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Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 17. Mai 1909.
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Berlin, 18. Mai. Interessant war, was Präsident Graf Stolberg im Scnioren-Konvent d.'s Reichstages über btt Er atv steuern sagte. Er meinte: Bis 8. Juni würde ja die Regierung die Ersatzsteuern bereits eüibringen tonnen, die ja schon bekannt sind. Wir wissen doch alle, daß es sich um eine Streichholz- steuer und einen erhöhten Kaffeezoll handeln soll. Bis 15. Juni werden dann wohl aucl) die Ersatzstcuern, die die Regierung Vorschlägen will, fertig gestellt sein.
Paris, 18. Mai. Tie E i s e n b a h n e r hielten gestern abend im Tivoli eine Versammlung ab, die äußerst stürmisch verlies. Zwischen dem Sekretär des Postverbandes Subra und dem der Eisenbahner, Guerard, kam es zu einer scharfen persönlichen Polemik, zwischen mehreren anderen Versammlungs-Teilnehmern sogar zu Tätlichkeiten. Tie Sitzung mutzte schließlich aufgehoben werden ohne daß ein Beschluß gefaßt wurde.
Paris, 18. Mai. Tie P ostbeamten hielten gestern in der St. Paul-Reithalle ihrerseits eine Versammlung ab, in der mit ziemlicher Gleichgültigkeit beschlossen wurde, den Kampf fortzusetzen. Auch das Vereins-Komitee des Allgemeinen Arbeiter-Verbandes hielt gestern eine Sitzung ab und beschloß mit großer Mehrheit eine sofortige Aktion. Tic Haltung her Eisenbahner wurde lebhaft diskutiert. Cs wurde schließlich ein Beschluß gefaßt, die Pariser Genossen zu ersuchen, sich für einen Ausstand vorzubereiten. Neue Bersammlnngen der verschiedenen Gruppen finden heute nachmittag 2 Uhr statt. An die Arbeiterschaft soll ein Maueraufruf gerichtet werden. Auch das Verbands- Komitee der Baugewerksarbeiter wird heute über die Streikfrage beschließen, wahrscheinlich in ablehnendem Sinne.
Paris, 18. Mai. Ter Marinerat hielt gestern eine wichtige Versammlung ab, um Stellung zu zwei Vorschlägen betreffend Zu sammensetzungder Kriegsflotte zu nehmen. In einem dieser Vorschläge, der vom Generalstab ausgeht, werden 28 Panzerschiffe in Vorschlag gebracht, im zweiten, der von der permanenten Marine-Abteilmig ausgeht, 38 Panzer. Wahrscheinlich wird keiner der Vorschläge Annahme finden und die Zahl von 24 Schiffen beschlossen werden. Auch über die Zahl der Torpedoboote herrscht Uneinigkeit. Ter Neubau von Torpedoboots-Zer störern wurde für zwecklos erklärt und auch der Bau neuer Unteriee- boote und Taucherboote aufgeschoben. Als Kolonialhäfen bleiben noch erhalten: Saigon, Takkar uno Diego Suarez. Dagegen geht der Hasen von Rockjefort als Kolonialhafen ein und un Hafen Dorf Lorieirt sollen nur noch Panzerschiffe gebaut werden.
Konstantinopel, 18. Mai. Tie Botschafter überreichten gestern ihre Beglaubigungsschreiben beim Sultan, an ihrer Spitze der deutsche Botschafter Freiherr Nkarschall v. Bieberstein. Außer diesem und dem ersten Tragoman wurde von den Mitgliedern der. deutschen Botschaft der Botschaftsrat von Miquel und Militär-Attachee von Strempel vorgestellt. Ter Empsang beim Padischah war in engeren als den üblichen Grenzen gehalten und verlief ohne jeden Pomp.
Gießener Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung für Hessen am Mittwoch dem 19. Mai: Wechselnde Bewölkung. Vereinzelt Regensälle. Temperatur wie heute. Westliche Winde.
Literarisches.
— Dr. E. Schrader, Aus dem Liebesleben der Tiere. Mit 53 Abbildungen. Stuttgart, Frankh'sche Verlagshandlung. Dem Zoologen und dem Naturfreund wird hier eine Fülle von Tatsachen und Erscheinungen geschildert, von denen die üblichen Lehrbücher zumeist nur dürftige Andeutungen enthalten. Ueberall hat der Verfasser bei seinen Darlegungen den biologischen Gesichtspunkt zum herrschenden gemacht, so daß weite Perspektiven kaulaler Beziehungen und Verhältnisse sich vor dem geistigen Auge des Lesers auftun. Tas kleine Buch, das mit zahlreichen, sorgfältig durchgeführten Abbildungen ausgestattet ist, ist so recht das zoologische Pendant zu dem bekannten Werke von R. France, „Das Liebesleben der Pflanzen". Wie dieses ist cs erfüllt von dem Geiste echter Wissensck)oftlichkeit, wie dieses reißt es den Leser durch den Schwimg seiner Sprache mit fort.
— Das literarische Echo. Halbmonatsschrift für Litc- raturfteunde (Herausgeber: Dr. Josef (Sttlingcr; Verlag: Egon Fleische! u. Co., Berlin W. 9). Das 2. Maiheft ist soeben mit
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 18. Mai. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 6 Wagen Heu und 1 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 4.00.—4.40, Stroh Mk. 3.00—3.30. Die Zufuhr stammte aus den Kreisen Büdingen, Hanau und Offendbch. — Tendenz fest.
Gedächtnisreden, in denen eine ganze stkiyc von Rednern des Verstorbenen gedenken werden. Einstweilen freilich wird Paris diese lchöne Leichenfeier nicht genießen, denn dem Kranken geht es wieder besfer, und wie liebevoll er auch den Plan seiner Bestattung ausgearbeitet hat, er wird wohl kaum den Wunsch haben, die Abhaltung dieses Totenfestes zu beschleunigen.
* Ruhe i st v o r n e h m! Der Antilärmverein versendet letzt Karten mit der Aufschrift: „Ruhe ist vornehm!" Sie sollen wie nur ui dem Maiheft der Zeitschrift Reckst auf Stille lesen, der Allgemeinheit vor Augen gehalten werden, und zwar durch Anheften in oNentlichen Lokalen, Hotels, Badeanstalten u. bergt <c/’P£en Frijeur, io rät das Organ des .Antilärmvereins, vcr- pstichte märt, die Karte an den Spiegel seines Geschäftes zu stecken. -!ber. auch in speziellen Fallen werden die .Karten dienlich fein. ■£rijlagt z. B. ein Hausgenoste in feiner Etage trotz Beschwerde die L? 10 itcd% *bm eütc Zeitlang täglich eine solche -^,rte rü den Briefkasten Vollsührt die Dame am Büfett den ubUchm Höllenlärm, so schicke man ihr durch den Kellner eine 'olche Karte. Auch als Druchache können die Karten per Post zu^cstellt werden. v w
Kleine Tageschronik.
. f ^«Uitzer des „düimberger Generalanzeiger", Erich Span- del, ist Montag nachmittag an den Folgen einer Operation gestorben. y
. Bei der Station Wawegg in Oesterreich entgleiste der Per- son«izug 9tr. 2016. Em Schaffner wurde getötet, mehrere Passagiere verletzt.
mi^c^^-^oegebirge stürzte von der Hohen Wand ein Wiener Tourist ad, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden tonnte. Er fand bet dem Sturze seinen Tod.
Mr ®,un81 ü<$6 f a I1, dem zwei Mensck)en zum Opfer ge- ftE? 17’ Mai auf dem FloUen-Flagg^
fdnfr „DQUichland" m der Nähe von Borkmn. Ein Matrose war uber ^Bord gefallen und ein Ingenieur-Aspirant setzte ihm nach, E rhn den Wellen zu entreitzen. Der Rettungsversuch schlug fehl und Beide ertranken. a 1 M
Sonntag nacht brannte das Polurrian-Hotel in Cornwall ab. Das Feuer überraschte die Gäste im tiefsten Schlaf. Viele weiten sich nur mü knapper Not in ihren Nachtl-emden retten. Viele Personen erlitten durch 'Sprung aus den Fenstern schwere VerlEnrgeai, andere trugen Brandwunden davon.
■ (^7 6. 3 n t er n ationale Baumwollkongreß wurde Mai rrül) in Gegenwart der Behörden er- othtet An dem Kongreß nahmen Vertreter aus allen Ländern und Weltteilen teil, darunter 30 Deutsche.
T^er 21 jährige Schiffer Rudh in Speher geriet auf einem ?lusflug mrt fernem zutünfttgeii Schwager, dem Tüncher Schmitt rertietratet und Vater dreier Kinder, in einen Wottwechsel Rudv stach dem Schmitt mit einem Messer in den Hals, wodurch dieser aus der Stelle getötet wurde. Der Täter wurde festgenommen
Sport.
— Fußball. Am Sonntag hatte der Gießener Ball- s p i e l k l u b den I. Bad Nauheimer Fußballverein in Gießen zuni Gast. Tie hiesige Mannschaft spielte sehr überlegen, konnte jedoch nur mit dem Resultat von 2:1 Toren gewinnen. Nauheim verteidigte zeitweise mit seiner ganzen Mannschaft und nur sehr selten kommen |ic auch aus ihrer Spielhälfte heraus. Aus einem solchen Durchbruch erzielen sie auch ihr Tor. Stach bem Eckball- Berhaltnis 14:1 zu Gunsten G. B. C. geht die starke Ueberlegen- heit der hiesigen Mannschaft klar hervor und nur dem sicheren und aufopsernden Spiel ihrer Verteidigung verdantt Nauheim keine größere Niederlage.
folgendem Jnhall erschienen: Richard M. Mever: Dichter von heute. Carl Enders: Wilhelm Schmidtbomi. Wilhelm Schmidt- bonn: Im Spiegel. Karl Berger: Schiller-Schrijteii i'Schlußl. Ludwig Krähe: Chamisso-Forschung. Mberta v. Puttkamer: Ueber Anthologien. Echo der Zeitungen unb Zeitschriften. Echo des Auslaubs (holländisckier, norwegischer Brief). Echo der Bühnen. Kurze Anzeigen. Nachrichten. Ter Büchermarkt.
— Der Kunstwart (Verlag von Georg D. W. Callwey, München- brachte eben mit dem 2. Maiheft das 16. Heft seines 22. Jahrganges heraus. Es enthält folgendes: Ausdruckskullur und Bodenreform. Von Karl Polenske. Josef Haydn. Von Her- mami von der Pfordten. Lose Blätter: Aus „Marius dem Epikureer" von Walter Pater. Rundschau: Gelegentliches vom Spiel mit dem Ringe. „Wider die Engländerei in der deutschen Sprache " zeutsch-französischer Verlag (W. Rat-. Dichtung unb bildende Kunst Berliner Theater (Fr. Tüsel). Hamburger Theater >H. ^Ttrn(f)'cm?5r Reimarm (Batka). Joseph-Rezttative (Batka). Franz Wickhosf t (E. Bender >. Zur Frage des evangelischen Kirchenbaues (O. Bartnmg). Nach „Kunstfrieden". Wie man mogeln lernt Zur Frage der guten Arbeit. „Bild und Wort." Von alten Friedhöfen. Die Naturdenkmalpflege. Patentbriefe (R. Rüthnick)., Vom „Wie's trefft"-Shstern. Gegen das Phrasenmachen. „Unser Kleinchen von Wilhelminchen." „Mehr Freude." Plauderspaziergänge für Soldaten. Vom „Platzgeben" (I. Loewen- bera). Von der kindlichen Lesewut. Vom adeligen Schaffen (W. v. Humboldt). Bilder und Noten: Erwin Braune, Sonniger ApriltagHans Thoma, Im März: zwei photographische Bildnisse von Ernst Müller; sechs Abbildungen zu dem Beittage: Von alten Friedhöfen. Josef Haydn, drei Tanzmenuette.
HanveU
~ Norddeutscher Llo ydin Bremen. In den Times verollentlicht ein Mitarbeiter das Ergebnis einer Unterredung, die er vor einigen Tagen mit dem in London wißenden.Generaldirektor Ph. Heineken vom Norddeutschen Lloyd hatte. Auf die Frage, wie sich nach seiner Meinung die Zukunft der Nvrdatlan- tt,cheu Schiffahrt gestalten werde, und welche Geschästsprinzipien der Norddeutsche Lloyd unter feiner Leitung verfolgen werde, antwortete Herr Heineken, daß das Pendel des Wirlschastslebens, das im letzten Jahre so weit liach der ungünstigen Seite ausge- schlagen habe, sich mit Sicherheit nach her anderen Seite wenden werde und daß schon Anzeichen für die Wandlung bemerkbar seien. Trotzdem werde sich 'diese Aufwärtsbewegung mehr schrittiveise vollzieheii, als es zuerst der Fall war, und nach seiner Meinung werde die Nordatlantische Schiffahrt vor dem Jahre 1910 nicht wieder zur Prosperität gelangen. Was die Geschäftsprinzipien des Slorddeutschen Lloyd betreffe, so kann er nur das eine jagen, baß er alles, was in feiner Macht liege, tun werde, um ein gutes Einvernehmen und ein freundschaftliches Zusammenarbeiten zwischen den transatlantischen Linien zu erhalten. Mit ein wenig gegenseitigem guten Willen könnte diese Verständigung doch nach seiner Meinung nicht schwer sein unb es werde sich Herausstellen, daß Raum genug zum Leben da sei für alle Linien, ohne daß die eine in das eigentlidjc Betätigungsgebiet der anderen unnötig sich begebe. Was die Zahl der Dampfer in der nordattantischeu Schiffahrt betreffe, so sei es eine Tatsache, daß das Angebot etwas über den Bedarf hinausgegangen fei und daß alle Linien an einem lieberfluß zu leiden hätten. Der Schiffsbau iftin der Voraussetzung daß der Passageverkehr gleichmäßig zunehmen werde, immer weiter fortgegangen. Die Differenz werde sich aber, darin hege er keinen Zweifel, in kurzer Zett von selbst wieder ausgleichen.
— Kleine Finanzchronik. Die Generalversammlung der Hartmann & Brann-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M. genehmigte einstimmig die Anträge der Verwaltung und die Verteilung einer Dividende von 11 Proz. gegen 12 Proz. im Vorjahr. — Die Zulassung einer 4proz. Anleihe der Stadt Nürnberg in Höhe von 10 Millionen Mark zur Jrauk'urter Börse ist von der Pfälzischen Bank beantragt worden. — Ueber die Firma Wol° stein & Teilhaber, G. m. b. H. in Franksurt a. M., die eine Verlagsbuchhandlung und Druckerei betreibt, wurde der Konkurs eröffnet.
Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k f u r t a. M.
Flejschpreise in Gießen
Ochsen
Kälber
Schweine
50 Kg. Schlachtgewicht 75—78 'Mk.
V, Kg. Schlachtgew. 97-100 Pf.
V, „ „ 68-69 „
'/, Kg. 76-84 Pfg.
V, , 70-80 ,
'/, 80-94 ,
Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 26.00-00.00 Mk.
Roggen 100 Kg. 18.50-00.00 Ml.
Weißbrot 2 Kg. 62 Pw.
Schwarzbrot 2 Kg. 58 Pig.
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