Zweites Blatt
Nr. 215
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
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Es roerbcn hierauf bie
Antrage zur Agitation
ingcn seien, darunter cm solches von oen imroc> i s VX ™ “ V/-T Er idjlicBt daran die Mitteilung, daß der Bor-1 Vorstand .^charge erteil.
159. Jahrgang
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Rotationsdruck und Verlag der Brühuschen Universuäls - Buch- und Sleindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: es® 51. Redaktion: e=^ 112. Tel.-2ldr.: AnzeigerGießen.
Die „Gießener Famillenblätter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
teilt werden sollte. Er habe nur gewünscht, tag wenigstens die Wahlkreise, die reine Wahl hatten, rechtzeitig Die Berichte ab- lieferten. Las die Landaroeüerfrage betreffe, so habe die Partei (ul-.ü getan, um die "ugüniion unter diesen in Angriff zu nehmen. Eereits seien erfreuliche ü. olge, namentlich in oen rseinländiichen daß die Linderschutztommisswn
eine allgemeine Lache sei, aaer <» liege doch hier eine Aufgabe vor, i)ie vorwiegend der f>rau iiöcrune]cn werden sollte. Tie anderen Referenten reizichten. aufs Lchlußworl. Darauf wird dem
Dienstag 14. September 1909
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Deutschlands" eingesetzt. Die Alaifeicr hatte nach 'dem Bericht in einigen Bezirken unter der schweren Wirtschaftskrise zu leiden, von einem Ziückgang der Arbeitsruhe könne aber keine Rede fein. Tas am 15. Juli ins Leben getretene sozialdemokratische Bresse- Bureau hat einen Zuschuß, aus der -vaupttafse in Höhe von 27 750 Aiark benötigt. Der „Vorwärts" hat einen Reingewinn von 111142 Mark erbracht, der „Wahre Jakob" hat eine Aboiuienten- zahl von 230 000, einen solchen von 37 105 Mark. Die Buchhandlung Vorwärts hatte einen Umsatz von 511 727 Mark. Jur dl.' Parteischule sei die Berichtszeit ein Abschnitt ruhiger Entwickelung gewesen, auch der Bildungsausschuß habe einen guten Fortgang genommen.
Der Kassenbericht, erstattet von A. Geh risch, besagt, daß das aügelausene Geschäftsjahr für die Partei ein sehr gmes war. Die E.nnahmen seien gegen das Vorjahr um rund 252 000 Mark gestiegen. Trotz der andauernden Krise seien die eigentlichen Parteibeiträge wiederum stark gestiegen. Auch die „nordische Wasserkante" habe wieder hohe Beträge abgeliefert. Die Einnahmen belauien sich auf 1 105 24U, die Ausgaben auf 621 202 Mark. Von den Einnahmen entfallen auf die nordische Wasserkante 218 637, von den Ausgaben auf Unter nüt-ungen 10 015, aus Prozeß- und Gefängniskosten 6 469, aus allgemeine Agitation 239 065 Mark. Abgesehen von einem Kassenbestande von 79 348 sind für Kapitalanlage übrig 433 063 Mark. Von der Parteipreise benötigten 16 Blatier eine finanzielle Beihilfe aus der Hauptlasse, diese betrug z. B. bei der „Nordhäuser VolkSztg." nur 500 Vlark, stieg aber bei der „dllnigs- berger Volksztg." auf 16 000 und betrug bei der „Pollnft), n Eazetta Roboinieza" 13 000 Mark. Tie Ausgaben für dicParill- prcsse insgesamt beliefen sich auf 89 780 'Mark.
Zu dem Bericht des Polllandes erklärt '21 bg. Molkenbuhr, daß der Vorstand die R e 1 ch s N na n z r es 0 r m durchaus nicht |ür abgeschlossen halte, sondern einen Genossen mit der Ausarbeitung einer auiklärenden Broschüre beauftragt habe.
Kaden (Dresden) erftaliet dann den Bericht der Kontra! I- k 0 mmissi 0 n. Im 6. Berliner Wahlkreis wurde der Genosse Heinrich ausgeschlossen, weil er krankheitshalber drei Tage vor der Landtagswahl nach dein Harz reifte und zur Wahl nicht zurückgekehrl ist. Schiedsgericht und Kontrollkommission hielten ober eine Rüge für ausreichend. Wegen schwerer Anscbuldigungen gegen Parteimitglieder wurden die Genossen Klauber (Nönneberg), Kloppe (Elberfeld) und Spgnniol (Oberhausen) aus der Partei endgültig ansgeschlossen. Em Schieosgericht beschäftigte sich mit dem Pantower Streit, lehnte aber den Ausschluß der Genossen Rover, Korber und Hillmann ab. Tagegen verfügte die Kontrollkommission den Ausschluß Röders und sprach bezüglich der beiden anderen Genossen die Erwartung aus, daß fie sich von der Haltlosigkeit der Angrifse Röders gegen die Partei überzeugen würden. Vier Rix- dorier Genossen wurden ausgeschlossen, weil sie anstatt zu wählen, eine Rhemreije machten. Gapwirl Hiiter (Köln-Ehrenield) wurde ausgeschlossen, weil er bei den Gemeindewahlen für den ualional- liberaleii Wahlvorstand gestimmt hatte. Kalwer halte im „Tag" einen Artikel erscheinen lassen, war deswegen aber vom Schieds- geeicht freigejp rochen worden. Die Kontrollkommrssson hob Die Entscheidung aber auf wegen formaler Gründe und oeriügte, daß die Sache noch einmal das Schiedsgericht beschäftigen solle. In Stuttgart wurde der Genosse Müller aus der Partei ausgeschlossen, weil er über zwei geschlossene Dersammlungen an ein bürgerliches Blatt berichtet hatte. Ter Ausschluß ivurde von der Kontrollkommission bestätigt. Mehrere Beschwerden von Parteimitgliedern betrafen die Richlaufnahme von Artikeln seitens des .Vorwärts" und anderer Blätter. Sonst habe die Kontrollkommission alles in bester Ordnung gesunden und beantrage daher, dem Vorstand Techarge zu erteilen.
Bus 0 ld Friedberg 1. Hessen- spricht über die Landarbefter- organifation, nut der die Panei noch sehr im Rückstände sei. Erst durch die Erstarkung des Bundes der Landwirte und seine Organisation sei die Partei aus die 'Rotlage der Landarbeiter aufmerksam geworden. Es müsse aber für sie noch mehr geschehen, daher: „Hinaus aufs rmnd!" — M ö r s i n g (Beuchen^ hebt hervor, daß der lückenhafte Bericht des Vorstandes über die oberschlesische- polnische Organisation den demagogischen Gelüsten von üorfanti) und 'JuLPiral-jn gewissermaßen Vorschub leiste. Tie „Gazetta" Rododnicza" habe die Tatsache, daß die PaNei 13 400 Mark für die polnische Agitation hergegeben habe, zu allenei spöttischen Bemerkungen veranlaßt, die nun die Runde durch die bürgerliche Presse machten. — Mörfeld Köln- hält den Hinweis aus den Volksverein jur das katholische Temschiand unb seine angeblichen Erfolge in bezug auf Organisation unb Agitation für nicht angebracht, da der Vvlksvercin auf eine ganz andere Werfe zu seinen Mitgliedern komme als die Parker. Ein beliebtes Agr- tütion&mittel twn ihm bestehe darin,
ii 1 e m a n d e n a u s d e m V c r s a m rn l u n g s 10 k a l z u l a s s e n der uiwt Mitglied geworden sei. ^^eiterten. > — Katzen nein ^Berlin begründet die Beiurworrung von ütnoell'chutzwmmmtonen unter der Feauenorganisatioon. — In seinem - jluüiuort erklärt Molkenbuhr, daß den Pfälzern kein des allerer Rüssel er-
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Ge??r Fabrik3,°ti' Misner, S£lf<cV' 3. Mül*®;* Lahö^ lirnburgm'—
Ans Stadt und Land.
Gießen, 14. September 1909.
** Oef fentliche Gesundheitspflege. Vom Großherzogi. Ministerium wurde der a. 0. Professor an der hiesigen Universität Tr. Tannemann mit der Wahrnehmung der dienstlichen Verrichtungen eines pfychiatrtsaun Hilfsarbeiters in der Abteilung für öffentliche Eejunöheits- pflege beauftragt.
** V. H. C., Zweig der ein Gießen. Am Sonntag vormittag versammelten sich gegen 60 Personen zu einer genußreichen Wanderung nach dem hessischen Tor.i- röschenbad Salzhausen, wo eine Zusammenlunft mu den 'Mitgliedern der Zweigvcreine Frantfurt und Schotten stcut- finden sollte. Man ,uhr zunächst nach Hungen, um von dort nach dem Quellen gebiet bei Inheiden za gehen, dessen Besichtigung Prooinzialdirektor Geheimerat Tr. Breidert in entgegenlommenüer Weise gestattet hatte. Ingenieur Zimmer m a n n von der Neubauverwaltung der Provinz Oberhessen hatte die Führung übernommen und erläuterte an Ort und Steile die Arbeiten, die bereits erkennen lassen, welches gewaltige Aulturwerk die Provinz mit der Anlage dieses großarttgen Wasserwerkes ausfuyr,. Das Werk wird auf eine täglrdje Forderung von 40 000 Kubikmetern anflelegt, von denen 30 QoO an die Siadt Frank-
stand beut^ früh beschlossen habe, den schwedischen Genossen, die Opfer über Opfer brächten, zul den bereits bewilligten 20 000 ML
noch weitere 30000 Mark zu bewilligen.
(lebhafter Beifall.) Tie Parteileitung wisse, daß ne nut diesem Beschlüsse dem Dillen und dem Wunsche der deutschen Geirossen Reckmung trage. Er beauftrage also den Finanz Minister der Partei, diese einmütig bewilligten 30000 Mark sofort abzuschicken. (Heiterkeit und Beifall.)
Sodann erstattet- Abg. Molkenbuhr den Bericht des Parteivorstandes an den Parteitag. Ter Bericht geht zu nächst auf die politische Lage ein. In dem Kampfe um die Steuern seren zwei Erscheinungen von verl)ängnisvoller Bedeutung verschwunden: Fürst Bülow und der Block. Die Ansichten Bülows, es sei möglich, eine Politik zu treiben, in der konservative und liberale Auffassung sich 'die Wage hielten, feien Ideen eines Phantasten, aber nicht das Programm eines Staatsmannes gewesen. Wenn die Bülowschc Polittk in der Agitation richtig aus- gerrutü werde, dann werde man weftere Millionen von Proletariern der Organis.llon zuführen tonnen. Hemmend auf den Ausbau der Crgxnufation habe die seit 1907 währende wirtschaftliche Krise gewirkt, die sich im Laufe des Berichtsjahres noch verschärfte. Ter Bericht geht dann auf einzelne Fragen ein. Tie Zahl der
organisierten männlichen „Genossen" fei von 557 878 auf 571050, die der weiblichen Mitglieder von 29 458 auf 62 259 gestiegen. Die Gesamtmitgliederzahl betrage 633 309, das bebaute eine Zunahme von 45 973 oder von 7,8 Prozent gegen 10,7 Prozent im Vorjahre. In 20 Wahlkreisen besitze die Partei noch reine Organisation. Zur Frauen- organifation betont der Bericht, daß in 257 Orten der Beschluß des Nürnberger Parteitages, eine Frau mit in den Vorstand zu wählen, ausgeführt wurde. '2luf dem Gebiete der Jugendbewegung wurde die „Zentralstelle für die arbeitende, Jugend
befoanbdt Ein Antrag Eilenburg, alljährlich im Anschluß an dm Parteitag eine Konferenz der Ingen -rgoniiation abzu-- halten, findet keine genügende Unterstützung. — Gei ß MannhctMi begründet einen Antrag, unter den RHeinschisfern eine intensivere Agitation zur Gewinnung dieser Tausende von Reichstags:vahlern zu betreiben. Riolkenbuhr meint, der Eintrag richte fich cigciuliü) gegen die Mannheimer selbst. Es müßten nicht nur die Rhein- schisser, sondern alle Brnne,lichtster überhaupt ins Auge gefaßt werden. — Der Antrag wird dem Vorstände zur Erwägung überwiesen. — Ein Antrag von T itm ann ^Frankfurt a. M. aus Anstellung eines zweiten Parteisekretärs für den oberrheinischen Bezirk wird angenommen. Hieraus werden die Anträge tut Jugendorganisation begründet. Abg. L i e b k n e ch c plädiert für bessere Unterstützung der Jugendorganisationen und begründet vor allem einen Antrag Potsdam—Osthavelland und Jugendausschuß Berlin, mehr Mittel für die Jugendgewin- nung flüssig zu machen und die Zeitung „Arbeilerjugend" billiger als bisl-er abzugeben. Er wünscht, das; die vielfach vorhandenen Tisserenzen, besonders mit dem gewerkschaftltck)en Bildungsausschuß beigelegt werden. Wenn man sehe, wie die bürgerliche Jugendorganisation von allen Seiten unterstützt werde, so müsse man daraus bringen, daß das Gvgencüumberarbeiten, wie es hier und da noch in die Erscheinung trete, endlich aushöre. Zum Sck)luß läuft noch VE Vorstand des KreiSvereins Recklinghausen ein Antrag ein, in dem die Erwartung ausgesprochen wird, das; der Parteitag einen würdevollen Verlauf nehmen unb den bürgerlichen Parteien keinen Anlaß geben werde, bie im Volke berrjdumbe Mißstimmung anläßlich der Neichsfinanzreform von sich abzu- wälzen, dies würde besonders der Zenttumspartei gefallen, da deren Einfluß durch bie längsten Vorgänge besonders bei den kall)olischen Arbeitern stark ins Wanken geraten sei.
Darauf trat die Mittagspause ein.
Auch zu Beginn der Nachmittagssitzung liegen weitere Anträge zu den verschiedenen Fragen vor. Berlin V. beantragt die Herstellung eines Abendblattes des „Vorwärts" in Erwägung zu Sieben. Bielefeld-Wledenburg verlangt die Enthallung vom Scyna-psgenuß als Protest gegen die ausbeuterische Steuerpolitik der Regierung. Eine fd>arfe Resolution von Berlin I. wendet sich gegen das Zusammengehen mit den Liberalen. Frank- turt, Halle, Berlin III., Göppingen, Stuttgart und Hamburg mrurteilen mehr ober weniger scharf die Hofgängerei der Württemberg ifeben Landtagsabgeordneten, die als „Schwabenstreich" bezeichnet wird. Tie Genossen von Saarbrücken wehren sich in einer Resolution gegen den Verkauf von Ansichtspostkarten mit den Photographien lebender Parteigenossen. Potsbanv-Osthavellanb hat eine Resolution gegen den „hochverräterischen und meineidigen Zarismus" eingebracht. Dortmund-Hörde will der Affäre der sozialistischen Monatsi-csie mit einer Stur ä la Eisenbart ein Ende machen, indem es ein fad) dekretieren will: Genosten, welche ferner an den sozialistischen Pöonatsheften mitarbeiten, sind aus der Partei auszuschliehen.
Tie Diskussion in der Rachmillagssitzung dreht sich weiter um die Jugendorganisationen. Gradnauer (Dresden) spricht sich ebenso ime Liebknecht für größere Beachtung der Jugend- erganisationen und der Jugend überhaupt aus, da ui ihr bie Zu- llmft der Partei liege. Die Anträge betreffend Jugendorganisation werd.m der Jugendzentrale überwiesen. Redakteur Albert (Bres- liiu; beantragt, den Vorstand zu ersuchen, alles Material über die Reichssinanzreform zu sammeln und in Broschürensorm herauszugeben, unb zwar mit IIlu str at ionen, die die Wirkung der neuen Steuern veranschaulichten. (Hefterkeit.) Für den Partei- Vorstand erfiart hierzu Müller (Berlin-, daß bereite ein Handbuch hierüber in einigen Wochen herauskommen werde. Rach längerer Debatte wirb ber Antrag für erledigt erklärt durch bie Absicht des Parteioorslandes, ein Handbuch über bie Reichsfinanzreform herauszugeben.
Es folgen bann die Anträge, die eine Einschränkung bezw. völlige
Aushebung des Branntweinkonsums bezwecken. Loebe (Breslau- begründet folgenden Antrag: Ter Parteftag empfiehll allen Parteiorganisationen und ber Partei- Presse emc planmäßige Propaganda zur Herabminderung des Branntweinkonsums zu entfallen. Diese Boykottbewegung soll die Verkürzung des Ertrages der Branntweinsteuer unb möglicherweise auch dec Liebesgabe zum Ziel haben. Ter Schnapsooykott unier- scheide sich, so führt ber Redner aus, wesentlich vom Bierboykott. Während ber Bierboykott das Ziel habe, die Preise herabzumindern, bainit später desto mehr gctrunlen wer bett könne, habe der Säuiaps- boykott den Zweck, den Slonsum von Scl-naps dauernd auszuschallen. Vereinigen wir uns alle in dem Ruse: Weg mft dem 3-uf'cl der Agrarier! (Lebhafter Beisallll — Hoffmann (Bielefeld, begründet bann einen Antrag folgenden Wortlautes: Der Parteitag wolle beschließen, von den Angehörigen der modernen Arbeiter- beir-igung zu fordern, sich_ jeden Genusses von Schnaps zu enthalten, um durch diese Lteuerverweigerung energischen Protest gegen die ausbeuterische Steuerpolitik der Regierung etn^ulegen. Es fei der wahre Hohn, wenn man bie Biersteuer am lu. August ein führe, die Schnapssteuer aber erst am 1. Oktober in Straft treten lasse, um währenb der erhöhten Gierpreise ben Arbeiter an den noch billigen Schnaps zu gewöhnen in der Hoffnung, oaß er ihn auch spater trinten werde, wenn er teuerer geworden sei. — Loebe (Breslau- faßt die verschiedenen Anträge zu einer Resolution zusammen, die unter tosendem Beifall, besonders von der Galerie her, einstimmig angenommen wird. Bum Schluß der heutigen Sitzung berichtete der Vorsitzende Singer über die Vorbereitungen zu dem internationalen S 0 z t a l i st e n - ü 0 n - greß in Slopenhageu, der im lülchfüm Jahre stattfinben soll.
Daraus wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt.
Sozialdemokratischer Parteitag.
4 Leipz^ig, 13. Sept. , Die heutige erste geschäftliche Sitzung des Sozialdemokratischen sParteftages wurde kurz nach 9 Uhr vom Vorsitzenden, Rctchstags- ttbgeorbn.eten Paul Singer, eröffnet. Bebel, der befnmmt lemxrrict wird, ist noch nicht eingetroffen, dagegen erfcknenen zu ®egrnn, von den Süddeutschen lebhaft begrüßt, Georg von Dollmar, der ungekrönte König von Bayern, in Begleitung ferner Gattin, der Tochter eines schkvedischen Bergwerksbeutzers. Mvch einigen geschäftliichm Ötitteilungat erfolgten die ubluyen Begrüßungsansprachen.
Genosse Boer (Wi-en- spricht nanrens der deutick-en >205101- kraten Oesterreichs, die den Verhandlungen des deutschen _ krattsckien Portellages den besten Erfolg wünscheti. (Bet- ) Die LeÜQtreicher hätten ein lebhaftes Interesse an ben ________ deshalb, mal die hier erfolgenden Beschluiie stark <aif~bte St2lllng ber österreichischen Genossen euirorrttcn.. __3roci Fragen seien hier von besonderer Bedeutung: Einmal die üiage her Jugenborganisatwii und dann bie Frage der Maiseier, deren siveckmäßige Erledigung von den österreichischen Genossen besonders gewünscht werde, damit bie Geschlossenheu der 00zial- demokralle gewahrt bleibe. (Beifall.) — Nemec .Prag- über- bringt die brüderlichen Grüße der tschechische Sozialdemokratie. — Namens der Sudslawen begrüßt ü'rrstan (Laibach- den Parteitag. Sein Erscheftren auf diesem Parteitage ,et ein^BewaiS des Vordringens der revolutionären Sozulldemokratie. -Lie nrd- »slawischen Länder i)ätten in der Agllallon noch Mit Den größten iSckMierigkeiten zu kämpfen. Der größte Feind ,er hier der Älenkalisinus, der mit dein deutschen Zentrum gar nicht zu ver- fileid)cn sei. Dazu kämen nach 'bie nationalen Peria- iebetcheften. — Namens des indischen Proletariats , Jrul>t Genossin a)on < berg (Rußlanb). Auch im indischen Proletariat beginne ess sich kräftig zu regen. Es sei ber ökuivmische Kamps, Der bie Eeii.ei aufrüttcle. Tie alten Organisationen bes lübuchen Proletariats in Rußland würden weller ausgebaut. Bereits erschienen gwei eigene Organe. Ter tote Punkt sei überwunden, es gehe vorwärts, wenn auch im Anfänge nod) schwach. Tas indische ^rok'taria. habe stets seine inteiitationalc Pflicht getan und es gelooe naa# einer furzen Ermattung von neuem nicht zu ruhen, bis bie Verben Spitzen ber heutigen Gesellschaft, der Absolutismus und J>er ty.uin- talisrnus zettrümmert seien. Lebhafter Beifall.- —- titzende Singer teilt bann mit, daß verschiedene k3egrul3ung=-- teltgramme cutgegangcn seien, darunter ein solches von den schwedischen Genossen. C' " ' "" r"
Eenerol-Anzeiger für Gderheffen
li. Ersaht, in ob. auii Mb.u.M8li.MK : erteilt bilL
11. Angebote unter (t Giehener Anzeiger et h beschaffe :h und verschwiege» er u. Teilhabe orgemerkt 3000 kqq
1 Reflektanten für 1* u. gewerbliche Betri- ■anchen, Stadt- u. Ur tücke jeder Art. 1— gungen sind die c-ii »sten, von Jedemu bar. Verlangen 'n freienBesucbzwtö •acbe. w Kommen Xachf. afRh, Kreuzgasse.Hl nternebmen mit bin» len, Hannover, homsß ipzig, Karlsruhe Iß.
Line Lrilärung der Abg. Dr. Böhme.
Der Reichstagsobg. Böhme, der, wie wir nriigeteilt haben, vor einigen Tagen im „Tag" die Ziele des deutschen Bauernbundes darlegte, hat sich jetzt mit ähnlichen Erklärungen an die Wähler seiites Reichstagswahlkrcises gewandt. Wir erhalten darüber folgenden Beriel)t:
Marburg, 13. Sept. Der Reichstagsabgeordnete für den hiesigen Wahlkreis, Dr. Böhme, hat sich bekanntlich -infolge seiner Haltung bei der Steuerreform mit dem Bund der Landnttrle überworfen und ist infolge der Uebernal)me der Führerrolle beim Bauernbund auch aus der Wirtschaftlichen Bereinigung ausgetreten. Er erlaßt jetzt an seine Wähler eine 4 Quartdruckseiten umfassende Erklärung, in welcher er seine Stellungnahme zu rechtfertigen unternimmt. Er ftll)rt u a aus, daß es ihm seine ehrliche Ueber- ^eugung nicht mehr gestatte, an dem Verhalten der dcr- Aeittgen Leitung des Bundes ohne Kritik vorüberzugchen. jEr stände auf dem Boden der alten Politil Dr. Böckels, und diese bedeute bekanntlich den Sck;utz des kleinen Mannes. In dieser Beziehung versage jedoch der Bund vollständig und deshalb müsse er die Trennung voll- Kiehen. Wenn der Bund bei der Erbanfallsteuer nachgegeben hätte, wäre es möglich gewesen, die Finanz- reform zu Wege zu bringen, ohne gerade den Mittelstand und den fleinen Mann schwer belasten zu müssen. Die berechtigten Bärs en steuern wären deshalb doch angenommen worden. Die Bündler des preußischen Abgeord- ^-netenl-auses hätten direkten Verrat an der Landbevölkerung dadurch begangen, daß sie gegen die Raiffeisen-Genossen- Ichaften vorgegangen seien. Dr. Böhme weist ferner den Vorwurf entschieden zurück, daß der Bauernbund vom Hansa- Hund Unterstützung empfange. Er führt schließlich auch aus, daß er nicht gegen die Massen der Anhänger des Bundes der Landwirte käurpse, sondern nurgegendie Führer. ,Er werde den Angriffen, denen er wohl )etzt ausgesetzt sei, nicht weichen, sondern als Einzelner, wie im Jayre 1905, von Ort zu Ort ziehen und mit den Waffen, die eine ehrliche Gesinnung und ein gutes Gewissen gewähren könnten, weiter kämpfen.
Soweit Dr. Böhme. Ob er mit diesem Schritt auf eine Wiederwahl rechnen kann, wird vielfach bezweifelt.
Das Programm der Kabinetts Weäerlö.
< Der ungarische Ministerpräsident ist wieder einmal zu Beratungen nach Wien gereist. Was über seine Ziele und Absichten verlautet, ist nicht viel Neues. Erfreulich ist, daß er an der einheitlichen deutschen Heeressprache nicht gerüttelt haben will, wozu freilich der alte Kaiser Franz Josef auch xnie seine Zustunmung geben würde.
O f e n p e st, 13. Sept. Ministerpräsident Dr. W e ck e r 1 e list heute abend zu einem zwei- bis dreitägigen Aufenthalte nach Wien abgereist. Er wird an den gemeinsamen Mi- Tristerkonferenzen teilnehmen, die zur Feststellung des ge- nreinsatnen Budgets stattfinden. Der Ministerpräsident wird auch vom Könige in Audienz empfangen werden und ihm Vorschläge für die Klärung der Lage unterbreiten. Was (den Standpuntt des Kabinetts betrifft, so wünscht es, nach einer Meldung des „Pester Lloyd", eine Regelung der Bant- frage bis 1917. Bezüglich der Militär frage verwerfe das 'Kabinett den Standpuntt, daß es vor den Reichstag nicht mit der Forderung der für Heer und Marine beanspruchten bedeutenden Ättlitärkredite treten könne, falls nicht gewisse bescheidene, von militärischen Auwritälen gebilligte Zu- lgeständnisse bezüglich der Zulassung der wrgarischen Sprache |in der Armee gewährt werden. Betreffs der Wahlreform schlägt das Kabinett gewisse Aenoerungen der ursprünglichen Vorlage vor. Es läßt die dreifache PLuralität fallen und dehnt das Wahlrecht auch wieder aus jene Analphabeten aus, die es bisher ausgeübt haben, so daß das Prinzip des allgemeinen Sllmmreckfts möglichst verwirklicht wird.
Ein Berliner Blatt wlll wissen, daß der Minister des Innern, Gras Andrassy, mit dem Programm bezüglich der Wahlreform nicht einverstanden fei und im Falle der Annahme seinen Abschied nehmen werde. Auch mit dem Rücktritt des Ackerbauministers sei zu rechnen.
-'eiü imenioeliliit > und AuskM lue» uud Uabß, aliceitmrai
aiusicnngnng Schularbeit« Gliche Nachhilfe ni MrvvoneinemT men.
fragen in der Sei ' Eichen. Anzeigers.


