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20.9.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 220

Zweites Blatt

Montag 20. September 1909

Eichener Anzeiger

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhejjen

159. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersilälS - Buch- und Eteindruckerei. 8L Lange, Dieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: bchul- strahe 7. Expedition und Verlag: ess^bl. Redaktion:«^ 112. Tel.-2ldruAnjcigerDieben.

DieEiehener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krtisblatl für den Kreis Elchen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal-.

Deutschlands Politik im Orient.

Sobald im Orient politisch etwas los ist, werden auch Verdächtigungen gegen Deutschland laut. So war es während dkr Balkankrise und so ist cS auch heute wieder, nachdem die jungtürkischc Regierung nach Betätigung in der auswärtigen Politik Umschau hält. Diesmal war es ein Newyorker Blatt, daS die engltschcn Geschäfte besorgte und haltlose Gerüchte von einem deutsch-türkischen Gchcimvertrag in die Welt setzte. Die offiziöse .Südd. NeichSkorresp." wendet sich ziemlich scharf gegen dieseRäubergeschichte'. Wir haben in Deutschland keinen Anlaß, dem Auslands unsere Karten aufzudecken und könnten unS im Grunde damit begnügen, die Newyorker Meldung kurz als erfunden zurückzuweisen. Warum in der .Südd. NeichSkorrcsp." cin so wortreiches belehrendes Ver­fahren angewendet wird, ist nicht recht ersichtlich. Daß die Türkei nach politischen Stützpunkten sucht, steht außer Zweifel, und unsere Politik wird sich beizeiten danach richten müssen.

Karlsruhe, 18. Sept. Die »Südd. Reichskorresp." meldet auS Berlin vom 16. Sept.: Der,Newyorker Herold* erzählt aus Konstantinopel, Deutschland suche mit dem Otto manischen Reiche einen Vertrag, sogar einen ganz geheimen. Während seines Aufenthalts in Berlin habe der Botschafter Freiherr v. Marschall auf Grund einer Er- mächtigung Kaiser Wilhelms mit dem Reichskanzler den Boden für ein deutsch-türkisches Bündnis vorbereitet; dec Entwurf dazu sei dann am Goldenen Horn von dem Botschafter dem Generalissimus Mahmud Schefket Pascha unterbreitet worden, der ihn vom militärischen Standpunkt gebilligt habe. In Berlin wolle nun Schefket Pascha die Besprechungen über das geplante Bündnis fortsetzen und Kaiser Wilhelm werde ihn unschwer von dem Bedürfnis der Türkei überzeugen, ihre Beziehungen zu Deutschland durch eine geheime Abmachung zu festigen. Dieser hier kurz zusammengezogene Bericht deö .Newyorker Heralb" auS Konstantinopel ist eine Räuber- geschichte, deren Lächerlichkeit auf ihren Erfinder zurück- fällt. General Mahmud Schefket Pascha hat bereits öffentlich erklären lassen, er habe keine politischen Aufträge oder Voll- machten. Ob der General aus dem Gelände der Kaiser­manöver nach Berlin kommt, ist fraglich. Jedenfalls kommt er nicht zu Verhandlungen über ein Bündnis, das wohl keine Großmacht, am wenigsten aber Deutschland, dem Ottomanischen Reiche in der Zeit seiner inneren Erneuerung, wo eS nach außen gleichmäßig gute Beziehungen zu allen Mächten pflegen will, aufdrängen wird. Nach demselben Bericht dcSNew- yorkcr Herold* soll cin großer Teil der Mitglieder deL jung, türkischen Komitees zu einer Sonderp olitik mit Eng­land, Rußland und Frankreich neigen. Wir halten auch diese Behauptung nicht für gerechtfertigt, weil einsichtige türkische Politiker wohl kaum bereit sein werden, die Hand­lungsfreiheit ihres Landes ohne zwingenden Anlaß durch Begründung neuer internationaler Verpflichtungen einzu­schränken.

Konstantiuopel, 18. Sept. Hiesige politische Kreise bringen tue Nachricht einer Unterredung des deut­schen Reichskanzlers mit dem französischen Bot- chaftcr Eambon über die innere Lage der Türkei leb­haftes Interesse entgegen und begrüßen mit großer Be- riedigung die Acußerung des Reichskanzlers, man müsse rem neuen System Zeit gewähren, sich zu kon- olidieren. Jungtürkischc Abgeordnete führen aus, sie ver­engen tatsächlich nichts anderes von ihren Freunden. Das neue "Regime werde alle Schwierigkeiten überwinden und Dem Ottomanenreiche die erste sichere Grundlage schaffen,

wenn die befreundeten Mächte ihm Zeit gönnen werden, die Schäden früherer Epochen zu beseitigen.

Berlin, 18. Sept. Mahmuo Schefket Pascha ist heute abend um 10.55 Uhr eingetroffen.

Der Schluß der sozialdemokratischen Parteitages.

4 Leipzig, 18. Sept.

Zu Beginn der heutigen Schlußsitzung des Sozialdemokratischen Parteitages verlas der Vorsitzende Singer ein Schreiben von Dr. Lindemann (Stuttgart), in dem dieser erklärt, daß er die von den

württem bergischen Hofgängern abgegebene Erklärung nicht mit untcrfrfjriiben habe, diese also für seine Person nicht gelte. Das Schreiben wird zu Protokoll ge nommen. Rudolf (Frankfurt a. M.) erstattet dann Bericht über die 'Arbeiten der Befchwcrdeloinmission. Ein Schriftsetzer Müller (Stuttgarts ist von der Partei ausgesclüossen worden, weil er einen Bericht über zwei sozialdemokralisct-e Versammlungen einem bürgcrliclxm demokratischen Blatte übermittelt haben soll. Hil den brand (Stuttgart) bittet, den Angeklagten nicht ungel)ört zu verdammen, sondern ihm seine Schuld erst zu beweisen. Brau n (Berlin) bezeichnet Müller, der einem bürgerlichen Blatte eher den Bericht geliefert habe, als ihn das eigene Parteiorgan l>abe veröffentlicixm können, als einen Verräter, den man nicht noch als Schlaclstopfer hin stellen solle. Ter Antrag der Kontroll kommission auf Ausschluß Müllers wird schließlich gegen die Stimmen der Revisionisten angt-nommen. Weiter kommt die An­gelegen heil der Räber und Genossen in Zusammenhang mit dem Nieder-Barnimer Parteiskandal zur Besprechung. Hierüber haben die Pankower Geiwssen zu Beginn des Parteitages cin Flugblatt an die Delegierten verteilen lassen, in hem

Stadthagen scharf mitgenommen wurde. In dem Augblatt wurde behauptet, daß bis jetzt von den verschiedensten Parteiinstanzen die reaktiomirstcn Mittel in der Saä)e angewendet worden seien: Verdächtigungen als Polizei svitzel, Denunziationen, Ehrabschneidereicn und Ausstoßung. Der el-emalige Vorsitzende des Pankower Bezii lSverems Frehwald habe einen Meineid geschlvoren intb sei dann mit Hilfe der Gelder des Parteivorstandes nach England abgeschoben worden, daS wegen Meineides nicht auSliefere. Die Rolle, die Stadthagen dabei gespielt l)abe, fei eines einsaä>en ArbeüerS, geschweige beiui eines soiialdemokratischen Reichstagsabgeordneten unwürdig. Tie Vesch.verdekoniinission beantragt, es bei dem Ausschluß 'Röbers, der sich absolut nicht in die Parteiorganisation cin fügen wolle, zu belassen: dieser Antrag wurde auch angenommen

Hieraus wurden Anträge und Resolutionen besprockien. An­genommen wurde ein Antrag Katzenstein auf Einsetzung von Kinderschutzkommissioncu. ferner wird nach längerer Debatte ein lucitercr Antrag Katzcusteins angenommen, der den abstinenten Mitgliedern der Partei zur Pflicht macht, sich nicht den abstinenten Organisationen, die auf bürgerlicher Grundlage beruhten, anzu- schließen. Dieser Antrag wendet sich namentlich gegen die Gut tcrnplcr-Logen. Thiele (Halle) begründet bann eine Reso­lution, die die von dec spanischen Negierung ge­troffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Widerstcmds- beivcgung gegen den Attrroklpfeldzug als grausame Greuel-, taten verdainmt und den spanischen Genossen, die int Kampfe gegen die psässisch kapitalistisä-c Wcltherrsä-aftsideeu so große Opfer gebracht, brüderliä) c Grüße ausspricht. Ein Antrag Dortmund-Hürde, diejenigen (Genossen, die weiter an denSozialistiscl^en Monatsheften" mitarbeiteten, aus der Partei auszuschließen, tvird zurückgezogen. Ein Antrag Saar­brücken, wonach es den Parteitolporleurcn lurtersagt sein soll, Porträts oder Postkarten mit den Photographien lebender Partei genossen zu verbreiten, findet nicht die genügende Unterstützung. Dec Antrag Bensheim aus Einsetzung einer Kommission, die die Streitigkeiten innerhalb der der Partei gehörigen Betriebe (Drucken ien nsw.) regeln soll, wird abgelehnt. Breslau hat fol­genden Antrag eingebracht:Um so bald als möglich die Ein­führung von Tissidentenschulen zu ermöglichen, und dadurch die Zug end dem verderblichen Einflüsse des dogmutiscl-en Religions­unterrichts zu entziehen, empfiehlt der Parteitag den Partei­genossen dringend den

Austritt aus der Landeskirche."

Diesem Antrag widersprechen namentlich Vertreter aus dem rhei- niscl>-westfäliscyen Industriegebiete.

Hengstbach (Duisburg« bittet, über den Antrag zur Tages­

ordnung überzuaehen; seine Annahme würde für das Zentrum ein gefundenes Fressen bedeuten. Der Antrag widerfprecve ancN dem Parteiprogramm, das Religion alS Privatsache erklärt uabe Auch Klubsch (Dortmund) meint, daß man mit der Anna bine des Antrages dem Zentrum nur neue Waffen in die Hände geben würde. Der Antrag wurde dann trotz Befürwortung durch denZehn Gebolc"-Hoffemann (Berlin) mit großer Mehr­heit abgelehnt. lieber die

Stellung der Partei z u den Liberalen hatte bekanntlich am Donnerstag eine nochmalige Abstimmung über die Resolution Berlin 1 stattgesunden, die entgegen bei ersten Abstimmung die Ablehmmg der Resolution ergeben hatte Nunmehr hat Dittmann (Solingen) eine Resolution e«um­bracht, durch die die Wirkung jener Abstimmung, namcntlio der Eindruck bei der bürgerlichen Presse, als hätten die Revi sionisten einen Sieg davongetragen, abgeschwächt werden soll. Tic Resolution besagt, daß die Annahme jenes Antrages in keiner Weise eine Abschwächung der Dresdener Resolution über die Taktik der Partei bedeute. Für die Resolution stimmen auch die Revisionisten, da sie inkeiner Weise eine parteitaltifcbe Bindung für die Zukunft bedeutet", so daß sie angenommen wird Es folgen die W ahlen jii m Vorstan d. Insgesamt werden 326 Stimmzettel abgegeben. Zorn ersten Voi'incnde.i wird mit 326 Stimmen Bebel, zum zweiten mit 317 Stimmen Singer gewählt. ES werden sodann die Schriftführer und ur Mitglieder der Kontrollkommission gewählt.

Hierauf ergreift Singer das Wort zu seiner Schlu ß ansprache. Er sagte u. a.: Ich möchte cS offen anSivrechen, daß wir auch in Zukunft für den Pulsschlag und das Leben der Partei lebendige Anseinairdersetzungen nötig haben werden In den Beschlüssen zur Maifeier komme zum Ausdruck, daß die Sozialdemokratie diese nicht mehr totmachen lassen wolle Die Aufgaben, die wir von diesem Parteitag mitnehmen, sind Agitation, Organisation nnd Propagierung unserer Ziele. Treten Sre auch dafür ein, daß die Anforderungen, die mir an den Gegenwart-st aat stellen, mehr alS bisher Erfolg haben. Große Aufgaben stehen unS in Zukunft bevor: in Preußen der Kampf gegen das Dreiklassen Wahlrecht. Gelingt dessen Beseitigung nicht, so müssen die Demonstrationen dagegen einen Umsang und eine Schärfe annehmen, daß den Gewalthabern die Augen darüber ausgehen, wie die Arbeiterschaft über ihre schändliche Politik denkt. Gehen wir an alle Ausgaben heran eingedenk des Wortes von Liebknecht: Immer in der Offensive, niemals in der Defensive!" >

Darauf ging der Parteitag unter dem Gesang der Arbeiter- MarseillaiseWohlan, wer Recht und Freiheit achtet!" aus einander.

Die Zahlt öcs Zeppelin III nach vüffeldorl.

Frankfurt a. M., 19. Sept. Das LuftschiffZ. III" hak pünktlich um 6 Uhr bei ziemlich starkem Regen seine Fernfahrt durch das Rheinland nach Düsseldorf angetreten. Da» Luftschiff schlug in sehr schneller Fahrt die Richtung nach Schwan­heim ein und fährt dem M ein* und Rheintal entlang. Wenn das Wetter sich später anfklärt und durch den Benzinverbrauch eine Erleichterung eingetreten ist, wird man in die beabsichtigte Route einschwenken, dem Aggemtal entlang nach Werdohl. Die Führung des Luftschiffes hat Dbcringcnicur Dürr übernommen. In der vorderen bezw. Hinteren Gondel befindet sich die übliche Besatzung. An der Fahrt nehmen teil: Gras Zepveltn jr., Direktor Eolsman, Oberbürgermeister Marx - Düsseldors und Fabrikant Berg Evekingen, der der Luftschiffbau-Gesellschaft daS Aluminium liefert.

Rübesheim, 19. Sept. Das Luftschiff hat um 7 Uhr 40 Min. unsere Stadt passiert. Es kam von Ingelheim, gütg dann vor der Rochuskapelle vorüber und wandte sich Binge n zu, den Biegungen und Krümmungen des Stromes folgend.

(£ a u b, 19. Sept. Das LuftschiffZ. III" hat um 8 Uhr 30 Min. unsere Stadt passiert.

(5 t. Goar, 19. Sept. Das LuftschiffZ. III" passierte um 9 Uhr St. Goar.

Koblenz, 19. Sept.Z. III" wurde um 11 Uhr 10 Miu. in jwblenz gesichtet und fährt in der Richtung auf Neuwied und Bonn weiter.

Neuwied, 19. Sept.Z. III" passierte um 11 Uhr 30 Min. in langsamer Fahrt Neuwied in der Richtung auf Bon ii.

Andernach, 19. Sept. (11 Uhr 35 Min.) Das Luftschiff

kleines Feuilleton.

Düs

Die Verwaltung der S e n k c n b e rg is ch en Vaturforf chendeu Gefellschaft in Frankfurt a. M. hat an die durch den Tod des Prof. Dr. F. RÖmer erledigte Direktorstelle ihres Museums den außerordentlichen Prosepor der Zoologie und Abteilungsvorstand des zoologischen Instituts der Universität Leipzig, Dr. O. L. zur Straßen, berufen.

Düsseldorfer Musikbrief.Elga" als Oper. Aus Düsseldorf, 15. September, wird MS geschrieben: Zur Ur aufführmra gelangte gestern im Düsseldorfer -stadt- thcater die zweiaktige OperE l g a' des au* P^^üstammenden Komponisten B. Lvovskh. Mer lehnt liefern dem von 'hm selbst verfaßten Libretto nicht an HäUptmannv Aarama an, wndern an den Gcülparzersckfen Urstoff, die Nov^e Klo er bet Sendomir". Aus ihr. greift er die ^Lwbes rapoäie heraus mG bringt sie in kurzgefaßter fesselnder Darstellung auf Bühne. Der erste Akt veranschaulicht das Fest, welches Graf ^arzenskr ui Ebren feiner Gattin Elqa veranstaltet. Unter den Gasten de- »M&i, «go» Loendirm-Nd mu> dom

sie durch die Ztvangsheirat mit dem alten, reichen Grafen ge trennt wurde. Sie verabredet ein Stelldichein mit m m '?)r«n Gemackw, gibt sich fd)einbar dem 6-estesiubel mit »nüber Selben, ickulitlichkeit bin. singt und tanzt, bis sie ohnmackittg in oes Gatten Arme sinkt und von ihm in ihr Zimmer geleitet wird Während Starzenski seinen Gasten zuruckkehrt, ertvortet ^a den Geliebten und wirft sich ihm m heitzcr Liebe 'U die Arme. Storzeuski aber, der den jungen Gast un

zurück, von Argwohn und Elferiucht gegnält- Lf^

Aga, des Gatten Mißtrauen zu befchmchttgen, als ,»ch Og nski m feinem Verstecke verrät. Im 3i^itanipr lallt er und Elga wirft sich in Verzweiflung über die ^cke. aber

rächt und verbirgt die ihm angetane das

Zimmer in Brand setzt und nut der ungetreuen Gattin ven^oo in den Flammen findet. Zu dieser aufgebauten .)an ung schrieb Lvovsky eine warmblütige, fchlt^n, vo kSMmttchm Ton anschlagende, flämisch gefärbte Musik. und Rh

mus zeigen eine lebhafte Phantafic: die ~^ nc' .-rc . .. das Schicksalsmotiv, mit dem dtc chmmungsvo le Liwcrture ix ginnt, sind gut erhinbcn und geschickt ^rarbetted Die meisten der lyrischen Gesänge, besonders das große Ltebesduett, imd «n ungewöhnlicher Schönheit: ebenso das Orchefwr-lchcturn zweiten Auszuge. Auch die Festmufil verrat beit umt ' vollen Musiker. Die genial ungezwungen emgefugten, echten pR niichen Tänze verleihen den in einigen -teilen 1 ubite

ersten Szenen erhöhten Reiz. LvovsAs Orck)cster ffutfli, ohne modern zu sein. Der Ehorsatz ht dem Charakter des G z trertlid) angepaßt, schlicht, echt. Die 5miemcrong bt dänch Robert Leffler war glanzend; bte Beietzung der

Parttcit mit Helene Blumenthal, einer unübertrefflichen Elga, dem Polen Dr. Stourab v. Zawilowski (Starzenski), iliobert Hutt (Oginski) vorzüglich. Das Ballett wurde der bedeutenden Ausgabe weilgel-end gerecht, .Kapellmeister Alfred Fröhlichs Orck-cster, mit den vielbeschäftigten, hervorrageiideti Bläsern, zeichnete sich aus. Das Werk fand vor vielen Vertretern der Presse und Theaterwelt und dem aiuoejenden Komponisten eine begeisterte Ausnahme und dürste sich auf dem Spielplane behaupten. E. S.

Die Berliner Bildhauer und das Rigaer Nationaldenkmal. Im Wettbewerb um das Denkmal Peters des Großen in Riga, das zur Erinnerung an die vor 200 Jahren erfolgte Eroberung Livlands und Rigas er­richtet werden soll, ist jetzt die Preisvertetlung erfolgt. Bon den 58 Entwürfen war eine große Zahl au* deutschen Werkstätten hervorgegangen. Den ersten Preis erhielt ein Deutsch-Russe, Bildt) an er Alexander Baumann, in Reval geboren und an der Dresdner Akademie gebildet, jetzt Lehrer an der Slieglitzschen .ünnstschule in Petersburg. Den zweiten Preis erhielt ein Berliner Bildhauer Franz Pritel. Sein Entwurf ist cin Reiterbild aus hohem stilisiertem Sockel. Ter Entwurf von Prof. Wilhelm Wandschneider in Eharlottenburg erhielt den dritten Preis. Zwei Entwürfe wurden noch angekauft, die von Bildhauer Richard Schmidt-Kassel in Berlin und von dem in Riga lebenden F. Vlassat. Ta sie nicht der historischen Richtung trüge- hören, wurden zwei künstlerisch vielleicht noch hervorragen­dere Entwürfe von der Preisverteilung ausgeschlossen. Der Schöpfer des einen ist, wie die Kttnstchronit berichtet, Prof. Hugo Lederer, der Meister des Hamburger Bismarck. Er stellte den Kaiser lorbeerbelränzt in archaischer Imperatoren­gewandung auf einem einfachen Sockel dar, der die Mitte eiues kreisrunden, vorn als Ruhebank ausgebildeten Unter­baues einnimmt. Dieser Unterbau wird flankiert von den Figuren von Livland und Riga. Tie imponierende Sil­houette hätte sich! vorteilhaft in das Straßenbild einge­fügt. Eine ähnlich originelle Schöpfung, die den Kaiser auf einem Sockel von einfach wuchtigen Formen stehend bar- stellt, cin Werk des Berliner Bildhauers Konstantin Starck, blieb'gleichfalls von der Preisverteilung ausgeschlossen. Tie Ausführung wurde einem Berliner fr. astler übertragen, dem Bildhauer Richard Seb m i d t-Kasst Für den Sockel ist finnländ.scher Granit, für das Reite bild Bronze bestimmt. 2-05 Nationaldenkmal joU am 4. Lu^i, 1210 enthüllt werden.

Mendelssohn a l s Lehrer. Mendelssohn hot auch als Musikpädagoge Bedeutendes geleistet und in der Gründung des Leipziger Konservatoriums, der ersten mo­dernen Musikhochschule, eine rasch emporblühende und für alle späteren Konstrvalorien Vorbild!irl)e Anstalt geschaffen. Ader in der eigentlichen Lehrtätigkeit, der langsamen Aus­bildung und Entwicklung der einzelnen Schüler, fühlte er keine liefere Befriedigung.Ich habe mich durch wieder­holte Erfahrungen überzeugt, das; mir zu einem eigentlichen Lehrer, zum Geben von regelmäßigen, stufenweise fort­schreitenden Lektionen das Talent durchaus fehlt, sei es, daß ich zu wenig Freude daran ober zu wenig Gedulb bazu habe, kurz, es gelingt mir nicht," klagte er. Dagegen zeigte er sich als genialer Anreger den Schulern gegenüber, deren musitalische Erziehung bereits vollendet war und die nun für eigenes Wirken, eigenes Schaffen eines Helfers be­durften. Wie Mendelssohn einem solchen Musiker mit Rat und Tat zur Seite steht, das beweisen die Briefe des Kompo­nisten an einen den Jahren nach älteren, aber musikalisch viel weniger ausgereiften Freund, Wilhelm v Boguslawski, die Bruno Hake in derDeutschen sttuudschau" veröffent­licht. Boguslawski war ein tüchtiger Jurist, aber seine Liebe gehörte der Musik, und in der Welt der Töne suchte er den Staub der Akten von sich abzuschütteln. Mit dem jungen Mendelssohn verband ihn eine enge Freundschaft und so schickte er dem Vierzehnjährigen eine von ihm komponierte Sinfonie zur Beurteilung ein. In einem längeren sehr fachmännisch gehaltenen Antwortschreiben zeigte der Knabe, dem noch eine ganze Reihe niedlicher Schreibfehler mitunter­laufen, daß er in der Musik bereits viel erfahrener ist als in der Rechtschreibung. In einem freundlichen Schulmekster- ton erteilt er ihm seine Zensur und man glaubt in den pedantischen Prädikaten bisweilen die Tonart^eines formen» strengen und etwas unduldsamen Lehrers Zelter zu hören. Während er sich hier nur für den formalen Bau der Sin­fonie interessiert, legt er in späterenBriesen dasHauptgewicht auf die Instrumentation. Tas feine Gehör für die Seele der einzelnen Instrumente, das sich in seinen ersten beiden großen Instrumentalwerken, der Hebriden-Ouvertüre und der schottischen Sinfonie in so meisterlicher Tonmalerei ge­zeigt, leuchtet auch aus seinen Bemerkungen hervor, wenn er meint, in der musikalischen Schilderung einer stillen kühlen Nacht, dürften ihn nicht gleich die tiefen Oboen