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Nr. 78/2/6 Erstes Blatt ISS.Jahrgang Freitag S. April 1909
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bä vornMaK"s^ Rotationsdruck und Verlag der vrMschen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lange. Nedattion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. tzV^iL?'^ÄL
Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.
^uch sonst sind neuerdings noch manche Unrichtigkeiten über I kratische Politik zu treiben; hiergegen werde rücksichtslos eingc
schritten. Es war begreiflich, daß die Sozialdemokraten hiergegen
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Die Abgg. Dr. Arendt, Dr. Weber und Gras Kanitz vertraten dabei gegen den Freisinnigen Kämpf den Standpunkt der ehemaligen Kartellparteien. Nach einer kurzen Besprechung der Frage eines Nitrit-Zolles beim Etat der Steuern und Zölle konnte der
Präsident schließlich
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mungen unterrichtet, die in Wien an sden maßgebenden Stellen, aber auch in der gesamten Bevölkerung gegenüber dem benachbarten Königreiche obwalten, Stimmungen, aus deren Kenntnisnahme Serbien allerdings die Beruhigung schöpfen darf, daß seine verfehlte Politik in den letzten Monaten bei uns kein Gefühl der Ranküne zurückgelassen hat. Zu der formellen Erklärung in dieser Hinsicht lag natürlich keine Veranlassung vor und cs wären die Vertreter der Mächte zu einer solchen auch nicht er- mächttgt gewesen.
Das serbische Preßburean ist ermächtigt, die von einigen ausländischen Blättern verbreitete Nachricht, daß der Minister des Aeußcren, Dr. Milowanowitsch im Radikalen Klub erklärt habe, Rußland hätte ihm versprochen, die Verteidigung der Sache Serbiens in die Hand zu nehmen, sobald sich eine günstige Gelegenheit bieten werde, in aller Form für unbegründet zu erklären. — Ebenso unrichtig ist die Nachricht eines Blattes, Dr. Milowanowitsch habe diese Erklärung am Mtttwoch in der geheimen Sitzung der Skupschtina wiederholt.
Inzwischen hat der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad, Graf Forgach, gestern Mittag dem Minister des Aeußeren Dr. Milowanowitsch die Antwort der österreichisch-ungarifchen Regierung übermittelt: diese nimmt darin die serbische Note vom 30. März zur Kenntnis, spricht den Wunsch nach nachbarlichen Beziehungen aus und erklärt, daß die neuen Handelsvcrttags-Ver- handlungen sofort ausgenommen werden können. — Mit dem heutigen Tage ist zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien der vertragslose handelspolitische Zustand eingetreten.
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entrüstet demonstrierten und Herr Emmel, der Abgeordnete für Mülhausen, erhielt zwei Ordnungsrufe, da er statt einer sachlichen Vertretung seines Standpunktes den Minister persönlich beschimpfte. Die anderen Parteien erklärten sich mit den Grundsätzen des Herrn v. Breitcnbach einverstanden und auch die Arbeitervertreter aus dem Zentrum bekundeten ausdrücklich, daß von einem Streikrecht bei der Eisenbahn nicht die Rede sein dürfe. Im übrigen bezog sich diese Erörterung auf Bahnwünsche, insbesondere die Verbesserung des Verkehrs nach der elsaß-lothringischen Grenze und nach den süddeutt'chen Staaten. Der Etat des Reichsschatzamtes, dessen Beratung sich anschloß, führte zu einer nochmaligen Aussprache über Freihandel und Schutzzoll.
l?cln?e™:t r>. S f ch u b i, der angeblich in Cairo schwer an Diphtheritls mederlag, wellte am Mittwoch in München und verhandelte mit dem Kultusminister wegen Uebernahme der Direktion der bayerischen Zentralgemäldegalerie. Er reifte alsdann nach Berlin. Max Grube, der schon früher dem Meininger Hoftheater angehorle, t|l zum Leiter der Bühne des Herzog Georg ernannt worden mit dem Titel »Geheimer Hofrat-.
vorzutragen, die zum ständigen Material in den Beratungen der Eisenbahnetats der Landtage gehören. Als Ehef der Reichsbahnen erwiderte in sehr eingehenden Darlegungen der preußische Eisenbahnminister v. Breitenbach. Der Abg. Werner hatte die in der Budgetkommission so gründlich behandelte Frage des Kohlenbezuges zur Sprache gebracht; der Minister wiederholte seine dortigen Erklärungen, in denen er eine Benachteiligung des Eisenbahnfiskus bestritt. Jnbezug auf das Vereinsrecht der Eisenbahner nahm der Minister die Stellung ein, die für staatliche Betriebe selbstverständlich ist: absolute Neutralität, soweit die
Stimmungsbild aus dem Reichstag«.
Berlin, 1. April.
Da der Etat nun doch einmal nicht rechtzeitig fertiggestellt werden konnte, hielten es die redelustigen Herren unter den Reichsboten nicht mehr für erforderlich, sich irgendwelche Beschränkung aufzuerlegen, und so gelang es in der gestrigen Abcndsitzung nur noch gerade, den Etat des Auswärtigen Amtes zu erledigen und das Referat des Abg. Schwabach entgegenzunehmen, dem als ehemaligen Geheimrat im preußischen Eiscnbahnministerinm die Budgetkommission die Berichterstattung über den Etat der Reichseisenbahnen übertragen hatte. Heute kam man schon um 10 Uhr zusammen, um den Versuch zu machen, wenigstens an diesem Tage in einer anschließenden neuen Sitzung die dritte Sefung des Etats zu bewältigen: aber erst zu einer Stunde, in der häufig die Plenarsitzung geschlossen werden kann, konnte man diese letzte Arbeit vor den Osterferien beginnen. Eine Reihe von Stunden brachte man noch mit den Eisenbahnen zu. Die Elsässer Will und Böhle, ersterer dem Zentrum nahestehend, der andere der sozialdemokratische Vertreter von Straßburg, erörterten die Verhältnisse der Beamten und Arbeiter bei den elsaß-lothringischen Eisenbahnen und hatten sonstige allgemeine Beschwerden und Wünsche
bte letzten Vorgänge an serbischen Konflikt behauptet worden, und das Wiener „F r e md e n b l a t t" schreibt jetzt bezüglich des Kommentars, den die Vertreter der Mächte in Belgrad gelegentlich der Durchführung des Mediationsschrittes dem serbischen Minister des Aeußern, Milowanowitsch, gegeben haben: Dieser Kommentar ist keinesfalls so aufzufassen, als ob darin eine Gegenerklärung zu der österreichisch-ungarischen Regierung zu erblicken wäre. Die 53 er tret er der Mächte haben der serbischen Regierung nur etwas Selbstverständliches mitgeteilt, und sie über die Stirn-
— Go gols 100. Geburtstag. Die hundertjährige Wiederkehr des Geburtstages Nikolaus Gogols, der am 2. April 1809 zu Sorotschinzy im Gouvernement Poltawa geboren, richtet von neuem die Aufmerksamkeit der gesamten euwprschen Kulturwelt auf,das große Werk dieses Dichters, das geradezu die Essenz des russischen Lebens in sich birgt. Mit dem rücksichtslosen, oft grausamen Wahrheitsdrang des Propheten, mit urwüchsigem Sinn für Komik und Humor, aber auch mit einer maßlosen Selbstüberhebung reißt er die gleißende Hülle von all der Kleinheit und Erbärmlichkeit des russischen Lebens. Mit finsterem Grinsen zeichnet er besonders die hahnenstolze Grandezza, mit der abenteuerliche Hohlköpfe aneinandervorbeileben, die grotesken Flüge, zu denen selbstgefällige Mittelmäßigkeit unnütze Menschen zu treiben vermag. Die dumpfe träge Seele der russischen Provinz ist uns vor und nach Gogol nie mit solcher ttefdringenden Beobachtungs- gabe und solch, genialer Darstellungsrrast lebendig vor Augen gestellt und verständlich gemacht worden. Nach häufigem Berufswechsel hielt er sich eine Zeitlang in Deutschland auf, ging dann nach Rom, wo er sich lange auftzielt. Im Jahre 1837 begann er sein Hauptwerk „Tote Seelen", nadyöem im Jahre vorher „Der Revisor" mit ungeheuerem Erfolg in Rußland aufgesührt worden war. Er wurde allmählich immer tiefsinniger, »nachte eine Pilgerfahrt nach Jerusalem und kehrte dann nach Rußland zurück und lebte in Moskau, wv er am 4. Marz 1852 starb. Eine vollständige Uebersetzung seiner Werke ins Deutsche lag seither noch nicht iNr, erst in unseren Tagen ist eine in Vorbereitung. Dr. Otto Buck hat sich mit einer Reihe russischer Gelehrten vereint, um eine vollständige deutsche Ausgabe von Gogols Werken zu veranstalten, die in 8 Bänden sein gesamtes literarisches Schassen in getreuen künstlerischen Übersetzungen enthalten wird. ' Der Verlag Georg Müller in München hat durch die Mitwirkung von E. R. Weiß für eine ganz vortreffliche Buchausstattung gesorgt. Tie ersten beiden Bände, der Roman „Die toten Seelen" oder „Die Abenteuer Tschitschikows", das Werk, das am umfassendsten Gogols Eigenart widerspiegelt, sind soeben erschienen.
— Ein Vermächtnis Irlands. August Wilhelm Iffland wurde der Besitzer eines eisernen, reich mit Diamanten geschmückten Ringes, den er, wie daS ,53. V mitteilt, tn seinem Testament für den „Würdigste n“ unter den ersten Schauspielern bestimmte. Wir entnehmen diese interessante Notiz der Nummer des „Roland von Berlin", die morgen eridjeint, und noch weiter erzählt, daß dieser Ring dann an Ludwig D e v r i e n t kam, der das Kleinod in seinem Testament Emll D e v r i e n t vermachte. 1872 ging er darauf an Theodor Döring über, der ihn testamentarisch Friedrich Haase Übergab, weil er ihm besonders würdig dieses Ehrenzeichens zu sein schien, dessen Träger stets einer der besten in der deutschen Schausvielkunst sein sollte. Und Friedrich Haaje batte tu feinem Testament den Rmg für Adalbert
Matkowsky bestimmt, denn er hatte wohl nicht gedacht, daß er den so viel jüngeren Kollegen überleben würde. Bor einem Jahre wollte Haase Malkowsky von diesem künftigen Erbe in Kenntnis setzen und kündigte ihm seinen Besuch an. Aber Malkowsky, der dem Aelieren den Gang ersparen wollte, erbot sich, 311 Haase zu kommen. Krankheit verhinderte es. Ter Tod kam dazwischen, und so erfuhr Malkowsky nicht einmal etwas davon, roelche Ehrung ihm zugedacht war. Friedrich Haase steht also von neuem vor der Frage, deren Beantwortung zurzeit wirklich recht schwer fällt: Wer :st der Würdigste, dem er diesen nun schon durch den fünften Träger eines großen Schansvielernamens geweihten Ring hinterlassen soll?
— DieBöcklin-Fälschungen, bereit der Basler Maler Eduard Rüdisühli beschuldigt wird, bilden den Gegenstand eines Strafprozesses, der am 5. April vor dein bärtigen Gericht zur Verhandlung kommt. Es handelt sich um den „Liebesherbst" und den „Ersten Gedanken zum heiligen Hain", die der Angeklagte gefälscht und mit dem Signum Arnold Böcklins versehen haben soll. Zu der Verhandlung sind auch Mitglieder der Familie Böcklin aus Florenz geladen. ,
— Die umfangreichsten Rollen bei Shakespeares Dramen. Auf diese spielerische Frage dürften nur wohl wenige Leser eine richtige Antwort geben können. Tie Arbeit der Untersuchung hat der Dubliner Professor der englischen Literatur Edward Dowden abgenommen, dessen kleines Shakespeare-Buch soeben zum zweitenmal in deutscher Uebersetzung von Paul Tausig erschienen ist. Nach der Tabelle, die Dowden aufgestellt hol kommt weitaus an erster Stelle für ein Drama Hamlet Seine Rolle umfaßt nicht weniger als 1569 Verse, während erst in weiter Entfernung Richard III. mit 1161 folgt Nur 44 Verse weniger, also 1117 hat Jago zu sprechen, der Hauptheld des Dramas, Othello dagegen nur 888. Wir wollen bann iwcb Lear mit 770, Macbeth mit 705, Romeo mit 618, Corivlan mit 886 unb Brutus mit 727 Versen nennen. Zwei Personen üt Stoteipeares Tiamm Jint> freilich noch ftärfer be(dwfti9t als
V- kmit 1987 und der bi*, lustige Ritter
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Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 1. April.
„Hier steh' ich nun, ich armer Tor, und bin so klug noch wie zuvor!" Dieser klassische Stoßseufzer entrang sich der beklommenen Brust des preußischen Volksvertreters Benno Student, als er die Nebenbahnvorlage mit heißem Bemühen studierte und keinerlei Bahn ober Bähnchen für seinen Heimatkreis Schwiebus-Züllichau darin erspähen konnte. Und wie dem Schwiebuser, so ist's auch fast allen andern sünfunddreißig Landboten ergangen, die am Donnerstag im Abgeordnetenhause, bei der Sekundärbahn Vorlage, ihr Herz ausschütteten. Sie alle hatten sich über Enttäuschungen zu beklagen, und selbst diejenigen, denen die Vorlage diesen oder tonen Wunsch erfüllt hat, wußten noch von mancher schönen Hvfsnungsblüte zu vermelden, die immer noch nicht zur Frucht gereift ist. Es war ein eigenartiges Bild, das der weite Saal am dritten Tage der Beratung der Sekundärbahnvorlage bot: Zu Beginn der Sitzung zählte man ganze fünfundfünfzig Abgeordnete im Hause, just so viel, als auf der Rednerliste ftanden, und als späterhin noch einige Nachzügler erschienen, da vernahm man bald, daß auch diese Herren ihre Namen nachträglich auf die Liste gesetzt hatten. Alles Redner also. Hörer waren sie nicht. Denn während der gerade zum Wort verstattete Kollege seinen Klagen am Rednerpult freien Lauf ließ, unterhielt man sich im Saale in höchster Unbekümmertheit über das, was der da oben zu sagen hatte. Und wer gesprochen, des Bleibens war auch nicht länger im oben Saal; flugs enteilte er der bleiernen Langeweile, die ihre Schwingen über das Haus breitete. So tams, daß nur noch zwanzig des Aufrufs harrende Volksboten die Bankreiheu zierten, als Herr v. Kröcher die Vertagung vorschlug. Und diese zwanzig, zu denen noch rund zehn Nachzügler kommen, werden nun am Freitag dem Lande und der Regierung sagen, was sie leiden.
Gsetzener Stadttheater.
Goldfische.
Lustspiel in 4 Akten von F. v. Schönthan und G. Kadelbura.
Wie sehr sich Rudolf Goll allgemeiner Beliebtheit »u erfreuen hat, das bewies zwar nicht der Besuch seiner gestrigen Ehrenvorstellung, wohl aber die zahlreichen Kränze unb sonstigen Spenden, mit denen der gewandte, liebenswürdige Künstler ausgezeichnet wurde, und das bewies auch der Beifall, mit dem er begrüßt wurde. Heber Golls künstlerische Bedeutung hier etwas neues zu sagen, ist schlechterdings unmöglich, denn ich habe schon häufig die vornehme, taktvolle Art seines Spiels hervorgehoben und ihn in bedeutenderen Rollen als der des Leutnants Felsen eingehend zu ergründen versucht. Ich' erinnere nur an Orlando (Zwillingsschwester, Jerome VSimson), Petypvn Dame von Maxim,, Fouche (Madame Sans Gene), Bruno Pfarrerin), Tjälde (Fallissement) u. v. a. Auch gestern ivar er wieder ganz der liebenswürdige, angenehm bramar- bafierenbe Schwerenöter, der seine Rolle mit unnachahmlicher, hoheitsvoller Geschicklichkeit durchführt und über eine ausgezeichnete Dialektik verfügt. Die Regie war flott und 'sicher, nur das Zimmer des Obersten war etwas abenteuerlich bunt.
uention in Petersburg, dem Anspruch gefährlich nahe gekommen ist zu dominieren und Europas eine Politik, die, wenn sie weiter verfolgt wird, unvermeidlich die schwersten Folgen haben muß, bmicren?" Immerhin hat diese deutsche Politik zunächst den
verdöchtigungen Deutschlands.
Die Beendigung des serbischen Konslittes hat merkwürdigerweise gerade die englische Presse am meisten in Wut versetzt, eine Wut, die sich gegen Deutschland richtet. So schreiben die „Times" in einem Leitartikel „Das öffentliche Reckt Europas", daß einer der beiden Fälle, den Grey als Kriegsmöglichkeit in Europa bezeichnet bat, fast eingetreten sei, nämlich her Versuch einer großen kontinentalen Mackst, zu dominieren und dem Kontinent ihre Politik zu diktieren. „Wer kann leugnen," schreibt das Citpblatt, „daß Deutschlands Vorgehen, namentlich seine befehlshaberische Jnter-
Etatsberatung für beendet erklären.
Eine Stunde darauf begann in der neuen Sitzung die dritte Lesung des Etats. In der allgemeinen Besprechung prod-uzievte sich Herr v. Dannenberg, der neue hundertprozentige Zuwachs der Welfenfraktion. Zwar ist er einer von den neuesten, er tat sich grenzenlos erdreisten. Der Reichskanzler war nicht anwesend, das Haus hörte zu Anfang belustigt zu unb schließlich hörte auch Herr. v. Dannenberg auf. Tann begann bie Einzelberatuim; man hielt sich beim Etat bes Reichsamts des Innern sehr lange auf und in spater Abendstunde mußte man sich noch einmal auf morgen früh vertagen.
Frieden erhalten, was eine Politik, welche die serbischen Aspirationen unterstützte, nicht getan hätte.
Solche und ähnliche Hetzartikel haben nun die „Nordd. Allg. Ztg." veranlaßt, eine authentische Darstellung des An- reils zu geben, den Deufichland an der Beendigung des serbischen Konfliktes hat. Das offiziöse Organ schreibt: „Tie ruffische Regierung bat sich bekanntlich vor der jüngsten Demarche der Mächte in Belgrad bereit erklärt, auf Grund der ttirkischen Vereinbarung mit Oesterreich Ungarn über bie Annexion Bosniens und der Herzegowina der dadurch bedingten Abänderung des Artikels 25 vom Berliner Vertrag ihre Zustimmung zu geben. Trotz wiederholter gegenteiliger Feststellung in deutschen Blättern wird in einem großen Teil der ausländischen Presse die Fabel aufrechterhalten, der Euffchluß der russischen Regierung sei das Ergebnis einer „Pression" Deutschlands gewesen. Es wurde sogar die groteske Behauptung ausgestellt, Deutschland habe mit einer Mobilmachung gedroht. Demgegenüber sind wir ermächtigt, den Hergang autl)en- tffch und endgültig folgendermaßen festzustellen:
Auf verschiedene Demarchen, bie Serbien zum Aufgeben seiner unberechtigten Ansprüche anläßlich der Annexion der beiden Provinzen durch Oesterreich-Nngarn veranlassen sollten, hatte Serbien, wie von allen Mächten anerkannt wurde, in unbefriedigender Weise geantwortet, hierfür liegt der Beweis schon darin, daß sich die Mächte in den letzten Tagen zu einer erneuten Demarche in Belgrad entschlossen haben. Serbien wich einer befriedigenden Antwort stets dadurch aus, daß cs aus seine vermeintlichen Rechte nicht verzichten könne, weil die Mächte selbst der Annexion ihre Zustimmung nicht gegeben hätten. Da sich Rußland an die Spitze einer friedlichen Einwirkung aus die serbische Regierung gestellt hatte, trat die kaiserliche Regierung in einer den traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zu Rußland entsprechenden Weise an letzteres mit dem Gedanken heran, einer weiteren Aktion in Belgrad dadurch eine festere Basis zu geben, daß die Mächte einzeln durch 'Roten auf den ihnen von Oestei-reich-Ungarn zu erkennen zu gebenden Wunsch ihre Sanktimi zur Wbänberung des Artikels 25 des Berliner Vertrags aussprechen sollten. Es sollte bannt lediglich Serbien der Vonoand entzogen werden, seine Un- Nachgiebigkeit mit dem Hinweis auf die Haltung der Mächte gegenüber der Annexion zu begründen. Die Folge des Gedankenaustausches über bie deutsche Anregung zwischen Berlin unb Peters bürg war die Zustimmung der russischen Regierung zu Deutschlands moftlgemeintem Vorschlag, dessen durchaus freundschaftlichen Charakter und rein friedliche Tendenz richtig erkannt und bewertet zu haben. Ein unbestteitbares Verdienst des russischen Ministers des Auswärtigen ist, baß dieser mit seiner Auffassung recht hatte. Dafür spricht, daß nach einigem Zögern auch die anderen Regierungen sich dem deutschen Gedanlen angeschlossen haben.
Ein Grund zu Vexbächtigungen Deutschlands ober Rußlands kann in dem ganzen Vorgang also absolut nicht gefunden werden. Es hat, wie wir bereits früher festgestellt haben, keine Spur von „Drohungen" stattgefunden, und es konnte also auch teilten Drohungen nadjgegcben werden. Wir hoffen, daß die Polemiken anläßlich dieses Vorganges, der sich in Form einer freundschaftlichen Aussprache abgespielt hat, aufhören. Wer darin fortfährt, i setzt sich dem Verdacht der unlauteren Verhetzung aus. '
Rolf Ziegler spielte den Obersten mit gutem Glück, Und Willibald V ö l ck e r den alten Martin Winter nicht zanz ebenmäßig, aber mit erfreulicher Gewandheit. Sein reizendes Töchterchen wurde von Dorle Maifarth mit inniger, herzlicher Anmut gespielt, und als ihr überseliger Kerlobter glänzte Paul Kohlmann, der ausgezeichnete Darsteller männlicher Naiven. . ClairechAl h r e ch t war eine elegante, liebeselige Josefine, mit all den' bekannten Vorzügen, und Max K r o n e r t war als verschuldeter Wolf wieder von unvergleicklicher Charakterisiernngskünst, die uns schon so manche hübsche Leistung geboten hat. Lore Scholz verlieh der . Mathilde sprudelnde Löbendigteit und herzlichen Frohsinn, und Edgar Pauly-gab als Stettendorf wieder eine Probe, seines vielseitigeir Könnens. 2llles in allem eine glatte, gute Ausführung, die reichen Beifall fand, der in der Hauptsache natürlich dem beliebten Bene- ; floaten galt, der uns ja auch in der näMen Spielzeit er- j halten bleibt x. N.
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