Donnerstag
r.205
Erstes Blatt
15». Jahrgang
:ma( wöchentlich .^nerZamIlienblätter; tnalroöd)entl.Ktei$:
General-Anzeiger für Oberhesfen
Kolitssche Tagesschan
• -ir-rner Anzetger r^mt täglich, au«er r rrtagS. - Beilagen:
bie Tagesnmnmer Hottttionsbrutf und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Yuch- und Ztelndruckerei R. Lange, vormittags y utjr.
Rcöaftton, Expedition und vruckerel: Schuistratze 7.
eptember 1909
Vezugsprci. .
monatlich 75 Pf^viettel- Ä . jährlich Mk. 2.20: Kirch
Ab'.wle- il Zweigstellen monatlich 6o Pi.: durch
Ml die Post Mk. 2.— vievtcl- M jährl. ausschl. Beslellg.
Zeilenpreis: lokal IbPi, ansivärir 20 Pfenniq. Chefredakteur: A Goetz. Lcrantwortlich für den politischen Teil: August Goetz: für .Feuilleton' und.Vermischtes'
K. Neurath: für .Stadt u.Land" und.GerichtS-
Tas Kriegsministettnm hat bei den Orientbahnen 600 Eisen- bahnmaaen für Pferde- und Munttionsttanspott nach Adrianopel- Beüellt. 130 Wagens geben beut«ab .jungen sollen zur Vervollständigung des Kriegsmaterials des zweiten
Meldmigen aus Kon sta nt ino pel sind die! Au f st än di gen in Demen von den gruppen ms Gebirge zurückgetricben worden. General Dfckawid bereitet eine neue Expedition gegen die auf ständigen Albanesen vor. *>n Iper und Rugowo find bereits große Trup^nmassen versammelt Mbaneseilsührer Isa Poletin soll nach VLontenegrv gefluchter fern.
Zur Teilung des Kultusministeriums.
eVn der Presse hat, so schreibt man uns aus Bettin, ein Aufsatz über die Notwendigkeit einer Teilung des .Kultusministeriums viel Beachtung gefunden, der in der Monatsschrift „Deutsche Revue ftebt Die Abtrennung der Dt-edizinalabteiluiig vom Kultusministerium und ihre Ueberweisung an das Mmistermmiws Innern ist ja schon viel erörtert worden imb soll nach beglaubigten Nach- riästen so gut wie sicher bevornehen. Nun bespricht aber der erwähnte Artikel auch die Lostrennung der geistlichen Angelegenheiten bom Kultusministerium unb meint, sie können entweder eener neuen selbständigen Zentralbehörde ooer dem Zustizmmiste- rium übertragen werden. Das ist nun allerdings eine Frage r Esehr mel Värlerer sachlicher und polltischer Bcdeutung. Wir wollen heute nicht auf sie eingehen, da em wirklicher Anlatz dazu nickt vormlieaen scheint. Zwar meint die „2,.-r^agesztg. , der Rtt)ue"-Att^l stamme offensichtlich vmr einem Kundigen, wahr- scheinlich aus dem Kultusministerium selbst,. Wenn aber damU der Vermutung Llusdruä gegeben werden soll, daß im Kultusministerium eine starke Stimmung für diese Trennung herrsche, so glauben wir' doch die Befürchtungen der ernenunddieHon- nungen der anderen zerstreuen zu sollen. Die Absicht, Kultus nnd Unterricht zu trennen, besteht zweisÄlos im Mincherium nickt Selbst wenn aber einzelne „Umstürzler" für den Gedanken aewonnen sein sollten, dann würde die preußische Regierung auf keinen Fall wagen, jetzt den „blau-schwarzen" Parteien mit einem solchen Ansinnen zu kommen. Und an die Zustimmung des preutzi- schen Landtags wäre nicht zu denien.. Dem ^taatsmmi^rium macht die Behandlung der Wahlrechtsfrage schon Kopfzerbrechen gemiq Sie muß tatsächlich auch zuerst ut befriedigender, Weise geM sein, ehe eine Vorwärtsentwickeluug in grundlegenden Fragen eintreten kann. *
Zur Penfionsverficherung der Prival-Beamteu.
Trotz der lebhaften und unausgesetzten Agitation der d«its'chen Privat-Beamtenschast für eine staatliche Pensions-,und. Hmter- bliebenLnversicherung macht auch die L>elbstbilse auf diesem Gebiete unausgesetzte Forrschritte. Tie Privat-Beamten gÄ>en damit bat besten Beweis, wie ernst es ihnen um diese Sache ist. und daß sie einer staatlichen Unterstützung ut gegebenen Grenzen würdig
Deutsches Reich.
Der Kaiser ist am Mitttvoch um 10.45 llchr vom Stettiner Bahnhof nach Sw ine münde ab gereift
Anläßlich der Herbstparad e fand im Meisten Saale des Berliner Schlosses Paraüetafel statt. Abends erfolgte im Opcrnhause eine Paradevorstellung. Gegeben wurde die Puppenfee. „
Tas „Militärwochenblatt" meldet: v. Bernhard i, lommandierender General des 7. Armeekorps, wurde der Abschied bewilligt und v. Einem, General der Kavallerie, Aum kommandierenden General des 7. Armeekorps ernannt; v. Böhm, Kommandeur der 18. Division, und o. Lin singen, dieser unter Ernennung zum tom- mandrercnden General des 2. Armeekorps, wurden zu Gene- ralen der Infanterie befördert.
Der Militär-Ballon Groß II. wird am heutigen Donnerstag vormittag mit der Bahn von Berlin nach Schwäbisch Hall bei Stuttgart üb'ersührt, um an den diesjährigen Kaisermanövern teilhunehmen. Die Führung des Luftschiffes im Manöver haben Major Sperling, Hauptmann George und Oberingenieur Basenarl). Major Groß wird im Hauptquartier des Kaisers verbleiben. Zur Bedienung des Militär-Luftschiffes begeben sich drei Kompagnien des Lustschiffer-Bataillons unter dem Kommando des Hauptmanns v. Wedel und Oberleutnant Masrus ebenfalls nach Schwäbisch Hall.
Der französische Generalkonsul in Hamburg hat in einem Schreiben an den Vorsitzenden des .^kriegerbundes Hauptmann Kläber sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß er verhindert gewesen sei, zu der Be> kränzung der deutsch-französischen Krieger- gr aber auf dem Kirchhof am Diebesteich zn erscheinen. Gleichzeitig übermittelte der Generalkonsul den Dank seiner Regierung für die Fürsorge, die man den Gräbern bei Franzosen zuteil werden ließ.
Ausland.
Kaiser Franz Josef hat an den Statthalter von Tirol ein Landschreiben gerichtet, in welchem er seinen „tiefgefühlten herzlichen Dank" für die schönen Tage ausspricht, die ihm unvergeßlich bleiben würden. „Die glänzenden Feste, deren Zeuge ich sein tonnte," heißt es in dem Schreiben, „und die mir in so reichem Maße dargebrachten Huldigungen haben mich mit umso größerer Freude erfüllt, als ich mit Rührung wahrnehmen konnte, wie sehr der prunkvolle äußere Rahmen der Innigkeit des Gefühles der Treue und Ergebenheit meiner Tiroler und Vorarlberger entspricht. Mich stets eines Sinnes mit ihnen wissend, verbinde ich mit meinem Dank meine wärmsten Segenswünsche für das fernere Wohlergehen der beiden Länder, die meiner wohlwollenden Fürsorge und innigsten Zuneigung gewiß sein können."
Ein Beispiel über mangelndeDisziplin i m italienischen Heere wird aus Flores gemeldet: Dieser Tage langten nachts, wie die sehr bekannte und verbreitete Florentiner Zeitung ,/Ra.zicme" erzählt, von Florenz aus 700 Soldaten der Infanterie in Pistoia an, die soeben wieder eingezogen nx>tben; waren und m das Manöverseid spediert werden sollten, xer Eisenbahnzug hatte eine Stunde im Bahnhof zu warten. Diese Zeit wurde von den Soldaten dazu benutzt' das Büfett des Bahnhofes von seinem reichhalttgen eßbaren und trinkbaren Inhalte, meist ohne irgendwelche Zahlung, zu entleeren, ^er Wirt,.der nach GÄd schrie, wurde verhöhnt und mußte fich gefallen lauen, daß man mm auch seine Tassen, Teller und Eßbestecke ein,leckte. Des Wirtes Hilferuf erreichte den Herrn Hauptmann, der die Bande führte. Dieser setzte ihm aber auseinander, daß er jdie Macht über die ivrrunfrne johlende Gesellschaft verloren habe. Zum Beweise dessen wurde der Witt, als er einen Haupthel den an neuer Verwirrung der Eigentumsbegriff'e hindern wollte, von dem wackeren Reservisten machtvoll in die dicke Fensterscheibe der Bahnhofsrestauration geworfen, daß er nur wie durch ein Wunder aus deren tausend Splittern unverletzt aber gehörig er- schüttett hervorging. Den Uebeltäter durch Gendarmen fesmehmen zu lassen, war unmöglich. Denn einmal stellte sich die Genüar- mettL auf telephonischen Anruf nicht ein, sintemal sie auf einen derartigen Fall nicht vorgesehen war, und zweitens hätte sich.
erhöhuna durchführen mußte. Es fehlt ihnen merkwürdigerweise auch nicht an Lieferanten von Bier, die ihnen dns Bier so liefern, daß sie cs zu den bisherigen Preisen ausschenken können. Ern anderer Teil der Wirte und zwar, so weit sich übersehen laßt, der größere, hat sich von dem Einfluß der Brauereien emanzipiert und nimmt mit den Konsumenten gegen die Brauereien Stellung. Namentlich in den größten Städten gehen Biertrinker und Wirte zusammen gegen die erhöhten Bierpreise vor. Ein Unterschieb besteht übrigens zwischen den beiden Bundesgenonen: die Witte sind nicht gegen eine Bierpreiserhöhung an sich, sondern pe sträuben sich nur gegen einen Aufschlag, der in gar keinem Verhältnis zur Belastung aus der neuen Brausteuer steht. Dagegen hat sich in einem großen Teil der Biertrinker schon der Glaube festgenistet, daß überhaupt keine Verteuerung des Bieres eintreten dürfe. Dieser Standpunkt ist natürlich ebenso ^unhaltbar, wie der anfängliche Standpunkt der Brauereien, über die Steuerbelastung hinails eine Verteuerung des Bieres vorzunehmen. Mögen nun auch in der Hitze des Kampfes die Forderungen hüben wie drüben überspannt werden, so muß doch dattms aufmerksam gemacht werden, daß es ganz ohne Bierausschlag für die Konsumenten nicht abgehen kann, vorausgesetzt, daß das Lier ich qualitativ nicht sehr merklich verschlechtern soll. Aber vorläufig liegen die Verhältnissle auf dem Kriegsschauplatz noch so, daß die Brauereien erst einsehen lernen muhen, rote verkehrt ihre eigenmächtige und überspannte Preispolitik war Sie |d}nciben ich bei einer zähen Durchführung dieser Politik ins eigene Fleisch und werden mit ihrer Drohung, daß das fetzige Vorgehen der Biertrinker zu umfangreichen Ärbeiterentlasfungm tm Braueret- geroerbe führen müsse, kaum einen nachhaltigen Druck auf Die Bohkottbeivegung ausüben können. Denn erbens bauert es noch einige Zeit, bis diese angedrohten Entlassungen verwirklicht werden, und zweitens liegt es ,a gar nicht tn ber Absicht ber Dierttinker, länger Enthaltsamkeit zu üben, als es unbedingt durch die Haltung der Brauereien nötig ist. Sobald diese Gnt- qeqcnlommcn zeigen und die Bierpreiserhöhung insoweit surua- nehmen, als sie nicht durch die neue Steuererhohuna Ibegründet ist, sobald wird auch auf der anderen Seite bet den Konsumenten und bei den Wirten der Boden für eine Verständigung gegeben sein. Je früher und rascher diese erfolgt, desto weniger wird aber der Absatz der Brauereien zu leiden haben.
Bund der Landwirte und Bauernbund.
* Der neugegrünbetc Deutsche Bauernbund, der sich früts durch die Verbreitung einer gedruckten Korrespondenz frieren Einfluß zu verschaffen sucht, scheint auch in der Lien Jahreszeit kräftig Propaganda zu machen. Interim it ist, wie er im Osten gegen den eingesessenen Bnnb fr Landwirte vorgeht. Wir lesen darüber in der erwähn- t( Korrespondenz des Bauernbundes:
1 Zu einer erfreulichen Kundgebung für den Deutschen tzlioernbund gestaltete sich am Sonntag den 29. August die fo vramtschen bei Thorn angekündigte Versamm- frg des Deutschen Bauernbundes. Der VundderLand- y.cte hatte alle Vorbereitungen getroffen, um in der fr jammlung einen Erfolg für sich erzielen zu können. 1 die Mitglieder des Bundes am Orte wie in den um- senden Ansiedelungen waren Briese von Berlin geschrie- |r worden, in denen sie aufgefordert wurden, zahlreich Keinen. Auf allen Tischen lag ein Flugblatt, das rteisekretär des Deutschen Bauernbundes, Herrn Eermann, auf das schärfste angriff, und als Vertreter Bundes war Dr. Bötticher aus Berlin erschienen. Die fmnmlung wurde eröffnet durch Herrn Reinicke-Gr.- frs.au bei Thorn mit einer kurzen Ansprache und einem frj) auf den Kaiser. Dann erhielt Ansiedler Moritz, der : MI vertret ende Präsident des Deutschen Bauernbundes, das Dort, um in ruhiger und sachlicher Darlegung die Ent- »feang des Bauernbundes zu schildern und vor allem die Äroegung, wie sie im Osten entstanden ist. Es folgte eine M>e des Reichstagsabgeordnelen Dr. Böhme, der sich be- M.bers mit dem Verhalten des Bundes bei der Finanz-- Mrm beschäftigte. Beide Herren ernteten stürmischen Bei- ■i der Versammlung. Alsdann suchte in der Diskussion fr Bötticher den Standpunkt des Bttndes &u rechtfertigen. H zeigte sich sofort, daß alle Vorbereitungen des Bundes, si: eine Mehrheit in der Versammlung zu schaffen, völlig ■ir(ungen waren. Richt ein einziger Laut des Beifalls Mrde am Schluß der Rede des Herrn Dr. Bötttcher laut, fragen zahlreiche Zurufe, wenn er mit allzu kühnen Be- l. Lungen die Politik des Bundes zu rechtferttgen suchte.
öcr Aussprache sprach bann äußerst wirkungsvoll für fct Bauernbund Ansiedler Schulze-Osterbitz, Kr. Briesen, «!' Landwirt Erich Bröse, Deulsch-Rogau. Obwohl zahl- Mhe Personen anwesend mären, die als überzeugte Mit- ff. Der des Bundes der Landwirte erschienen waren, trat l ec für den Bund der Landwirte ein. il'cach einem Schluß- •tt t der beiden Referenten und einer Aufforderung zum M.ritt zum Deutschen Bauernbund wurde die Verfamm- lu, i mit einem begeisterten Hoch auf den Deutschen Sauern- Ep. id geschlossen, in das alle Anwesenden einstimmten, nur Mk Mtticher unb der mit ihm erschienene Redakteur des Mservativen Thomer Blattes blieben sitzen. Von allen MiLn früheren Freunden verlassen, suchte der Vertreter H Bundes der Landwirte in Privatgesprächen dann zu «.-an, was zu retten war. Wie sehr aber die Stimmung i diesen Gegenden zuungunsten des Bundes der Land- Wwe umgeschlagen ist, ging deutlich hervor aus den Zahl- indicn Beitrittserklärungen zum Deutschen Bauernbund. Mr da weiß, wie schwer eine solche Organisatwnsarbeit tt allgemeinen zu sein pflegt, mußte erstaunt fein, wie Mit es hier war, Mitglieder zu werben.
imb. So hüben bcüp.elsiveisc die Vettorgungslaiien des Deutschen Privat -Beamten- Vereins zu Magdeburg, welcher diesem Zweige sozialer Fürsorge besondere pflege angedccktcu läßt, m dem 1. Semester- 1909 wiederum recht bettachtlw-e Zugänge erfahren. Sre beziffern sich der der Pemronskane auf J03 Ve'.'siclreruugen mit 4821 Anteilen, wahrend bis ecnw|tcrid)lu6 noch 305 Versickerungen mit 1592 Anterlen der Arifnahme hanten. In der Witwcnkasse betrug der Zugang 202 Veriickerun^feir mit 597 Anteilen, 70 Versicherungen mit 206 Anteilen blieben unerledigt. Tie Begräbniskasse erzielte einen Zugang von 188 Versickerungen mit 160 300 Mark Versicherungskapital unb 21 Anttäge mit 21 325 Mark Ve'sickierungskapital blieben m der Sckrwebe. Bereits int Jahre 1908 Eomitcn die L^rsorgungska feil recht gute Erfolge .a usweisen. Nach vorstehenden Ergebnmo« dürste sich aber die Entwickelung im laufenden Jahr noch gunsttger gesttttten. e
Eine Zurechtweisung der deutschfeindlichen „Nowoje Wremsa".
Die Süddeutsche Reichskorrespondens erhält au« Berlin folgende offiziöse Note:
„Der russische Botschafter in Konstantinopel, Herr Tfckarhkow. hatte kürzlich den dvttigen Berichterstatter der „9dM»fe Wrcmia". auf ein besseres Verständnis der deutsche,i Onentpolitik butgcnncicn. Es scheint aber nicht, daß der Korrespondent den wohlgemeinten Rat des Botschafters befolgen will. Denn er drahtet neuerdings feinem Blatte folgendes: „Die in türkochen T«mstcn lichmtden Deutsckxn raten der Türkei bnngcnb, m der Suda bucht aus Kreta einen starken Kriegs flotten stützpunkt anzulegen." Man braucht diese Leistung nur niedriger zu hängen. Unsere Landsleute tn der Türkei gegen die B^ichtigung des russischen Korrespo,identen ausdrücklich ht Schutz zu nehmen, hieße seinem Telegramm zu viel Geimcht b^imesseu Wir glauben auch nicht, daß die Tutter ihretteits die Absicht hat, in der Sudabucht einen Kttegshasen einzuricklen. Wer aber den Anschein zu erwecken sucht, als 1« das H-efthalteii der Türkei an ihren Hoheitsrechtcn über Krttawlf fremde Einflüsterungen zurückzuführen, dem muß das ABC der kretifcheli Frage noch recht dunkel sein."
Es wäre reckt gut, wenn ai,s dem auswättigen Amte in Berlin öfters soläie Wasserduschen auf fremde deutsc^ferndliche Hetzer m der Reichshauptstadt ausgegossen würden. W lebt eure große Menge solcher Herren in Berlin.
Der vierkrieg.
I Gegen die Bierpreiscrhöhung, deren Durchführung die Brauer- Mi versuchen, wird fast überall fräftige und bis jetzt auch tiisame Opposition gemacht. Während z. B. bet uns in Gictzen Ifre mäßige Bierpreiserhöhung ohne bvel Lärm und. Wider- Ifrucb hat eingeführt werden können, ist es vor allem die Ar- Lkittbevölkerung inf dien Jndusttiegegeuden und ui den Groß- Üttten, die durch direkten Boykott resp. durch weitgehende Etn- Mnkung des Biergenufses die Brauereien zur Rückkehr zu den Ifrut oder doch zu niedrigeren Preisen nötigen will. Besonders i bie Bewegung gegen die Bierpreiserhöhung im rbeiniich-roest- i veben Jndusttiegebict von einer Intensität, die die Brauer- e j schon veranlaßte, mit den öttlichen Organifattonen der Ax» Ittrr und mit den Wirtevereinigungen in Verbindung zu treten, mit ihnen zu einer Einigung zu gelangen. Sehr zu Hatten formt der Arbeitcrbevölkerung, daß ihre Organüattonen sich
: Frage der Vierpreisregelung annehmen. Auch in Den Schickten : I Landwerks, in der Beamtenschaft, in kleinbürgerlichen Steifen l i) die Bewegung gegen allzu hohe Dierpreife mitgemaajt, ilnenb in den Kreisen, wo Kleingeld keine Rolle 'vielt, der r.r für die Bewegung gegen die erhöhten Bierpreife völlig ? |lt. Doch liegt der Schwerpunkt des Kampf es Meisel-
I bei der Arbeiterbevölkerung, ganz einfach aus dem Grunde, -il ihr Bierkonsum am stärksten ins Gewicht fallt. Wenn man tagt, was täglich auf Bauten unb m Fabriken an Bier um^ ■'f-t wird, und daß gerade hier infolge der Preiserhöhung das c durch Milch, Kaffee, Limonade ufro. ersetzt wird, so kann ü, es verstehen, wenn heute schon die Brauereien für ihren jqB ernstliche Befürchtungen hegen. Er > ck-vett wird den <mereien ihre Positton aber au»ch dadurch, daß keineswegs alle fcraereien die von den Verbänden jeroeilig befchloffene breis- rtSbung mitmachen. Aber selbst wenn man diese Au-tz en£ liier als belanglos ignorieren könnte so ist man M। boeft W dadurch sehr hinderlich, daß die befchlosienen Preiserhöhungen io ungemein scharfe Abweichungen zeigen, bte »um •Sil ja9 durch die Verschiedenheit der Gestehungskosten m öen vl-Inen Bezirken begründet sind, btc aber doch dre Witte und Konsumenten zu Vergleichen und zu Schlußfolgerungen über llngemesseiiheit der beschlossenen Erhöhungen anregem ^urch itrj< Vergleiche haben sich auch einige Brauervnoande veranlagt igeben, von dem erst angefünbtgten Prelsauffchlag 5 IdKn wb sich mit einem niedrigeren zu begnügen. f.
Eigenartig ist in dem ganzen Fierkrieg dre Stellung d.rWirte. Wie sic ihrem ganzen Berufe nach zwucken »rauer mb Biertrinker stehen, so ist auch im gegenwärtigen Kampfe i:ike Haltung keine einheitliche. Dort, wo sie in Üar Tm idln: Abhängigkeit von den Brauern üeben, nniren lie ge- ptijt, die Bierpreiserhöhung mitzumachen, lretlick vrelero bnt Erfolge, daß ihre Lokale weit weniger be ucht wurden als trter. Denn das ist den Brauern nicht gelungen, auch bte jj&nfeiter unter den Wirten unschädlich zu viamen. G o. Anteil blühen deren Geschäfte gerade augenblicklich oeloiES üpig dort auf, wo der größere Tell der Wirte die Bierp
.iisürdenUreir Sieben »nstag iindFreiiaq); •jmal monatl. £anb= vchastliche Seitfragen -»sprech - Anschlüsse: r 6te Redaktion 112, ■ lag u. Expedition 51 > tfse für Depeschen: jUSidflcr Gießen, z <hme von Anzeige»
Line Kabincttstrife in ber Türkei?
Tie Türkei sttht innerlich noch immer nicht gefestigt , da: schon wieder spttcht man von einem Wechsel im Gwtzwesirw. In den türkischen parlamentarischen Kreif en rechnet man, so wird gemelott, mit der Möglickkeit, daß der Temiffiou des Arbeitsministers Noravunghian ein Wechsel tm Groß w e s i r a t folgen werde, da der L>tnrz des smimsterv gegen den Willen des EKoßwesirs erfolgte. Als Nachfolger des Großwesirs wird der aegenroärtige Minifter des Innern al a a t Lev genannt. Sollten sich diese Gerückste bewahrl-eiten, so watt die Aiidung eines rein jungtür fi s ÄenKa b ^n^,"s wahrscheinlich. Die Eiitf'ckeidung ist nicht vor der Rückkehr des Sultans von feiner Reise nach Brnssa zu erwarten. . ..
Ter Sultan ist am Mittwoch in Brusfa emgettoffen uni) begeistett empfangen worden. Die .Rackrichi, der BMttenministcr Noradtrnghian l)abc bereits bemmuoniert, tlt mrroabr. ^er Mmcker wohnte dem Rate am Mittwoch bei. Tie Minister des ^nnern, der F-inanzen unb des Unterrichts verlangen seine Temifswn, er weiaett sich aber. Am Mittwoch begann die Verhandlung der Beleidigungsklage des bisherigen Arbeitsmimsters gegen den jungtürkischen Mgeordneten Djahid, der im „Tanin dem Minister der Lestechlichkeit und Parteilichkeit bei.der Vergebung öffentlicher Arbeiten vorgeworfen hatte. Der Minister verlangt 1000 Pfund Schadenersatz, dre er dem tuttifchen jlottenoertm überweisen will. Djahid erklärte, den Wahrlfeitsoewei- antteten zu wollen. Tie Verhatidlung wurde darauf vertagt.


