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18.1.1909 Zweites Blatt
 
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Nr. 14 LWetteS Blatt

159. Jahrgang

Montag, 18. Januar 1909

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Dtr ..Sirhener KamMendNttter- werden dem »Anzeiger* oiennal wöchentlich betgelegt, da» EreUblatt ffil ö«» Kreis ließen iwetmal wöchentlich. Dttrantzwirtschastliche, Seite fragen" erscheine« mena'tidj eroeunaL

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhesfen

Rsiavonvdrmf ww> «nfeg Ser VrSdNch« Unwctiuätfl * Buch« unb Hietnbruckeret. SL Lange. Gieße«,

WebnMon, Expedition unb Druckerei: strcitze 7. ExvedtNon unb Verlag: e^f® 6L Redaktion:«^ 118. telZübutHn4etQer®iebau

Deutscher Reichstag.

188. Sitzung. Sonnabend, 18. Januar.

Am Tische des BundeSratS: v. Bethmanu.Hollweg. Das Haug ist schwach besetzt.

Präsident Graf Stolberg eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Miauten.

Da» ArbeitSlammergksetz.

(Zweiter Tag.)

Abg. Dr. HSffel (Rp.)'.

G? ifl- bezeichn end, daß gerade die angebliche Arbeiterpartei K»t exochcn den Entwurf am unfreundlichsten kritisiert hat, Bei meinen Freunden würde er ein ungeteiltes Lob finden, wenn nicht manche Erfabrungen der Vergangenheit den Beweis lieferten, daß gutgemeinte sozialpolitische Maß- nabmen die Hoffnungen nicht erfüllen. Auch wir erkennen an, daß di« Entfchewung für ArbeitSlammern und nicht Arbeiter- kammern das Nichtige trifft. Aber jedenfalls sind einige der von den Arbeitgeberverbänden vorgebrachten (Mnmbe gegen das Gesetz beachtenswert. Die Herren Sozialdemokraten können sich nicht entschließen, anzuerkennen, was von Reich, Staat und Kommunen für die Arbeiter geschehen ist: das er« schwer! ein gedeihliches Zusammenarbeiten. Das Gesetz allein tut nicht, der gute Wille muß da sein. Und da richte ich an die Sozialdemokraten die Bitte, das Ihrige zu tun; sie werden sehen, daß auch die Konfeevativeo efl nicht an sich fehler» lassen toabuu (StelfalL)

Abg. Behren- (Wirtsch. Bgy.)?

Die Gegnerschaft der Mehrzahl der Handelskammern nicht «He nehmen den unsozialen Standpunkt gegen die paritäti« sc^n Arbeitskammern ein, B. die von Bremen wird die Ar­beiter karmner ebensowenig retten wie der gestrige Gckwanengesang LegtenO. Ts ist unrichtig, daß »die Arbeiter" Gegner der Arbettskammei-n sind Dr« Sozialdemokraten repräsentieren poli­tisch und aewerlschastNch durchaus nicht ,bie' Arbeiterschaft. Die gesamte christlich'nationale Arbeiterbcwegr'ng, und daneben iibri» gc»i3 auch ein großer Teil der sozialdemokratischen, ist für Paritä­tisch- Kammern. In Westdeutschland, wo die Industrie am kräfligsten entwickelt ist, hat die sozialdemokratische Arbciterbe. weguna durchaus nicht die Vorherrschaft, da sind die Christlichen mindestens ebenso stark; ohne uns kann dort nichts unternommen werden; und gerade dort ist die Arbeiterschaft zum größten Teil für Arbeitskammern. Wir sehen in ihnen insbesondere den wich­tigsten vraktiscknm Ausdruck der Anerkenmmg der Gleichberechti­gung des Arbeiterstandes. Arbeiterkammcrn wären neben den kraft­vollen Gewerksckzaften, der denkoar besten Vertretung der einsei- trgen Arbeiterinteresien, bestenfalls überflüssig. In der Petition der bergischen Handelskammer wird bemerkt, in der Arbeiter- kammcr würden die Arbeiter uneinig fein, in der paritätischen Kammer dagegen eine geschlossene Gruppe da, stellen; man sieht, die Großindustriellen leitet der Gedanke, die Stoßkraft der Ar, beiterschaft zu zersplittern. ES ist doch ein Zeichen von Welt­fremdheit bei den Sozialdemokraten, daß sie übersehen, wie jetzt alles in der Arbeiterschaft dahin drängt, am runden Tisch mit den Unternehmern zusammenzukommen. Wer Streiks zu leiten hat, weiß wie schwer das zu erreichen ist; und da, wo durch eine gesetz­liche Institution diese Möglichkeit geboten werden soll, lehnt eine Gruppe, die die Arbeiter vertreten will, das ab! Beim großen Bergarbeiterstrcik ha! die größte Erbitterung unter den Arbeitern ja bte Ablehnung der Verhandlungen durch den bergbaulichen Ver­ein hervorgerufen. Wir halten die Pflege des sozialen Friedens nicht für eine Utopie. Zum mindesten totrb

da» Zusammenarbeiten in den Kammern erzieherisch nadj beiden ®eüen wirken. Kautelcn müssen dagegen gesclmffen werden, auch eventuell durch Strafbestimmungen, daß die Unternehmer die Tätigkeit der Kammern nicht unterbinden; diese müssen handlimgv- fährg sein, auch wenn die Unternehmer nicht Mitwirken wollen. Wir billigen die fachliche Abgrenzung mit örtlichen und territorialen Ausschüssen. Eingeführt werden muß in da» Gesetz die Wäblbarkeit der Beamten der Organisatio­nen. Mir haben in England Arbeitgeber au« der Hütten- und Montanindnstri« erklärt, daß sie die praktische Mitwirkung der Arbeitersekretäre gar nicht entbehren formen. Und wer bringt denn bei unS die Tarifverträge zustande, unter denen jetzt schon eine Million Arbeiter steht? (Abg. V öm e Iburg ruft: Ohne Arbeitskammernl) Ein großes Gewerbegericht besitzt eine Anzahl Arbeitersekretäre als Beisitzer, und der Vorsitzende deS Arbeit­gebervereins dort hat mir erklärt, daß die Arbeitgeber den größten Ater! darauf legen unb daß darcnrf die günstige Tätigkeit diese« Gewerb»'gerichtS beruht. Tie Einbeziehung der Heimarbeit in das Gesetz ist eine Notwendigkeit. Für oeu Ausschuß de? Ver- kchrSgewerbeS und der staatlichen Betriebe in gleicher Meise wie der Vergtverksverwaltung sehen wir keinen vernünftigen Grund. Die Ha ndlungSgehilfen haben die Befugnis, daß die an- gekündigten besonderen Kammern für sie fallen gelaßen werden könnten; denn in Bayern hat man sie an die HandelSkamnkern an» geschlossen und in Sachsen sind gleiche Bestrebungen im Gange. Ich bitte den Staatssekretär um eine beruhigende Erklärung

Wbtj. ßvleein (Pak);

Dte Rede bei Staatssekretär» hat durchschlagend gewirkt-, aber seine schönen Worte stehen mit dem Entwurf nicht ganz im Einklang, et ist nur ein sclSner Rahmen. Wir wollen A r b e i her Jammer n, eine reine Interessenvertretung der Arbeiter. Solange der Lohnarbeiter nichts ist als ein elender Lohn- fklave, al« ein Hungerlohnarbciter. ist der soziale Frieden doch nicht möglich.

Abg. Dr. Potthoff (Fr. vg ):

Da- bereitwillige Eingehen der Regierung auf die Kritik am ersten Entwurf läßt uns hoffen, daß auch die weiteren Verbcste- rungövorschläge des Reichstags bei ihr freundliche Aufnahme finden werden. Die paritätischen Arbeitskammern können und sollen keine Interessenvertretung bet Arbeiter sein. Darum schließen sie eine solche in Arbeiter kam mem aber auch gar nicht au». Einstweilen genügen freilich dazu die Gewerkschaften, denen zu unserer Freude der Staatssekretär gestern die höchste An­erkennung gezollt hat; er sollte nur die Konsequenz ziehen und sie endlich von den Hemmungen und Schikanierungen durch die Verwaltungsbehörden befreien. Mehr als die Ge­werkschaften könnten auch die Arbeiterkammern solange nicht leisten, als es Axiom der Regierung ist, sozialdemokratische Wünsche möglichst zu ignorieren. Wir haben eS hier also nur mit einer paritätischen Organisation zur Förderung des sozialen Friedens zu tun. Erforderlich ist eine Mitwirkung der Arbeits­kammern an den Tarifverträgen, die weiter geht als die bisherige Tätigkeit der Gewerbegerichtc. Mein Freund Barth hat die guten Wirkungen des EinigungszwangeS in Kanada selbst beobachtet. Weiter müsien die Arbcitskarnmern einen Ge­danken verwirklichen, den zuerst Naumann ausgesprochen hat, sie müsien die Ausführung und den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung in die Hände der Jnteresienten legen und eine Ma. schme zur Ersparung von Gesetzgebungsarbeit werden. Zu diesem Zweck brauchen sie freieste Initiative und volle Selbstverwaltung. Ist die Organisatwnöfreiheit der Arbeitö. kammern unbeschränkt, dann spielt auch die Frage der fachlichen ober örtlichen Gliederung nur eine untergeordnete Rolle. Mit

besonderer Freude begrüßen wir die volle Gleichberechtigung der Frauen beim Wahlrecht; noch vor wenigen Jahren muhten wir gegen da» Kaufmannsgerichtsgesetz stimm'n. weil der ReickStast in unverständlicher Rückständigkeit die Frauen entrechtete. Da» Wahlalter muß noch herabgesetzt und die Wählbarkeit der A» beiterfefretäre gesichert werden. Ganz unklar hat der Entwurf die Stellung der Arbeiter im Handelsgewerbe, der Werk­meister und der Handlungsgehilfen gelassen. Gerade diese Mittel­schichten könnten für den Ausgleich der Interessen sehr viel tun. Deshalb treten wir für Einbeziehung aller Angestellten in die. Arbe'tSkammerorganisation al6 gleichberechtigte Gruppe ein. will man das aber nicht, so muß man diese Gruppen vollständig au» dem Gesetz herauSnehmen und ihnen eine besondere Stammet schaffen. Und da bitte ich den Staatssekretär, unS schon jetzt seine Grundgedanken mitzuteil'n, damit wir sehen, daß cS sich dabei nicht um eine Art GesellenauSschuß bei der Innung handelt. (Beifall link».)

Direftor im ReichSamt de» Innern ltaßpar:

ES wäre verfrüht, wenn die Regierung schon jetzt positive Vorschläge ilbct die Behandlung der Handlungsgehilfen und Werkmeister machen würde. Es empfiehlt sich, zunächst in der Kommission eine Verständigung über die Grundlagen de» vor­liegenden Entwurfs her-ust-llen. Daun kann weiter gearbeitet werden.

Dbg. OlteltierhB (Zrnlr.)^

Gegensätze fische« Unternehmern und WrMtftfl sind außerordentlich scharf flnrorbm. Da« Arbeit «kammern werden sicherlich Besserung schaffen« damit der Arbeitskrieg nicht in Permanenz erklärt wird. Daö paritätische Zusammenwirken wird der Förderung be3 Friedens dienen. TaL hat früher auch der Abg. B e b e l anerkannt. (HörtI Hörti) Dav Leben besteht nun einmal ouS Kompromissen Der Staat»sekretär bat bedauert, daß im Reichstage bi« Großindustrie nicht twrtrtten |rt Arbeitgeber haben wir nun nachgerade genug hier. Wen« aoer die Großindustriellen hier nicht sitzen, so liegt da» cm tbrer anti­sozialen, arbeiterfeindlichen Haltung, bte zur Folge hat, daß sie bei den Wahlen keine Mehrheit auf sich vereinigen. Die christlich­nationale Arbeiterschaft nimmt den Entwurf gern entgegen, hoffentlich findet cc eine recht große Mehrheit. (SDelfäCL)

Abg. Severin, (So-.)

wesst die In der Debatte erhobenen Vor würfe gegen bfe Gozkaf- bemofratie zurück und vertritt die Forderung seiner Partei nach Arbeiterkammern,

Für Arbeitskammern fei die Sozialdemokratie nur zu haben, wenn ihnen Exekutivgewalt und Verwaltung», technische Aufgaben zugewicfen werden. Der Staats­sekretär erhoffe viel von der Aussprache zwischen Unternehmern und Arbeitern. Da sollte er als erster diesen Weg beschreiten. Es sei aber sehr fraglich, ob er zu dem nächsten» in Berlin statt­findenden Tabakarbeiter« und Vergarbeiterkongresie einen Ver­treter entsenden werde. In der Äommission werde die Sozial­demokratie Mitarbeiten.

Damit schließt die Diskussion.

Die Vorlage geht an eine Kommission von 29 Mit­gliedern. Der Präsident macht Mitteilung von dem Ablebeti bc5 Abg. Ruegenberg (Zcntr.).

Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Ikontag, 1 UTjrf Justizetat.

Schluß gegen 8 Uhr.

politische Lcsges;chan.

Die Fahrkartenfleuer.

Wie wir bereits Cur» mstgerestt, hat die NnawKbommission Och höchst bedauerlicherweise gegen die Aushebung der Fahrkarten st euer ausgesprochen. Nach der uns jetzt dor- Legenden 9Zationa(libcraIen Korrespondenz erklärte fid) das Zen- fcum gegen die Abschaffung dieser wenig sympat hl scheu und in ihrem sittaMetlen Effekt leider mißglückten Steuer und schlug vor, «s bei der Steuer zu belassen und nur eine Reform der Steuer vor- sunehmen, die am besten prozentual nMgelegt, die Abwanderung hindere und die früher veranlagten Einlwhmen bringe. Der Eisenbahn Minister gab selber zu, daß der Aufbau der Steuer ganz »ngeheuerlch sei, und beklagte die jchwitrdenden Elnuahmen durch rlbwanderung. Die Mißgrtffc bei der Einführung der Steuer, Lie ihm zum Vorwurf gemact-t würden, betritt der Minister. Interessant war es, daß ein Mitglied der Zentrums Partei als Ilafsischer Augenzeuge zugab, die jetzige Fahrkarten st euer Rei eine Arbeit der ver kündeten Regierungen und Her Abg. Dr. Becker habe nur den Namen dazu hergegeben. Die Steuer ist danach keine nationalliberale Erfindung. Kun nationalliberaler Seite wurde das besonders festgclegt unb »eiter erklärt, die Nationalliberalen würden der Fatzckartcnsteucr «eioiß keine Tränen nachweinen, sondern froh sein, sie auf- Heben zu können; aber in finanzieller Bedrängnis lönne die Beibehaltung wohl erwogen werden, ßo lange kein Ersatz geschaffen sei. Datut aber ,ei eine Reform dringend notig und die Regierung möge Vorschläge machen. Wie das Zentrum, so stellte auch die Sazialdeiiwkratie fest, daß mir die Vorarbeiten der Reichsregierung und die nicht richtigen Vorausberechnungen im Jahre 1906 die Annahme des ^-ahr- Ortensteuergesetzes durch die Ziompromißparteien verursacht wen inb, daß, nne es schon das Zentrum gesagt habe, die Eisenbahn- Eehörde zum wesentlichen Teil an der Diskreditierung, ja Ver­ekelung, dieser Steuer die Schuld trage. Die Frage des Reichs- sschatzsekretärs, wie man sich eine Reform denke, wurde anfangs «uÄveichcnd beantwortet; zum Schluß ivurde von frciilonservativcr 6cite ausgesprochen, daß bei einer Reform die Steuer aus sämt­liche Klassen auszudehnen sei. Die Abstimmung ergibt das sliösultat, «iaß die Regierungsvorlage abgelehnt wird unb der Antrag Speck, welcher Lautet: für den J-all der Aolehnunb deS § 4 die ver­bündeten Regierungen zu ersuchen, dem RerckMag einen Gejetz- mhuurf vvrzulcgen, durch welct>en eine Reform per Jahrkarten- kheuer heroeigeführt wird, Annahme findet. Man Fann nur Hoffen und wünschen, datz das Plenum des Reichstages sich diesem Beschluß der Kommission, die ^abrrartenfteuer nickst aufzuheben, iid)t auschließt.

Politische Jntriguen.

Tie Nvrdd. Allg. Ztg. sieht sich wieder einmal veranlaßt, gu der neuesten Hetze des Zentrums gegen den llteichskanzler Stellung zu nehmen. Tas offiziöse Blatt schreibt: Die mehrjach von uns behandelte Kampagne, die in einem Teil der Zentrums- Presse in den letzten Wochen gegen den Mick)skanzler geführt worden ist, veranlaßte ein ausländisches Blatt, zu einer Umfrage bei deutsck)en Parlamentariern. Unter den mitgcteilten Aeuße- cungeii befindet sich auch eine Bemerkung, derzuiolge einige hoi-e Militärs sich daran beteiligt hätten, dem Kaiser Anerbietungen wegen eines Kanzlerwechsels zu machen. Diese hohen Militärs, so wird weiter gesagt, könnten dem Fürsten Bülow nicht ver­zeihen, daß er nicht zu Beginn der Rlarokkoafjäre Abrechnung Wäi Frankreich gehalten habe. Zur Begrluümng dieser Angaben

wird jedoch nicist das mindeste beigebraast, oiicnbac weil sie tatsächlich unbegründet uiü) beweislos sind. Wir können des­halb die erwähnten Aeußerungen als haltlosen Versuch, Mitglieder der Armee der Teilnahme an einer politischen Zultrigue zu beschuldigen, nur lebhaft bedauern.

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Bund deutscher Redakteure.

Verhältnismäßig spur bauen sich nun auch die deutschen Re d-akteurvereine zu einem großen Versande zusammengctan, um ihre Staichesinteressen bester wahren und vertreten zu können. Zm Reichstagsgcoöude zu Berlin hat gestern eine Versammlung zur Griinbu ng einer allgemeinen Organisation zur Wahrung unb Förberung ber gemeinsamen Berufs- und Slanbesintereslen deutscher Re­dakteure staltgefuirden. EL luaren) 22 Delegierte der bedeutend­ster Journalistenvereine Deutschlands sowie 21 Vertreter von her­vorragenden Berliner- und Provinzial^eitungen, anwesend. In der lebhasten Debatte über die Zweckimchigileit einer solchen Organi- lation wurde die Gründuirg eines reiu-soeutschen Verbandes mit allen gegen eine Stimme, wooci sich viele der Sfimme enthielten, angenommen und für die neue Vereinigung der NameB und deutscher Redakteure" gewählt. Nach rnehi.stündiger De­batte über die Satzungen des Bunvcs, in ber die Frage bvr Fest­setzung des Mitgliederbeitrages und der Bercinsziveckc eine der wichtigsten Punkte bildeten, wurden die Statuten mit unerheblichen redaitionellen Abänderungen en bloc angenommen, unb zur Wahl eines pcoviwrischen Hauotvorstand^s geschritten, ber die Geschäfte bis zur nächsten, zu Ostern katliiitbenovn Delegierten Beriaimw lung vertvailet. Der Hauptvorstund fetzt fick) zuzusarnmen: Aus dem Vorsitzenden, zu dem der Ehesredalleur derKreuzzeitung", Ministerintbirektor Dr. Hermes cinflünnitg gewählt würbe, brei stellvertretenden Vorsitzertden, besteheno aus dem Chefredakteur octGermania", ten Brink, dem Chefreoakteur desHamwv. Courier", Dr. Jacoby, und dem R>.baLieur derFrankfurter Zeitung", Giesen, zwei Schriftführern, den Redakteuren Böckler und Arendt, dem Sckiatzmeister Ehcsre.akteur Curt Bioßuncr so­wie den drei Delegierten, Chefredakteur derf/tenen Baden L'anbcg- zeitung", Sck-eel, Jeslo, v. Putlkamer vom Bercm Dresdener Presse, und dem Herrn Graß wurm vom Verein hes­sischer Redakteure. Ferner sicht das Statut die Ernennung von Delegierten für die llnterorganisation vor, die beredjiigt sind, auf je WO Mitglieder einen Abgeordneten zu entsenden und ferner, von drei Vertretern der Einzelmitglieder. Die iiäd/fle Delegierten-Versarninlung findet zu Ostern uatt und soll auch denjenigen Organisatwnen die Vertretung im Hauptvorstand ermäglichett, die euistiveilen sich den Eintritt iwch voroehattcn l-abcn. Einsstveilen aogelehnt hat den Beitritt leoigiich der schle­sische Provinzialverband. Die Bedenken, die von Seiten anderer bestehender Organisationen zu in Ansorucl kamen, wurden in der Hauptjache bereits beseitigt. Wir wünschen dem Bunde deutsck-cr Redakceure ein gedeihliches Wirken.

Die revolutionäre Bewegung in Portugal macht twtz oer o!,rzi»-ieu Uuuuanudy^aiuu/i Ov..iumritte. Dii titannierciLben Naa>i.iu,ten, die cm Donoow r B.att aus Kissabou brackste, wcroen oura) eine Depesche desMoruing 2uQucr" be­stätigt. In den .vuusern einiger befounter Republikaner haben Die Belwrden große Mengen von Wassen entdeckt. Aus Listabon kommt die Meldung, von Unruhen in Alijo unb Regoa, wo es zu einem regclreclsten Ka-urpfe zroischen ber Bevölkerung und ben Truppen flam. Die Erregung ist durch ixe schon lange dauerube

Krisis im Weinbau vernrfacht. Die Zage ber ganzen Ducrogebiet« flößt cnifte Besorgnisse ein, cs stchen neue Lbrawalle bevor. 3n 2Porto sind alle Lkundgebungen ueriwuii luoroen; auch ut Lissabon dauert die starke politische Spannung an, da geiviue Elo- mculc den jungen König zu einem Militärregimeut dräng«! mögen. Die geplante Anbcinguna eines Dcnksvcinü an der Stelle wo der Königsmord stottfand, stößt in oer Beovckerung auf Wider­stand, daher wird der kommende Jahrestag des KönigSmordes, der 31. Januar, als kritischer betrachtet.

Uiirpsuschertum unö Naturheilkunde.

Im Gecichtssaal vieler Zeitungen wurde dieser Tage orbo ct urbi wieder einmal verkünoet, daß der Natur.- h e i l k u n d i g e P. M. der Name tut nichts zur Sache tvegen Betrugs unb unlauteren Wettbewerbs zu ö Monaten Gesänanis verurteilt wurde. Es ist bas heutzutage üblich geworben, jeden Kurpfuscher unb Heilmittel- ch w i n d l e r der Natur Heilkunde in die Schuhe zu schieben, wie umgcidjrt auch jeder Kurpfuscher und Heilmittelschwindler sich mit Vorliebe den Titel N a t ur h ei l k u n di ger zulegl. Wie die Ralnrheilkunde die seitens der Schule bestgehaßte Heilmethode ist, weil sie mit den Lehren der Medmin und iusbcsoubere der Gifl- millellehre, Jinvsdogma, Bazillenfurcht usw. im schärfsten Widersprach 'stiehl und iit hen weitesten Kreisen des Bolkes Verbreluug gefunden hat, so benutzen gerade die echten Kurpfuscher und Heilmittelsihwiudler die Nalurheilkunde als ihr zugkräftiges Aushängeschild, eben weil die Natur- Heilkunde in den weitesten Kreisen sich das größte Drsehen erworben hat. Unb diese Tatsache eines schnöden Miß- 'bcauches durch Schwindler aller Art läßt sich von den Vor- lämpsern gegen die gesetzlich heute herrschende Kurierfreiheit vorlrefflicr, ausnützen; ein bißchen I-esuilismus beruhigt bas Geioisseu unb bte Raturtzeiliuube wirb bann als Kur­pfuscherei ßebranbrnarlt unb mit all den Meinen und großen Heilmittelschwindlern schön in einen Topf geworfen. In Wahrheit gibt es leinen schrofferen Gegner des Kurpfuscher­tums, des Gistheilmiltei' und des Geheiinmitteluuwescns als die Naturheillunbe. Sie Hal nrit al leb em auch sachlich nicht die geringste Verwandtschaft, während die Schulmedizin, iusßesonbere in der Arzneimittellehre mit dem Heilmittel- schwtubel und dem Geheimmittelunfug sehr nahe verschwä­gert ist. Tausende von neuen Heilmittelkontpositionen wer­ben jahraus, jahrein unter klangvollen Namen unb mit zahlreichen approbierten Attesten versehen auf den Markt geworfen. Ja, ja, es wird gesündigt inlra et extra muros!

In der Bewegung gegen die herrschende schrankenlose Kurierfreiheit ist es seitens der Su-ulmeoizin gan^ tveseut- lich auf die iliatnrheiltunde abgesehen. Zwar nimmt sie heute für sich das Beroienst in Anspruch, längst vor der Naturheilkunde schon alle die phyjila.isch-biälctischen An­wendungen gekannt zu haben und gräbt aus alten längst- verjckwlieneu Schartcten Einzelheiten l>ervor, die dafür bat Schein eines Zeugnisses abgeben sollen, aber wer cs ernst nimmt unb sich als Arzt zur Nalurhcilt'unde bekennt, der ivciß ein Lied davon zu singen, wie die Herren von der hohen Schule ihm mrlfpielen und ihn am liebsten mit bat