u.Land" und,Gerichts-
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Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; f. Feuilleton und „Vermischtes" K. Neurath; für „Stadt
Nr. 115/ j / Erstes Blatt 15«. Jahrgang Dienstag 18. Mai 1909
Ter Siebener Ansech« A
erscheint täglich, außer
Gießener Anzeiger
'ne die Redaktion 112,
MM General-Anzeiger für Oberhchen
bis Rotattonrdruck und Verlag der Brüh loschen Univ.-Vuch- und Steindruckerei K tauge. RedEou, Expedition und vruSeeei: Zchulstrahe 7. ^eige^ie^'^Ä
Die heutige^ Nummer umfaht 10 Seiten.
Dar Kaiferpaar in Wiesbaden.
Gestern nachmittag um 12 Uhr 35 Mn. ist das Kriser- paar im ©onber&iige in Wiesbaden eingetroffen und von der Prirlzesfin Viktoria Luise am Bahnhof begrüßt morden. Die kaiserlichen Herrschaften fuhren im Automobil, von der Menge herzlich begrüßt, nach dem Schloß. Ain Nachmittag machten das Kaiserpaar mit Gefolge eine Ausfahrt in Antomobilen nach der Platte. Abends wurden auf allerhöchsten Befehl die diesjährigen Festvorstellungen mit Goldmarks „Königin von <5aba" unter der musikalischen Leitung von Professor Mannstaedt begonnen. Die Königin sang Frau Leffler-Burkhard, den Assad Herr Kalisch, den König Salomo Herr Schutz, den Hohenpriester Herr Schwegeler, die Sulamith Frau Müller-Weiß. Das Haus war wie stets mit Girlanden und blühenden Pflanzen reich geschmückt und urtt einer glänzenden Gesellschaft gefüllt. Intendant Baron v. Mutzmibecyer und Generalintendant Graf von Hülsen-Hüseler geletteten den Kaiser und die Kaiserin in die große Hofloge. Das Publikum brachte ein dreifaches Hoch aus, die Majestäten verneigten sich wiederholt dankend. Gesungen und gespielt wurde sehr gut. Sämtliche Bilder waren auf das feinste in den Farben ab gestimmt. .Der ganze märchenhafte Glanz der salomonischen Zeft kam bei Dem Einzug der Königin von Saba im ersten Akt und beim Ballet im dritten Att zur Geltung. Der Wüstensturm im letzten Art war ein großartiges szenisches Meisterstück. Die Majestäten beteiligten sich lebhaft an dem Beifall. — Stach dem Theater gab Graf Hülsen-Häseler im Foyer einen Herrenabend.
Der Reichskanzler ist gestern abend 10 klhr von Berlin nach dem allerhöchsten Hoflager in Wiesbaden zum Vortrag ab gereist.
Var (Ergebnis der jüngsten Monarchenvegegnüngen.
Es ist kaum zu zweifeln, daß die jüngsten Monarchenbegegnungen bedeutsame Folge für die europäische Politik haben werden. Die Äionarchenbegegnungen in Wien und Brinoisi mit ihren Trinksprüchen und Depeschenwechsel finden im Auslande ein Echo, das fast nachhalliger zu sein scheint, als dasjenige bei uns in Deutschland selbst, und hieraus erhellt zwar zur Genüge, welche Bedeutung inan doch allenthalben diesen Mouarchenbegegnungen beimißt. An und für sich hat sich zwar bei diesen Enttevnen nichts sonderliches ereignet, auch die politische Aussprache mit den leitenden Staatsmännern dürfte keine allzu ergiebige gewesen jein, der Wert der Begegnungen wird darauf gelegt, daß sie den Ausdruck für die Festigkeit der Beziehungen Deutschlands und Oesterreichs bilden und gleichzeitig kundgetan haben, daß Italien seine Zugehörigkeit im Dreibunde nicht aufzugeben geneigt scheint. Das Ähwergewicht der Bedeutung darf man wohl auf dre lebhaftere Betonung der Beziehungen zu Italien legen; es ist doch zweifellos mit besonderer Absicht und Deutlichkell geschehen, daß diesmal Italiens in den Trinlsprüchen besonders getüncht wurde und daß überoies ein gemeinsames Telegramm der beiden Kaiser an König Viktor Emanuel gerichtet worden ist. Dies ist um so bemerkenswerter, wenn man sich daran erinnert, daß in den aufsehenerregenden Parlamentsreden sowohl Bülows, wie Bienetths und Wekerle unmittelbar nach Beilegung des österreichisch-serbischen Konfliktes Italiens mit keinem einzigen Worte gedacht worden ist. Auch in Paris fast man die erwähnten Vorgänge als eine feierliche Erneuerung des Dreibundes auf, wenngleich man in mehreren Blättern sich zu trösten sucht, daß Italien sich den Umständen anbequeme, welche durch den österreichisch-deutschen Erfolg in den Ballanwirren geschaffen seien, während es im Stillen den Wunsch hege, seine Selbständigkell mll der Zell wieder zu gewinnen, worauf die Verstärkungen der
Der Hochzeitsturm.
Darmstadt, 16. Mai.
Samstag mittag fand, wie bereits gemeldet, die Uebergabe der Großherzogszimmer im Hochzeitsturm statt. Das Zimmer des Großherzogs von Fritz Hegenbar th ist im durchaus modernen _Stü geh allen. Seine Hauptstärke liegt neben der etwas dunklen Svuibolik in der Tvarbenaeburm. gebung. , _■<_.
Der 63/4 Meter hohe, rechteckige (7 zu 5 Meter) Raum wird durch ein Tonnengewölbe, von den Längsseiten getragen, abgeschlossen. Der Fußboden ist weißer Aäarmor, die Wände sind bis etwa Brusthöhe mit schwarzpoliertem Ebenholz vertäfelt. Die Malerei nimmt die übrigen Flächen des Raumes ein. Die Haupt- gemälde nehmen die beiden durch das Tonnengewölbe gebildeten HalbkrÄsflächeu ein. Deren Mittelpunkt biloet je eine spiralförmige, riesige Muschelschnecke, die alte Zeit oder Kunst darstellend; in rhythniischer Bewegung setzt die neue Kunst, verkörpert durch eine I^aljüngllngsgestall, nackt, den Speer ui der Rechten und den Pallasschild im Arme, auf einem Einhorn galoppierend, über ixe Muschel hinweg. Siegende Zuversicht kündet der Gesichtsausdruck des Retters. Vor seinem Tiere schießt ein ge- walliger Adler auf ein Eulentier herab, das sich dem kühnen Zuge entgegenznstellen schien und nun in die Finsternis hinabflüchtet. So ist die Kömposttion geschickt der Halbkreis-flache eingepaßt. In der entgegengesetzten Wand ist eine weibliche Idealfigur, die, aus einem Hirsch vier sitzend, die Schnecke überredet, eine Göttin der Fruchtbarkeit, aus einem Füllhorn Blumen und <yrürf)te schüttend. Vor ihrem Retttier verfolgt eine Schar weißer Tauben ins Dunkel fliegende Fledermäuse. Deutet der Jüngling so den Kämpf der neuen Kunst, so sehen wir sie hier schon siegreich und Segen spendend in der Göttin verkörpert. Lianen, ideal mh)iert, tonten vor den Gruppen auf dem blaugrauen Grunde ün Bogen zur Decke empor, gehen in diese über, treffen sich in der Mitte des höchsten Punktes des Gewölbes, umranken hier eine bimfle Doppelschnecke, deren Zentrum auf leuchtendem Grunde die §ürstcu- kroue mit den sie umgebenden Jniualen E. L. trägt, und bilden die Verbindung der Malereien von Decke und Landen.
In dem sonst ziemlich dunkel in saftigem Blau und Rot gehaltenem Deckengewölbe kehrt in rhythmischen Feldern das Schneckenmotiv wieder, belebt durch schlängelnde Eidechsen, die in flüchtigem Laufe einander zu haschen scheinen. Meisterlich hat der Künstler es verstanden, die Tierkörper ornamental zu verwerten. Die Längswände werden von je 5 überlebensgroßen Akten eingenommen, knieenden und. hockenden Äiännergejtalten, die auf ihren Schultern das Gewölbe zu tragen scheinen, und deren Stützpunkre die schlvarze Holzvertäserung bilden wird.
So stellt Hegenbarth den Großherzog von Hessen als Repräsentanten der neuen Zeit, als Beschüß dqr moduueu Künste dar.
italienischen Sttettkräfte zu Wasser und zu Laude hindeuten. Mau erkennt also jenseits der Vogesen den Erfolg der deutschen und österreichischen Politik art, wenn auch den Franzosen nicht sehr wohl dabei zu Mute sein mag. Auf der einen Sette hat der Dreibund zwar seine Stärke bewiesen, aber auf der anderen Selle muß als zweifellose Folge das Bemühen Hervorgernfen werden, sich fester zusammenzulchließen, um den beiden kontinentalen Vormächten ein wttksames Parvli entgegenstellen zu können.
In den englischen Preßkommentaren macht sich ein lebhafter Verdruß bemerkbar, der an die Stimmung der Lohgerber, denen die Felle weggeschwommen sind, grenzt. Jedenfalls kann es wohl als ein Zeichen der Zett angesehen werden, daß König Eduard, entgegen dem Brauche der letzten Jahre, diesmal im August nicht nach Marienbad gehen, sondern wahrscheinlich ein Bad in den Pyrenäen aussuchen wlld. Anscheinend will er eine Begegnung mit Kaiser Franz Josef — und auch mit dem deutschen Kaiser — vermeiden, dem er ja auch während seiner Kreuzfahtt im Mittelmeer ausgewichen ist, obwohl er von Korfu nicht allzuweit entfernt war und eine Begegnung beispielsweise in Malta sich leicht hätte ermöglichen lassen. Gelegentlich der Reise nach den Pyrenäen toirb es and) nicht an Konferenzen in Paris fehlen und mau darf nicht vergessen, daß in diesem Sommer auch der Zar auf seiner ausländischen Seereise mit den Staatsoberhäuptern von England und Frankreich zusammentteffen wird.
Das Band zwischen Rußland und Frankreich ist in den letzten Jahren etwas lockerer geworden und man wird zweifellos den jetzigen Moment zu einem festeren Verknüpfen benutzen, da das Vordringen Deutschlands und Oesterreichs bei den übrigen Großmächten wenig angenehme Gefühle hervorgerufen hat. Namentlich in Rußland ist man recht verbittert, well man eine empfindliche diplomatische Schlappe erlitten hat und die Preßkommentare der deutschfeindlichen Blätter speien daber Gift und Galle. So schreibt beispielsweise die Nowoje Wremja den Erfolg Oesterreichs weniger der Treue Deutschlands, als der Aengstlichkett Rußlands zn, das art eine Volkserhebung in Bosnien und Herzegowina, sowie an die Entstehung von Wirren in den slawischen Gebieten Oesterreichs nicht gedacht hätte; Italien brauche den Dreibund wie ein Hund das fünfte Bein gebrauchen würde. Bei solcher Sttmmung an der Newa läßt sich ein noch engerer Anschluß Rußlands an England und Frankreich voraussehen, und man wird begierig auf eine Gelegenheit warten, um sich revanchieren zu können. Hoffentlich wird dann unsere Diplomatie gestützt auf unsere militärische Stärke ebenso wie jüngst auf der Wacht sein, den gegnerischen Anschlag mit Energie zu durchkreuzen. _________________________
L>oUtL?che Lagesschau.
Zur Reichsfinanzreform.
Der Stand der Verhandlungen über eine Verständigung hinsichtlich der Reich ssinan^ve form ist unverändert. Es wird hinter den Kulissen Wetter gearbeitet, ohne daß bisher ellvas Positives erzielt worden wäre. Wahrscheinlich wird mit Zustimmung der Regierung in der Finanzkommission ein Antrag wegen der Erb anfallsteuer in ähnlicher Weise ein» gebracht werden wie es mit der Reform der Fayrkarten- ftener geschehen soll. Hinsichtlich der Tabakbesteuerung werden neuerdings aus beachtenswerten Interessentenkreisen folgende Borjchläge gemacht: 1. Die Jnlandssteuer aufzugeben, 2. den Wertzoll auf 50 Mk. für 100 Kilogramm zu ermäßigen, 3. eine Wertsteuer, welche sämtliche Tabak- Fabrikate dem Werte entsprechend trifft und an das Ende der Fabrikate zu legen ist, vom Fabrikat zu erheben. Hierdurch soll der an Zoll und Steuer ausfallende Betrag sowie die jetzt von der Tabaksteuer in der Finanz^Kommijsion vorgesehene Mehrbelastung von etwa 100 Millionen Rtk. gedeckt werden. Es wird erklärt, daß mit dieser einfachen Umgestaltung der bisherigen verwickelten und vielseitigen Belastung des Tabaks den Tabakpflanzern und Händlern, den Fabrikanten, den Groß- und Kleinhändlern, mit
Fabrikaten und vor allem auch dem kaufenden Publikum gedient werden würde. Diese Vorschläge werden augenblicklich im Reichs schatzamt näher geprüft.
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Aus der Lederindustrie.
In, Dresden fand gestern unter dem Vorsitz des Laud- tagsabgeordneteu K. Reinhart-Worms die diesjährige Mitgliederversammlung des Zentralvereins der deutschen Lederindustrie statt, die aus allen Teilen des deutschen Reiches besucht war. Nach einem Referat des geschäftsführenden Vorstandsmitgliedes Generaljetretär R. äiäause-Berlin, in dem u. a. auch erklärt wurde, daß die Lederindustriellen, die schon der Entwickelung der gerberischen Technik lvegen durchweg auf Beseitigung der Gerbmaterialienzölle bestehen müßten, für die FinanAreform der Verbündeten Regierungen einträten und bereit wären, die ihnen daraus erwachsenden Lasten gern KU übernehmen, wurde eine Resolution angenommen, in welcher der Vorstand beauftragt wurde, mit allen Mitteln die Beseitigmtg der Gerbmaterialienzölle au- zustreben. Im übrigen übernahm der Zentralverein und seine Mitgliederversammlung die bisher von einem beson- Deren Kuratorium verwaltete deutsche Versuchsanstalt für Lederindustrie zu Freiburg i. S. in Besitz und gewährte der deutschen Gerberschule in Freiburg i. S., sowie der deutschen Lehr- und Gerbereiwerkstätte zu Metzingen Unterstützungen. Die Versammlung schloß mtt einem Referat des Generalsekretärs R. Krouse über die Geschäftslage der deutschen Lederindustrie, das ün Hinblick auf das Steigen der Ge- stehungskostert der Lederindustrie bei den Rohmaterialien und den Arbeitslöhnen und die Forderung auf Erhöhung der Lederpreise aus klang.
Deutsche Luftfchisfe in Frankreich«
Um den Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen, welche die Landung deutscher Ballons in Frankreich veranlassen, hat der „Niederrheinsiche Verein für Luftschifffahrt" in Essen feinen Führern derartige Landungen verboten. Zuwiderhandelnde trifft die strengste Strafe, die Führer treffen kann, nämlich die Entziehung der Führerqualifikation bis auf weiteres, lvenigsteiis aber auf sechs dRonate; sodann hat der betreffende Führer die dadurch entstehenden Kosten selbst zu tragen.
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Das nächtliche Luftschiff beunruhigt die Englunoer noch immer in hohem Maße. Jetzt bringen die Londoner Blätter zahireickje Aussagen von Augenzeugen, die den „Fliegenden Holländer" in den letzten Tagen beobachtet haben. In Northampton ist das Luftschiff Sonnabeild um 9 Uhr, von Bedford kommend, erschienen uud fyai große Sensation unter den Bürgern der Stadt yervorgerufen. Zahlreiche Personen sahen es in der Richtung nach Taveiitry verschwinden. Ter Datty Expreß veröffentlicht eüieai Brief von Major Mayfteld, der das geheimnisvolle Luftschiff vor einigen Tagen bei Crowland gesehen hat. Der Brief enthält folgende interessante 35^ merkung: ,^Jch fomite die Unterhaltung der Leute üi der Ballongondel deutlich hören, sie sprachen in tiefen Gutturals tonen"; das soll natürlich heißen, sie habeii Deutsch gesprochen. Die Daily Mail bringt heute Die Aussage eines Herrn Eggertou Free aus Elacwn an der See, die geeignet ist, in der Bevölkerung den Verdacht, daß es sich um einen deutschen Spion handele, zu verstärken. Herr Eggerton beobachtete das Luftschiff letzten Freitag. Es hing ganz ruhig in der Luft über der Stelle, wo 1907 ein großes Landungs-
....... 1 wi nfc Jwmu'zrwffim'Tm '
Das Zimmer der Großherzogin von Philipp Otto Schäfer wirkt namewlich durch die außervrdenllich geschickte Komposttivu.
In dem Grundmotto seiner Gemälde hat Schäfer der Bestimmung des Turmes, seiner Entstehung Rechnung getragen. Er stellt in den die Wände fortlaufend umziehenden Gemälden, die so ein zusammenhängendes Ganzes bilden, eine Art Hochzeitsfest dar. Die Sttrnwand nahm die Hauptgruppe auf. Unter einem Baldachin steht das fürstliche Brautpaar, in dem, owvvhl Porträtähnlichkeit mit Absicht vermieden, unschwer der Großherzog und die Großherzogin zu erkennen sind. Der Bräuttgom trägt ein Kostüm nach Art der der Edelherren der altttallenischär Renaissance. Das gebräunte Gesicht von dunklen, rollenden Locken umrahmt. Die Braut steht im faltenreichen Ueberwurf, im Blondhaar des leicht gebeugten Hauptes die Krone. So empfangt sie eben von dem vor chr stehenden, scheinbar eine Stufe herabsteigenden Bräutigam das Symbol ehelicher Treue, den Ring. Singende, stötende und tanzende Putten uni) Fackelträger umgeben das Paar und schmücken Säulen und Weg mit Girlanden, Blumen und Kränzen. Im Hintergründe, ber in ein helles Blau des Aethers getaucht, erscheinen die grünen Höhen der Bergstraße mit Lichtenberg.
Die rechte Seitemoand zeigt einen Zug von Rittern, Greisen intb Jünglingen, die wie in beabsichtigter Huldigung der Hauptgruppe zustteben. Ihnen folgen 6 von blumenstreuenden Putten umschwärmte weibliche Gestalten, die 6 hessische Städte verkörpern. Auch hier sind dekoratw wirkende Figuren und landschaftliche Szenen unwillkürlich 'eingefügt. Das linke Seitengemälde verkörpert in schöner unb sinniger Weise bte Hulbigung ber brei Provinzen. Sie sinb ebenfalls burch eine bie Mitte ber Wanb einnehmende Gruppe von drei Frauengestallen dargestellt. Die Starkenburg in der kraftvollen Rechten das Symbol sieghafter Stärke, den Speer, im Haar den Eichenkranz. Die Oberhessin Früchte in Händen und den leuchtenden Aehrenkranz im Haar und die Rheinhessw das Haar mit Weinlaub umkcänzt, den Wormser Dom üt der Rechten und traubentragenbe Putten zu ihren Füßen. Himer bieser Gruppe ist ui einer weiteren, recht lebenbig gestalteten, das fröhliche, weinfeuchte Leben am Rhein symbolisiert imb vor der Hauptgruppe sinb Frauengestalten unb Putten mit Schalen unb Körben voll, Früchten unb Aehreu unb Blumen gruppiert. Landschaftliche Ansichten beleben auch hier ben Hintergrund.
Die Rückwand ist ruhig gehalten unb gewissermaßen als Abschluß gedacht. Kinber unb Frauen sinb hier noch beschäftigt, bie ben ganzen Raum umziehenden Blumengirlanden abschließeiid au^ubringen. Die Mitte der Wand nimmt em leicht drapierter Vorhang ein, auf dem die Widmung in lateinischer Sprache an- georacht ist. Das Ganze stellt sich als das reife Werk eines ziel
bewitßten Künstlers bar, mit bem sich Philipp Otto Schäfer ein bauernbey Denkmal selbst geschaffen hat. Ihre Königl. Hoheiten ber Großherzog unb bie Großherzogin äufjßrten sich sehr befriedigt über bie Gemälde. «
— Ein Studentenheim in Kiel. Zu einem Erholungsheim für Studenten ist am letzten Freitag mittag ut Kiel der Grundstein gelegt worben. Auf bem in unmittelbarer Nähe ber Universität üi Düsternbrook idyllisch au der Föhrdc gelegenen Grundstück der ehemaligen „Seeburg", das der Universität für bie|en Zweck von ber Stadr zum Selbstkostenpreise von 200 000 Mark überlassen wurde, wird ein stilvolles Gebäude erstehen, das für die Studentenschaft ein „Mittelpunkt der geistigen Erholung und Pflege von Leibesübungen" werden soll. In einem großen, mtt alten Bäumen bestandenen parkartigen Garten am Kriegs Hafen wird das als Kasino für Studentenschaft und Professoren gedachte Bauwerk, zu dem Professor Theodor Fischer in Stuttgart die Pläne geliefert hat, seinen Watz finden und außer einem großen Festsaal Versammlungs-, Lese-, Turn-, Fechtsäle usw. enthaften. Im Garten sind Plätze für Tennis- und Rafenspiele und Kegelbahnen vorgesehen. Dem Wassersport wird gan$ befonbere Pflege zuteil toerben. Die Baukosten werben sich euischließlich ber inneren) Einrichtung unb ber äußeren Anlagen auf 350 000 Mk. belaufen. Zur Verfügung stehen ber Erlös aus bem Verkauf ber alten Anatomie unb eines anderen größeren Grundstücks; bazu Eomnten verschieben« größere Schenkungen, baruttter 150 000 Mk. von den DozeMen ber Universität sowie ein Legal in Höhe von 55 000 Mk., um das zwischen ber Stabt und ber Universität ein jahrelanger Streit geführt worben ist, der schließlich durch einen Vergleich beendigt würbe. Nach bem Stifter des Legats wirb das Studentenheim ben Namen „Wille-Heim" führen.
— Ein Punkt, ber eine halbe Million kostet. Das Versehen eines ftanzösischen Telegraphenbeamten ist eüicm reichen Amerikaner teuer zu stehen gekommen. Seine Gemahlin bie sich auf ber Durchreise in Paris befand, besichtigte daselbst
Laden emes Jwvclenhändlers. Unter den ihr oorgelegteni Juwelen gefiel ihr ein Diadem im Preise von 85 000 Franken) besonders. Mit ber ben Amerikanerinnen, eigenen Entschlossenheit telegraphierte sie sofort an ihren Mann nach Newyork eine genaue Bejchrcibimg bes genannten Diadems und fragte bei ihm an ob U.e es touren dürfe. Ihr Dimm antwortete: „Mo. Price to r - k J ct?* .zu. doch.) Das Telegramm, das in die Hande der ümeriEanenn gelangte. Lautete jedoch: „Mo price ü> qigl). (»ein Preis zu hoch.) Entzückt von der Galanterie ihres llcannes, begab |id) die .Lame sofort in den Juwelenlaben unb ”aI)-nnnnntc<lIc b-£ä 2tabem5 für 85000 Franken ein ähnliches Tur oUU UOU gramen aus. Der von bem Telegravhenbearnteir aTfr$^,enC hat somit dem Amerikaner eine halbe Million


