Ausgabe 
11.12.1909 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfafjt 24 Seiten.

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(Siebener Stadttheater.

Wenn der junge Wern blüht.

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Während die SRebner des Zentrums und der Konserva­tiven einen vorsichtigen, gemäßigten Ton anschlugen und nur insofern etwa- neues boten, als Frhr. v. Hertltng mit .....>n der rechts stehenden Parteien drohte ojen die völlige Unabhängigkeit der kon­servativen Polilli betonte, hotte es Herr Basserrnnnn tv.it schwerer. Das; der nationalliberale Parteiführer nach den harten Verlusten der S.inen, noch immer am Scheidewege sich befindend, nicht bloß sanfte Friedenstöne hören lassen wollte, kann man begreifen. Aber seine Vorhaltungen waren maßvoll und darum wirksam. Bedeutsam und erfreu-

wenn #mn Schaden unserer polnischen ÜntroicflunQ große Par­teien auf ihr« Geschichte, auf ihre Tradition und auf chre Ziele verzichten wallen."

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nnerbittlichist, nicht mit sich s pass en laßt und Lieber da-5 ganze Reformwerk scheitern lassen, als auf das Plural recht vernichten will, so gibt es keine andere Möglichkeit, die erforberlidje ZTveibriltelmehrheit lu'rzustellen. Das Zentrum und die Nationalliberalen wollen aber die Eui- führung des direkten Wahlrechtes nicht scheitern laiien und boten deshalb dem Bauernbund die Hand zum Entgegen­kommen. Den Bündlern imiröen nochdie Herabsetzung der Staatsangehörigkeit auf ein Jahr", ferner die Ver­mehrung der städtischen Mandate abgeharrdelt, und nach dem gestrigen Beschluß der Wammer dürfen auch die kleineren Städte ihre Mandate behalten. Zur Stadt Gießen wird nur noch der Ort Klein-Linden hinzugenommen, und diese Aenderung ist wenigstens nicht s o nachteilig für uns als die ursprüngliche Forderung des Bauernbundes.

Das Wahlgesetz wird nun zur Beratung an die Erste Kammer geben. Die anfängliche Freude über die Ein­führung der direkten Wahl wird durch das Heftpflaster des Pluralwahlrechts stark gedämpft. Immerhin ist ein Fortschritt erreicht worden, dessen man sich noch mehr freuen könnte, wenn nicht gleichzeitig die Staatssteuer-Erhöhung um 30 Prozent verkündet worden wäre!

toabrt, der noch so finben konnte! ., , ...

Man darf die Handlung nicht zergliedernd erzählen wollen. Sie ist ein zartes Gebilde, das ein paar .reunbltche und heitere Gestalten vereinigt und keinen Aniprum daraus erhebt, in der Literatur als Stern erster Große wrr^uwun- deln. In Wilhelm Arvils Heim tollen zwet junge -Lotter mit einer Sckar von ebenso ausgelassenen Freundinnen, und unter diesen Bcukf.schen fühlen auch zwei altere Herren von 45 bis 50 Jahren den Puls schneller schlagen. Arvtk selbst, der geduldige und humorvolle Gatte und Baler, t t eine ungemein anziehend beseelte Natur. Nach außen eine etmuS raube, gleichmütige Maske auffteckend, geht er doch zart­fühlend und rücksichtsvoll unter dem jungen, misge.as|enen Volk umher, und läßt es geduldig immer wieder über sich ergehen, daß man ihn fragt, ob er un obef Ernst spreche. Tas Leid, das ihm aus dem Herzen lastet und das er sorgsam verbirgt, ist nicht ^lver und er l, er, der später von den Seinen als einepoetische Natur anerkannt wird, fühlt sich etwas vereinsamt nnd vernach- lässigt durch die Gattin, die all ihre Sorge und itnafime Tag und Nacht ihren jungen Madeks widmet^ Im ya ) Arviks weilt sein gleichaltriger Freund und SHwager Propst Hall, mit seiner achtzehnjährigen Tochter Almlde zum B. such. Der weltfremde, aus nordischer Ein amkeit herg.r.rte Geistliche fühlt unter der jungen Madchenschcu, di h bestürmt und aussorscht, seine Sonniagsprebtgt über uie Ehe kritisiert und die Rechte der Frauen vestndtgt, Kraft seiner Jünglingsjahre iuucbci. Wenn der junge We

Lustspiel in 3 Ml en von Bj ö r n st j er n e B j ö r n s o n.

Ein feines Lustspiel, ohne grobe Wirkungen aus die Lach­muskeln, nicht zum Platzen komisch, aber wie erfreuend und heiter doch in allen seinen Teilen! Kaum ein Witz, aber Menschen, deren Kommen und Gehen uns in lachendes Interesse bannt, weil über ihre nicht besonders aufregenden Handlungen und Sorgen ein stiller, heller Hauch der Poes.e gebreitet ist und alles, auch die Schwächen und Fatal täten oer männlichen und weib.ichen W.s.n, in läch lnde Unschuld sich auflöst. Björnfon ist kein außerhalb der Wirk.ichteit schwebender Romanftler, aber sein weiches Gemüt, sein kind­lich frohes Lachen weiß die nackteste Wirklichkeit mit immer gleicher Liebe zu umfassen. Jetzt liegt der Sicbenunbfteb,ig- jährige auf dem Krankenbett, und man lagt, in ernsten Stunden habe er sich darüber gefreut, daß diefes sein letztes Werk auch in Deutschland von so vollem Erfolge begleitet ' '' jugendliches Herz hat sich der Alte bt- lebensprüchenden, neckischen Scherz er-

lich ist das Versprechen:Wir werden uns nicht in den Schmollwinkel stellen, haben es nicht getan, und wenn der Hieb des Reichskanzlers uns treffen sollte, so war es ein Lufthieb." Dann nannte öerr Bassermann dem Reichs­kanzler die preußische Wahlrechtsreform als eine Stuf gäbe, an die jetzt heranzutreten fei, weil sie mit der Finanzreform in Zufammenhang gebracht worden fei. Vielleicht wird Herr v. Bethmann-Hollweg später im preußischen Abge- ordnetenhau.se darauf erwidern, und dann werden wir sehen, ob die große Umfrage eines Berliner demokratischen Blattes, das hauptsächlich für sich Reklame machen wollte und die gesammelten Unterschriften dreist in den Dienst seiner Parole für das Reichstagswahlrecht stellte, einen Stein ins Rollen gebracht hat. Am gestrigen Freitag hat der Kanzler noch­mals gesprochen und darauf verwiesen, daß der Reichs- tag für eine Besprechung der preußischen Frage nicht der rechte Ort sei. Daß die weitesten Kreise des deutschen Voltes für das jetzt bestehende Wahl­recht in Preußen nicht die mindeste Sympathie haben, war ohnehin lange be.'annt. Jetzt schweben ein inder w dcr- sprechende Gerüchte durch die Luft: mehrere Blätter w.l en wissen, die berühmten Vorarbeiten für das Reformwerk in Preußen ständen vor ihrem Abschluß, im Januar werde das Ergebnis mitgeteilt, uno die preuß.sche Thronrede werde die Wahlrefocm ankündigen-, andere beftreüen das und meinen, die Ergebnisse in Sachsen hätten nicht zur Beschleu­nigung der Vorarbeiten beitragen können. Ob man Herrn v. Bethmann-Hollweg nicht ein Wörtchen der SLidiunft wrd entlocken können ?

In Hessen ist die Wahlreform auf dem Marsche. Leider haben die Bauernbündler in einem bedenklich ge­arteten Pluralrecht einen Stein des Anstoßes herb.iaerol t über den zwar das ganze Wert voraussichtlich nicht zum Fall kommen wird, der aber große Verbitterung bervor- gerufen hat. Warum, so fragt man mit Recht, soll gerade Das Alter von 50 Jahren an ein größeres Wahlrecht be- ,itzen? Sicherlich wird selbst der Bauernbund eine ,'olche allgemeine Theorie nicht für geistreich und rechtlich be­gründet halten. Man wird in dieser Gruppe vom Prak- tischen Ergebnis dieses Pluralrechtes sich w.hl b fontere Erfolge versprechen. Daß die Sturm- und Drangperiode, die nur mit einer Stimme entlohnt werden soll, bis zum 50. Lebensjahr dauern soll, muß temperamentbegabte Leute notwendig zur Verzweiselung bringen. Hände­ringend standen auc übrigen Parteien ob dieser Heber» raschung da. Denn da der Bauernbund in diesem Punkte

Der hansabund und dar hessische Gesetz über die Gemeinde-Umlagen.

Am 8. bs. Mts. sand in Mainj eine von der D^irksgrirppe Main?,-Oppenheim einberufenc und von allen zurzeit beslehenden Bezirksgcuppen des Hansabundes ün Großberzogtum Helsen be­schickte öffentliche Versammlung unter rem Vorsitze des Präsi­denten der Mainzer Bezirtsgruppe, Beigarrdnelen Kommerz ienrot Tr. Bamberger, statt. Zur Beratung |t<mb der den Hessischen Lanbsränden vorl egende Gesetzentwurf über die Gemeindeumlagen. Syndikus Meesmann-Maiii- berichtete über diesen Gesetz­entwurf unb es wurde nach einer Aussprache svigeiide Kundgebung beschlossen:

1. Die Grundlinien der Regierungsvoclaac, wonach neben der Lcistungssähigleit auch der Gruiidsatz ixon Leistung und Gegen­leistung zur Anwendung zu kommen hat, werden gebilligt.

2 Die Versammlung ist auch damit einverstanden, daß bei der Berechnung der Grundsteuer von dem gemeinen Wert, bei der Gewerbesteuer von dem Anlage- und Betriebskapital ausgegangen, bei letzterer Steuer außerdem höhere (Ertroae besonders berück­sichtigt werden.

3. Tie Form c-er Ertragöberückiichtismrg bei der Ge.verbe- fteuer nach der Regierungsvorlage erschrint ungeeignet, weil un­billig, socunghast mit) daHu angetan, das mittlere Gewerbe und namtmtlich die rentierende Großindustrie im GroßherzoArum üt ihrer Entwicklung zu Gunsten der Nachbarsmateii zu hemmen; dagegen hält die Versammlung den Vorschlag des Haiidelskammer- tags, nämlich Bildung des Gew-erbestcuerkapitals aus der Kom­bination ton 3/* des Anlage- und BetrieLsjteuerkapitals unb 1 j des cap talisiecren Ertrags mit der Maßgabe, daß die Hör' des in, dem Betrieb arbeitenden Anlage- und Betriebskapitals' das Minimum des St-euerrapüals bildel, für sehr erwägenswert. Tie hierdurch eintreteiLÖc wesenlüche Entlastung des Kleingewerbes gegenüber der seitherigen Besteuerung hält die Bersammmng fite gereck?tsertigt.

4. Einer Ermäßigung des Steuerkapitals für landwirtschaft­liche Grundstücke bei der Grundsteuer in Form der Freilassung gewisser Vermögensteile oder in Form von Abzügen an dem gemeinen Wert muß als einer ungerechten Levvrzngun^um > omrhr

Apolitische Wochenschau.

Gießen, 11. Dez.

Mr bedürfen neuer Hoffnungen, wieder etwas Freudig­keit in unserem innerpolitischen Leben. Auf bfm Tummcl platz der Reichsfinanzreform, wo ein ft das Grün der Hoff­nung erstrahlte, ist jedes kleinste Gräschen abgrweidet ober niedergetrampelt; wer noch länger daraus verharrt, dessen Gemüt verdorrt, dessen Hirn vertrocknet. Die Eröffnung der Beratung über den Reickj-shaushalt .gab viel zu be­fürchten. Glücklicherweise wurde es nicht allzu schlimm, wenigstens der erste Tag schonte das Ohr. Wenn die Lanzen­träger der Radikalen, besonders der umslürzenden Zukunfts- apostel, die doch immer vor derschrecklich vollendeten Gegenwart" hocken bleiben, in den Kampf ein treten, w.rd es fremd) anders werden.

Zuerst sprachen der Reichskanzler, bann der Schatzsekrc- tär, bann je ein Bekenner des Zentrums, der Konservativen und der Nalionalliberalen. Alle waren eifrig bemüht, neuen Ausdruck der allen Stimmungen zu finden, daszündende Wort" mögllMt zu meiden und weise Mäßigung zu üben, Herr Bassermann nicht ausgeschlossen. Der Kanzler lockt und mahnt mit beweglichen Worten, die erwähnte Wiese, wo kein Gras mehr wächst, endlich zu verlassen und ihm auf die neue Weide zu folgen. Viele sind von biefer ersten Rede enttäuscht, da sie geglaubt hatten, Herr v. Belhmann werde die Böcke von den Schafen trennen. Tas wäre ja nun auch ganz schön gewesen, aber nicht nützlich, und das Toben hätte von neuem begonnen. So ähnlich drückte sich auch der Kanzler aus. Tiber daß die Finanzreform, so fuhr er fort, von der Regierung angenommen worden ist, Ivar richtig. Im andern Fall hät:e der tüchtig gerup.te Etat nicht vorgelegt werden können. Tiefer hat bisher allerdings allgemeine Befriedigung hervorgerufen; es b'cibt inde's.n abzuwarten, ob durch die vielen unerbittlichen Streichun­gen in ihrer plötzlichen Wirkung nicht viele Härten und Ungerechtigkeiten gegenüber manchen Beamten klassen ent­stehen werden. Wenn das alles wirklich so ohne Schmerz abgehen kann: Warum hat man dem Volke die Mil ionen nicht schon längst gespart? Doch wir wollen uns des Neuen freuen. Auch der oberste Beamte, der keiner Parteiregierung Vorschub leisten will, hat es jetzt bestätigt, daß nur der Radikalismus ein Interesse daran hat, Deu.schlind in zwei politische Saget zu trennen. Und auch die Mahnung, die Schürer des Unfriedens, die nur von der politischen Sen­sation leben wollen, abzuwehren, haben wir langst selbst ausgesprochen. Tann zeigte Herr v. Btthmann-Hollweg dir -Schussel der Thronrede nochmals vor: Ist es Euch nicht genug ? Habt Ihr nicht neue Aufgaben der Sozialpolitik, der Rechtspflege, die jahrzehntelang heftig umftrittcn wor­den jino und nun auf einmal nichts mehr gelten sollen, weil die Schlcrgworte Reaktion und Radikalismus das Feld beherrsck-en? Die Mahnung, die offenbar besonders an die Kaiionalliberalen gerichtet war, verdient es, hier wieder­holt zu werden. Ter Lanzler sagte:

,«Dieser Tualismus ist eine Fiktion, die zwar zu Partei­zwecken ausgenutzt wird, die aber trotz der Verbitterung, die bei uns ein geigen ist, auf die Dauer nur iestgehrlten werden kann

blüht, gärt es im alten . . . Seine Neigung verlangt nach Helena, der jüngsten von Arviks Sproßen. Ms draußen in der Natur alle Knospen sprangen und sie gemeinsam in trautem Gespräche hinansgewandert waren, da fühlte er sein Herz höher schlagen. Tluck, die muntere Kleine fühlt sich zu ihm hingezogen, fie weiß noch, wie die Vögel in tausendstimmigem Gesang erwachten und hat froh die Ge­legenheit benützt, gerade von ihm, dem Onkel, sich konfir­mieren zu lassen. Arviks poetisches Gefühl hat inzw schen an der schlanken Mvilde, des Schwagers Tochter, Gefallen gesunden. Was sich liebt, das neckt sich, und er gesteht ihr schließlich, daß sie die Süßeste von allen ist, wogegen sie ihm berichtet, daß auch alle andern ihn lieb hätten und er ihr nur gleich das Geld für ihre gemeinsame Reise aushändigen möge. Tie Geheimnisse der entrückten Väter unb der naiven Backfische werben natürlich wie Träume in Erwachen aufgelöst. Ta aber sorgen die neuen Zw schen- fälte und Ereignisse in Arviks Heim für den vergnügtesten und versöhnlichsten Abschluß. Mccrna, Arviks drittes K nd, eine empfindliche, schrnppige Schöne, hat gekränkt ihren Mann verlassen und kebrt mit Kisten uno Dörfern ins Mernhaus zurück. In diesem Vorgang hat Biörnsons feine Realistik wieder den prächi g ten Zug g:tan. Arv ks Töchter sind bei all ihrer taubengüidjeri Harm.cs gf.it ke ne Engel. In der Aufregung bei Mamas ^ückiehr läuten die helfen Jugendstimmen dem B ederen voll Ei er ins Gewissen : eine Familienkomödie von heiterster Wirkung. Ta rafft Aroik sich auf und geht, um Alvildes Reiseplan nochmals nachzuprüfen. Ta er lange ausbleibt und am Hafen ge­sehen worden ist, gibt es großes Leid und Wehklagen. Frau Aroik überhäuft sich mit Selbstanklagen, liest ihren Kin­dern die Liebesgedichte ihres Mannes vor, und alles fühlt, wie tief man diepoetische Tkatur" des Tavongegangenen verletzt habe. Helena will weinend von ihrem Onlel, mit dem sie sich inzwischen feierlich verlobt hat, nichts mehr wissen, und der Propst erwacht aus seinem Traum. Plötz- lid) kehrt Arvik heil und munter zurü ckund w rd natürlich aufgenommen wie der verlorene Sohn. Die Gatftn lernt seine Sehnsucht w eder verstehen und r* 'n si ht die T euer ein Bett aus dem Schlafzimmer der jungen Mädchen hinub.r- transvortieren. . .

Die zarten Schönheiten und das seelenoolle Gepräge der Tichtung stellen an die Darstellung nicht geringe An­forderungen. Jedes Zuviel an Sprache und B ro gung er­nüchtert; besonders sorgsam und sich mäß-genb massen die Äcänner im Rahmen ihrer Aufgaben bleiben, sonst gLiubt unb traut man ihnen nicht, und das Sp^el verflacht zu einer gewöhnlichen Liebeskomödie. In Arviks Rolle liegt das

meiste Unausgesprochene. Seine Worte vibrieren von Scherz unb Emst, von Humor unb Milde. Er braucht viel stumme Mienen, viel sinnendes, trockenes ober schmunz Indes Zu­hören. Herr Bakof enttäuschte nicht, er war taktvoll und blieb besd-eiden in feinem Rahmen. Im Lanzen erfaßte er das eigentümlich milde Wesen dieses Helden des Lust­spiels mit glücklicher Kunst; der Ausgleich zw scheu dem verschiedenartigen Gehabe oes gemütvollen Familienvaters erfolgte ohne Stockung, mit ruhiger Sicherheit. So war eine der größten Vorbedingungen für den Erfolg der Auf- fühmng gesichert. Wo ließ aber Herr G ü hne den an die nordisM Einsamkeit und an seine Bücher gewohnten Priester? Er spielte den Propst Hall mit zu viel Lebhaftig­keit. Der ist gawz und gar kein Salonheld, zwar wohl­erzogen im Auftreten, aber bedächtig zaudernd in der frciw* den Umgebung, in feinem Träumen und Denken halb ab­wesend. Herr Gühne ließ den Propst auf seine kleine Helena zu unmittelbar und lebhaft einreden. Die tfigur würde durch ein leichtes Maß von Selbstbetrachtung unb verhaltener Bewunberung sicherlich noch gewinnen können. Zum Be'- spiel ber Ausruf zum Schluß:Was werbe ich noch für Ueberraschungen erleben müfsen?" sollte weniger im Tone scherzhaften Vorwurfs als nachbenklicher Selbsterkenntnis mit bem Beiklang leiser Enttäuschung gesprochen wrroen. Bei Frau Arvit ist die Linie für bie Darstellung weniger scharf ge­zogen. Tas überraschenoe Temperament, das ?r. u Gühne in biese Rolle hinemlegte, kam ber kom schon Wirkung mit­unter gut zustatten. Nur als sie ihrer Tochter Mberta ben Wert ihres Bewerbers ans Herz legte, entwickelte sie zu viel theatralisches Spiel. Alles in allem tag aber viel Schwung unb Sickerheit in biefer Mutter Arvik. Außer- orbentlid) natürlich unb munter spielte Frl. Koch den Back- sisd) Alberta, ber sich ben stummen, aber stürmischen Be­werbungen bes bewaffneten jungen Liebhabers beharrlich entzieht, Ueberhaupi würben bie Töchter Arvfts gut tvieber- gegeben. Frl. Ney als .oelena hielt ihre Stimme öfter zu sehr auf einen Ton gestimmt, was ber famosen Wirkung ihres Spiels aber nicht viel Abbruch tat Die Dritte, ver­heiratete Schwester Mama, die auf so spaßhafte schnipp ge Art vom Fenster aus an der Unterhaltung sich beteiligt, hatte in Frl. Güldener eine geeignete Darstellerin ge­sunden. Auch Frl. Eberius als Tochter Hails und Är- viks Liebling bot eine sehr flotte und anerkennenswerte Leistung dar. An der Besetzung der kleineren Rollen war nichts au^usetzen. Tas Gesamt viel w r gut eing a.bei et und durch ein sehr hübsches Bühnenbild mit dem Ausblick auf den seifigen Fjorb in einen guten Rahmen gerückt.

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Erstes Blatt

159. Jahrgang

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Ter Lietzener Lnzefg« «rlchemi täfllidi, außer EoniUagS. - Beilagen: vierinal wocbeinlich -itbenerZamilicublättetj iiDriinalivödientl.Kiels-. blatt finden Lreu Siehen jTlenstag und Freiraa); -weuual monarl. Land- wirüchaflliche Zeitfragen

Samstag 11. Dezember 1909

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