Zweites Blatt
Nr. 36
Freitag IS. Februar 1909
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.
General-Anzeiger für Oderheßen
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e=g@5L Redaktion.112. Tel.-Ad r.:AnzeigerGießen»
139. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der vrühllch« Universiläts - Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.
Die „Siebener Zamillenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweiinal.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Berlin, 11. Februar.
Tort oben an der Nordseeküstc sichen Nachivahlen in Ailssicht, imb bavum unlerbielt inan sich heule im Reichstage 5 ©luiiben lang über den Heringszoll unb über den Preis der frischen Fische Herr Hahn hat sein bewundernswertes Agitations- und Organisationstalent auch atü diesem Gebiet zu betätigen gesucht; er hat eilte große Versammlung der Aktionäre der not leidenden Hochiee- fischerei-Gesellkchaiten inszeniert, ztl der and) die freisinnigen Förderer der Hochseefischerei gebeten wurden; aber der leidige Zufall wußte e§ so einzurichtcn, daß die Einladungen erst dann in die Hände der Herren Gothein und Fegtcr kamen, als die Versammlung schon getagt hatte. Heute glaubte daher Tr. Hahn sich als den einzigen wahreit und tlntcrrichtetcn Interpreten der Interessen und Wtinsche der Hochscefischer auhvcr'cn zu können, als ehrlichen Makler, wie er meinte; aber Herr Go t he in sprach die Besorgnis aus, das; die Maklerkammer einem Makler, der nach der Art des Dr. Hahn .zu handeln versuchte, das Attribut der Ehrlichkeit ab’ sprechen würde. Der Wunschzettel des agrarischen Fiichereiireundes war weniger kurz als „bündig": Verdoppelung oder Verdreifachung des Heringszolles, Beseitigung bc5 unter den seifigen Handelsverträgen leider noch bestehenden Zollirciheit für irische Fische, gesund- lwsiSpolizeiliche Untersuchung der ausländischen Fische an bestimmten Greuzhaienstationen unb Zahlung einer Subvention vott 2 Mill. Mk. im Jahre an die Fischereigesellschasten. Die Reichsregierung konnte ihm die erwünschten Zusagen nicht machen. Ihr Vertreter, der Ministerialdirektor Dr. v. Joncquiöres, zeigte sich bewandert ebenso in diesen Verhältnissen imb man gewann aus seinen dlus- mhrungen doch den Eindruck, das; Dr. Hahn die Sache sehr einseitig beurteilt. In bezug auf die Erhöhung deS HeringSzolls machte der Vertreter des Herrn v. Bethmann-Hollweg daraus aufmerksam, daß bei den teuren Fleischpreisen e§ zahlreiche Familien gibt, für die der Hering ein Hauptnahrungsmittel darstellt: und was die Subvention anlangt, so konnte er eine einfache Rechnung ausmachen, wonach die.Ersütlung dieses Wunsches die Sicher- si'ellung einer achtprozentigen Dividende kür b i e Fischerei-Aktiengesellschaften bedeuten würde, ohne jegliche Gegenleistung für das Reich. Die freisinnigen Abgeordneten, die in der Aussprache das Wort nahmen, insbesondere der Abg. Gothein, bestätigten seine Darlegung, daß es sich nur nm einen vorübergehenden Niedergang der Rentabilität bei diesem Gewerbe handle und daß noch vor kurzem recht ansehnliche' Erträge, bis zu 20 Prozent Dividende, erzielt worden seien. Die Auseinandersehunaen zwischen Dr. Hahn und seinen freisinnigen Gegnern zogen sich bis in die achte Abendstunde hin und entfesselte andauernde Heitcrkeitsstürme. Vorher hatte es bei anderen Titeln des Etats ktirze Erörterungen gegeben über H e i m a t s ch u tz und M u s e u m s s chä tz c; und ein Nachtragsetat für die Verstärkung der Betriebsmittel des N e i ch s gab Anlaß zu schon mehrfach gehörten Ausführungen über die Inanspruchnahme des Geldmarkts; die Finanzreform soll auch über diese Sorgen hinweghel'en.
Stimmungsbild aus dem preuh. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 10. Febr.
lieber dein mit einiger Spannung erwarteten Spektakelstück, betitelt „Tie Berliner L an dtogswahle n" hat sich denn nun wir kl ick schon am Mittwoch im Mgeordnelenhause der Vorhang gehoben. Der erste Akt ist vorüber, und der morgige zweite unb Schlußakt dürste die Beweiserhebung über den W a b l p r o t e st gegen die vier sozialdemokratischen Berliner Mandate unb ihre Beanstandung zum Ergebnis haben. An eine Ausdehnung dieser Maßnahme auf die ans gleichen Protest- grünben anfechtbar aber nicht angefochtenen freisinnigen Berliner Wahlen, wie die Sozialdemokraten ja wollen, ist nicht zu denken; das bewies schon der Verlaut der Mittwochsdebatte. Herr Ströbel, der Wirwärtsredakteur, hielt eine teils larnwhantc, teils von Grobheiten gegen die bürgerlichen Parteien, insbesondere den Freisinn, ftrvtzeirde Philippika wider die unterschiedliche Behandlung der roten und der freisinnigen Mandate. Er war der denkbar ungeeignetste Sprecher in dieser Frage, und seine gcschlvollenen Tiraden begegneten dem ätzenden Spott der bürgerlichen Redner, föerr Fischbeck von der Volkspartei, zur Zeit der bestgehaßte Liberale bei den Genossen, legte überzeugend die Rechtslage dar, die das Begehren der Sozialdemokraten unerfüllbar macht. Und dem freisinnigen Sprecher sekundierte wacker der .konservative Stroßer, der sich diesmal rhetorisch und dialeklisch in bester Form zeigte. Der Redner der Rechten machte sich ein besonderes Vergnügen daraus, die Geuosseu mit ihren Besckpverden über den angeblich groben Ton der Kvmmissionsverhandlungen ab absurdum zu führen, indem er ohif Herrn Ströbels Schurkenstreich-Artikel im „Vorwärts" exemplifizierte, diese unerhört grobe Beleidigung in der Kommission unb ihrer liberalen Mitglieder. Selbst Herr v. Kröcher.der sich int allgemeinen mit der Stottc des Kämpfertrennenden Herolds zu bescheiden pflegt, -konnte der Versuchung nMt widerstehen, die entrüsteten Sozialdemokraten ein wenig zum dupe des Hohen Hauses zu machen; er schuf sich eine niedliche Gelegenheit dazu, indem er in der Form einer liebevollen Zurechtweisung für Herrn Strvßer emphatisch auf den Treu- und Verfassungseid der sozialdemokratischen Mitglieder des Hauses .hinwies unb daran die mit schallender Heiterkeit aufgenommene lächelnde' Versicherung knüpfte,-von diesen dem König und der Verfassung eidlich verpflichteten Genossen denke natürlich keiner an beit Umsturz der Staatsordnung. Schmunzelnd quittierte der einstige Präsident des Hauses, der greife v. Köller, der in der Präsidentenloge -ber Sitzung beiwohnte, dieses gelungene Impromptu seines. Nachfolgers. Herr. Cassel von der Volks Partei hatte in einer persönlichen Bemerkung sehr glückliche Momente tvitziger Desavouierung der Genossen, und es wurde viel bemerkt, baß er, wie vorher in noch schärferer Tonart sein Parteifreund Fischbeck, eine glatte Absage an das Berliner Tageblatt richtete. Vor der Mandatsdebatte hatte das Haus, in aller,Gemächlichkeit noch das Lehrerbesoldungsgesetz in zweiter Lesung erledigt; auch die Resolutionen der Kommission fanden fast alle Gnade vor den klugen der Volksvertreter. Nur die Resolutionen, die. gesetzliche Vorschriften über Große und Beschiffenheit der Dienst- rvohnungen der Lehrer und eine Erhöhung des Dispositionsfonds für die früher pensionierten Lehrer sorderten, scheiterten an dem Widerstande der Rechten.
Stimmungsbild aus dem preutz. Abgeordnetenhaus.
Berlin, 11. Febr^
War schon der erste Tag der Debatte über den „Schurken streich" der Wah'lprüftmgskoTmnission und der Freisinnigen für die - Sozialdemokratie recht ungünstig, so war es der zweite noch mehr. Von allen Ecken und Guben bc» bürgerlichen Lagers haspelte es nur so von scharfen Zurechtweisungen und Widerlegungen, von Spott- und Hohnworten an die fldresse des Herrn Ströbel und seiner Freunde. Und iviebcr waren es die Sprecher
des Freisinns und der Konservativen. Herr Pachnicke uni> Herr Malkewitz, sonst Politische Antipoden, die in vorderster Reihe gegen die roten Wahlterroristen horsteten und die grimmigsten Schläge austeilten. In einem Punkt sreilich schieden sich die Wege des Freisinnigen imb des Konservativen: Als Pachnicke die geheime Wahl als Vvrbeugungsmittel gegen den roten Terror solvohl tvie gegen die Wiederkehr solcher Wahlbeanswn- dungen empsahl, da wollte Herr Malkewitz nicht mitmachen. Aber das war heute nur Beiwerk. Daß die Sprecher der National- liberalen unb Freikonservativen diesen beiden Rednern resolut die Stange hielten, bedarf keines Wortes, ctiüa5 lässiger führte der Zentrumsmann seine Klinge in diesen Stampf wider die äußerste Linke. Mit stürmischem Gelächter quittierte das Haus die Entschuldigung der Nichtanwoscnheit der Genossen in der Sitzung jener Abteilung, die die Wahlproteste an die Prüfungskommission verwies. Die Herren, die über die Abteilung Zeter und Mordio g.eschrieen hatten, aber selbst bei der Ueberweisung der Proteste an die Kommission gefehlt hatten, behaupteten heute, sie hätten die Abteilungssitzung versäumt, weil sie — den Fahrstuhl n i ch t hatten benutzen können! Alles in allem, es war recht ungünstig, wie die Sozialdemokraten mit dieser Haupt- und Staatsaktion gegen die Liberalen abschnitten, unb als sie am Ende garnochselbstfürdieVeaustandnng ihrer eigenen Mandate — ans Pr in z i p — ftim- men mußten, da erlebte das ganze Haus einen Moment ungetrübtesten Behagens. Der Wahlprüftlngsdebatte folgte die Weiterberatung des Justizetats, die eine bemerkenswerte Rede des freisinnigen Juristen v. Liszt über die Reform des juristischen Studiums und eine nicht minder beachtenswerte Kritik des Jugendgerichts wesens durch den Nationalliberalen H a a r m a n n brachte. Auch dieser Gegenstand der Tagesordnung gab verschißenen Rednern Gelegenheit, mit der Sozialdemokratte ein Hühnchen zu Pftücken. Morgen geht die Debatte weiter; wenn alles gut geht, hofft man auch noch die Pfarrerbesoldungsgesetze in zweiter und das Lehrerbesoldungsgesetz in dritter Lesung zu erledigen.
politifc^e Tagesschau.
Eine erhebliche Vermehrung der Zahl der Aerzte im Deutschen Reiche
steht, wie die Storr, des Verb, der Aerzte Teutsckil. schreibt, in den nächsten Jahren bevor. Bekanntlich hat die Zahl der Medizin Studiereirden nach der amtlichen Statistik in den letzten drei Jahren um 36 Prozent zugenommen, obwohl schon in den früheren Jahren der Andrang zirm Studiuni der Medizin so groß war, daß der Bedarf an Aerzten für absehbare Zukunft reichlich gedeckt erschien. Während im Prüfungsjahr 1906/07 553 ärztliche Approbationen erteilt wurden, haben in denr gleichen Jahre sich 1038 Studierende der sogenannten ärztlichen Vorprüfung erfolgreich unterzogen, nach deren Ablegung noch ein Studium von etwa fünf Semestern und die Ableistung des Praktikantenjahres erforderlich ist, um die Ärztliche Approbation zu erlangen. Es ist also in etwa 3—4 Jahren ein unverhältnismäßig großer Zuwachs au Aerzten zu erwarten, der sich jedoch nicht auf die obengenannte Zahl beschränken wird. Es fommt vielmehr hinzu eine große Reserve Don älteren Kandidaten der Medizin und Medizinal- praktikanten. die zu jenem Zeitpunkt gleichfalls in die Praxis treten werden, außerdem noch die große Zahl von jüngeren Aerzten aus früheren Jahren, die in Ermangelung ausköurmlicher Praxis- stelleu nach >vie vor sich mit Vertretungen, Assistenten- und Sckfifs- arztftelleir behelfen müssen, um nicht beschäftigungslos zu sein. Ten angehenden Aerzten bieten sich deshalb bis auf weiteres trübe Aussichten für die Zukunft, und die Folgen der Ueber- sülluug des Standes für diesen selbst, sowie für die Allgemeinheit sind kaum abzusehen.
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Dec liberale Pfarrer Traub in Dortmund.
Auf Grund einer Denunziation bin hatte, wie kürzlich mitgeteilt wurde, das Kgh Slonfiflorhun der Provinz Westtalen gegen den Lic. Traub in Dortmund ein Unterfuchuugsoerwhren beantragt. Der Evangelische SD b e r f i r d) c n r a t hatte dieses abgelehnt, aber dem liberalen Pfarrer gleichzeitig seine Mißbilligung ausgesprochen. Er tat dies in- einem Schreiben, ba§ nach der .Christi. Freiheit" folgenden Wortlaut hat: „Die vernommenen Zeugen stimmen insofern überein, als sie au5 Ihrer Predigt in mehrfacher Hinsicht den Eindruck einer pietätlosen unb verletzenden Behandlung des d)riftlid)en Osterglanbens mitgenommen haben. Unb weiter lassen mehrfache, von beu Zeugen insoweit ebenfalls übereinstimmend befunbete Redewendungen Ihrer Predigt cr- fennen, daß Sie in Ihren Ansiührllngen zu diesem Eindruck Anlaß gegeben haben. Dies muß auch von solchen Aeilßerungeii gelten, bei welchen Sie — zum Teil wohl mit Grund — inhaltliche Mißverständnisse der Zeugen behaupten."
Hess. Verein für ländliche heinialpslege, wohlsahrt- nnd Aunstpflege.
(Schluß.)
Friedberg, 10. Febr.
Heber die Verbesserung der
Volksernährungsmittel auf dem Lande,
insbes. Gewinnung und Behandlung von Säuglings- unb Kinder-Mil ch, verbreitete sich Kreisarzt Tr. Nebel- Friedberg, der ausführte,'/daß von 10U() Kindern 200 (im Kreis Friedberg 160) im ersten Lebensjahre sterben und nur 700 das sechste Jahr erreichen. Auch die sinkende Geburtszahl in Deutschland legt die Verpflichtung auf, der Kindersterblichkeit entgegenjumirfen. Dazu gehört vor allem eine gute Ernährung der Säuglinge. Wenn-das Stillen- der Siinber nicht möglich ist, auch kurzes Stillen übt schon einen günstigen Einfluß-aus die spätere Körper - entroicflung aus), eignet sick< als Ersatz am besten die Milch von Tieren. Es muß danach gestrebt werben, daß in allen Gemeinden eine einwandfreie Milch für Säuglinge zur Verfügung steht. Dieselbe braucht nicht nach den strengen Bestimmungen der Milch- verkaufsordnung gemeinten zu sein, sondern soll nur von trocken "gefütterten Kühen stammen, und könnte als sogen. „Trockensittter- milch" verkauft werden. Ihr Preis dürste nur unbedeutend den der gewöhnlichen Milch übersteigen. Von großer Wichtigkeit ist die Behandlung der Milch, damit sie nicht einer Zersetzung durch Keime unterliegt und den Kindern schädlich wird. Es empfiehlt sich, dafür zu sorgen, daß in jeder Gemeinde besondere Milch- kochtöpse billig käuflich zu erhalten sind. Au Unbemittelte müssen sic unentgeltlich, oder auch leihweise abgegeben werben können. Tie Reinhaltttng der Flaschen und Säuger" ist von großer Wickftig- keit. Es sollen durch die Standesbeamten bei den Geburtsanzeigen Aterkblätter unentgeltlich verteilt werden, die die wichtigsten Punkte betr. die ^äuglingsentährung enthalten. In beit Hanshalttlngslehrkursen kann als besonderer Lchrgegenstand „Die
Behandlung der Milch bei der Säuglingsernährung" eingeführt werden. Zu diesem Teil des Kursus können außer den eigentlichen Kursteilnehmeriuuen noch junge Frauen und Mädchen zur uneutgcltlichcu Autcilnahme ausgcsordert werden Ta die Ziegenmilch ein hervorragendes Ernährungsmittel sür Säuglinge ist, sollte die Ziegenzucht weiter mit allen Mitteln befördert werden. Bei Neubauten kleiner ländlicher Wohnungen könnte stets auf den Ban eines Ziegenstalles hingewirkt werden.
Auch diese Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall belohnt Und der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, daß die in dem Vortrag medergclegten Vorschläge geeignet sind, auch der ländlichen Bevölkerung gute und nicht zu teuere Kinder- milch zuzuführen. Znr Förderung vollkommener Einrichtungen aufdiesem Gebiet hat (der Verein zwei Preise zu 50 Mk. ausgesetzt. Oekonomierat Spieß Friedberg empfiehlt ebenfalls die Ziegen^ milch als wichtiges Slindernährmittel. Er beantragt ferner, daß der Verein beim Ministerium vorstellig werde, um eine Aendenmg der strengen Bestimmungen der MilchverlaufSordnung hinzuwirkcu. Tiefer Antrag findet einstimmig Annahme. Pfarrer Wahl aus Beienheim bittet, daftir zu sorgen, daß die erwähnten Merkblätter auch wirklich zur Ausgabe gelangen. Ter Vorsitzende verspricht, daß der Verein für die möglichst? Durchführung der Leitsätztz sorgen werde.
Der von der Versammlung gutgeheisenc Borstandsbeschluß lautet: Ter Vorsitzende wird ermächtigt, für den Fall, daß ein etneue Form von Kindcrmilck, sog. Trockenfutternrilch, zu- gelassen wird, 2 Preise von je 50 Mark und 2 Ehrenpreise, eventuell in einem näher zu begrenzenden Bezirke, für diejenigen hessischen Landn-irte ausznsetzen, welche hervorragend gute und zweckmäßige Einrichtungen für Gewimumg und Mgabe von ..T r o ck c n f n 11 c r m i t ch" in ihrem Lite nach auswärts binnen bestimmter Zeit getroffen habe. Zum Wettbewerbe können mir Landwirte zugel.affcn werden, welch? Vereinsmitglieder sind, oder vor Beginn der bett. Wettbewcrbszeit Bercinsmitglieder geworden sind.
F-ür den
ländlichen Arbeitsnachweis
stellte Geh. Regierungsrat F e» folgern)? Leitsätze auf, die namentlich auch dem Hereinströmen fremder Arbeiter entgegenwirken sollen: Die Einrichtung von Kreis-(Bczirksü Arbeitsnachweisen in den Landstädten (in erster Linie in solchen, die in der Nähe von Großstädten liegen) und die Besetzung der bei diesen angemeldeten Stellen mit int Kreise (Bezirke) seßhaften Arbeitern ist nicht nur im wirtschaftlichen Vorteile des Landes, sondern auch im Interesse der ländlichen Heimat- und Wohlfahrtspflege gelegen und dringend anzuraten. Wo solche Krcis-(Bezirks-)Ar- bcitsnachweise bestehen, ist es als eine Pflicht der Arbeitgeber in Landstädten und Dörfern anzusehen, diese Arbeitsnachweise durch ^(nmclbung freier Stellen zu fördern und sich wegen Stellen- befcfcitng nicht direkt an die zentralisierten Arbeilsimchlveise der Großstädte zu wenden Inwieweit es im Interesse der ländlichen Wohlfahrt gelegen ist, mit solchen Arbeitsnachweisen auch Wohnung s n a ch N'e i s e und Nachweise von Ban Plätzen für ländliche Bauwesen, landtvirtt'chaftliche und gewerbliche Anlagen zu tierbiiiocn, richtet sich nach den örtlichen Verhältnissen. Es erscheint als eine Ausgabe des Staats- Arbeitsnachweise der vorbemerkten Art, welche unter schwierigen Verhältnissen entstehen und tätig sind, finanziell kräftig zu unterstützen.
Nach einer Satzungsänderung, die das finanzielle Verhältnis dec Ortsgruppen zum Hauptt>erein regelt, erfolgte die Wiederwahl des seitherigen Vorstandes durch Zuruf. Ter Vorsitzende dankte für das dadurch bekundete Vertrauen und schloß die Versammlung mit dem Versprechen, auch fernerhin die Bereinsarbeit zu leiten int Sinne der Förderung des Glückes aus dem Laude.
Sitzung ter Stadtverordneten.
Gießen, 12. Februar.
Anwefend sind: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Keller, Georgi und Hcyligenstaebt; die Stadtverordneten: Dr. Biermer, Brück, Tr. Ebel, Eichenauer, Emmelius, Faber', Gabriel, Grünewald, Dr. Gutflcifch, Habeuicht, Dr. Haberkoni, Öaubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jughardt, Krumm, Leid, Lober, Loos, Petri, Plant, Schaffslacbt, Simon, Troß, Wallenfels, Tr. Wimmenaner unb Winn. Ferner Direktor Guß- .mami-Siegen unb Betriebsleiter Stolle.
Vor Eintritt in die Tagesordnung spricht Beig. Georgi herzlichen Tank dafür aus, daß man in der ersten Sitzung d. I. seiner 25jährigen Zugehörigkeit zur Versammlung so fteundlich gedacht hat. Er müsse zwar sagen, daß die Anssührnngen des? Oberbürgermeisters hierüber manche Ucbcrtreibung enthalten hätten, denn er habe stets nur seine Pflicht getan; er sei stolz daraus, daß er in den lohten 25 Jahren, in denen die Stadt Gießen sich so mächtig entwickelt habe, bei der städtischen Verwaltung habe mitwirken können und verspreche, auch sernorhin nach Straften seine Pflicht tun zu wollen.
Mitteilungen.
Ter Akademische Gesangverein hat die Mitglieder der Versammlung zu einem anläßlich seines neunzigjährigen Stiftungsfest am 18. Febr. b. I. stattfindenden Abendessen mit anschließendem Ball eiugeladen.
Ebenso lädt der A it s s ch u ß der Studierende n zu bentl am 19. d. M. aus Anlaß des vierzigjährigen Dvzentenjubiläums des Geheimerats Prof. Tr. Heß stattfindenden Festkomrncrs ein...
Die elekttische Straßenbahn.
Ten Stadwerordneten ist eine umfangreiche Aufstellung über die Moficit der im Prinzip bclanntlich schon genehmigten Straßenbahn zugegangeu, der einige Angaben wogen einer ev. Berpachtting der Bahn beige fügt sind. Danach würde die Bahn bei Vergebung der gesamten Bauausführung an die Sie.nens-Schuckertwerke 59-_> 791,71 M. und bei Vergebung an die Allgemeine Elektrizüäts- gosellschait 596 265,79 M. kosten. Wenn nur die Ausführung der Oberlettung und die Lieferung' der Motorwagen an eine der beiden Firmen erfolgt, die übrigen Anlage-Arbeiten aber von der ^tadt selbst ausgeführt werden, so kostet die Anlage der Bahn unter Mitarbeit von Siemons-Schuckert 583 000 M. und bei Mitarbeit der A. E.-G. 583 753,68 M. Bezüglich der cd. Ueber- nahme des Pachtbetriebes liegt nur ein Angebot der A E -G vor, während Siemens-Schuckett dies ausdrücklich ablehnt. Zunächst wirb über die Frage beraten, ob die Bahn für den Betrieb verpachtet worden sott, für welchen Fall auch für den Ban nur das Angebot der A. E.-G. in Frage kommt.
Ter Vorsitzende gibt zunächst einen lleberbficf über bic* ^Erhandlungeii und erläutert das der Versammlung vorgelegte ftatiftim'e Acatenal (auf das wir demnächst nodi außerhalb d<Ä Rahmens dieses Berichtes einzugehen gebeufen\ Tie Kommissioucn, nut der Vorbereitung der Vorlage betraut waren, — Fiuanz- unb Vcrkehrsdepiitatioit — haben einstimmig beschlossen, daß man von einer Verpachtung der Bahn absehen möge.


