Ausgabe 
13.3.1909 Drittes Blatt
 
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Drittes Blatt

Nr. 61

159. Jahrgang

Samstag 13. März 1909

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Cberheffen

Rotationsdruck und Verlag der BrühPfchsv Unweriuäts - Buch- unö StembrudeteL R. Lange. Gießen.

DieGießener ZamiiienblStler" werden dem »Anzeiger" viermal wöchenllich beigelegt, das Kreisblott ftir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirt,chasUichen Seit- fragen" erscheinen monatlich groeimciL

Redaktion, Gxvedition und 5)ruderet: 6thitf» straße 7. Exvedttton und Verlag: e^&L Redaktion: ^^^112. Tel.-Adr.: AnzergerGleßen.

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des Anstreichers Kindern, gestern

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blieb nichts anderes übrig, als das Schleppseil abzuhängen. Der Ballon schnellte infolge dieser plötzlichen Entlastung mit rasender Geschwindigkeit 2200 Meter in die Höhe, und die Fahrtteilirehnier schwebten eine Zeitlang in ernster Lebensgefahr. Gegen 1 Uhr nachmittags gelang es ihnen aber, in der Nähe von Friedberg, in Hessen glatt zu landen. Gegen die Erpresser ist ein gericht­liches Verfahren cingeleitet worden. Die Hauptschuld an der gefahrvollen Lage, in die die Luftschifscr gebracht wurden, trägt der 22 jährige Wilhelm Pipp aus Niedernrsel und der Landwirt

gepriesen werden, hervorragend aus.

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Mau verlange auch beim Nachfüücn ausdrücklich echte MAGGI-Jßünc und lasse sich nichts anderes aufredcn.

erwürgt worden. J^hr Mann wurde als der Tat dringend verdächtig verhallet.

Pfarrer M ü hl t a l e r in Kl u f t e r n' (Amt Uebcrlingcn, hat sich, wie das Konstanzer Zentrumsblatt jetzt mitteilt, auf einige Zeit in einKlvster bei Baden zurückgezogen. Es ist dies der Geistliche, den das erzbisckchfliche Ordinariat Freiburg ungestört weiter amtieren lieft, trotzdem es seit Monaten durch Mittcilunaen der Staatsanwaltsckiast von schweren sittlichen Verfehlungen des Geistlichen in Kenntnis gesetzt war. Erst unter dem Truck der öffentlichen Erörterungen sah sich die .Kirchenbehörde nun vor wenigen Tagen veranlaßt, den Geistlichen seines Amtes zu entheben.

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Mittwoch, den 31. März 1909, vormittags

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Berlin, 12. März.

So glatt sich am Freitag int Abgeordnetenhause die zweite Lesung des D o m ä n e u e t a t s und der Ncft- lapitel des Gestütsetats abwickelte, so langsam kam das hohe Haus mit der Erörterung be£ Forstetats vor­wärts. Dabei hat man die Frage, die den umfangreichsten Debattenstoff birgt, die Frage der Grunewaldzerstückelung, am Freitag noch gar nicht angeschnitten, nnd nur die andere gvoßc Waldfrage, die der Verpachtung der fiskalischen Fagden, wurde schon am ersten Tage erledigt. Die Beratung des Forstetats begann mit einer ziemlich heftigen Plänkelei .wischen dem Sberlandforstmeister und einer Anzahl Abge­ordneter. Herr B ü ch t e m a n n , der frühere Görlitzer Lber- rürgermeistcr tutb einer der erfahrensten Verwaltungsprak- nker der Freisinnigen Dolkspartet, übte an der Aufstellung Les Etats scharfe, aber durchaus sachliche Kritik, er be- nängelte insbesondere die niedrige Schätzung der Einnahmen ms Holzverkänsen, für deren Angemessenheit der Etat nicht we geringsten Anhaltspunkte biete. Darüber geriet der Forstgewaltigc in Harnisch: In völliger Verkennung seiner parlamentarischen Befugnisse fuhr er den liberalen Redner gröblich an, warf ihm totale Unkenntnis der Verhältnisse roor und wußte doch kein Wort vorzubrinAen, das 5)erru Büchtemanns Kritik entkräftet hätte. Der so unerhört An- gelassene blieb Herrn Wesener die Antwort nicht schuldig; :imb sein Hinweis auf die überhebende Unziemlichkeit der Tonart des Oberlandforstmeisters wurde von der Linken mit lebhafter Zustimmung unterstrichen. 2lber auch mit een Nationaliberalen und dem Zentrum geriet Herr Wesener Zareinander. Die Nationalliberalen Macco und Dr. Vendlandt brachten Mißstände im Holzverkaufswesen ;trr Sprache, und der Lberlandforftmeister antwortete ihnen *.tit einer Nonchalance, für die ihm später Herr Dr. Beumer ine kurze, aber deutliche Quittung erteilte. Hatte sich die flinfe Seite des Hauses bis dahin an dem kurzangebun- enen Regierungsmann geärgert, so sollte sie sich mit dem brigen Hause sehr bald unvändig über ihn freuen. Der ^entrumsabgeordnete Busch hatte darüber Beschwerde -^füljrt, daß die großen fiskalischen Holzver-

i aufsanzeigen nur in dem FachblattDer Holz- riaxtt', nicht auch, was doch viel zweckmäßiger

s ei, in der Lokalpresse veröffentlicht würden, imd nie Freisinnigen Roscnow und Tr. Müller-Berlin, der stach langer Pause zum erstenmal wieder das Wort nahm, hatten den Zentrumsredner wirksam sekundiert und die Un- .oeckmäßigkeit dieses Anzeigenmonopols desHolMarkt" Ech vom fiskalischen Standpunkt aus besonders be-

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tont. Herr Wesener wollte das nicht gelten lassen und meinte, derHolzmarkt" nehme die Regierungsan­zeigen nicht nur unentgeltlich auf, sondern versende die betr. Exemplare auch gratis und franko an die Firmen, die die Negierung ihm nenne. Flugs sprang ihm .Herr Busch mit deut Einwartd vors Gesicht, daß es doch nicht sowohl darauf ankomme, Firmen zu den Holzverkäufen heranzu­ziehen, als Privatleute. Wie aber erführen die, was oie Regierung an Holzverkäufen plant?Sie müssen eben auf denHolzmarkt" abonnieren" erwiderte Herr Wesener, ohne zu bedenken, daß er damit selbst die Monopolwirkung der Regierungspraxis für dasHolzmarkt"-Unternehmen zu­gab. Mit stürmischem Gelächter quittierte das ganze Hans diese geschäftliche Naivität des Forstverwalters, und ein liberaler Volksvertreter versagte sich den malitiösen Hin­weis auf dre totale Unkenntnis des Oberlandforstmeisters von den Berhältnissen als Parallele zu .Herrn Weseners Vorstoß gegen Herrn Büchtemann nicht. Die Ent« waldungsgefahr wurde noch kurz gestreift, und der Minister stellte gesetzliche Schritte gegen sie in Aussicht. Dann be­gann die Aussprache über die Zagdverpachtungen. Sie sah den Büudler v. Kloeden und den Genossen Borg­mann als Freunde der Jagdverpachtung Arm in Arm. Die Rechte ivar natürlich, wie immer, entschieden gegen die die Stellungnahme der Liberalen war geteilt. Während Aufhebung des.Jagdprivilegs der oberen Forstbeamten, und 2lbg. Fischbeck mit dem Nationalliberalen v. Wiersdorfs im" ganzen den jetzigen Zustand beibehalten tvissen will, forderte Abg. Büchtemann die Verpachtung der Staats­jagden. Ein praktisches Ergebnis hatte die Debatte nicht, und voraussichtlich wird int Hohen Hause noch ost der Ru, rniederhallen: .Hie Weidmannsheil! Hie Nutzholzheil! Sonnabend kommt der Grünewald dran.

Erpressung gegen Luftschiffer. Der Balüm Zähringen" des Mannheimer Vereins für Lustschiffahrt ist am Montag nachmittag bei Friedberg mit drei Insassen glatt ge­landet. Dieser Landung war jedoch ein für die Luftfchiffer seh, unangenehmes Vorspiel vorhergegangen, bej» aber auch ein für mehrere Baucrnburschen unliebsames Nachspiel vor Gericht folger wird. Bei Niedernrsel ging der Ballon so tief, daß das Schleppfei. den Lehmacker des Wilh. Pipv streifte. Ter rief eine Anzah. Burschen hinzu, die das Schleppseil packten und an die Insassen di drohende Aufforderung richteten, sich mit einem Geldbeträge los zukaufen, sonst würde man sie zur Erde niederholen und ihnei die Knochen int Leibe zerschlagen. Die Insassen versuchten sm nächst vergeblich, mit guten Worten von den Bauernburscher sortznkommen, auch das Einschreiten eines hinzukommenden junger Mannes blieb erfolglos. Als die Bedrohnna immer heftiger wurde

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