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14.5.1909 Erstes Blatt
 
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Nr. 112

Freitag 11. Mai 1909

Blatt

159. Jahrgang

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Erstes

Der Gießener Anzeiger «s-ök*

erscheint täglichFaußer

Sonntags. - Beilagen: ijr'" *

ietzenerAnzeig

General-Anzeiger für Oberhessen

nnahme von Anzeige» W I ö I l

vornüttaA"^E Bofatioitsbnid und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- unb Zteinbruckerei B. Lange. Bebattion, Expedition unb Druckerei: Lchulstratze 7.

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.

Dos deutsche Naiserpaar in Oesterreich.

Auf die kurKe herzliche Begegnung unseres Kaiserpuares >mit dem italienischen Königspaare in Brindisi ist jetzt der Besuch des deutschen Kaiserpaares in Wien gefolgt.

Unter dem Donner der Kanonen der im Hafen von Po la versammelten österreichisch-ungarischen Kriegsschiffe und des Hafenkastells fuhr Donnerstag nachmittag gegen 1 Uhr die deutsche KaiserjachtHohenzolleru", gefolgt von den BegleitschiffenStettin" undSlechner" in den Jnnen- l Hafen, wo sie, nachdem die Kanonenschüsse verhallt waren, von den Matrosen des österr.-ungarischen (Geschwaders mit dreifachem Hurra begrüßt tonrbe. Nachdem dieHohen- Zollern" gegenüber dem .Kriegsarsenal verankert war/begab sich Erzherzogin Maria Josefa zur Begrüßung an Bord der kaiserlichen Jacht. Hierauf empfing der deutsche Kaiser den Marinerommandanten Grafen Montecuccoli, den Sattlyaller Prinzen Hohenlohe, den Korpslommandanten Poliorck, den Bürgermeister Bregato sowie mehrere andere höhere Be­amte, Offiziere und den Ehrendienst. Der Kaiser unter- ihielt sich in liebenslvürdigsler Weise mit den ihm vorge- stellten Herren. Der Ankunft der kaiserlichen Jacht wohnte aus der Riva und dem nahen Ufergelände eine große Menschenmenge bei. Um 2 Uhr fand auf derHohenzollern" ein Diner statt, wozu außer der Erzherzogin Maria Josefa, der Marinekommandant, der Stadthalter, der Korpskorn- mandant und der Bezirkshauptmann eingeladen waren. Nach dem Diner stattete das Kaiserpaar der Erzherzogin einen Besuch auf der JachtPhantasie" ab, wo die Majestäten den Tee nahmen. Um 1/25 Uhr erfolgte die Landung des Kaiserpaares an der Elisabeth-Mole, wo eine Ehrenrom- pagnie, zahlreiche höhere Offiziere und Staatsbeamte bei dem dort haltenden Hofzuge Ausstellung genommen hatten. Die Musik spielte die deutsche Nationalhymne Nachdem sich das Kaiserpaar von der Erzherzogin und den anwesenden hohen Offizieren und Beamten verabschiedet hatte, setzte sich der Hofzug um %5 Uhr in Bewegung. Abends fand im Marinekasino zu Ehren der Offiziere der deutschen Schiffe ein geselliges Beisammensein statt.

Bezeichnend für die große Herzlichkeit, mit der man in der Donaumonarchie unser Kaiserpaar empfängt, ist ein längerer Artikel derPolit. Storr". Dort heißt es: Dem morgigen Besuche Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm bei Sr. Majestät dem Kaiser Franz Josef wohnt eine politische Be­deutung inne, welche die aller früheren Begegnungen der beiden Monarchen überragt. Jede dieser Zusammenkünfte war ein Sinnbild des Oesterreich-Ungarn mit Deutschland verknüpfenden Bündnisses. Jeder kam im Lichte der je­weiligen Weltlage ihr besonderer Sinn und ihre besondere Wichtigkeit zu. Ein unvergleichlicher Glanz liegt auf dem Maitage des vergangenen Jahres, da Kaiser Wilhelm sich mit den anderen Bundesfürsten des Deutschen Reiches in Schönbrunn vereinigte, um Kaiser Franz Josef aus Anlaß seines 60sährigen Regierungsjubilüums eine für immer denk­würdige .Huldigung darzubringen. Kein früheres Erscheinen des deutschen Kaisers in Wien hat aber hier einen so tiefen politischen Eindruck hervorbringen können toie das jetzige, das auf die Epoche einer internationalen Spannung folgte, wie sie Europa seit langem nicht beherrscht hatte. Durch die Haltung, welche Deutschland während der Ereignisse einnahm, die sich seit dem vergangenen Herbst bis zum Anbruch dieses Frühjahrs abspielten, wurde die Balkan- krisis ans einer Angelegenheit Oesterreich-Ungarns zu einem gemeinsamen Erlebnisse der Monarchie und des Deutschen Reichs, sowie zu einer höchst lehrreichen Erfahrung für die gesamte politische Welt. Verlaus und Ausgang der Krise, zu welcher sich der jüngste Abschnitt der Zeitgeschichte ge­staltete, brachte die vielfach unterschätzte politische und mo­ralische Macht Oesterrerch-Ungarus zu achtunggebietender, sinnfälliger Erscheinung und zerstörte auf das gründlichste gewisse seltsame Legenden über ihre Vitalität. Zu diesem Erfolge kam die überaus wertvolle Wirkung, daß durch das unerschütterlich treue Zusammenstehen Deutschlands mit der Monarchie auch die Lebensfülle und Energie des Bundes zwischen den beiden Reichen, den manche als ein welk ge­wordenes Gebilde hinstellen zu können glaubten, allenthalben in eindringlicher Weise' ins Bewußtsein gerufen wurde. Die unzertrennliche diplomatische Waffenbrüderschaft, welche das Wiener Kabinett der österreichisch-ungarischen Re­gierung in dem Kampfe um die bosnische Sache bewies, erhöhte noch den warmen Grad der Freundschaft, die das Bündnis der beiden Mächte erfüllt, und fand in Wien und Budapest volle Anerkennung, die in tiefempfundenen Worten yum Ausdruck gelangte. Der jetzige Besuch Kaiser Wilhelms in Wien bildet einen krönenden Abschluß dieses epochalen Abschnittes in der Geschichte der Alliance. Die lebhaften Sympathien, die sich der deutsche. Kaiser in Oesterreich-Un garn durch seine fesselnde Persönlichkeit, durch die unge wöhnliche Herzlichkeit seiner Freundschaft und die hohe Ver­ehrung für unseren Monarchen erworben hat, erstarkt durch das unvergeßliche Ereignis der Fürstenversammlung in Schönbrunn sie erreichten in der letzten Phase der Welt- politit ihren Höyepunkt und brachten den obersten Vertreter des deutschen Reiches unserem Gemüte noch näher. Den Empfang, der dem deutschen Kaiser und der Kaiserin Auguste Viktoria von unserem Kaiser und den Mitgliedern des Kaiserhauses bereitet wird, werden die aufrichtiger ivarrnen Willkommengrüße begleiten, die ganz Oesterreich' Ungarn den treuen Verbündeten und dem unentwegten Freunde entbietet.

256. Sitzung am 13. Mai, 2 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht die am 13. November 1908 zu Berlin abgeschlwscue revidierte Berner L i t e r a r ko n v c n-- tron (innt Schutze von Werken der Literatur und Kunst).

Staatssekretär v. Schoen empfiehlt die Vorlage.

Abg. Junck (Natl.): Es wird für den Deutschen Reichstag eine Ehrenpflicht sein, der Konvention zuzustimmen. Sie bringt entschiedene Verbesserungen, namentlich dadurch, daß sie den Schutz des Urfoeberrcdity international gestaltet, ihn unabhängig macht von dem llrsprungslande. Wenn Artikel 13 das Urheberrecht an Werken der Tonkunst auch auf Übertragung solcher Werke auf mechanische Instrumente und auf deren öffentlichen Betrieb aus­dehne, dieser Bestimmung aber in einem Absatz 3 die rückwirkende Kraft abspreche, so habe das, wie er ausdrücklich betonen müsse, nur internationale Geltung. Die Konvention behindere uns nicht, diese rückwirkende Kraft für das Inland durch unsere innere Gesetzgebung auszusprechen. Und es fei erwünscht, daß dies geschehe.

Abg. Pfeiffer (Zentr.) begrüßt die neue Konvention eben­falls mit Genugtuung. Ebenso der Abg. Müller- Meiningen (Freis. Vp^j.

9tbg. Dietz (Svz. > erkennt an, daß die revidierte Konvention einen Fortschritt gegenüber der bisherigen bedeute.

Die Uebereinkunft wird in erster und zweiter Lesung ange- nomnien.

Es folgt die erste Lesung des Abkommens mit den Vereinigten Staaten über den gegenseitigen geiverblichen Rechtsschutz.

Abg. Junck (Natt, empfiehlt kurz das Abkommen, das wenig­stens einen theoretischen Fortschritt enthalte.

Es folgt das neue M ü n z g e f e tz.

Das Abkommen wird sodann in erster und zweiter Lesung genehmigt.

Die Annahme der Vorlage erfolgt ohne weitere Debatte in zweiter Lesung.

Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Lesung der Nove! le zum B a n k g e s e tz.

Es liegt hierzu ein Antrag Raab vor, von dem nach Abzug der Präzipuatdividende (3y>) verbleibende Rest des Reingewinns der Reichsbauk den Anteilseignern nur 15 Proz. statt 25 Proz. znkomme.n zu lassen. Auch 'soll die Dividende der Anteilseigner im Höchstfälle nur 6 Proz. betragen dürfen. Wie der Präsident mitteilt, ist über diesen Antrag namentliche Abstimmung be­antragt, die aber erst morgen statt finden würde. Abg. Raab (Wirtsch. $gg.) befürwortet den Antrag. Reichsbankpräsident Havenstein , bittet um Ablehnung des Anträge staab. Abg., Dvve (freit. Vgg., lehnt ebenfalls den Antrag : man dürfe die Anteileigner nicht enteignen. Abg. A h r e n D t (Rp.) tritt für den Antrag ein. Tie Anteilseigner seien bisher auf ihre Rechnung gekommen und könnten sich mit geringeren Einnahme zufrieden geben. Abg. Weber Ntl.) wendet sich gegen den Antrag, der ein untaugliches Mittel zur Lösung der Finanz reform darstelle; überdies treffe er keineswegs nur reiche Leute. Auch Abg. Fa ß b en be r (Ztr.) spricht sich gegen den Antrag Raab aus. Abg. Frank (Soz.- meint, man brauche mit den Anteile eignem der Reichsbank durchaus kein Mitleid zu haben. Abg. ft r e t h (Ks.) polemisiert gegen die Linke, deren Idealismus sich dann zeige, wenn es sich nicht um das Portemonnaie ihrer Freunds handle. Damit schließt die Diskussion. Morgen soll die namentliche Abstimmung über den Antrag Raab erfolgen; darauf Beratung des Viehseuchengesetzes. Schluß G1, i Uhr.

Die Reichswettzuwachsstkuet.

Eine Konferenz 'beim Reichsschatzsekretär, an der die Oberbürgermeister der großen Städte, Vertreter der Wissen­schaft und eine Reihe von Kommissaren der einzelnen Bundesstaaten teilnahmen, beschäftigte sich nach einem Bericht derVoss. Ztg." eingehend mit der Reichslvert- zuwachssteuer. Mau gelangte zu dem fast einmütigen Er­gebnis, daß die Frage der Reichswerlzuwachssteucr zurzeit noch lange nicht genügend getlärt sei, um mit einer Vor­lage an den Reichstag herauzutreten, daß ferner zweifellos die Erträgnisse der Steuer überaus großen Schwantungen unterliegen würden und die Steuer Bei günstigster Schätzung höchstens 12i/2 Millionen, bei optimistischerer und in be­sonders günstigen Jahren höchstens 20 Millionen bringen würde.

parlamcfttarifdKs.

DieBudgetkommission des Reichstages er­ledigte am Donnerstag durch einstimmige Annahme den Geieyentwurf über die Gewährung von Beihilfen an Kriegs­teilnehmer und setzte daraus die Beratung der Besoldungs­vorlage fort. Sodann wurde über die Zulagen für die oberen Beamten beraten . Auch hier liegt ein Kompromiß­antrag vor, der gegenüber der Regierungsvorlage eine andere Regelung vorschlägt. Von verschiedenen Seiten wird gegen die Aeußerungen des preußischen Finanzminisrers über die Arbeit der Budgetkommission des Reichstags Ver­wahrung eingelegt. Der Referent Dr. Dröscher ist bereit, diese Verwahrung im Namen der Kommission im Plenum einzulegen. Ter Kompromißantrag wird en bloc ange­nommen. Montag Weiterberatung über die Zulagen.

Die Justizkommission des Reichstags hatte in der ersten zur Beratung der Strafgesetzbuchnovelle an- beraumten Sitzung eine Subrommissiou eingesetzt, die sich über den Umfang der Arbeiten der Kommission einigen sollte. In der Subkommission wurde eine (Einigung der Parteivertreter dahin erzielt, auch bei den § 235 (sogenannter einfacher Kinderraub, erster Teil), § 239 Absatz 1 (einfache Freiheitsberaubung), § 120 (Jcfangencnbcf reiung) und § 111 Absatz 2 des Strafgesetzbuches Strafmilderungen durch alternative Einführung von Gelds rafe n tun bei Fr.iyeits- ftrafe zu beantragen, sowie auch für Lappalienber.-gsfä 1 le in Not die schweren Rückfallssträfen zu beseitigen wie beim Diebstahl aus Not. Wenn die Regierung, wie sie in Aus­sicht gestellt hat, aus diese Anregung der Subkommission eingeht, so würde sich sehr rasch eine wesentliche Verbesse­rung unserer strafgesetzlichen Verhältnisse herbeiführen lassen. Die streilig.' Malerie der Press b.l i.igung könnte dann für sich allein später behandel: w rden, ohne daß die im Interesse der Rechtsprechung briugenb notigen Milde­rungen einem Aufschub unterliegen müßten.

cm« Hessen.

Dir w e f e ß g e b n n u s « s2l u s f d) n ö 8er Zweiten K a m m e r, ber am Tonn. 'aq vormittag feine Beratungen wieder mihinhm, befcbä'tigie sich .uerit mit der Regletungsvorlage. beir. die Abänderung des Artikels 227 des Polizeisircügefetzbuches in der Fassung des Gesetzes vorn 25. Juni 1904 über das Offenhalten

o e r Schaufenster :c. Der "Absatz 1 dieses Artikels ioll folgenbe Fassung erhalten :Tas öffentliche'AussteUen oder Aushängen von Waren ist an Sonn- und Festtagen mährend der für den Haupt- gottesdienst bestimmten Zeit verboten. Dieses Verbot stiidet auf die hinter Schaufenstern und in Schaukästen ausgestellten Waren dann keine A »r w e n d u u g , menn deren Ost'enhalien während der oorqenannten Zeit burd) Örtssahnug (statutarische Anorbmmg) für zulässig erklärt worden ist. Bet Erlaß der Ortssatzimq ist nach ben Vorschriften der Städteordnung oder Landgemeindeorbnnng mit der Maßgabe zu verfahren, daß dem Besdiltitz der Gemeinde­vertretung (Stadtverordneten-Versammlung ober Gemeinderat) eine eimvöchige Cffenlegung des Satzungsentrotnss oorausgeben mriß." Der Ausschuß ist im allgeiireuien mit dieser Bestimmung ein­verstanden, ebenso mit dem weiter beratenen Gesetzentwurf, betr. die Abänderung des F i s ch e r e i g e s e tz e s. Eine endgiltige Beschlußsastung über beide Gesetzentwürfe soll jedoch erst in der iiächsten Sitzung erfolgen, nachdem die baut einzuladende Regierung über verschiedene Punkte nähere Erklärttiigeti abgegeben haben wird. Die Beratung der Wahlrechts-Vortage wurde zu­nächst nocl) verschoben.

DeutScbes Reick.

DieMecklenburgifcheVerfaffungsfrageim Reichstage. Tie Interpellation der Abgeordneten Tr. Pach- nicke, Link und ReickMgraf v. Bothmer über die mecklen­burgische Versaffungsfraae wird in den nächsten Tagen im Reichstage zur Verhandlung gelangen.

Rücktritt Wehners? DieMünchener Post" teilt mit, daß die Stellung des bayrischen Knlutusminislers er­schüttert sei. .Herr v. Wehner habe nur geringen Rückhalt mehr im Ministerium. Ms Nachfolger wird Frhr. von Hertling genannt.

Der Rücktritt des preußischen Kultusmi­nisters D r. Holle dürfte nunmehr in kurzer Zeit er­folgen. Der Minister hat in Godesberg eine Villa gemietet, sich aber das Vorkaufsrecht Vorbehalten. Die Ucberfiebo lung des Ministers dürfte Anfangs Juni erfolgen.

In der B ub g e t f omm if fi on des Preuß. Ab­geordnetenhauses wurde der Antrag auf Staats­unterstützung für die durch die Hochwasserschäden im Februar Betroffenen angenommen. "Aus den eingehenden Mitteilungen der Staatsregierung ging hervor, daß diese bereits ihrerseits diese Staatsunterstühung in Aussicht genommen unb Erhebungen veranlaßt hat.

Das R e i ch s s ch a tz a m t hat, wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, eine neue verbesserte Fahr­tarten st euer ausgearbeitet, die gleichzeitig mit den Besitzsteuern an den Reichstag gelangen soll.

Der Bundesrat genehmigte den Handelsvertrag mit Portugal, der dem Reichstage alsbald vorgelegt werden soll.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Bergnovelle hat den Entwurf in der Gesamt­abstimmung nach chren Beschlüssen zweiter Lesung ange­nommen.

AusiQNd.

Im Prozeß Lopuchin hat der Gerichtshof ben Ange­klagten Lopuchin der Zugehorigteit zu der verbrecherischen Gemein­schaft für schuldig erklärt und ihn zu f ü n s j ä h r i g e r Zwangs­arbeit verurteilt. Da Lopuchin Edesm'ann ist, wird das Urteil dem Kaiser unterbreitet. Die Verkündigung des Urteils in feiner endgültigen Form erfolgt morgen.

Stössel erlitt bei ber Nachricht von der Ablehnung feines Begnadigungsgesuches durch ben Zaren einen Schlaganfall. Sein Zustand ist gefährlich-

Aus ber Türkei. Jeni Gazetta bestätigt, daß von der Golz-Pascha vollständig in türkische Dienste übertreten werde. Wie verlautet, wurde gestern im Jilbiz ein neues 'Versteck mit einer beträchtlichen Geldsumme entdeckt.

Die französische Kammer hat nach bewegter Debatte eine Tagesordnung angenommen, in welcher der gegen ben Be-- amtenfircif mit 455 gegen 69 Stimmen und ber VertrauenspassuZ der Regierung mit 365 gegen 159 Stimmen votiert wurde.

U- Generalversammlung der Herdbuchgesellschasten für das Vogelsberger Rind.

th. Schotten, 13. Mai.

Unsere gestrige Tierschau ist glänzeno verlaufen. Vom frühen Vormittag an war ber Festplatz auf der Höhe des Bockzahl stark besucht, besonders von Interessenten und ftemiern unseres bei* mischen Vogelsberger Viehes. Man war mit hohen Erwartungen besonders aus bem preußischen Zuchtgebiet, in ben Vogelsberg gekommen und man gestand zu, daß diese Erwartungen durch das, was aus ben Bezirken Schotten, Eschenrod, Ulrichstein und Selin-- rod bei der Tierschau vorgeführt wurde, (die 4 Bezirke umfassen den halben Kteis), weit übertroffen sind.

Nachmittags 3 Uhr füllte sicy das luftige Festzelt mit ben Mitgliedern des Verbandes ber Herbbuchgesellschaften. Der Vor­sitzende Lanbrat v. H e i m b u r g in Wiesbaden eröffnete die Generalversammlung, indem er bemerkte, daß er heute die dritte derartige Versammlirng auf Grvßherzoglich,-Hessischem Boden leite. Es stehe eine wichtige Frage heute zur Verhandlung, nämlich die Fra^e, wie machen wir ben einzigen Nachteil unserer Vogelsberger Nasse gegenüber anderen Viehschlägen gut, wie erreichen wir eine größere S chne llwü chs i g ke it unseres Höhenschlages. Er hoffe, daß die Frage eingehend erörtert werde unb werde sie als goriten Leratungsgegenstand zur Diskussion stellen. Die heutige Tierschau m dem eigentlichen Geburtsland des Vogelsberger Rin­des, habe unzweideutig gezeigt^ daß dessen Zucht hier, wo es boden- Itänbig ist, mit großem Verständnis betrieben wird. Er rönne an ben hier gezeigten Leistungen konstatieren, daß man hier genau wisse, worauf es bei der Zucht ankomme und daher erkläre es sich auch, wenn man mit ber Zucht ber heimischen Vielstasse tiorangetomrnen ist. Mit den Tieren, die Ijeutc in einer großen; Zahl schöner Exemplaren vorgeführt feien, ist die Behauptung glänzend widerlegt bte Vogelsberger Zucht habe sich überlebt und sei im Zurückgehen begriffen. Die augenblickliche Strömung, Siminenthaler V^eh zu züchten, sei wohl mir vorübergehend. Das Vogelsberger Vieh Jet die Rasse, die für die Verhältnisse in unserem Gebirgslanoe paßt, die Eigenschaften besitzt, die den größten Nutzeffekt geioährleisten, und bescheidene Anforderungen an Cao <yutier peilt. Die Leistungsprüfungen beweisen unzweifel­haft. bau Zucht und Haltung des Vogelsberger Viehes im Ver- gleich zum ^tmmenthaler Schlage den größeren Verdienst bringt. -_tqe Seinnngsprüfungen find aber auch wichtig, weil sie ivert- rolle Unterlagen für eine Verbesserung ber Nachzucht gögebenj