Ausgabe 
17.8.1909 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Dienstag 17. August 1909

Erscheint stigstch mit Ausnahme des Sonntags.

Staatsbürgerlicher Unterricht.

Gießen erfolgen. Die Ausstellungsgegenstände müssen Mittwoch

fötlOll »ch die Schule die Aufgabe, die Heranwachsende Jugend

lllllvll jrit den Dingen des Lebens bekannt zu machen, ungeachtet

^ltSavsprü^!

Ginigungskriege gegeben

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159. Jahrgang

RotationSdnick und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul- straße 7. Expedition und Verlag: e^g^5L Redaktion: 112. Tel.-Adr^AnzeigerGießen.

DieOlehener §amilie»blStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen 5ctt» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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Verlang ien Besuch^

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Siehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhejsen

xr später erfolgenden weiteren Ausbildung und Wissens- Zunahme. Insbesondere ist es ein Punkt, der bei unserem Schulunterricht selbst in den höheren Lehranstalten völlig j »ei Seite gelassen wird, nämlich die Einführung in die r i Ztaatskunde. Die Jugend lernt wohl, daß wir im deutschen N lleiche leben, sie lernt dessen geographische Gliederung und L ;oirb in der Geschichte Deutschlands unterloiesen, das ist L ober auch alles; ja es ist sogar noch gar nicht allzulange & irer, daß selbst auf höheren Schulen die deutsche Geschichte

mit den Jahren 18131815 endete und der Jugend kein

Man hört es so gern, daß die deutschen Schulen die testen der Welt wären; aber etwas Ueberhcbung ist hier lod) dabei, denn in mancher Hinsicht läßt unser Schulwesen K doch zu wünschen übrig. Es wird oft darüber geklagt, je laß unsere Schulen zwar einen guten Fonds an Wissen der 1 fügend mit auf den Weg geben, daß sie aber für das prak- chche Leben recht wenig vorbereiten, und diese Klagen sind 8 durchaus berechtigt. Es nruß zwar zugegeben werden, daß nies nicht der Zweck der Scl-ulen sei, immerhin aber hat

N Herr GZ 'M Gr« Serfiütune; 8 'Mung beniZ Zungen umnL E wiger ____

8eiSiihJ IF lufschluß^über unsere großen Einigungsk:

H nmrde, geschweige denn von den Sturm- und Drc SRS li -reiche diesen Kriegen vorangingen und in denen

K sche Gedanke so lebhafte dLahrung fand.

!,♦ wiQOujD Vom Wesen des deutschen Reiches, von seinen Einrich- " &*"G ' wngen, der Verfassung, den hauptsächlichsten Gesetzen u. dgl.

lat die liebe Jugend absolut keine Ahnung, wer sich nicht

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beito. Donnerstag vor der Llusstellung eingeliesert sein. Die Oostausstellung soll vier Gruppen umfassen: Hochstammobst, ba- runter Latwergebirnen, Einmachbirnen, Kochäpfel. Tafcläpfcl, Frühbirnen und Winterbirnen, Formobst, Obst- und Gemüselon- serven, Apfelwein, Beerenwein, Geräte und Lbstbäume.

Am Sonntag, 10. Oktober, soll eine öffentliche Versamm­lung ftattfinden, in der eine Berichterstattung über die beiden Ausstellungsabteilungen, Verkündigung des Prämiierungsergcb- nisses, Auszahlung der zuerkannten Preise erfolgen und zwei Referate über einschlägige Fragen des Ackerbaues und Obstbaues erstattet werden.

Als Prämiierungskommission fungieren in der Ackerbauabtci- lung: Oekonomierat WeitzelLich, Heinrich Alles-Ricder-Florstadt, in der Obstabteilung: Landtagsabg. Breidenbach-Dorheim und Obstbauinspektor Metternich-Büdingen.

Die Prämiierungsmittel für Ackerbau-Ausstellung betragen zirka 300 Mk. und die für die Obstausstellung zirka 400 Mk. Es ist zu erwarten, daß sie bitrd) Stil hing von Ehrenpreisen noch verstärkt werden. Als Ausftellnngsplatz wurde die Turnhalle an Oswaldsgarten in Aussicht genommen. Es wurden folgende Komitees zur Durchführung der Ausstellung gebüdet: für die Ackerbauausstellung: Kaiser-Gießen, Schuchardt-Gießen, Wilhelm Zkitz-Gießen, Techniker Kreutz-Gießen, Ausstellungs- orbner; für die Obstbauausstellung: Kreisbaumwart He- berer-Heuchelheim, Lehrer Schmidt-Heuchelheim, W. Jnderthal IV. Rödgen und Dr. Hoffmann-Friedberg.

Die Bildung eines Obstmarktkomitees wurde dem Bureau des Landwirtschastskammer-Ausschusses übertragen. Mit der Mahnung an die Obst Züchter, das Unternehmen nach Kräften zu unterstützen, wurde die Versammlung geschlossen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. August 1909.

Parlamentarisches ausHessen. Abg.Schön- berger hat bei der Zweiten Kammer einen Antrag zu dem Gesetzentwurf, betr. die Gemeinde-Umlagen, eingereicht, der im wesentlichen darauf hinauSgeht, das in der Vorlage der Regierung als Grundlage für die Gemeindesteuerberechnung mit herangezogene Prinzip der Leistung und Gegenleistung zu beseitigen. Die grundlegenden Bestimmungen deS Gesetzes lauten in dem Vorschlag Schönbergers: Die Gemeinden er­heben im Bedarfsfälle direkte Steuern (Gemeindeumlagen) vom Einkommen und Vermögen der Steuerpflichtigen. Die Steuern werden nach der Grundlage erhoben, die für die staatliche Einkommens- und Vermögenssteuer maßgebend ist. Die Gemeinden können durch Ortssatzung bestimmen, daß noch sonstige nach den örtlichen Verhältnissen als berechtigt anzusehenden Steuern erhoben werden sollen. Die OrtS- satzung bedarf der Genehmigung der Ministerien deS Innern und der Finanzen.

** Die Landwirtschaftskammer für Hessen hielt gestern in Darmstadt ihre 43. Vorstandssitzung unter dem Vorsitz des Vorstandsmitgliedes Bahr-Rohrbach ab. Bürgermeister Hahn-Heßloch referierte über den Reichsversicherungsentwurf. Der Vorstand ver­hält sich zu dem jetzigen Entwurf völlig ablehnend. Mit­geteilt wurde, baß ein neuer Entwurf im Reichsamt des Innern auf Antrag der Hessischen Regierung ausgear­beitet werden soll. Eine Eingabe der Weinbergsbriitzcr Flonheims und Alzeys betreffend Einreihung des Wein- baubezir^ Flonheim und des von Alzey unter die Zahl der bekannteren und besseren Weinorte Rheinhessens unter die Bonsenheim, Ensheim, Elsheim, Gaubickelheim, Gunders­heim, Heimersheim uiro. gehören, beschloß der Vorstand, beim Ministerium zu befürworten, damit dasselbe bei dem Reichsamt des Innern in dem Sinne der Eingabe wirke. Wegen der Kosten für Auslagen der Polizei bei Absperrung von Reblausherden war der Vorstand der Ansicht, daß der Staat sie zu tragen habe. Die vom Hessischen Vogelschutz­verein empfohlene Katz en st euer lehnte der Vorstand als gänzlich undurchführbar ab. Doch soll die Regierung er­sucht werden, den Jagdbeständern den Abschuß der ver­wilderten ober wildernden Katzen zu gestatten. Der An­trag wegen Verladung von Zuchtvieh an Sonntagen wurde glatt abgelehnt. Der Vorstand befindet sich nicht in der Lage, eine Durchbrechung der Sonntagsruhe, die leider im Reich und in den Bundesstaaten keine absolute, wie z. B. in England, sei, zu befürworten. Ter Sache würde dadurch abgeholsen, daß die Zucbtviehmärkte nicht an Montagen, sondern an anderen Wochentagen abgehalten werden.

l. Watzenborn-Steinberg, 16. Aug. Vor kurzem wurde hier ein Kaninchenzuchtverein gegründet, dem bis jetzt 32 Mitglieder beigetreten sind. Am Samstag abend hielt der Verein eine Generalversammlung ab, zu der zwei Vertreter des Mitteldeutschen Kaninchenzüchterverbandes er­schienen waren. Pannecte -Klein-Linden sprach über den Nutzen der Kaninchenzucht. Seitdem sich nun die Staats­behörden für die Zucht' interessieren und sie sogar durch Geldmittel unterstützen, ist ihre Verbreitung allgemein ge­worden. Nachdem noch der Schriftführer des Mitteldeut- schen Kaninchenzüchter-Verbandes über Zweck und Ziel des Verbandes referiert hatte, beschloß der Verein einstimmig, dem Verband beizutteten. Damit zählt der Verband jetzt ca. 400 Mitglieder, die besonders in den Kreisen Gießen uno Wetzlar ihren Wohnsitz lyaben.

x Großen-Linden, 16. Aug. Der von hier ge­bürtige Deutsch-Amerikaner H. Rohrbach zu St. Louis lüftete dem Kriegerverein 100 Mk. für eine Gedenktafel, die zu Ehren der Kriegsveteranen in der Kirche ausgehängt wer­den soll. Die Mitglieder des Kriegervereins spendeten zu gleichem Zweck weitere 150 Mk. Es sollen zwei Ehren­tafeln in der Kirche angebracht werden. Die eine soll die Namen der Kriegsteilnehmer von 1848/49 und 1866, die andere die von 1870/71 und vom Chinafeldzug 1900/02 auf­nehmen. Die Einweihung beider Gedentlaseln ist auf den 19. September festgesetzt.

O Lich, 16. Aug. Die erste größere Arbeit an der Feldbereinigung ist soweit beendet: Die Gradlegung des sehr gewundenen Wetterlaufes in der Nähe von Nieder-Bessingen. Die größten Windungen werden ao- geschnitten, wodurch das Flußbett um Hunderte von Metern verkürzt und so an Land gewonnen wird. Der Haupt­zweck der Verlegung besteht darin, die während der Heu­ernte manchmal einttetende Ueberschwemmungsge- fahr zu beseitigen. Interessant ist ml erfahren, daß

ib Hauslllbeii h >r soson ob. Lh u Luna $|i^ Mtorjtw L

schließen. Tas ist kurz vor dem entscheidenden Kampf um die Ibis 28. September bei dem Landwirtschaftskammer Ausschuß in Erneuerung des sächsischen Landtages ein Debatte. DieKreuz- ra--c -t-<------rt=-K--*

Zeitung" und die ihr verwandten Blätter werden sich aus dieser Fahnenflucht aus dem konservattven Lager wohl ein Bild davon machen können, mit welchen Gefühlen im Lande die glorreiche Führung der Konservattven bei dem Kampf um die Finanzreform ausgenommen wird.

ittbst bamit befaßt und anderweit Belehrung sucht, kann itt diesem Punkte ein völliger Ignorant bis zu seinem | Lebensende bleiben, und es mag tatsächlich deren nicht ixirige geben. Wie oft trifft man erwachsene Leute, selbst t-en sogenannten gebildeten Klassen Angehörige, die keine ilhnung haben, wie sich der Reichstag zusammensetzt, wie , bfd Wahlrecht beschaffen ist, wie die kommunale Verwal- :itng gegliedert ist, u. dgl. m. Wie bedauerlich der Mangel Ian solchem Wissen ist, liegt auf der Hand, denn es ist har, jöß dadurch der politischen Parteiorganisation Tür und Tor L geöffnet wird; eine Persönlichkeit, die sich schon früher in L'v.erarttgen Dingen informiert hat, sieht die Dinge des U.ifsentlichen Lebens naturgemäß mit anderen Augen an s ind läßt sich nicht so leick)t in ein besttmmteS Fahrwasser leiten, als derjenige, der solchen Dingen bis dahin mit »geschlossenen Augen gegenübergestanden hat. Es ist daher eine Forderung der Billigkeit, wenn verlangt wird, daß

1 nt dieser Hinsicht endlich Wandel geschaffen wird.

ES gibt eine ganze Reibe von Staaten, wie Frank- 8 sich, England, Schweiz und Dänemark usw., wo die Unter- Meisung in der staatsbürgerlichen Kunde als obligatorischer I ^ehrgegenstand in allen Schulen gehandhabt wird, und ir.arum sollte das nicht auch in Deutschland möglich fein? Tie Nation hätte sicherlich einen Nutzen davon. Mit Recht lagt der bekannte hervorragende Münchener Scyulrat ff^rschensteiner:Wie soll der Staat bestehen, wenn seinem Mundamente, den Bürgern, der feste Kitt der Einsicht in iie Bedürfnisse dieses Staates und die zusammenhaltende .'.rast der Selbstzucht fehlt? ... Er wird sein, wenn es 4'1. m gelingt, diese beiden Ziele im großen und ganzen zu (rreicl)en; er wird nicht sein, toenn er nicht endlich mit allen verfügbaren Dritteln sorgt, daß seine Unterrichts- Minrichlungennicht bloß mechanische Fertigkeiten und den Uünfang von Wissen" erzielen, . . . sondern daß die Er- icnntnw der Zöglinge sich vor allem aus das Wesen und die »Bedeutung des Staatsganzen richte, daß diese Erkenntnis Minen charaktervollen Willen hone, . . . und daß insbeson- Utere endlich die großen Massen nach ihrem Austrttt aus : der allzufrüh abschließenden Volksschule nicht mehr Weiler ecm Spiel des Zufalls zu ihrer ferneren Erziehung völlig Wschrankenlos überla,fen bleiben." Kein geringerer als Kaiser Wilhelm IL selbst ist vor einiger Zeit für die,en Gedanken in .varmen Worten eingelreten; sollre seine Macht nicht so weit reichen, daß man in den Ministerien diese Mahnung be- herzig t?___________________________

politische Tagesschau.

Der Kanzler und Exzellenz Hobrecht.

An Arthur HodrechlS 85. Geburtstag bat sich auch der neue Reichskanzler Herr v. Bethmanu-Hollweg mit folgender Glückwunsch- doahlunq emgestellt: ,

.Eure Exzellenz bitte ich, zum heutigen Tage meine herzlichnen lückwünsche entgegennehinen zu wollen. sl)löge Ihnen die Strait l des Geistes und des Körpers, in der Sie vielen Zangeren überlegen find, noch lange erhalten bleiben und Sie befähigen, Zhre reiche Erfahrung in unserem politischen Leben zum Wohle des Vaterlandes } i verwerten. Reichskanzler v. Bethmann-HoUweg.

*

Konservative Fahnenflucht in Sachsen.

Die sächsischen Konservattven haben sich bekanntlich vm: kurzem der preußischen Parteileitung löblich unterworfen, nachdem sie sich vorher in der Frage der Erbschaftssteuer dem Standptmtt der rational liberalen Fraktton angenähert hatten. Im Reichstage schwiegen ihre Vertteter und dokumentierten durch ihre Isolierung iie gänzliche Einflußlosigkeit in ihrer Frattion. Wahrend der teußische Abgeordnete Arnold nach der Ablehmnig der Erbschasts- icuer folgerichtig aus der konservattven Reichstagssraktwn aus- tatt, Derblichen die beiden sächsischen Herren nicht nur in ihr, sondern Herr Dr. Wagner, der von der natwnalliberalen Partei im ersten Wahlgang unterftüßt worden i|t unö lediglich durch i'icse Unterstützung zum Siege gelangte, Ixitt ed letzt auch U>r geraten, der liattonalliberalen Partei den Fehdehandschuh hingU* werfen. Die Rttie des Herrn Heydebrand v. d. Lase, nm ihrem H Protest gegen jede Besitzsteuer wurde demVaterland , dem riüziellen Organ der sächsischen Konservativen, beigelegt, um äcn Kotau vor dem preußischen tonangebenden o lugel zu ^vol­lenden und vor allem sttotzte die letzte von dem konservattven 14 Landesverein unter Vorsitz des Abgeordneten Wagtter an- H Genommene Erklärung der sächsischen Konservativen von geraoezu wberlicher Anmaßung und Hochmut gegen tue 9lationaliibiralen. llöer Hochmut kommt vor dem Fall. Mehr und mehr empnnöci man diese würdelose Unterwerfung der früher m ihrem ^icn drch gutbürgerlichen sächsischen Konservativen unter den Heyoe- I mandschen Willen selbst m tonservativen Kreisen als unertraguw. 1 ton Mann wie Kommerzienrat Grumbt-Dresden, der über em äahrzehnr der konservativen Landtagsfralrion ailgehort hatte, er­klärte seinen Austritt aus der Partei, der frühere fonieroa.ioe

. Abgeordneie Behrens folgte ihm und letzt ist auch der Abgeordnete. Hübner-Zschopau diesen Spuren gefolgt und erklärt, stch.llTl skmer Wiederwahl der jiationalliberalen Landtagsfraktion aiizu-

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Mackiittatze i

wohnungsfiirsorge öes preußischen Staates für seine Beamten und Arbeiter.

(SpeKtalarttkel. Nachdruck verboten.)

Seit 1895, wo zuerst 5 Millionen Mark zur Verbesse­rung der Wohnungsverhältnisse der im Staatsdienste be­schäftigten Personen vorn Landtag bewilligt wurden, hat die preußische Staatsverwaltung (Eisenbahn-, Bau-, Berg­verwaltung und Verwaltung des Brinisteriums des Innern) es in die Hand genommen, eine planmäßige Lwhnungssür- sorge für Arbeiter und gering besoldete Staatsbeamte zu oetreiben. Es sind feit 1895 bis 1909 durch 11 verschiedene Gesetze im ganzen 119 Millionen Mark für diesen Zweck auf Anlell-e entnommen worden. Diese 119 Millionen Mark werden in zweierlei Art verwandt: 1. Indem der Staat selbst Häuser baut und vermietet. Der Mietzins ist so be­messen, daß er nach Deckung der Kosten eine Verzinsung uni) Amortisation des Anlagekapitals gewährt. 2. Indem ge­meinnützigen Baugenossenschaften Staatsdarlehen gegeben werden. In letzter Beit geht man auch damit vor, Haus­grundstücke zu beleihen, die in das Eigentum Einzelner übergehen. Dies geschieht besonders, um alleinstehende Be­amte unterzubringen. In solchen Fällen schließt die Staats­verwaltung nach dem Muster der Stadt Ulm a. d. D. Verträge mit den Eigentümern ab, durch die eine spekulative Verwertung des mit Staatshilfe erworbenen Eigentums ausgeschlossen wird.

Bisher sind rund 56y2 Millionen Mark für eigene Staatsbauten verwandt, 43 Millionen Mark sind als Dar- lehne an Baugenossenschaften gegeben. Der Löwenanteil dieser Summen fällt naturgemäß auf die Eisenbahnver­waltung, die mit ihrem Heere von nal)ezu »/, Million An­gestellter nicht nur den größten Arbeitgeber Deutschlands, sondern der ganzen Welt repräsentiert.

Zumeist werben Wohnungen mit 3 Räumen gebaut. Es sind bisher 12 359 Wohnungen vorgesehen, die sich in 420 Orten auf 2042 Häuser verteilen, so daß durchschnittlich auf jedes Haus 6 Wohnungen entfallen. % der Wohnungen (8236) haben 3 Räume, 506 Wohnungen 5 Räume, 2564 Wohnungen 4 Mume und 1053 nur 2 Räume. Von den 12359 Wohnungen sind ca. 10 000 bereits fertiggestellt. Die meisten Wohnungen haben auch Gartenland, bewohnbare Dachkammern, Viehstall und Holzstall. Außer diesen 12 000 staatseigenen Wohnungen haben die Baugenossenschaften mit Staatshilfe 13 684 Wohnungen errichtet, so oaß im ganzen bisher 26 000 billige Wohnungen für in Staatsbetrieben beschäftigte Arbeiter und Beamte vorgesehen und zum größten Tell fertiggestellt sind.

In unserer Stadt Gießen sind von diesen 119 Mill. Mark 349 908 Mark verwendet für acht von der preußisch- hessischen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M zum größten Teil errichtete zwei- und dreigeschosiige Häuser mit 88 Woh­nungen, je mit 4 Räumen. Die Wohnungen haben Garten­land und Viehstall. Die durchschnittliche Jayresmiete für eine solche Wohnung mit 4 Räumen beträgt 179 Mk.

Der Segen dieser Wohnungsfürsorge des Staates für feine Beamten und Arbeiter ergibt sich aus einem Vergleich ber in diesen Häusern gezahlten Jahresmieten mit den Woh­nungsgeldzuschüssen. Zn 95 Proz. aller Fälle ergibt sich die überraschende und für die Beamten, die in diesen Häusern wohnen, erfreuliche Tatsache, daß die Wohnungsmieten ge­ringer sind als die gezahlten Wohnungsgeldzuschüsse, oft sogar ganlz erheblich. Ta nun andererseits die Beamten, die in diesen Hausern noch keine Wohnung gefunden haben, im allgemeinen eine höhere Miete bezahlen werden als der Wohnungsgeldzuschuß betragt (der nach amtlicher Auffassung ja nur ein Zuschuß zur Miete sein soll), so ist mtt Recht die dringende Forderung erhoben worden, daß diese Diffe­renzierung an sich gleichgestellter Beamten aus der Well geschafft wird.

Bcjirtsaderbau= unü Äbstaurftellung zu Sichen.

Am Samstag fand auf Veranlassung des Landwirtschafts- kammer-Ausschusses für Oberhessen eine Besprechung über die Abhaltung einer Bezirks-Ackerbau- und Obstausstel­lung und eines Ob ft Marktes in Gießen statt, an der als Vertteter der Regierung Kreisamtmann Langermann, der Vor­sitzende der Ackerbaukommission, Wilhelm Z-enchel-Ober-Hörgern, der Vorsitzende des laiww. Lokalvereins, Rentner Kaiser-Gießen, sowie die Verttauensmänner der Landwirtschaftskammer im Aus­stellungsbezirke trilnahmen. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Vertteter des Lcnü)wirtschaftskammer-Ausschusies für Oberhessen, Oekonomierat Hofmann-Hofgüll.

^)tachdem Settetär Schwarz-Gießen die für bie Veranstal­tung erforderliche Informierung erteill hatte, wurde beschloßen, zur Vorbereitung der Aussteller und Dtarktbeschicker an einem geeigneten Orte in der Mhe von Gießen zunächst einen Obst» pflück- und Verpackungskursus abzuhalten, in dem über die zweckmäßigste Art des Obstpflückens, Sortierens, der Ob>t- verpackung und Aufbewahrung Bttehrung erteilt werden soll. Die Ausftttlung selbst soll am 9. und 10. Okwber stattsinden.

In Verbindung mit der Ackerbau-Ausstellung soll die Ab­haltung eines Saatgutmarktes der hessischen Saatbau- ftttlen veranlaßt werden. t

Bei Beratung der Ob ft markt-Ordnung werden u. a. folgende Bestimmungen getroffen: 1. Der Obwnartt findet am Atontag nach der Ausstellung statt. Er kann beschickt werden: von Lbftzücht^rn, von Vereinen, Gemeinden oder Sttaßenverwalttuigen, die das Obst auf ihrem Gebiete gesammelt haben und zum Venam stellen 2. Zu dem Obstmarkt wird zugelassen: sortiertes ^asel- nbft erster und zweiter Auswahl, gepflücktes, sortiertes^Wiri- schastsobft, Odsterzeugnisse, wie Torrobst, Latwerge, Ätus, ^rucht- äste u bergt, die im Haushalt hergestellt sind, Angebote oon irländischem Mostobst. Ausländisches Obst wird zu dem Vbst- marlle Nicht zugelassen. Als Packmaterial darf nur lerne Holz­wolle oder weiße Papierwolle verwendet werden. Alles rur den Obstmarkt bestimmte Obst muß Wätestens rum -tage vor ,dem abznhaltendcn Cbftmarft angemeldet werden. Das eingelieserte .Obst wird durch das Lbstinartttontitee vor Eronnung des Marktes '°cr^Serim;s^ge^chieht^durch die Obstzüchter ober deren Ver- trete^am Wunsch auch durch das Obstmarklkomttea

Die Anmttdung yi der Ackerbau- und Obstausstellung muß

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