Ausgabe 
10.4.1909 Viertes Blatt
 
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Sir. 84

Erscheint tLgNch nttt Ausnahme deS Sonntags.

Die ^Siebener Kamiliendlätter" werden Dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisbtotl für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Viertes Blatts LSU. Jahrgang Samstag 10. April IVOS

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General-Anzeiger fflr Gberheßen Redaktion:e^ii2.Tel.-Adr^Anze1geM^ßen!

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Liberalismus, und ich meine, daß dieser Standpunkt auch ti vielen Kreisen der konservativen Parteien und selbst bei

rennen, daß cm anderer Weg nicht gangbar ist. (Sehr richtig, bet den Nationalliberalen und links.)

Wenn wir zu diesem Entschluß gekommen sind, so setzte ich voraus, daß einmal bet der .Heranziehung der Deszen­denten den besonderen Verhältnissen des landwirtschaft­lichen Gewerbes Rechnung getragen wird, zum zweiten, daß alle Vorsichtsmaßregeln in dem Gesetz getroffen wer- den, um Steuerschnüffeleien hintanzuhalten, namentlich be- znglich des Haushalts und des Fahrnisvermögens, bei dem vielleicht die Feuerversichernngspolize zugrunde gelegt wer­den kann, und wir stellen loeiter die Bedingung, die auch tn der Regierungsvorlage aufgestellt ist, daß kleinere und mittlere Erbteile frei bleiben, über die Grenzen hinaus, die tu der Regierungsvorlage ausgestellt sind. Dieser unser Standpunkt ist gedeckt durch die Auffassung der national-

Verinischtcs.

* Sericnlos-Schwindel. Wir haben wiederholt vor den ^erlenlos-Gesellschasten gewarnt, die von Kopenhagen, Ham. bürg und Bremen aus auf den Gimpelfang gehen. Tie Vorstände der Vereine Kgl. Preuß. Lotterie-Einnehmer der Thüringisch- Anhaltnchen Staaten und des Gvoßl)erzogtums Hessen senden uns nun ein Rundschreiben, in dem festgestellt wird, daß es immer nvch Tageszeitungen gibt, die Anzeigen und Prospekte aufnehmen wlchee Leute, die sich Bank- und Lotteriegefchäfte nennen, in Wirk lnukeit aber beides nicht sind, sondern in gewissenlosester Weise das Publikum auszubeuten versuchen. Aus dem Rundschreiben fei folgender Fall erwähnt:Zunächst liegt uns ein Prospekt der Firma Rud. Laß, Hamburg, vor. Auf demselben ist groß autgedruckt: Im ganzen Deutschen Reich gesetzlich erlaubt. Unter ausdrücklicher Garantie. Keine Serien-Äse. Seine verbotene Lot­terie. Ganzes Originallos nur 3,10 Mark. Besehen wir uns die Sache nun näher, so finden wir, daß es sich um den Verkauf von Anteilen an Ottomanischen 400 Franks-Losen handelt. Ob­wohl zunächst in benr Prospekte der Anscktein enveeft wird als wurden hier ganze Originallose zu 3,10 Mark herausgegeben ist dies natürlich weit gefehlt. Ist nun eine Person den Verlockungen gefolgt, w erhält diese einen einem 'Lotterielose nachgebildeten Sfenr>mit »dem Auforuck, daß der Zahlende Miteigentümer des 4000 Franks Loses Nr . . . ist. Dies Miteigentumsrecht er-- fleckt nch aber nur auf den 30. Teil des Loses, soweit selbiges vorhanden ist, was sich auch nicht kontrollieren läßt. Betrachten wir nun die Sache vom rechnerischen Standpunkte, so werden wir zur Ansicht kommen, daß es sich hier um eine plumpe lieber- Vorteilung des Publikums handelt. Der Kurs eines Türken- loies, von dem nur der 30. Anteil zu 3,10 Mk. erworben ist, ist zur Zeit 144,60 Mk. Wie nun vorher gesagt, sind 30 Teil­nehmer .zu entern Lose nötig. Diese zahlen 30x3,10=93 Mk Tie,er Betrag wird nun seitens des Bankhauses Laß zwölfmal im Jahre erhoben, das sind in Sumwa 12x93 Mk. = 1116 Mk Dieser,Summe steht der Anschaffungspreis von 144,60 Mk. gegen­über, fo daß demnach für das 1 Los 971,40 Mk. zu viel erhoben trerben Wo fließt nun dieser Betrag hin? Doch nur in die Tasche des Unternehmers, der auf diese Weise das kaufende Publi­kum ausbeutet. Auf diese Art werden oft 30-50 Lose verkauft, gleich einem Verdienst des Unternehmers von etwa 3050 000 Mark. Genau so ist es bei den Finnen Helms in Bremen, N S Grave u. Co in. Kopenhagen, Max Schröder in Hamburg, Julius Werner in Haviburg,Bvunonia" in Braunschweig und vielen anderen. Bet letzterer haben wir sogar festgestellt, und dieser aus den .Kopf zugewgt, baß sie das Publikum um 6612 Mk. be- nachteiltge bczw. diesen Betrag mehr erhebe, als die Anschaffung von Losen koste. Hierauf ist von feiten des Geschäftsführers der Btunvnta ferne Wrtrart erfolgt, also damit die Berechtigung unserer Behauptung zugegeben worden. Interessant dürste es auch ,ern zu erfahren, daß derartige Spielbankiers ihr Jahres

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eine Hebung zu einer Artigkeit, die zu erwerben die Schülerinnen später leicht Gelegenheit haben. Wird aus der Danz stunde jur die Schülerinnen eine fortgesetzte Festlichkeit mit allerlei Stirn- mungen und Regungen, die mit der Sache an sich nichts zu tun I^ben,jü verderben die Nebenfolgen eben mefo, als durch den erreichtem Zweck aut gemacht wird. Die Schülerinnen sind int lU^*rLiC^t Jnr Monate abgelenkt, zu Dorheiten aufgelegt und werden mit einer Wichtigkeit ihrer Persönchen erfüllt, die die Disziplin.fortdauernd 'ck>ädigt. Es ist durchaus überflüssig, daß sich mit der-, Tanzstunde ausfälliger Putz und Kinderbälle vev^ binden, per Ionen, die einen rein geschäftlichen Zweck dabei ver- WMwissen unter harmlosen Bezeichnungen diese Bälle zu erschleichen. Mögen die Mütter hier wachsam sein und sich ernstlich fragen, ob gegebenenfalls sie mehr das Wohl ihrer Töchter

Lande, über welche uns Hunderte von | cinfommcn selbst auf 60000 Mk. angegeben haben, was wir durch Vermittelung einer hochangesehenen Auskunftei feststellen Etm Tiese Gelder tommen natürlich nur aus den Taschen ^s Publikums, welches in Aie Hände dieser famosen Herrmi Bankiers genauen ist. ^.as Rundschreiben schließt nut der Bitte,

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Die Nationallibrralen und die Neichbfinnnzresorm.

DasBcrl. Tagebl." gibt in einem Entrefilet, das sich auch sonst durch mancherlei fröhliche Torheit auszeichnet, der nationalliberalen Reichstagsfrattion ben guten Rat,sich selbst einmal darüber klar zu werden, welche Ziele sie bei der Reichssrnanzreform erstrebe". Ein Liebesdienst ist den andern wert. Wir möchten demBert. Tagebl.", so schreibt setzt dieNatl. Korr." hierzu, dafür empfehlen, sich in die Rede zu vertiefen, die der Aba. Bassermann .am Diens- taa, dem 30. März, zu Eingang der Sitzung im Reichstag gehalten hat. Dort führte er mit einer Klarheit, die jedes ^Mißverständnis ausschloß, aus: die Nationalliberalen ließen sich von zwei Gesichtspunkten leiten. Zum ersten dürfte die Flnanzreforni nicht wieder ein Stückwerk sein. Zum zweiten

~ e?n ®e.öot der sozialen Gerechtigkeit und der ^taatsklugheit die tragfähigen Schultern genügend heran- gezogen werden. Dabei hätte für die Nationalliberalen von vornherein festgestanden, daß die Besitzsteuer nicht in o^?o^u.der Matrikularbeiträge aufgebracht werden dürfe und daß sie eine allgemeine Steuer sein müsse, die jeglichen Besch, auch den Grundbesitz, ergreife. Der Abg. Basser­mann schilderte nun im einzelnen, wie man früher in den 90er Jahren in nationatliberalen Reihen sich noch Mr eine Reichseinkommensteuer begeistert habe; wie man dann spater die Reichsverrnögenssteuer für den besten Weg der Heranziehung des Besitzes hielt, bis man erkannt habe, daß dafür tm Reichstag und, 25iinbe3rat keine Mehrheit M erhalten fein würde. Dann nach einer Schilderung der Aussichtslosigkeit des Gampschen Kompromisses sagte der nationalliberale Führer wörtlich:

cm Anter -diesen Umständen erachtet hie weitaus große Mehrheit der nationalliberalen Partei den Ausbau des Erbschaftssteuergesetzes und die Heranziehung der Deszen­denten für eine Notwendigkeit. (Lebhaftes Bravo bei den

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