Ausgabe 
18.1.1909 Erstes Blatt
 
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von Beamten der Kongokolonie bestimmt seien.

bestimmt seien. Er wies zur mit dem amtlichen Siegel des I

rurjjcnrat Weber, einer der geilem im hohen Alter von rat in unserem Orte 32 Jnhre ii 10 Jahre tätig. Aor drei Piarrerjubilamn begehen.

.eine morgen Harb 5 Uhr Nebengebäude des Gasttvirts ?j Weiß nieder. Das Vieh nöcn Gebäude konnten ge-

jraulein dem Aussterben geweiht zu sein. Die auto­matische Telephonzentrale arbeitet nämlich völlig ohne Ein­greifen irgend eines Beamten auf dem Amt; der Tele­phonierende selbst stellt mit wenigen Handgriffen an seinem eigenen Apparat die gewünschte Verbindung her. Vor­läufig sind, wie uns geschrieben wird, an die Zentrale in Lyon nur 60 Abonnenten angeschlossen; bald aber soll die Einrichtung aus 300 Anschlüsse ausgebaut werden. Der rutomatische Anschlußapparat ist eine Erfindung der Brüder Lorimer, die in ihrer Heimat in Kanada, bereits seit längerer Zeit in ziemlichem Umfang benützt wird. Die Maschine arbeitet völlig selbsttätig^ und unbedingt sicher. Unter jedem Telephon ist eine Schalttafel mit Zahlen­labellen angebracht, auf denen man mittels einiger Hebel­griffe die gewünschte Verbindung sofort einftellen tann.

* Eine reizende Episode, die ein heiteres Licht -in unsere ländlich-friedlichen Verhältnisse wirst, ereignete jich, so berichtet die Eis. Tagespost, während des Nach­mittagsgottesdienstes am Neujahrslage im Dorse K. Sitzt La unter der andächtigen Gemeinde auch der greise Schäfer A., der schon an bie 80 Jahre zählt. Ihn friert, denn Lie Kirche ist ungeheizt, und die Predigt scheint noch immer lein Ende nehmen zu wollen. Da rasst er seine Lebens- Geister zusammen upd ruft in kindlich bittendem Tone zum Prediger aus der Kanzel gewendet:Herr Pfarr', härns'n .m uff, mich sriert's gar z'sehr!" Und wirklich erhört der

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Lditternug für Hesse» am Dienstag den 19. Januar: Melst heiter und trocken. Leichter Frost. Westliche Winde.

« Frankfurt a. M., 16. JaN. Das Prosrdiüml der ÄervnautischeN Ausstellung hat Geh. Kommerzienrat 2r. Leo Gans übernommen. Der technische Direktor der Aus- ffiellung, Major von TsckMbi, ist z. Zt. in Berlin für die Interessen 8er Ausstellung tätig und begegnet bei den Zentralbehörden und Interessenten den wärmsten Sympathien für das Unternehmen. Er wird Anfang nächster Woche hierher übersiedeln und das Ans- itellungs-Bureau einrichten. Der Gastwirt Emil Fischer, ter gestern abend mit drei Maurern aus Dortelweil und Vilbel, :ie sich ohne Bezahlung entfernt hatten, in Streit geraten war irnd durch mehrere Messerstiche verletzt wurde, ist im Llisabethen-Krankenhaus heute nacht seinen Verletzungen erlegen.

h. Limburg, 16. Jan. Der Uebernachtungs- r a u m für Arbeiter und der E i l g ü t e r s ch u p p e n der E i s e n- bahnslation sind in der vergangenen Nacht nieber­ge brannt. Die Güter wurden gerettet, dagegen sollen Papiere der Bahnmeisterei bei dem Brande vernichtet worden jein.

* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Jl n d) b a r rt q a t e n. Nadi Anft'mden seiner Zigarre warf in Kefenrod der Sohn des Ortsdieners das nod) brennende Streich­holz leichtsinniger Weise weg, ohne zu bemerken, daß^es in das Stroh des Stalles fiel. Nach einiger Zeit standen die Stallungen und die Scheuer des Landwirts Betz in Hellen Flammen und brannten vollständig nieder. In Queckborn will man eme Badeanstalt anlegen und zwar in der Nähe des Gießener Wasieiwerks. In dem Spritzenhaus zu Laubenheim, das auch aülgegriffenen Landstreichern als Asyl dient, erblickte vor -inigen Tagen ein Zigeunerkind das Licht der Welt, lie Mutter wurde kurz ehe der Storch sich einstellte auf der Straße gesunden und in das Spritzenhaus überführt.

einen Brief eingesteckt und warte aus die Antwort." Kleine Tageschrontk.

Die Firma Mathias Stinnes beging heute ihr hun­dertjähriges Gc. s chästsjubiläum.

In Osterode in Ostpreußen imitete eine große Feuers­brunst ht dem Stall der 3. Eskadron des 5. Kürassier-Regiments in Teutsch-Eylau. Die scheuen Tiere rasten durch die Stadt. Viele ivttrben verletzt, 6 sind tot. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Kürassiere und ein Feuerwehrmann verletzt. Große Futter - vorräte und viel Sattelzeug wurden ein Raub der Flammen.

Ter Kaiser von Oe st erreich hat der Königin von Italien das Großkreuz des Elisabethordens ver­liehen.

Infolge einer Wette trank der Bergmaim Kleinert in Laurahütte bei Beuthen in Schlesien zwei Liter Branntwein binnen einer Stunde. Er starb nach kurzer Zeit.

Der Tunnel bei Mehren in der Eifel der int Bau befindlichen Linie Tann-Wittlich stürzte bei der Nachtarbeit ein. Ein Arbeiter war sofort tot, vier andere wurden schwer oe rletzt, einer von ihnen ist bereits im Krankenhcmse ge­storben.

In der vergangenen Nacht sind in Messina wieder meh­rere Erdstöße wahrgcnommen worden, ixt runter ein heftiger unt 12 Uhr 45 Milt., tne verschiedene Mauern zum Eiicsturz ge­bracht haben.

In Petersburg wurden 34 neue Cho lerafalle fest- gestellt.

In einem' Hotel in Petersburg erschoß sich gestern der persische Prinz Oberst Shach Khan, Kommandeur des 15. Dragoner-Regiments in Plotzk, der wegen Unannehmlichkeiten gezwungen war, kürzlich den Dienst zu quittieren.

Das Kolosseum in Bv st o n, wo eine Automobilausstellung statt fand, wurde burdj Feuer zerstört. Drei Chauffeure kamen in den Flammen um, 25 Feuerwehrleute wurden säpoer verletzt. Der Schaden wird auf drei Millionen Dollar geschätzt.

Aus Kalifornien werden große Ueberschwem- mungen gemeldet, die bedeutende Verwüstungen hervorgerufeck haben. Die Stadt Bakersfield ist Don der Vernichtung be­droht.

Bei dem Zusammenstoß eines Passagierzuges der Denvev-Rio- Grand-Eisenbahn mit einem anderen Zuge bei Glenwoot Springs wurden 21 Personen getötet, 40 verletzt.

i f> Kinäe r ündKrah ke

Handel

Schrammsche Lack- u n d Fa r b enf a b r if c n in Offenbad) a. M. Diese Gesellsck)aft erzielte einen Reingeiviiin von 394 225 All. (375 790Mk.) und die Dividende ivird wieder mit 15 Proz. vorgeschlagen.

Waren-Ein- und Ailssuhr bet bereinigtem Staaten. Die Waren-Eiilsuhr beziffert sich im Kalenderjahr 1908 auf 1 116 402 000 Doll, gegen das Vorjahr weniger 307 Millioneir Dollars, unb bie Wareiiausfuhr ans 1753 308 000 Doll., weniger 17 018 000 Doll.

b. Friedberg, 18. Jan. In dem benachbarten Klöp­pe n h e i m landete gestern mittag kurz vor y?2 llhr ein B a llo u des Rheütischen Lustschifseroereins, der um 1/2II Uhr in Bonn aufgestiegen war. Von den drei Insassen stteg einer aus, worauf der Ballon erneut ausstieg unb in östlicher Richtung weiterflog.

Paris, 18. Jan. T^r Finanzmotisrer beauftajtigt, zur Deckung der notwendigen Ausgaben für das Arbeiter- Versicherungsgejetz eine Zuschlags st euer aus Erbschaften in Vorschlag zu bringen.

Paris, 18. Jan. Ter Eclair meidet aus Bern: Di« Boykott-Bewegung macht schnelle Fortschritte. Das Komitee der Handelsbörse hat eine Zuschrift aus Mannheim erhalten mit der Bitte, gegen die Boytottbewegung ein­zuschreiten. Man hofft au, eure baldige Einiguirg mit Deutschland. Ter schweizerische Bundesrat warte auf den neuen französischen Zolltarif und will nidjt gleichzeitig einen Zollkrieg mit Deutschland und Franrreich beginnen. Sollte ein Zollkrieg mit Frankreich ausorechen, dann wurde die Schweiz aus der lateinischen Union aus­scheiden.

New-A0rk, 18. Jan. Präsident Roosevelt hat eine Verleumdungsllage gegen die World angestrengt wegen der Veröffentlichung über den Rückkauf des Panama- Kanals.

^automatische Telephonzentrale" legt gegenwärtig in Lyon , -ihre öffentliche Prüfung ab. Damit scheint das Telephon-

GerictztsßaaL.

ZchSffengertchtssitzung Gießen Dorn' 15. Jan. 1909.

Diebstahl. Der Knecht K. B. in Gießen fuhr mit seinem 5uhrwerk durch den Tiefenweg, unterwegs sah er ein Huhn ms der Straße Herumlaufen, welches er ernfmg unb in einem Mttersack verscl>winben ließ. Tas Gericht erkannte wegen Dieb- Whl auf eine Woä)e Gefängnis.

Glücksspiele. Ter Wirt I. N. tn Gießen hatte sich -wegen Duldung von Glücksspielen (Mauschelspiel) zu verantworten. Dicserhalb wurde er zu 15 M. Geldstrafe eventuell 3 Tage Ge- ängnis verurteilt.

Betrug. Die Ehefrau E. H. hier kam' zu einem Armen- -slegcr und bat ihn unter Vorspiegelung falscher Tatsachen um ine Unterstützung von 5 Mark für ihren Vater. Das Gericht i kannte auf 5 M. Geldsttafe eventuell 1 Tag Gefängnis.

*

F. C. Frankfurt a. M., 17. Jack. Vock einem ihm fremden weisenden kaufte der hiesige Metzgermeister Georg Ackermann in Präparat zur Konservierung von Hackfleisch unt i o o ft b e e f. Bei einer Untersuchung stellte es sich heraus, das Mittel eine schweflige Säure unb Borsäure ur Konservierung von Fleisch äußerst bedenklich ist. Las hiesige 'Lckösfengericht verurteilte gestern den Metzgermeifter wegen eines heblick)cn und fahrlässigen Vergehens gegen das Nahrungsmittel- -gesetz zu einer Geldstrafe von 75 M.

Würzburg, 16. Jan. In der Prozeßsache der sogenannten lnspacher Gruppe gegen die BayrischeBoden-Kreditt Anstalt Würzburg wurde heute morgen laut Würzburger General-Anzeiger folgendes Zwischenurteil verkündet: Tie Kläger August Menges in Frankfurt a. M. und Nathan in Paris Haben gesamtverbindlich der beklagten Aktiengesellschaft eine Sicher Idt von 3 Mill. M. zu leisten. Diese Sicherheit ist binnen dre. Äochen zu hinterlegen.

Lübeck, 16. Jan. Die Strafkammer verurteilte den hiesige^ sozialdemokratischen Redakteur Stelling wegen Beleibigung bei llnteroffijiere unb Offiziere bes preußischen Heereskonlingenls zu einem Atonat Geiängnis. Der Angeklagte hatte einen Vorwärts LIrtikel über Solbatenmißhanblungen, betiteltSchmberknechte" ab- ^druckt. Die gleiche Anklage schwebt gegen mehrere Siebafteuri in verschiedenen Stäb len Deutschlands.

Märkte.

ic. Frankfurt a. M., 18. Jan. (Orig.-Telegr. desGieß Anz.") AmtlicheNotierimgen ber heutigen Fruck)tmarktpreise. Weizen Alk. 21.0021.25, Kurhessischer Ätt. 21.50-00.00, La Plata All. 94.2524.75, Kansas Mk. 24.2524.75, Roggen (hiesiger) Pik. 17.2517.50 Gerste (Wetterauerk Mk. 18.5019.50, Franken- selber Mk. 17.5018.00, Hafer 16.5017.50, Mais Mk. 17.2517.50. Weizenmehl Mk. 31.5032.00, 0000, 2. Qualität Mk. 30.50 bis Bit. 31.00, 3. Qualität Bit. 29.0030.25, .Roggenmehl 0

Mk. 27.7528.00, 1.Qualität Mk. 26.7527.00, Weizenkleie Mk.9.75 bis Bit. 10.00, Roggenkleie Atk. 10.5011.00, Maiskeime Mk. 12.50 bis Bit. 13.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk.00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

le. F r a »i k f u r t a. M., 18. Jan. (Telegr. Orig. - Berick)t bei Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen ber heutigen Viehniarkt- preise. Zuni Verkaufe flaiiben: 592 Ochsen, 108 aus Oesterreich, 57 Biillen, 00 m,s Oesterreich, 1093 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 365 Kälber, 378 Schafe unb Hammel, 1607 Schweine, 0 Ziegen, 0 ZiegenlänlNler, 00 Schallämmer. Bezahl! würben für i00 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1. Qualität 7478 Alk., 2. Qualität 6870 Mk., 3. Qualität 5860 Alk.: Bullen: 1. Qual. 6466, 2. Qual. 60-62; Kühe 1. Qualität 08-70 Mk^ 2. Qual. 5860 Mk^ 3. Qual. 4648 Mk^ 4. Qual. 0000 fDlL, 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für bas Psunb Schwcht- gewichl: Kälber 1. Qualttät 90 bis 95 Pfg., Lebendgewicht 5357 Pfg., 2. Qualität 7584 Pfg., Ledeubgelvicht 4550 Pfg., Schlad)tgeiv. 6660 Psg.; Schafe: 1. Qual. Schlad)tgeiv. 70 bis 00 Pfg., 2. Qual. 5658 Psg. Schweine: 1. Qual. 7172 Pf., Lebendgewicht 5656,5 Pf., 2. Qual. 7000 Pf., Lebendgewlcht 50,0o5,5 Psg., 3. Qu al. 6368 Psg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bet Hornvieh schleppend, Ueberstand unbedeutend; bei Klemvteh gut, kein Ueberstand.

Bekräftigung dieser Aussage eine mit dem amtlichen Siegel des Finanzministeriunts versehene und mit einer Unterschrift gegen» gezeichnete Urkunde vor, wonach eine Bestellung zu einem Betrage von 10 000 Frauken gemacht wurde. Die Bezahlung sollte an der Kasse der Staatsschulden nach Lieferung der Ware und gegen Vorzeigung der erwähnten Urkunde erfolgen. Der Kauf kam zustande und der Beauftragte des Ministeriums übernahm das gattze Schuhwarenlager in Bausch und Bogen. Am ^amstaa morgen erschien der Käufer wieder in dem Geschäft und gleich darauf ftihren zwei Möbelwagen vor, in die bie Waren verladen wurden. Nachdem dies geschehen, setzten sich die beiden Ge­lpanne in Bewegung, um nach Antwerpen zu fahren, wo die Sendung nach dem schwarzen .Erbteil eingeschifft werden sollte. Als der ausgekaufte Schuhwarenhändler sich allein in seinem leeren Laden befand, stiegen thnt plötzlich Zweifel an ber Richtigkeit oes abgeschlossenen Geschäfts auf. Er lief eiligst zu einem Mch- var, dem er bie fragliche Urkunde zeigte. Dieseut kam das Schrift­stück nicht ganz richtig vor unb er gab seinem Freunde den Rat, er solle sich an einen 'Anwalt wenden. Das tat der Schuhwaren- händler. Der Anwalt begab sich mit ber Urfunbe sofort ins Finanzministerium, wo man ihm erklärte, daß das Ämtssiegel uachgcmacht unb ein Beamter des Namens, wie er auf dem Schriftstück unterzeichnet war, dort gänzlich unbekannt sei. Nun setzte sich ber geprellte Geschäftsmann auf bie Eisenbahn, fuhr nach Antwerpen unb klagte der Polizei fein Leib. Nach inehr­tägigem Suchen gelang es auch wirklich einem Geheimpolizisten, oen Gauner aufzufinden unb zu verhaften. Es wurden bei ihm noch für ungefähr 4000 Frairken Waren vorgefunben; der Ver-

gütmutige Pastor das Flehen des Greises und sagt schnell Amen. Aber was ist das? Statt daß die Orgel nun zum Liede erbraust, bleibt's stumm und kalt in der Kirche. Alles schaut und guckt nach dem Organisten und dem Luft­macher. Die aber waren nicht zu entdecken. Sie waren längst in ein warines Nachbarhaus geflüchtet, um dort die gewohnte lange Predigt abzuwarten, nicht ahnend, daß der Schäfer heute ein frühes Amen gebieten würde. Der Pfarrer aber faßte sich schnell. Ein paar Schritte zur Orgel, ein Schulbub tritt die Bälge und brausend tönt's durch das Kirchlein bald:Das alte Jahr vergangen ist. . ."

* Max und Moritz im Elsaß. Jugendstreiche und ihre Folgen, wie sie Wilhelm Busch inMax und Moritz" schildert, find anscheinend unlängst in dem oberelsässischen Flecken Sulzmatt wieder auferstanden. Dort lebte, wie dem Tag" gemeldet wird, ein biederer Schneidermeister, der oft die Zielscheibe des Spottes zweier Schulbuben bildete. Je mehr er sich über die Jungen ärgerte, um so kecker wurden ihre Streiche. Eines schönen Tages, als der Meister wieder am offenen Fenster arbeitete, warfen ihm die Jungen eine Streichholzschachtel mit Papierschnitzeln an den Kopf. Da riß dem Merster die Geduld: Behende sprang er aus dem Fenster, faßte den Uebeltäter am Kragen, trug ihn in seine Wohnung und legte ihn dort auf das Plättbrett, ergriff das geheizte Bügeleisen und bügelte dem jungen Missetäter die Hosen, wöbet der darunter befindliche Körperteil aller­dings arg verbrannt wurde. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Junge vier Wochen lang nicht sitzen konnte. Sein Vater verlangte deshalb Bestrafung des Schneider­meisters wegen Körperverletzung. Das Schöffengericht, das sich mit dieser tragikomischen Angelegenheit beschäftigen mußte, berücksichtigte, daß der Schneiderineister arg gereizt worden war und erkannte deshalb nur auf eine Geldstrafe von fünf Mark.

* Ein freches Gauner stück check. Kürzlich fand sich in einem Schuhwarenladen ber Rue des Pvissonniers zu Brüssel, wie derKöln. Ztg." gemeldet wird, ein elegant gekleideter Herr ein, der sagte, er sei vom Finanzminister beauftragt, bedeutende Einkäufe in Schuhwaren abzuschließen, die für bie Ausrüstung

Vermochte».

Die Th'eaterrefvrm, die sich gegenwärtig in Japan vollzieht, hat mit der Gründung einer dramatischen Akademie, bie teungiaixm mit den Meisterwerken der dramttischen Literatur Red Auslands bekannt machen soll, den ersten entscheidenden <X5d)ritt getan. Wie demGil Blas" aus Tokio berichtet wird, hat inbefien gleich her erste Schritt bei Presse unb Publikum leb­haftes Mißvergnügen erregt. Ten Ausgangspunkt der reform- fßindlichen Bewegung bildet der Vortrag über ShakespearesRomeo ninb Julia", mit dem ber auf den Lehrstuhl für englische Sprache nnb Literatur berufene amerikanische Professor seinen Vorlefungs- Zyklus eröffnete.Was soll uns das?" entrüstete man sich auf ber ganzen Linie.Ein Balkon, eine Serenade, eine Strick- Ilsiter, und, um das ganze zu krönen, bie unanständige Kusserei! «Es ist ein ausgesprochener Unfug, das japanische Volk mit der- icrtigen Liebesabenteuern zu unterhalten, die [einer sittlichen Vor­stellung so wesensfremde Begriffe sind, datz es ber Geschichte völlig verständnislos gegenüberstcht. Tie japanischen Häuser Sennen überdies keine Balkons unb nächtliche Serenaden sind Defterhin auch eine Form der musikalischen Huldigung, deren Sinn die japanische Frau nicht zu erfassen vermag. Was vollends ten Kuß anbetrifft, so handelt es sich dabei um eine konventionelle Äeußerung des Liebesgesühls, die ausschließlich bei den Völkern Les Westens gang und gäbe ist. Die Japaner haben allerdings ^anz andere Begriffe von der Liebe wie die Westvölker. Nichts- Heftoroeniger sollen es die kleinen Japanerinnen aber durchaus wicht unter ihrer Würde halten, sich über die Art, wie Julia chren Romeo liebte, unterrichten zu lassem

Das Ende bes Telephonfräuleins. Eine

olcib der übrigen konnte bisher nicht ermittelt werben.

* Storchflug von Ostpreußen nach dem K a p l a n b. An der Ostgrenze der Knluhari-Wüste wurde unlängst einem Kaufmann von Eingeborenen ein Alumi- uiuntring gebracht, auf dem die WorteVogelwarte Rossitten Germania 769" eingraviert waren. Der Eingeborene gab an, diesen Ring von einem Buschmann erhalten zu haben, und zwar mit folgender Erzählung: Eines Tages, wahrend einige Buschmänner ausgezogen waren, um Wurzeln und Wild zur Nahrung zu suchen, sahen sie eine Anzahl großer Vögel an einer ausgetrockneten Wasserstelle. Die Busch­männer schlichen sich dicht heran, um die Tiere zu erlegen. Die Vögel ergriffen die Flucht; einer nur wurde erbeutet. Die Buschmänner fingen an, diesen zu rupfen, um sich oaraus eine Mahlzeit zu bereiten, als sie die Beute plötzlich mit dem Rufe:Es ist ein Gott!" fortwarfen. Sie hatten nämlich an dem einen Bein den Ring entdeckt. Voller Furcht vor Strafe des vermeintlichen Gottes rannten sie zurück in ihr Heimatdorf und erzählten ihre Erlebnisse oen anderen. Ein beherzter Buschmann, der toeniger ängst­lichen Gemütes war, ließ sich zu dem erlegten Vogel führen und nahm den Ring an sich. Somit kam dieser bann in den Besitz des Kaufmanns, der davon an den Redakteur der ZertungWide World" in London berichtete und auch den Ring dorthin einschickte. Die Vogelwarte Nossitten be­merkt dazu, daß der Storche 769 am 7. Juli 1907 in einem Neste in Dombrowsken, Kreis Lyck, markiert worden ist. Der Fall ist für die Vogelzugsforschung von großer Be­deutung. Er zeigt, daß in 'Norodeutsci)iano erbrüiete Störche bis nacy der Süd spitze Afrikas Vordringen, um dort Winter­quartiere zu beziehen.

* Amerikaniseher Luxus. Ein Esseck, zu deick George Gould unb Frau ihre Freunde in ber vorigen Woche geloben hatten unb dessen Zweck die Einführung des jungen Fräuleins Aiarjorie Gould in bie Newyorker Gesellschaft sein ivllte, stellt einen neuen Rekord des höchsten Luxus dar. Eine ganze Etage des Plaza- Hotels, über zwanzig große Speise-, Tanz- und Rauchräume wurden gemietet unb allein für die Ausschmückung ber Gemächer gegen 00 000 Mk. auSgegeben. In den eleganten Räumen wurden große Bäume ausgestellt, in beten grünem Laub die zarte Malvensarbe Tausender von Orchideen unb die leuchtenden Farbentöne unzäh­liger American Beauty-Iivsen aufleuchteten. Umfangreiche be- lonbere elektrische Leitungen wurden gelegt, um das Licht im Arrangement uiu) ber Farve mit dieser Dewrativn abzustimmen, achtzig Kellner standen bereit, bie 250 Tafelgäste zu bedienen uub rund 40 000 Mk. haben bie Wirte ausgegeben, um ihren Eästen in Form von Kotitlongeschenken kostbare Spitzenki>sen, gestickte Sonnenschirme, Jmvelen unb Schmuckstücke als Erinnerung an den denkwürdigen Tag zu uoerreick-eu. Ein besonderer Walzer, derÄiariorie-Walzer", der für diesen Tag komponiert wurde, wurde um punkt zwölf Uhr von den fünf Orchestern intoniert Älles in allem betragen die iMten des Festes über 2 0 0 0 0 0 Mk. In seltenem Gegensatz zu biesein üppigen Luxus steht bie junge Xamc, bereit Einführung in dte NewyoiLr Ge,ellscyait bie Eltern mit so reichem Prunk unb Glairz uingeoen zu müßen geglaubt ijauciL Die junge Marjorie hatte sich zu dem üppigen Feste ein ganz einfaajes weißes ifieib machen laßen, bas nur einige diskrete oiiociftiiieimeit fujuuktten, und ihre ganze Ersck-einung bot einen meiULutbigen Eegeii,av zu ihrer prunwolleu Umgebung. Ihr Punktes Haar ivar zu einem einfachen Knoten zusammengeichürzl, mw vergeoens suchte man an der Millionärstochter ein einziges Schmuastuck, eilte Bposche, eine Nadel, Ohrringe, Armbänder unb dergleichen.

* Chicago, bie gesündeste Stabt. Chicago, die windige Stadt, welche neben Pittsburg als eine der schmutzigsten unb rauchigsten Städte ber Welt gilt, ist eine

bei gesündesten der Welt. Die Sterblichkeitsrate wahrend des abgelaufenen Jahres betrug 14,11 pro 1000. Dies wird auf bie eifrige Tätigkeit der Chicagoer Gesundheitsbehörden zurückgefübrt. Chicaao ist auch die größte Telephonstadt der Welt; die Gesamtlänge der Chicagoer Telephonleitungen könnte die Erdkugel achtzehnmal umspannen.

* Beim Brieskasten.Was, du stehst noch immer da? Was machst du denn noch?" Der kleine Peter:Ich habe

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