Ausgabe 
17.6.1909 Drittes Blatt
 
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Nr. 139

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheste«

'ie letzten Stunden der Herrschaft Abdul Hamid;

der die Aufgabe hatte, Abdul

nbt nach einem im Neuen

nierview folgende Schilde

ihm gegenübergcftanben.

Ich 'hatte großen Durst, der Mund

mich aufrecht drei Stunden lang bis

Behaglichkeit.

C. W.

nen.

von Paris, sondern vom Departement Var!

Ohnmacht gefallen. Die Frauen eilten Wasser und weinten bitterlich. Schließ-

dem Zeppelin-Programm steht, bewahrt sich das Bodenseestädtchen auch 'heute noch einen guten Teil seiner idyllischen Ruhe und

abends Iridis meiner

gegen 9 Uhr" so begann er begab, um Abdul Hamid sein

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Trost, und so hielt ich Mitternacht.

Der Sultan war in herbei und brachten ihm

brannte mir und ich konnte nur noch mühsam sprechen. Ich befand mich auch in einer schweren moralischen Depression. Der Sultan war mein Herr gewesen, dem ich Gehorsam schuldete, aber die heikle Mission war mir überantwortet und ich mußte sie zum Ziele führen zum Nutzen meines Vaterlandes. Das war mein

Don den Zeppelin-werten in Lriedrichrhasen.

' Aus Friedrichshafen wird uns geschrieben: In dem früher Mo Killen und idyllisch weltabgeschiedenen Friedrichshafen, das Inti) den Grafen Zeppelin und sein Luftschiff mit einem Male zur -LU iberühmtheit gelangt ist, haben sich seit dem denkwürdigen 3jg von Echterdingen bedeutsame Umwälzungen vollzogen. Der Adelin-Betrieb, der sich früher allein in der fast eine Stunde tni Friedrichshafen entfernten Bucht von Manzell abspielte, ist ißt iu einem großen Teil nahe an die Stadt herangerückt. Zwar Luftschiffe, deren Leistungen wir in den letzten Wochen und tSamten bewunderten, Z I und Z II, sind beide in den alten Werft-

RokationSdruck und Verlag der Vrühlfch« Unwersiläts - Buch- und Sterndruckeret. R. Lange, Gießen.

Was man von einem französischen Abge­ordneten verlangt! In dem soeben erschienenen ersten Junihefte derOesterreichischen Rundschau" veröffentlicht der be­kannte in Paris lebende Publizist Alexander Ular interesfante Enthüllungen über die Zustande in Frankreich, die man geradezu alsrevolutionäre Vorspiele" bezeichnen kann. Gleich am Be­ginn des Artikels gibt er ein anschauliches Bild, was die Wähler in Frankreich von ihren Abgeordneten alles verlangen. Ular schreibt:Es wird in Frankreich eine ziemlich schlechte Sorte Zigarren hergestellt, die bloß an den Büfetts des Senats und der Deputiertenkammer und nur den Mitgliedern dieser hohen Häuser um ein Billiges feilgeboten wird. Diese Zigarren gaben mir schon vor ungefähr vier Jahren Gelegenheit, das herrschende parlamentarische Regierungssystem als durch und durch faul kennen zu lernen. Eines Nachmittags nämlich saß ich mit Clemenceau

B.

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DieEichener Zamilienblätter" werden dem tSbiietger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblatl für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit» fragen erscheinen monatlich zweimal.

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Weserslranti | Telephon 1521*

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Es mar am 27. Avril als ich mich nach dem (Äicksal mitzuteilen. In

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Der Sultan:Wenn ich jetzt weggehe, so bin ich nicht sicher, vom Volke aus der Straße angefallen und getötet zu werden, denn Sie sagen ja selbst, daß das Volk wütend ist."

Nein," erwiderte ich,Sie sind auf dem Wege sicher. Sie werden niemanden außer Soldaten an treffen. Wir haben hier Belagerungszustand. Eine Stunde nach Sonnenuntergang darf niemand auf der Straße fein. Binden Sie nur die Hände, wenn Sie einen Zweifel haben, und schießen Sie Mich nieder, wenn ich Ihnen nicht die reine Wahrheit sage."

Der Sultan ging in den Harem. Stundenlang hatte ich

auf der Redaktion derAurore", als der Biircaudiener einen Brief hereinbrachte, dessen Lektüre Clemenceau in helle Wut versetzte. Dieser Brief, dessen Absender zu nennen sich nicht lohnt, lautete folgendermaßen:Herr Senator! Ich bin der Inhaber des Kon­fektionsgeschäftes, das in dem Ihren Redaktionsräumen gegen­überliegenden Hause feinen Sitz hat. Ich nehme mir die Freiheit, mich auf diese Beziehungen guter Nachbarschaft zu stützen, um Sie zu bitten, gütigst für mich und auf meine; Rechnung am Büfett des Senats eine stifte der Senatszigarren zu kaufen. Ich bin starker Raucher und es ist mir schwer, mir diese Zigarren zu verschaffen, was hoffentlich mein Ansuchen entschuldigen wird. Genehmigen Sie usw." Clemenceau gab den Beseht, den Boten, falls er etwa wiederkommen sollte, UM die Zigarren abzuholen, mit Eleganz hinauszuwerfen. Und er fügte hinzu:Gott sei Tank kann ich mir dos leisten, denn ich bin ja nicht Senator

Husni Pascha, der Führer der Overationsarmee gegen Kon- ritinvpel 'M April dieses Jahres, der die Aufgabe hatte, Abdul

Im Vorzimmer traf ich den ersten Sekretär des Exsultans, iSjevad-Pascha. Ich eröffnete ihm kurz, daß ich feinen Herrn suchen müsse, er solle hingehen, mich anmelden. Er weigerte Äh, und weinte. Der Sultan schießt gut, sagte er, und trifft mmer, schonen Sie mein Leben und das Ihre, ich bin verloren [äuüD Sie auch. Sie wissen nicht, mit welcher Sicherheit er schießt.

Ihr Kopf ist in meiner Hand, erwiderte ich, ich kann Sie : »föct töten gehen Sie hin und vollführen Sie Ihren Auftrag. Gasen Sie Abdul Hamid, daß ich ihn sprechen muß in einer wich- tgeti Angelegenheit für ihn und für sein Leben. Ich betonte h-> Leben, denn nur so konnte ich auf Erfolg rechnen, anders Hjätlc er mich nicht empfangen.

Eine Viertelstunde wartete ich. Fünfzehn Gendarmen waren knufeen an geeigneten Stellen postiert. In den Wandelgängen h Palais befand sich niemand, außer einigen Eunuchen und i Reitern. Tjevad führte mich endlich durch eine Flucht von Zim- r?cn ein. In einem großen Salon des Harems, neben der Tür oi Ende des Salons stand Abdul Hamid und blickte mich mit ent- "totem Gesichte an. Beide Hände hielt er in den Taschen, die lollien zweier Revolver umsassend. Ghalib und Fethi blieben ,u> Eingang in den Salon stehen. Ich trat näher an den Sultan eo begrüßte ihn mit der höchsten Ehrerbietung. Er sah äußerst rJiaurig und gedrückt aus.

Meine Mission," so redete ich ihn an,wird, wie ich hoffe, l)it Eurer Majestät beachtet und geschätzt werden. Ich komme im Suftrage des Volkes und der Armee, um mit Ihnen die Frage 3hred Lebens zu besprechen. Das Leben Eurer Majestät ist wichtig Kr das Volk und für das Kaisertum. Zunächst will man nicht Ltf) früheren historischen Vorgängen durch eine Gewalttat einen E-lli cf auf die Nation laden. Deshalb bin ich beauftragt und mfchlossen, in sehr günstiger Weise für Eure Majestät zu sorgen. Gi haben nichts zu fürchten, Ihr Leben ist garantiert, das ber- (»jifjere und schwöre ich Ihnen, kein trauriges Ersignis wird f. enden. Sie kennen die historischen Vorgänge Ihrer Vorfahren, k: traurige und peinliche Schicksal des Sultan Murad ist in Ihrer 6tmncrung, traurig und peinlich für beide Souveräne und für

Volk. Eine ähnliche Situation wollen wir nicht wieder haben, V - Volk will sie nicht. Die Entscheidung ist unerschütterlich, bau zwei Sultane nicht an demselben Orte bleiben können. Es gi flieht vornehmlich in Ihrem eigenen Interesse, aber auch in dem bi Nation."

Der Sultan erwiderte:Ich verstehe,. was wollen Sie?" ,^Jch will Sie nach Saloniki führen."

Der Sultan .erschrak.Was soll ich "dort, was, sagen Sie nie ? Ich bin ein alter Mann und auch krank. Ich will meine titert Tage in Konstantinopel verbringen, wo ich geboren bin, hier tt Tschiregan wo Vkurad getötet wurde dort ist es günstig ü mich. Oder auch lassen Sie mich frei, daß ich nach Europa Sten kann."

Meine Position," warf Husni-Pascha erläuternd ein,war ite äußerst, schwierige. Ich mußte Abdul Hamids "Eigenliebe itoen und formte nur durch Schmeichelei Terrain gewinnen, bl te ich ihn schroff behandelt, so wäre er geflohen, und es wäre f:t unmöglich gewesen, ihn in dem Labyrinth der Gemächer im vldis aufzufinden, ober cr_ hätte sich in das Heer der Frauen cfWjtet, wodurch leicht Schreckensszenen herbeigeführt werden kirnten. Hinter den verhängten Türen in der Mhe des Sultans fun'-b eine Menge Frauen und Kinder, die genau verfolgten, was p miteinander sprachen, und ihm zuredeten, sich zu fügen." fit*i*r ist es gefährlich," fuhr ich also fort,"Sie können hier 'V..va bleiben. Die Armee hat entschieden, das letzte Wort ist ^piochen. Sie sind hier nicht sicher. Eine blutige Revolution !düt De ausbrechen, die Ihr Leben in größte Gefahr bringt. Das fhij-ige Mittel für Ihre Zukunft ist, Jlldis sofort zu verlassen."

AS*

.larnib nach Saloniki zu fübten, gt Wiener Tageblatt veröffentlichten I lieg dieses Vorganges:

ßalicklialls auf dem Riedlepark-Gelände im Entstehen begriffen ist, nffii e n mächtiger Gasbehälter für Wasserstoffgas, denen Belon-

lich willigte er ein. Seine Söhne, die Prinzessinnen und die andern Frauen redeten ihm zu und so wurde der Befehl gegeben, die Wagen bereit zu halten. Nun erfolgte eine neue Ueberraschung. Im Palais 'befand sich eine große Zahl Wagen und Pferde. Alle Kutscher waren aber nach der Militärschule transportiert. Zum Glück befand sich der Wagen des ersten Sekretärs Djevad vor dem Tor. Diesen bestieg der Sultan mit den beiden Prinzen und zwei'Prinzessinnen. Für das Gefolge, die Frauen, Eunuchen und Diener wurden acht Wagen aus dem benachbarten Bakschitasch geholt. Ich selbst eilte in einem gepanzerten Automobil den Wagen voraus. Drei kleine "Kisten wurden von Abdul Hamid mitgenommen, die man vorher nicht geöffnet hatte. Eine Eska­dron Kavallerie begleitete die Wagen. Auf der Station war der Sultan äußerst niedergeschlagen. Die Frauen und "Kinder da­gegen sehr heiter und freuten sich über die bevorstehende Fahrt.

Dem Führer des Luruszuges war die Order gegeben worden, an keiner Station zu halten, zur Einholung von Wasser mit der Lokomotive immer allein einzufahren und den Zug selbst auf freiem Felde zu belassen. Auf der Station übergab ich Abdul Hamid an Ali Fethy-Bei, der mit seiner Bewachung betraut war."

Husni-Pascha fährt fort:Die Nachforschungen im Jildis am nächsten Tage forderten 600 000 Pfund in Gold und 1 800 000 Pfund Obligationen und Schecks ans Tageslicht.

Abdul Hamid hatte während der 33 Jahre seiner Regierung nur den Gedanken, sein Leben zu erhalten. Während 33 Jahren wußte niemand, ob er je geschlafen hat. Nachts ging er umher und horchte. Traf er eine Person, die ihn erschreckte, ein paar Frauen, die sich nachts unterhielten, so war deren Leben verwirkt. Kein Mensch aus der Welt kann noch so leben. Tausende von Re­volvern sanden sich vor, alle geladen, wertvolle, das Stück zu hundert Pfund und Schund zu sechs Franken das Stück. Ueberall lagen sie herum, auf den Tischen, Sofas, Stühlen, Betten, Kom­moden. Auch Stöcke mit Schußwaffen wurden gesunden . . . Nachtwäsche besaß der Sultan nicht: dagegen tausende von Kra­watten in allen Längen und Farben. Ein gewaltiges Bureau sand sich voll von den einfachsten billigsten Kuverts, die neben den kostbarsten, mit Emblemen versehenen zerstreut herumlagen. Wir fanden eine Kiste voll Gold aus der Zeit Abdul Asis her.. Sie war wohl in Vergessenheit geraten. Kleine Säckchen in roter Seide zu hundert Pfund, zu Geschenken bestimmt, lagen darin. Die Seide war zerrissen und das Gold durcheinander geworfen. Jedes Ding hatte für Abdul Hamid nur den Wert des Augenblickes. Was er wollte, mußte er haben und es war nach cinelm Tage vergessen.

Der französische Botschafter Constans, der sich großer Beliebt­heit beim Sultan erfreute, hatte ihm eine Zucht französischer Pferde besonders gerühmt. Der Sultan wollte solche Pferde haben und Constans ließ ihm nunmehr neun Stück kommen; allein sie fanden nicht den Beifall des Sultans. Er gab jetzt genau an, wie das Pferd bejehaffen fein müsse, das er haben wolle, die ein­gehendsten Erhebungen wurden darauf in Frankreich angestellt, und der Sultan erhielt auch das Pferd seines Wunsches. Er war entzückt über feine Schönheit und bestieg es; aber nach vierzehn Tagen erkundigte sich der Botschafter in den Stallungen nach dem Pferde es war verschwunden und niemand wußte, wohin es geraten war.

______ Begleitung befanden sich der Ccibarmerieoberft Ghalib-Bei, ein Albanese, und der Pariser fiiitäratiadje, Kommandant Ali Fethi-Bei.

5 . . . ...------------ ----- Aber wenn der

Hosensabrrkant fein Wähler gewesen wäre? ! . . Eine Geschichte, die diese Frage beantwortet, erzählte mir etwas später der frühere Finanzminister Generalgouverneur von Jndochina und Kammer­präsident Paul Toumer, der Abgeordneter von Laon ist. Er war von einem seiner Wähler, einem Schankwirte, brieflich gebeten worden, sich gütigst zumPrintemps" (einem der größten Pariser Warenhäuser) begeben zu wollen und dort einen Regenschirm sowie zwei seidene Unterröcke, Katalog Numero soundso, zu erstehen' Was sollte der unglückliche frühere Kammerpräsident, Vizekönig und Minister tun? Ten Verlust aller Wahl stimmen riskieren, über die der Schankwirt dank seines vielen Arbeitern eröffneten Schnaps­kredites verfügt? Er biß mit Wut in den sauren Apfel und ließ tatiächlich die genannten Toiletteartikel von einem Sekretär kaufen und hinschicken. Natürlich sind sie ihm nie bezahlt worden!"

auf dem Gelände tätig. Dieser Tage haben sich bekanntlich unter der FirmaCarbonium Ges. m. b. H." eine Anzahl Industrieller und Finanzleute aus Offenbach a. M. zusammengeschlossen, um unter der Geschäftsleitung von Fabrikant Böhm-Offenbach in Friedrichshafen mit bedeutendem Kapital eine große Fabrikanlage zu schaffen, die den Zeppelin-Werken das nötige Wasserstoffgas für die Luftschiffe liefern soll. Wasserstoffgas wird bekanntlich als chemisches Nebenprodukt bei der Kohlenstoftabrikation gewonnen. Seine Beschaffung war bisher immer mit Schwierigkeiten verbun­den. Durch ihre Verbindung mit der Carboniilm-Gesellschaft ge­staltet sich die Gasbeschafsung für die Zeppelin-Gesellschaft ein­facher und billiger. Das Fabrikgeländ^ für die Carbonium-Gesell- schaft ist auch bereits angekauft. Während so auf dem festen Lande in Friedrichshafen gewaltige Neuerungen vor sich gehen, herrscht auch auf den alten Werkplätzen in Manzell regste Tätigkeit. In der schwimmenden Reichshalle wird der bei Göppingen so bös, aber doch nicht tödlich havarierteZ II" wieder flott gemacht, und in der festen Halle am Ufer reiftZ III", der nach Frank­furt zur Ausstellung soll und der in manchen Beziehungen eine ganz neue Art darstellen wird, seiner Vollendung entgegen. Eine bedeutsame Neuerung für Friedrichshafen stellt auch das große Hotel dar, das von Stuttgarter Finanzleuten auf dem Gelände des ehemaligen Kurhauses im Kurgarten errichtet wird. Hier wird künftighin auch Graf Zeppelin sein Quartier nehmen. Damit wird freilich das Friedrichshafener Hauptquartier, das sich bisher im Deutschen Haus" befindet, um ein beträchtliches Stück vom Ver- kehrszentrum abgerückt, und wenn nickst in dem Hotel selbst beson­dere Vorkehrungen getroffen werden, dann werden die Zeitungs­leute, die nach Friedrichshafen kommen, an den dortigen Telephon- und Telegraphenverhältnisscn noch weniger Freude haben, als bisher. Früher konnte man die Telegraphenämter am Hafenpostamt und am Stadtbahnhof benutzen, was bei der langgestreckten Lage von Friedrichshafen sehr willkommen war. Heute ist man auf das einzige Telephon- und Telegraphenamt angewiesen, das in dem neuerbauten Postgebäude und zwar in dessen entlegenstem Winkel eine kaum auffindbare Unterkunft gefunden hat. Es ist kaum glaublich, eine wie geringe Rücksicht man hier auf die ge­waltige Entwicklung genommen hat, die im letzten Jahr der tele­graphische und telephonische Verkehr in Friedrichshafen erfahren hat. Wer einmal als Berichterstatter einengroßen Tag" dort mitgemadit hat, weiß ein Lied davon zu singen. Freilich das amtliche Personal leistet das Menschenmögliche mit Geduld und unerschöpflicher Freundlichkeit. Aber sollte man es für glaubhaft halten, daß an einem Tag wie dem der Leipziger Fernfahrt «Pfingsten das Telephon von 7 Uhr abends ab den Dienst ver­sagte? ! Freilich das Zeppelin-Burcau hat seinen eigenen stän­digen direkten Anschluß nach der Landeshauptstadt, aber davon hat der gewöhnliche Sterbliche nichts. Zuzugeben ist allerdings, daß diese großen Verkehrswogen nur vereinzelt, gleichsam spring­flutartig Mftauchen. Wenn nicht gerade etwas besonderes auf

:$dl*n von Manzell entstanden, und auch Z III geht dort noch feiner läMfrnbung entgegen. Inzwischen aber werden in nächster Nähe ittr Stabt auf dem weitausgedehnten Riedleparkgelände gewaltige 'Änlplätze geschaffen, auf denen sich in nicht zu ferner Zukunst Ibi' Herstellung der gigantischen Lustkreuzer in der Hauptsache leoälZiehcn wird. Es ist, wie gesagt, ein riesenhaftes Gelände, «w Hessen östlicher Grenze sich malerisch der Riedle-Park hinzieht. ' Stadt Friedrich Hafen hat es, um den Zeppelin-Betrieb an sich t röu Täfeln, den verschiedenen Geländebesitzern abgekauft und stellt eei Der Zeppelin-Gesellschaft pachtweise zur Verfügung. Die ;Aotelin-Gesellschast ihrerseits hat ber Stabtgemeinbe die Kaut- tiiimnc leihweise vorgestreckt. Das Gelände ift inzwischen für die !Asi chisszwecke vollkommen eingeebnet und mit Hilfe umfang- ittirr Drainage-Anlagen entwässert worden. Und bereits wachten fiBeseitige Werkstätten- und Hallenbauten auf dem Gelände empor. Oßnc oon ihnen ist schon fertig und auch bereits in Gebrauch ge- Es ist die sogenannte Zelthalle, die die Firma e Brauchet in Konstanz geliefert hat. In ihr hat schon fett etn «Wochen das ReichslustfchiffZ I" bis zu seiner Ueberfuhrung nnch Metz Unterkunft gefunden. Etn Militärpakten, der mit fiiiihc' geladenem Gewehr die Halle bewacht, zeugt kur den rost- 8Örn Inhalt, den sie birgt. Man darf sich btt Halle keineswegs ml- in Provisorium vorstellen, wenn die Konstruktion aitdi io etifeffen ist, daß das Bauwerk jederzeit abmonttert und auf einer itme:en Stelle neu aufgerichtet werden kann. Es ist eine sehr lolibe IKEnkonftruktion mit Äsenverfteifungen, und die »aUe unter- iIMet sich von den anderen Hallen nur dadurch, daß fte statt mit Hattern mit sehr festem Segeltuch abgedeckt ist. Ein mächtiger kL^tuchvorhang verschließt aud) den Eingang, sie ist etwa loU Mir lang, 19 Meter hoch und 24 Meter breit Ungefähr einen ÜBhuneter von der Zelthalle entfernt geht die Eiienkonstruktton sisiieii von der Firma Flenler in Benrath gelieferten x o P p e 1 * iil e von noch gewaltigeren Ausmessungen ihrer Vollendung matgejen. Sie fist als Werkstättenhalle gedacht und an sie werden nch terc Werkstättenbauten anschließen. Ein drittes Bauwerk, das

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Ancherie schon zu einem guten Stück aus dem Boden hervorge- idäen ist. Große Scharen von Arbeitern sind von früh bis spät

50. ^auptoetfammlung ö. öeretns deutscher Ingenieure

S. u. H. Wiesbaden, 15. Juni.

Die zweite geschäftliche Sitzung der 50. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure wurde heute vormittag durch den Vorsitzenden, Bergwerksdirektor Treutler (Kvhlscheid) er­öffnet. Zunächst wurde der Jahresabschluß für 1908 besprochen. Die Rechnungen werden genehmigt und Vorstand und Direktor Decharge erteilt. Auf Antrag eines der Rechnungsprüfer, des Fabrikdirektor Blümcke lMannheim) wftd nach lebhafter Debatte der Vorstand beauftragt, die dem Verein gehörenden Häuser Doro- theenstraße 48/49 und Charlottenstraße 43 in Berlin bald und bestmöglichst zu verkaufen. Dann wurde über die Hilfskasse für deutsche Ingenieure Bericht erstattet, deren Rechnung für 1908 in den Einnahmen mit 24 264 Mk., in den Ausgaben mit 23 708 Mark abschließt. Das Gesamtvermögen der Kasse betrug am 31. Dezember 1908 "zuzüglich des Kassenbestandes der Rotter- stiftung 133 467 Mk. Es folgte ein Bericht des Kuratoriums für 1908 über die an die Bezirksvereine geleisteten Unterstützungen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Pensions­kasse der Beamten des Vereins. Zu diesem Puntt liegt ein Antrag des Vorstandsrates vor, über die Rechnung der Kasse Vorstand und Direktorium Entlastung zu erteilen, und aus dem Ueberschusse für 1908 zur Sicherung des Ruhegehaltes der Be­amten 100 000 Mark zurückzustellen. Es entspinnt sich hierüber eine längere Debatte, bei der dem Vorstandsrate besonders der Vorwurf gemacht wird, daß er den Antrag auf Ueberweisung der 100 000 Mark gestellt habe, ohne sich "vorher mit den Bezirks- Vereinen in Verbindung gesetzt zu haben. Schließlich "wird der Antrag in zwei Teile gegliedert, und zwar in einen auf Er­teilung der Entlastung, der einstimmig angenommen wird, und einen zweiten Antrag auf Zurückstellung der 100 000 Mark. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Zum nächsten Punkte der Tagesordnung liegen Anträge der Chemnitzer, Emser, Karlsruher, Sächsisch-Anhaltinischen und Schleswig-Holsteinischen Bezirksvereine vor, welche eine Beschlußfassung über die ge­plante Statutenänderung hinausschieben wollen, sowie ein Antrag des Vorstandsrates, der dahin geht, den vorliegenden Entwurf der neuen Satzungen zu genehmigen. In der Besprechung wird von verschiedenen Seiten bemängelt, daß der Entwurf den Mitgliedern fehr verspätet zugegangen sei. Nach längerer Debatte wird daher die Beschlußfassung über die Satzungen zurück- gestellt.

Es folgte der Bericht über die im Gange beftndlichen Vereins­arbeiten. Tas Technologische Lexikon hat dem mit der Untersuchung über die Fortführung bezw. Abwicklung des Unter­nehmens betrauten erweiterten Vorstande im vergangenen Jahre viel Arbeit gemacht. Auf der Hauptversammlung in Dresden war angeregt worden, das Technologische Lexikon mit Hilfe f eines Reichszuschusses zu Ende zu bringen. Diese Idee hat nach einer Untersuchung der Verhältnisse nicht aufrechter halten werden können. Verhandlungen, die im Auftrage des erweiterten Vorstandes mit einer Verlagsbuchhandlung geführt wurden, scheiterten an der Frage der Beschaffung der nötigen Geldmittel. Der erweiterte Vorftand sah daher keine Möglichkeit, das Werk zu vollenden. Er hat daher in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Bemühungen um Fortführung des Unternehmens aufzugeben und die Arbeiten vollständig einjuftellen. 'Der erweiterte Vorstand stellt anheim, über das Material zu verfügen. Ein in diesem Sinne gehaltener Beschluß wurde angenommen. Ebenfalls wird angenommen, der Vorschlag des Vorstandes, das nachgelassene Manuskript des Geheimrat Peter,Die Geschichte des Vereins deutscher In­genieure", im Druck herauszugeben und dafür einen Betrag von 3000 Mark zu bewilligen. Daraus erstattete Fehlert (Berlin) einen Bericht über das Patentgesetz und seinen weiteren Ausbau. T-en weiteren Ausbau des s. Zt. auf Grund der Vor­arbeiten des Vereins deutscher Ingenieure zu stände gekommenen Jnhaberschutzgesetzes hat der Deutsche Verein für gewerbliches Eigentum in die Hand genommen. lieber den nächsten Punkt der Tagesordnung,Ausbildung von Ingenieuren im höheren Verwaltungsdienst", berichtete Generaldirektor Dr.-Jng. v. Oechel- häuser (Niederwalluf». Die bisherigen Ergebnisse der Verhand­lungen des Ausschusses für die Ausbildung von Ingenieuren im höheren Verwaltungsdienst sind wie folgt festgelegt: Die Nicht­zulassung der Absolventen einer Technischen Hochschule zum höheren Verwaltungsdienst erscheint als eine auch von der Presse oft gerügte Rückständigkeit. Es ist eine künstliche Beschränkung und eine Auslese der Bewerber sowie die Bevorzugung eines Hochschul-

Drittes Blatt IS».Jahrgang Donnerstag 17. Juni 1909

Gießener Anzeiger

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