervorragend zeitgemäss und sichtlich erfolgreich tvar. EL besteht aller Grund zu der Hoffnung, dass der Besuch weitreichende Resultate nützlichsten Charakters haben kann. (Beifall., rDer Besuch war einer in der grossen Zahl solcher Besuche uns ich glaube, wir können keine Worte finden, d«e kräftig genug sind, um unsere Bewunderung für die unermüdliche Energie, mit der der König solche nützliche Aufgaben übernimmt, auszudrücken. Jeder Besuch befestigt bestehende Freundschaften oder schloss neue Freund­schaften. Im gegenwärtigen Fall I-andelt es sich um zwei grosse Völker, die eng verknüpft sind durch Bande gemeinsamen Ursprungs ünd gemeinsamer Charaktereigenschaften. Es gibt niast zwei Völ­ker, die geeigneter wären, -Seite an Seite in der Vorhut des menschlichen Fortschritts ooranzuschreiten. Wir können uns des- llralb Treuen, dass die beiden Herrscher in diesem beianberen Augenblicke die Freundschaft betonten, die nie hätte unterbrochen werden sollen, die, wie der König sagte, dem Weltfrieden dient!" Der Staatssekretär der Kolonien Earl o f Erowe führte sodann aus: Ich bin in der Lage, aus per­sönlicher Beobachtung von der ausserordentlichen Herzlichkeit spre­chen zn können, mit der die Majestäten in Berlin empfangen wur­den. Diese Herzlichkeit vom Höchsten bis zum Niedrigsten, ohne Untenütieb der Gesellschaftsklasse ober oes Benifcs zur Schau ge­tragen. Dem Tribut, den Marquis Lansbowne der Art und gezollt bat, in der der König sich immer des Willens gezeigt hat, tperfönlidte Unbequemlichkeiten auf fid) zu nehmen, um diesen st) wichtigen Teil der Herrscherpslichten zu erfüllen, möchte ich wich ansä'liessen. Besuche, wie diesen, können nicl-t alles be­wirken. Sie können nicht durch sich selbst beunruhigende inter­nationale Fragen beilegen. Sie können durch fick' selbst allein nicht tiefgegrünbetc internationale und feindliche Gegensätze be- eiligen; aber in biefenr Falle, ivo es sich um Länder wie Deutsch­land und Cnglanb handelt, wo keinerlei Grund für irgend etlvas wie internationale ^lnimojikät üorbanben ist, kamt ein Besuch btefer Art nichts anbered hervor bringen, als hervorragend Gutes. Er wirkt dahin, die ganze Atmosphäre zwischen beiden Ländern

Gretzener AorrzertvereiU.

2. Jubiläumstonzcrt zur Feier des 90. Stiftungsfestes des Akademische« Gesangvereins.

Missa soleiunis.

Die gestrige Aufführung von Beethovens Missa l^blemnis in der Stadtkirche unter Leitung von Professor iTrautmann war eine wahrhaft große Tat. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, ein wie großes Wagnis es ge­wesen ist, ein solches Werl aufzuführen: man weiß es zur Genüge, wie die Schwierigkeiten dieses Werkes ins Un­geheuerliche gehen und wie die Ansprüche an alle Mitwir­kenden, an die äußersten Grenzen des Möglichen überhaupt reichen. Herrn Trautmann aber, dem unermüdlichen musi- kalischett Leiter des Gießener Konzertvereins, kann man wahrlich kein höheres und schöneres Lob spenden, als wenn man einfach seststellt, daß dieses Wagnis glänzend gelungen äst. Diese Ausführung war in jedem «stück des hehren Werkes würdig, und der Akademische Gesangverein kann sich zu dieser einzigschönen Iubilänmsgabe mit vollem Rechte beglückwünschen.

Es ist schwer, ja int Nahmen eines ZeitungSauffatzes ^unmöglich, allen denen gerecht zu werden, die an dem glücklichen Zustandekommen dieser Äuftührungen mitge- wirkt haben. Ta müßte man schon das ganze gewaltige Werk selbst in seine Einzelheiten zerlegen. Man wird sich in einer Besprechung leider irur damit begnügen müssen, die Leistungen der Mitwirtenden in ihrer Gesamtheit zu erwähnen. Bon atlßerordentlicher Bedeutung war es da zunächst, daß man so hervorragende Solisten gefnnben hatte, wie Anna Kaempsert aus Frankfurt a. M. (So­pran), Frieda H a l l w a ch s - Z e r n h aus Kassel (Alt), Anton Kohlmann aus Frankfurt a. M. (Tenor) unb Alfred Müller (Baß) ebenfalls aus Frankfurt a. M. Jede einzelne dieser Solostimmen hatte die denkbar schwie­rigsten Aufgaben zu bewältigen, die einem Sänger überhaupt gestellt werden können. Dieses unablässige Aus und Ab ans den tiefften Lagen bis in die höchsten unb das er­müdende und anstrengende Sichfortbewegcn in den hohen Lagen, das sind an sich schon bewundernswerte Leistungen. Aber die gestrigen Solisten gaben uns noch weit mehr als das: Die Natürlichkeit und Schönheit des Tones auch in den höchsten und tiefsten Lagen und vor allent^.seelischen

zu verbessern. Earl of Crowe schloss: Soweit ich aus persönlicher Kenntnis sprechen kann, kann ich nach dem Gedankenaustausch, der in Berlin stattfand, sagen, dass der Wunsch, den die englische Negierung an den Tag gelegt hat, unb der, wie ich glaube, von dem ganzen Lande geteilt wird, auch von denen geteilt wird, die die Geschicke des grossen deutschen Reiches lenken. Diesen Wunsch verstehe ich so, bass die beibeit Völker ohne Bündnisse oder Der- stänbigungen, zu denen eines von ilym verpflichtet ist, irgend wie aufs Spiel zu fetzen, imstande fein sollten, jenes gegenüber dem anbern eine durchaus freundliche Haltung zu beobachten, und bass sie imftanbc fein sollten, jede Gelegenheit zu einträdjitigcnt Zu­sammenwirken zu ergreifen, nicht nur für die Aufrechterhaltung des Weltsriedens, sondern auch ,u>r Förderung bet vielen In­teressen der beiden Länder, die sich nicht einander widerstreiten.

Bei der Adressdebatte im U n t e r h a u s e besprach Rogens (lib.) den Berliner Besuch und erklärte, ber begeisterte Empfang der Majestäten werde dahin nrir"cn, jedes Missverständnis und jede falsche Auffassung der gegenseitigen Beweggründe, die aus dieser unb jener Seite dec 9borbfee bestanden haben mochten, zu beseitigen: er sei überzeugt, bass die überwiegende Mehrheit der beiden Nationen ein aufrichtiges Verständnis und ein gegenseitiges gutes Einvernehmen wünsche.

Diese in aufrichtigem Tone gehaltenen Besprechungen der Berliner Reise des englisä^en Königspaares werden jedenfalls auch diesseits des Kanals allgemein mit grosser Befriedigung auf* genommen werden.

Der deutsche Landwirtschaftsrat

ist Heftern in Berlin zusammengetreten. Gras Schwerin - Löivitz teilte das für heule anqefiinbigte Erscheinen des Kaisers mit. Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg begrüßte die Versammlung namens, bes Reichskanzlers unb . in seinem eigenen Namen. Die Reichsregierimg iolge ben sachoerstänbigen Arbeiten bes Landwirt' schaitsrates mit lebhafter An-merlsamleit. Erster Gegenstanb ber Tagesordnung war die Beratung über den Entwurf des Weingesetzes. Lanbrat Groole befürwortete bie "Annahme ber von ber Kommission des Reichstages zum Weingesetz vorge­schlagenen Resoliitioncn: 1. bei Aufstellung ber Grundsätze' für ben Vollzug bes neuen WeingeseHes zur besseren Kontrolle bestimmte Einsuhrstationen ft'tr Weine, Trauben unb Traubenniaifche zu be­nennen unb bie Vorlage amtlicher Bescheinigungen über die Her­kunft und Reinheit dec Weine zu verlangen; 2a. bei neu ab,511- schliegenben Handelsverträgen sowie bei?lblanf der jetzt beflebenben Handelsverträge eine Vergünstigung für ausländische Rotweine zwecks Verschnitts nicht mehr zu gewähren; b. balbtunlichsl den Entwurf eines Neichsgesetzes vorzul-'gcn, welches drn Aerfchniu von Weisswein mit Rotwein zwecks Herstellung von Rotwein unb ben Vertrieb de§ Wemes verbietet. Tie Resolution wurde an­genommen.

' Schifsahrtsabgabeu.

Zu ber Nachricht, bass dem Bundesrare die Vorlage ber preu­ßischen Regierung über bie authentische Interpretation bes Ar­tikels 54 der Rcichsverfassiing betr. ber Schiffahrtsadgaben zuge-- gangen sei, erfahren bieKieler Neueste Nachrichten" noch weiter, der Entwurf will nicht auf dem Wege bet Reichsgefetzgebung eine authentische Auslegung des Artikels 54 der Reichsverfassung un Sinne ber Zulässigkeit ber SchissahrtSabgabcn - Erhebung herbei­führen, fonbcrn er will auch die gesetzliche Grundlage schaffen für die in ben einzelnen Stromgebieten zu errichtenden Zweckverbänbe, in denen bie Interessenten zujammengefasst werben |ollem Ferner

Ausdruck und Empfindung. Nicht die geringste, entschuld­bare, Entgleisung; jede einzelne Solostimme blieb vom Anfang bis zum Schlüsse in edelstem organischem Zu- sammenhang mit Chor itnb Orchester.

Keineswegs geringere Ansprüche als an die Solo­stimmen stellt Beelhoven in diesem Werke bekanntlich auch an die Chöre. Es erscheint als eine kaum zu bewältigende Aufgabe, die der Chor beispielsweise mit dem hohen C im Credo zu lösen hat. Aber tva§ fragt Beethoven hier dar­nach, wo alles im Dienste seiner einen großen Idee wirken muß. Mit solchen Schwierigkeiten, deren eine hier nur erwähnt iourde, fänden sich die Chöre des Akademischen Gesangvereins ausgezeichnet ab. Der Einsatz war durchweg exakt; das Forte und Pianissimo von größter Wirkung: Man denke nur an das wundervolle Et sepultus est im Credo, an ba<S unvergleichliche Miserere im Gloria ober an das Benedictus im Sanctus.

Die Orgel meisterte Otto Görlach ans Gießen in bekannter, vortrefflicher unb verständiger Weise. Ein ganz hervorragendes Lob verdient gleichermaßen die verstärkte Symphonie-Kapelle des Zoologischen Gartens aus Frcrnk- fttrt a. M. Wie innig und ergreifend waren beispielsweise die Gsigen im Sanctus und im Agnus Dei. Doch nicht nur die Streichinstrumente, sondern auch die übrigen In- strnmente taten in vollem Maße ihre Schuldigkeit; sie boten Leistungen von vollerideter Künstlerschaft.

Es gibt ungezählte Kommentare und ästhetische Ana­lysen der Missa solemnis, aber wohl schwerlich wird es einem gelingen, alle Schönheiten dieses Werkes zu isolieren und aufzndecken. Wozu auch? Hier gibt es der Schön­heiten und der erhabenen Gedanken eine so reiche Fülle, daß man nur aufs Geratewohl hineinzugreifen braucht, um Köstliches und Herrliches zu finden. Beim Hören der Missa solemnis ist es einem oft so, als müßte man sörm- lich erdrückt werden von der Wucht dieser Musik; oder als wenn der Inhalt die Form zerbrechen wollte, und doch ifL dieses Werck, wenn man genauer znsieht, ein in sich geschlossenes und festgefügtes Kunstwerk. Beethoven oisen- bart darin sein ganzes Ich; cs ist die Seelenoffenbarnng eines Titanengeistes. Auf die Partitur schrieb Beethoven, der große Einsame:Bon Herzen möge es wieder zum Herzen gehen'" Was liegt alles in diesen Worten!

für Strombaukäbne, an bie die Abgaben abgefübrt werden sollen. Er verlange ferner noch andere organisatorische Besttni-.nungei Die Zweckoerbandc, Strombaukänbe usw. sollen das Recht der Selbstverwaltung erhalten. Ter Entwurf ist nicht umfangreich, aber von ber größten wirtschaftlichen Bedeutung. Cb er noch in biejer Sefsion dem Reichstage vorgelegt werden wird, ist noch nicht sicher.

DerrtZches NeLed«

Votschafterwechsel in London? In Berliner Hofkreisen spricht man davon, daß der deutsche Botschafter in London, Graf Wolff-Metternich, znrück- treten und den Oberst-Stallmeister Freiherrn von Rei­schach zum Nachfolger erhalten werde. Die Kandidatur des Herrn von Reischach soll, wie in eingeweihten Kreisen behauptet wird, mimentlich von dem trotz seines hohen Alters auch politisch rroch sehr rührigen Fürsten GuidQ Henckel von Donnersmarck unterstützt werden, der mit dem Oberst-Stallmeister eng befreurrdet ist.

Die Viehs euch en kom Mission des Reichs­tages debattierte gestern über die drei Differenzpunkte zwischen der Rogiernngsanschauung und den Kommissions­beschlüssen der ersten Lesung. Die verbündeten Regierungen ließen erllären, sie beharrten bezüglich der Kostcnfrage und der Laien komm: ssto n in ablehnender Stellung und könnten nur in der Entschädigungsfrage eine Konzession machen.

Die letzten Hochwasserschäden. Die national- liberale Fraktion des Llbgeordnetenhauses hat folgenden Initiativantrag eingebracht: Die Königl. Staatsregierung zu ersuchen, zur Hebung der jüngsten Hochwasserschäden, so­weit sie nach der wirtschaftlichen Lage der Betroffenen von diesen nicht getragen werden können, Staatsmittel durch Gewährung nicht rückzahlbarer Unterstützungen ober zins­freier 2 ar lehne bereitzu stellen.

König Alfons von Spanien hat auf Wunsch der deutschen und der englischen Regierung das Schieds- richteramt in der Frage der Begrenzung der Walsischbai übernommen.

Das Marokko-Weißbuch. Das auf Wunsch des Reichstages zusammen gestellte Marokko-Weißbuch liegt be­reits gedruckt vor und ist den Mitgliedern der Budget- ko mm: ssion vertraulich zur Kenntnisnahme mit geteilt mor­den. 'Angesichts der durch das detttsch-ftanzösische Marokko- abcommen veränderten Sachlage ist aber kaum anzunehmen, daß das Plenum des Reichstages seinerseits noch Wert darauf legen wird, daß auch chm das Weißbuch unter­breitet werde.

ArssLQNd.

Marpuis de 91 o a i 11 e §, der frühere französifche Bot­schafter in Berlin, ist gestorben.

T i c 3 u b e r. in Rußland. Der Senat hui nach Erörter­ung deL Berichts des Ministers des Innern sein Gutachten in beiden iolgeubeu Fragen abgegeben: 1) ob der Uebcrgang au5 dem mosaischen in den rnobamebanischen Glauben zulässig ist, und

Mer daS Glück hat, die Missa solemnis in einer so aus­gezeichneten Wiedergabe zu erleben, wie es die gestrige in Gießen war, der har eine Bereicherung seines ganzen Le­bens erfahren. Darunt Dank ihnen allen, die ihr bestes Können an diese Aufgabe gesetzt haben, uns Gießenern etwas so Großes inib Herrliches zu bieten. -n.

Gictzener St«*-ttheater.

Rokoko.

Drei Emakter gingen gestern über unsere Bühne. Drei Einakter, die Direktor Steingoetter mit glücklicher Hand in einen reichen, prunkvollen Rahmen gespmint hatte, der aus der Zeit stammte, da man noch Degen und gepuderte Haare trug. Und dieser Rahmen war gut. Die Leitung hatte alles getan, um eine geschlossene, wohlabgewogene Borstellung zustande zu 'bringen, und ein wirkungsvolles, mit liebender Sorgfalt ausgearbeitetes Zeitbild herzustellen. Auch der geistige Ton dieser seltsam spielerischen Zeit, da Tugend und Fraulick)teir weit niedriger im Werte stand als heutzutage, wo sich feder berechtigt glaubt, über ben Nieder­gang unserer Sitten zn schelten, auch dieser innere Ton, den weder Studium noch Arbeit, sondern nur das Gefühl mit seinem feinen Spürsinn finden kann, war ausge­zeichnet getroffen.

Die einzelnen Stücke ivnrden ziemlich ungleichwertig aufgesührt, und standen stellenweise unter dem Einfluß einer bedenklichen Unsicherheit.

Lorzügiich, wie aus einem Guß, war die geistvolle dra­matische PlaudereiWann wir altern" von Oskar Blumenthal mit ihren klaren, sonnigen Versen und ihrer gefühlvollen, witzigen Wehmut, die mit feinen, zier­lichen Reimen des Lebens Alltag wohlig übergoldet. Rolf Ziegler als alternder Marquis von Fargueuil zeigte sich in der herzgewinnenden Innerlichkeit eines tiefschürfen­den Künstlers, die feste F-äden von Bühne zum Zuschauer spinnt. Sein schlichtes, herzliches Spie! offenbarte ein sel­tenes Seelen Verständnis, und eine höchst vornehme Art seiner künstlerischen Aeußerung. Aus nahezu gleiche Höhe erhoben sich Claire Albrecht als Gräfin und Karl Dolck. als Gitfton. der aber den Vers ein wenig schärfer hätte' betonen müssen.

Tie Neuaufführuug der herzigen Mondscheinszene Herb st za über von Rudolf Presbe.r, die durch eins